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Full text of "Nachrichten von der Königl. Gesellschaft der Wissenschaften und der Georg-augusts-universität zu ..."

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Nachrichten 



von der 



K. Gesellschaft der Wissenschaften 



und der 



Georg - Augusts - Cnivcrsitälr. 



aus dem 




THIS ITEM HAS BEEN MICROFILMED BY 

STANFORD UNTVERSITY LffiRARIES 
REFORMATTINGSECTION1994. CONSUL 
SUL C ATALOG FOR LOCATION. 



t .1 » 



Göttingen. 

In Commission in der Dieterich'schen Buchhan.Unog. 

1878. 



Man bittet die^Verzeichnisse der Accessionen 
zugleich als Empfangsanzeigen für die der kgl. 
Societät übersandten Werke betrachten zu wollen. 



<••••• 



Reg^ister 

über 

die Nachrichten von der Eönigl. Gesellschaft der 
Wissenschaften und der Oeorg-Augusts-Universität 

aus dem Jahre 1878. 



L. von Bar als ordentlicher Professor in die 
juristische Facultät zu Göttingen versetzt 563. 

Fritz Bechtel, Habilitation in der philos. Fa- 
cultät 563. 

H. Behagel v. Adlerskron, z. Dr. phil. 
prom. 432. 

Beneke- Preisstiftung, s. Götting. II B.c. 

Theodor Benfey, Einige Worte über den Ur- 
sprung der Sprache 45. 

Altpersisch Mazdäh, Zendisch Mazdaonh, 

Sanskritisch Medhä's. Eine grammatisch-ety- 
mologische Abhandlung 67. 

Die eigentliche Accentuation des Indica- 

tiv Präsentis von ig »sein« und y« »spre- 
chen« 165. 

MaJittmy Nom. sing, von mahdntj drittes 

Beispiel Rigveda IV, 23, 1 190. 

— — Einige Derivate des Indogermanischen 
Verbums *an&A = sanskritisch nabh 213« 

Der Bindevocal i im Sanskrit 413. 

Jubiläumsfeier 564. 

8 806? 



Heinrich Ernst Beyrich in Berlin zum Cor- 
respondenten der k. Gesellschaft der Wissen- 
schaften erwählt 509. 

Ädalb .Bezzenberger, lieber einige ayestische 
Wörter und Formen 251. 

Aug. Bock er, z. Dr. phil. prom. 498. 

Georg Böhm, z. Dr. phil. prom. 430. 

Professor Bohtz, Jubiläumsfeier 564. 

Paul Rieh. Brücber, z. Dr. phil. prom. 499. 

A. V. Brunn, lieber die Vena azygos 246. 

Eurd Bürkner, Habilitation in der medicini- 
schen Facultät 563. 

Georg G a n 1 r in Halle zum Correspondenten 
der k. Gesellschaft der Wissenschaften er- 
wählt 509. 

D e d ekin d , lieber den Zusammenhang zwischen 
der Theorie der Ideale und der Theorie der 
höheren Gongruenzen 1. 

Eob. Dettloff, z. Dr. phil. prom. 498. 

Richard Deutschmann, Habilitation in der 
medicinischen Facultät 563. 

0. Drude, lieber die Verwandtschaft und sy- 
stematische Bedeutung von Ceroxylon Andi- 
cola 33. 

Carl Dyck erhoff, z. Dr. phil. prom. 499. 

Victor Ehrenberg, Habilitation in der juri- 
stischen Facultät 563. 

Friedr. August Eduard Ehrenfeuchter, An- 
zeige seines Todes 278. 

A. Enneper, Üeber die Flächen mit planen 
und sphärischen Krümmungslinien 332. 

— — üeber eine Gleichung zwischen Theta- 
F -— n 550. 



Andreas Freiherr von Ettingshausen, An- 
zeige seines Tpdes 508. Zum Andenken an 
denselben 516. 

Walter Friedens bürg, z. Dr. phil. prom. 
431. 

J. Fuchs, lieber eine Classe von DiflFerenzial- 
gleichungen, welche durch Abelsche oder 
elliptische Functionen integrirbar sind 19. 

Theod. Friederici, z. Dr. phil. prom. 498. 

Eugen Geinitz, Habilitation in der philoso- 
phischen Facultät 280. 
Georg Geisenhof, erhält einen Theil des Prei- 
ses der theologischen Facultät 329. 
Wilk Gercken, z, Dr, phil. prom. 498. 
Oskar Göltschke, z. Dr. phil. prom. 499. 
Theodor Görges, erhält den Preis der medici- 

nischen Facultät 330. 
Eugen von Gorup-Besanez, Anzeige seines 

Todes 508. 
Göttingen: 

I. Königliche Gesellschaft der Wissenschaften. 
A. Feier des Stiftungstages 505. 
£. Jahresbericht, erstattet vom Secretär, 
Herrn Geheimen Obermedicinalrath W ö h« 
1er 505. 

a. das Directorium der Societät ist zu 
Michaelis d. J. von Herrn Grisebach 
in der physikalischen auf Herrn We- 
ber in der mathematischen Classe 
übergegangen 508. 

b. Bericht über die 1877 durch den Tod 
verlorenen Mitglieder und Gorrespon- 
denten 508. 

c. Verzeichniß der neu erwählten Mit- 
glieder und Gorrespondenten 509. 

C. Verzeichniß der gehaltenen Vortrage und 



6 



vorgelegten Abhandlungen: Fr. Wüsten- 
feld, die Familie el-Zubeir 1. Abth. 1 
(in den Abhandinngen gedruckt). — R. 
Pauli, Earolingische Geschichte in alteng- 
lischen Annalen 1. — Dedekind, üeber 
den Zusammenhang der Theorie der Ideale 
und der Theorie der Gongruenzen 1 (in 
den Abhandlungen gedruckt). — P. 
de Lagard 6, TertuUianea 15. — J. 
Fuchs, üeber eine Glasse von Differen- 
tialgleichungen, welche durch Abelsche 
oder elliptische Functionen integrirbar 
sind 19. — 0. Drude, üeber die Ver- 
wandtschaft und systematische Bedeutung 
von Geroxylon Andicola 33. — Th. Ben- 
fey, Einige Worte über den Ursprung 
der Sprachö 45. — F. Wüstenfeld, 
Die Familie el-Zubeir 2. Abth. 67 (in 
den Abhandlungen gedruckt). — Th. 
Benfey, Altpersisch Mazdah, Zendisch 
Mazdäodh, Sanskritisch Medhas 67 (in 
den Abhandlungen gedruckt). — P. de 
La gar de, Kritische Anmerkungen zum 
Buche Isaias 67 (in den Abhandlungen 
gedruckt). — J. Petersen, Beweis eines 
Lehrsatzes betreffend die Integration 
algebraischer Differentialausdrücke be- 
ziehungsweise algebraischer Differential- 
gleichungen unter geschlossener Form 68. 
— Karl Schering, Mittheilung aus einer 
Experimentaluntersuchung über die »Rei- 
bungsströmec 88. — Marme, Mittheilun- 
gen aus dem pharmacologischen Institute zu 
Göttingen 102. — H. 0. Lang, Beiträge 
zur Physiographie gesteinsbildender Mi- 
neralien IL 153. — Th. Benfey, Die 
eigentliche Accentuation des Indicativ Prä- 



sentis von ig »sein« und g>ä »sprechen« 
so wie einiger griechischer Präpositionen 
165. — Derselbie, JfaMw», Nom. sing. 
Drittes Beispiel 190. — J. He nie, Zur 
vergleichenden Anatomie der Krystalllinse 
213. — Th. B enfey , Einige Derivate des 
Indogermanischen Verbums *anhh = san- 
skritisch nabh 213. — P. de Lagarde, 
Erklärung chaldäischer Wörter 213 (in 
den Abhandlungen gedruckt). — H. Lud- 
wig, Die Bursae der Ophiurenen und de- 
ren Homologen bei den Pentremiten 215« 

— A. Orisebach, Die systematische 
Stellung von Sclerophylax und Gortesia 
221. — R. Pauli, Drei volkswirthschaft- 
liche Denkschriften aus der Zeit Hein- 
richs yni. von England , zum ersten Mal 
herausgegeben 221 (in den Abhandlungen 
gedruckt). — M. Stern, Beiträge zur 
Theorie der Bernoulli'schen und Euler'- 
Bchen Zahlen 221 (in den Abhandlungen 
gedruckt). — W. Marme, Beobachtun- 
gen zur Pharmakologie des Salicin 229. 

— A. v. Brunn, üeber das Verhältniß 
der linken Intercostal venen zur Vena azygos 
246. — Adalb. Bezzenberger, Ueber 
einige avestische Wörter und Formen 
251. — F. Wüsten feld, Coptisch- 
Arabische Handschriften der Eönigl. Uni- 
versitäts-Bibliothek 285. — A. Grise- 
bach, Der Dimorphismus der Fort- 
pflanzungsorgane von Cardamine cheno- 
podifolia Pers. 332. — A. Enneper, 
Ueber die Flächen mit planen und sphä- 
rischen Krümmungslinien 332 (in den Ab- 
handlungen gedruckt). — W. Henne- 
berg, Chemische Untersuchungen auf 



8 

apistiBchem Gebiete 341. — Schwarz, 
lieber den verstorbenen Corresp. der Soc. 
Graßmann 332. — P. de Lagard e, Zur 
Erklärung der aramäischen Inschrift Ton 
Carpentras 357. — Marme, Beobach- 
tungen zur Pharmakologie des Salicin 
373. _ W. C. E ö n t g e n , üeber Entladun- 

fen der Elektricität in Isolatoren 390. — 
'h. Benfey, Der BindeTOcal { im San- 
skrit 413 (in den Abhandlungen gedruckt). 
W. Marm^, üeber Duboisia myoporoides 
R. Br. 413. — L. Kiepert, üeber die 
Auflösung der Gleichungen fünften Grades 
424. — G. Klein, üeber den Feldspath 
vom Hohen Hagen bei Göttingen und 
seine Beziehungen zu dem Feldspath 
von Mte. Gibele auf der Insel Pan- 
tellaria 449. ^- J. Themae, Sätze 
aus der Functionentheorie 466. — A. 
Grisebach, Symbolae ad Floram ar- 
gentinam 473 (in den Abhandlungen 
gedruckt). — E. Riecke, üeber das 
ponderomotorische Elementar-Gesetz der 
Elektrodynamik 473 (in den Abhandlun- 
gen gedruckt). — J. Beinke, üeber 
eine Fortpflanzung des durch die Be- 
fruchtung erzeugten Wachsthums-Reizes 
auf vegetative Glieder 473. — P. de 
Lagarde, üeber die koptischen Hand- 
schriften der hiesigen Bibliothek und über 
den Stand der Arbeiten zur Kritik des 
Bibeltextes 505 (in den Abhandlungen 
gedruckt). — Fr. Wieseler, üeber die 
neuesten archäologischen Entdeckungen 
505. — J. Henle, Zur Erinnerung an 
E. H. Weber 509. — B. Listing, 
Zum Andenken an A. von Ettiogshausen 



516. — R. Pauli, Magister Thomas 
Brunns , Beamter Rogers von Sicilien und 
Heinrichs IL von England 523. — R. 
Biecke, üeber das ponderomotorische 
Elementargesetz der Elektrodynamik 541. 

— A. Enneper, üeber eine Gleichung 
zwischen Theta-Functionen 550. — 0. 
Erümmel, Die mittlere Tiefe der 
Oceane und das Wasserverhältniß von 
Land und Meer 556. 

D. Preisaufgaben: 

a. der kgi. Gesellschaft der Wisserschaf- 
ten: Die für den November d. J. von 
der physikalischen Glasse gestellte phy- 
siologische Preisaufgabe hat einen Be- 
arbeiter nicht gefunden ; sie wird nicht 
von Neuem aufgegeben 506. 

Für den November 1879 von der ma- 
thematischen Glasse gestellte Preis- 
aufgabe 506. 

Für den November 1880 von der hi- 
storisch-philosophischen Glasse 507. 

Für den November 1881 von der phy- 
sikalischen Glasse 507. 

b. Wedekind'sche Preisstiftung für 
Deutsche Geschichte. Preisaufgaben 
405. 

E. Yerzeichniß der bei der kgl. Gesellschaft 
der Wissenschaften eingegangenen Druck- 
schriften 42, 65, 195, 220, 282, 327, 354, 
404, 469, 500. 568. 

Jöttingen: 
IL Universität. 

A. Yerzeichniß der während des Sommerse- 
mesters 1878 gehaltenen Vorlesungen 197 

— der während des Wintersemesters 
18^779 433. 



10 

B. a. Preisvertheilung an die Studierenden, 

eingeleitet durch eine Rede von Geh. 
Regierungsrath Sauppe über die Sa- 
gen von einer glücklicheren Urzeit und 
die Schilderungen eines idealen Staates 
der Zukunft 329. 

b. Neue Preisaufgaben 330. 

c. Ben eke' sehe Preisstiftung. Neue 
Preisaufgabe 280. 

d. Petsche- Stiftung, Neue Preisauf- 
gabe 327. 

C. OefiPentliche Institute. 
Pharmakologisches Institut 102, 229, 373, 

413, 482. 

D. Habilitationen 

in der medicinischen Facultät 563. 

in der juristischen Facultät 563. 

in der philosophischen Facultät 280, 563. 

E. Promotionen in der philosophischen Fa- 
cultät 430, 498. 

A. Grisebach, Die systematische Stellung von 
Sclerophylax und Cortesia 221. 

Der Dimorphismus der Fortpflanzungs- 
organe von Gardamine chenopodifolia Pers. 
Ein Beitrag zur Theorie der Befruchtung 332. 

Symbolae ad Floram argentinam 473. 

Louis Grub er, z. Dr. phil. prom. 498. 

Herrn. Hahn, z. Dr. phil. prom. 431. 

Ludw. Hänselmann, Geschenk beglaubigter 
Abschriften von 82 Briefen von und an Gftuß 

413. zum Gorrespondenten der k. Gesell« 

Schaft der Wissenschaften erwählt 509. 

Gustav Hartmann, zum ordentlichen Profes- 
sor in der juristischen Facultät berufen 279. 

Georg Rob. Hasse, z. Dr. phil. prom. 499. 

" * fch Eduard Heine in Halle zum auswar- 



11 

tigen Mitgliede der k. Gesellschaft der Wis- 
senschaften erwählt 509. 

J. He nie, Zur vergleichenden Anatomie der 
ErystalUinse 213. 

Zur Erinnerung an E. H. Weber 509. 

W. Henneberg, Chemische Untersuchungen 
auf apistischem Gebiete 341. 

Georg Huges, z. Dr. phil. prom. 431. 

Paul Hunaeus, z. Dr. phil. prom. 432. 

Otto Kern, z. Dr. phil. prom. 432. 

Diro Eitao, z. Dr. phil. prom. 499. 

Maximilian Elatt, z. Dr. phil. prom. 431. 

C. Klein, üeber den Feldspath im Basalt vom 
Hohen Hagen bei Göttingen und seine Beziehun- 
gen zum Feldspath von Mte. Gibele auf der 
Insel Pantellaria 449. 

Job. Herm. Kloos, z. Dr. phil. prom. 431. 

Professor Dr. Kraemer, Anzeige seines Todes 
568. 

Aug. von Kries, Habilitation in der juristischen 
Facultät 563. 

Otto Krümmel, Habilitation in der philoso- 
phischen Facultät 280. 

— — Die mittlere Tiefe der Oceane und das 
Massenverhältniß von Land und Meer 556. 

Job. Nie. Kruse, z. Dr. phil. prom. 432. 

P. de Lagarde, TertuUianea. 15. 

— — Kritische Anmerkungen zum Buche 
Isaias 67. 

Erklärung chaldäischer Wörter 213. 

Zur Erklärung der aramäischen Inschrift 

von Carpentras 357. 

üeber die koptischen Handschriften der 

hiesigen Bibliothek und über den Stand der 
Arbeiten zur Kritik des Bibeltextes 505. 



12 

H. 0. Lang, Beiträge zur Physiographie ge- 
steinsbildender Mineralien II. 153. 

J. G. Rud. Langenbeck,z. Dr. pbil. prom. 498. 

Ernst Lausch, z. Dr. pbil. prom. 432. 

Rud. Lebmann, z. Dr. pbil. prom. 499. 

Josepb von Lenbossekin Pest, zum Correspon- 
denten der k. Gesellscbaft der Wissenschaften 
erwählt 509. 

B. Listing, Zum Andenken an A. von Ettings- 
hausen 516. 

Samuel Löwenfeld, z. Dr. pbil. prom. 431, 

H. Ludwig, Die Bursae der Ophiuren und 
deren Homologon bei den Pentremiten 215. 

Rob. Heinr. Lüning, z. Dr. pbil. prom. 499. 

W. Marme, Experimentelle Beiträge zur Wir- 
kung des Pilocarpin 102. , 

Beobachtungen zur Pharmakologie des 

Salicin 229. — Erklärung der dazu gehören- 
den Abbildung 497. 

Beobachtungen zur Pharmakologie des 

Salicin, Fortsetzung 373. 

üeber Duboisia myoporoides R. Br. 413, 

Beobachtungen zur Verwerthung der Li- 
gatur der großen Hirnarterien für experimen- 
tell-pbarmakologische Untersuchungen 413. 

Georg Matthaei, z, Dr. pbil. prom. 432. 

Pastor prim. Ad. Morath, Erneuerung des 
Doctordiploms 430. 

Fr. Chr. Müller, z. Dr. pbil. prom. 482. 

J. Orth, zum ordentlichen Professor in der 
medicinischen Facultät ernannt 279. 

Reinhold Pauli, Karolingische Geschichte in 

altengliscben Annalen 1. 
Drei volkswirtbschaftliche Denkschriften 



13 

aus der Zeit Heinrichs VIII. von England, 
zum ersten Mal herausgegeben 221. 

B. Pauli, Magister Thomas Brunus, Beamter 
Sogers von Sidlien und Heinrichs H. von Eng« 
land 523. 

J. Petersen, Beweis eines Lehrsatzes betref- 
fend die Integration algebraischer DifiPeren- 
tialausdrücke beziehungsweise algebraischer 
Differentialgleichungen unter geschlossener 
Form 68. 

Petsche- Stiftung, s. Göttingen. Universität B. d. 

Ponf ick nach Breslau versetzt 280. 

Aug. Friedr. Pott, Erneuerung des Doctor- 
diploms 430. 

Heinrich P recht, z. Dr. phil. prom. 498. 

Preisaufgaben der Universität, s. Göttingen 
n. B. b. — der kgl. Gesellschaft der Wissen- 
schaften 506. — der Beneke-Stiftung 280. — 
der Petsche-Stiftung 327. — der Wedekind'- 
schen Preisstiftung 405. 

John Will. Raveil, z. Dr. phil. prom. 498. 

Henri Victor Begnault, Anzeige seines Todes 
508. 

J. Beinke, Ueber eine Fortpflanzung des durch 
die Befruchtung erzeugten Wachstbums-Reizes 
auf vegetative Glieder 473. 

E. Ei ecke, Ueber das ponderomotorische Ele- 
mentar-Gesetz der Elektrodynamik 473. 541. 

B. Biedel, Habilitation in der medicinischen 
Facultät 563. 

Carl Eodenberg, z. Dr. phil. prom. 499. 

Kob. Rollwage, z. Dr. phil. prom. 432. 

W. C. Röntgen, Ueber Entladungen der Elek- 
tricität in Isolatoren 390. 

Ernst Rosochatius, z. Dr. phil. prom. 431. 

Gustav Rümelin zum außerordentlichen Pro- 
fessor in der juristischen Facultät ernannt; 



u 

folgt einem Rufe als ordentlicher Professor 
nach Freibarg i. 6r. 280. 

Qeinr. Schaf er , z. Dr. phil. prom. 499. 

Karl Schering, Mitthellung aus einer Experimen- 
taluntersuchung über die »Reibungsströmec 88. 

C. Otto Schultess, z. Dr. phil. prom. 432. 

Theodor Schwann in Lüttich, zmn auswärti- 
gen Mitgliede der k. Gesellschaft der Wissen- 
schaften erwählt 509. 

Schwarz, lieber den verstorbenen Gorrespon- 
denten der Soc. Graßmann 332. 

Friedr. Schwarzer, z. Dr. phil. prom. 431. 

J. Spanuth erhält den Preis der philosophi- 
schen Facultät 330. 

Jos. Will. Spencer, z. Dr. phil. prom. 431. 

M. Stern, Beiträge zur Theorie der Bernoulli'- 
schen und Euler'schen Zahlen 221. 

John T. Stoddard, z. Dr. phil. prom. 499. 

Unter-Bibliothekar Dr. Stromeyer, Anzeige 
seines Todes 566. 

J. Thomae, Sätze aus der Functionentheorie 
466. 

Ernst Heinrich Weber, Anzeige seines Todes 
508. — Zur Erinnerung an denselben 509. 

Wede kindische Preisstiftung für Deutsche 
Geschichte 405. 

Heinrich Wendlandt, z. Dr. phil. pronu 498. 

Martin Wetzel, z. Dr. phil. prom. 498. 

Professor Wiggers Jubiläumsfeier 564. 

Franz Wilkens, z. Dr. phil. prom. 431. 

N. Wulfsberg, üeber Milchinfusionen 136. 

Untersuchung einer aus Afrika stammen- 
den Rinde 143. 



15 

Fr. Wieseler, Ueber die neuesten archäologi- 
schen Entdeckungen 505. 

F. Wüstenfeld, Die Familie el-Zubeh*. 1. 
Abth. 1. 2. Abth. 67. 

— — Coptisch-Arabische Handschriften der 
EönigL Universitäts-Bibliothek 285. 

Carl Zeumer, z. Dr. phil. prom. 432. 



Oottlngen, 

Druck doi Dieterichschen ünir. -Bucbdnickerei. 
Fr. W. Kaeitiner. 



Nachrichten 

sr Ktinigl. Gesellscbafi; der 
ften und der G. A. Univeraity 
Göttingen. 




icbe Gesellsclaft der WisseuchsfUi. 

Sitznng am 5. Januar, 
ifeld, Die Familie el-Zubfflr. Ente Abtheilnng, 
eint in den Abhandlungen.} 

EBTolingiEche Geschichte in alteugliaohetiiÄiinftleii. 
agarde, TertuUianea. 

ind, aaewärt Mitglied. Üeber den Zusammen- 
zwiBchen der Theorie der Ideale and der Theorie 
)hem CoDgmenzen. (Erscheint in den Abhond- 

laiuwärt. Mitglied. Üeber eine CluBe von DifFs* 
Igieichungen, welche durah Abelaohe oder ellipti- 
Tanctionen integrirbar sind. 
Üeber die Verwandtmihäfl und syatematisohe B» 
lg TOQ Cermylon Andioola. (Torgelegt von Qri* 
>)■ 



in gi SC he Gescbichte in alteng- 
lischen Annalen. 

Ton 

Beinliold Pauli. 

aderbolte BeschäftigaDg mit den älteren 
a Euglands nöthigfc mich früher yeröffeot- 
Be merk an gen durch weitere Ergebnisae 
rollständigen. ' Aus ihnen geht nnumehr 
daß die Nachrichten über die featilän^^^ 



Geschichte während der Epoche der Karolinger 
auf drei räumlich und zeitlich verschiedenen 
Wegen zu der Insel hinüber drangen. 

Die älteste Verbindung, die mit Noithum- 
brien, insbesondere mit York, wurzelt in der 
von Baeda dem Ehrwürdigen ausgehenden, gerade 
die Pflege der Jahrbücher im christlichen Abend- 
lande unmittelbar beeinflussenden Schule und in 
der aus denselben Gegenden lebhaft betriebenen 
Mission unter Franken, Friesen und Sachsen, 
Zu dem, was nach dieser Richtung hin zuerst 
Stubbs in seiner vorzüglichen Ausgabe der 
Chronik des Roger von Hoveden Vol. I, p. 
XXVIII. XXIX vom Jahre 1868 anregte und 
was ich in den Forschungen zur Deutschen Ge- 
schichte Xn, 139 und 441 weiter ausgeführt 
habe^), ist materiell nichts Neues hinzugekommen. 
Nur läßt sich das ürtheil über die in des Si- 
meon von Durham Compilation De Regibas 
Anglorum et Dacorum zwischen den Janren 
781 und 803 steckenden, vielfach ihre ursprüng- 
liche Form bewahrenden northumbrischen An- 
naleu formell noch präciser fassen und ihre Sub- 
stanz noch strenger von fremdartigen Bestand- 
theilen scheiden. Diese Gesta veterum Nor- 
thanhumbrorum oder Gesta Anglorumi 
als welche sie noch distinct anderen mittelalier* 
liehen Autoren bekannt gewesen sein müssen, 
sind aufs engste verwandt mit den kurzen von 
731 bis 766 reichenden Jahrbüchern, welche, 
bald nach Baedas Tode entstanden, dem Ms. 
Pbillipps 1089, sowie der Ausgabe seiner Hist. 
eccles. gentis Anglorum in den Mon. Hist. Brit. 
I, 288 — 289 angehängt sind. Beide Reihen sind 
handschriftlich zwar nur aus dem zwölften Jahr- 

1) Vgl. auch Wattenbach, Deatschlands Geschichts- 
«n I*. 199. 



htliidört filierliefert, allein die Prüfung der ein- 
zelnen Jähre, . namentlich auch mit Bücksicht 
auf die astronomischen Erscheinungen, ergibt, 
diEiB bifida gleichzeitig oder doch unmittelbar 
nach dei^ koiiiäischen und politischen Ereignis- 
sen, die sie verzeichnen, und nur in Nordengland 
an der Kirche von Lindisfarne, York oder Hex- 
ham verfaßt sein können. Beide sind gleich 
aufmerksäih auf die Dinge des Festlands ge- 
richtet. Wie die kürzere bis 766 reichende 
Beihe za 741 den Tod Karl Martells und die 
Nachfolgt seiner Söhne notiert und wie es in 
beidiiti wittei: 754 von Bonifacius heißt: qui et 
Witifridus, martyrio coronatus est cum quinqua- 
giiiiia fribtis (cum quinquaginta tribus martyrio 
coronätäf),' so bewahren die bei Simeon von 
Dnrhani erhaltenen und später auch in die Chro- 
nik des Roger von Hoveden so wie theilweise 
in dl* d^ Roger von Wendover und die Chronik 
von Melros^ eingeflossenen etwas längeren Jahr- 
bücher untfet 768 die Nachricht vom Tode Pip- 
pins des Kleinen und bis 800 inhaltreiche An- 
gaben übeil KBfrl den Großen. Ich bin nunmehr 
genügt dii6 rfovenienz der letzteren im Einzelnen 
nolsh t&lkfr in bestimmen ^ als in dem Aufsatz 
iii' den Fdti^Qhungen geschehen ist. Die Nach- 
TidätSiü zn 771 Karlmanns Tod und Karls Allein- 
hi^i^hafl), 772 Sachsenkrieg, 774 Unterwerfung 
des liängoWrdenreichs , 775 Sachsenkrieg sind, 
wie kaum td bezweifeln , jenem Aluberht zuzu- 
weisen, dier nach der Angabe unter 767 vom 
Erzbischof Aethelberht von York zum Missions- 
bischof geweiht wurde — ad Ealdsexos ordi- 
natus est episcopus — als solcher von Ut- 
recht aus wirkte und den jungen Liadger nach 
dessen Vita, SS. 11, 407 auf ein Jahr zunächst 
za Alcuin auf die Schule nach York brachte. 



Aach Alaberht kam noch einmal herüber um 
unter Friesen und Sachsen thäidg zu sein. Was 
andererseits die Jahre 786 die Sendung Papst 
Hadrians I. nach England, 792 die Uebersendung 
des Liber synodalis durch König Karl eben dort- 
hin, 794 Tod und Bestattung Papst Hadrians, 
795 den großen Sieg über die Ayaren und 800 
die Kaiserkrönung betrifft, so dürften diese Ein- 
tragungen bis auf Alcuin selber zurückgehen. 
Die Notiz zu 799 dagegen über die Mißhandlung 
Papst Leos III. durch die Römer begegnet, wie 
gleich hernach gezeigt werden soll, auch in Süd- 
england und beruht auf allgemeiner Verbreitung. 
Eine zweite Leitung zwischen dem karolin- 
gischen Festlande und der Insel ergibt sich aus 
den ältesten Annalen von Winchester, wie man 
sie nach Earle ^) fortan getrost wird nennen 
dürfen. Sie sind bekannÜich noch völlig er- 
kennbar überliefert in dem bis 891 von einer 
Hand redigierten ältesten Stück der sogenannten 
angelsächsischen Chronik, jenem ehrwürdigen 
und frühsten Erzeugniß der Geschichtsschreibung 
in germanischer Prosa, die im Wiederspruche 
mit der in England noch immer üblichen Be- 
zeichnung thatsächlich aus verschiedenen Reihen 
von Jahrbüchern besteht. An verschiedenen 
Orten und über mindestens vier Jahrhunderte 
hin verfaßt, schon durch die Sprache wesentlich 
von den, so viel wir wissen, nur lateinisch ab- 
gefaßten Annalen Northumbriens verschieden, 
stammen die sechs erhaltenen vernacularen Jahr- 
bücher (A bis F) nebst dem Fragment eines 
siebenten (G) sämmtlich ans Süd- und Mittel- 
en gland, wodurch freilich eine Gemeinsamkeit 
mit nordenglischen Quellen in Stoff und Inhalt 



i\ 



Two of the Saxon ChronioleB p. XI« 



niclit ausgeschlossen wird, wie denn ein Aus- 
tausch desselben sich gerade mit Hilfe des Si- 
meon von Durham für den Anfang des zwölften 
Jahrhunderts nachweisen läßt. A stammt nun 
der Hauptsache nach aus Winchester und hat 
erst später in Canterbury Zuthaten und Abän- 
derungen bis 1070 erfahren. B ist eine bis 977 
reichende im St. Augustin Kloster zu Canterbury 
angefertigte Beinschrift aus der ersten Hälfte 
des eilft^ Jahrhunderts. Bei C, das bis 1066 
reicht, weisen unyerkennbare Zeichen auf das 
Kloster Abingdon in der Nähe von Oxford hin. 
p, dessen letzte Notiz unter 1079 steht, ist eine 
in Worcester unternommene abermalige Bear- 
beitung mit wichtigen, die Landesgeschichte be- 
toeffenden Fortsetzungen. Was indeß die Karo- 
Kngischen Daten betrifft, so sind B. C. D von 
A. oder seiner ursprünglichen Vorlage völlig ab- 
hängig, so daß sie, von Orthographie und Dia- 
lekt abgesehen, kaum nennenswerthe Abwei- 
chungen bieten. E dagegen, eine im Kloster 
Peterborough in Northamptonshire zu Anfang 
des zwölften Jahrhunderts unternommene Re- 
daction, die zwar vielfach auf Worcester zurück- 
weist, aber von 1121 bis zum Schluß in meh- 
reren Absätzen selbständig ist, und F, eine gleich- 
fells im zwölften Jahrhundert in Canterbury 
ansgefuhrte , bis 1058 erhaltene Bearbeitung, 
englisch mit Jahr für Jahr lateinischer Ueber- 
öeteung, im Original vorhanden, weichen, was 
die Karolinger betrifft, in gewissen Notizen wie 
in dem Idiom von A. B. C. D höchst augenföllig 
ab und kommen erst für die streng abzuson- 
dernde dritte Gruppe in Betracht. 

Die zweite Gruppe festländischer Nachrichten, 
die also in Winchester, dem Mittelpunkt von 
Kirche und Staat der Westsachsen ^ gpsammßlt 



6 

wurden, wird zunächst repräsentiert durch eine 
einsame Notiz über Karls Sachsenkriege zu 780 
(779 I), aus ihm E): Her Aid ^e&xe and 
Krancau gefuhton. Sie hat Nichts mit de|i 
au»fiihrlichea Notizen der Northnmibrier uniet 
772 und 775 oder, wie wir noch sehen werden, 
mit den stets auf Karl selber Bäcksicht neh- 
menden Anmerkaugen der dritten Gruppe zwi- 
jiohen den Jahren 771 und 780 gemein. Ans 
>Yiiiehester stammt ferner die Nachricht über 
den von A bis E unter 812, von F unter 814 
verKeiohneten Tod Karls: Her Carl cyning 
forRforde. And he ricsode 45 wintrfi. 
Viol bodüutsamer jedoch sind die eben dort ein- 
tet niK^nen folgenden Nachrichten, Welche eixien 
dYniiMtischen Zusammenhang erschliefien und 
nieht nur Yon genealogischem Interesse, sondern 
von Aufmerksamkeit auf die Geschichte der zer^ 
fnlloiuicn Earolingischen Reiche eingegeben wor- 
den : 855 die Vermählung Konig Aettielwulfs von 
WeHsex mit Judith, der Tochter Karls des E[ah- 
lon ; 885 bei Gelegenheit des Todes des west- 
frJinkiHchen Karlmann (irrig Karl genannt, f Dec. 
12. KK4) dessen Genealogie bis zurfick auf Karl 
doli Kamen, so wie fernerhin die Vereinigung 
ditri westfränkischen mit dem ostfränkischen 
\U*\vh unter Karl III, woran sich abermals ein 
Miiiinmbaum bis auf Karl den Großen und selbst 
ripiiin den Kleinen schließt; Nachricht vom 
Todii Karls III, den sein Neffe Arnulf ausge- 
triubon, worüber indeß das Reich in fünfTheile, 
d(^r<tn Grenzen angegeben werden, auseinander 
bricht, die »either aber alle in Unfrieden leben; 
HÜ) König Arnulfs Sieg über die Nordmänner, 
win der Annalist yersichert, daa gemeinsame 
W($rk der Ostfranken, Sachsen und Bayern. Die 
rwUrde berücksichtigt er niemals. Als ein 



SpäÜing solcher dynastisoh*politIschen Interessen 
ist unter 982 in die Jahrbücher Yon Abingdon 
(C) die merkwürdige Mittheilung über Ottos ü. 
nnglncklichen Feldzug in Süditalien nnd den 
Tod seines Neffen Otto, eines Sohns Liudolfs 
imd daher Enkels Ottos des Großen und der 
angelsächsischen Eadgytb, eingedrungen. Unbe- 
rücksichtigt lasse ich die zahlreichen Einzeich- 
nnngen der Winchester Jahrbücher (880. 881, 
882. 883. 884 886. 887. 890. 893) über die Be- 
wegungen der zu Wasser und zu Lande verhee- 
renden Scandinaven zwischen England und den 
Gebieten der Westfranken und der Flandrer, 
fiber welche der gleichzeitige Annalist angstvoll 
genaue Erkundigungen einzog, obwohl sie für 
die Belagerung von Paris durch die Nordmänner 
geradezu den unmittelbaren Quellen beigezählt 
werden müssen. Femer sei bemerkt, daß alles 
£[arolingische , was zwischen 855 und 887 fällt 
ans den Jahrbüchern, die auf Winchester zu- 
rückgehn, in mehrere lateinische Bearbeitungen, 
nämlich die Gesta Aelfredi Assers, die Chronik 
Aethelwards, die Chronik des Florenz von Wor- 
cester, die Historien des Heinrich von Huntingdon 
übergegangen ist, wobei bisweilen noch eigene 
ZuÜi^ten begegnen. In zweiter Linie erst schö- 
pfen daraus wieder der northumbrisohe Simeon 
von Durham und als Vertreter der späteren 
Ghronistik Boger von Hoveden und Roger von 
Wendover (Matthaeus Paris). 

Nur unter 799, in der Nachricht von der 
MiBhandlung Papst Leos HI. und dem an ihm 
geschehenen Wunder findet sich ein Einklang 
zwischen den northumbrischen Annalen und 
denen von Winchester: 



8 



799 



Her Romane Leone ^ssm 
papan his tangan for- 
carfon and his eagan 
astangon and hiene of his 
seile afliemdon. And ^a 
sona eft, Gode faltumi- 
endam, he meahte ge- 
seon and sprecan, and 
efb wses papa swa he sor 

W8BB. 



Homani... Leonem papam 
sanctissimum apprehende- 
rant ligaveruntque, caias 
1 i n g u a inter mazillas duri- 
ter protraota et in gattnre 
oradeliter exiensa praecisa 
est ab ipsis. Ernernnt 
et ooalos praedicti ponti- 
fiois radicitos... Dominus 
postpaaoi temporis in- 
ter stitium sie eam sala- 
tifero s a n a V i t antidoto, 
nt postmodam yidere 
clareet loqai posset... 

Von dem Eindracke dieser ünthat zeigen 
sich, wie kaum anders zu erwarten, die ver- 
schiedensten Annalen drinnen und draußen noch 
anf lange hin erfüllt. Man vergleiche unter den 
festländischen nur Ann. Einhardi 799 SS. I, 
187, die von erutis oculis und lingua am- 
putata sprechen^ und die Jahrbücher von Lund 
(Esrom), Üsinger, die dänischen Annalen S. 42, 
wo es zu 799 heißt: Hoc anno Romani lin- 
guam Leonis papae amputaverunt et 
oculos eins eruerunt et expulerunt eum. 
Die durch die gemeinsamen kirchlichen Canäle 
erwirkte Gleichmäßigkeit der Schreckenskunde 
und des Wunders erhellt noch aus dem wohl 
kaum gleichzeitigen, sondern von Simeon her- 
rührenden Zusatz der northumbrischen Annalen: 
hoc miraculum repente diffusum est per car- 
dines quadrati orbis. 

Ganz anderer, aber, wie wir sehen werden, 
nicht der uninteressantesten Herkunft sind die 
in der dritten Gruppe erhaltenen Karolingiscfaen 
Notizen, welche in einer fern abliegenden Be- 
zugsquelle wurzeln. Sie tauchen auf in den 
jüngsten Exemplaren der angelsächsischen Jahr- 



büclieT (E. F) , die erst im zwölften Jahrhtindert 
m Stande kamen, und zwar bemerkenswertb', 
stets in lateinischer Fassung, und pflanzen sich 
noch über ein Jahrhundert in einer betrachte 
liehen Anzahl in England verfaßter Annaleii 
fort, die dort bisher zum großen Theil Weder 
untersucht noch herausgegeben sind, wie -sehr 
sie beides auch aus anderen , als uns hier ' be- 
schäftigenden Gründen verdienen. 

Zwar steht mir vollständiges Material noch 
lange nicht zur Verfüguog, doch glaube ich aus 
dem, was vorliegt, zu nachstehenden Schlaßfol- 
gerangen bereits hinreichend berechtigt zu sein. 
Während die frühsten Jahrbücher der Franken) 
Alamannen und Bayern gewisse nordbritische 
Namen au der Spitze tragen und dadurch an- 
deuten, wie einst die Annalistik von Englamd 
I aas zu den Germanen des Festlands herüber ksm^ 
so sind umgekehrt mit der normannischen Er^ 
1 oberung Englands die Jahrbücher des Gontinents 
1 in altbestehende , nun aber m^hr romanisierte 
[ Benedictiner Klöster, darunter auch Winchester, 
Canterbury, Worcester u. a. m. so wie in die 
Häuser der Glnniacenser und Gistercienser eing^ 
drangen. Folgende Beispiele mögen genügen^ v 
m. E der angelsächsischen Annalen, also 
die zu Peterborough um 1121 compilierte. und 
bis 1154 fortgeführte Bodleische Handschrift 
Land 636, hat mitten im angelsächsischen Text: 
769 Initium regni Earoli regis. 
778 Earolus in Hispanias intravit. Earoliis 
SaxoDiam venit. Earolus Pampileniam urbetni 
destmxit atque Gesar Augustam exercitum suuni 
coniunxit et acceptis obsidibus subiugatis Sarä- 
cenis per Narbonam Wasconiam Franciam rediit. 
788 Earolus per Alemanniam venit ad fipes 
Banuarie. * : i 



10 

' 800 Earolus rex Imperator factus est et a 
Somanis appellatus Angnstiis, qni illos, qoi Leo- 
nem papam dehonestayerant, morte dampnaviti 
sed precibns pape morte indolta exilio retmsit. 
Ipse enim papaLeo imperatorem eum sacrayerat. 

810 Earolus cum Niceforo imperatore Gon- 
stantinopolitano pacem fecit. 

812 Cireneins Earolo imperatori legatos saos 
cum pace mittit. Earolus Imperator obiit. 

Viel dürftiger ist Ms. F, wo unter 767 ver- 
einzelt und verwirrt die Notis : Hie Oarlomaguns 
obiit begegnet. Dagegen ist 814 Bex Carolns 
obiit, regnavit autem 45 annos lediglich latei- 
nische Version der Annalen von Winchester m 
812. Offenbar ist aber auch in den eigenthäm- 
lichen Einschaltungen zu E viel verschoben und 
verdorben, unter 778 aus einer sehr alten Vor- 
lage- der Zug nach Spanien mit dem Sachsen* 
zuge von 779 zusammengeworfen und aus einer 
anderen Quelle dann wieder Näheres über die 
spanische Expedition hinzugefügt. Indeft der 
Wortlaut dieser Auszüge sowohl wie die Zeit 
der Compilation um 1121 spricht gegen die Be- 
nutzung des Sigebert, wie sie etwa die Cistercienser 
von Waverley durchgeführt haben ^). Dagegen 
helfen auf der Fährte weiter die Annalen von 
Dore, einem während der Regierung Eönig Ste- 
phans (1135 — 1154) in Hereford shire errichteten 
Cistercienserkloster, erhalten in Ms. Phillipps 12200 
und von einer Hand bis 1320 geschrieben mit 
flüchtigen Fortsetzungen bis 1362. Als ich im 
letzten Sommer gemeinsam mit Herrn Gdi. Reg. 
Waitz in Gheltenham arbeitete, habe ich die 
Handschrift näher untersucht und für die Mo- 



1) Annales de Wayerleia bei Lnard, Annales Mona- 
Büci U, 155 ff. 



11 

nnmente abgeschrieboD . Saaber in zwei Colnmnen 
zn beiden Seiten der Ostertafel eingetragen fin- 
den sich links Im per atores etBeges, rechts 
Pape, Archiepiscopiet Sancti. Folgende 
Eintragungen kommen hier in Betracht: 
687 Pipinns maior domus efficitur. 

717 Earolus filias Pipini maior domus fit« 

718 Pugna in Vinciaco. 
752 Pipinus rex efficitur. 

756 Benedictus est Pipinus a S. Stephane 
papa Parisius et filius eins Karolus et E^rolo- 
mannus et filia Sigila inter sacra missarum eio- 
lempnia precipiente s* Petro et s. Paulo et beato 
Dionisio. 

769 Obiit Pipinus rex 8 Eal. Octobris. Ini- 
tium regni Earoli regis. 

771 Obiit Earolomannus frater Earoli Noqo 
Decembris. 

774 Earolus Romam vadit. Jude reyessus 
Papiam cepit cum rege Desiderio captis civita- 
tibus ItaÜe et direptis universis. 

777 Conversio Saxonum. 

778 Earolus Hispaniam intravit. Earolus 
Papiloniam urhem 4estruxit apud Gesar ^ugustam 
exercitum coniunxit et acceptis obsidibus sobiu- 
gatisque Saracenis per Narbonam et Vasconiam 
Franciam rediit. 

780 Earolus Saxoniam venit et Saxonia capta 

782 Earolus Romam vadit. 

786 Signum crucis in vestibus apparuit. 

787 Iterum Earolus Bomam perrexit, deinde 
^d 8. Beuedictum et Capuam. 

789i ^rolus per Alemanniam venit ad fines 
Bavarie. 

791 Bassilo (sie) dux venit in Franciam et 
Bauuaria capta est. 



12 

?0^ Ktri-^'i:? p^rgit in SclaTOS, qui dicnntnr 

"'(i.j Kfiri'^lns rex Hnngrorura regnum vastat. 

"Of' K&ri'^lns rex imperator factug est et a 

'. v.».i.> jipwllatns Angnstns, qni illos, qui Leo- 

• ". T^- i^fim Jehonestaverant , morte dampnavit, 

<•.. n-*v:bii!s pape morte indnlta exilio retrusit. 

; -SS r: r.*. Tupa Leo imperatorem enm sacrayerat. 

V.. KAroIns cnm Niceforo imperatore Con- 
>B<Nin'in.*:vlitano pacem fecit. 

s;^ Viarolns imperator gloriosüs moritnr etc. 
-i^;'» :^j!v»bert, wie schon Einiges vorher nnd 
»n^iiiv^rtt nachher, das ich übergehe. 

.'^fts Vorstehende nun begegnet mit nur ge- 
f\^}ir(T'. Abweichungen in den Worten, aber chro- 
,* »i.y>'''h weniger verschoben in den von Delisle 
«I Ä-n Beilagen zu Le Prevosts Ausgabe des 
.1 cvvns Vitalis V, 139 fF. Paris 1855 abge- 
ii.tsXt«M\ Annales üticenses, den Jahrbüchern 
««M St. Evroult im Bisthum Lisieux, die bis 
»«'*^'^'^ Ausgang des eilften Jahrhunderts von 
.»^v.-v Hand an den Seiten der Ostertafel ge- 
*,iV.-^ben und wesentlich den ältesten Annalen 
,v^^ Ronen entlehnt (V, p. LXVIII. LXIX) besser 
^K-* ursprüngliche Form der in der Normandie 
^yl«\>rfenen Jahrbücher repräsentieren, als was 
;».*, die Zwecke gegenwärtiger Untersuchung un- 
<%*««jX«*nd Duchesne in den SS. Norm, heraus- 
^v^«*ben hat. Es leuchtet auf den ersten Blick 
,v^^, daß die trümmerhaften lateinischen Ein- 
behaltungen in den altenglischen Jahrbüchern 
>o« Peterborough denselben Ursprung haben. 
V'.n ähnlicher Zusammenhang ergibt sich femer 
Vi dtMi Aunalon der seit 1106 eingesetzten re- 
^uliovten Chorherron von S. Maria in Southwark, 
^r Oity von London gegenüber (heute S. Mary 
^v— " auch St. Savionr), die in Ms, Cotton, 



13 

Fanstina Ä. YIH erhalten und von äuhrereA' 
Händen, zuletzt gleichzeitig bis 1239 herabgefüfart 
sind^). 

In ihnen heißt es: t ' 

752 Pipinus rex ef ficitnr. 

767 8 Kai. Octobris obiit Pipinns rex Fran- 
cornm. Saccessit filins eins Earolos Magünsw 

781 Earolus Romam vadit. Inde reversus 
Papiam cepit cum rege Desiderio oaptis universis- 
ciyitatibus Italie et direptis. 

784 Karolus m^nas ex rege Francomm fac- 
tos est Imperator et a ßomanis appellatas est 
Augastus, qui illos^ qui Leonem papam dehone- 
shti erant, morte dampnavit, sed precibns päpe 
morte indnlta exilio retrasit. Ipse enim Papa 
Leo imperatorem eam consecravii 

813 Karolas Imperator obiit. 

Auch an weiteren, zum Verdruß der Wissen- 
schaft bisher nur haüdschriftlich zugänglichen 
Beispielen fehlt es nicht. Allein die vorstehenden 
genügen schon um das Einströmen karolingischer 
Notizen auf einem dritten Wege, im Abschluß 
nämlich an die normannische Eroberung zu yeran- 
schaolichen. Wie spät und indirect es aber auch 
eintritt, wie sehr es auch . namentlich für die ka- 
rolingische Epoche nach 814 mit der Benutzung 
der Chronik des Sigebert zusammenfließt, so wird 
es doch überaus interessant dadurch , daß den 
Annalisten von Kouen und St. Evroult, welche 
die Vermittler mit. dem eroberten ' Inselreiche 
worden y alte, echte, bisher in England unbe* 
bnnte Substanz zu Gebote stand, die, wie eine 
Vergieichung ergibt, bis zu den ehrwürdigen 
Annales Sangallenses Breves aus dem Beginn ■• 

1) Im vergangenem Sommer hat sie Herr Dr. Li(^ber*' 
ouain für die Monumente abgescbriebent 



16 



I. De spectacülis. 

^ erste Zeile des Buchs de spectactdis lä 
Ml, dafl der Verfasser seine Arbeit in di 
^ ihnleu werde : aber die Erwartung wird g 
tt. Nach den einleitcDden Worten besehe 
ich TertuUian mit den opiniones ethnicoru 
iw von ihm zur Behandlung gestellte Frag 

Abschnitt reicht von ad utrumque 1 l 

von Kapitel 2: 3 Anfang läßt Tertullis 
u, daß er ein Neues anhebt. Unterabth< 
II bemerke ich drei: 

nihil obstr^ere u. s. w,: 1 (17,9) 

$iint gui existimant u. s. w.: 1 (18,5) 

iam vero u. s. w.: 2 (18,14). 
i ergibt sioh^, daß 2 (18,14) für iam vei 
vst, gui non hoc quoque praetendat geschri 
Verden . muß iam vero non nemo estj q\ 
\oque praetendat. In 2 ist außer dem fri 
on mir gebesserten Dehlers datam 19, ] 
lai^dschriften tantam) in trihutam^ zu äi 

lictiam wäre ein bequemerer Ausdruck fi 
Gegensatz von deUtam, allein graphisc 

Ucita^i von tantam zu weit ab, wen 
licht die Entstehung des Fehlers erst ii 

Jahrhundert yerlegen wollen, und 2 
Tertullian selbst von voluptates a deo cai 
te. Weiter* muß 19,19 minus ein e mel 
: eminus nosse wird dasselbe sein, W£ 
liaß kurz vorher e longinquo nosse genani 
aan vergleiche Plinius 11,240 Bomae on 
gentium bona commimts iudicantur. I 
Vfeiten Hälfte des Kapitels bemerke ma 
ei Glieder vides (20, 7 mit Junius, wo Oel 
}), proinde (20, 11), ipse homo (20, 16), un 
a Ritten dieser drei die Auseinanderhaitun 
yrpus (20, 19) und Spiritus (20, 22). 



17 

Die eigentliche Behandlang des Gegeustandes 
beginnt mit Kapitel 3. 

I. de scripturis auctoritas 3 (22, 2): 
II. a/uctcrüas ipsivs signaculi nostri 4 (24, 3) : 
in. ex dbundanti 14 (44, 1). 
In Kapitel 3 hat man 23, 6 die Ueberlieferang 
cum quid ^aliter etiam speciaiiter interpretari capü 
oder gar ohne aliter. Es mu£^ natürlich dem 
speäditer nicht aliter^ sondern generaliter ge- 
genüberstehn. Tertullian schließt, da die Bibel 
9U1Z allgemein concilium impiorum u. s. w. ver- 
Uete, verbiete sie im genus auch die species^ 
dao anch die Theater n. dgl. m. Ans 14 (44, 
6 ff.) wird man sich überzeugen, daß die Aende- 
nug im Sinne Tertullians ist. 

Kapitel 4 — 13 verlaufen fünftheilig, und der 
Schriftsteller gibt am Ende des vierten Kapitels 
seine Disposition selbst an , wie er zu Anfang 
des dreizehnten Kapitels unter ausdrücklicher 
AuMhlung seiner Leistungen sich über die Durch- 
föhruDg seines Planes selbst beglückwünscht. 
Das Schema ist, der Reihe nach flir lud% scae» 
«»cae res^ agones^ nmnera^ 
crigim 4 (24, 14) 5 (25, 6) 10 (36, 8) 11 (40, 6) 

12 (41, 11) 13 (43, 1) 
um 4 (25, 1) 6 (28, 10) 10 (36, 9) 11 (40, 8) 

12(41,17) 13(43,1) 
Ofpcsratus 4(25,2)7(29,11)10(36,11)11(40,11) 

12(42,72) 13(43,72) 
foca 4(25,2) 8(31,3) 10(37,4) 11(40,13) 

12(42,6) 13(43,2) 
arte 4 (25, 3) 9 (34, 5) 10 (39, 4) 1 1 (40, 17) 
12(42,9) 13(43,2). 
Wenn man die Behandlung der einzelnen 
Theile miteinander vergleicht, ergibt sich, daß 
zu Anfang des fünften Kapitels , wo jetzt Beif- 
ferscheid aus dem Agobardinus eine Lücke meldet, 

2 



18 

die Anfangsperiode des ersten Abschnitts , das 
heißt nicht eine Rubrik, sondern ein Säte des 
Schlages fehlt, wie der Kapitel 6 eröffnende : es ist 
mithin^ zu Anfang von Kapitel 5 eine Zeile Ponkte 
in den Text zu setzen. Weiter ergibt sich, daß 
in Kapitel 13 (43, 2) Franz du Jon und La Gerda 
das sacrificiis der Ueberlieferung mit gutem 
Grunde in artificiis verändert haben: nur eine 
knabenhafte Gedankenlosigkeit vermag sacrificiis 
an dieser Stelle im Texte zu lassen. 8 (81, 15) 
ist parent zu Roensch Itala und Vulgata* 374 
nachzutragen. 16 (46,13) zweifle ich an der Rich- 
tigkeit des überlieferten gula und figv/rai das 
weiße Tuch, mit welchem der Praetor das Zei- 
chen zum Anfange der Spiele gab, konnte man 
doch kaum Kehle oder gar Figur des Teufel» 
nennen : ich neme ti von praedpitati zu gula^ 
hinzu, und schreibe^ diaboli ab alto jpraedpvtaü^ 
ligula: der Satan züngelt nach den Seelen deir 
Besucher des Gircus. Ebenda (47, 2) ist^ hinteir 
maledicta das Zeichen der Lücke zu setzen: da« 
die parallelen Wörter convicia und suffragia diö 
Zusätze sine iustitia odii und sine merito amori^ 
bei sich füren, wird auch maledicta ein derartigem 
sine gehabt haben. Kläglich ist es, wenn Ri— 
galt 17 (48, 12) ervbescant wünscht und druckt^^ 
wo erubescunt das allein richtige ist: Senat und 
alle Stände mögen roth werden, da sogar die 
merdrices wirklich roth werden. 27 (59, 21) 
muß es für proinde natürlich® perinde heißen : 
was Geßner im thesaurus IV 1106 gibt, kenne 
ich : aber da die je erste Sylbe von proinde und 
perinde in den Handschriften durch ein ver- 
schieden gehaktes^ ausgedrückt wird, halte ich 
bis auf weiteres an allen Stellen , in denen pro- 
inde in der Bedeutung von perinde vorkommt, 
einen Lesefehler für wahrscheinlich. 



Heber eine Glasse von Dif f erenzial- 
gleichangen, welche durch Abelsche 
oder elliptische Functionen integrir- 

bar sind. 

Von 

Ii. Foclis in Heidelberg* 

Die Differenzialgleichung 

durch welche bekanntlich die Lameschen Func- 
tionen definirt werden, ist nach Lame insbeson- 
dere von Herrn Heine zum Gegenstande ein- 
gehender Untersuchungen gemacht worden. 
Während man sich jedoch bis dahin darauf be- 
schränkte, nur solche Werthe von h in Betracht 
zu ziehen , fiSt welche die Diflferenzialgleichung 
durch doppeltperiodische Functionen integrirbar 
ist, hat in neuerer Zeit Herr Hermite es unter- 
nommen, dieselbe Differenzialgleichung für be- 
liebige Werthe von h zu integriren (sur quelques 
ai^lications des fonctions elliptiques in den 
Comptes fiendus de Tacad^mie des sciences de 
Paris 15, Öctobre 1877, sqq.). Unter diesen 
Umständen scheint es nicht ohne Interesse, 
auf eine Glasse von linearen DiSerenzialgleichun- 
^en zweiter Ordnung hinzuweisen, welche ich 
in meiner Arbeit (Borchardt's Journal Band 
81 p. 116—118 Nr. 13) durch Abelsche oder 
elliptische Funktionen integrirt habe, und wo- 
von nicht nur die Lamesche Differenzialglei- 
chung (A), sondern auch diejenigen Differenzial- 
gleichungen, welche Herr Heine (Borchardts Jour- 

2* 



20 

s^I Baad 60 p. 252) den Lameschen Fanctio 
ki^f^rer Ordnung zn Grunde gelegt hat, bef 
(kr« Fälle sind. 

1. 

Wir resumiren zuerst die Resultate der Nr. 
u. 116 — 118 meiner Arbeit in Borchardt's Je 
ua) B. 81. 

Die noth wendige und hinreichende Bedingi 
daför, daß eine Differenzialgleichung: 

^u Integral der Form 

1) y = vW'e 4Jy(») 

liabe, wo 9>(^)' eine rationale Function ^ 
M und X eine Uonstante, ist die, daß P die Fo 
habe: 

^ ^-^\ dz ) ^ ^ dz' V 

1) Ist A von Null verschieden, so hat Gl. i 
das Fundamentalsystem von Integralen*: 

2) Ist A = 0, so sind 

E) y, = »(^)* ^2 = »(^)*J^) 

^^" TTnixdamentalsystem. 



21 

Für die Werthe von z^ für welche tp[z\ un- 
endlich wird, ist P ebenfalls unendlich, för die 
NuUwerthe ft von qi(z\ dagegen ist P nur dann 
nicht unendlich, wenn 

* 

F) y'(6)« = _ A, wo 9'(^) = ^. 

2. 
Wir betrachten nnnmelir den speciellen Fall : 

WO B(;er), £r(;er) ganze rationale Functionen resp. 

vom Grade w und m— 2 sind undiJ'(;0f) = — —^ 

dz 

lind außerdem P(jef) nur ungleiche Lienarfacto- 

ren hat. 

Wendet man die Substitution 

1)«*= J?(jgr)~^.y (s. meine oben citirte Ab- 
bandluDg p. 102) an, setzt 

2) g> = G.R* 

^d berücksichtigt, daß die zu den singulären 
Punkten der Gleichung 6) gehörigen determini- 
l^nden Fundamentalgleichungen die Wurzeln 0, \ 
liaben, so folgt aus Nr. 1, daß die Gleichung 
Cr) dann und nur dann ein Integral der Form 

3) u = G^e VgYm 

bat, wenn 69^ eine ganze rationale Function ist 



22 

.t>>~ ISfienscliafi;, daB for jeden Nollwerth 



y kl 



;•..>.» R{b) = —i, G'(z) = ^^\ nnd 

de 

-^W .d^ogö dloggdlogj? ;i -1 
*i U ]^ dz" "* d^ dz ■*"4(?».ijJ 

l»i i von Null verschieden, so ist demnach 
*^J siurch keinen quadratischen Factor theilbar 
.iiU iiir die Wurzeln der Gleichung Bis^z) = 
^vsi Null verschieden. 

Isq dc^egen i = 0, so ist G{z) f ür £r ä=: 6 
Nutt «weiter oder erster Ordnung je nachdem 
vV») von Null verschieden oder gleich Null ist. 
l5i^ fC;6) von Null verschieden, so ist 

iP^Q)) E(b) d^ 

Ut A = 0, so wird die quadratische Form 
^ 116 Nr. 13 Gl. 1) meiner citirten Arbeit 

otu Quadrat, es genügt daher ]/(r der Glei- 
chung Gr). 

3. 

Nach S. 129 Nr. 21 meiner citirten Arbeit 
jjenügt G(z) unter allen Umständen der Diffe- 
renzialgleichung : 



23 

h 



d^B ^ ^(Ä) /H ^ ^A) . 



Man gelangt daher anch auf folgendem Wege 
zur Bestimmung der Coefficienten von H(z). Damit 
GleichuDg jB) durch eine ganze rationale Func- 
tion 2wten Grades G{sf) befriedigt werde, setze 
man 

in dieselbe ein. Es sind alsdann diem4-2n — 2 
Gleichungen 

J) :^.[(? + 3-i)(Z + l)(Z + 2-|i)l>,+ 



(4Z+8-2i)^ ]c= 

für Z = 0, 1, 2, ...., m -\-2n—S zu befriedi- 
gen, wo 

m w— 2 

gesetzt ist. Zwischen diesen Gleichungen elimi- 

nire man die Größen c^, c,, . . c^ , und erhält 

1 2n 

für die Coefficienten Ä^y Ä^^ ... A „, m — 2 

1 m — ö 

Gleichungen, wodurch sie sämmtlich als Func- 
tionen eines derselben, z. B. Äq^ welcher will- 
kürlich bleibt, sich ergeben. 

Soll die Gleichung G) durch die Function 

VG befriedigt werden, so tritt zu den Glei- 



24 

üiiit^^u <Y^ i)Och eine Gleichung hinzn, welche 
«uv^^;iiK<vC« daß G(£i) durch einen quadratischen 
*'iuu>i liioilbar wird. Oder man substituire nach 
V. ü' lu Gleichung G) 



\^u /^a^) eine ganze rationale Function vten 

Virade«, welche nur für die Wurzeln der Glei- 
chung li{g) =^ und für diese nur erster 
Oiiinuug verschwindet, und stelle die Bedingungs- 
^ii)k*hungen für die Coefficienten c'q, c'^, . - c' , 

.1^, A^ . . Ä^_2 *^^- Nach der einen oder der 
t4tulert)u Methode ergieht sich eine algebraische 
lilüichung für den im allgemeinen Falle will- 
küilioh verbleibenden Coefficienten Äq. 

4. 

Ut 0(ig) durch keinen quadratischen Factor 
t heilbar, und für die Wurzeln der Gleichung 
H\^jf) = von Null verschieden , so ist nach 
Nr. 2 A von Null verschieden, und man erhält 
nl« Kundamentalsystem von Integralen der Glei- 
vhung 6r) 

K) u=G^e 3 gVh , w =6^^ 3^1^. 

1 £i 

llozeichnen wir mit 6^ 62' • • &2» ^^® Wurzeln 
dt»r Gleichung G{i3) = und setzen 

1) G'(&^)V^ = *.Viri, 



25 

^ dz 

so ist nach Nr. 2 « = + 1 und AI/ — X\ 

ein Abelches Integral dritter Gattung und für 
s = 6^. unendlich wie \b^ log {z-^l^. Durch 

Sinfuhrnng der Abelschen Functionen lassen sich 
daher yi, y» durch Thetafunctionen mit q Ar- 
gumenten darstellen, wenn m = 2 ^ -)- 1 oder 
2 e + 2 ist 

Indem wir uns die Ausführung dieser Rech- 
nong, so wie die eingehendere Untersuchung des 
Falles A = 0, welcher sich auf die von Herrn 
Beine den Lameschen Functionen höherer Ord- 
nung zu Grunde gelegten Differenzialgleichungen 
bezieht, vorbehalten, beschränken wir uns gegen- 
wärtig auf den speciellen Fall der Lameschen 
Differenzialgleichung. 

5. 

Transformirt man die Gleichung A) durch 
die Substitution 

de 

1) ^ = VRiz\ B(e) = (i-^^)(l^K^j,^), 

so erhält man als besonderen Fall der Glei- 
chung 6) 

Für diesen Fall genügt der Gleichung H) 
für jeden Werth von h eine ganze rationale 
Function von e, G{e)j 2nten Grades, der Form 

2) Gig) = Co + Ci«2_|.c2ir* + .. + c„4r2''. 



26 

Das System der Gleichungen J) redndrt sich 
nämlich in diesem Falle auf die n folgenden: 

(21 + 2) [{4P f 8 Z + 4) («« + 1) + 4Ä] c^+i 
+ (2i + l)(2?— 2n)(2Z+2n+2)x»c^ = 

für i = 0, 1, 2, . , ., n — 1, während die An- ; 
zahl der Unbekannten Cq, c-t, c^, • • e gleich \ 

n + 1. 

Setzen wir 

4) is = sin am x^ h^ = sin am ß^ 

und drücken das Integral dritter Gattung 

. dz 

\\/ — X\ durch Thetafunktionen aus, so 

erhält man unter Berücksichtigung der Glei- 
chung 1) Nr. 4 nach Gleichung E) das folgende 
Fundamentalsystem der Gleichung A) 

yi = 
'fei ' @(xy 

n e ^^i^ 

fei e{xf 



27 

6. 

Sine Ausnahme tritt naph Nr. 2 dann nnd 
nnr dann ein, wenn die Gleichung G') ein 
Integral von einer der Formen 



fit = 1^. i l/"-ß(^) 

besitzt, worin F^^ eine ganze rationale Function 

von JSf vom Grade n — a — ß bedeutet. 
Setzen wir 

so liefert die Substitution der Functionen er) in 
die Gleichung G') zur Bestimmung der Größen 
^0» ^v ^2' • • ^n— «— Ä ^*® System von Glei- 
ehnngen 

4- X« (i+a+jS+n— 1) (?+«+/?- w— 2) /j^_2=0 

für Z = 0, 1^ 2, . . . w— «— /?+2 

worin a, /} resp. durch die Combinationen 0, 0; 
1, 0; 0, 1; 1, 1 zu ersetzen sind. Je nachdem 
n — a^ß gerade oder ungerade, kann man die 
Coefficienten von c mit ungeradem oder geradem 
Index gleich Null wählen, und es verbleiben 

zur Bestimmung der übrigen 1-1, resp« 

"^""7^+^ Größen c ebenso viele Gleichnngen. 
Setzt man die Derminante derselben gleich Null, 



3S 

so eiliält man eine algebnüdie Gleicbini$r fnr h 
.M) VW = 0, 

welche im Wesentlieben mit deijeniireii über- 
einstimmt, welche Lame und Herr Heine als 
Bedingung for die Existenz ganzer Lösnngen 
der Lameschen Differenzialgleichung anfgjestellt 
haben. 
Eis sei 



1) n-a-ß = ft 

so ist 

2 

oder 

2a) F^ = i^C^-fti^X^-fta^-C^-^Lj*^' 

"2~ 

je nachdem f» gerade oder ungerade ist, worin 
die Gröften b- von den Wurzeln der Gleichang 

B{£:) = verschieden sind. 

Redncirt man das Integral \ — anf die 

Normalform, was am zweckmäßigsten durch das 
bekannte Verfahren des Herrn Weierstraft ge- 
schieht (s. meine Arbeit B. 71 des Borchardt- 
sehen Journals Nr. 9), so ergiebt sich unter 
Berücksichtigung der Gleichung: ^(6)/'_^"(6^-|- 

i ^'(l>i)faß(Pt) = 0, daß die IntegiJale dritter 

Gattung herausfallen (vergl. Heine Handb. der 
Eugelfnnctionen p. 241). 

Setzen wir nach geschehener Beduction 



29 



z == sin am o;, 6/ = sinaw/J^., 

so ergeben die Gleichungen E), Gl. 1 in Nr. 2 
das folgende Fnndamentalsystem von Integralen 
der Gleiehnng A) 



y\ = Up = 



A 



1^ 



2 H{x^ß^)H[x^ß>i 



&{xf 



— « 



N)(y2= 



2 



— eD\o^H{x) + «yDlogJEri{aO + /J(JZ)log0i(a;)l 

wo c = oder 1 , je nachdem /t gerade oder 
ungerade, 



Y = 



-B'(l)-P'„/(l) 



d = 



2 



«ü'(i)i^«y»|^) 



2 



ff = — X» r 



V 



Vfaß^Pd'mH 



-|- ayae^ -f- /Jd 



«, =- 



1 2 



30 

Mau bat für a, ß die Gombinationen 0, 0; 
1, ; 0, 1 ; 1 , 1 zu setzen. Natärlich ist die letzte 
nur für n > 2 möglich: 

Ist z. B. n = 1, 
so ergeben die Gl. I') 

G(js) = sin^ama — ^*, 
wenn man mit Herrn Hermite 

h = — 1 — X* + «' sin' oma 
setzt. Die Gleichungen E^) werden: 

Nach Gleichung L) ist 

1) für a = 0, /? = 0, die Gl. M) h =—1—«», 
^ = 1, e = 1, /"oo = Fot = g, die Gl. N): 

yt = sin am x, y, =ain a«t a; [-=.« — X>log£^(a;) j 

2) für o = 1, /? = die Gl. Jlf): A «=— 1, 

1 X* 1 



Die Gl. N): 

«i. :^ COS am 0^1 ya = 



31 

1 rJ—K*^ ^, „ . •^ 

—^ cosamx — — — x - DlogH^ (x) 

3) a=0, ß = l, die Gl. (M) Ä=— x», /i» = 0, 
6 = 0, d = i- <y,= a;,T= 4 Die Gl. (N): 

XX X 

!BesTiltate, welche mit denen des Herrn Hermite 
L e. p. 826 übereinstimmen. 

7. 

Während für ein willkürliches h die Glei- 
chung -4) durch ein Fundamentalsystem von 
Integralen K') befriedigt wird , deren logarith- 
mische Ableitung doppelt periodisch ist, findet 
dieses für diejenigen besonderen Werthe von 
A, für welche die Gleichung G') durch eine 
Function der Form ff^ß{sf) befriedigt wird, 

jiicht mehr statt, wie die Gl. N) zeigen. Man 

kann dieses aber auch a priori ohne Zuhülfe- 

nahme der Integrale N) erkennen. Es sei näm- 

/• dz 
liph ui=ifA^\ so kann zunächst m = u\ g ,y— 

nicht algebraisch sein. Denn da die zu den 
edugulären Punkten der Gleichung G*) gehörigen 
determinirenden Fundamentalgleichungen die 
Wurzeln 0, ^ haben, so würde sich ^in Inte- 
gral u% ergeben der Form W2 = f„'Az)^ (s. meine 

Abh. B. 66 des Borchardtschen Journals Nr. 6 
11), worin die Combination a ß' von der Com- 
bination a ß verschieden wäre. Dieses ist aber 
nicht möglich, denn da die zum Punkte ^ = 00 



32 

gehörige deteriuinirende Fn odamentalgleichung 
der lUeichung G'J die Wurzeln — n und n-j-1 
hat, uud /' «, f^g, beide für xr = 00 unendlich nter 

Ordnung werden, so müßte f^^, = Const. / - sein. 

bis seien nunmehr a a' zwei beliebige sin- 
gulare Punkte der Gleichung 6'), so gehört 
Ml = /„äW zu einer der Wurzeln 0, ^ der zu 

a gehörigen determinirenden Fundamentalglei- 
chung, und es gehöre ein Integral t<s resp. zn 
I oder 0. Ferner sei 171, fi% ein zu 0, ^ resp. 
gehöriges auf a* bezügliches Fundamentalsystem, 
so ist 

Ml = Cll lyi + CI8 17«, U2 = C8II71 -f- CJ2 fSf 

wo entweder Cn = oderci2 = 0, weil U\ = 
/' Az)> Es sind aber wenigstens für irgend ein 

a' die Größen csi, css von Null verschieden, weil 
Ms nicht algebraisch ist. Nach einem Umlaufe 
um a nnd a' gehen tii, M2 resp. über in 

CiiC»ii4-ci2C2i 2ciiCi«M2 2C21C22M1 C21C12+C11C2« ^ 

^o z/ = Cll C22 — C12C21 von Null verschieden 
ist. Da C211 C22 nicht verschwinden , so ist M2 
nicht in sich selbst multipiicirt mit einer Con- 
Mtauten übergegangen, oder, was auf dasselbe 
hinaus kommt, es ist, wenn man u% =5 f{x) 
setzt, D \o%t\oS) nicht periodisch, da ein Umlauf 
von e um zwei singulare Punkte der Gl. 6^ 
einer Vermehrung von x um eine der Perioden 
gleichkommt. 

Heidelberg 15. December 1877. 



33 

üeb'er die Verwandtschaft und syste- 
matische Bedeutung von Ceroxylon 

Andicola. 

Von 

Dr. Oscar Drude. 

Wie ich in nieiner letzten Mittheilang über 
Carludövica eine weit verbreitete und auffallende 
PfläDZ^ügäittühg des tropischen Amerikas behan- 
delte, welche trotzdem in Bau und Verwandt- 
schaft sehr unklar geblieben war, so möchte ich 
jetzt eiiie noch viel berühmtere Palme der bota- 
nischen Analyse unterwerfen, die, in denselben 
Ländern wachseud, durch ihre äußere Erschei- 
nung und Lebensbedingungen seit lauge die Auf- 
merksamkeit auf sich gelenkt hat, ohne daß bis- 
her ihr Charakter und ihre Bedeutung für das 
natürliche Palmensystem bekannt geworden wäre. 

Ceroxylon Andicola eröffnet in den »Plantae 
aequinöctiial^s« die Reihe neuer Pflanzen, welche 
Humboldt und Bonpland als Früchte ihrer Reise 
publicirten; sie hatten diese bis zu 60"^ hohe 
Palme, deren mit dicker VPachsschicht bedeckter 
Stancim eine Krone von nur zehn 6 — 7™ langen 
Fiederblättern trägt, in einer Höhe von 1750 — 
2800"* auf den Anden Neu-Granadas gesammelt, 
nur 800™ unter jenem Niveau, in welchem schon 
Schneefälle denBodfen bedecken; ihrer Beschrei- 
bung und Abbildung verdankt man bisher Alles i 
was man über diese Palme wußte. Sie wurde 
demgemäß Iriartea beigesellt; aber gerade diese 
Stellung machte eine erneute Prüfung sehr wün- 
Bchenswerth, weil die Tribus der Iriarteen einen 
vortrefflichen vegetativen Charakter in den brei- 
ten strahlig - nervigen Blattsegmenten besitzt, 
wäirend dieselben bei Ceroxylon von einem star- 



»1 



34 



,r V'ttc\i".*rT durchzogen werden und in Form 
^l: 'issiviid weißer Unterseite einigeu Gocoi- 
^^ ■ ^•V;xiothemium u. a.) täuscheud ähnlich se- 
Vl^uso laftt die eine vollständige Scheide 



. iifr lADg^ ^^^ ganzen Blüthenrispe , die an 

' "^ *^»chnant aufreißt und nach der Blüthezeit 

t^"^ auf die Trihus der Cocoineen schließen, 

*^r-i::*i die große Rispe gestielter Blüthen selbst, 

vbf AU Aesten dritter Ordnung stehen, unter 

tri fVl^rp^I^^^ "^^ ^^^ ^^^ Arecineen und den 
k..,^horbeen ihre Analoga findet. 
' iVe Geschlechtervcrtheilung ist einstweilen 
vi zweifelhaft; Humboldt und Bonpland be- 
^i^nben sie als polygamisch, indem einige Eol- 
Vr. nur weibliche, andere männliche und herma- 
nji^Jitisch blühende, aber nicht zur Frucht sich 
Irinickelnde Blüthen erzeugen sollen, während 
»)i selbst nur männliche oder nur weibliche 
Käthen mit starkem Rudiment des fehlenden 
(n\<chlechtstheiles an je einem Kolben auffinden 
konnte; daß in diesem Punkte ein Irrthum der 
Teuannten Autoren nicht ausgeschlossen ist, geht 
ans der Thatsache hervor, daß dieselben auch 
iu ihrer Gattung Kunthia die männlichen Blü- 
then itiit großem Pistillrudiment für hermaphro- 
ditisch «erklärten. Da die Blüthen durchaus ein- 
sein und weit von einander entfernt stehen, so 
erinnert die Inflorescenz selbst zunächt an die 
Hyophorbeen und schließt wenigstens die in 
der Zweigbildung des Kolbens ähnlichen Areci- 
Aoon aus; die ßlüthen dagegen stimmen mit 
keiner Gattung so sehr überein als mit Wettinia, 
welche wir nach den Untersuchungen Spmce's 
[Journ. Linn. Soc, III, p. 191] als anomale Iri- 
artee kennen; nur ist in den männlichen Blüthen 
von Ceroxylon die Trimerie stets wohl bewahrt 
* ein starkes Pibtillrudimeut entwickelt, dage- 



35 

gen hat auch diese Palme in den weiblichen 
Blüthen den auflFalleudeu Charakter, von den 
drei Ovarien nur eins zu entwickeln, so daß 
dieses eine fruchtbare einen langen Stylus mit 
drei ausgebreiteten Stigmen seitlich trägt und 
von den beiden abortirenden Ovarien schon zur 
Blüthezeit nur die verkümmerten, knopfartigen 
Reste an seiner Basis aufweist. Dennoch wächst 
wiederum eine der Wettinia sehr unähnliche 
Frucht aus diesem Ovarium heran: eine blau- 
schwarze Beere, deren kugliger Samen mit sei- 
nen zarten Rapheästen und basilarem Embryo 
ebenso gut mit Arecineen und Hyophorbeen als 
mit Iriarteen verglichen werden kann. 

Wie stark daher nun die wichtigsten Merk- 
male^ deren man sich bei der Bestimmung der 
Palmentribus bedienen muß , in unserer Gattung 
schwanken, mag aus folgender Zusammenstellung 
hervorgehen : 

Habitus der ausgewachsenen Pflanze: soll im 
Gesamm tauschen hohen Iriarteen ähnlich sein ; 
Blatt: sehr ähnlich den Oocoineen. 
Form und Nervatur der Segmente: Cocoineen, 

weniger Arecineen und Hyophorbeen. 
Blüthenscheide : Cocoineen. 

Eolbenverzweigung : Arecineen und Hyophor- 
been. 
Geschlechtsvertheilung : Hyophorbeen, außerdem 
Wettinia unter den Iriarteen und Attalea nebst 
Orbignia unter den Cocoineen. 
Blüthenstellung: Hyophorbeen. 
Blnthenbäu: Wettinia unter den Iriarteen; Ent- 
wicklung des Ovarium zugleich Geonoma ver- 
wandt. 
Frucht : Geonomeen, Hyophorbeen und Iriarteen. 
Samen: Arecineen und Hyophorbeen [Kunthia], 
dann Geouomeön und Iriarteen. 



36 

p-. v; : A ;&:i'itschaftlicben Beziehungen erstre- 
iki*' >- * diher über fünf Tri bus, und da sie 
^u'\\ «"^'' ^«i^ Wage halten . so würde man über 
^r.e Sw'.'.ii"*^ ^^" Ceroxjlou sehr zweifelhaft blei- 
Iv:: niüsÄiu wenn nicht einige verwandte Arten, 
cen'u interessanter Bau bisher gleichfalls unbe- 
ki'jut war oder unbeachtet blieb, zur Lösung 
Jfr jTostellteu Frage beitragen könnten. 

In den Hochkjebirgen von Venezuela und 
>>u-Ot'anada sammelte Karsten neue Arten von 
Wachspalmen, ohne die Humboldtsehe Original- 
x;vcios wiederum beobachtet zu haben; er be- 
tr.whtete dieselben als generisch verschieden und 
Kjrründete auf sie seine Gattung Klopstockia 
(in Linnaea XXVIII p 2ol], welche aber sowohl 
von Martins [Hist. nat. Palm. III. p. 3141 als 
Ton Wendland in dessen kritischen Bemerkungen 
über Ceroxylon [Bonplandia VIII p. 69] nicht 
am^rkannt wuiJe. da in der That unter den von 
Karsten aufjiestellten Charakteren nur die große 
Zahl von Blüthen.scheid*-n erheblich von Ceroxy- 
lon abwich. Er.-t jetzt bei sorgfältiger Bliithen- 
unttTHUchung bin ich zur Kenntniß der wahren 
l-iiterHchifd*» gf'laugt, welche die Selbständigkeit 
Ji.r Gattung Klopstockia beweisen; die CoroUe 
(l(ir männlichen Blüthen bildet in letzterer einen 
kiir/i<x'ji Tubus und ist mit dem Androeceum auf 
(•ignnthürijliche Art verwachsen, dessen drei an- 
ttiin? Starainen frei mit den Fetalen alterniren, 
während der innere Staminalkreis dedoublirt ist 
und Hechs Filamente paarweise lang den Fetalen 
liiigi; wachsen zeigt, alle mit tief-pfeiUormigen 
^iiihüniti verseben; in den weiblichen Blüthen 
iih'jr hijrjet das sterile Androeceum einen strah- 
lig<;fi Kranz mit sehr rudimentären Antheren, 
jihulich wie b*.'i Iriartea pubescens Karst., wel- 
ch« von Wendland [1. c. p. 104J zu der Gattung 



37 

Giitoblastus sehr richtig erhoben ist und ohne 
Zweifel der anomalen Wettinia sehr nahekommt; 
das Gynaeceam endlich besteht hier aus drei 
syncarpen Ovarien , von denen nicht nur jedes 
em Ei enthält sondern dasselbe sogar zum Sa- 
men entwickeln kann, da ausnahmsweise Früchte 
aus je drei apocarpen Beeren gebildet beobachtet 
sind. Diese unterschiede, welche zur Aufrecht- 
haltnug der Gattung Klopstockia zwingen, ver- 
mehren zugleich für das verwandte Ceroxylon 
die Verwandtschaft mit den Palmentribus, deren 
Scheidenzahl eine größere ist, also mit den 
fljophorbeen und Iriarteen, und zeigen, daß sich 
in Bezug auf den Fruchtknoten bau Ceroxylon zu 
Klopstockia verhält, wie Wettinia zu Gatoblastus 
und Iriartea. Die Scheiden werden von Karsten 
sehr zahlreich angegeben und die fünf oberen 
vollständigen sollen nach einander abfallen; die- 
ser Charakter scheint zu schwanken, da Eugel 
[Linuaea v. XXXIII. p. 673] einige Species ge- 
funden hat, welche nur drei Scheiden besitzen; 
zwei Scheiden schreibt derselbe einer neuen 
Wachspalme aus Neu-Granada zu, auf welche er 
die ungenügend charakterisirte Gattung Beetho- 
venia stützt, welche bei genauerer Prüfung viel- 
leicht eine innige Verwandtschaft zu Klopstockia 
zeigen dürfte, wenn nicht gar mit letzterer zu- 
sammenfällt. 

Noch eine letzte Palme bleibt aber zu unter- 
suchen übrig: die »Chonta« der Insel Juan Fer- 
nandez, von Bertero entdeckt, von Philippi für 
eine Morenia (also eine Hyophorbee) gehalten, 
von Martins dagegen als Ceroxylon australe zu 
unserer Gattung gebracht, deren Blüthenbau bis- 
her gleichfalls völlig unbekannt war und in Be- 
zug auf die männlichen Blüthen auch noch fer- 
neren Untersuchungen überlassen bleibt. 



:^H 



t 



p>» weiblichen Bliithen allein zeigen aber 
üchoü ein»' so große Verschiedenheit von Ce- 
rv»\vlv>n. iIass an der Selbständigkeit der Juan 
KonunJi»z-Pahne mich nicht der geringste Zwei- 
fei bloiben kann; das aus breit sich deckenden 
firund'Mi Sepalen und Fetalen gebildete Perian- 
thiiiin schließt an Stelle der vielstrahligen An- 
droceuniseheibe von Ceroxylon und Klopstockia 
nur sechs sehr zarte, einzeln inserirte Stamino- 
dien ein, welche sich fast der Beobachtung ent- 
ziehen, und wird von einem langcylindrischen 
Gynaceum überragt, dessen abgerundeten Gipfel 
drei sitzende Stigmen krönen; die Bliithe hat 
BOinit das Ansehen einer Hyophorbee, und that- 
sächlich fanden sich im Innern der drei innig 
svuearpen Ovarien drei an der Mittelaxe inserirte 
heniitrope Samenknospen [wie bei Chamaedorea]; 
da Philippi nur durch habituelle Rücksichten 
bewogen dit'se l\ilme zu Morenia brachte, so läßt 
sich erwarten, daß der Habitus gleichfalls den 
Hyophorbeen entspricht, doch zeigten mir junge 
g,J„„.iipHany.en in Kew noch mehr Aehnlichkeit 
niit (-oetJineen, denen ja auch Ceroxylon, ihre 
nächste* Vorwandte, so sehr gleicht. Jedenfalls 
muß "ber diesi» i*alme eine eigene Gattung bil- 
den, welelie ich nach ihrem Wohnorte Juania 
luMio»»"*' ; >*"* bewohnt hier die feuchten Berg- 
^jilJor l»iH KU l)eträchtlicher Höhe und vervoll- 
ütüiHÜgt den pflanzengeographischen Charakter 
ihm kleinen Milandes, indem sie seinen vier en- 
l^iiii^elieiH Gattungen eine fünfte hinzufügt. Auf 
il««r Keurenilbiirlitfgunden Küste von Chile bildet 
^me tVn'.iiiiiee (.lubaea) die Südgreuze der Pal- 
itiiMiveil>reit.uiif<, und so zeigt sich auch hier die 
5i,»|hit'niili}fKiMt. des Inaelgebietes in hervörragen- 
ili»\ Winnie dur(!li die Palmen bestätigt, ähnlich, 
^ '*'vliiing (Irisebachia die Selbständigkeit 



/ 



39 

der Flora der Lord Howe's Inseln Australiens 
Kaste gegenüber bekräftigt; die Palmen haben 
bei ihrer in engen Grenzen gezogenen Yerbrei- 
tang viele Endemismen geliefert. 

Es mögen hier nun die Blüthencharaktere 
der drei besprochenen Gattungen folgen: 

Ceroxylon. »Spatha 1 completa in ventre 

aperta demum caduca«. Fl. d: Petala usque ad 

basin fere libera disco androecei aequali con- 

jancta, aequilonga; stamina 12 (raro plures) in 

discum basalem centmm floris occupantem un<- 

diqae filamenta exserentem connata ; germinis 

radimentum breve trifidum. Fl. $ : Galyx bre-> 

yissimns; petala inaequilonga brevissime imbri- 

cata anguste-lanceolata, tertium ab axi remotum 

loDge euspidatum; androeceum coroUä brevius 

e staminodiis 12 antheras efifoetas gerentibus in 

patellam radiatam germinis basin cingentem 

connatum; germeu coroUa brevius globosum; 

Stylus longus in Stigmata tria excurrens ovario 

fertili lateraliter insertus, ovariis duobus steri- 

libus minutis appendiculatus. 

Spec. 1 ; Ecuador, Nova Granata, Venezuela. 

Klqpstockia. »Spathae 3-qo , inferiores incom- 
pletae, saperiores infloresceutiam includentes in 
ventre dehiscentes denium deciduaec Fl. ^: 
Petala in tubum brevem ad basin connata inae« 
quilonga cuspidata; stamina 9 vel 12, tria cum 
petalis altemantia libera, reliqua 6 vel 9 binatim 
yel ternatim petalis opposita iisque alte adnata ; 
germinis rudimentum breve trifidum. Fl. q: 
Galyx brevissimns; petala inaequilonga e tubo 
basali brevi acuminato-lanceolata, tertium ab axi 
remotum longius; androeceum coroUämulto bre- 
vius e staminodiis 9 — 12 antheras miuutas ge- 
rentibus in patellam germinis basin cingentem 
connatum; germen globosum coroUä dimidio 



z* • 



Vr-T-i ~z "rir-".r •.rtz? «iTcarpis trilobuin in 
.••fr:r: :t ■..•«>•.. sr-^-n^Tir -• tri dt:« se»libiu co- 
zwiiT.:-- TTir:. s.l::^^: plenusque majore in 
iru.:-n ii-rciriiz: ricreäc^-st*. 

J-..\t'.--i. »S:Ä:hal £ii 2. ztraqae completa». 
Kl / : — F.. * : »Jclvi iriz: r^s^-paiia iripartitiis corol- 
I^iü. i—'Jiin i^--äi.«: :-r:.ala e bad breTissime 
<y:i:i-:;i ^ 4r^-**u»:ä ciriäM— :vÄta acuta late im- 
br-.^itsä: *:air.:r:cö:a o v?! riauciora tenerrima pc- 
ia>!s o— 4plo "creT::T& äLsrincia corollae tubo 
irs-r-TA: ir-riE«?:: cT.izircTix e corolla longe ex- 
5er: '^s: in apice rct::ciatö stigmadbiis tribus 
cra55is red-ei.« ccroratTin: trilocnlare, localis an- 
gU5t:5 at^ -.AÜl-.;» cvi,;:;n: aii iL*ertuni forfentibns. 
Sptc. 1 ; Jean Fcrrardez. 

Wir haben Lun durcb Hiczuziehnng der bei- 
iWu VfrwandteL von Ctroivlon den Vortheil 

m 

gewönne:: . die systematische Jftellung derselben 
leiohter feststellen zu kön::en: Elopstockia reiht 
sich den Iriarteen leichter an als irgend einer 
anderen Tribus. wen i: gleich als anomale Gattung; 
Juania dagegen kann nur mit den Hyophorbeen 
verbunden werden, und bis auf genauere Kennt- 
niß von ihr entspricht einstweilen nur ihre ge- 
ringe Scheidenzahl nicht den Charakteren dieser 
Tribus; Cercxvlon selbst steht zwischen beiden 
Gattungen, die beiden ohne dies sehr nahe ver- 
wandten Tribus verbindend, so daß wir folgende 
Reilie als natürliche Verwandschaftskette anneh- 
men können : Moreuia — Kunthia — Juania — 
Ceroxylon — Klopstockia — Wettinia — Ca- 
toblastus. Ceroxylon selbst müßte nach der von 
Herrn Hof rat h Grisebach vorgeschlagenen Be- 
zeichnungsweise in folgender Weise gestellt werden : 



41 

Es darf aber nicht unberücksichtigt bleiben, 
daß Ceroxylon und seine nächsten Verwandten 
nicht so einfache Mittelstellungen zeigen, wie 
wir sie sonst bei verbindenden Gliedern zu sehen 
gewohnt sind, sondern wichtige Beziehungen zu 
einer Reihe yonTribus außerdem besitzen. Alle 
genannten fünf Tribus, denen ich als sechste 
die bisher unerwähnt gebliebenen Garyotineen 
Ostindiens hinzufügen will, zeigen nun in allen 
Organen so viel Aehnlichkeit und Gleichheit der 
Charaktere, daß mir die Noth wendigkeit einleuch- 
tete, dieselben in eine engere Beziehung den 
übrigen Palmentribus gegenüber zu bringen. 

Unter letzteren sind die verwandtschaftlichen 
Beziehungen viel leichter zu erkennen und durch 
Martins schon vortrefflich verwerthet, der die 
drei Gruppen Lepidocaryinae, Borassinae flabelli- 
frondes und Goryphinae daraus bildete, die ich 
in meinem Palmensystem als drei Unterordnun- 
gen mit zusammen sechs Tribus adoptirt habe; 
die vierte Unterordnung nun kann ich mit kei- 
ner passenderen Gattung als mit Geroxylon be- 
zeichnen, da sie von den vielen in ihr zusam- 
mengefaßten Tribus viele Gharaktere gemein- 
schaftlich besitzt; ich bemerke, daß die Bildung 
dieser großen Gruppe Geroxylinae, deren viel- 
seitigste Begründung mir lange klar geworden 
war, ehe ich den Bau von Geroxylon selbst ken- 
nen gelernt hatte, das Palmensystem natürlich 
zu machen bestimmt ist und den wichtigsten 
Unterschied meiner Anordnung der Palmentribus 
gegenüber der von Martins gewählten ausmacht, 
der nach seinem eigenen Ausspruch in diesen 
Studien nicht zu Ende gelangt war. 

Die Eigenthümlichkeit von Geroxylon, durch 
die Vielseitigkeit seiner Beziehungen als Reprä- 
sentant einer großen Gruppe dienen zu können^ 

4 



42 

macht aber diese Gattung interessant für allge- 
meine Probleme der natürlichen Systematik ; dran 
man hat hier ein klares Beispiel vor Augen, wie 
eine Pflanze, welche sich nur schwer in nähefe 
Beziehung zu einer scharf präciairtan Gruppe 
bringen läßt, durch seine Abweichungen eine 
größere Zahl von verwandten Gruppen gleieli- 
mäßig berührt; vermuthlich werden sich manche 
schwer zu erklärende Pflanzen besser unterbfio- 
gen lassen, wenn man sich nicht nur bemiiht, 
sie in eine Zwischenstellung zu bringen« sondern 
wenn man zugleich die sich ergebenden Abwei- 
chungen als auf einen größeren Verwandtschafts- 
kreis hinzeigeud betrachtet, dessen Charaktere 
die abweichende Pflanze in bunter Auswahl zur 
Schau trägt. — 



Verbesserungen 

in der letzten Nummer des vorigen Jahrgangeß 

der Nachrichten. 

S. 764 Zeile 4 v. o. statt Glariaut lies Glsiraut 
781 » 6 V. 0. » Tnf4^ö » T^-Amr 
— » 8 V. o. » ISmal » 17mal 
806 »12 V. 0. » 994.8217 » 994.2817 
809 » 17 V. o. > Q » p* 



Bei der Königl. Gesellschaft der Wia- 
senschaften eingegangene Druckschriften. 

(Fortsetzung}. 

Nature. 418—422. 

B. Claasius, die PotentialfonotioneD a. das Po4^tiaL 

1877. 
K. Weihraaoh, Zehsjährige MittelwerUie för Dorpat. 
, lß77. 



43 



de la Sod^tö Maihem. de France. T. V. No. 6. 

et dender. 1877. 
J. Barrande, Gephalopodes. ^Stades g^neralee. Prag. 

1877. 
H. V. Scblagintweit-Sakünlänski, klimatischer 0ha- 

raoter der pflanzengeographischen Regionen Hochasieoe. 

München. 1876. 4. 
Leopoldina. Hft. XIIL Nr. 19—20. 
Proeeedingsofthe London Mathem. Society. Nr. 115— 118* 
Jahrbücher der E. Akad. gemeinnütziger Wies, zn Er- 
furt H. 8-9. 1877. 
lOttheilnngen der deutschen Gesellsch. für Natur- und 

Völkerkunde Ostasiens. Hft. 11. 1876. 
Schweizerisches ürkundenregister. Bd. II. H. 6. Bern. 

1877. 
Nova Acta Reg. Societatis Scient. Üpsaliensis« Volumen 

oartra ordinum editum. 1877. 4. 
Rnles and list of members of the R. Soc. of New-South- 

Wales. 1877. 
Transactions of the Cambridge philos. Soc. Vol. XI« P. 8. 

1871. 4. 
- Dieselben. Vol. XII. P. 1—2. 1878—77. 4. 
Proceedings of the Cambridge philos. Soc. Vol. III. P. 1—2. 
Monatsbericht der Berliner Akad. d. Wiss. August. 1877. 
J. O. Oroysen u. M. Dnncker, Preußische Staats- 

Bohriiten. Bd. I. Berlin. 1877. 
A. E. Jendrassik, Das neue physiol. Institut an der 

Universität zu Budapest. 1877. 4. 
^Der königl. Ungarischen Budapester Universität Lehr- 

ordnnngför das Schuljahr 1876— 1877. l.u. 2. Halbjahr. 
^Feier zor 97 jährigen Reorganisirung der Budapester Uni- 

venitat. 1877. 
*A]maaach derselben. 1876—77. 
*Bedea bei dem Antritt von Rector u. Senat für das J. 

1876-77. 
*Bede rar Erfifinung des Schuljahrs 1876—77. 
BaUflün de la Soci6t§ Ouralienne d'amateurs des scienoes 

naturelles. T. III. Nr. 2. Ekaterinenburg. 1876. 4. 

(Russisch). 
SiUungsbericbte der physik. medic. Societät zur Erlangen. 

Hft. 9. 1876 77. 
H. Kun drat» die Belbstverdauungsprocesse der Magen« 

Schleimhaut 



* Die mit * in ongar« Sprache. 



44 

Balletio de l'Acad. Imp. des Sc de St. Petersboorg. T. 

XXIV. Nr. 2. 
Leopoldina. H. XIII. Nr. 21. 2?. 
Geolo^sche Karte des Großh. Luxemburg nebst Weg« 

weiser. 1877. 
Nature. 428-426. 

The London Mathem. Soo. 8. Nov- 1877. 
Hivista Europea. Vol. IV. Fase. 2. 5. 6. 
Neues Laositzisches Majrazin. Bd. 58. H. 2. 1877. 
Jahresbericht 46 der Schles. Gesellsoh. für vaterl&nd. 

Cultur. 1877. 
T. V. Ilayden, Ninth Annnal Report of the ü. S. Oeo- 

logical and GeojSfraphical Survey of the Territoreis. 

For 1875. 
Annual Report of the Board of Regents of the Smith- 

sdhian Institution. Washington. 1877. 
E. Goues, Fur-bearing animals a monograph of North 

American Mustelidae. Ebd. 1877. 
The Canadian Journal of Science etc. Vol. XV. No. 6. 

Toponto. 1877. 
Monthly Notices of the R. Astronomical Society. Vol. 

38. Nr. 1. 
Drei Gedenktafeln (v. Haller, Gauss, Germ. Museum.) 
Abhandl. der K. Akademie d. Wiss. zu Berlin. Jahrg. 

1876. 4. 
Sitzungsber. d. mathem. physik. Gl. der Akad. d. Wies, zu 

München. 1877. 2. 
Atti della Societä Tosoana di Soienze nat. Vol. III. fasc. 

1. Pisa. 1877. 
Sitzungsberichte der E. Akad. der Wiss. zu Wien. 1876. 

Philosoph. - histor. Glasse. Bd. 82. U. 3. Bd. 88. H. 

1—4. Mathem .-naturwiss. Glasse. Erste Abth. Bd. 78. 

H. 1—6. Bd. 74. H. 1—2. Zweite Abth. Bd. 78* 

H. 4—6. Bd. 74. H. 1-2. Dritte Abth. Bd. 78 

H. 1-6. 
Fontes rerum Austriacarnm. Bd. 89. Wien. 1876. 
Archiv für Oesterreicbische Geschichte. Bd. 64. H. 2. 

Wien. 1876. 
Publications de l'Institut R. de Luxembourg. T. XVI. 
Vierteljahrsechrift der Astronom. Gesellsch. Jahrg. 12. 

H. 8. 
Bulletin de l'Acad. R. des Sciences de Belgiqne. T. 44. 

Nr. 9-10. 

Fortsetzung folgt. 



45 

Naehriehten 

von der Königl. Gesellschaft; der Wissen- 
schaften und der 6. A.. Universität zu 

Göttingen. 



30. Janaar. M 2. 1878. 



Königliche Gesellschaft der WissenschafteD. 

Einige Worte über den Ursprung der 

Sprache. 

Von 

Theodor Benfey. 



T I 



Alle meine Gebeine sol- 
len sprechen. 

(Psalm. XXXV. 10.) 

Schon seit ziemlich langer Zeit ist der Vf. 
in Bezng auf das in der Ueberschrift bezeich- 
nete Problem zu üeberzeugungen gelangt, welche 
Ton den ihm bekannten Darstellungen desselben 
wesentlich abweichen und auch durch das Stu- 
dium der neueren darauf bezüglichen Schriften 
viel eher verstärkt als geschwächt wurden. 
Pietät gegen anerkannt bedeutende Männer, 
welche sich mit der Lösung desselben seit mehr 
^ zwei Jahrtausenden in umfassender oder frag- 
mentarischer Weise beschäftigt haben, und eben- 
so sehr das Gefühl mit seinen — er möchte fast 
sagen — Ketzereien vielleicht, ja höchst wahr- 
scheinlich ^ sehr vereinsamt dazustehen, hielten 
ihn nicht bloß von der Veröffentlichung der- 



i6 

selben ab, sondern legten ihm auch das Bedn 
niß, ja die NothwendSgkeit nahe, sie wiederh< 
der sorgsani^teli Pifflftriig zu tWÄfett^etfiöii. ; 
darf mit gjHHsm Gewissen die Y^MchtelAillg «i 
sprechen, daß er sich alle Mühe gegeben h 
diese Prüfung mit allen ihm zu Gebote stehe 
den Mitteln und Kräften, mit strengster Unp 
theilichkeit , mit Zweifeln, — ja den üügfihsti 
sten Voraussetzungen bezüglich seiner Berech 
gung, oder gar Befähigung, dieser Frage au 
nur nahe zu treten — zu vollziehen. Aber an 
diese Prüfungen haben nicht vermocht, ihn v 
seinen üeberzeugungen abzubringen. Dennoch 
er weit davon entfernt zu verkennen, daß < 
große Schwierigkeit des Problems auch ihn 
die Irre geführt haben könne und würde de: 
gemäß auch jetzt noch nicht wagen, seine üeb< 
Zeugungen in Bezug auf dasselbe zu veröffei 
liehen, wenn er es nicht für eine unaWöislic 
Pflicht gegen die Wissenschaft hielte, Resulta 
zu denen gewissenhafte und sorgliche Erwägu 
geführt haben, mögen sie von hergebracht 
Ansichten auch noch so sehr abweichen^ d< 
öffentlichen Urtheil zugänglich feu machen. 

§. 1. 

Bei der menschlichen SpracKfae treten t 
vor allem zwei characteristische Erscheinung 
entgegen: einerseits werden liautä und Lai 
complexe hervorgebracht, atdrerseite iris/iA 
diese verstanden. 

Fragt man nun nach dem Ursprung der i 
sten Erscheinung, oder Thätigkeit: der Aeul 
rung von Lauten, so scheint mir diese Fra 
wesentlich auf derselben Stufe zu ffteben, v 
etwa die Frage nach dem Ursprung des Gehe: 
d. h. wie das Gehen entstanden sei, oder v 



47 

der Mensch, oder überhaupt die Wesen, welche 
geben, dasra gekommen seien, diese Art der Be- 
irq[ang zu voUaehen. 

Wollte man z. B. wissen, wie es komme, 
daß die dem Menschen näcbststehenden vier- 
iuBigea nnd vierhändigen Sängethiere gehen, so 
glanbe ich würde man keine andre Antwort zu 
erwarten haben, als : der im Organ des Intellects 
onbewnfit oder bewußt entstehende Wille wirkt 
auf die motorischen Nerven , welche in Folge 
davon die Beweguugsorgane bestimmen, oder 
nothigen die gewollte Bewegung auszuführen. 

Fragt man nun nach dem Ursprung des 
menschlichen Gehens, dann wird man dieselbe 
Antwort erhalten ; will man aber wissen, warum 
das Gehen des Menschen von dem der vierfüßi* 
gen und vierhändigen Thiere verschieden ist, 
dann wird der Befragte die Verschiedenheit der 
menschlichen Bewegungsorgane von denen jener 
Thiere erläutern, wird hervorheben, daß der 
Mensch von jenen vier Extremitäten sich in der 
Begel nur zweier zur Fortbewegung bedient, 
.der andern beiden dagegen zum Greifen, daß 
jene beiden einen Bau haben, durch welchen die 
aufrechte StelliH^g und Bewegung derselben be- 
dingt ifit n. «. w^ würde jedoch zu allem Ueber- 
floB hinzufü^n, daft aber, trotz dieser Verschie- 
denheit der Bewegung, der Ursprung oder die 
Ursache derselfben völlig dieselbe sei wie bei 
den verglichenen Thieren; dies würde er — wenn 
nothig — dadurch zu erhärten im Stande sein, 
daS er nachweist, daß auch bei den Thieren 
Yersohiedenheiten der Bewegung bestehen, welche 
einzig auf den Verschiedenheiten im Bau der 
Bewegongsoj^ane derselben beruhen. 

Diese Antwort würde wesentlich gleichartig 
Mufallen, mag man den Standpunkt der Lamarck- 



48 

Darwinschen Theorie : die Entwicklung der Artei 
durch Umbildung aus einer oder wenigen urspcnng 
liehen, einnehmen, oder eine schon ursprünglicl 
verschiedne Vielheit von Arten festhfdten. L 
jenem Fall würde man aber dann sagen : e 
giebt gar keinen menschlichen Ursprang de 
Gehens, sondern das menschliche Gehen ist nu 
eine Modification des thierischen, herbeigefuhr 
durch die Veränderungen der Bewegungsorgane 
welche mit der Umbildung eines menschenähn 
lieben Thieres zu einem Menschen verknüpf 
waren. In diesem dagegen: es giebt zwar einei 
menschlichen Ursprung des Gehens, er beruht 
aber wesentlich auf denselben Ursachen , d. h 
ist identisch mit dem Ursprung des Gehens dei 
Thiere; von diesem ist er nur insofern yerschie 
den, als die Bewegungsorgane der Menschen voi 
denen der Thiere schon ursprünglich yerschie 
den waren. 

§. 2. 

Es darf jetzt als anerkannt verausgesetz^ 
werden, daß Sprache im weitesten Sinn, d. h 
die Fähigkeit sich einander verständliche Mii 
« theilungen zu machen, auch einer großen An 
zahl von Thieren zuzusprechen ist. Die Zei 
chen, durch welche diese Mittheilungsfähigkei 
bei den Wesen, welche sie besitzen, verwirldich 
wird, sind noch nicht vollständig erkannt; di 
jedoch, so viel man bis jetzt annehmen darl 
alle Vermittlung mit dem, was sich außer einen 
Individum befindet, nur durch die Sinne ermög* 
licht wird, so werden auch diese Zeichen zunächs 
durch Sinnen Werkzeuge erfaßbar sein. Nehmei 
wir an, daß alle Thiere, welche verständliche; 
Mittheilung fähig sind, nur dieselben Sinne h» 
ivoTi. ^e die den Menschen näher stehende] 



49 

Thiere und der Mensch selbst, dann würden 
jene Zeichen hörbare, sichtbare, fühlbare, riech- 
bare, vielleicht sogar schmeckbare sein können« 
Allein die erst jüngst begonnenen Untersuchun- 
gen über die Aufgabe der Fühlhörner bei den 
Schmetterlingen machen auch diese Annahme 
unsicher und bei manchen Thieren — bei denen 
man nur dieselben Sinne wie bei den Menschen 
Yoraussetzt — mag es noch zweifelhaft sein, 
durch welchen Sinn sie die ihnen verständlichen 
Mittheilungen aufnehmen. So z. B. haben Lüb- 
beckes Untersuchungen über die Gewohnheiten der 
Ameisen (im Fortnightly Review 1877, 1 March, 
, p. 287 ff.) den Beweis geliefert, daß diese ; mit 
einem auffallend hohen Intellect begabten, 
Thierchen, wie er sich ausdrückt, simple ideas 
einander mitzutheilen fähig sind, welche jedoch, 
[ wie mir scheint, auf ziemlich complicirten Beo- 
^ bachtungen und Schlüssen beruhen; allein durch 
welche Zeichen diese Mittheilung Statt findet, 
\akj soviel mir bekannt, bis jetzt noch nicht mit 
Sicherheit ermittelt worden; sind es hörbare, 
dann sind die Laute, deren sie sich bedienen, 
far ein menschliches Gehör bis jetzt unvernehm- 
bar; ob der Mangel eines Lautapparats bei ihnen 
nachgewiesen sei — wodurch diese Möglichkeit 
natürlich ausgeschlossen sein würde — ist mir 
nicht bekannt. 

Doch für unsere Zwecke ist dies von keinem 
Belang, da es unzweifelhaft ist, daß bei den 
Thieren I welche dem Menschen nahe ste- 
hen , die Mittheilung, wie bei diesem, in der 
Regel durch hörbare Zeichen Statt findet. 
Wenn nun Jemand nach dem Ursprung der 
Sprache dieser Thiere fragt, so wird die Ant- 
wort wesentlich dieselbe sein, wie in Bezug auf 
den Ursprung des Gehens : der im Intellect oder 



50 

deHtieu Organ, dem Centralorgan , bewuBt oder 
unbewußt entstandene Wille zur Mitiheilung 
setzt durch Nervenleitung die Organe in Thätig- 
keit , welche zur Ausführung dieser Mittheilung 
dienen, also, wo hörbare Zeichen allein oder 
vorwaltend dazu bestimmt sind, die Werkzeuge, 
durch welche Laute hervorgebracht werden. 
Diese Erklärurg gilt natürlich in demselben 
Maaße, wie für die Thiere, welche eine Laut- 
sprache haben , auch für den Menschen. 

§. 3- 

Jetzt aber erhebt sich eine große Schwierig* 
keit. Die Erklärung, welche für den Ursprung 
des Gehens ganz genügte, genügt für den der 
Sprache, und zwar sowohl der der Thiere als Men- 
schen, gewissermaßen nur zur Hälfte; sie er- 
klärt die — um mich so auszudrücken — active 
Seite derselben: den Ursprung des Sprechens, 
nicht aber die andere, so zu sagen, passive: den 
Ursprung des Yerstehens, d. h. wie es zuginff, 
möglich war, oder möglich wurde, daß einer die 
Laute oder Lautcomplexe , welche ein andrer 
hervorbrachte, in demselben Sinn auffaßte, in 
welchem dieser sie aufgefaßt wissen wollte. 
Diese letztere Seite ist aber augenscheinlich für 
die Erklärung des Ursprungs der Sprache die 
wichtigste: denn wie hätte alle Bildung von 
Lauten oder Lautcomplexen, oder anderen Zeichen 
der Mittheilang den Ursprung der Sprache an 
Stande zu bringen vermocht, wenn diese Zei- 
chen nicht verstanden wären ? Sie ist aber auch 
um schwierigsten zu begreifen; denn auf den 
ersten Anblick scheint es fast unmöglich, eine 
Lösung der Frage zu finden, wie so es zugieng, 
daß Dinge und Zeichen, zwischen denen gar 
kein natürliches Verhältniß besteht, durch wel- 



51 

ebes sie sich als einander deckend unmittelbar 
liervortretei;i konnten (wie z. B. das Wort 
'Wald* als Zeichen für eine größere, einen grö- 
ßeren Banm bedeckende, Anzahl von Bäumen), 
in eine so innige Verbindung mit einander ge- 
riethen, d^ß der Sinn, welchen der Sprechende 
oder überhai^pt 4er das Zeichen Gebrauchende 
damit verbindet, \ei dem Hörenden, oder über- 
haupt bei dem das Zeichen gewahrenden, ge- 
weckt wird, das Zeichen bei ihm das damit ge- 
meinte Ding zum Bewußtsein bringt. 

So schwierig aber auch die Lösung dieser 
Frage schein^ , so ist doch die Aufgabe selbst 
schon seit uuden^icher Zeit gelöst und zwar 
nicht bloß yp^ den Menschen, sondern, wie be- 
merkt, auch von ^iner großen Anzahl von Thier- 
gat;t;upgen, vielleicht von allen lebenden Wesen. 
Stellen wijr uns nun auf den Darwin^schen 
Standpunkt, so fallt dadurch die Frage nach 
dem Ursprung der menschlichen Sprache in 
spe^ie gan?; weg. Der aus einem verwandten 
Thier durch Umbildung entwickelte Mensch hat 
schon von diesem den Anfang oder gar die An- 
fange der Sprache in die neue Entwickelung, 
durch welche er Mensch geworden ist, hinüber- 
genommen und all die Steigerungen, Vermeh- 
rungen und Umwandlungen — gewissermaaßen 
quantitativer und qualitativer Art — der phy- 
sischen und intellectuellen Basen der Sprache, 
deren er im Verhältniß zu den Thieren theil- 
haft geworden ist, dienen nur dazu, die über- 
kommenen Anfange der Sprache zu vermehren 
und sie bei den verschiedenen naturgemäßen 
Menschencomplexen zu Systemen von bezeich- 
nenden Lauten und Lautcomplexen zu entwickeln, 
welche, trotz ihrer oft sehr großen Verschieden- 
heiten, doch alle darin übereinstimmen , daß sie 



52 

die zu demselben Menschencomplex gehörigen 
in den Stand setzen, durch diese Zeichen alle 
Gefühle, Empfindungen, Wahrnehmungen, Vor- 
stellungeu , BegriflFe, Absichten, kurz alles, was 
sie sich zum Bewußtsein gebracht, mag es außer 
oder in ihnen vorgehen , einander auf gegen- 
seitig verständliche Weise mitzutheilen. 

Anders gestaltet sich die Lage, wenn man 
eine schon ursprünglich gesonderte Entstehung 
der Arten, speciell des Menschen annimmt ; dann 
ist natürlich auch ein besonderer Ursprung der 
menschlichen Sprache anzunehmen. Im Allge- 
meinen ist dieser noch leichter denkbar, als der 
der Thiersprachen; denn einerseits stehen den 
Menschen, wie schon angedeutet, viel mehr Mit- 
tel der Lautunterscheidung zu Gebot, als den 
Thieren, so die verschiedensten Grade der Laut^ 
Intensivität — die sich vom hohen Schrei bis zum 
leisesten Geflüster abstuft — die mannigfachste 
Modulation , endlich die Articulation ; ebenso 
verfügen sie über Mittel den Sinn, oder die Be- 
deutung der lautlichen Bezeichnungen genauer 
zu bestimmen , welche den Thieren , wie es 
scheint, theils ganz theils fast ganz abgehen und 
in dem kleinen Aufsatz, welcher in den Göttin- 
ger Nachrichten 1873 S. 408 veröffentlicht ist, 
als Accessorien der Bede bezeichnet sind, näm- 
lich Augensprache, Mienenspiel und Gebärden. 
Anderseits setzt der höhere Intellect der Men- 
schen sie in den Stand die zu bezeichnenden 
Dinge bestimmter zu erkennen, zum Bewußtsein 
zu bringen, zu unterscheiden und überhaupt zu 
bezeichnen. 

Allein wenn wir erwägen, daß die Thiere 
die Anfänge der Lautsprache gewonnen haben^ 
ohne der Mittel zu bedürfen , welche die Men- 
schen vor ihnen voraus haben , so können wir 



53 

nns der Vermuthang nicht enthalten , daß auch 
ein besonderer Ursprung der menschlichen Spra- 
che einzig den sprachlichen Mitteln verdankt 
wird, welche die Menschien mit den Thieren ge- 
meinsam besitzen, so daß; in Bezug auf den 
Ursprung der menschlichen Sprache dessen Er- 
klärung vom Darwin'schen Standpunkt aus 
anch bei Auffassung des Menschen als eine 
schon ursprünglich besondre Gattung kaum mo- 
dificirt wird. Bei beiden Annahmen sind es die 
thierischen Eigenschaften oder Anlagen , welche 
den Ursprung der Sprache zu Stande gebracht 
haben und für den Ursprung selbst macht der 
Umstand, daß sie dort — nach der Darwin*- 
schen Auffassung — schon außer dem Men- 
schen, hier, jedoch in gleicher Weise, in dem 
Menschen wirkten, keinen Unterschied. Die 
Vermuthung, daß es auch in letzterem Fall nur 
die dem Menschen mit den ihm nächst verwand- 
ten Thieren gemeinsamen Anlagen waren, wel- 
che den Ursprung der Sprache zu Wege brach- 
ten, erhält aber auch dadurch eine gewisse Be- 
stätigung, daß die erwähnten physischen Mittel 
der Sprachbildung, welche der Mensch vor den 
Thieren voraus hat — wie Intensivität und Mo- 
dulation der Stimme — schon die Bezeichnung 
von Dingen durch Laute — d. h. den Ursprung, 
oder ersten Anfang der Lautsprache voraussetzen. 
Ja in Bezug auf die Articulation — durch wel- 
che die menschliche Sprache sich am stärksten 
von der der Thiere unterscheidet — ist es von 
schwer in's Gewicht fallender Bedeutung, daß 
mehrere Thiere, z. B. die Papagayen u. s. w. 
anch dieser mächtig sind. Freilich bedienen sie 
sieh derselben nicht unter einander zur Mit- 
theilung, lernen sogar erst durch Nachahmung 
der Menschen articulirte Wörter aussprechen ; 



54 

dies erinnert aber fast an Verhältnisse^ welche 
anch Tinter den Menschen vorkommen; wie z.B. 
an den Gebranch der SchnaMante , deren sich 
nnr einige afrikanische Volker zn sprachlichen 
Bezeichnungen bedienen, während die übrigen 
Menschen sie zwar bilden können, aber nie als 
begriffdifferenziirende Elemente in ihren Spra- 
chen verwenden. 

Ist aber der Ursprung der Lautsprache bei 
Thieren und Menschen aus denselben Basen zu 
erklären, dann wird eine Erklärung desselben 
möglich werden, wenn wir Erscheinungen nach- 
zuweisen imstande sind, welche beiden gemein- 
sam sind; in Bezug auf die bloß den Menschen 
eigenthümliche Benutzung articulirter Laute 
aber werden wir nur eine Analogie mit jenen 
Erscheinungen aufzuzeigen haben. 

§. 4. 

Die ganze Menschheit, seit manchen, wohl 
vielen, Jahrtausenden, und jeder einzelne seit 
frühester Jugend an Sprachen gewöhnt , welche 
einen Schatz von Lauten und Lautcomplexen 
besitzen , deren Bedeutung den Mitgliedern der 
Völker, welchen diese Sprachen angehören, be-i 
kannt sind, so daß der Hörende im Allgemeinen 
mit jedem ihrer Laute und Lautcomplexe (ien- 
selben Sinn verbindet, wie der, welcher sie aus- 
spricht, kann sich kaum eine Zeit vorstellen, 
in welcher ein Sprechender Laute und Laut- 
complexe äußerte, deren Sinn er nicht kannte 
und welche dennoch von einem Hörenden in 
dem Sinn verstanden wurden, welchen er — 
wenn auch unbewußt — damit verband. Und 
dennoch muß Jeder, welcher annimmt, daß die 
Sprache einen Ursprung hat — eine Annahme, 
deren Berechtigung zu beweisen wohl kaum 



55 

oocli nöthig sein möchte — auch eine solche 
Zeit annehmen , mag er ihr gleich eine wenn 
auch noch so kurze Dauer zusprechen: denn in 
dem Augenblick, in welchem dem Sprechenden 
nnd Hörenden auch nur ein Laut oder Laut- 
complex als Zeichen für ein und dasselbe Ding 
oder einen und denselben Begriff zu bewußtem 
geistigen Besitz geworden war, war das erste 
Wort geschaffen und damit auch der Ursprung 
der Sprache vollendet. Das zweite wie jedes 
folgende Wort gehört dem Stadium der Sprach- 
entwickelung an, auf welche die Aufgabe dieses 
Aufsatzes nicht einzugehen hat. Dafür aber, 
daß es eine 2eit geben konnte, in welcher we- 
der der Sprechende noch der Hörende einen 
bestimmten Sinn mit den benutzten Lauten ver- 
band und beide sich dennoch einander verstan- 
den, d. h. eine Zeit, in welcher die für die Mög- 
lichkeit eines Ursprungs der Sprache nothwen- 
digen Bedingungen sich vorfanden, sprechen 
schon Erscheinungen, welche uns Tag für Tag 
in den höchst ausgebildeten Sprachen begegnen : 
wie oft drückt sich einer unklar aus, braucht 
ein Wort, welches dem von ihm gewollten Sinn 
nicht entspricht, verspricht sich u. s. w., wird 
aber von dem Hörenden durch Wirkung des 
Zusammenhangs der Bede, der Umstände, unter 
denen sie gesprochen wird, oder auf welche sie 
sich bezieht und anderes dennoch ganz richtig 
verstanden — und zwar nicht selten , ohne daß 
der Sprecher oder der Angeredete die Mängel in 
der Form der Mittheilung erkennen oder auch 
nur ahnen. 

Wie man sich den Vorgang vorstellen könne, 
durch welchen Laute und Lautcomplexe, die ur- 
sprünglich ohne jedes Bewußtsein eines begriff- 
lichen Werthes geäußert, dennoch von den Hö- 



56 

renden verstauden und dadurch Elemente der 
Sprache wurden^ d. b. mit Bewußtsein ihres be- 
grifflichen Werthes vollzogene und verstandene 
Laute und Lautcomplexe^ will ich mir an einem 
Beispiel zu erläutern versuchen, welches dem 
gemeinsamen Thier- und Menschenleben entlehnt 
werden möge und an zweien aus dem mensch- 
lichen Leben. 

Das dem Ei entschlüpfte Vögelchen piept, 
eben geborene Kätzchen und Hündchen winseln, 
des Menschen Kinder wimmern, schreien, weinen. 
Alle diese Laute sind von dem Bedürfniß auEh 
gespreßt Nahrung zu erhalten; zuerst und wohl 
noch einige Zeit lang, am längsten bei dem 
Menschen , unzweifelhaft einzig in Folge des 
durch den Mangel hervorgerufenen Unbehagens, 
ohne bewußte Verbindung irgend eines Sinnes, 
einer Bedeutung oder gar eines begrifflichen 
Werthes mit diesen Tönen. Dennoch werden 
sie von den Eltern des Vögelchen, der Mutter 
des Kätzchen, Hündchen, des Säuglings verstan- 
den, möglicherweise von den ersten der Gattung 
nicht sogleich, aber unter Beihülfe der Umstände, 
des Naturtriebes, des Intellects doch sicherlich 
in kurzer Zeit. In dem Augenblick, wo dies 
der Fall ist, sind diese Töne Elemente — wenn 
auch noch nicht voUkommne — der thierischen so- 
wohl als der menschlichen Sprache : sie sind hör- 
bare Zeichen, welche ein Verlangen ausdrücken 
und verstanden werden. Zu vollkommnen werden 
sie durch das — wenn auch nicht in gleichen 
Graden ~ den Menschen und Thieren gemein- 
same Erinnerungsvermögen oder überhaupt ihren 
lutellect. Mit dem Erstarken desselben merkt 
der Sproß, daß sein Piepen, Winseln, Wimmern, 
Schreien, Weinen verursacht, daß sein Bedürfniß 
befriedifirt wird, die Mutter, daß das Vögelchen, 






57 

laizcheü, Hündchen, Kindchen, wenn es Nah- 
rnng erhalten hat, dadnrch beruhigt wird. Bei- 
derseits prägt sich die Erfahrung dem Gedächt- 
oiB ein; Sproß ^ Eltern und die ganze etwaige 
Umgebung lernen die Bedeutung dieser Töne 
rollständig kennen; für beide erhalten sie die 
gleiche Bedeutung: lautliche Zeichen des Be- 
dürfnisses nach Nahrung zu sein; die kleinen 
äußern sie um ihr Bedürfniß durch diese Laute 
kand zu thun, die Mütter u. s. w. y erstehen 
den Sinn dieser Laute : Sprecher und Hörer yer- 
binden denselben Sinn mit ihnen; es sind voll- 
kommne Elemente der Sprache, wenn auch nicht 
der articulirten. Freilich ist das Weinen, Win- 
seln u. s. w. nicht bloß ein Zeichen des Hun- 
gers, sondern auch anderen Ungemachs und an- 
deren Begehrens. Dadurch hört es aber eben 
so wenig auf ein echt sprachliches Element zu 
sein, als Wörter der ausgebildetsten menschli- 
chen Sprachen dadurch, daß sie. sehr viele Be- 
deutungen haben oder haben können, aufhören, 
echte Wörter zu sein. Wie der Hörer die ge- 
wollte Bedeutung eines vieldeutigen Wortes aus 
dem Zusammenhange oder begleitenden umstän- 
den erkennt, z. B. die von ^Schärfe* durch die 
Verbindung mit *des Schwerdtes', 'der Augen' 
^des Verstandes' 'der Haut', oder indem ein Spre- 
chender bei den Worten : *siehe die Schärfe' dem 
Hörenden ein Messer zeigt u. s. w., so suchen 
die Eltern auch aus den begleitenden Umständen 
die specielle Bedeutung des Weinens zu erschlie- 
ßen; wenn des Kindes Hunger z. B. eben erst 
gestillt ist, folgern sie, daß in dem gegebenen 
Moment nicht dieser die Bedeutung des Weinens 
sein könne ; sie werden auf anderes rathen, an- 
dere Versuche machen, das Kind zu beruhigen 
und wenn ihnen dieses^ gelingt, annehmen, daß 



SB 

das Weinen auch anderes Ungemach des pbj- 
aiaoheu Lebens bedeuten könne, gerade wie 
Schärfe sehr verschiedene Eigenschaften concr^ 
ter und abstracter Objecto ausdrückt, die man 
sich durch mancherlei geistige Thätigkeiten klar 
»u machen genöthigt ist« Sollte aber das Ejnd 
in Folge der Erfahrung, daß ihm Weinen und 
Schreien in sehr vielen und sehr verschiedenen 
Fällen Befreiung von Ungemach und Gewinn 
von Annehmlichkeiten verschafft haben, kraft 
des menschlichen Abstractionsvermögens die Be- 
deutung dieser Lautzeichen zum Ausdruck des 
entschiedensten, keine Verweigerung zulassenden, 
Willens erweitern, dann werden vernünftige El- 
tern auch diese Bedeutung verstehen, den Ver- 
such aber dazu benutzen, dem Kinde den Un- 
terschied zwischen vernünfliigem und unvernünf- 
tigem Willen beizubringen. 

Ein Beispiel, wie man sich den Ursprung 
eines articulirten Wortes vorzustellen vermöge, 
entnehme ich meiner eignen Erfahrung ; es leben 
aber noch mehrere glaubwürdige Personen, wel- 
che deren Wahrheit bezeugen können; auch bin 
ich überzeugt, daß analoge Erscheinungen in 
vielen Häusern vorkommen, aber wenig beach- 
tet, oder wieder vergessen werden, obgleich deren 
Veröffentlichung für manche sprachliche Fragen 
nicht werthlos sein würde. 

Ich kannte ein Eind, welches etwa im sech- 
sten Monat seines Lebens, wenn ihm Nahrung 
angeboten wurde, die es nicht mochte, seinen 
Kopf zurückwarf und mit den energischsten 
Zeichen des Unwillens ^rach' schrie. Ich war 
damals noch sehr jung — 12 — 13 Jahr alt — 
so daß ich nicht genau weiß, wie diese Laute 
zuerst auftraten; ich vermuthe jetzt, daß sie 
ursprünglich nur eine Verbindung von r und 



59 

Ifll wSrett-, etwa in der Weise, wie diese, im 
Vereili mit einer starken Terziehnng des Ge- 
lichtB, beim Eintritt von Ekel von selbst sich 
Gleitend machen nnd gewissermaßen einen Ansatz 
zam Erbrechen bilden. Ist das richtig — wofür 
ich aber nicht einstehen will — so waren sie 
gewissermaßen zuerst eine nnwillkührliche Inter- 
jection des Ekels. Allein schon sehr früh fing 
der Knabe an, diese Laute nicht mehr — we- 
nigstens nicht immer — mit der energischen 
oder characteristischen Eigenthümlichkeit, wie 
Interjectionen hervorzubrechen pflegen — gleich- 
sam als wären sie ungewollte Ausbrüche des 
Gefühls, im Gegensatz zu den gewollten Aeuße- 
rungen des Intellects — zu äußeren, sondern 
oft ganz ruhig, ganz wie ein Begrifl'swort, ge- 
rade als wenn es ruhig sagen wollte: 'das mag 
ich nicht', oder, wenn bewegter, 'das will ich 
nicht'. Wie es gewöhnlich mit der Umgebung 
von Kindern geht, daß sie mit ihnen ihre Spra- 
che spricht, so geschah es auch in Bezug auf 
diesen Lautcomplex; er wurde zuerst dem Kinde 
gegenüber gebraucht; wollte man daß dasselbe 
etwas nicht berühre, so brauchte man nur zu 
sagen 'räch' und man konnte sicher sein, daß 
68 von ihm nicht berührt^ geschweige in den 
Mnnd gesteckt wurde; als es die Bedeutung der 
Negation kannte, brauchte man umgekehrt nur 
begütigend zu sagen 'nicht räch' und konnte 
wenigstens in vielen Fällen dadurch den Ab- 
scheu, welchen es vor manchen Dingen hatte, 
entfernen. Dieser ursprünglich ohne jedes Be- 
wußtsein eines begrifflichen Werthes hervorge- 
stoßene Laut war also nach und nach und zwar 
ziemlich rasch zu einem echten sprachlichen 
Element geworden, von dem Sprechenden in 
einem ganz bestimmten Sinn gebraucht^ von den 



60 

Hörenden in demselben Sinn verstanden ni 
sogar, oft nicht blofi dem Kinde gegenüber, so 
dem auch in der Familie untereinander ang 
wendet. Bis za seinem fünften Jahre — - ^ 
der Knabe mir für einige Jahre aus den Aug< 
kam — brauchte er ^rach^ in den Bedeutung 
Ton ^unangenehm^ bis 'abscheulich^ und wur 
darin nicht wenig dadurch bestärkt, daß d 
Wort, wie gesagt, auch in der Familie in dies 
Bedeutungen gebraucht wurde. Später als 
in seiner Muttersprache einen reichen Scha 
von Wörtern für alle Auf- und Abstufungen d 
^mißfälligen* fand, verschwand das Wort nati 
lieh aus seinem Particularlexicon, wie es selhi 
verständlich noch weniger in der Familie sei 
Existenz lange zu fristen vermochte. 

Es braucht wohl kaum bemerkt zu werde 
daß nach dieser Analogie recht gut ein erst 
Wort der menschlichen Sprache .entstehen uj 
sich von der Familie aus, in welcher es si< 
eingebürgert hatte, über immer mehr sich e 
weiternde Kreise ausdehnen konnte. Dageg 
erlaube ich darauf aufmerksam zu machen, d 
es auch ganz dazu geeignet gewesen wäre, c 
Basis reicher Entwickelungen zu bilden; es lä 
sich in phonetischer Beziehung ganz gut a 
eine Stufe mit der größten Anzahl der sog 
nannten indogermanischen Wurzeln stellen 
nämlich mit denjenigen, welche aus einem z^ 
sehen zwei Consonanten gesprochenen Yo( 
bestehen — und hätte ganz wie diese eine Fü 
von verbalen und nominalen Bildungen a 
sich zu erzeugen vermocht. Dies wird um 
unzweifelhafter erscheinen, wenn ich Recht hal 
ihm eine Art interjectionellen Ursprungs zu2 
schreiben. Denn es ist bekannt, daß die Int< 
jectionen die Grundlage für eine Fülle von ec 



61 

ten Sprachbildangen abgegeben haben, z. B. 
HD Gritehisehen Ton af, Interjection desSchmer- 
sesy ahil^m n. s. w. , yon oi in gleichem Sinn 
AStf n« s. w«, wie von uuserm ach: ächzen; 
sogar von ot fkO§ *weh mir' , als ein Wort ge- 
faßt; das Terbnm otfiwC<o 'wehklagen' mit einer 
nicht nnbeträchtHchen Zahl yon Derivaten. 

Dies führt mich auf das zweite Beispiel aus der 
menschlichen Sprache, durch welches ich die Yor- 
Btellnng, welche ich mir von der Entstehung der 
Sprache, und qpeciell der menschlichen, mache, 
einigermaßen vöranschaulichen wollte. Ich will 
dazu unsre deutsche Interjection des Absehens ^pfui' 
benutzen. Zwar ist die Entstehung derselben, wel- 
che ich erwSBnen werde, obgleich sie auch von 
andern angenommen wird und unzweifelhaft 
höchst wahrscheinlich ist, keinesweges ganz si- 
eher^ eben so wenig die Yermuthung, welche sich^ 
ebenfaUs mit großer Wahrscheinlichkeit , daran 
knüpfen lassen wird, allein für unsren Zweck 
wfirde dieses Beispiel auch dann gebraucht wer- 
den dürfen, wenn diese Annahmen bloße Mög- 
Uehkeiien wären. Daneben bildet es aber ein 
sidu'es Beispiel wiederum für den üebergang 
yon Intenectionen in Begrififswörter , worüber 
man die Wörterbücher der deutschen Sprache, 
insbesondre das von Sanders unter 'pfui' yer- 
gleiehen möge; so erscheint es wie eine Präpo* 
sitiOfi mit dem Genetiv , Dativ, Accusativ con- 
dttnirt, wie ein Adverb mit den Präpositionen 
*uber\ *auf verbunden, wird behandelt als wäre 
es ein Substantiv, ein Yerbum und erscheint 
als zusammengesetztes Yerbum (anpfujeu) '). 

1) Beilänfig bemerke ich, daß dem von Sanders ange- 
föhrten 'l^fai dich an' ein plattdeutscher Reflex gegen- 
über tritt, welcher in meiner Jugend und noch später, 
aber in einem Wort --* nämlich Fudekan — gespro- 

6 



62 

Der Lautcomplex *Pfai' wird wesentlich 
durch dieselbe Mundstellnng und dieselbe ge- 
waltsame Ausstoßung des Luftstromes hervor- 
gebracht, welche die Ausspritzung von Speichel 
herbeifuhrt, und da bei außerordentlich vielen 
Völkern das Ausspeien das stärkste Zeichen des 
Absehens ist, auch bei unerzogenen Mensehen 
die Interjection sogar von einem Ausspeien be- 
gleitet wird, scheint kaum bezweifelt werden zu 
dürfen, daß sie den Ansatz zum Ausspeien bil- 
det, gerade wie uns oben 'räch* ursprünglich 
ein Ansatz zum Erbrechen schien. Ist diese 
Annahme richtig, so sehen wir auch hier eine 
beabsichtigte Handlung zu einer Interjection 
werden und die Interjection den Character von 
Begriffswörtern annehmen. 

Allein folgende Betrachtung macht es wahr- 
scheinlich, daß entweder aus einem nahen Ver- 
wandten dieser Interjection, gerade wie aus den 
oben angeführten, z. B. at: alclion ^ oder sogar 
aus einer Laut -Nachahmung der Handlung, de- 
ren Ansatz die Interjection ausdrückte und zwar 
in verhältnißmäßig früher Zeit — ebenfalls Be- 



chen, als eines der stärksten Schimpfwörter galt; ob 
es jetzt noch im Gebranch ist, wei£ ich nicht. Man 
sagte z. B. 'du Fudekan' , *solch ein Fndekan'. Nach 
Analogie des in Münden gehrauchten *Sidekum' = hoch- 
deutsch 'Sieh dich um' als Bezeichnung kleiner Häns- 
chen, von denen aus man eine schöne Aussicht genieit, 
nahm ich Fu im Sinn einer zweiten Person Singularis 
des Imperativs und — da Tfui' Yerabscheuung ausdrückt, 
ursprünglich aber, wie im Text (S. 62) bemerkt ist, höchst 
wahrscheinlich aus der Handlung des Ausspeiens entstand —, 
die Zusammensetzung entweder im Sinne 'speie dich an', 
oder *rufe dir Pfui zu'. Der Geschimpfte wurde demnach 
durch das Schimpfwort als ein solcher bezeichnet , der 
sich anspeien, selbst vor sich den tiefsten Abscheu füh- 
len müßte. 



63 

griffswörter in außerordentlich großer Anzahl 
lenorgegangen sind. 

Wesentlich gleiche Bedeutung mit *Pfui' ha- 
ben nämlich bekanntlich die fast lautgleichen 
loterjectionen : lateinisch phui, griechisch (pi). 
Danach dürfen wir wohl vermuthen , daß diese 
Interjection, wenigstens in den indogermanischen 
Sprachen Europas, schon zur Zeit, in welcher 
diese noch eine Einheit bildeten, gebraucht ward. 
Da nun aber Verschärfung des Luftstroms den 
Zischlaut herbeiführt, so ist es gar nicht un- 
möglich, daß lateinisch spuo, sammt den ihm 
enteprechenden Wörtern mit der Bedeutung 
speien (vgl. Fick, P, 835 und Pott, Etym. 
Pschgen, 2te Aufl., I. 2 [1867], S. 1367) die 
Beflexe und Derivate eines ihnen zu Grunde lie- 
genden Verbums sind, welches entweder aus 
jener Interjection hervorgegangen war, t)der, 
wie diese selbst, ebenfalls aus der im Ansatz 
zum Speien stehen gebliebenen Nachahmung 
dieser Handlung. 

Was die letztere Auffassung betrifft, so läßt 
sich wenigstens nicht in Abrede stellen, daß 
diese Weise, die Handlung zu bezeichnen , eine 
sehr nahe liegende war, daß sie sich wenigstens 
nach und nach unwillkürlich von selbst ergeben 
and von dem Hörenden unmittelbar verstanden 
werden konnte. Stellen wir uns z. B. vor, daß 
Jemand etwas im Munde hatte und ein andrer 
wünschte — etwa weil er es für nachtheilig für 
ihn hielt — daß er es ausspeie, dann mochte 
er ihm zuerst wohl die Handlung des Aus- 
speiens vormachen ; kam es aber mehrmal vor, 
dann durfte der eine wohl mit Sicherheit erwar- 
ten, daß schon die gewaltsame Aeußerung der 
beim Ausspeien eintretenden Laute (sphu oder 



64 

»pu) genügen würde, den andern zum VoUseng 
\lie<^.'r Handlang zu bestimmen. 

§.5. 

Doch diese Beispiele, so gering aoch ihre 
Anzahl ist, mögen für den beabsichtigten Zweck 
sfeuügen ; ich konnte sie mehren ; allein ich 
fühle eine gewisse Sehen, mich einem Problem, 
dessen vollständige Lösung, seiner ganzen Natur 
nach, wohl in alle Ewigkeit eine Unmöglichkeit 
bleiben wird, zu sehr zu näheren. Auch hat 
jeder Versuch weiter vorzudringen, den Ursprung 
der Sprache sogar, wie er thatsäehlich, historisch 
vor sich gegangen sei, schildern zu wollen, ah 
ob man dabei gewesen wäre, — geradezu und 
unumwunden gesprochen — fast immer zu wahr- 
haft lächerlichen Absurditäten gefuhrt; und 
zwar keinesweges bloft unbedeutende, sondern 
selbst solche Männer, vor deren geistigen An« 
lagen man die höchste Achtung haben muß; 
sie ließen sich von Phantastereien gefangen neh- 
men, zogen aus Voraussetzungen, deren Berech« 
tigung sie nicht hinlänglich geprüft hatten, un- 
berechtigte Folgerungen, oft mit groftem Scharf- 
sinn, aber zugleich ohne besonnenes Urtheil. 
Ich wage es nicht, weder das erste mensehücfae 
Wort, noch die Veranlassung des ersten Schreis^ 
errathen oder ergründen zu wollen; ich möchte 
OS nicht einmal über mich nehmen zu bestim- 
men, welcher Categorie jenes angehörte, ob der 
der Interjectionen, oder der Schallnachahmungen, 
ob es, durch einen mächtigen Eindruck hervor- 
gerufen, gleichsam als dessen Reflex, oder Echo 
ertönte, oder ob es aus der bloßen Lust an den 
mannigfachen Lauten , deren der Mensch sich 
mächtig fühlte, hervorbrach und, unter Beihülfe 
der erwähnten Accessorien der Lautsprache^ zu 



65 

einem; mit deren Hälfe leicht verstäudlichen, Be- 
griffwerth gelangte. Unter diesen nnd andern 
Möglichkeiten wage ich um so weniger eine 
Wald zu trefifen, als ich glaube überzeugt sein 
zu dürfen, daß unter dem mächtigen und un- 
widerstehlichen Druck des Bedürfnisses gegen- 
seitig verständlicher Mittheilung, welcher in den 
Anfängen der Sprache herrschte — denn was 
man kann, das muß man — alle physi- 
Bchen und geistigen Kräfte sich an dem ersten 
Wort ebenso wohl wie an den ersten bethei- 
ligen konnten und daß, um jenem Bedürfniß 
KU genügen, mehrere derselben — vielleicht zu- 
gleich — thätig waren, etwa so wie es der 
große Eöpigliche Sänger in den Worten, welche 
ich an die Spitze dieses Aufsatzes gestellt habe, 
beim Preise Gottes von sich selbst verlangt. 
Freilich möchte ich mir dann erlauben in der 
üebersetzung dieses Mottos statt 'Gebeine* ein 
anderes Wort zu unterstellen und die hebräi- 
schen Worte zu übertragen: 'Alle meine 
Kräfte (die der Seele wie die des Leibes) 
sollen 8prechen\ Doch dies droht uns schon 
in die Entwickelung der Sprache hinüber zu 
uhren, der wir für jetzt fern zu bleiben beab- 
ichtigen. 



tei der Königl. Gesellschaft der Wis- 
enschaften eingegangene Druckschriften. 

(Fortsetzung}. 

onalee de l'Observatoire R. des Sciences de Belgique. 

T. XXm-XXV. 1874-77. 4. 

muaire de rObservatoire R. 1877. 44e annee. 

)tio6e extraites de rAnnuaire pour 1875. Idem poar 1876. 

7 



66 

£• Mailly, Easai sor la vie et les oavrages de L. A, 

J. Qaeielet. 
Lee Peneide« en 1874. Aurores boreales du mois d'Oc 

tobre. 1874. 
M. Melsens, de Papplication du Rhe-Eleotrometre aca 

paratonneres des t^legraphes. 
Em. Quetelet, memoire bot la temp^ratore de l'ad 

ä Broxelles. 1888-1872. 4. 
The TransactionB of the Limiean Society. Ser. II. Zoa 

logy. Vol. I. P. 4. 4. 
Idem. Botany. Serie II. YoL I. P. 4. 4. 
The Journal of the Linnean Soc. Botany. Vol. XY. Nn 

86-88. Vol. XVI. Nr. 89— 92. 
Idem Zoology. Vol. XII. Nr. 64. Vol. Xin. Nr. 66-71. 
List of the Linnean Society. 1876. 
Bulletin de la Soc. mathem. T. VI. Nr. 1. 
JiÄresbericht 7 des naturwiss. Vereins zu Magdebius. 

1877. 
Verhandlungfen des naturwiss. Vereins von Hamburg« — 

Altena. Neue Folge. 1. 
Bulletin of the American Geographical Society. SessioB 

of 1876-1877. Nr. 4. New York. 1877. 8. 
Monatsbericht der Eönigl. Pr. Akademie der Wies, n 

Berlin. Sept. Ootober. 1877. 



f > 



67 






Naehriehten 

von der Königl. Gesellschaft der Wissen- 
itl Schäften, und der G. A. Universität zu 
jt Göttingen. 



20. Februar. M 8. 1878. 



Kiiiglich« fiesellschaft der Wisdenschafteii. 

Sitzung vom 2. Februar. 

Wfistenfeld, Die Familie el Zabeir. Abth. 2. Tod 
des Mag'ftb ben el-Zobeir. Arabisch und Deutsch. (Er- 
scheint in den Abhandlungen). 
Benfey, Altpersisch Mazdäh, Zendisch Mazdäonh, 
. Sanslöritisch Medhü's. Eine grammatisch-etymologische 
Abhandlung. (Erscheint in den Abhandlungen). 

— Maha'm, Nom. sing., drittes Beispiel. 

'— Die eigentliche Accentnation des Indicatiy Praesentis 
von h »sein« und (per »sprechen«. 

de Lagarde, Kritische Anmerkungen zum Buche Isaias. 
(Erscheint in den Abhandlungen). 

J. Petersen in Kopenhagen, Beweis eines Lehrsatzes 
betreffend die Integration algebraischer Differential- 
ansdrücke unter geschlossener Form. (Vorgelegt von 
Schwarz). 

Biecke, Mittheilung einer Experimentaluntersuchung 
von Carl Schering über Reibungsströme. 

Marm^, Mittheilungen aus dem pharmacologischen In- 
stitut zu Göttingen. 

1. Exp. Beitrage zur Wirkung des Pilocarpin von 
Prof. Marm^. 

2. üeber Milchinfusionen von N. Wulfsberg. 

8. Untersuchung einer neu importirten afrikanischen 
Rinde von N. Wulfsberg. 
Lang, Beitrage zur Physiographie gesteinbildender Mi- 
neralien. II. 



8 



68 

Beweis eines Lehrsatzes betreffend 
die Integration algebraischer Diffe- 
rentialausdrücke beziehang ftweise 
algebraischer Differentialffleichnn- 
gen unter geschlossener Form. 

Von 
Dr. Jnlius Petersen in Kopenhagen. 

Bei der Integration eines algebraischen Diffe- 
rentialansdmckes bietet sich die Frage dar: 
Welche Gestalt muß ein solcher Ausdruck ha- 
ben, wenn es möglich sein soll, das Integral 
desselben mittelst algebraischer Functionen und 
der Function Logarithmus in geschlossener Form 
darzustellen ? 

Diese für specielle Fälle von Abel beant- 
wortete Frage ist selbst ein specieller Fall einer 
allgemeineren. 

Erstens kann nämlich an die Stelle der 
Function Logarithmus eine endliche, übrigens 
beliebig große Anzahl von transcendenten Func- 
tionen treten, welche einzeln oder in Verbindung 
mit einander sowie mit algebraischen Functionen 
zur Darstellung des Integrals sollen benutzt wer- 
den dürfen, unter dieser allgemeineren Voraus- 
setzung wird man gleichfalls berechtigt sein, 
von einer Darstellung unter geschlossener Form 
zu reden, sobald festgesetzt ist, welche transcen- 
denten Functionen neben algebraischen zu einer 
solchen Darstellung sollen benutzt werden dür- 
fen, wobei dann jede einzelne dieser Functionen 
nur eine endliche Anzahl Mal vorkommen darf. 
Bezüglich der transcendenten Functionen wird 
hierbei die Voraussetzung festgehalten, daß die- 
selben einzeln durch algebraische Differential- 
gleichungen erster Ordnung erklärt sind, für 



69 

niche ein algebraischer integrirender Factor 
6ikiitirt« 

Zweitens kann man an die Stelle der er- 
wähnten Integralfnnction das allgemeine Integral 
einer algebraischen Differentialgleichung erster 
Ordnong treten lassen, indem man folgende 
Frage stellt: Die Veränderlichen x, y sind durch 
eine algebraische Differentialgleichung erster 
Ordnung mit einander verbunden; unter welcher 
Bedingung ist es möglich, dem allgemeinen 
btegrale dieser Differentialgleichung die Form 
% s=r f(^x, y, o) = zu geben, wo c die Con- 
ilante dler Integration bedeutet^ während u in 
Aschlosseiier Form, d. h. mittelst algebraischer 
Fimctionen und einer endlichen Anzahl gegebener 
transcendenter Functionen der vorher erwähnten 
Alt dargestellt werden kann? 

Diese Frage findet durch den im Nachfolgen- 
den zu beweisenden Lehrsatz ihre Beantwortung. 

1. 

Eine algebraische Function eines oder meh- 
teirar Argumente wird erklärt als Wurzel einer 
Algebraischen Gleichung, deren Coefficienten 
ganze rationale Functionen der Argumente sind. 
Die Abgeleiteten einer algebraischen Function 
and wieder algebraische Functionen der Argumente. 
Solche Functionen nun, deren Abgeleitete 
algebraische Functionen der Argumente sind, 
mSgen hyperalgebraische Functionen ge- 
nannt werden. Solche sind z. B. log x^ arc sin x, 
die elliptischen Integrale u. s. w. Die algebrai- 
schen Functionen sind hiernach als specielle 
Fälle unter 'den hyperalgebraischen enthalten. 

2. 
Jede algebraische Differentialgleichung erster 

8* 



70 



OrduuDg mit einer abhängigen Variablen a 
n unabhängigen Variablen v^^ v^ ... t;^ 
sich auf die Form bringen. 

(1) d(o + N^ dvi + -^2 ^^2 + • • + N^^Vn 

wo N.f N^ .. Nn algebraische Funct 
der Größen v^, v^ .. vn und » bezeic 

welche den bekannten Integrabilitätsbedingi 
genügen. 

Die Gleichung (1) bestimmt im Allgem 
€0 als eine transcendente Function der Hj 
mente v^, v^ . . ^n* Si^^ ^i® Großen^ na 
den Größen v, nicht aber von « explici^ 
hängig, so ist (o eine hyperalgebraische ] 
tion der Größen v. 

Es bezeichne (p einen integrirenden F 
für den auf der linken Seite der Gleichun 
stehenden Differentialausdruck, und U beze 
die Function von «?i, «^^ . . v„, «, für vi 
die Gleichungen 

erfüllt sind. Während ein Theil der folge 
Untersuchungen allgemeine Geltung hat, 
in No. 7 und im Folgenden die besoi 
Voraussetzung zu Grunde gelegt, daß es 
den unendlich vielen integrirenden Fac 
einen gebe, welcher eine algebraif 
Function der Größen i?^, v^ ... v^ und m 

3. 

Sind die Variablen i?i, t?2 ... v,,, von c 
die in No. 2 betrachtete transcendente Fun 
CO abhängt^ algebraische Functionen von i 



71 

len Variablen w^^ w^ ••• t^m, welche anstatt 
der Größen v als unabhäDgige Variable betrach- 
tet werden sollen, so geht die Transcendente m 
in eine Function der Größeo w über. 

Ein Ausdruck nun, welcher nur algebraische 
Functionen einer oder mehrerer Größen (o und 
Yon deren Argumenten w enthält, soll eine 
transcendente Function erster Stufe der Grö- 
ften w genannt werden. 

Eine transcendente Function erster Stufe, 
deren Argumente w in Bezug auf andere Va- 
riable — welche anstatt der Größen m;, als unab- 
töugige Variable betrachtet werden sollen, — 
selbst wieder transcendente Functionen erster 
Stnfe sind, soll in Bezug auf diese neuen Argu- 
mente eine transcendente Function zweiter 
Stafe genannt werden. 

Auf diese Weise können transcendente Func- 
tionen beliebig hoher Stufe erklärt werden. 

Wenn man eine solche Function betrachtet, 
80 kann man von vornherein annehmen, 1) daß 
keine der in Betracht kommenden Transcenden- 
ten sich auf eine niedrigere Stufe reduciren 
lasse; d. h., daß keine dieser Transcendenten 
eine algebraische Function von Transcendenten 
derselben Art sei, welche sämmtlich von niedri- 
gerer Stufe sind als sie selbst und 2) daß die 
Anzahl der eingehenden Transcendenten höch- 
ster Stufe möglichst klein sei, d. h. daß zwi- 
schen denselben und Transcendenten niedrige- 
rer Stufe keine algebraische Gleichung bestehe. 
Wären nämlich die unter 1) und 2) angegebenen 
Voraussetzungen nicht erfüllt, so ließe sich der 
betrachtete Ausdruck in einen anderen und zwar 
in einen einfacheren überführen, für welchen 
jene Voraussetzungen erfüllt sind. 

Hieraus ergiebt sich, daß jede algebraische 



72 

Gleichung zwischen den erwähnten TrsaaGendei; 
ten höchster Stnfe und anderen Transeemdente 
niedrigerer Stufe bezüglich der ersteren ideii 
tisch erfüllt sein muß. Wäre dieses nämlicl 
nicht der Fall, so könnte eine solche Olelohunj 
zur Elimination einer der Tranaeendenten m 
dem Ausdruck und folglich zur Yereinfachunj 
desselben benutzt werden. 

4. 
Es sei 

(3) äff = P, dXi -f P^dx^ -f . .. + Pj^dXk 

eine gegebene algebraische DifFerentialglt 
chung erster Ordnung. Die Größen P sind ak 
algebraische Functionen von x^^ x^^ , . Xk undi 
welche den Integrabilitätsbedingungen genügei 
Wir nehmen an, es sei möglich, das allg« 
meine Integral dieser Differentialgleichung j 
die Form 

(4) u — fix^,x^ . . a?^, «/, Wi, «a . . «p) = cona 

zu setzen, wo f eine algebraische Function ihn 
Argumente ist, und die Größen a> transcendem 
Functionen beliebiger Stufen von x^y x^ ,. , i 

und y sind. Man setze nun 

u = F{x^, x^ . . x^, y, w) 

indem man eine der Transcendenten höchst 
Stufe mit co bezeichnet und alle übrige Abhäi 
gigkeit — insofern nämlich auch die übrige 
Größen (o von y und von den Größen x al 
hängen — , durch das Functionszeichen F^ b 
zogen auf die Argumente x und y ausdrücls 
{F ist demnach in Bezug auf a> eine algebraiscl 
Function). 



73 

Hierbei wird indeß der Fall ausgenommen, in 
welehem 

(5) t» « Vi+V^Ä+'-'+Wi 

ist, wo Ui eine algebraische, tp^^ tp^ ... hyper- 
algebraische Functionen sind, während unter 
den Argum«nteii dieser Functionen Transcenden- 
ten ni^hsthöchster Stufe vorkommen können. 
In diesem Ausnahmefalle bezeichne a> eine der 
Yorkommenden Tra&scendenten nächsthöch- 
ster Stufe, so daß u^ eine algebraische, 
^u ^2 • • * hyperalgebraische Functionen von üo 

sind. In allen Fällen wird also m in ^- nur 

algebraisch und neben Transcendenten von der- 
selben oder von niedrigerer Stufe vorkommen 
können. 

Bei den folgenden Differentiationen soll un- 

iu du dF äF 

ter -r- und -^ stets -^- und ^- verstanden wer- 
ix^ oy öx^ öy 

den, indem dem Zeichen d die Bedeutung beige- 
legt wird : partielle Differentiation in Bezug auf 
eine gewisse Variable insofern diese sich 
explicit unter den Argumenten der 
Function befindet; wirschreiben also z.B. 

du du du dm 

dx^ dx^ d« dx{ 

Die Bedingungen dafür, daß die Differential- 
gleichnng (3) durch die Gleichung (4) allgemein 
integrirt wird, sind (t = 1, 2 . . . i) 



Diese Gleichungen sind in Bezng anf die 
Transcendente o) algebraische Gleichungen; in 
Folge der unter No. 3 getroffenen Voraussetzung 
müssen also diese Gleichungen identisch erfalli 
sein. Man darf daher in Bezug auf m differen- 
tiiren und erhält 



(7) 



S*u 



d*u dm du i idm\ 



+ ( 



dx^dta d(o^ ' dx^ d(o dm \dxj 

d^u dhi dm du d /ö«\\ p 

dy dm dm^ ' dy dm dm \dyfj * 



0. i 



Die linke Seite dieser Gleichung multiplicire man 
mit a^ einer nachher zu bestimmenden Function 
von Xi^ x^ ... und y, und setze 



ß = a 



du ^ 
du' 



dann ist 



dß idhtdm , d^u \ , du da 

- — ~ fl{ I — — —1- 1 -j— , — 

dx^ \dm^ dx^ dx^ dm) dm ' dx^ 



dß i 

a» = °( 



d^u dm , d^u 



+ 



y+ 



du da 



dm^ dy dydm' dm dy' 



Bestimmt man nun die Function a durch 
die Gleichungen 



da d idmx da 



d idmy 



dxi dm\dxij' dy dmydyi 

( — die Möglichkeit dieser Bestimmung wird 
später bewiesen werden — ) so lassen sich die 
Gleichungen (7) schreiben, wie folgt: 



75 

(9) ^- + ^P= 

Ott 

oder es ist, wenn wir für P» ~- einsetzen, 

ß = eonst. 

Hieraus folgt: Wenn a die Gleichungen (8) be- 
friedigt, so ist /? = c entweder eine Identität, 
oder eine neue Form der Integralgleichung 
von (3). 

Wir wollen jetzt beweisen, daß es immer un- 
endlich viele Functionen a giebt, die den Glei- 
chungen (8) genügen. Zu diesem Zwecke setzen 

?nr a = — und erhalten, indem x sowohl x^ 
kls ^bedeuten kann, 

dq> . d löte dVi im dv^ .a 

l^an ist aber in Folge der Gl. (1) 

öv 
biso, da die Größen — - o» nicht enthalten, 

ox 



= 1? 

ox 



^\d» dx^ 6a dx ^ ) 



76 

Diese Gleichung ist befriedigt, wenn 9 ein 
integrirender Factor von (1) ist, denn man hat 
in diesem Falle 

öy 6(pd(A dtp dv^ dtp dv^ , 

dx 6(0 dx (fej dx dv.2, flo? 
wo 

also 

dx - d«(ö^ + ^* ö^ +^« öo: +•••)' 

mithin, da die ElammergröBe des ersten Glie- 
des der rechten Seite identisch gleich Null ist 

d(p ,dN^ dvi dN^ dv^ 



dx 



'^(ic^ö^+d« 0^ + ') = ®- 



Ist also 9) ein integrirender Factor 
von (1), so befriedigt a = — die Glei- 
chungen (8). 

Es ist also der folgende Satz bewiesen: 

Wenn die Differentialgleichung 

dy = P^dxi +P^dx2 + ... + PkdXk 

mit einer abhängigen Variablen das 
Integral 



77 

u == F(x^^ a?2 • •• y, ^) = c 
oder 

^i+^2 + --- + w, = c 

hat, wo a> eine der Transcendenten 
höchster beziehungsweise nächsthöch- 
ster Stufe ist, so ist 

du 
(10) ^ = C9 

entweder eine Identität, oder eine 
neue Form der Integralgleichung. 



5. 

Die Bedingungsgleichungen (6) sind in Be- 

zng auf 10 identisch; die Abgeleiteten — ent- 

halten die Integrationsconstante der Function 
nicht explicite, sondern nur insofern, als diesel* 
ben gegebene Functionen von no sind ; man 
kann daher der in üo eingehenden Con- 
stante jeden Werth beilegen, ohne 
daß u = c aufhört, eine Integralglei- 
chung von (3) zu sein. 



6. 
Hat u nicht die Form 

y^i -f-V'a + ••• + «*! 

und ist (10) keine Identität^ so hat man zwei 
Formen der Integralgleichung 



78 
1 du 



= c, und u = c; 



(O. 



(p ' da) 
man muß dann haben 

wo (^ eine unbekannte Function ist. Hierausfolgt 

Der Fall, in welchem (10) eine Identität ist, 
ist hierunter einbegriffen, indem dann ^(w) eine 
Constante wird. In /yd« ist nur « als varia- 
bel zu nehmen. 

Die Größe auf der linken Seite ist eine Func- 
tion von w; sei (oö) der Werth von w, den wir 
aus u = c entnehmen können, so ist 



80 daß 



(«.) 



(tf 



(14) f(pdfo = c 

H 

eine neue Integralgleichung ist. Die Größe («) 
enthält a> nicht, sondern ist eine algebraische 
Function der übrigen Transcendenten. 
Durch Integration von (1) erhält man 

Ol t?j t?8 

(15) {ipä«>+i[9N,-]dv, -\-i[<pN^]dv^ f.. = 0, 
i i « J "•* 



79 

wo a, i, c . . beliebige Gonstanten sind und [(pNfJ 

bezeichnet, daß a für üo, b inr v^ u. s. w. ein- 
geisetzt ist. In Folge dieser Gleichung wird 
die Integralgleichung (14) 

(16) \wdeii + ([y^i] <it?i + . . . = const. 



7. 

Wir wollen jetzt eine Einschränkung ein- 
treten lassen, indem wir voraussetzen, daß es 
unter den integrirenden Factoren g> 
der Differentialgleichung (1) einen 
giebt, der eine algebraische Function 
von «, Vj, V2 ... ist. (Dieselbe Voraussetzung 
bezieht sich auf die Differentialgleichungen^ durch 
welche die übrigen Transcendenten a^ erklärt 

werden)« In der Bestimmungsgleichung für a> 

ü = € 

ist dann U eine hyperalgebraische Function von 
», Vj t?2 ••• Da die Integralgleichung (16) aus 
JJ = c gebildet wird, wenn man (c») für co ein- 
setzt — (daß man durch diese Einsetzung eine 
neue Form der Integralgleichung erhält, ist 
auch unmittelbar einleuchtend) — so ist ihre 
linke Seite eine hyperalgebraische Function von 
(«), Vj, ^2 ... Unter diesen Größen kommt c» 
nicht vor. 

Der Integralgleichung kann also in allen 
Fällen die Form gegeben werden 

(17) V = const., 



80 

wo tp eine hyperalgebraische Fanction ihrer A?" 
gnmeDte ist. (Die Form (5) ist offenbar aach in 
(17) enthalten). Ist nun eo^ eine der unter dem 

Functionszeichen %fß enthaltenen Transcendenten 
höchster Stufe, so ist 

1 d\b 

— C; 



entweder eine Identität oder eine neue Form 
der Integralgleichung. Das letztere ist nicht 
möglich , ^ weil in dieser Gleichung keine neue 
Transcendente und auch üo nicht mehr vor- 
kommt, während vorausgesetzt war^ daß es un- 
möglich wäre, die Anzahl der in u = c vor- 
kommenden Transcendenten höchster Stufe zu 
verkleinern. Wir müssdn also identisch haben 

somit 



f 



(19) V> = OiU>id<^i-\-[tl>] 



a 



wo a eine beliebige Constante ist. Das Integral 
läßt sich hier, vermittelst der Bestimmungs- 
gleichung für «;• in [U^a)'=a umformen. Es 

hat u die Form 

beibehalten, aber unter den Argumenten der 
Functionen tp kommt a>,- nicht vor. 



81 

Wir ersehen hieraus, daß u so lange seine 
einfachste Form noch nicht angenommen haben 
kann, als noch Transcendenten anter den hyper- 
algebraischen Functionszeichen vorkommen ; also : 
Wenn eine algebraische Differen- 
tialgleichung erster Ordnung mit 
einer abhängigen Variablen das Inte- 
gral u = c hat, wo u durch beliebige 
Superposition von Transcendenten 
der hier besprochenen Art ausdrück- 
bar ist, so ist u in seiner einfachsten 
Form gleich einer Summe von hyper- 
algebraischen Functionen erster 
Stufe. 

8. 

Wir haben bisher nur die Form der Integral- 
gleichung u = c betrachtet; wir können aber 
beweisen, daß der Fall, in welchem die Integral- 
gleichung von (3) die Form 

u = f(x^, x^ ... y, c) = 

hat, sich auf den betrachteten Fall zurückführen 



Ist nämlich u eine hyperalgebraische Func- 
tion, dann ist 

du du 

■^r- + P- V- = 0- 
dXi ^ ^» dy 

Wenn c aus dieser Gleichung nicht identisch 
verschwindet, so bildet dieselbe eine neue Form? 
der Integralgleichung; dann hätte aber u nicht 
seine einfachste Form; verschwindet aber c iden- 
tisch aus dieser Gleichung, so ist (3) auch für 



82 

M =^ c, befriedigt, und man hat danu^ wen: 
man c einen willkürlichen Werth beilegt, di 
früher betrachtete Form. 
Ist hingegen 

u = F(a?,, x.^ ... y^ », c) = 

eine algebraische Function von co, so entnehme) 
wir aus der Gleichung u = » = (m) un< 
setzen den Werth in die Bestimmnngsgleichnn] 
von Ol ü" = ein. Wir erhalten d^lnrch ein 
neue Form der Integralgleichung 



k ^ 



Da nun U eine hyperalgebraische Functioi 
ist, so ersehen wir, wie im ersten Falle, daß 

i:^]a.==M = Const. 
ebenfalls die gegebene Gleichung befriedigt. 

9. 
Die gegebene Gleichung war 

dy = P^dx^ +P2(Za?2 + ... 
Aus u = c erhalten wir aber 
r^^x ^u . , du ^ , du ^ 

V- ist also ein integrirender Factor und aus de 

gefundenen Form von u ersehen wir, daß diese: 
Factor eine algebraische Function ist. Wi: 
können außerdem beweisen, daß eine gewissM 



m 

Potenz dieses Factors eine rationale Function 
der Größen x, P und y ist. 

Es sei näinlicli y der Factor, so ist 
(»i = 1 , 2, . . Ä) 

andererseits sei 

(aa) fF«= y^ + A^ 9**- V ^, <y'*-2+..+^« = 

die irreductible algebraische Gleichung, 
welcher q> genügt, und deren Coefficienten ra- 
tionale Functionen von ^n a;.^ .. «/, P^, P^ .. 
sind. 

Man erhält aus beiden Gleichungen 

dV dV dVdP: 

Diese Gleichung hat mit (22) eine gemein- 
schaftliche Wurzel; also genügen alle Wurzeln 
[■ der Gleichung (22) zugleich den Gleichungen 
(23); es sind daher alle Wurzeln y^, <p^ .. y„ 
integrirende Factoren. Berücksichtigt man 
nun, daß 

(24) A^ == ±9i»2 •• 9n 

"^e rationale Function von 

a?i, x^ .• X]^^ y, Pj, P^ >> Fj^ 



ist und daß YAn für q> gesetzt den Gleichungen 
(21) genügt, so ergiebt sich 



84 



(25) 9 = i/i;r 

Um den integrirenden Factor zu finden, i 
man daher za untersuchen, ob die Gleichung 

dxi ^ dy dy 

für einen ganzzahligen Werth von n ein pai 
culäres Integral haben, welches eine ration 
Function der Größen rr, P und y ist. 

10. 

Wenn die Gleichung (3) keinen algebraiscl 
integrirenden Factor hat, so ist die Integrati 
derselben unter geschlossener Form vermittelst ( 
erklärten Transcendenten nicht möglich. V 
wollen untersuchen, ob es dann nicht einen in 
grirenden Factor giebt, welcher durch diesell 
Transcendenten ausdrückbar ist. 

Geben wir dem Factor die Form 



so müssen wir haben 

Diese Gleichungen müssen in Bezug auf 
identisch sein; diifereutiiren wir nach «, 
fällt das letzte Glied fort und wir erhaU 
Gleichungen, die der Form nach mit den Gl 
chungen (7) übereinstimmen, nur mit dem ünt 
schiede, daß X an die Stelle von u getreten i 
können also schließen, daß 



l 

I 

f 



85 

27) -^ = c 

(pom 

eine Identität oder ein Integral der gegebenen 
Differentialgleichang ist. Im letzteren Falle 
hätte, wie wir eben bewiesen haben, die Diffe- 
rentialgleichang einen algebraischen integriren- 
den Factor; im ersteren Falle haben wir 
identisch 

(28) l = cf^dio 

und können dann wie früher vermittelst der Be- 
stimmangsgleichnng von (o rednciren. Der 
integrirende Factor mnß also die Form 
haben 

(29) e^ = gV'i+^2 4-..^ 



wo die Functionen tp hyperalgebrai- 
sche Transcendentenerster Stufe sind. 
' Ein Beispiel bietet die lineare Differential- 
gleichung dar. 



11. 

Wir haben der Einfachheit wegen ange- 
nommen, daß die gegebenen Größen P algebrai- 
sche Functionen von y und den Größen x sind. 
Nehmen wir indessen au, daß die Größen P 
Transcendenten beliebiger Stufen sind, so bleibt 
unsere Entwickelung dennoch gültig, wenn wir 
fiberall an die Stelle algebraischer Functionen 
Ton 0?, y algebraische Functionen von ap, y und 
P setzen. 

9* 



86 

12. 

Als eine einfache Anweödimg des im Vorher- 
gehenden bewiesenen allgemeinen Lehrsatzes er- 
giebt sieh nnn Folgendes: 

Es seien Pj, P^ .. P,» algebraische Functio- 
nen von X, welche nicht die Ableitungen alge- 
braischer Functionen sind; führt man dann die 
Functionen 

als Transcendenten ein> so ist es unmöglich, das 
Integral 

X 

fPdx 

wo P eine algebraische Function von x bedeutet, 
unter endlicher Form vermittelst algebraischer 
Functionen, der Functionen und ihrer inver- 
sen Functionen auszudrücken, es sei denn, dafi 

(30) ./P^ = 2:2c^,,<p^(a;^,,)4-x, 

wo x^^ ^ und X algebraische Functionen von x 

bezeichnen. 

Ein sehr specieller Fall dieser Functionen O 
ist der Logarithmus. 

Wenn es daher überhaupt möglich 
ist, ein algebraisches Differential 
mittelst algebraischer Functionen 
und mittelst der elementaren Trans- 
enten (log X, a*, sin a?, arc sin x u. s. w.) 



87 

in geschlossener Form zu integriren, 
so ist dieses nur möglich, wenn man hat 

(31) /Prfa; = 2c^logx^ + X, 

wo x^ und X algebraische Functionen bezeich- 
nen. Man beweist leicht, daß diese alge- 
braischen Functionen sich rational 
durch X und P ausdrücken lassen. 
Jedenfalls lassen sie sich nämUch rational aus- 
drücken durch X, P und die Wurzel y^ einer ir- 
reductiblen algebraischen Gleichung, deren 
Coefficienten rationale Functionen von x und P 
sind. Durch Differentiation von (31) erhält man 
eine Gleichung, welche von y^ und daher auch 
von den übrigen Wurzeln y^ " Vk ^®^ "^®" 
ductiblen Gleichung befriedigt wird; man kann 
daher in den Ausdruck für JPdx für y^ jeden 
anderen Werth von y einsetzen ; durch Addition 
der sodann erhaltenen Gleichungen erhält man 
einen neuen Ausdruck für fPdx^ in welchem 
die Größen y symmetrisch auftreten ; die symme- 
trischen Functionen der Größen y lassen sich 
aber rational durch x und P ausdrücken. 

Hat man auch die elliptischen Integrale U 
nnd deren inverse Functionen eingeführt, so 
können in dem Ausdruck für fPdx auch Glie- 
der von der Form 

Torkommen. Ungefähr in dieser Form hat Abel 
den Satz in einem Briefe an Legendre ausge- 
sprochen, (Oeuvres compl. T. II Fg. 262) jedoch 
mit der Einschränkung, daß er nur Transcen- 
d^nten erstor Stufe und nicht die inversen Func- 
tionen in Betracht zieht. Ein Beweis für ^i^^ 



88 

sen Satz findet sich in Abels Werken nicht; es 
ist mir aber von Hm. Sylow in Fredrikshald 
mitgetheilt worden, daß ein solcher in den von 
Abel hinterlassenen Papieren sich vorfindet. 
Ein Theil der vorstehend mitgetheilten Unter- 
suchungen ist in einem im Jahre 1876 nnter 
dem Titel: Om Integralregningens Transcendenter 
in der Zeitschrift Zenthen's, 3te Reihe, later Band, 
pag. 1 bis 9 veröffentlichten Aufsätze des Ver- 
fassers enthalten. 



Mittheilung aus einer Experimental- 
untersuchung über die »Beibungs- 

ströme«. 

Von 

Karl Schering. 

(Vorgelegt von Riecke.) 

Auf die electrischen Ströme, welche in einem 
Leitungsdrahte beobachtet werden, dessen Enden 
mit zwei verschiedenen Stellen des Reibzengs 
einer Electrisirmaschine verbunden sind, ist 
neuerdings durch die Beobachtungen des Herrn 
Prof. Zöllner^) die Aufmerksamkeit gelenkt, 
welcher die Allgemeinheit des Auftretens dieser 
electrischen Ströme nachgewiesen hat. 

Die unten mitgetheilten Beobachtungen ha- 
ben den Zweck, die bisher nicht untersuchte 
Abhängigkeit der Intensität dieser Ströme, von 
der gegenseitigen Entfernung der mit einander 
verbundenen Stellen des Reibzeugs zu zeigen. 

1) Annalen der Physik und Chemie. Bd. CLYIII. 
'^—689. 



89 

Auf Grund dieser Beobachtungen ergiebt sich 
dann eine Erklärung der »Beibungsströme« als 
einer Ausgleichung verschieden großer Electrici- 
tatsm engen mit gleichem Vorzeichen. 

Für die Veranlassung zu der folgenden Unter- 
suchung, so wie für die gütige Erlaubniß zur 
Benutzung der Instrumente des hiesigen physi- 
kalischen Instituts bin ich Herrn Prof. Riecke 
zu Dank verpflichtet. 

Die Versuche sind auf folgende Weise ange- 
stellt: Als Isolator diente eine cjlindrische Glas- 
walze, nach Art der zu den. früheren Reibungs- 
electrisirmaschinen gebrauchten. Sie wurde um 
eine horizontale Achse vermittelst einer Kurbel 
gedreht. Das Reibzeug bildete ein 40™°* breiter 
Biemen von weichem Leder, der quer über die 
Walze gelegt, isolirt befestigt, und durch ein 
Gewicht an dem einen Ende gespannt und so an 
die Walze angedrückt wurde. Er berührte diese 
in einer Länge von 200 — 300"™. Die geriebene 
Oberfläche des Leders war nicht mit Amalgam 
präparirt. Oben in den Riemen wurden an 
zwei verschiedenen Stellen Stahlspitzen einge- 
steckt, und jede derselben mit einem Ende 
des Multiplicatordrahtes eines empfindlichen 
Wie de mann 'sehen Galvanometers verbunden, 
und dieses mit Fernrohr und Scala beobachtet. 

Als allgemeines Resultat ergab sich : Wurde 
die eine in das Reibzeug eingesteckte Spitze in 
ihrer Stellung ungeändert gelassen, die andere 
Spitze dagegen in verschiedenen Entfernungen 
von der ersten in den Riemen eingesteckt, in 
welchen eine Centimeterscala eingeritzt war, so 
nahm mit zunehmender Entfernung der Spitzen 
von einander auch die Ablenkung der Nadel des 
GhJvanometers zu. 

Die Berechnung mehrerer Beobachtungsreihen 



90 

erg»b^ daB diese Aenderuug der StromintenBitai 
mit großer Annäherung analytisch dargestellt 
worden kann durch die Formel 

1 y = c^x — c^x^ 

wenn, x die Entfernung der beiden Spitsen auf 
dem Riemen von einander, y die Ablenkung der 
Nadel in Scalentheilen, Cq, c^ positive Comstan- 
ten bedeuten. 

Eine mit dieser Formel innerhalb der beob- 
achteten Grenzen gleichwerthige ergiebt die von 
Herrn Prof. Riecke vor Kurzem entwickelte: 
»Theorie der electrischen Scheidung 
durch Reibung«^). Die allgemeinen Formeln, 
welche sich auf Grund der in dieser Theorie 
aufgestellten Differentialgleichungen, für die 
electrische Dichtigkeit auf einer cylindrischen, 
nicht abgeleiteten, Glaswalze und aufdemReib- 
zcnge, nach ^Umdrehungen der Walze, ableiten 
lassen, stellen diese Dichtigkeiten dar als ganze 
Functionen wten Gerudes der Zeit und des Ortes 
auf der Walze, resp. dem Reibzeuge, und als 
rationale Functionen der Exponentialfunction 
derselben Argumente. Da diese Formeln aber 
allgemein keiner directen Prüfung fähig sind, 
so erscheint ihre Mittheilung dem Zwecke dieser 
Experimentaluntersuchung zu fernliegend, unter 
der Voraussetzung aber, daß die Walze abge- 
leitet wird, oder daß wenigstens die durch (n — 1) 
Umdrehungen auf der Walze und dem Reibzeuge 
erzeugten Eleotricitätsmengen, keinen merkbaren 
Einfluß haben bei der wten Umdrehung auf die 
Differenzen der an den verschiedenen Stellen 
des Reibzeugs befindlichen electrischen Dichtig- 



■ X VLm 



'«lirioli«ea: 1377. Nov. 3 pag. 7i)L 



91 



keiten, können wir die in der eben erwähnten 
Abhandlung abgeleiteten Formeln anwenden. 
Diese ergeben für die Differenz der electrischen 
Dichtigkeiten, also, ^enn hierin die Ursache 
der I^ibungsströme liegt, für eine der Ab- 
lenkung y proportionale Größe den Ausdruck: 

wenn x die Entfernung der beiden mit einander 
Yerbundenen Stellen des Riemens bedeutet, 
Cj ist eine Gonstante, Cq und C^ sind der Theorie 
nach noch von der Zeit abhängig. Die Beob- 
achtung zeigt aber, daß schon nach einer ge- 
ringen Drehung der Walze die Ablenkung der 
Nadel vollkommen constant bleibt. Es muß 
also auf dem ßeibzeuge sehr rasch in Folge der 
Ausgleichung in dem Riemen selbst, von der 
die Theorie zunächst noch abgesehen h,at, ein 
mit der Zeit sich nicht mehr ändernder Zustand 
hergestellt werden. Bei den angestellten Beob- 
achtungen müssen wir also C^ und C^ als con- 
stant ansehen. 

Mit der Formel II stimmt die folgende, ab- 
gesehen von Gliedern mit x^, überein: 



in y = B.x.e 



~Cx 



Von diesen Gliedern können wir bei der Be- 
rechnung absehen, da die aus der Beobachtung 
gewonnene Formel I ergiebt, daß der Coefficient 
von x^ nicht einmal auf Zehntel-Scalentheile 
einen merkbaren Einfluß hat. 

Nach der Formel III sind von den folgenden 
sämmtlichen Beobachtungsreihen, 10 berech- 
net, indem aus den einzelnen Beobachtungen die 



92 

wahrscheiiiHclisteii Werthe von B und C abge- 
leitet Rind, und aus diesen wieder zur Präfomg 
die Werthe von y\ 
Es bedeutet also: 
X die Entfernung der beiden Spitzen anf dem 

Bienien von einander, in Millim. 
y die Ablenkung der Nadel in Scalenth. 
>;, die relative Feuchtigkeit) ^^^ ^^^^ 
-Tg die absolute ,i ) 

F^ und Ft^ sind berechnet aus den Tempera- j 
turdifferenzen der Thermonieter eines August'- 
sehen Psychrometer, die vor und nach jeder 
Beobachtungsreihe abgelesen wurden. 

Die Entfernung der Scala vom Spiegel betrug 
am Dec. 13, 14 2,54 M, 

am Dec. 18, 21, 22 2,37 M, 
am Jan. 3, 5, 8 2,70 M. 
Zeitdauer einer Beobachtungsreihe 1 Viertel- 
stunde, mit Ausnahme von I. 

Die. Walze wurde in 1 See. einmal herum- 
gedreht. 

Der Riemen war durch ein Gewicht von 
1 K. gespannt. 

Die mittlere Abweichung in Procenten, der 
beobachteten und berechneten Werthe in den :1 
folgenden Tabellen ist nicht nach der groBten | 
Ablenkung in Scalentheilen, sondern nach der i 
mittleren Ablenkung berechnet. j 






i-Jl 



Deo. 33.' Deo. 32. !| Jan. 3. I Jan. 3. Jan. 8. 



1= 


0.11316 1 


0,07318 10.13270 ■ 


0,86920 


0,96460 


0,16332 


! = 


0,0OM73 „0,00700 |.Ü,003105 .]0,00305 1'0,01HS9 


0,001661 


J= 


0,64 jO,68 j;0,69 ilo,70 i;0,73 


0,64 


U 


7^2* |!7,79 


_\_ 


8,90 -8.33 :,9,16 1.9,36 


' y 


.V 




y W -j W y W y 


» Baol.. IB«. 


Baob. 1 Bar. Beob. IBet. llBuob. | Bor. llBaob. | Ber. 1) Eoob.l Ber, 


40 






2,5 a,6 


5,5 


4,5 


13,4 


13,1! 128,0 


^4,3 






M 


3.6 


5.2 




















60 


5.0 


6,8 


4,4 


4,2 


6,1 


6,5 


17,8 


18,6 35,1 


28,9 


9,8 


10,0 


ro 


6.6 


elfi 












. 








80 


7,5 


7,4 


6.8 


6,6 


7,7 


S,3 


22,9 


23,3 36,0 


30,5 


14,3 


18,6 


w 


7,!) 


Ö.1 




















00 
10 
JO 


9,1 
9.5 
10.2 


8,8 
9,4 

10,0 


7,8 


6,8 


7,8 


9,9 


26,9 


37,5' 27,6 


30,8 


16,5 


16,7 


3,3 


8,1 


13,4 


U.4 


31,3 


31,l',29,5 


2B,B 


19,1 


18,8 


10 


10,7 


10,6 




















10 


U.6 


11,1 


8,4 


9,3 


13,8 


12,8 


35,7 


34.2 39,2 


26,7 


31,2 


20,6 


60 


13,1 


11,6 




















.60 


13,6 


ia,0 9,9 


10,4 


14.6 


14,0 


38,2 


36,9 


27,4 


24,2 


23,3 


23,9 


i70 


18,6 


13,6 




















180 


13,6 


)2,9 11,4 


11,6 


16 2 


15,1 


39,4 


39,1 


24,0 ; 31,6 


23,6 


24,9 


:w 


14,0 


13,31 












\ 






IDO 


14,1 


16,7i 14,0 


12,7 


17,5 


16.1 


40,9 


11,0,19.8 |19.0 


24,9 


26,9 


no 


13,9 


u,o; 


















ao 


14,7 


14,3 13,3 


18,8 


17,5 


17.0 


43,4 


43,5 


17,6 16,6 


27,0 


38,7 


ao 


15.6 


14,6 




















HO 


15,0 


149 


14,0 


14,8 






43,1 


43,7 




38,2 


30,8 


ISO 


15,3 


isii 




















m 


14,6 


15,3 


14,6 


16,9 
















»0 


li,6 


16,6 






1 














so 


146 


15 8 


16,6 


16,8 
















1» 


15,0 


15;9 




















100 


16,1 


16,0!' 17,0 


17,8 


1 








1 






UldcAbweicbangj || 








Scslenth. 4-0,5 \\ +0.7 || +0,9 


+0,6 


±2,1 


±10 


Pro. 


.CDl. 


4,3 


1 


6,4" 


1 7 


3" 


1 


9" 


8 


5' 


* 


8« 



94 



y = B . X 



VII. 
Deo. 21. 



vra. 

Dec. 22. 



IX. 
Dec. 22. 



X. 

Deo. 22 



B = 
C = 



0,16040 




2^1= ; 0,68 
2?',= . 6,66 



« y 

mm II Beob. { Ber. 



40 
60 
80 
100 
120 
140 
160 
180 
200 
220 
240 
260 
280 



8,8 


9,6 


13,6 


12,8 


16,1 


16,0 


17,4 


19,2 


24,6 


22,5 


27,2 


25,7 


81,6 


28,9 


84,0 


82,1 


85,0 


85,8 


36,0 


88,5 


89,6 


41,7 


44,1 


44,9 




8,5 ! 12,1 



14,6 
22,2 
24,6 
27,9 
30,4 
32,7 
84,3 
88,0 



15,1 
18,1 
21,2 
24,2 
27,2 
80,2 
33,8 
86,8 



1,21 1,4 



86,9 39,8 



38,5 



42,3 



1,9 
2,5 
8,1 
3,5 
3,8 
4,3 
5,1 
5,0 
5,9 



1,9 
2,4 
2,9 
3,4 
3,8 
4,3 
4,8 
5,3 
5,8 



2,0 
2,6 
8,9 
5,0 
6,3 
6,8 
7,6 
9,7 
10,8 
11,8 



1( 



Mittl. Abweichung 
inScalenth. 4-1,4 

in Procent 5,1® 



±2,8 
9,6* 



±0,1 

2,8 



±0,8 
4,8 



'Xl. 


XII. 


xm. SIV.SV. 


XVI. xvn. ixviii. ixrx. 


Is 


2 


2 =^3 


^ \ vi l ^ 


^ 


li 


1 


1 i'J 


i i 1 ; 1 

1 1 


1 


F,= 






0,66 0,68 |0,70 


0,71 ! 0,76 0,68 


0,70 


Ft= 






7,72 7,84 '8,B8 


10,&3|10,33 fl.36 


9.1S 


' i^ 


y 


y y 1 y .'/ 1 y ■ y 


y 


10 


7,9 


4,8 


1 

1 0,6 


5,0 


7,3 


10,0 


18,1 


SO 


' «,1 














60 


■ 6,0 


17,4 :i5,l 


1,8 


9,5 


9,4 


16,1 


19,7 


70 




10,9 
















80 


la,! 


12,3 


32,0 


20,ö 


3,6 


11,2 


10,0 


21,1 


21,6 


SO 




14,2 
















too 




U,4 


23,9 


22,4 


3,0 


13,2 


U,9 


33,3 


23,7 


110 




16,4 
















m 


13,2 


17,2 


23,3 


28,e 


3,9 


13,2 


U,5 


26,9 


25,0 


iro 




U0,5 
















14D 




21,8 


24,0 


26,8 


4,4 


13,2 


13,6 


25,8 


883 


m 




22,0 
















leo 

170 


15,4 


22,2 37,1 
21.7; 


26,4 


4,a 


15,1 


17,3 


28,7 


24.4 


ISO 




23,2j28,0 


27,7 , 4,8 


1Ü,8 


18,8 


31,6 


23,1 


ISO 




as.e! 














uS 


19.6 


33,3 37,7 

24,7 

28Ji 


26,5 


6,3 20,9 


19.1 


81,8 


19,9 


m 

ISO 




27,6 


6,8 i 


19,9 


83,5 


16,8 


»0 


10,1 




26,7 


28,9 


6,4 











Jede der angegebeneu GrSßeu y ist das Mit- 
tel aus 3 bis 5 Äblesuugen, uach je 10 Um- 
drehnngen der Walze bei fortgeaetzter nnd nach 
den Schlägen einer Secundenubr möglicbat regel- 
nüßig ansgefübrteD Drehung. Die Biuzelneu Äb- 
leanugen difTerirten um circa 1 — 2 Scalentheile. 

Die Intensität des Stromes zeigt sich auch 



96 

bei denselben Stellungen der beiden Spitzen und 
unveränderter Drehungsgeschwindigkeit und Span- 
nung des Riemens zu verschiedeneu Zeiten sehr 
verschieden ; ein einfacher Zusammenhang mit 
dem Fenchtigkeitäzustande der Luft läßt sich 
nicht erkennen. Es erschien deshalb auch eine 
Verwerthung der 10 berechneten Werthe von B 
UQd C zur Bestimmung einer von der Natur der 
an einander geriebenen Körper abhängigen Con- 
stanten nicht angemessen, da diese Werthe auch 
nach Reduction auf die Tangente des Ausschlags 
sich sehr veränderlich zeigten. In den Reihen 
VII bis X ergab sich C nicht merklich von Null 
verschieden. 

Bildet man, um ein Urtheil über die wahr- 
scheinliche Richtigkeit der zur Berechnung an- 
gewandten Formel III zu gewinnen, die Quadrat- 
wurzel aus der Summe der Quadrate der mitt» . 
leren Abweichungen in Procenten bei den 10 
berechneten Beobachtungsreihen, dividirt durch. 
die um 2 verminderte Anzahl derselben, so er- 
giebt sich eine mittlere Abweichung von 6,7 Proc- 

Nach dem eben angegebenen ist die aus der 
Unregelmäßigkeit der Drehung entspringende 
Unsicherheit der Beobachtung, 1 Sealentheil auf 
den noch etwas hoch gegriffenen Mittelwerth von 
20 Scalenth. der Ablenkung, d. i. 5 Proceni 
Darnach würde also die Abweichung der ana- 
lytischen Curve, diese Beobachtungsfehler um 
etwa 2 Scalentheile auf 100 übertreffen, und es 
kann daher, mit Rücksicht auf die, einer Beob- 
achtung sich entziehende Veränderlichkeit des 
electrischen Verhaltens der Halbleiter, die For- 
mel als eine mit den Beobachtungen hinreichend 
übereinstimmende, angesehen werden. Einige 
der Beobachtungsreihen sind in der beigefügten 
Tafel graphisch dargestellt. 



97 

Der Maximalwertli , welchen y iiir x = ^ 

annimmt, ist nur in den unmittelbar nach einan- 
der angestellten Beobachtungsreihen V und XIX 
beobachtet. 

Die Richtung des Stromes stimmte immer 
mit der von Professor Zöllner beobachteten 
überein. Bezeichnet man dasjenige Ende des 
Beibzeugs, welchem sich bei der Drehung, noch 
nicht geriebene Stellen der Walze nähern, als 
die vordere Kante (T') das andere Ende als 
die hintere (H) (eine Bezeichnung, die sich un- 
mittelbar ergiebt, wenn man sich die Drehung 
der Walze durch eine Bewegung des Reibzeugs 
in entgegengesetztem Sinne um die feste Walze 
hernm ersetzt denkt), so ging der Strom Ton der 
Uaterea zur forderen Kante. 

Bei den sonst angestellten Beobachtungen der 
Reibungsströme wurde die Electricität des Isola- 
tors nicht abgeleitet. Geschieht dies aber durch 
einen Saugkamm, so ist die Intensität des Rei- 
bungsstromes weit stärker, verglichen mit der 
unmittelbar vorher beobachteten bei Nicht- 
ableitung der Walze. Die Abhängigkeit von 
der Entfernung der Spitzen wird aber dadurch 
nicht geändert, wie die Beobachtungsreihen III, 
It, V, XVI, XVII, XIX zeigen, die bei Ablei- 
tung der Walze beobachtet sind. 

Diese Beobachtung führte zu einer besonde- 
ren Untersuchung des Vorzeichens der auf dem 
Reibzeuge befindlichen Electricität. Es wurde 
zunächst jedes Ende des Reibzeugs mit einem 
Goldblättchenelectroscop verbanden, die Walze 
gedreht und dann die Electricitäteu geprüft. Das 
mit der vorderen Kante des Lederriemens ver- 
bundene zeigte immer eine größere Menge Elec- 
tricität an, und immer negative. Das ander 



98 

aber mit der hinteren Kaute verbundene war in 
den meisten Fällen, wenn die Walze nich*t ab- 
geleitetwurde, mit positiver Electricität ge- 
laden (übereinstimmend mit den Beobachtungen 
des Herrn Prof. Zolin er). Wurde aber die Walze 
abgeleitet, so verschwand auch, mit Ausnahme 
einer Beobachtung, die -^-TSl. auf der hinteren 
Kante des Beibzeugs, und das Electroscop gab 
— au. Da aber bei der Beobachtung mit den 
Electroscopen die Möglichkeit nicht auflge- 
schlossen war, daß diese Influenzelectricität zwei- 
ter Art von der Walze enthielten, so worden 
diese Beobachtungen auch mit Hülfe des Galvano- 
meters angestellt. 

Es sei der Kürze halber mit [J?, 6r, F] die Ver- 
bindung der hinteren Kaute oder der, der hinteren 
Kante zunächst eingesteckten Spitze, mit dem Gal- 
vanometer und der vorderen Kante bezeichnet; die 
Biichtung der bei dieser Verbindung beobachte- 
ten Ablenkung der Nadel bei Drehung der Walze 
sei die positive. Es wurde dann die Verbindung 
der vorderen Kante mit dem einen Ende des 
Galvanometerdrahtes gelöst, und dieses Ende, so 
wie die vordere Kante, jede für sich, mit der 
Erde in leitende Verbindung gesetzt, dagegen 
blieb die Verbindung der hinteren Kante mit 
dem Galvanometer ungeändert. VerbinduBg 
[J9, Cr, jE']. Die bei der Drehung der Walze 
dann beobachtete Ablenkung war dann also eine 
Wirkung der von der hinteren Kante abströ- 
menden Electricität, und zwar mußte das Vor- 
zeichen derselben -f- sein, wenn die Ablenkung 
der Nadel bei gleicher Drehungsrichtung wie 
bei der Verbindung [i/, 6r, V] in gleichem 
Sinne geschah, und — , wenn der Sinn der Ab- 
lenkung entgegengesetzt war. In dieser Weise 
ergaben zwei Beobachtungsreihen, bei denen die 



Walze nicht abgeleitet wurde, auf der biateren 
Kante -\- Electricität, dagegen 9 andere, bei Äb- 
leitang der Walze, saf dem ganzen Beibzeage 
— £Iectricität. Wnrde die Walze abwecbeelnd 
al^leitet, und nicbt abgeleitet, so trat aach so- 
fort bei der Verbindang [H, G,E] ein Wechsel 
in dem Sinn der Äbleaknug ein. 

Efl möge noch folgende Beobachtuiigsreilie 
mitgetheilt werden, ans welcher der electriscbe 
Zustand anf dem Reibzenge leicht ersichtlich ist. 
Es worden die Ableukongen bei den beiden Ver- 
bindnngen iE, G, F] nnd {H, G, E\ nach 
einander beobachtet und abwechselnd in einer 
Entfernung ^ 240°™ der beiden Spitzen, und 
in einer rariablen Eutfernang x ausgeführt, wo- 
bei die Spitze an der vorderen Kante immer in 
ihrer Stellung nngeändert gelassen wurde. 





1878. Ju 


10 


Eutf. A. SoaU V 


Spie«,l 


2,70M. 


8h 45»_6l> 0» WalM abpileite 




1 =240— 1 


Etjü. 




11 




der 




% Ywbindnng: S 


Spi- 








dl I. 1 11. 'o 

^1p,g,v!h,g, e£ 


tEen. 


m. 


IV. 'i-m. 


II -IV. 


X |H,G,V 


H,G,E,| 






Äbleuk in 

ScalBDtfa. 






Ablenk, in SoalentheUen. 


"l 


13,2 


—11,1 


21 40 


1.S 


-17.7 


11,9 


6,6 


8 


H,5 


-18,2 


4' 60 


6,1 


-19,9 


9,4 


6,7 


s 


138 


—14,2 


e' 80 


6,7 


-17,9 


7,1 


3,7 


7 


ii;9 


-U,3 


8 100 


6,4 


-18,2 


6,5 


8,9 


9 


10,7 


-15,2 


10 120 


6,7 


-18,0 


4,0 


2,8 


n 


9,i 


-16,3 


la 140 


6,9 


-18,5 


a,5 


2,2 


13 


8,6 


-16,2 


14| 160 


6,8 


-17,7 


2S 


1,5 


15 


7,7 


-16,1 


16 180 


6,4 


-17,5 


1,3 


1,* 


17 


6,9 


-16,1 


18 


aoo 


6,6 


-16,4 


0,8 


0,8 



Die Differenzen (I— III) sind proportioDal 
den latensitäten der Reibangsströme für die 



100 

EutfernuDgen [240 — x] der beiden Spitzen. Sie 
befolgen wieder das oben angegebene Geartx. 
Die algebraischen Differenzen U-^IY sind pro» 
portional den Unterschieden der — electriscnen 
Mengen anf dem Reibzenge an denjen^en 8tel•^ 
len, in welche die um [240 — x] entfernten 
Spitzen eingesteckt sind. Diese Diffeorenzen 
ändern sich in demselben Sinne wie die Intein- 
sitäten der Ströme. Es weist also diese Beob* 
achtung unmittelbar darauf hin, daß in di^ 
sen Strömen diese Differenzen der — 'electri-* 
sehen Mengen sich ausgleichen. Die Spalte I 
zeigt ferner, daß während der Zeit von 75 Min. 
die Intensität des Stromes abnahm, während 
nach Spalte U, die — electrische Menge an der 
hinteren Kante zunahm. Es mußte also die 
Differenz der Electricitäten an der vorderen 
und hinteren Kante kleiner werden. 

Die Beobachtung hat also die Resultate er- 
geben : 

Für das Entstehen der »Reibungsströme« ist es 
unwesentlich^ ob die Electricität des Isolators 
abgeleitet ist oder nicht, ebenso unwesentlicb 
das Auftreten entgegengesetzter ^leictrjoitäts- 
mengen an den beiden Enden des Reibzeugs. 

Die Electricität des Isolators , welche bei 
Nichtableitnng desselben an der hinteren Kante 
des Reibzeugs auftreten kann, ist yo^ dem Iso- 
lator auf das Reibzeug übergeleitet oder wirkt 
influenzirend auf die hintere Kante de&t Reibzengs 
ein, so daß diese, wenn abgeleitet, die Electrici- 
tät des Isolators angeben kann. 

Bei Ableitung des Isolators, bilden die i^Rei- 
bungsströme« die Ausgleichung der Differenzen 
verschieden großer aber gleichartiger electrischen 
Mengen auf dem Reibzeuge. 

Die Intensität dieser Ströme {y) läßt sich 



101 

daisWl^n Skh Function dar Entfernung (x) der 
l)eidea xmt ai^apder verbanjdenein Stellen des 
SeibzeogSi dnreh diie Formel: 

y = JB .x.e" 

Diese letzteren Resultate stimmen also mit 
de« von Herrn Professor Biecke theoretisch 
gewonnenen überein. 

Göttingen 1878 Jan. 24. 

Anmerkung: 

Herr Professor Biecke hatte die Güte, mich 
von eiuem in diesen Tagen eingelaufenen, an 
ihn gOTchteten Brief von Prof. B i e s s Kennt- 
oifi nehmen zu lassen. Es wird hierin der von 
Herrn Prof. Zöllner angestellte Versuch er- 
wähnt 4 in welchem an den entgegengesetzten 
Rändern eitles Beibers durch ein Electroscop 
entgegengesetzte Electricitäten angezeigt werden. 

Prof. Biess fährt dann fort: 
»Diesen Verbuch habe ich seiner Zeit wieder- 
>holt und gründen, daß er bei sorgföltiger An- 
»stellnng nicht geUogt; beide Bänder geben 
»dem Electroscope dieselbe Electricität, näm- 
»lidi die, welqbe der Beiber besitzte . 

»Berlin, 27* Jfinnar 1878«. 



10' 



102 



Mittheilangen ans dem pharmacolo- 
gischen Institut der Universität 

Göttingen. 

Von 

Professor Harmi. 

I. Experimentelle Beiträge zur Wir- 
kung des Pilocarpin, 

▼on 

Prof. Marme. 

Die Wirkung des Pilocarpin, desAlcaloids 
aus den Folia Jaborandi, den Blättern der 
brasilianischen Rutacee, Pilocarpus pinna- 
tus^ welche Goutinho 1874 nach Paris 
brachte, ist von sehr vielen Seiten theils an 
Menschen, Gesunden wie Kranken, theils an 
Thieren untersucht worden. Die Ergebnisse der 
verschiedenen Forscher stimmen darin überein, 
daß das Pilocarpin subcutan applicirt oder intern 
genommen 9 nicht nur eine ungewöhnliche 
Schweiß- und Speichelsecretion, sondern 
auch eine auffallende Vermehrung der meisten 
anderen Secretionen hervorrufen kann. 
Hinsichtlich dieser letzteren zeigen die Angaben 
der verschiedenen Autoren nicht unerhebliche 
Differenzen. Da nun ein Theil dieser Contro- 
versen und auch einzelne Fragen hinsichtlich 
der beiden ersteren Secrete sich der experimen- 
tellen Prüfung zugänglich zeigten, haben wir 
eine Reihe von Versuchen an verschiedenen 
Thieren angestellt, deren Veröffentlichung wir 
uns gestatten, weil sie neue Thatsachen ergeben 
und manche scheinbare Widersprüche verschie- 
dener Autoren, wie wir hoffen, in befriedigender 
Weise aufheben. 



103 

Das von uns benutzte krystallinische Piio- 
earpinom muriaticnni hatte Herr E. Merk in 
seiner bekannten Liberalität die dankenswerthe 
Güte dem Institute zur Verfügung zu stellen. 

Die Secrete, deren Vermehrung durch Pilo- 
carpin wir genauer verfolgt haben, sind: 

i. Die Schweißsecretion^). 

Die ausgezeichnete hydrotische Wirkung des 
Salzsäuren Pilocarpin, die sich beim Menschen 
auf die subcutane Application von 0,02 in der 
ßegel 10 — 25, seltner schon 5 und nur aus- 
namnsweise erst 60 Minuten nach der Injection 
geltend macht, ist allgemein anerkannt Wäh- 
rend aber Vul plan ^) nur die peripheren Enden 
der Schweißfasern als Angriffspuncte des Pilo- 
carpin ansieht j hat Luchsinger dem Alcaloid 
anSer der peripheren auch eine centrale Erre- 
gung der Schweißsecretion vindicirt'). Während 
bisher allgemein angenommen war, daß das 
Atropin die Wirkung des Pilocarpin auf die 
verschiedenen Secrete aufhebe, haben Langley^) 

m 

1) Ich moB hier bemerken, daß meine sämmtlichen auf 
die Schweißsecretion bezügflichen Experimente ausgeführt 
waren, ehe mir die von Lachsinger im Ootoberheft 
1877 des Archivs f. d. ges. Phys. veröfifentliohten fast 
ganz gleichen Yersache bekannt worden. Nach Eennt- 
niinahme der letzteren war es mir natürlich wünschens- 
werth die doppelten Angrififspanote des Pilocarpin für 
sin zweites Secret nachzuweisen, was mir namentlich für 
die Thraenensecretion mit meist viel eolatanterem Er- 
folge gelungen ist 

2) Ynlpian Gaz. hebd. II. S. T. XII 1875 p. 81 
Q. 82. 

8) Luch sin ger Archiv f. d. ges. Physiol. 1877. 
Bd. XV S. 482-492. 

4) Langley Journ. of Anat. and Physiologie XI 
p. 178 1876 and Studies from the phys. Lab» of Cam- 
bridge 1877 P. in S. 48, 



104 

und Lachsiüger gefunden, daß die sogenannte 
lähmende Wirkang des Atropin durch noch 
größere Mengen Pilocarpin wieder überwunden 
werden kann. 

Die neueren physiologischen Untersuchungen ^) 
über die secretorischen Schweißfasem und deren 
Gentrum eröffneten die Möglichkeit experimen- 
tell zu entscheiden von welchen Theilen des 
Nervensystems aus das Pilocarpin die Schweiß- 
drusen in Thätigkeit versetzt. 

Katzen , (junge von 1700—2280 Grm. Kör- 
pergewicht am leichtesten, aber auch alte, wenn 
die Homschicht an den Pfoten durch warmes 
Baden entfernt ist) schwitzen an den nnbehaartea 
Theilen der Pfoten meistens sehr leicht auf ge- 
wisse Eingriffe. Unsanftes Anfassen, Anbinden, 
Kneifen des Schwanzes rufen Schweißsecretion 
an den genannten Theilen hervor. -^ Thiere 
die auf diese Reize noch nicht oder nur sehr 
schwach mit Transpiration reagiren so veieaucb 
solche Thiere, deren Großhirn außer Function 
gesetzt ist, können in der Regel durch folgende 
von Luchsinger und Kendall angegebene 
Reize a. höhere Temperatur (Aufenthalt in ei- 
nem auf 60— 70®C erwärmten Brutofen), b. In- 
jection von 45® C warmer verdünnter Kochsalz- 
lösung in eine Vena lugul. ext. , o. vorüberge- 
hende Unterbrechung der Respiration, d. Veor- 
giftung mit Nicotin zu reichlicher Diaphorese 
veranlaßt werden. 

Hatte Luchsinger bei jungen Katzen einen 
Ischiadicus durchschnitten und dann die anter 

5) Kendall und Lnchsinger Archiv f. d. gea, 
Physiol. 1876 XIH S. 212 a. XIY S. 369, Ostronmow 
Jahresb. v. Hofmann a. Schwalbe 1876 Y. o. Gen- 
iralb. f. d. med. W. 1878 No. 1. Nawrocki Centralb. 
187« No. 1 u. 2 und Lachsinger ebeud. Ko. 8. 



105 

a— c. genannten Reize applicirt, so sah er immer 
nur an den drei unverletzten Pfoten Schweiß 
erscheinen. Beizte er nun aber den peripheri- 
schen Stumpf des Ischiadicus electrisch, so 
schwitzte auch die operirte Pfote. Die Secretion 
dieser Pfote zeigte sich wesentlich unabhängig 
Yon jeglichen Girculationsverhältnissen , sie trat 
sogar noch in den ersten 15 — 20 Minuten nach 
der Amputation des Beines ein. Injicirte L u c h- 
singer einer Katze, deren N. Ischiadicus an ei- 
nem Beine durchschnitten war, subcutan 0,01 
Filocupin, so trat an allen 4 Pfoten Schweiß 
auf. Sechs Tage nach der Operation rief die- 
selbe Menge des Alcaloids an der operirten 
Pfote keinen Schweiß mehr hervor. 

Dieselben Experimente haben wir an einer 
großen Zahl von jungen und alten Katzen an- 
gestellt. Den N. Ischiadicus hatten wir entwe- 
der einfach durchschnitten oder wir hatten ein 
Stack von 1 Cm. Länge aus dem N. excidirt. 
Immer trat schon nach subcutaner Application 
von 0,004 Pilocarpinum Schweiß an den gesun- 
den und etwas später an der operirten Pfote 
auf. Diese eigenthümliche Wirkung des Pilo- 
carpin trat nicht nur gleich nach der Operation^ 
sondern (bei an jedem dritten Tage vorgenom- 
mener Prüfung) bis gegen Ende der zweiten 
Woche ein. Die Schweißsecretion erfolgte selbst 
dann noch, wenn an dem Metatarsaltheil des 
operirten Beines ausgebreiteter Decubitus sich 
e&blirt hatte. Bedingung für die längere Fort- 
dauer des Schweißvermögens an der operirten 
Pfote ist eine sorgfältige Behandlung der klei- 
nen Wunde und eine gute, reichliche Ernährung 
und Pflege des Thieres. Schlecht genährte und 
schwächliche Thiere schwitzten schon zu Anfang 



106 

der zweiten Woche selbst auf größere Dosen 
von Pilocarpin nicht mehr. 

Wenn die sabcutane Application von Pilo- 
carpin au dem operirten Beine keine Schweiß- 
secretion mehr veranlaßt, pflegt auch der mo- 
torische Theil des peripheren Ischiadicus voll- 
ständig gelähmt zu sein. 

Bei einem von unseren Versuchsthieren konn- 
ten wir selbst zwei Monate nach Durchschnei- 
dung des Hüftnerven durch Pilocarpin die be- 
treffende Pfote in Transpiration versetzen. An- 
fangs November 1877 hatten wir den Ischiadicus 
durchschnitten und die Wunde sorgfältigst ge- 
schlossen. Im Januar 1878 demonstrirte ich 
bei Gelegenheit eines Vortrages über Pilocarpin 
die Wirkung auf die operirte Pfote. Als das 
noch zu anderen Versuchen benutzte Thier spä- 
ter secirt wurde, fanden wir die Schnittfläche 
des Ischiadicus verwachsen. Electrische Reizung 
oberhalb der vernarbten und verdickten Schnitt- 
stelle hatte keine Einwirkung auf die Musculator 
des Beines, Reizung unterhalb der Narbe ver- 
setzte die betreffenden Muskeln in tetanische 
Gontraction. Hier waren durch einen günstigen 
Heilproceß sowohl die motorischen wie die secre- 
torischen Fasern des peripheren Theils des Ischia- 
dicus, obgleich vom Centrum getrennt, vor De- 
generation bewahrt geblieben. 

Wir haben auch andere Diaphoretica mit dem 
Pilocarpin verglichen. lujicirten wir Gampher 
in Oel gelöst subcutan oder Liquor Ammonii 
acetici, so trat bei den Versuchsthieren, so lange 
sie ganz unverletzt waren, an allen vier Pfoten 
Schweiß auf. Nachdem aber ein Ischiadicns 
durchschnitten war, erregten die genannten Hy- 
drotica nur mehr an den nicht operirten Pfoten 
Seh weißsecretion . 



107 

Die secretorischeu Schweißfaseru für die Hin- 
terpfote verlaufen, wie unabhängig von einander, 
Lachsinger in Zürich und Ostroumow in 
Moskau fanden, im Bauchstrang des Sympathicus 
und gelangen aus diesem in den N. Ischiadicus. 
In den Bauchsympathicus treten sie nach L u c h- 
singer aus den vier ersten Wurzeln des Len- 
denmarks und den zwei bis drei letzten Wur- 
zehi des Brustmarks. Durchschnitt Luchsinger 
das Bückenmark zwischen 8. und 9. Brustwirbel^ 
80 bekam er durch die früheren (a. — c.) Reiz- 
mittel gleichwohl noch Schwitzen an den Hin- 
terpfoten, dieses blieb aber constant aus, sobald 
er diesen hinteren Abschnitt der Medulla aus- 
gerottet hatte, ohne daß an dem Transpirations- 
yermögen der Vorderpfoten sich etwas geändert 
hätte. Nach Luchsinger befindet sich dem- 
nach das Schweißcentrum für die Hinter- 
pfoten in dem unteren Theile des Brust- 
marks und oberen Theile des Lenden- 
marks. Dieses Schweißcentrum konnte er durch 
die genannten Beizmittel in Action setzen. Daß 
in diesen Fällen die Schweißsecretion nicht auf 
reflectorischem Wege zu Stande kam, bewies 
Luchsinger durch folgende Versuche. Es 
wurde bei jungen Katzen das Rückenmark zwi- 
sclien 8. und 9. Brustwirbel getrennt, der hin- 
tere Abschnitt durch Abtragen der Wirbelbogen 
bis zum Abgang der Sacralwurzeln bloßgelegt, 
die dura mater eröffnet und die hinteren Wur- 
zeln sämmtlich auf beiden Seiten durchschnitten, 
endlich die Wunde sorgfältig geschlossen. Nach 
zwei Stunden wurde das Thierchen, eingehüllt 
in Watte in den Brütofen gesetzt; es trat auch 
jetzt deutliches Schwitzen an den Hinterpfoten 
ein. Nun wurde jenes vorher begrenzte Mittel- 
stück des Marks gänzlich entfernt, das Thier 



108 

nochmals in den Brütofen gesetzt Während 
die Vorderpfoten wieder in Schweiß geriethen, 
blieb die Secretion an den Hinterpfoten ans. 

Nawrocki, der im Jannar dieses Jahres 
ähnliche Versuche veröffentlicht hat, ist zn et- 
was anderen Resultaten gekommen. Er bestä- 
tigte den Verlauf der SchweißfaserD (für die 
Hinferpfoten) in dem Bauchstrang und Ischia- 
dicus, fand dann aber, daß diese Fasern zwar 
in der Höhe der 4 oberen Lendenwirbel und 
der 2 unteren Brustwirbel das Mark verlassen, 
aber nicht in diesem Abschnitt, sondern in der 
MeduUa oblongata ihr Gentrum erreichen. Wenn 
er die MeduUa am 10. Brustwirbel durchschnitt, 
blieben in seinen Versuchen die Hinterpfoten 
immer trocken, während die Vorderpfoten reich- 
lich schwitzten. Das Resultat blieb dasselbe, 
wenn die Durchschneidung am 9., 7. nnd 5. 
Brustwirbel ausgeführt worden war. 

In unseren Versuchen sind wir zu denselben 
Ergebnissen wie Nawrocki gekommen. Nie- 
mals sahen wir an den Hinterpfoten Schweiß* 
auftreten, wenn wir das Rückenmark in der 
Höhe des 9. Brustwirbels durchschnitten hatten. 
Die Hinterpfoten blieben an dem Tage der Ope- 
ration wie auch an den folgenden trocken, wah- 
rend die Vorderpfoten schwitzten, wenn wir die 
Thiere Reizmitteln unterwarfen. Es war hin- 
sichtlich des Erfolges ganz gleichgültig, ob wir 
die Thiere kurze Zeit nach der Operation oder 
erst an den folgenden Tagen auf ihr Schweifi- 
vermögen prüften^). 

Auch wenn wir solchen Thieren Campher 

1) Die Versuche gelingen am besten, wenn die Dnrch- 
sohneidongen des Rückenmarks an verschiedenen Stellen 
an verschiedenen Tagen ausgeführt werden. 



109 

labcutau beibrachten, blieb der Erfolg unverän- 
dert. Wenn wir ihnen aber statt dessen Pilo* 
carpin. muriat. injicirten, tmt Schweißsecretion 
an allen 4 Pfoten auf. 

Lnchsinger und Nawrocki haben auch 
die Schweißfasern der Vorderpfoten verfolgt. 
Ersterer hatte in seinen citirten Arbeiten nur 
angegeben, daß dieselben in den Brachialnerven 
bei Hunden und Katzen verlaufen und daß Rei- 
zung dieser Nerven, wie auch schon Golts ge- 
sehen, häufig starke Schweißsecretion an den un- 
behaarten Theilen der Pfote zur Folge hatte. 
Nachdem dann Nawrocki 1. c. seine Versuche 
kurz veröffentlicht und als Endresultat mitgetheilt 
hatte, daß das gemeinschaftliche Schweißcentrum 
för Vorder- und Hinterpfoten in der MeduUa 
oblongata liege, femer daß die Schweißfasern 
für die Vorderpfoten das Bückenmark am 4. 
Brustwirbel verlassen , hierauf im Bruststrang 
nach dem G. stellatum verlaufen, weiter in den 
Plexus brachialis übertreten und schließlich bald 
im Medianus, bald in diesem und im Ulnaris 
nachgewiesen werden können, machte Luch sin- 
ge r folgende fast gleichlautende Angaben, Gen- 
tralbl. 3. S. 36. „Die Schweißfasern der Vor- 
derpfoten stammen wie jene der Hinterpfoten 
aus dem Rückenmark. Sie verlassen dasselbe 
nicht mit den sensiblen und motorischen Fasern 
des Beines, sie verlaufen vielmehr genau gleich 
wie die entsprechenden Gefäßnerven (Schiff, 
Gjon) durch die Bahnen des Sympathicus. 
Durchschneidet man einer Katze den Grenzstrang 
unter dem Sternganglion, so ist auf der entspre- 
chenden Vorderpfote weder durch Hitze ^ noch 
Dyspnoe Schweiß hervorzurufen. Reizt man un- 
ter passenden Bedingungen jene von hinten her 
in das Sternganglion führenden Fasern des Grenz- 



110 

Stranges, so tritt dagegeu wiederum Schwitzen 
auf der Vorderpfote ein. Von dem Stemganglion 
gelangen die Schweißfasern in mehreren Zweigen 
zam Flexas brachialis, die Fasern für die ulnare 
Seite verlaufen weiter im N. ulnaris jene für 
die radiale Seite im N. medianus^^ üeber das 
Centrum dieser Fasern hat Luch sin ger in der 
vorläufigen Mittheilung nichts ausgesagt und 
auch an seinen früheren Angaben nichts geändert. 

Wenn wir bei unseren Thieren das Bücken- 
mark in der Höhe des ersten Brustwirbels durch- 
schnitten, sahen wir nachher weder die Vorder- 
pfoten noch die Hinterpfoten Schweiß secemiren, 
obgleich sie vorher reichlich geschwitzt hatten. 
Gleich negativ fielen die Versuche aus, wenn wir 
nach der Operation Gampher applicirten. So- 
bald wir aber Pilocarpin subcutan injicirten, tra- 
ten an allen Pfoten sehr rasch Schweißperlen 
zu Tage. 

Während die bisherigen Experimente die pe- 
ripherischen Theile der Schweißfasem als An- 
griffspunkte des Pilocarpin erscheinen lassen, 
beweisen die folgenden in üebereinstimmung mit 
Luchsinger 1. c, daß sie es nicht allein sind^). 
Zunächst wurde eine besonders geformte Tra- 
chealkanüle eingelegt (siehe Seite 119) und künst- 
lich Respiration unterhalten, dann das Thier mit 
Curare schwach vergiftet ; drittens die vier großen 
Halsarterien so unterbunden, daß beide Subclaviae 
dicht an ihrem Ursprung verschlossen waren, 
viertens wurde die Abdominalaorta oberhalb der 
Iliaca communis unterbunden und nun Pilocarpin 

1) Za diesen Experimenten haben wir ältere Thiere 
von V« bis 2 Jahren immer vorgfszogen und selbstver- 
ständlich nach jedem Versuche durch die Section uns 
überzeugt, daß einerseits die Unterbindungen, anderseits 
die Durchschneidnngen vollständig gelungen waren. 



111 

ins snbcutaue Bindegewebe injicirt. Es trat an 
allen vier Pfoten Schweißsecretion auf nnd au- 
lerdem auch Speichel- und Thränenflnß. An 
den Vorderpfoten erschien der Schweiß zuerst, 
(^wa 2 Minuten), an den Hinterpfoten etwas 
spater (4 — 6 Minuten nach der Injection) in all- 
mählich großer werdenden Wassertropfen , die 
wie Perlen auf der bis dahin trocknen Haut 
. lagen. Natürlich hatten wir vor der Injection 
die sämmtlichen Pfoten nicht nur gut getrock- 
net, sondern auch die Schweißdrüsen durch wie- 
derholtes Pressen vollständig entleert. Später 
als der Schweiß erschienen Speichel und Thränen. 
In einem Experiment fing der Speichel erst 16 
Minuten nach der Injection an aus dem Munde 
zu träufeln, während die Thränen schon einige 
Minuten früher über die Lider tropften. Bei 
einzelnen Thieren folgte auf eine wiederholte 
Gabe von Pilocarpin auch Entleerung theils fe- 
ster, theils flüssiger Faecalmassen. Nachfolgende 
Atropininjection kleiner und selbst größerer Do- 
sen, die bei ungestörter Girculation die Schweiß- 
secretion rasch sistirt, hat hier kein entscheiden- 
des Besultaf ergeben. Die Secretionen schienen 
danach geringer zu werden und hörten allerdings 
nach einiger Zeit auf. Das letztere ist aber 
wegen der Arterienligatur auch ohne Atropin 
relativ früh der Fall. Eine Einwirkung auf die 
Iris ist dabei nicht sicher zu constatiren da, wie 
Eußmaui ^) bereits betont hat , durch die Unter- 
bindung der Halsarterien leicht eine Beizung 
von Sympathicusfasern gegeben wird, in Folge 
deren eine Erweiterung der Pupille bis zu einem 
gewissen Grade eintritt. 

Da diese letzteren Experimente noch darüber 

1) EaBmaal, Verhandl. d. ph. med. Ges. zo Würz- 
barg VI. S. 16 (1856). 



112 

im Zweifel ließen, ob das Pilocarpin auf dai 
in der MeduUa oblongata gelegene SchweiBcen-f 
trnm oder abgesehen von ihren peripherischen 
Endungen auf die von ihm ansgohenden theOs 
im Bückenmark, theils im Sympathicns veriaiH 
fenden Schweißf a sern einwirkt, stellten wir noeh 
zwei Beihen von Versuchen an. In der ersten 
Beihe durchschnitten wir spontan schwitzenden 
Thieren erst das Bückenmark in der Hohe dei 
6. Brustwirbels, stillten die Blutung und schlos« 
sen die Wunde mit gröBter Sorgfalt. Nachdem 
die Thiere sich erholt, überzeugten wir uns, daB 
an den Hinterpfoten kein Schweifi zu erzielen 
war; unterbanden darauf die Iliaca communis, 
schlössen rasch die kleine Bauchwunde und inji- 
cirten subcutan Pilocarpin. An den Hinterpfo- 
ten trat auch jetzt kein Schweiß auf, während 
die Vorderpfoten reichlich schwitzten und sich 
Speichel- und Thränenträufeln einstellte. In der 
zweiten Beihe durchschnitten wir das Bücken- 
mark in der Höhe des I.Brustwirbels, unterban- 
den an dem curaresirten Thiere die vier Halsaj> 
terien (in der vorher angegebenen Weise) femer 
die Iliaca communis, injicirten subcutan Pilocar- 
pin und erhielten jetzt an keiner Pfote mehr 
Schweißsecretion y wohl aber noch Speichel- und 
Thränensecretion. Die beiden letzteren Secrete 
erscheinen unter den genannten Bedingungen 
allerdings viel spärlicher. In den seltenen Fal- 
len, wo trotz Unterbindung der Halsarterien Pi- 
locarpin reichlich Speichel- und Thränenfluß ver- 
ursacht hatte, sind wir bei der Section stets 
einer Anomalie in dem Arteriengebiete begegnet 
Es entsprang dann zwischen Subclavia sinist. 
und Truncus anonymus direct aus dem Arcus 
eine ziemlich starke Arterie, die nach einem re- 
lativ langen Verlauf am Halse sich in ein foramen 



113 

intenrertebrale einsenkte Nachdem nns diese 
Anomalie wiederholt das erwartete Resultat des 
Tersachs vereitelt hatte, spritzten wir, um des 
Erfolges sicher zu sein, dem Versuchsthier nach 
Unterbindung der großen Halsarterien kalt gesät- 
tigte Lösung von Indigoschwefelsaurem Natrium 
in die Vena Ingularis ext. bis zur Blaufärbung 
der EUiutdecke und verwertheten das Thier nur 
dann zu den beschriebenen Experimenten, wenn 
die Conjunctivae sich nicht blau gefärbt hatten ^). 

In den beiden letzten Versuchsreihen hätte 
das PUocarpin auf die Schweißfasem zwischen 
Centrum und Peripherie einwirken können und 
müssen, um Transpiration zu veranlassen. Es 
trat aber kein Schweiß auf. Mir müssen also 
annehmen, daß das Pilocarpin , wenn es 
nicht zur Peripherie der Schweißfa- 
sern gelangen kann, von dem Schweiß- 
centram aus Diaphorese veranlaßt. 

Ob das Pilocarpin auf die peripheren Enden 
der Schweißfasern selbst einwirkt oder auf Qang- 
lien, die Langerhans in der Umgebung der 
Schweißdrüsen gesehen haben will, müssen wir 
vorläufig unentschieden lassen; wünschen aber, 
daß die von Luchsinger angekündigte Unter- 
suehung über das Verhalten der Schweißfasern 
zu dem Schweißdrüsen -Epithel recht bald die 
erwünschte Aufklärung bringen möge. 

Der von Katzen an den nackten Partien der 
Pfoten secernirte Schweiß, mag er spontan oder 

1) Diese GtefäEanomalie erklärt die schon von Lach* 
t^gir gemachte Beobachtong, daß Katzen bisweilen trotz 
Unterbindung der 4 Halsarterien fortathmen. 

2) Mit Hülfe dieser Tinctionsmethode kann man sich 
leicht überzeugen, daB nicht nur (wie bekannt) bei Han- 
dsD, sondern, daß auch bei jungen Ziegen die Unterbin- 
dung der 4 großen Arterien am Halse die Blutzufahr 
nun Gehirn nicht völlig abschneidet. 



114 

auf Anwendung von Pilocarpin erscheinen, re 
girt immer, wie auch Luchsin ger anfuhrt, 8 
kaiisch. Er färbt nicht nur Gurcumapapi 
bräunlich, sondern auch rothes Lakmuspapi 
intensiv blau. Diese Beaction rührt nicht y< 
fremden Beimischungen her, denn in allen uns 
ren Versuchen (bei einigen 80 Setzen) hab 
wir vor Beginn derselben die Pfoten der Thie 
peinlichst gereinigt^). 

In den Pilocarpinschweiß gehen Arzneimiti 
über. Spritzten wir Katzen von circa 1700 6ri 
Körpergewicht, subcutan 0,5 Natriumsalicyl 
ein und nach 15 Minuten eine kleine Menge I 
locarpin muriat. sammelten den Pfotenschwe 
auf kleinen Streifen Fließpapi^ während V 
Stunden, behandelten das Papier mit angesäue 
ten Aether, so konnten wir in dem Aetherrüc 
stand mit Eisenchlorid die Salicylsäure nac 
weisen. Bei Menschen hat Buß^) die Elimini 
tion der Salicylsäure durch den Schweiß darg 
than, während der Nachweis Fürbringer 
nicht geglückt ist. 

In den menschlichen Schweiß gehen na( 
älteren und neueren Beobachtungen auch Fi 
mente über. Nach älteren Angaben ^) soll , a 
gesehen von Blutfarbstoff, das Pigment des i 
nerlich genommenen Rhabarbers und Indigo : 

1) Nach Robin (Virohow n. HirBoh Jahresb 
1874 I. S. 509} reagirt bei Menschen der Pilocar{ 
Bchweifi anfangs saner, später anf der Höhe der Abs 
derung nentral nnd sohUefilich schwach oder stark 
kaiisch. 

2) Bufi, ebendaselbst f. 1875 pag. 486 

8) Fürbringer, ebendaselbst f. 1875 pag. 484. 

4) Bei Sohnchardt Hdb. d. Arzneimittellehre 1( 
pag. 80 finden sich die Angaben von Stark, Seh« 
tin nnd Andern zusammengestellt; femer bei Rani 
arondzüge der Physiologie 1872 Seite 75. 178. 558. 



■ 

\ 



115 

Sciiirtiße artiftröteii. Bizio hat nach Ranke 
im Schweifte Indican nachgewiesen. In neuerer 
Zeit ist wiedör ein Fall von blauem Schweiß in 
der Petersburger med. Wochenschr, 1876 be- 
«hriebeä *). Kletzinsky hat statt des eigent- 
lich obsoleten Indigo Indigoschwefelsaure Alka- 
lien als Medicaiäent empfohlen *). Als im phar- 
maeol(^schein Institut Infusionen von Indigo- 
sehwefelsaurem Natrium gemacht wurden, um die 
Heideühain'schen Niereupräparate herzustel- 
len, benutzten wir die Gelegenheit und infun- 
dirten auch jungen Katzen von % Jahren , die 
reichlich schwitzten , 30—40 CC kalt gesättigte 
Lösang des nach Beidenhain dargestellten 
Präparats. Auch wenn wir die Schweißsecretion 
durch triederholte Injection von Pilocarpin län- 
gere Zeit unterhielten, blieb der Schweiß immer 
frei von Farbstoff, weder Indigo noch Indican 
konnte nachgewiesen werden. Bei Katzen geht 
hiemach die Indigoschwefelsäure zwar in den 
Harn und andere Secrete über , aber nicht in 
den Schweiß. 

Atropin sistirt die Schweißsecretion, wenn 
es zur Peripherie der Schweißfasern gelangen 
kann. Von einem doppelseitigen Antagonismus 
zwischen Atropin- und Pilocarpin den Luch- 
sing er* 1. c. beschreibt, konnten wir uns 
nicht überzeugen. 

2. Die Secretion der Gl. ceruminosae. 

Die den Schweißdrüsen im Bau vollkommen 
gleichen Ohrenschmalzdrüsen werden bei Katzen 
gleichfalls durch kleine Dosen von Pilocarpin 

1} Schmidt's Jahrbücher 1877 No. 26. 
2) Hq 86 mann Arzneimittelehre I S. 412. 

11 



116 

zur Secretion angeregt. Hat man die von Außen 
zugänglichen Theile der Eatzenohren vor dem 
Versuche auf das Sorgfältigste gereinigt und ge- 
trocknet, injicirt dann kleine Dosen rilocarpin, 
so sieht mau während Speichel, Schweiß, ThrSr 
neu und Nasensecret reichlich abgesondert wer- 
den, auch im Ohre neues Secret erscheinen, wel- 
ches unter dem Microscop stark fetthaltig erscheini 
Setzt man den Versuch längere Zeit fort und 
nimmt das Secret mit Fließpapier auf, so kann 
man nach einiger Zeit auch macroscopisch den 
Fettgehalt des Ohrensecrets deutlich erkennen ^). 
Zu einer weiteren Verfolgung dieses Secrets ge- 
ben die heutigen physiologischen Kenntnisse lei- 
der keinen genügenden Anhaltspunct. 

Atropin sistirt die durch Pilocarpin vermehrte 
Ohreuschmalzsecretion . 

3, Thränensecretion. 

Die Absonderung der Thränen wird, wie 
allgemein bekannt ist, leicht vom Centrum aus 
durch psychische Einflüsse (bei Menschen) be- 
wirkt. Diese Thränenabsonderung dürfte in ei- 
ner centralen Erregung des Trigeminus ihren 
Ursprung haben. Reizung der Trigeminuswur- 
zeln bedingt, wie Czermak*) experiment<ell (an 
abgetrennten Thierköpfen) beobachtet hat, eine 
Zunahme der Augenflüssigkeit. Nach den Un- 
tersuchungen von Herzen st ein ^), Demt- 

1) Steigerung der AbsoDderung des Gehörgangs kommt 
vor bei Personeu, welche stark am Kopfe schwitzen: 
Tröltsch Lehrb. der Ohrenheilk. 1878 S. 82. 

2) Moieschotts Untersuchungen z. Naturlehre 1860, 
VII, S. 379. 

3) Herzen st ein, Beiträge z. Physiologie undXhera- 
^i^ Aur Thranenorgane, Berlin Birschwald 1866. 



, 



117 

Bchenko *) und Wolf er z ^) pft außerdem 
Reizung des N. Lacrymalis uud des Subcutaneus 
malae Vermehrung der Thränensecretion hervor. 
[ Ferner ist die Reizung des -Halssympathicus 
auch nach vorgängiger Durchschneidung des N. 
Lacrymalis und N. Subcutaneus malae von ei- 
ner unverkennbaren Thränen Vermehrung beglei- 
tet. Reflectorisch kann bei Integrität eines der 
beiden genannten Trigeminuszweige und selbst 
bei durchtrenntem Halssympathicus von sensiblen 
Hirn- und Rückenmarksnerven, sowie durch in- 
tensiven Lichtreiz vom Opticus aus die Secretion 
der Thränendrüse (die doch vorzugsweise die 
Angenfenchtigkeit liefert) unzweifelhaft vermehrt 
werden. 

Wir haben die Experimente genannter For- 
scher — nur die von Czermak ausgeführten 
fieizungen des Trigeminus haben wir weggelas- 
sen — wiederholt und benutzten dazu große 
Hunde, welche durch Chloralhydrat tief narco- 
tisirt waren. Bei diesen haben wir die von 
Herzenstein nach Durchschneidung des La- 
crymalis und Subcutaneus malae beobachtete 
continnirliche Thränensecretion nie gesehen *). 
Injectionen von Pilocarpin riefen, nachdem vor- 
her der N. Lacrymalis und Subcutaneus malae 
und der betreflTende Vagosympathicus am Halse 
dorchfcrennt waren, stets deutlich vermehrte Thrä- 



1) Demtsohenko, Archiv für die gesammte Phy- 
siologie 1872 VI. Bd. 8. 191. 

2) Wolferz, InaugaraldiBsertatioD. Dorpat 1671. 

8) Herzenstein betrachtet die von ihm beobachtete 
continuirliche ThräDenabsonderong als eine paralytische 
— ganz gewiß mit Ünrechtf da er die Reizeffecte, welche 
die compiicirte Operatiooswunde zur Folge hat, ganz 
anfler Becimaug gelassen hat. 

11* 



118 

iienabsonderung hervor. Nachfolgende Injection 
von Atropin. sülfaric. sistirte die Secretion. 

Wie wir schon vorher angeführt haben, er- 
regt das subcutan applicirte Pilocarpin auch dann 
noch Thrliuenfließen • wenn die 4 großen Arte- 
rien am Halse unterbunden sind. Die einzige 
Bedingung tiir das Zustandekommen dieser Se- 
cretion (wie auch der Speichelsecretion) besteht 
darin, daß der Halssympathicus nicht durchschnit- 
ten ist. 

Zum Beweise führe ich kurz nur zwei von 
vielen Experimenten an. 

1. iin>Bcfli. weibliches Eaninchen, 8680 Ghm. schwer 
(ilaMrachealkaBüie. Curtre. künstliche Respiration: Un- 
torlniu^unjs dor vier groBen Anerien am Halse und zwa: 
so. liaB morst die beiden Snbclaviae mit ligatoren verse 
lien ur.d suletrt erst die beiden Carotiden so geschnür 
worden. Dareiitr>fccang der Sympathici am Halse jnU 
suboutAno Ir.uvtion von Pilocarpin. Es erfolgt wedea 
Thninoii- r.och S^Hncbolseoretion. Acch nachdem nooh- 
toä':s oino rwoi:e Dv^si« Pi'^.^'carpin applicirt ist, hleibt 
Mv.:ul ;:r.d Aupf :rLvker- 

-. im^^e«, n*.*r.r.lichrt Kaninchen. 3990 Gnn. schwer, 
u\ »:'ioioh;*r Wo:»o w:o vorher operlr:, nur die Sympathid 
r.ic V.: \iurc hs».*>. v.i:: er. . 

l.i Ihr l M. ?::K:::ar. 0.iV4 Pilocarpin, muriat. 

li • 7 * Si>o:cbf' :r>"*pft au? dem Monde. 

Hrov.oi:-A*ä*^"rr?: irln reichlich in die 

iV.Aj^kar.ü*.e. v-jrl enifemt. 

li • 10 j^ w*rd c.fr Verse ci unierbrochen nnd bei 

der Scv::c-" olvvso wie \vtö«: ü* jtlxaigene Unterbin- 

dur.c der Ars^r^er. ;ir^ AV>ft^Ktfr^i: rcz GetäfianomalieD 

oo.;»utirt *^. 

IVi Kaux^v. i:>: ;:'\:<r ii'eictei: BedingODgeii 
die ThniiHMiAvrviiou bsur.*: viel <iäxker. 

Hm umu'. Njiinv.:v.$äk::i'v'.;%: ::: da^ snbcntane 
Bindieit^w^be gv^^vn:^:. 5o fcsr.:: r.-.M2 schon sehi 

K«t»««l 1^ c* r>^ »:&:£i aasBft^Kveise bei Ka 



119 

bald Salicylsänre in den dnrch Pilocarpin reich- 
lich abgesonderten Thränen auffinden. Indigo- 
sdiwefelsanres Natrium dagegen haben wir nie 
in die Thränen übergehen gesehen. 

Die durch Pilocarpin stark vermehrten Thrä- 
nen fließen zum Theil durch die Nase ab und 
erscheinen in den Nasenöfifnungen meistens frü- 
her, als sich eine gesteigerte Secretion der Na- 
senschleimhaut manifestirt. Diese letztere Secre- 
tion haben wir nicht genauer verfolgt. 

Atropin sistirt die Secretion der Thränen- 
drüsen und der Nasenschleimhaut. 

4. Die Secretion der Bronchialschleimhatit 

Die Vermehrung der Bronchialschleim- 
haut durch Pilocarpin, welche einzelne Autoren^) 
bei Menschen fast constant beobachtet haben, 
wird von den meisten Beobachtern in Abrede 
gestellt. Bei Thieren ist sie uns coüstant begeg- 
net, solange wir kräftige, gut genährte Indivi- 
duen benutzen konnten. Bei decrepiten Versuchs- 
thieren bleibt nicht nur die Vermehrung der Bron- 
chialsecretion, sondern auch des Schweißes aus. 

Die gesteigerte Absonderung des Bronchial- 
secrets kann man sehr schön beobachten, wenn 
man bei Hunden, Katzen, Kaninchen, Ziegen 
statt der von Ludwig*) angegebenen Tracheal- 
kanülen T-formige Glaskanülen benutzt. Die 
senkrecht auf den beiden anderen Schenkeln 
stehende Mündung wird mit einem Ludwig^schen 
Excentrik verbunden. Der eine der beiden ge- 

1) Robio 1. c. u. Weber Gentralblatt f. d. m. W. 
1876 No. 40 sahen das Bronchialsecret bei Erkrankungen 
der Lnitwege flüssiger werden und die Krankheitsprocesse 
(Bronchitis n. Croup) günstiger verlaufen. 

2) Ludwig im Atlas zur Methodik von Cyon Taf. 
L % 2 n. Taf. U. Fig. 13 a. 14. 



120 

raden Schenkel muß entsprechend ausgezogen 
sein , damit er in der Trachea sicher befestigt 
werden kann. Die dritte Oeffnung wird mit 
einem kurzen in eine enge Oeffnung auslaufenden 
Glasröhrchen und Kautschukschlauch nur so 
weit geschlossen, daß die Expirationsluft und 
die überflüssige Inspirationsluffc leicht entweichen 
können^). Sobald in Folge der Pilocarpinwir- 
kung in der Glaskanüle reichlich Bronchialse- 
cret erscheint, kann man dasselbe (nachden 
man den Kautschukschlauch mit dem zugespitzten 
Glasröhrchen entfernt hat) leicht mit konischen 
Fließpapiercylindern entfernen und zu weiterei 
Untersuchung sammeln. — In dem bei Pilo- 
carpinmedication reichlich abgesonderten Bron- 
chialsecret läßt sich die subcutan eingeführte 
Salicylsäure stets nachweisen^). Auch das ins 
Blut infundirte Indigoschwefelsaure Natron er- 
scheint zum Theil in den Sputis. 

Atropin sistirt auch die Vermehrung des 
Bronchialsecrets. 

5. Die Spekhelsecretion, 

Die Speichelsecretion wird durch Pilo- 
carpin im höchsten Grade gesteigert Der pro- 
fuse Speichelfluß tritt bei Thieren und Menschen 
sehr häufig schon vor der Schweißsecretion auf. 
Daß das Pilocarpin die Submaxillardrüsen, wahr- 
scheinlich auch die anderen Speicheldrüsen durch 

1) Diese leicht herzustellenden und leicht zu reini- 
genden Glaskanülen empfehlen sich in allen Fällen, wo 
die Respiration längere Zeit kunstlich unterhalten werden 
muß. 

2) BuB hat bei Menschen den Uebergang der Sali- 
cylsäure in die Sputa nachweisen können, während Für- 
bringer 1. c. negative Resultate erhielt. . 



121 

peripherische Erregung ihrer secretorischen Fa- 
sern zu gesteigerter Function veranlasst und 
daß Atropin diese Secretion unterdrückt, haben 
Carville*) schon 1875, Schwahn und Lang- 
ley 1876 experimentell erwiesen, 
'. Die Richtigkeit der Carville' sehen Beob- 

achtungen können wir aus eignen Versuchen be- 
, statigen. Nach unseren Experimenten müssen 
j wir aber weiter hinzufügen, daß dasAlcaloid 
auch vom Speichelcentrum in der Me- 
dulla oblongata aus dieSecretion noch 
anregen kann, solange dasselbe durch die im 
Sympathicus verlaufenden Fasern mit den Secre- 
tionsorganen in Zusammenhang steht. Ist der 
Halssympathicus durchschnitten und dem Pilo- 
carpin der Zugang zu den anderen secretorischen 
Pasern der Speicheldrüsen abgesperrt, so tritt, 
wie die (Seite 118) mitgetheilten Experimente 
lehren, keine Speichelsecretion mehr ein. 

Weiter haben wir bei Thieren, welchen lu- 
digoschwefelsaures Natrium ins Blut infundirt 
worden war, den aus dem Munde fließenden 
Speichel einige Zeit nach der Pilocarpininjection 
sich schwach blau förben gesehen. Der Subma- 
xillarspeichel, den wir durch eine in den ductus 
Whartonianus eingelegte Canüle sammelten, zeigte 
dagegen keine deutliche Blaufärbung. 

Den Uebergang von subcutan applicirter Sa- 
licylsäure in den Speichel haben wir bei jungen 
Ziegen mit Hülfe von Pilocarpin stets leicht con- 
statiren können. Dieser Nachweis eignet sich 
selbst zum Vorlesungsversuche. Man setzt vor 

1) Garville, Virchow u. Hirsch Jahresber. für 
1875 S. 520 n. Schwahn Centralb. f. d. m. W. 1876 
No. 26 S. 440 441 mit Folia Joborandi ; Langley Vir- 
dhow n. Hirsch Jahresbericht für 1876 S. 447 mit 
Pilooarpinom uitricum. 



122 

Beginn des GoUegs die Pilocarpinwirkang kräf- 
tig in Gang, spritzt, nachdem man eine Quan- 
tität Speichel aufgefangen bat, eine Lösung ¥on 
Natriumsalicylat vor den Augen der Zuhörer ms 
subcutane Bindegewebe junger, aber schpn fres« 
Sender Ziegen und läßt den Speichel vom Dianer 
in viertelstündig abgesonderten Portionen sam* 
mein. In der Regel kann man ^u Ende dar 
Vorlesung in der zuletzt gesammelten Partie 
durch einfachen Zusatz von Eisenchlorid zu dem 
schwach angesäuerten Speichel die Salicylsänre* 
Beaction demonstriren. Ist das nicht der Fall, 
so schüttelt man in bekannter Weise den Speichel 
mit angesäuertem Aether und setzt Eisenehlorid 
zu dem in wenig Wasser aufgenommenen Aether* 
rückstand. 

6. Die Müchsecretion. 

Inconstant und nur von Wenigen') bei Frauen 
beobachtet, ist eine Vermehrung der Müchsecre- 
tion. Wir haben weder bei Kaninchen noch bei 
einer Mutterziege eine irgend erhebliche Ein- 
wirkung des Pilocarpin auf die Quantität der 
Milch festzustellen vermocht. Weil das letztere 
Thier zu einer Reihe anderer Versuche dienen 
sollte , haben wir auf jede Infusion, von Indigo- 
schwefelsaurem Natrium verzichtet. Dagegen 
ist es uns gelungen den Uebergang der in den 
Magen eingeführten Salicylsäure und von Spal- 
tungsproducten des intern gereichten Salicin in 
die Milch zu constatiren. 

Nach Feser's Angaben^ konnte Fried- 
berg er bei einer mit großen Dosen Salicylsäure 

1) Virchow u. Hirsch Jahresber. f. 1876 S. 616. 

2) Feser, Archiv f. wissenscb. u. pract. Thierheil- 
kunde 1876 I. S. 66 sagt »in die Milch scheint SflJüi^t" 



123 

ynndelten Kuh die letztere in der Milch nicht 
wiederfinden. Wahrscheinlich deßhalb nicht, weil 
die Milchnntersnchnng nicht lange genug fortge- 
setzt wnrde. 

Eine Mutterziege erhielt vom 28. April 1876 
bis zum 6. Mai täglich Salicylsaures Natrium 
in mit Wasser angerührter Eleie. Die täglich 
2mal gemolkene Milch wurde entschieden ange- 
säuert und dann reichlich^it Alcohol versetzt, 
gut umgerührt und nach einigem Stehen erst 
colirt und dann filtrirt. Die Filtrate wurden 
stets sofort auf dem Wasserbade eingeengt und der 
Backstand mit angesäuertem Aether geschüttelt. 
Nachdem das Thier 3 Tage lang Natriumsalicylat, 
im Ganzen 22,0, erhalten hatte, zeigte am 4. 
Tage die Morgenmilch exquisite Salicylsäurereac- 
tion. Vom 4. Tage an wurde unter Aufsicht 
3mal täglich ein junges Ziegenlamm direct aus dem 
Euter des Mutterthieres gefüttert und nach je- 
der Fütterung in einen zur Sammlung des Harns 
geeigneten Kasten gesetzt. Am 4. Mai erschien 
die Salicylsäure selbst nachdem der Harn mit 
Aether ausgeschüttelt war, nur undeutlich. Als 
iber der am 5. und 6. Mai gesammelte Harn 
vereinigt untersucht wurde, färbte Eisenchlorid 
deu in Wasser aufgenommenen Aetherrückstand 
intensiv violett. 

In ähnlicher Weise verfuhren wir, um den 
Uebergang der Salicinspaltungsproducte in die 
Milch der Mutterziege nachzuweisen und gelang- 
ten auch hier zu demselben positiven Resultat. 
1 — Ziegen eignen sich schon deßhalb viel bes- 

iBnre oder ein saUcylsaures Salz nicht überzugehen. Die 
Ijülch der Eoh, welche Prof. Friedberger wegen Sep- 
^Ktemie mit groBen Mengen der Substanz (Salicylsäure) 
MbandeLte, war bei wiederholter Untersuchung stets frei 



124 



ser als Kiihe zu diesen Untersuchnngen , y 
die kleinere Quantität Milch, die sie liefern, 
quemer und sicherer zu untersuchen ist ^). 

7, Die Harnsecretion. 

Auch über die Einwirkung des Pilocar 
auf die Harnsecretion sind die Ansicb 
der Autoren sehr getheilt. Nach unseren \ 
suchen an Thieren vermögen kleine Dosen 
locarpin bei Katzen und Hunden ein fortdauc 
des Ausfließen des Harns aus der Blase währ 
der ganzen Zeit der secretionsbefomdern 
Wirkung des Alcaloids (auf Speichel etc.) 
constant hervorzurufen*). Indeß verlieren gr 
Dosen auch keineswegs die anregende Wirk 
auf die Nierenthätigkeit, aber die Excretion 
Harns pflegt dabei meist nicht mehr einzutrei 
Hat man großen Katzen und Kaninchen in 
früher angegebenen Weise die 4 großen H 
arterien unterbunden und injicirt dann in 1 
zen Zwischenräumen den bewußtlosen, du 
künstliche Respiration am Leben erhalte 
Thieren, nachdem man das Abdomen eröfl 
hat, etwa 8 — 10 Mgrm. Pilocarpin, so sieht i 
die Blase, selbst wenn sie schon ziemlich gef 
war, sich stärker und stärker mit Harn anfül 
ohne daß die Excretion zu Stande kommt, 
diesen Yersuchsthieren mag die Bewußtlosigl 

1) Nach dem Jahresb. über die Fortschritte in 
Thierchemie für 1876 S. 256 hat Beneke den Ue 
g9xig der Salicylsaare in die Frauenmilch conatat 
können. 

2) Dieses Resultat stimmt mit den Beobachtm 
von Bobin, Gantani 1. c. 1875 S. 516 u. Anderen 
läßt vermnthen, dafi Binger u. Gould, (ebend.) im 
größere Gaben von Püooarpin resp. Fol. Jaborandi « 
wendet haben. 



125 

und ferner die ünthätigkeit des prelum abdomi- 
nis zum Theil die Ausscheidung gehindert ha- 
ben. Vielleicht verursacht das Pilocarpin aber 
anch einen Krampf des Sphincter yesicae. Es 
bedarf jedenfalls eines bedeutenden Drucks um 
die angefüllte Blase zu entleeren. Es ist außer- 
dem aus Beobachtungen am Krankenbett be- 
kannt, daß größere Dosen von Pilocarpin neben 
anderen störenden Nebenerscheinungen auch 
Dysurie und Ischurie, selbst heftige Schmerzen 
in der Urethra, der Nierengegend und oberhalb 
der pubes veranlassen können ^). Unter allen 
Umständen bleibt die Vermehrung der Harn- 
aecretion weit hinter der Vermehrung der übri- 
gen Secretionen zurück. 

Die Frage, in welcher Weise das Pilocarpin 
in kleinen und in großen Dosen die geschilderten 
Wirkungen auf den uropoietischen Apparat her- 
▼orbringt, ob sie mit der Beeinflussung des 
Blutdrucks oder der Nierennerven durch Pilo- 
carpin oder mit beiden Bedingungen in causalem 
Znsammenhang stehen, haben wir bei der Un- 
möglichkeit die Nierennerven mit Sicherheit alle 
an isoliren nicht weiter zu lösen versucht. 



8. Die Darmsecretion und Excretion. 

Die durch Medicamente veranlaßte Steige- 
rung der Darmentleerungen wird ziemlich all- 
gemein auf eine gesteigerte Peristaltik zurück- 
geführt und nicht auf eine vermehrte Transsu- 
dation. Die Mittelsalze bedingen , wie neuer- 

1) Beobachtungen von Pilci ei er, Oehme, Lorisch, 
Sakowaki, Dräsche, Stumpf, Robin, Ringer u. 
Murreil. (Virchow u. Hirsch Jahresb. pro 187B 
8. 618.) 



126 

liehst Brieger^) bewiesen hat, eine yermehrte 
Secretiou der Drüsen der Darmschleimhant. 

Da nun bei Thieren größere Dosen Ton Pi- 
locarpin (bei Katzen bis 0,008 oder 0,016) re- 
gelmäßig nicht nnr einfache Darm-Entleerangen, ', 
sondern eine länger andauernde Excretion Yon 
Flüssigkeiten per anum zur Folge haben and 
die Beobachtungen der yerschiedenen Autoren I 
bei Menschen hinsichtlich dieser Wirkung des i 
Alcaloids sehr auseinander gehen, kam es uns ^ 
zunächst darauf an, zu prüfen, ob Pilocarpin im ^ 
Stande sei , die Peristaltik bei Thieren zu stei- 
gern oder hervorzurufen. Bei Kaninchen hat 
Schwahn^) unmittelbar auf Injection von 6 
— 7 grm. eines wässrigen Aufgusses von Folia 
Jaborandi (1 : 4,8) in eine Drosselvene stürmi- 
sche Peristaltik mit stoßweißer Kothentleenmg 
gesehen. 

Die Physiologie lehrt uns, daß die Peristal- 
tik des Darms, energisch veranlaßt werden kann« 
central vom Gehirn aus durch Erregung der 
Vagusursprünge. Neuere Untersuchungen mi^ i 
chen es ferner höchst wahrscheinlich, daß zwar 
nicht jede Veränderung in der Girculation des 
Darms, wie es Donders wollte, wohl aber j 
vermehrter Blutgehalt und verstärkter Blutdruck . 
in den Intestinalgefaßen und andererseits auch 
eine qualitativ veränderte Blutmischung die Pe- 
ristaltik sowohl iutra vitam wie kurze Zeit post 
mortem kräftig zu erregen vermögen. Anaemie 

1) B rieger' 8 Experimente (Archiv för ezperimeni 
Phath. u. Pharm. 1878 VIII, S. 856-€60) eignen nok 
wie ich hervorheben will, sehr gut zu yorlefilmg8ve^ 
suchen, um das Interesse der Zuhörer far das onappetit* 
liehe Kapitel der Pnrgantien durch DemonBtration eines 
eclatanten und reinlichen Erfolges leben^ zu eriudten. 

1) Schwahn, Centralblatt f. d. m. W. 1876 8. 440 
n. 441. 



127 

les Darms Tetonlaßt im Widerspruch mit älte- 
ren Angaben niemals Darmbewegungen ^). Drit- 
tens nimmt man allgemein an , daß das den 
ganzen Darm durchziehende, zuerst von G. Meiß- 
ner genauer beschriebene , von Anderen bestä- 
tigte und weiter untersuchte gangliöse Nerven- 
geflecht bei seiner Erregung peristaltische Be- 
wegungen des Darms auslöst. Zweifelhaft bleibt 
68, ob die N. Splanchnici neben hemmenden 
aach rein motorische Fasern enthalten, wie es 
ja auch in neuerer Zeit fraglich geworden ist, 
ob die Ton Pflüger*) constatirte Hemmungs- 
wirkung der Splanchnici durch wirkliche Hem- 
mnngsfasem, wie Pflüger annimmt, zu Stande 
kommt oder nur dadurch bedingt wird, daß die 
Reizung der Splanchnici als vasomotorischer 
Nerven den Blutgehalt des Darmcanals beschränkt. 
Durch 0. Nasse®) wissen wir endlich, daß eine 
Beihe von Medicamenten und Giften vom Blut 
aus die Peristaltik erregen kann ohne Mitwir- 
koog des Vaguscentrums. 

Um zu entscheiden durch welches der ge- 
nannten Momente und ob etwa durch Concnr- 
ittiz mehrerer derselben die Wirkung auf die 
Abdominalorgane zu Stande kommt, haben wir 
folgende Experimente angestellt, bei denen es 
ms darauf ankam den Einfluß des Hirns auf 
len Darm ohne Anwendung von Narcotica voU- 
itändig zu eliminiren. 

Ghroße Katzen oder Kaninchen werden mit 

1) van Braam Houckgeest, über Peristaltik des 
[agou und Darmkanals. Archiv für die gesammte Phy- 
ologie 1872 VI, S. 266-302. 

2) Pflüger, üeber das Hemmungsnervensystem fiir 
ie peristaltischen Bewegungen der Gedärme, Berlin 1857. 

8) 0. Nasse, Beitrage zur Physiologie der Darmbe- 
egungi Leipzig 1666. 



128 

einer Traehealkanüle versehen und schwacK mit 
Garare vergiftet« Während künstlicher Respira- 
tion, die das ganze Experiment hindurch unter- 
halten werden mnß, unterbinden wir die 4 gro- 
ßen Halsarterien wie früher angegeben und diudi- 
schneiden die beiden Vagi am Halse. In eine 
Vena lugularis ext. wird eine mit Pilocarpinlö- 
sung gefüllte Kanüle eingebunden. Oe£Pnet man 
jetzt bei dem Thier, dessen Gehirn gänzlich aus- 
ser Function gesetzt ist, das Abdomen, so findet 
man die Darm Windungen in vollkommener Buhe. 
Wird dann eine Dosis, etwa 0,004 Pilocarpin in 
warmer 0,6^0 Kochsalzlösung in die Vena jn- 
gularis eingespritzt so tritt nach kurzer Zeit 
lebhafte Peristaltik des Dünndarms ein. Hat man 
vor der Injection die Brustaorta durch ein in 
den Thorax geschnittenes, kleines Fenster compii* 
mirt, so bleibt die Peristaltik aus und tritt erik 
wieder ein, nachdem die Gompression au%eho« 
ben ist. 

Um den Einfluß der atmosphärischen Luft 
auszuschließen , wird das Experiment mit glei- 
chen Erfolge so variirt, daß man das Abdomen 
unter blutwarmer 0,6% Kochsalzlösung nach 
dem Vorgang von SSander Ezn eröffnet. 

ötatt der Injection in eine Vena Jugularis ha- 
ben wir in anderen Versuchen Injectionen in 
eine Mesenterialarterie gemacht und auch hier 
den Eintritt von lebhaften Darmbewegungen ohne 
Ausnahme beobachtet. 

Um aber auch den möglichen EinfluB yer^ 
änderter Blutmischung auszuschließen, änderten 
wir die Experimente dahin, daß wir einem, wie 
angegeben, vorbereiteten Thiere (bei Katzen) 
eine Kanüle mit der Spitze nach dem Darm zu 
in die Pfortader einbanden u. dann durch In- 
jection blutwarmer 0^67o Kochsalzlösung in eine 



129 

Hesenterialarterie einen Theil der DarmschÜDgen 
80 vollständig wie möglich blutleer machten. 
Spritzten wir dann 0,004 Pilocarpin ein oder 
mehrere Male in dieselbe Art. mesenterica, so 
beobachteten wir regelmäßig in den möglichst 
Untleeren Darmschlingen peristaltische Bewe- 
gungen. 

Wir glauben hieraus schließen zu dürfen, 
daß unser Alcaloid die Peristaltik bei Thieren, 
jedenfalls bei Katzen und Kaninchen, durch di- 
recte Beizung des gangliösen Darmgeflechts er- 
regen kann. 

Auf keinen Fall ist die verstärkte Peristal- 
tik bedingt durch eine directe Reizung der Darm- 
moBCulatur. Denn hatten wir nach Bezold 
nnd Bio e bäum ^) die Darmganglien durch Atro- 
pa in Unthätigkeit versetzt, so ließ sich durch 
nachträgliche Injection von sonst wirksamen 
Dosen Pilocarpin keine Peristaltik mehr erzielen, 
obgleich die Darmmusculatiir nicht gelähmt war, 
sondern auf electrischeu Ueiz sich energisch 
eontrahirte. 

Vulpian^) hat bei geöfi^netem Abdomen 
ond gleichzeitig eröfinetem Mageu und Darm 
durch Jaborandi-Infas, welches er in eine Vene 
ipritzte, Vermehruug der Secretion der Magen- 
lehleimhaut, des Pancreas, der Leber (Galle) 
ond der Niere eintreten gesehen. Wir haben 
008 in anderer Weise von der Einwirkung des 
Pilocarpin auf die Secretion der Darmdrüsen 
überzeugt 

Bei großen Kaninchen und Hunden wurde 
onter den üblichen Cautelen ein recht langes 

1) Bezold und Bloebaum, Untersuchungen a. d. 
pbys. Lab. in Würzburg v. 1867, I. H. S. 1—72. 

2) Vulpian: Gazette hebd. d. med. et de chir. IL 
8. T. Xn 1875 S. 188. 



« 



130 

Stück des Dünndarms aus einer kleinen Schnitt- 
wunde in der linea alba hervorgehoben, an bei- 
den Enden unterbunden, nach Morean^s Me- 
thode gereinigt und nach sorgfaltigem Ver- 
schluß der Wunden reponirt und die Bancfa- 
wunde vernäht. Alsdann injicirten wir gaben- 
tan eine relativ große Dosis Pilocarpin und sa- 
hen nun die von Zeit zu Zeit controlirie Darm- 
schlinge sich mit einer Flüssigkeit reichlich füllen, 
die in Aussehen und Beactionen mit dem Darm- 
saft, wie ihn Thiry beschrieben hat, überein- 
stimmte. Im Abdomen der Versuchsthiere fimd 
sich kein Transsudat. 

Das Pilocarpin vermag demnach nicht nur 
die Peristaltik anzuregen , sondern auch eine 
reichliche Secretion der Darmdrüsen herbeim- 
führen. Vielleicht wird die Wirkung auf die 
Peristaltik noch verstärkt durch die Verandemog 
des Blutdrucks und der Pulsfrequenz, welche 
Pilocarpin nach Untersuchung von Langley 
1. c. und von Kahler und Soyka^) bewirkt. 

Die bei Katzen und Kaninchen durch gi9- 
ßere Dosen Pilocarpin verursachten Diarrhoeen 
können durch Atropin unterdrückt werden. 
Auch hier wurde die Wirkung des letzteren Al- 
caloids nie durch größere Dosen des enteren 
übercompensirt. 

Salicylsäure subcutan applicirt und Indigo- 
schwefelsaures Natrium ins Blut infundirt er* 
scheinen auch in den Darmentleerungen. 



unsere Experimente begründen folgende 
Schlußergebnisse : 

1) Kahler n. Soyka, Archiv für experiment* FftthoL 
u. Phannacol. VII, S. 435—468. 



131 

1. Das Pilocarpin veranlaßt Schweißsecre- 
tion an den Pfoten von Katzen einerseits durch 
periphere Beiznng der durch Luchsinger, 
Ostrouniow und Nawrocki nachgewiesenen 
SchwieiBfasem, anderseits aber auch, wie Luch- 
singer richtig beobachtet hat, durch Reizung 
iß» Schweißcentmms. 

2. Auf die Schweißfasern in ihrem Verlaufe 
xirischen Centrum und Peripherie wirkt das P. 
ucht erregend ein. 

3. Auch die Secretion der Thränendrusen 
vermehrt das Pikx^rpin einerseits von der Peri- 
pherie, anderseits von dem Gentrum aus. 

4. Die Centrale Erregung der Thräneuse- 
cration Yermittelt (bei Abschluß der Blutzufnhr 
Tom Hirn) der Sympathicus. 

5. Das P. vermehrt auch die Absonderung 
der 61. ceruminosae. 

6. Es vermag ferner die Secretion der Bron- 
chialsehleunhaut zu vermehren und zu verflüs- 
sigen. 

7. Es vermehrt die Speichelsecretion nicht 
Bor durch periphere Reizung der secretorischen 
Kerren&aevn, sondern auch durch Erregung des 
ttoretovischen Speichelcentrums in der meduUa 
obloBgaia. 

8. Auch hier vermittelt der Sympathicus 
die cemtrale Erregung der Speichelsecretion bei 
Abichluß der Blutotufuhr zum Gehirn. 

9. Die Milchfiecretion vermehrt das P., wenn 
überhaupt, nur sehr unsicher und unbedeutend, 
nach Röhrig nur durch Steigerung des Blutdrucks. 

10* Die Hamsecretion und Excretion ver- 
niehrt es zwar, wenn es in kleinen Dosen ange- 
wendet wird, aber immer in beschränkterem 
Ibaße als die meisten anderen Secrete. In grö- 
fcreü Dosen gebraucht, hebt es die Secretion 

12 



132 



zwar nicht auf, erschwert aber und hindert so- 
gar leicht die Excretion. 

11. P. erregt die Peristaltik dorch directe 
Reizung der Darmganglien und steigert die Se- 
cretion der Darmdräsen , wenn es in groBeren 
Dosen angewendet wird. In Folge dessen kann 
es nicht nur einfache, sondern selbst wasserreidie 
Darmentleerungen reranlassen. 

12. Atropin sistirt in geeigneter Dosis alle 
die genannten Secretionen und auch die der Na- 
senschleimhaut. 

13. Größere Dosen Pilocarpin können wirk- 
same Atropindosen nicht nbercompensiren. 

14. Innerlich genommene oder subcutan in- 
jicirte Salicjlsaure geht nicht nur in den Harn, 
sondern auch in die durch Pilocarpin vermehrten 
Secrete der Schweift-, Thränen-, Speichel- und 
Milchdrüsen und ebenso der Bronchial- und 
Darmschleimhaut über. 

15. Auch Derirate des innerlieh genomme- 
nen Salicin erscheinen in der Milch. 

16. Die Elimination des ins Blut infnndirten 
Indigoschwefelsauren Natriums geschieht haupt- 
sächlich, wie langst und besonders durch Hei- 
denhain bekannt, durch den Harn, außerdem 
auch durch Speichel-Bronchial- und Darmsecreti 
nicht durch Schweift und Thranen. 

17. Das Schweiftcentrum für alle 4 Pfoten 
liegt bei Katzen in der medulla oblongata wie 
Nawrocki zuerst ang^eben hat. Em beson- 
deres Centrum für die Hinterpfoten im unteren 
Theil des Brust- und oberen Theil des Lenden- 
marks ezistirt bei Katzen nach unseren Versu- 
chen nicht. 

18. Das Schweißcentrum liegt wahrschein- 
lich tiefer als das Respirationscentrum im ver^ 
längerten Mark. Es fnnctionirt noch (nachün- 



133 

terbindang der vier großen Arterien am Halse) 
wenn das Bespirationscentmm bereits functions- 
anfiUiig ist. 

19. Oampher erregt im Gegensatz zu Pilo- 
carpin die Schweißsecretion nicht von der Peri- 
pherie, sondern vom Centram ans. 

20. Wie der Gampher wirken wahrschein- 
lich alle Diaphoretica^ deren wirksamer Bestand- 
theil ein aetherisches Oel ist. 

21. Der Pfotenschweiß der Katzen, er mag 
spontan auftreten oder reflectorisch oder durch 
Gampher oder Pilocarpin veranlaßt sein, reagirt 
immer alkalisch. 

22. Pilocarpin kann in bestimmten Fällen 
Yon traumatischen Hemi- und Paraplegien als 
diagnostisches Hülfsmittel benutzt werden, um 
Ernährungszustand und Functionsfahigkeit secre- 
torischer und wahrscheinlich auch motorischer 
Nervenfasern zu controliren. 

23. Die secretorischen Fasern eines gemisch- 
ten Nerven scheinen nach einer tiefen Verletzung 
desselben ziemlich gleichzeitig mit seinen moto- 
lischen Fasern zu degeneriren. 

24. unsere Experimente erklären die gün- 
stige Wirkung des Pilocarpin in Fällen einsei- 
tiger und doppelseitiger Länmungen, wie sie von 
Binger und Burg (Gentralblatt f. d. med. W. 
1877 No. 31 S. 576) mitgetheilt sind. Ferner 
ebenso den Nutzen bei bestimmten Bronchial- 
nnd Larynxaffectionen, wie sie Bob in, Weber 
1. c und Andere beschrieben haben. 

25. Wenn die Vielseitigkeit seiner secretions- 
befördemden Wirkung keine Gontraindication 
abgiebt und wenn kleine Dosen genügen, ist P. 
ein in vielen und sehr verschiedenen Erankheits- 
^Uen verwerthbares Arzneimittel. 

12* 



134 

26. Als schÄtzenawerthes Hülfsmittel fiir dia 
experimenteUen DisoipUneii erleichtert es mtUb 
nur die Untersnchnng physiologischer und pham 
macolc^soher Probleme , sondern aneb die De- 
monstration Y^Ttchiedttier physiologiseher qid 
arzneilicher Wirkungen. 

27. Bei Katzen entspringt anenahmsiveise 
zwischen Art. Subclavia sinistr. und TrusCb ano« 
nym. eine ziemlich große Arterie aus den Arcus' 
Aortae, welche sich in ein foramen interrertehrale 
der Halswirbel einsenkt. Wo diese YorhandeOi 
schneidet die Unterbindung der 4 grollen Arte- 
rien am Halse die Blutzufuhr zum Gemm nicht ab. 

28. Trotzdem kann man die von Sig. Mayer 
empfohlene Untersuchungsmethode auch bei 
Katzen sehr gut yerwerthen, nöthigenfalls kann 
man sich nach Unterbindung der 4 großen Hal»- 
arterien durch Injection von Indigoschwefelsaurem 
Natrium von der Abwesenheit der Gef&ßanomalie 
vergewissern. 

29. Ebensowenig wie bei Hunden ist es bei 
Ziegen nicht möglich durch Unterbindung der 4 
großen Arterien am Halse die Blutzufnhr zum 
Gehirn aufzuheben. 

30. Wo künstliche Respiration lange 2!eit 
unterhalten werden muß empfi^t sich die. auf 
Seite 119 beschriebene Glastradiealkanüle^ 

Zum Schluß erlaube ich mir noch ehier Be- 
merkung. Es war unvermeidlich bei der häu- 
figen Anwendung desAtropins auch dessen Ein- 
fluß auf die Pupille genauer zu untersuchen. 
Wir verfolgten die Frage, da es ja immer noch 
unentschieden ist, ob das Alcaloid seine mydria- 
tische Wirkung nur durch Lähmung des Ocn- 



135 

lomotorios oder gleichzeitig durch Reizung des 
Sympathicns bewirkt. Wir haben aber nicht 
nur das Atropin, sondern auch noch eine Reihe 
anderer Stoffe in ihrer Einwirkung auf die Pu- 
pille geprüft. Die zahlreichen und zum Theil 
sehr complicirten Experimente, zu denen wir 
uns, um ein Resultat zu erlangen, genöthigt sa- 
hen, sind gemeinschaftlich mit Herrn Wulfsberg 
ausgeführt. Wir werden dieselben als besondere 
Arbeit veröffentlichen und darin den Beweis 
liefern, daß der Sympathicus bei der Atropin- 
mydriasis gar nicht betheiligt ist. 



Nachschrift. 

Während des Druckes dieser in der Sitzung 
im 2. Februar der Societät vorgelegten Arbeit 
ist im Centralbl. f. d. med. W. vom 9. Febr. 
eke vorläufige Mittheilung von F. Nawrocki 
ober Einwirkung des Pilocarpinum muriaticum 
auf den thierischen Organismus erschienen, in 
welcher die centrale Erregung der Schweißse- 
cretion dnroh das Aloaloid bestritten wird. Dem 
gegenüber muß ich meine durch zahlreiche Yer- 
snäie gesicherteA Resultate ungeschmälert auf- 
recht erhalten. 

Marme. 



186 

IL .lieber Milchiufusionen. 

Von 

N. Wulfsberg aus Christiania, 
Assistenten am pharmaool. Institut zn Gottingei 

Der bekannte amerikanische 6ynaec< 
Gailiard Thomas hat bei einer ovariotom 
Patientin eine Milchinfusion anscheinend mi 
bensrettendem Erfolge gemacht^). Der Ei 
heitsfall ist folgender : Bei einer sehr entkräf^ 
Kranken hat Thomas eine innerhalb kurzer 
zu enormer Große gediehene doppelseitige 
rialgeschwulst exstirpirt. Die Operation vi 
ohne besondere Fährlichkeit in 3(5 Minute 
Ende geführt. Patientin, deren Nachbehand 
ein Dr. Jones leitete, erhielt in den erste] 
Stunden in mehrstündigen Zwischenräumen e 
Milch und außerdem, weil sich bei einer/ 
peratur von 39,9 und sehr frequentem 
wiederholt Brechneigung einstellte, alle I 
Stunden kleine Dosen Morphin. Die Operf 
war am Donnerstag gemacht. Am Sonna 
Morgen und nochmals am Abend desselben T 
traten profuse Metrorrhagien ein. Der Co 
sus erreichte einen so hohen Grad, daß der 
in der folgenden Nacht erwartet wurde. 
Kranke erlebte aber noch den Montag, obg 
die inzwischen per os und per rectum angeste 
Emährungsversuche gänzlich scheiterten, 
tientin erbrach sogar die gereichten Eispi 
Bei dem rasch zunehmenden Kräfteverfall 
langte Dr. Jones eine Bluttransfusion. Tho 
gestützt auf drei frühere nicht näher bescl 
bene Fälle, verweigerte dieselbe. Da abe: 
gend etwas geschehen sollte, vereinigten sich 

1) Americal Jonrn. of med. sciences , Jan. 1876. 



137 

beiden Herrn zu einer Milchiufasiou. Frisch 
gemolkene, thierwarme Kuhmilch wurde der Pa- 
tientin in die vena mediana basilica eingespritzt. 
Nachdem 90 CC. injicirt waren, klagte Patientin 
fiber sehr heftigen Kopfschmerz, Trotzdem 
wurden alimählich circa 250 6rm. infundirt. 
Eine Stunde später trat ein Frostanfall ein, die 
Temperatur stieg auf 40,0 C, der Puls auf 150 — 
160. Aber schon vor Mitternacht sank die 
Temperatur. Patientin fiel in einen ruhigen 
Schlaf und befand sich am nächsten Morgen viel 
besser. Es trat nun eine regelmäßige Reconva- 
lescenz ein, am 21. Tage war die Kranke außer 
Bett und nach 6 Wochen völlig hergestellt. 

Dieser günstige Ausgang legte den Gedanken 
nahe, daß, besonders bei dem hohen Ansehen, in 
welchem G. Thomas nicht nur in seinem Vater- 
lande steht, Milchinfusionen in ähnlichen Fällen 
versucht werden könnten. Es schien mir deß- 
lialb von Interesse, zunächst festzustellen, wie 
Milchinfusionen auf Thiere wirken, um einige 
objective Anhaltspunkte für die Beurtheilung 
des Werthes von Milchinfusionen zu gewinnen. 

Die bisher bei Menschen und Thieren ver- 
BQchten Milchinfasionen haben, wie bekannt, zu 
ganz widersprechenden Resultaten geführt. Ich 
fibergehe deßhalb die bei Cholerakranken und 
Phthisikem von verschiedenen Seiten angestellten 
Milchinfnsionen und führe von den zahlreichen, 
bis in früheren Jahrhunderte zurückreichenden 
Infosionsversuchen nur diejenigen an, welche 
Don n e in seinem Cours microscopique 1844 mit- 
theilt und welche auch Thomas in seiner obi- 
gen Mittheilung citirt. Donne studirte micros- 
copisch und microchemisch die Bestandtheile des 
Blutes und gelangte bei seinen Infusionsver- 
snchen zu dem Ergebniß, daß die Milchkügelcher 



138 

sich in farblose Blatkörperchen nmwandelo. 
Die kleineren sollen nach ihm sich zu 3 od«r 4 
vereinigen nnd mit einer Hülle sich versehen, 
die größeren gleichfalls eine Hülle annehmen 
und sich dann von der Mitte ans theilen. Das 
Blut sah Donne einige Zeit nach Milchinfn- 
sionen sehr reich an farblosen Blutkörperchen. 
Diese Donne' sehen Versuche habe ich viel&ch 
wiederholt und das Endresultat allerdings bestär 
tigt gefunden. Die Vermehrung der Blutkörper- 
chen habe ich aber entsprechend den heutigen 
Anschauungen in ganz anderer Weise zu Stande 
kommen gesehen. 

Werden Kaninchen 6 — 8 Grm. frisch gemol** 
kener, thierwarmer Kuh- oder Ziegenmilch in 
eine Vena Jugularis ext. injicirt, so sieht man 
wenige Minuten später das Blut gleichmäßig ge* 
mischt mit Milchkugeln, die theils frei umher- 
schwimmen, theils, besonders die kleineren, den 
farblosen Blutkörperchen anhaften. — Nach 
Verlauf einer ganzen bis halben Stunde sieht 
man in einer neuen Blutprobe nicht mehr so 
viel freischwimmende Milchkugeln, man findet 
aber schon jetzt einzelne farblose Blutkörperchen 
die neben Kern und Eernkörperchen ein Milch- 
kügelchen enthalten. Sucht man weiter, so sieht 
man immer mehr farblose Blutkörperchen, die 
meist 1 — 2, selten 3, ausnahmsweise auch 4 
Milchkugeln enthalten. Unter günstigen Be- 
dingungen trifft man farblose Blutkörperchen, 
welche an einer Seite einen Fortsatz aussenden 
wie eine sproßbildende Hefezelle und in diesem 
fangarmartigen Fortsatz eine Milchkugel ent- 
halten. Gewöhnlich liegt die Milchkugel in dem 
farblosen Blutkörperchen excentrisch , indeß 
kommen auch ganz central gelagerte vor. Bringt 
man Strömungen in demObjecte hervor, so diä 



139 

die Blatkörperchen rotiren, so kann man sich 
unzweifelhaft überzeugen, daß die Milchkügelchen 
wirklich im Inneren der farblosen Blatkörperchen 
liegen nnd nicht nur der Oberfläche angelagert 
sind. Am deutlichsten wird das microscopische 
Bild, wenn man bei 300 — 400facher, linearer 
Vergrößernng eine solche Essigsäureconcentration 
im Objecte trifft, welche die rotheu Blutkör- 
perchen zu sogenannten Schatten reducirt, ohne 
m gänzlich zum Verschwinden zu bringen. — ■ 
Bei den folgenden Blutproben findet man immer 
weniger freie Milchkügelchen und immer mehr 
weiße Blutkörperchen, welche Milchkügelchen 
enthalten, sit venia yerbo, gefressen haben. 
2—6 Stunden nach der Milchinjection findet man 
keine freie Milchkügelchen mehr, auch verhält- 
niftmäßig wenig eingeschlossene, dagegen eine auf- 
fallende Vermehrung der relativen Zahl der farb- 
losen Blutkörperchen. 24 Stunden nach der 
Inieotion unterscheidet sich das Blut in keiner 
Weise von dem normalen. — Nach diesen Beo- 
bachtungen bewirkt die Infusion einer geringen 
Menge Milch ähnlich wie eine gute Mahlzeit 
eine vorübergehende Vermehrung der farblosen 
Blutkörperchen. 

Die weitere sich daran anschließende Frage, 
ob 08 nun wirklich möglich sei, ein Thier durch 
Hüchinfusionen zu ernähren, muß nach einer 
zweiten Reihe von Versuchen , die ich an ver- 
schiedenartigen Thieren angestellt habe, unbe- 
dingt verneint werden. Wenn Hunde auch wie- 
derholte Injectionen von 70 — 250 Grm. Milch 
ertangen, so nahm ihr Körpergewicht doch rasch 
ftb nnd die meisten starben sogar nach Injection 
i^t znletzt genannten Dosis. — Niemals zeigten 
die Thiere bei Lebzeiten Symptome tieferer Er- 
kranknnng. Post mortem fanden sich im Blute 



140 

stets noch unveränderte Milchkngeln, in den 
Lungen größere oder kleinere hämorrhagische 
lufarcte, innerhalb welcher sich ein erweitertes 
mit Blutcruor aasgefälltes Gefäß nachweisen 
ließ. Eigentliche Fettembolien konnten mit 
Sicherheit nicht constatirt werden. Die Nieren 
erwiesen sich bei mikroskopischer Untersnchang 
stets gesund. 

Nebenbei gesagt, war es auch nicht möglich 
durch subcutane Injection größerer Mengen fri- 
scher Milch Thiere zu ernähren. Die Versuchs- 
thiere atrophirten und wenn sie einige Tage 
nach der letzten Injection getödtot wurden, fan- 
den sich an der Injectionsstelle immer beträcht- 
liche Reste der geformten Milchbestandtheile. 
Dieser Befund steht allerdings im Widerspruch 
mit Angaben anderer Autoren. Vielleicht haben 
diese sehr stark verdünnte (getaufte) Milch zu 
ihren Injectionen benutzt. Auf keinen Fall darf 
man allzugroße Hoffnungen auf eine Ernährung 
durch Milchinfusionen oder die von anderen 
Seiten empfohlenen subcutanen Milchinjectionen 
setzen. 

Nun ist es aber auch durchaus nicht wahr- 
scheinlich, daB O. Thomas bei seiner Patientin 
die verweigerte Bluttransfusion einfach durch 
Milchinfusion habe ersetzen wollen. Es liegt ja 
auf der Hand, daß die Milch unmöglich die In- 
dicationen erfüllen kann, die eine Bluttransfusion 
bezweckt. Im günstigsten Falle könnte man 
annehmen, daß nicht lethale Mengen Milch zwar 
nie absolut, aber vielleicht relativ die Sauerstoff 
aufnehmenden Blutkörperchen im Gefäßsystem 
sehr blutarmer und stark collabirter Individuen 
vermehren dürften. Es ist wenigstens denkbar, 
daß die infundirte Milch, wenn sie ganz nnschäd- 
lich wäre^ die in coUabirten Gefäßen zurückge- 



141 

haltenen, rothen Blutkörperchen wieder in Cir- 
colation setzte. Ob dies wirklich geschieht^ ist 
freilieh eine Frage, die sich experimentell schwer 
entscheiden lassen dürfte. Um der Lösung dieser 
Frage etwas näher zu treten, habe ich eine An- 
aahl von Milchinfusionen bei Hunden gemacht, 
denen vorher größere Quantitäten Blut, bis zu 
72% der berechneten Blutmenge entzogen 
waren. Es hat sich dabei herausgestellt, daß 
auch solche Thiere kleinere Quantitäten Milch 
ertragen, nach Infusion größerer Mengen meist 
aber schon auf dem Operationstisch zu Grunde 
gehen. Diese Versuche wurden daher nicht 
weiter verfolgt, einmal weil die Milch sich kei- 
neswegs als eine unschädliche Injections-Flüssig- 
keit manifestirte , dann aber hauptsächlich, weil 
88 nicht thunlich ist, das Minimum eines lethal 
wirkenden Blutverlustes aus der berechneten 
Blntmenge festzustellen. 

Die letzteren Versuche führten zur Beobach- 
tung einer eigenthümlichen Einwirkung der 
Milchinfusionen auf die Herzthätigkeit. Waren 
bei den Thieren in Folge starker Blutverluste 
die Herztöne sehr schwach , fast unhörbar ge- 
worden, so wurden sie gleich nach der Milchin- 
jection wieder sehr laut und deutlich. Dieser 
eigenthümliche Befund veranlaßte eine letzte 
Reihe von Infusionsversuchen, die an mögliebst 
blutleeren Thieren und zwar dann erst angestellt 
wurden, nachdem bei ihnen die Respiration voll- 
standig aufgehört und selbst mit der Herznadel 
keine Spur von Herzaction mehr nachweisbar 
war. Bei allen diesen Thieren traten gleich 
nach der Infusion wieder rythmische Herzcon- 
tractionen, mit fühlbarem Herzstoß auf. Etwas 
später stellten sich auch Respiratiousbewegungen 
ein. Setzten Respiration und Herzaction nach 



142 

einiger Zeit wieder aus, so gelang es meistens 
zum zweiten Mal dnrch eine geringe Milchinfh- 
sion beide Functionen wieder hervorzurufen, 
einzelne Hunde fingen sogar an zu bellen. Na*» 
türlich war es nicht möglich, auch nicht beab- 
sichtigt die fast ganz blutleeren Thiere durch 
Infusion kleiner Mengen Milch dauernd am Leben 
zu erhalten. Aus dieser letzten Versuchsreihe 
scheint aber hervorzugehen, daß kleine Mengen 
Milch ins Gefäßsystem injicirt die Herzthätig- 
keit, wenn sie gesunken ist, anregen ^ wenn sie 
deit kurzer Zeit erloschen ist, wieder in Gang 
setzen können. Ob dieser excitirende Einfluß 
auf die Herzaction als eine indirecte durch Rei- 
zung der Nervencentra bedingte Wirkung oder 
als eine directe, vielleicht sogar rein mechanische 
Reizung des Herzmuskels aufzufassen sei, bleibt 
allerdings unentschieden. 

Für die Praxis dürfte sich aber aus diesen 
Versuchen ergeben, daß trotz des günstigen 
Ausgangs in dem Thomas^schen Falle die 
Milchinfusionen nicht zu empfehlen 
sind. Denn da nur relativ geringe Quantitäten 
Milch ohne Schaden injicirt werden dürfen, da 
diese nur ganz vorübergehend eine relative Ver- 
mehrung der farblosen Blutkörperchen bedingen 
und da anderseits die Infusion einer g)x>Aen 
Menge Milch zu Lungenembolien führt, niemalB 
aber eine Bluttransfusion ersetzen kann und da 
wir endlich die Herzaction, wo es überhaupt 
möglich ist, mit unschädlicheren Mitteln anregen 
und in Gang setzen können — so dürften Milob- 
infusionen auch nicht als ultimum refugium 2U 
wagen sein. 



143 

IIL Untersuchung einer aus Africa 

(wahrflcheinlich von Holarrhena africana 

DC) stammenden Rinde, 

von N. Wulfsberg. 

Die Binde, die ich auf Veranlassung des 
Herrn Prof. Marm^ untersucht habe, stammt aus 
Africa von eineiQ Baume^ den die Eingeborenen 
>6bomi« nennen und zu allen möglichen häus- 
lichen Zwecken, aber auch als Heilmittel gegen 
Dysenterie benutzen. Mitglieder der norddeut- 
sdien Missionsgesellschaft, welche im tropischen 
Africa auf dem südlichsten Theile der Sclaven* 
käste, im Ewe- Gebiete als Missionare wirken 
und welche an sich selbst die gute Wirkung des 
Heilmittels erprobt hatten, haben die Binde 
nach Europa gebracht. Durch Yermittelung des 
&üher hier thätigen Professor theol. Zahn ge- 
langte die Drogue an die Herrn Jordan und 
Faast dahier. Der letztere stellte aus dersel- 
ben ein Alcaloid dar, welches im hiesigen phar- 
macologischen Institut einer eingehenden Prüfung 
unterzogen worden ist. — Die Drogue bildet 
flach rinnenförmige Bindenstücke von länglicher, 
sehr verschiedener Form und Größe, bis 11 Cm. 
lang und 7 Cm. breit. Die Dicke beträgt 3—4 Mm. 
Die Oberfläche graugelb bis dunkelbraun mit 
zahlreichen, elliptischen bis linienförmigen, wel- 
lenförmig gebogenen Erhabenheiten yon 1 —5 Mm. 
lÄnge, größtentheils längs der Mitte geborsten 
und dann mit ausgestülpten Bändern. Zuweilen 
ist die Binde mit gelblichgrauen Flechten (ste- 
rilen Lecanora-Arten) tiberwachsen. Die ünter- 
fläche glatt oder der Länge nach zartgestreift, 
fotblichgelb, mit mißfarbigeu, schimmeligen Fle- 
cken. Der Längsschnitt zeigt eine regelmäßige 
Streifang mit abwechselnden hellen und dunkeln 



144 

Streifen von V* — V» Mm. Breite, indem das Pe- 
riderm eine papierdünne, blänlichbranne Schioht 
bildet, während die innere Binde ans abwech- 
selnden harten nnd weichen Phloemlamellen 
besteht. 

Geruchlos, von schwachbitterem Gteschmack, 

Die mikroskopische Untersuchung zeigt ganz 
nach Außen eine bräunliche Schicht von Ter- 
schiedener Mächtigkeit, aus abgestorbenen Cel- 
lenwänden bestehend, deren ursprüngliche Struo- 
tur nicht mehr deutlich erkennbar ist. Zuweilen 
finden sich in derselben Reste von den später 
zu beschreibenden Steincellen. Nach Innen geht 
diese Schicht allmälig in den Kork über, der 
aus 5 — 10 Gellenlager von gewöhnlicher Form 
und BeschafiTenheit besteht und nach Innen von 
der Eorkmuttercellenschicht (dem Phellogen) be- 
grenzt wird. Die Korkmuttercellen liegen in 
denselben verticalen und radialen Reihen ange- 
ordnet wie ihre Tochtercellen, sind aber von der 
doppelten Größe, enthalten Protoplasma und 
haben Geliulosewände. 

Weiter nach innen kommt zunächst Weich- 
bast, dessen äußerste Gellenschioht gegen die 
Eorkmuttercellenschicht mauerförmig gelagert 
ist. Dieser äußere Weichbast grenzt nach Innen 
an eine Sclerenchymschicht und es folgen jetzt 
nach einander 8—10 solche, jede Schicht durch 
Weichbast von der nächstfolgenden getrennt. In 
den beiden Gewebsformen kommen zerstreute 
Milchsaftgefässe vor, namentlich zahlreich im 
Weich hast. Spiegelfasern durchsetzen beide, 
fehlen jedoch in den oberflächlichsten Schichten. 
Aechte Bastbündel kommen nicht vor. 

Der Weichbast besteht hauptsächlich aus 
Gambiform, enthält aber auch neben den Milch- 
saftgefäßen Gittercellen und Siebröhren. Die 



145 ^ 

eambiformen Gellen enthalten stellenweise sehr 
liA Starke in kleinen runden nnd größeren läng- 
liehen Kömern ohne deutliche Schichtung, an 
anderen Stellen kommen senkrechte Reihen von 
dergleichen Gellen vor, die mit rhomboedrischen 
Krystallen erfüllt sind, welche nach ihren mikro- 
ehemischen Reactionen als aus oxalsaurem Kalk 
bestehend betrachtet werden müssen. 

Das Sclerenchym besteht aus Steincellen, die 
nach allen drei Dimensionen ziemlich isodiamer 
trisch sind nnd deßhalb im Querschnitt sowie 
in den beiden Längsschnitten dieselben mehr 
oder weniger regelmäßigen polygonalen Felder 
zeigen. Die Wände sind dunkel gefärbt, sehr 
zierlich geschichtet und so dick, daß nur eine 
ganz kleine Höhle übrig bleibt, von der ver- 
zweigte Porenkanälchen nach allen Richtungen 
hin ausstrahlen. Oft enthalten sie ähnliche Kry- 
sblle wie die im Gambiform vorkommenden. 
Das Sclerenchym bildet tangentiale Platten , diei 
in radicaler Richtung 2 — 4 Gellen zählen und 
nnr an wenigen Stellen, in den äußersten Platten 
jedoch häufiger, von Weichbast unterbrochen 
sind. Wo die Spiegelfasem dasselbe durchsetzen, 
bben deren Gellenwände eine ähnliche Härte 
und Dicke. Die zwischen den Sclerencbymplat- 
ten Uzenden Weichbastschichten sind gewöhnlich 
etwas mächtiger als jene. 

Die Milchsaftgefäße sind 50— ISOMikromilli- 
nieter weit nnd mit einem coagulirten krümme- 
Ügen Inhalt erfüllt. Wir haben an denselben 
weder deutliche Querwände noch Verzweigun- 
gen unterscheiden können. 

Die Spiegelfasem bestehen in verticaler Rich- 
tung aus 5 — 10 Gellenreihen, in tangentialer aus 
luicnstens 3 oder 4. Im Weichbast bilden sie 
ein zartwandiges , stärkeführendes Parenehym 



146 

aas parallelepipedischen , radial gestreckten C 
leUf im Solerenehym Ikaben sie diesdbe Fo 
und Größe, aber staurk veordiekie Wände und za 
reiehe Tüpfel, sind somit selbst in Steinoel 
verwandali. 



Als von derselben Pflanze herrührend Iie{ 
uns noch vor: 

; 1) Die Wurzelrinde. Es sind unreg 
mäßige Rindenstücke von rothgelber Farbe i 
verschiedener Größe. Die größten 3 — 4Cmla 
und bis 1 Gm breit, sämmtlich unregelmäi 
gekrümmt, eingebogen oder gerollt, zuwei 
rückwärts gebogen. Die meisten sind obeni 
unten schmäler und haben große Aehnlichl 
mit Schnittspähnen. Unter dem Mikroskop s 
gen sie ähnliche Sclerenchymschalen wie 
oberirdische Rinde in einem viel Stärke enti 
tendem Parenchym eingebettet. 

2) Stücke von einem mehrjährig 
Aste. Dieselben sind etwas gebogen, plattru 
lieh, 18 und 25 Mm dick. Die Rinde 1 Mm di 
rothbraun,, längsrunzelig, ohne Risse, stellenwi 
mit 1 bis 2 Cm langen eiförmigen , von E< 
überzogenen Narben nach abgefallenen Aes 
oder sonstigen alten Beschädigungen. Auf d 
Querschnitte zeigt die Rinde eine äußere, m 
lere und innere dunkle Schicht durch zwei daz 
schenliegende hellere Schichten getrennt. ] 
Holz ist weißgelb, fest, von mäßiger Härte, lei 
und vollkommen i n allen Richtungen spaltl 
Der Querschnitt zeigt 11 deutliche, sehr exe 
trifiche Zuwachsringe, zahlreiche Gefaßöffnunj 
und bis an den Mittelpunkt verlaufende Spie{ 
fasern, kein deutliches Mark. 



147 

3) Stucke von alten, verholzten Wur- 
l%}n. Sie sijad mjehr weniger cylindrisch, oben 
iui4 TjLvAen ^^bgescbn^ttepf bis 22 Gm lang, 13 — 
18 Mm dick. Büu Stück ist gabelförmig ver- 
zweigt, an zwei anderen hängen noch Beste von 
1—2 Mm 9tftrken Seitenwurzeln. 

Die Binde ißt rothbrann, längsranzelig und 
ÜAg^rissig, abschilfernd. Sie ist verhältnißmäßig 
etwas dicker, als an den Stammästen, zeigt zwei 
dunkle un4 zwei nach innen von diesen liegende 
bellß Schichten. Das Holz besitzt dieselbe Be- 
Bcliaffenheit wie das oberirdische, nur sind die 
Zufacl^inge sehr undeutlich. 

4) Stück von einem einjährigen 
Triebe 25 Cm lang^ oben und unten abge- 
8c})nitten, Von demselben entspringen 4 Paar 
ge(;eiistai:idige Blätter in regelmäßigen Abständen 
Ton etwa 7 Gm. Aus den Blattwinkeln sprossen 
anfrechtstehende , in ihrem weiteren Verlauf 
schlaff nftcb Außen überhängende Aeste, die in 
derselben Wieise beblättert sind. Der Stengel 
ist dunkelbraun, rund, glatt und kahl, an den 
Ursprungsßt^llßn der Blätter schwach aufgetrie- 
ben, ßiiiQn rjngförn^igen Wulst bildend , ohne 
Jfarbejgi V4;>xi Nebenblättern. 

J)^ Siusgewacbsenen Blätter kurz gestielt, 
af^firechtatoheiid- BUttstiel etwas herablaufend, 
4 }fjp[L Iwgj k^ine Nebenblätter; Blattplatte 
BÜipti^chy oben plötzlich verschmälert, mit aus- 
I^Qgeiif^r Spitee. Sie sind hautartig, undurch- 
^)^ijgn obo^ dankelgrün, unten heller, fieder- 
n^oryig, Sauptrippe bis an die Spitze deutlich, 
ftU ^ex TJoterseite stark hervortretend, seitlich 
SQsammengedrückt, hellbraun. Seitenrippen bis 
jn die Nähe des Blattrandes fast gerade, dann 
in einer Strecke von 1—2 Cm demselben ent- 
lang bogenförmig verlaufend, überall durch deut- 

13 



148 

liebes aber wenig erbabenes Ademetz verbundeii. 
Das Blatt ist yoUkommen ganzrandig, der Band 
sebwacb znrückgescblagen« Länge der Blattplatte 
bis 14 Cm, größte Breite bis 6,2 Cm. 

Durch eine sinnreiche Yermuthnng des Herrn 
Medicinalratb Wiggers war die Untersnchnng 
gleich anfangs darauf gerichtet, ob diese neue 
Rinde vielleicht mit der schon im vorigen Jahr- 
hundert aus Ostindien importirten Conessirinde 
übereinstimme. Die Conessi- oder Cudarinde 
stammt angeblich von mehreren Apoeyneen, na- 
mentlich Hölarrhena antidysenterica DC and 
Wrightia antidysmterica Br. ^) 

Der vorliegende beblätterte Zweig unserer 
africanischen Pflanze zeigt schon beim ersten 
Anblick den Habitus der Apoeyneen. Die nähere 
Untersuchung ergibt mehrere dieser Famüie ei- 
genthümliche Merkmale, so namentlich die gegen- 
ständigen, ungetheilten und ganzrandigen, im 
Großen ovalen Blätter ohne Nebenblätter, und 
die Familienbestimmung gewinnt die größte 
Wahrscheinlichkeit, wenn man analytisch ver- 
fährt und die Unterabtheilungen und Gattungen 
untersucht. Es zeigt sich dann, daß mehrere 
aufiTällige Eigenthümlichkeiten unserer Pflanze 
gerade solche sind, die in den Gattungen Hö- 
larrhena und Wrightia vielfach beschrieben wor- 
den sind und deren verschiedenes Zusammen- 
treten werthvolle Artkennzeichen darbietet. 
Hierher gehören: der kurze Blattstiel, dieplöte- 
lich verengte und dann ausgezogene Blattsnitze, 
die dem Blattrand entlang gebogenen secundären 

1) Flückiger in Schweizerische WoohenBohrilt fGbr 
Pharmacie Nr. 25, 1865. O'S h a a g h n e b 8 y, The Benflil 
Dispensatory. Calcatta 1841. p. 446. De C and olle, 
Prodromas. Pars YIIL Paris 1844. p. 418. 



149 

Blattnerren , die netzförmig auf der Unterseite 
herrortretenden tertiären Blattneryen, die haut- 
artige BeschafiFenheit des ganzen Blatts u. s. w. 
Die mikroskopische Untersuchung bestätigt 
diese Bestimmung. Durch die Güte des Herrn 
Hofrath Grisebach sind wir im Stande gewe- 
sen folgende Apocyneen zu vergleichen. 
Nerium Oleander L. cultivirt. 
Baissea sp. aus Africa. 
Strophanthus sp. aus Africa. 
Wrightia tomentosa R. & Seh. Ostindien. 
» tinctoria Br. Ostindien. 
» Wallichii DG. » 
Holarrhena antidysenterica DG. Ostindien. 

> pubescens DG. Ostindien. 

Diese Pflanzen zeigen einen bei sämmtlichen 
fibereinstimmenden Bau des Holzes. Dem Marke 
zn liegt innen ein ein- mehrfacher Kranz von 
Spiralgefößen [die Blattspuren], dann nach außen 
steihlenförmig geordnete, zahlreiche Gefaßbündel, 
' dureh Holzcellen zu einer festen Masse verbun- 
den. Die stammeigenen Stränge bestehen aus 
Soßen dünnwandigen, oft radial gepaarten Tüp* 
^efäften. Dieselben sind ziemlich kurzgliedrig, 
mit schräg gestellten, einfach durchlöcherten 
Querwänden und länglichen, horizontal gestellten 
Tapfeln versehen. Die Holzcellen sind theils 
gewöhnliches Holzparenchym mit Schräggestell- 
teo, gehöften Tüpfeln, theils sind es langge- 
itreckte Gellen mit horizontalen Querwänden 
ond kreisförmigen, gehöften Tüpfeln an der ra- 
dialen Wand. 

Der Bast enthält zahlreiche Milchsaftgefäße, 
die im ersten Jahre als senkrechte Reihen von 
knrzen und weiten Parenchymcellen auftreten, 
später durch Absorption der wagerechten Zwi- 
Khenwände weite, nicht verzweigte Röhren bil- 

13* 



deu, die hj^ufig von Ci^tjtercellen i;ind Siebi^tunui 
dermaßeu ni^spoiifiiSii siiKi« daß es mjßßhlit 00 
anssieljit, ajs besäßjen die genapnii^p iGhB^l^ mm 
«elbständige Wandscnlptnr, was sieli abpr bd 
genauerer Untersuchung nicht bestätigt. 

Die Oberhaut besteht an dem jungiBn 7mk9 
aus einem einfachen Gellenlager^ woraus S[At^ 
die erste Eorkbildung hervorgeht , iQ4^I^ die 
Gellen sich durch tangentiale Wän^^e ibeüen, 
worauf die äußere Gelle ihren Inhalt verliert 
und der Yerkorkung ihrer Wände pnt^vUegt, 
während die innere als Eorkmuttercelle &dch 
immer und immer in derselben Weise tJieilt. 



Aus den soeben beschriebenen Organen li^ssen 
sich keine Kennzeichen für engere Abtbeiliingen 
herausbringen. Solche ergeben sich aber ajos 
den mechanischen Qeweben des Bastes und ans 
der primären Binde. 

Aechte Bastfasern kommen bei allein pntsiv 
suchten Apocyneen vor. Bei Nerium bildet sich 
im ersten Jahr ein unterbrochener Kr^ von 
Bastbündeln. Später entstehen alle Ji^qre io 
dem aus dem Gambium hiervorgehen^ßii VAp^ 
dickungsring neue Bastfasern, swar mit 9iiiid|<^ 
menden Alter ^arsamer, aber, soweit wir das 
Yerhältniß haben verfolgea können, niemals voll- 
ständig verschwindend. Die GattungßQ BaisßeOf 
StrophanÜius und WrigJdia haben im Jahrestvidb 
ähnliche zerstreute Bastbündel. Bei ^ßp, 9nts|y 
suchten Holarrhenen findet sich äag/ßgeiß im 
ersten Jahr ein vollkommen zusammenMuagßnder 
Ring von Bastfasern. Im zweiten Jßjire bilden 
sich aus dem Gambium neue Bastfasern ia ser^ 
streuten Bündeln, aber zu gleicher Zeit fäng]k in 
gewissen Gellen der primären Rinde und des 



151 

Weichbastes ein weiteres Wachstham an, zu- 
folge dessen sie sieh in Steincellen umwandeln 
und Sclerenchymplatten bilden. Sobald diese 
Bildung angefangen hat, entstehen keine neue 
Bastfasern mehi^, jeder neue Yerdickungsring 
enthält nur Weicfabast, aus dessen jüngsten 
Oellenschicfhteii später eine Sclerenchymschale 
liervorgeht. 

Die primäre Rinde besteht bei allen den 
untersuchten Pflanzen aus einem koUenchyma- 
tösen Hypoderm und einem tieferliegenden lo- 
ckeren Rinden parenchym. Bei Nerium scheint 
keine secundäre Korkbildung stattzufinden ^ bei 
zunehmender Dicke scheinen entsprechende, ra- 
diale Theilungen der Korkmuttercellen sowie 
der Cellen der primären Rinde einzutreten; man 
findet selbft in ziemlich alten Stämmen unter 
ißt Eorkschicht das glänzende Hypoderm ^). 

Bei der Gattung Holarrhena hört die primäre 
Eorkbildung schon im zweiten Jahre auf und es 
gibt eine Zeit, wo die äußere schützende Hülle 
m Zweiges von dem nach und nach abster- 
benden Hypoderm gebildet wird. Das secundäre 
Phellogen tritt schon wie die folgenden im Weich- 
baete anf. Dieser Entwickelungsgang ist am 
Toüsiandigsten bei der Holarrhena antidysente- 
liea untersucht worden, was wir von anderen 
Arten sahen, war mit den entsprechenden Ent- 
wickelnngsstufen dieser Art völlig übereinstim- 
mend. 

Dieselbe yollkommeneUebereinstimmuug fin- 

1) Daß es noch das nrspriingliche Hypoderm ist and 
it vielleicht eine Form von dem uns sehr problema- 
^h erscheinenden Organ, was Sanio Phelloderm genannt 
hL zeigt die maaerformige Anordnung der äußersten 
CeuenBohicht den Korkmuttercellen gegenüber, sowie die 
gleiohi^ige Mächtigkeit des Lagers, 



152 

det sich nun auch bei unserer afrikanischen 
Pflanze, so daß gar kein Zweifel fibrig bleibt, 
daß dieselbe der Gattung Holarrhena zugerechnet 
werden muß. Der Hauptunterschied liegt in der 
Zahl der Gellenreihen des Hypoderms, die bei 
H. antidysenterica 4 — 5 betragen, während bei 
der afrikanischen nur 2 solche Gellenreihen vor- 
handen sind, was übrigens bei der sonst der H. 
antidysenterica am Nächsten stehenden H. pn- 
bescens auch der Fall ist. 

Be Candolle (1. c.) beschreibt 7 Arten der 
Gattung Holarrhena und gibt 3 von diesen als 
africanische an, nämlich die H. Landolphioides, 
ovata und Africana. Die erstere unterscheidet 
sich durch umgekehrt eiförmige Blätter, die 
zweite durch ihre seidene Behaarung von der 
unsrigen Pflanze, die aber völlig mit der Be- 
schreibung H. Africana übereinstimmt. Von den 
nicht africanischen Arten hat Holarrhena mitis 
lanzettförmige Blätter mit lang ^ ausgezogener 
Spitze und plötzlich abschmälerndem Blattgrund; 
H. antidysenterica und pubescens, von welchen 
Arten wir auch bei Honrath Grisebach Grde- 
genheit gehabt, ostindische Exemplare zu ver- 
gleichen, haben: die erstere lederartige Blätter 
mit abgestumpftem Blattgrund und an der un- 
teren Seite mehr hervortretendem Ademetz , di» 
letztere, die von De Gandolle als kaum nnier— 
schieden angeführt wird, seidenhaarige Blätter* 
und Zweige nur mit mehr abgestumpfter Spitze«. 
H. Godaga Don, die auch der H. pubescens sehr* 
nahe stehen soll, hat ebenfalls behaarte Blätter* 
mit abgestumpftem Blattgrund. 



Es darf hiermit als erwiesen betrachtet 
den, daß die vorliegende, von den africanischers- 
Missionären geschickten Pflanzentheile entwedeir 



153 

einer neuen Art der Gattung Holarrhena oder, 
was wahrscheinlicher ist, der von De Gandolle 
beschriebenen Holarrhena Africaua angehören. 
Vollständig sicher läßt sich ein Urtheil erst 
dann fällen, wenn Blüthe und Frucht, deren Zu- 
sendung bereits in Aussicht steht, untersucht 
werden können. 



Beiträge zur Physiographie gesteins- 
bildender Mineralien^) 

von 
Eeinr. Otto Lang. 

n. 

Granat aus erratischem Gneisse 
von Wellen bei Bremen. 

Dieser Granat zeichnet sich anderen Vor- 
kommen gegenüber durch säulenförmige 
Verzerrung aus; da eine solche nirgends 
sonst an Granat beobachtet worden oder, meines 
Wissens wenigstens, in der bezüglichen Literatur 
erwähnt ist und da auch die übrigen Verhält- 
nisse dieses Vorkommens manches Interessante 
bieten, möge seine eingehende Beschreibung hier 
Platz finden und zwar um so mehr, als aus letz- 
terer auch der Grund jener anormalen Ausbil- 
dung ersichtlich werden wird. Beifügen muß 
ich noch die Notiz , daß ich auch an den Indi- 
viduen eines großkörnigen, homogenen Granat- 
Aggregats , sogenannten » derben c Granats eine 
Andeutung säulenförmiger Verzerrung beobachtet 
habe und zwar bei einem ebenfalls erratischen 
Stücke von Charlottenburg (in der Wöhler'schen 
Sammlung). 

Wie in der Ueberschrift angedeutet^ kommt 

1) Vergl. Jahrg. 1877, S. 689, 



154 

der säulenförmig verzerrte Granat in Gneüt ans 
einer Massenablagernng erratischer Oesteiiie in 
der Nähe von Wellen bei Stubben im Hetzog- 
thum Bremen vor; die daselbst znsammengela- 
gerten Geschiebe zu beschreiben und ihrer Her- 
kunft nachzuforschen ist eine Aufgabe, die mich 
schon längere Zeit beschäftigt. Granatfnhrend 
erwiesen sich mehrere der mir zur Untersuchung 
übersandten GneifUHandstücke; die säolenfSrmi- 
gen Granaten aber fanden sich in dunklem GneiA 
und zwar in zwei Varietäten desselben, einer 
mittel- oder größerkörnigen und einer kleinkör- 
nigen. Beiden Varietäten waren von Gemeng- 
theilen gemein: Quarz, Feldspath, brauner, in 
großer Menge vorhandener, ferner ziemlich farb- 
loser Glimmer, Granat, sowie endlich ein in gans 
vereinzelten, grünen, pleochroitischen, rundlichen 
Körnern auftretendes Mineral (wahrdcheinlich 
Epidot); der kleinkörnige Gneifi war aufterdenl 
verhältnißmäßig überreich an Apatit und führte 
auch opake Erzkörnchen. Als eine petrographiscli 
wichtige Eigenthümlichkeit beider GneiBe darf 
nicht unerwähnt bleiben, daß sie den Plagiokläs 
unter ihren Gemengtheilen vermissen lassen; es 
hat wenigstens den Anschein, als ob nur eine 
Feldspath- Art vorläge, deren Natur bei der so 
überaus unregelmäßigen Gestalt der Feldspath- 
körner, dem Mangel gut ausgesprochner Spalt- 
barkeit und daraus folgender Unmöglichkeit ge- 
nauer optischer Orientirnng allerdings schwer tu 
bestimmen ist; die vorwaltend einheitlich chro- 
matische Polarisation jedoch und besonders die 
Beobachtung, daß in vielen solchen Fällen,, wo 
noch nach Grenzlinien oder Spaltbarkeits-An- 
deutungen eine rohe Orientirnng möglich war. 
Auslöschen zwischen gekreuzten Nicols ein- 
trat bei Parallelstellung solcher Richtung zu 



155 

einer Nicol-Diagonale , spricht für die Ortho-* 
klas-Natar. Da von dem grofikörnigen 6d€fifie 
mir ein SchlifiF noch übrig war (das übersaiädte 
kleine Handstück ist anscheinend bei einem 
Wohnungswechsel abhanden gekommen), in wel* 
chem möglicher Weise alle Plagioklase ihre Ta- 
felflache M der Schliff-, resp. Schiefemngs-Fläcbe 
parallel gelagert haben konnten, war die Abwe* 
aenheit des Plagioklases hier nicht so sicher zu 
constatiren, wie in den Schliffen des kleinkörni- 
gen Gneißes, die nach drei zu einander senk- 
rechten Richtungen orientirt waren. Allerdings 
war biet nicht so selten eine lamellare Strnettir 
an Feldspathen zu beobachten, z. Th. sogar recht« 
winkligie Gitterbildung : einer lamellaren Yiel-» 
Ungshildnng schien mir diese Erscheinung jedoch 
nicht zu entsprechen, sondern vielmehr auf me^ 
chanisohe Druckwirkungen zurückzuführen: die 
betreffenden Lamellen waren selten, wenigstens 
nieht allseitig scharf begrenzt; sie durchsetzten 
das betr. Feldspath-Individuum fast nie in dessen 
ganzer Erstreckong, sondern keilten sich in schar« 
fen Spitzen aus; meist waren diese Lamellen- 
mteme nur auf die peripherischen Paftien der 
üidiYiduen beschränkt; die Lamellen-Breite und 
Lange yariirte im System selbst sehr; audh im 
sonstigen Habitus machten die betr. Feldspath- 
ittdiyiduen den Eindruck, als ob sie in der La- 
melleD-Richtung oder in einer wenig davon ab- 
weichenden Richtung einen Druck erlitten hät- 
ten und so Qleitflächen producirt worden seien, 
ha polarisirten Lichte traten diese Lamellen 
besondejs hervor, gewöhnlich nur einseitig in 
ihfer Färbung scharf begrenzt , andrerseits ver- 
schwimmend; z. Th. löschten sie zugleich mit 
dem Hauptindividuum, welchem sie eingeschaltet 
waren, zwischen gekreuzten Nicols aus, z. Th^ 



156 

bildeten ihre und des Hauptindividuums Haupt- 
SchwingnugsrichtuDgen spftze Winkel bis gegen 
40®; zuweilen waren sie nicht ganz geradlinigi 
sondern am Rande des Hanptindiyidaams etwas 
abgebogen; ein Individuum zeigte in gewissen 
Lagen zwischen gekreuzten Nicols ein Farben- 
bild, das ganz der von A. Michel-Levy im Bull, 
d. 1. soc. geol. d. France^ 3. s6r. t. Y. pl. I. fig. 3 
gegebenen Photographie eines micropegmatit^s 
entsprach, das aber in anderen Lagen und auch 
bei der Dunkelstellung Yollständig yerschwand; 
es scheinen mir also hier keine Plagioklas-Yiel- 
linge, sondern der Lamellarpolnrisation Biot's 
entsprechende Verhältnisse vorzuliegen. — Mit 
den dem Gneiß eigenthümlichen Parallel-Struo- 
turen finden wir an diesen Gneißen die porphyri- 
sche Structur verknüpft, vorzugsweise bedingt 
durch die eingelagerten Granaten ; erstere Stmetcup- 
Arten und insbesondere die lineare Parallelstructnr 
beobachten wir in eminentem Grade ausgebildet 
am kleinkörnigen Gneiße; seine verwitterte, 
weißliche bis hellgraue oder bräunliche Geschie- 
befläche bietet den Habitus eines großen Holz- 
splitters; mehr oder weniger (bis 5 mm) tiefe 
und feine Furchen ziehen in Stränge geschart 
und z. Th. flach wellig gewunden auf der Ober- 
fläche hin ; die Grate zwischen ihnen bildet durch 
Auswitterung der übrigen Gemengtheile poröser, 
grauer bis weißer Quarz; nicht selten verbrei^ 
tern sich die Grate oder aber die Furchen er- 
\7eitern sich zu in die Länge verzogenen, spitz- 
rhombenäbnlichen „Astlöchern^S ^^^ deren Grun- 
de die hier rosenfarbnen Granaten hervortreten; 
sind letztere zu mehreren geschart, so wird die 
lineare Parallelstructnr in stärkerem oder gerin- 
gerem Maße gestört. Die lineare Parallel- 
structnr hat nun anscheinend einen mächtigen 



157 

Einflnss ausgeübt aaf die Formaasbildaug 
und Lagerung aller größeren Gemengtheile, 
sowie sogar auf die Anordnung ihrer mi- 
kroskopischen Interpositionen. Indem 
kleinkörnigen Gneiße, dessen Gemengtheile in 
der Mehrzahl nicht über 0,2 mm Größe errei* 
ehen, finden sich z. B. größere, bis 2^5 mm lange 
Qnarz- und Feldspathindividuen , die bei sonst 
ganz regelloser Form doch erkennen lassen, wie 
sie der Richtung der Gesteinsstructur entspre- 
chend verlängert und gelagert sind und wie auch 
ihre Einschlüsse Parallelität dazu erstreben. Am 
Auffallendsten aber ist diese Erscheinung bei 
den Granaten. 

Dieselben besitzen auch keine ganz regelmäß- 
ige Gestalt, aber entschieden säulenförmigen 
Habitns; sie erreichen mehr als 1 cm Länge, 
hei 0,5 cm höchster Breite, in der Mehrzahl 
aher sind sie 3,5 — 6,0 mm lang und 1,2 — 2,2 mm 
hreit; sie sind ziemlich von Quarzhärte, aber 
äoAerst bröcklich; hin und wieder lassen sich 
rhomboederähnliche Spaltnngsformen und musch- 
liger Bruch erkennen ; auf den Geröllflächen be- 
sitsen sie rosa- bis fast pfürsichblüthrothe Fär- 
hnng, die im Innern z. Th. ins Yiolblaue über- 
geht. Unter dem Mikroskope sind die Umrisse 
oer röthlichen und mit rauher Schlifffläche aus- 
gestatteten Erystalloide nicht ganz regelmäßige 
und stetige , sondern oft aus- und eingezackte ; 
regellos geformte, mehr oder minder große An- 
I^gsel stören die Säulenform und auch da, wo 
inan bei geringerer Vergrößerung geradlinig ste- 
tige Begrenzung zu beobachten glaubt, enthüllt 
B&rkere Vergrößerung eine flachwellige, hin und 
^eder leicht ein- oder ausgezackte Linie. Die 
Breite der Längsschnitte ist deßhalb sehr wech- 
sehid; in Folge der Aus- und Einbuchtungen 



158 

macheu manche derselben den Eindruck, ak ob 
die Säalen dorch Änfeinanderpfiropfen von E5r- 
uem resnltirt seien. Dieser Annahme wider"* 
streitet jedoch schon die an allen Individuen 
beobachtbare Beschaffenheit des Kluft -Netzes; 
alle Ivranaten werden nämlich von etwas gebo- 
^u u::d. soweit sie einander entsprechen, nicht 
immer parallel verlaufenden Quer- und Längs- 
klütteu darchsetzt, von denen die gleichnamigen 
einander gewöhnlich auslösen, stellenweisd ein- 
ander sehr genähert, stellenweise (zumal die 
Längsklafte) bis über 1 mm von einander ent- 
fernt laufen: an einem 6 mm hngen uud etwa 
1/2 mm breiten Granat -Längsschnitte waren 
Längsklüfte zu beobachten, die bis auf 2,3 mm 
Erstreckung stetig verliefen ; sonst lösen sich, wie 
gesagt, diese dunkeln, z. Th. mit Eisenoxydhydrat 
impragnirten und mehr oder minder breiten 
Klüfte gern aus ; trotz dieser Auslösungen hängt 
jedoch das Kluftnetz in allen seinen Partien zu- 
sammen, ist wesentlich einheitlich orientirt und 
bildet ein zusammenhängendes Gitterwerk, wie 
solches nur bei einem Individuum, nicht bei ei- 
nem Körner- Aggregate zu finden sein dürfte. Die 
Klüfte entsprechen dabei wohl den Spaltbarkeits- 
richtungen nach cx>0. — Neben diesen Granat- 
säulen, die jedenfalls der linearen Parallel« 
structur, d. h. der Fluctuation bei der 6e- 
steinsbildung ihre derselben parallele Lagerung 
und säulenförmige Ausbildung verdanken, 
letztere als Verzerrung nach den rhom- 
bischen Zwischenaxen betrachtet, finden 
wir in dem gröberkörnigen Gneiße (seine durch- 
schnittliche Korngröße beträgt 1,2 mm) noch 
klerne Granatkömer, allerdings in ganz spär- 
licher Menge; sie liegen in näch8ter|Nachbarsehaft 
often säulenförmigen Krystalloide , und 
ähnlich in der Verlängerung derselben 



159 

und besitzen circa 0,2 mm Durchmesser; auch 
ne sind oft, bei gleicher Orientirang ihrer betr. 
Dimensionen und Spaltnngsklüfte mit den gro- 
ßen Säulen, in deren Längs-Richtang sie liegen, 
etwas verzerrt; manche von ihnen zeigen Kry- 
stallformen und zwar einen sechseckigen Durch- 
Bchnitt, dessen der Fluidal-Bichtnng und so auch 
der Längsrichtung der benachbarten Granatsäule 
paralleles Seitenpaar etwas länger als die anderen 
ist; so hat z. B. ein dergleichen »Trabant« in 
der Fluidalrichtung 0,23 mm Durchmesser, quer 
daza aber, in welcher Richtung gewöhnlich Elüfte 
angedeutet sind, nur 0,17mm. Nach der Form 
dieser kleinen Trabanten zu urtheilen ist also 
die Normalform der Granaten dieser Gneiße das 
Bhombeudodecaeder. 

In Betreff der mikroskopischen Interpositio- 
neu unterscheiden sich die Granaten der beiden 
Gueißvarietäten etwas, wenn auch nicht wesent- 
lich; unter jenen finden sich nämlich nicht selten 
Partikel der übrigen Gesteinsgemengtheile , so 
z. B. meist regellos gestaltete, aber an Größe 
mcbt unbedeutende (zuweilen schon makrosko- 
pisch erkennbare) Glimmer-Fetzen, Quarz-Eörner 
etc.; in den Granaten des kleinkörnigen Gneißes 
Wbachten wir deßhalb häafig Apatit-Säulen, 
deren die Granaten aus dem größerkörnigen Gneiße 
l>egreiflicher Weise ermangeln. Wichtiger und 
interessanter, dabei den Granaten beider Gesteine 
gemeinsam, sind von mikroskopischen Interpo- 
ütionen farblose, nadelähnliche Mikrolithe; ihre 
^Dimensionen betragen im großkörnigen Gneiße 
durchschnittlich 0^07 mm in der Länge bei 
0,003 mm Breite, im kleinkörnigen aber sind 
sie 0,5-0,025 mm lang und 0,025—0,002 mm 
jlfdit; sie endigen meist flach abgerundet, die 
längeren unter ihnen aber sind zuweilen mehr- 
fach quergebrochen. Ihr LichtbrechungaY^vsil 



160 

gen nuig wohl von dem des Granats sehr \ 

irachen, denn sie erscheinen verhältniBmä 

imikri umrandet ; dabei zeigen sie, nnr mit d 

Poluriaator geprüft, deutlich Lichtabsorption, i 

stirai anf polarisirtes Licht.schon chromatisch i 

idachen zwischen gekreuzten Nicola bei (schon 

angenäherter) ParaUelstellong ihrer Längsrichti 

tu einer Nicol-Diagonale ans. Die Menge, in 

sie in den einzelnen Granitindividuen auftreten, 

sehr Terschieden; einzelne Granatdurchschn: 

sind 80 reich an ihnen, daß sie grau gefasert i 

fast Toll^tindig doppeltbrechend, allerdings i 

Ag^fr^t-Polarisation erscheinen. Ihre Ano 

T.iiDjr in d^n Granaten erweist sich zuweilen we: 

l^c^etsmUKg; wirr gehäuft, meist aber in Böse 

«mi ^triuig* gruppirt vermeiden sie die Li 

qiMC tnr längsaxe der Granatsäulen und hat 

^^ <irsio-hlIieh eine Concordanz mit der Yerz 

Tt^nipt^Kichtnuff des Granates angestrebt. I 

IVWrgwifcu ihrer einzelnen Individuen wie ih 

St^^S* von Granatpartikel zu Granatparti 

^Koni au Korn) bezeugt dabei auch die Zusa 

i^^^njt^Origkeit dieser Elüftungs-Eörner zu ein 

luditidmuu; zuweilen schwenken ihre Bün 

und 8tr&uge, den Granat-Umrissen folgend, 

d^n Knden der Granatsäulen scharf faerc 

8uul diese Mikrolithe vorzugsweise im Grai 

iuUrpouirt, so treten sie doch auch hin n 

wimiar in den andern Gesteinsgemengtheilen i 

\iUii »lud insbesondere im kleinkörnigen Gnei 

^u «lob ihnen oft bis 1 mm lange Apatit-Si 

Wu gesellen, einzelne Feldspathindividuen s< 

rtlloh daran, abgesehen von den gewohnlich i 

\\m Ilandzonen des Feldspaths; ihre Anordnu 

int dann eine ähnliche wie in den Granate 

in diesen völlig farblosen Wirthen aber ersch 

* K falls sie nicht zu dünn sind, um < 

nng zum deutlichen Ausdruck komm 



161 

za lassen, blaßgrünlich oder flaschengrünlich und 
deatlich dichroitisch ; daß die in dem Granat 
inierponirten Mikrolithe diese Erscheinung nicht 
erkennen lassen, schreibe ich einzig der blaß- 
lothlichen, complimentären Färbung des Wirthes 
so. Welchem Minerale diese Mikrolithe ange- 
liSren, läßt sich nicht sicher entscheiden; sie 
ihneln den in yielen Cordieriten vorkommenden 
MikroUthen; ein Yorkommen solcher oder dem- 
Shnlicher in Granat ist aber bis jetzt nicht be- 
kannt; nur » blaßbräunliche € , dem Turmaline 
resp. dem Zirkone zugerechnete Mikrolithe ha- 
ben Zirkel und Ealkowsky (Mikr. Beschaffenh. 
d. Min. u. Gest. 8. 196; Zeitschr. d. geol. Ges. 
1876, S. 682) aus Granat beschrieben; blaß- 
bräunlich sind sie aber entschieden nicht; ich 
möchte eher annehmen, daß sie der Hornblende 
angehören, obgleich Hornblende unter den eigent- 
lichen Gesteinsgemengtheilen dieser Gneiße fehlt, 
und zwar bin ich zu dieser Annahme geneigt 
anf Grund ihres optischen Verhaltens. — Nur 
im Granat des größerkörnigen Gneißes habe ich 
weiter äußerst kleine, rundliche oder unregel- 
mäßig schlauchförmige, in Schlieren und Flasern 
ffehäufte Interpositionen beobachtet; die in die 
Lange gezogenen, ei- oder schlauchförmigen In- 
terpositionen sind concordant der Richtung der 
Schlieren und Flasern in ziemlich gleichen Ab- 
ständen geordnet und diese, nicht gerade zu häu- 
figen, aber auch nicht überaus spärlichen Schlie- 
ren durchsetzen die Granatsäulen-Längsschnitte 
^gefähr in querer Richtung. Ueber die Natur 
dieser Interpositionen konnte ich mir auch nicht 
Gewißheit verschafiFen ; anscheinend sind es Hohl- 
ränme und feste Körperchen, letztere wohl oft in 
ersteren (möglicher Weise auch z. Th. träge Bläs- 
chen führende Flüssigkeiten !) ; nur soviel ist zr 
^^onstatiren, daß die bezeichnetiBnSchVaue\\^XQfi» 



162 

iceiA homogenes Inpere besitzen, sondern noch 
duojcle Sabstsmz fobrop nnd dass ia 4ßn Siehlie^ 
reu ¥iele i^n^rh^Ib oder aoBerhajA) der SohlSpAh? 
bßimdliche Partik^ ;^af polari^rtes Licht ref^^n^ 
Vor dem Löthrohre gabea betr. Granats^jjljteir 
keine charakteristische Reaction, desglsic^ei^ nipl^ 
bei üntersnchnng mit dem Spectral«-Appacatot 
welche Üntersnchnng Herr Dr. Bente so freund- 
lich war mit dem Apparate des agricnltnrchemi- 
scben Laboratoriums auszuführen. Die quanti- 
tative Analyse, welche ich der Freundschaft des 
Herrn Dr. Polstor£P verdanke und deren Resul- 
tate nuten folgen, giebt auch keinen Au&chluA 
über den Farbstoff des Granats, denn Herr Dr» 
Polstorff constatirte, daß Mangan vollständig 
fehle. Die Analyse ist mit äußerst wenig Sub- 
stanz, nur 0,23 grm ausgeführt, die ich mit der 
Lupe aas zerstoßnem Materiale des kleinkörni- 
gen Gneißes ausgesucht hatte. Die beiden Ozy— 
dationsstufen des Eisens konnten der geringen. 
Menge des Materials wegen nicht getrennt be- 
stimmt werden; es wurde nur FesOs bestimm'fc 
und zwar mit 43,07%; der größte Theil de^ 
Eisens dürfte jedoch als Oxydul zugegen aeiim 
wenn auch nicht in so großer Menge, wie ida»- 
um die Summe 100 zu erhalten, angereohn^ ' 
habe. Die Analyse ergab darnach: 

ßi 0« 43,64 o/o ; Sauerstoff: 23,27 = 2 x 1 1,63- 

AUO« 11,63 5,419\ .ak 

FejOs 1,77 0,531/ ^'^^^ 

FeO 37,16 8,256 J 

MgO 3,78 1,512 10,8Ai= 

CaO 2,02 0,577 ) 

Summe : T00,00 

Wie ersichtlich, fügen sich die erhaltenen 
Werthe keiner Formel und mag dieser Umstacxi/ 



163 

einerseits daher rühren, daß die Gewichtsbestim- 
naungen wegen des zu geringen Analysen-Mate- 
rials zu ungenau sind, andrerseits daher, daß die 
mikroskopischen Interpositionen das Resultat 
beeinflussen; letzteren, insbesondere eingewach- 
Benen Quarzpartikelchen und kieselsäurereichen 
Silicaten (den kleinen, in Masse auftretenden 
Nadeln!?, die darnach wohl der Hornblende zu- 
gehören dürften) ist gewiß der für Granat allzu 
hohe Eieselsäuregehalt zuzuschreiben. Hat dar- 
nach die Analyse auch nicht alle Räthsel gelöst, 
80 ist doch wohl sicher , daß der betr. Granat 
der Gruppe der Eisenthongranate angehört. Es 
sei deßhalb erlaubt, ihn noch mit einem andern 
Eisen-Thon-Granate aus Gneiß derselben Fund- 
statte zu vergleichen. Dieser kommt in einem 
großkömigen, dunklen aber nur Biotit-haltigen 
Gneiße vor, erscheint in rundlichen Kömern, 
schließt keine nadeiförmigen Mikrolithe ein, son- 
dern erweist sich ziemlich homogen und in der 
Farbe sehr dem vorbeschriebnen ähnlich; sein 

2>ecifisches Gewicht bestimmte ich zu 4,09; zur 
nalyse, die Herr Dr. Polstorff ebenfalls anszu- 
ßihren die Freundlichkeit hatte, konnte ich auch 
nur wenige Gramm aussuchen, doch erlaubte 
selbst diese geringe Menge die Hauptwerthe der Ana- 
lyse mehrfach zu bestimmen. Die Werthe sind: 

810, 38,32 7o; Sauerstoff: 20,43 = 2 x 10,225 

Fio'.S 1JSJ}11,27= 1,102x10,225 

FeO 32,06 7,121 

SSo 2% »8,68=0,839x10,225 

CaO l',81 
A ftalien Sporen. 

100,44 
Dieser Granat enthält also merklich weniger 
Kieselkure, Magnesia und Kalk, an deren Än- 

14 




1(}4 



nNtfhMnuig im «ntbesehriebeiieQ GraDat 
jmy id u Mtoi , wohl die interponirten Mit 
dum Sehidd tragen dfirften. Elntspricht ai 
da» VerhiltniB der Saaerstoff-Mengen der 
daäotiuiiitefeii , wie lu ersehen (2 : 1,102 : 
ttiükk genau dem durch die Granatfonn 
tangten 9 : 1 : 1» so wird doch die Verwand 
«it anderem Eiaen-Thongranaten ersi* 
w^tttt wan das Heenltat der Analyse mit 
ni^n aadeiwr« heao n de rs des Almandin 
^Uwwr «fei «uaes Onnals ron Orawit: 
^(imM: Wlalwt bnde differiren in der 
<ibtgiiiMiHpt v^w diesem Weilener Granate 
vKi^"^ II atti nimmt dieser Granat von ^ 
i|m< iw» AnalTse hierunter nochmals (an< 
awwdiMi denen jener beiden folgen soll , 
Nur labnsehen Ton der Thoneidemeng« 
Milk4tleUnag xwisdien ihnen ein. 

U Almandin (rother Granat) vom Grei 
Killerthal, nach Eobell in Schwgg. J. 64 

III« Granat ans Glimmerschiefer von Oi 
im Bannt, nach KjemU; im J. f. pr. Ch. 6 



L 


n. 


IIL 


SiOi 39,12 


38,32 


37,52 


AltO» 21,08 


21,55 


20,00 


FetOb 6,00 


4,10 




FeO 27,28 


32,06 


36,02 


MnO 0.80 


0,85 


1,29 


MgO ^ 


2,25 


2,51 


CaO 5,76 


1,31 


0,89 


100,04 100,44 


98,23. 



165 

Naehriehten \^^ ^^ 

von der KönigL Gesellschaft der Wu^"" *** 




f Schäften und der G. A. Universität ^^cb^^-w- 

Göttingen. ^'^ 




27. Februar. M 4.' 1878. 



Uugiiclie Gesellschaft der Wissenschaften. 

Sitzung vom 2. Februar. 
(Fortsetzung). 

Die eigentliche Accentuation des In- 
dicativ Präsentia von ig 'sein' und y« 
Sprechen', so wie einiger griechischen 

Präpositionen. 

Von 

Theodor Benfey. 

§. 1. 

In der 'Zeitschrift für vergleichende Sprach- 
forschung, N. F. ni. S. 581' heißt es in einem 
Aufsatz von OsthoflF über griechisch i(S&k 'sei': 

'Nebenbei bemerkt, ist dann dagegen im 
griechischen Sing. Präs. der Accent von der alten 
Norm abgewichen und hierin haben sich viel- 
Diehr ic-i^i sl-f^ij ia-ai, ia xi nach den von alters 
her oxytonierten Pluralformen gerichtet, so wie 
*^ich * bei der ebenfalls stammabstufenden Wurzel 
9^ die Singularfornien (pfi'fJtiy (ffi-üi ihren Accent 
^^ch dem Plural tpa^ikiv^ (pa-ii^ dorisch (fa-v%i 
^^rändert haben müssen'. 

Der Herr Verfasser hegt also die Ansicht, 

15 



/ 

r 



IW 



it.ii r.- A- • •• V ä^-wr I:i<iieabTe des PräseDS 

^r^;. u. liMi.^*:' .c-'U .ifüCTiicli gewesen sei, 

tTi'"i'^i 11 S:.'>Är'.*: :::> Ti: as entgegentritt 

r^x r.v:* i«wi-i« . . i. "•T • i^ci f5r griechidch 

e- ..i. :?*.c. 1 .1 '<^:. N -ii^ien wir einen Angen- 

.... . a ..^ .— ^:::. fcr '^ZT^h^^' mit BBkr. 

.,. ^*. c-.iicvi ir*.:::>jcii5e!. eine Anr-aLme, welche 

^ .-.:;><: iieir.Iioakeit ßr ?ü hat, da 

. ^ . -i^.?^:iea iad Gewahre: «.lien durch 

..^'-u liu Sprechen' (gewisserxn&JiHi durch 

». T0Oii;'Ie . die Wörter für die Begriffe 

^ c. • .i, ti:,ra. sprechen', aufs en^te zusam- 

,r>. .-^^t-ii. üi- ^- B. im Sanskrit i-Ayd "schauen' 

.. *j.itciieii". r ik6h 'Sehen' und 'sagen', latei- 

^:; i.* i. B. in dic-are in-dic-are^ ju^ic) ^ 

^ ,,,. . i$x :»kr. dir u. 3. w. *zeigen' und in die 

^.: .cH. Bildung nach Analogie der sskrit 

.>itu /jii.iagutions-Classe) 'sagen'. Dann wür- 

.'.:: -iC'i jiuiiuder gegenüber treten: 

>^«itskritisoh griechisch sanskritisch griechisch 
v...^iii:ir: .isuii **?/iä* bhä'mi *7'^/«« 

äsi €lg ei hhäsi q^^^ 

Hsti icu bhä'ti *9>^a» 

*u.i- ^' *thas Ij,,^' bhäthäs ) 

<. stäs r*^" bhätfe l»'«»' 

V\\xx. siuas idybiv hhämäs fpaiiiv 
stha iciti bhäthä ffati 

siiuti €l(Si{y) hhänti fpatA{v) 
Ich darf nicht umgehen, darauf aufmerksam 
,vi uuv'Uon, daß in dieser Uebersicht weder sskr. 
jifMiCf t\\ griech. sicl{y) noch hhä'nti zu q>afsi{y) 
»tiutmt und ich glaube, daß dies wohl manchen 
^c^^'iv die Annahme einer eigentlich gleichen 
\v\viituation dieser Formen im Sanskrit und 
VihuH^hiHchcn etwas stutzig gemacht haben würde. 
tVuit PH git)l)t keine einzige, irgend verlässige, 
^»ur, (laß iu den indogermanischen Sprachen 



167 

jBütols' döi^ Adcent in der 3tön Person Plur. auf 
darf austeittiide' i geütfeto sW; zWai* existirt eine 
ErfeHemnllig, WeleS^ anf deÄ' ersteit Anblick fufr 
SS idö^ichkciill 6inär solchen Accisntcraftion zu 
q^icbeii! sdieiÄen könnte, abeil wer sie kennt, 
fdii deifi biii^ ich' überzeugt;* äeiß er auch nach- 
liaweibeiif iiA' Ständig üät^ daft^ eine derartige Fol- 
gerung aus ihr htig sein würde, und halte es 
«her fui^ Papier- und Zeitverschwendung, sie 
l^f zu didcutiren. 

Ich halte dtAt^f Aies^ Differenz für eine sehr 
tedeuf^nde rriid glaube,' daß sie^ im Verein mit 
an^OTiefii iloAi'önterf, un-s gegen des Verfassers 
Aflfcfah]!i^e, daß die Accentuation des Duals und 
Plurals itff Griechischen dadurch zu erklären sei, 
isA in- ihr die ttrsprüngliche indogermafnische 
bewahrt sei, sehr bedenklich machen muß. 
ßegeÄ dief -7 ohnd jeglichen Grund — bloß 
durch dÄ« S^tlußwobH; 'jtoüssen' dem Leser auf- 
gezwuÄgetie Erklärtmg der Umwandlung des 
früheren Äcceiits des Singulars durch den Ein- 
IbB dfes Dätth und Plurals wird «i<ih wohl jeder 
Us^i von disllbst alufl^6nei>; denn er wird nicht 
^iläif k^l^tfo^ii ,' die* Frage auizuwerfen ; wie so 
lomiili^ D^al' und Phir. dazu, hier eine solche 
^tt MBlt^heÜ^ da' sieh sonst auch kein ein- 
zigi^fFäll liachWbis^n lä!ß^, in welchem sie einen 
^äehen öäer üu^ äJhiilichen Einfluß auf den 
^B^lar anxsgifeübt hättet*. 

§. 2. 

Gegen die Annahme, daß die Accentuation im 
Dual und Plural als Bewahrung dfer ursprüng- 
lichen indogermanischen aufzufassen sei, spricht 
*W, außer jener Differenz in der 3ten Person 
Wut. (rfcrf(f') gegenüber von sänti, g)aal{v) von 
^nH) noch der Umstand, daß der einstige in- 

15* 



168 

dogermanische (im Sskrit bewahrte) Accent auch' 
sonst in diesen Verben nicht bewahrt ist. Wie 
so wäre es z. 6. zu erklären, warum der ur- 
sprüngliche Accent, wenn er im Doal und Plnr. 
bewahrt wäre, nicht auch z. B. in 2 Sing. Im- 

Serativi bewahrt ist; diese Form lautete in der 
rrundsprache as-dhi, warum nicht auch im 
Griechischen ttsdt, warum Jcr^«?, warum femer, 
gegenüber von grundsprachlichem astat^ nicht 
Icttui, sondern scrreo, warum gegenüber von 
ds'tdm nicht iatov, sondern sötoy, von ctö^ä'm 
nicht iatwv sondern atnoav, von ds4d nicht i^d, 
sondern eotv? Ebenso von 9>a, wie Buttmann 
mit seinem feinen grammatischen Tact, bei dem 
Streite der Grammatiker, richtig annimmt, nicht, 
nach Analogie von grundsprachl. hha-dM^ ipa9i 
sondern yd^k? 

Allein in Bezug auf diese Accentuationen 
von Iks&i u. s. w. stehen diese Formen nicht 
vereinsamt, sondern vielmehr in Analogie mit 
andern griechischen, welche, bezüglich des A&- 
Cents, sich in demselben Gegensatz zu der 
grdsprchlichen und sskr. Accentuation befinden ; 
so z. B. von i 'gehen', grdspr. i-dhi irtat u. s. w» 
aber im Griech. i&$j %%(o u. s. w., von vid 'wissea* 
grdspr. md-dU, vid-tat, aber im Griech. cicr*», 
piotiA, Ganz analog steht dem grundspraohücheii 
ar-nu-mäs (sskr. m^umäs) im Griechischen nicht 
dqpvfjtip^ sondern oQVVfMV gegenüber, dem grund- 
sprchl. dadhärmds (= SBkr.dadhmds) nicht u9s'' 
Ikiv^ sondern Ti&sfisy und ganz oder wesentlicli 
gleich ist die Differenz in allen denjenigen Bil- 
dungen, welche im Griechischen sanskritischen 
Formen der sogenannten 2ten Gonjugation eat- 
sprechen* 

Mit einem Worte: Während im Sanskrit die 
Personalendungen des Singulars des Präsens und 



169 

Imperfect des Parasmaipada; der ersten Personen 
des Imperativs, und der 3ten desimperat. Sing. 
Parasm. aaf tu unfähig sind den Accent zu 
tragen, haben die übrigen des Präs. Impf, und 
hnpty. in der 2ten Gonjugation diese Fähigkeit 
bewahrt. Im Griechischftn dagegen giebt es 
außer sieben Formen des Präs. Indicat. von ig 
und gia auch nicht einen einzigen Fall weiter, 
in welchen die Personalendungen den Accent 
haben können. • 

Diesem umfassenden Gesetz gegenüber wäre 
es doch wahrhaft wunderbar, wenn sich die ur- 
sprüngliche Accentuation der Personalendungen 
als eigentliche im Dual und Plural von ig und 
(fa erhalten haben sollte und sogar so mächtig 
gewesen wäre, allen Analogien zum Trotz, diese 
Accentuation auch dem Singular aufzudrängen, 
welcher, wie die sogenannte Gunirung der den 
Personalendungen vorhergehenden Silben in der 
2ten Gonjugation zeigt, schon vor der Spaltung 
unfähig geworden war, die Personalendungen zu 
iccentuiren. 

Demgemäß dürfen wir unbedenklich anneh- 
men, daß die Oxytonirung des Präs. Ind. von 
k nnd qfa (außer 2 Sing.) wohl einer anderen 
Erklärung bedarf, als der von Osthoflf, ohne je- 
den Versuch einer Begründung, aufgestellten. 

§. 3. 

Die Erklärung, welche mir die richtige scheint, 
l^&be ich schon seit Jahren in meinen Vorle- 
sungen über vergleichende Grammatik der Indo- 
germanischen Sprachen mitgetheilt; sie findet 
sieb schon in einer der ältesten Bearbeitungen 
derselben (Heft Nr. XLVI S. 4). Allein sie ist 
üicht in allen Semestern , in welchen ich diese 
Vorlesung hielt, vorgetragen. Penn der große 



170 

rtufttug meines Heftes nothigte mid^, bald d 
bald andere Theile desselben aiiiS2uc^aB6eD. 

kh nehme an, daß der Indicativ .<Jes. Präsei 
von i^ sowohl als ya, gleich wie deren übrij 
Formen, ganz nach Analogie der nbrjgeia z 
derselben Categorie gekörigea Verba im Griech 
sehen accentuirt war, d. h. unfähig war, ^ 
Accent auf den Personalexponenten ;&u sprechen 
daß aber in Folge ihres vorwaltenid enx^Utdfiche 
Gobrancbs — ? d. h. beziehungsweise TÖlligjBr Tor 
losigkoit, oder — in Folge des iin griechische 
enrmickelten Einflusses der Silben^bl ß^t di 
HiVetttuation im Satze — Eintritt de^ Gravi 
od«r Acut auf der letzten Sil^e — j^ Ursprung 
Yit^ Accentuation — außer in 2 Sing, slg un 
fpjjCs und in 3 Sing, ian unter gewis&nen JB^dii] 
pii»^u — ganz vergessen und die Oxytonijrung - 
HTil^r in den angeführten Formen des 2te 
Äi*;^» — irriger Weise als die ursprüngliche an 
^^«ioiumen ward. 

\)h diese Auffassung mittlerweile von irgen 
^Sv^oiu andern Grammatiker — unabhängig vo 
^\T — veröffentlicht ist, wageich weder zu b( 
^^w noch zu verneinen. Denn ich darf nicl 
xv^r^chweigen, daß ich seit 1868, in welchem Jah 
}f^\\\ eines Auge plötzlich erblindete, das andi 
yAw geschwächt ward, nicht mehr im Stand 
^\n, so viel zu lesen , als ich früher für mein 
»^rtioht hielt. 

faliue vollständig verschiedene Ansicht war 
\\u* zwei Jahren von einem meiner begabteste 
Schüler, J. Wackernagel in der Zeitschrift fii 
^tii'tfleichende Sprachforschung N. F. III. S. 457 f 
xorgetragen. Trotz der darin unverkennbar heri 
)^^»himden Sorgsamkeit der Ausführung im Ein 
«iiliHUi gestehe ich, daß ich durch sie nichts wc 
wlgur aU überzeugt und weit entfernt bin ih 



171 

beitreten zu können. Die Gründe meines Wi- 
derspruchs hier anzuführen verstattet mir meine 
dnrcn andere Arbeite^ in Anspruch genommene 
Zeit für jetzt nicht; man wird sie jedoch der 
Abhandlung entnehmen können, in welcher ich 
die Einbuße und Bewahrung des Verbalaccents 
in den Veden erörtern werde. Nur in Bezug 
auf einen iPunkt verstatte ich mir einige Worte. 

Wackernagel bemerkt nämlich S. 457 in Be- 
zog ^uf die Erklärung dieser Eigenthümlichkeit 
des Präsens Jndic. von elpk und q^ijiJtn ^Die zu- 
Mchst liegende Erklärung, die Zurückführung 
der Tonschwäche auf Schwäche und Farblosig- 
leit der Bedeutung^ die sehr einleuchtend wäre, 
venn st/Ai allein stände, wird durch qtfjiAl^ das 
gewiB von ebenso voller Bedeutung ist, als jedes 
andere Verbum, unbedingt ausgeschlossen'. 

Mir scheint diese Unbedingtheit sehr zweifel- 
haft. Denn wenn wir unsern Blick auf die 
Worter werfen, welche in den verschiedenen 
Sprachen tonlos werden, oder ihren Ton behal- 
hn, dann erkennt map^ daß es äußerst schwierig 
ist sichere Gründe für diese Erscheinung in je- 
dem einzelnen Fall anzugeben, daß man sich 
begnügen muß, anzunehmen , daß in der einen 
Sprache dieses in der andern jenes bald durch 
8ebe Bedeutung allein, bald durch Verbindung 
derselben mit einem nicht sehr ins Gewicht fal- 
lenden Lautkörper nach und nach seinen ur- 
sprünglichen Ton verlor. So wird z. B. das 
»krit. Präsens Indic, welches dem griechischen 
«'jt»» entspricht, bezüglich des Accents auch nicht 
entfernt anders behandelt, als alle übrigen Prä- 
sentia; es verliert oder behält ihn, wo auch 
diese ihn verlieren , oder behalten. Wie wenig 
das, was u n s Farblosigkeit der Bedeutung scheint, 
entscheidend ist, zeigt, daß z. B. das lateinische 



172 

Verbam substantivuin seiueu Ton durchweg be- 
wahrt hat und eben so das deutsche und das 
vieler anderen Sprachen. Umgekehrt wird man 
wohl kanm eine Sprache nachweisen können, 
wo ein dreisilbiges Wort, mit starkem Laut- 
körper in der Bedeutung *jeder, alle, irgend ei- 
ner (in negativen Sätzen d. h. nicht irgend einer = 
keiner), ganz' tonlos geworden wäre, wie dies 
mit dem sanskr. samdsmat, samasya^ samcismin 
saniasmai^) eben so sehr, wie in dessen zwei- 
silbigen Casus samam, same der Fall ist. Es ist 
daher nicht im Entferntesten mit Gewißheit zu 
behaupten^ daß das kleine Wörtchen y>^(A$ u. s. w. 
nicht in der lebendigen Sprache — vielleicht 
sehr oft — in einer Weise gebraucht ward, daß 
seine Bedeutung ganz farblos zu sein schien. 
Brauchen wir doch unser 'sagt' in der lebendi- 
gen Rede oft genug so, daß es eigentlich über- 
flüssig ist; ich erinnre in dieser Beziehung nur 
an das bekannte Couplet in 'die Wiener in. 
Berlin': In Berlin, sagt er', mußt du fein, sagb 
er und gescheidt, sagt er u. s. w. 



1) Es gehört nicht wieGrassm. unter sama annimmb 
zu vrikäya, sondern, wie Sdyana es constrniri, zu cighäyaUw 
Das Uebergreifen des Sinnes aus einem Stollen in den. 
andern, findet im Yeda zwar nicht sehr häufig statt, abei^ 
doch häufig genug, um es in aUen Fällen anzonehmen^ 
wo sonst, wie hier, eine falsche Wortstellung oder txcm- 
unangemessener Sinn eintreten würde. Leider hat aod^ 
Ludwig die irrige Gonstruction. Die beiden Stollen findeiv- 
sich Bv. YL 51, 6 und lauten 

mä' no vrikä'ya vriky^ (zu lesen vrikie) samasrnft 
aghäyate riradhata yajatrah. 

Wenn samasmai zu vrikd'ya gehören sollte, 
vrikyh nicht dazwischen stehen. £s ist zu übersetzen 
Üeberlaßt uns nicht dem Wolf, der Wölfin, nidit irgeni 
einem (d. h. keinem irgend) Bösgewillten'. 



173 

§.4 
Ich nebme also au, daß der Indic. des Pm- 
aens cl/t*«, VW^ ^™ Griechischen, nachdem die 
. Unfähigkeit die Personalexponenten zu accen- 
toiren, sich geltend gemacht hatte, ganz nach 
Analogie des Präsens von l 'gehen' accentuirt 
ward, also 

S(fu g)^(f$ 

Sctov {pdrov 

s(f[A€P g)d(i€P 

8(fl€ (pdix 

ela$ (pdiSi, 

Nachdem aher diese Formen, mit Ausnahme 
von 2 Sing., in den meisten Fällen enklitisch — 
cL L eigentlich tonlos und nur dann accentuirt, 
wenn die Wortverbindung einen Accent for- 
derte — geworden waren, wurden sie ganz so 
behandelt, wie andre zweisilbige Wörter, welche 
[ ihren ursprünglichen Accent einbüßten. So z. B. 
^Uq lern, gerade wie 9tai uvog\ ipiXoq iöii, wie 
iUog novi] aiXa^ ia%\v Sv&a, wie aiXa^ noiü 

Daß diese Auffassung richtig ist, dafür spricht 
die Vergleichung andrer zweisilbiger Enclitica. 

So wird z. B. das Fragwort %ig in allen 

zweisilbigen Casus paroxytonirt ; wo es dagegen 

ftls Pronomen indefinitum gebraucht wird, ist es 

rin Encliticum. Es wird nun aber wohl noch 

Niemand eingefallen sein anzunehmen, daß es in 

letzterer Bedeutung ein ganz andres Wort sei, 

als in ersterer, und wenn es Jemand einfiele, 

^Jeße sich durch Vergleichung der verwandten 

^P^achen die richtige Auffassung leicht erweisen. 

^*s Verhältniß ist augenscheinlich dasselbe, wie 

^*® unsres Frageworts wer zu dem indefiniten 



174 

wer, z. B. Wör war das? Aber 'es ist wer j 
koinmen\ In letztrem Fall wird der Accent < 
Fragpronomens so sehr gedämpft, daß das Wc 
wie mg für zig, nvog für fipog n. s. w., ton 
gesprochen wird. 

So ist auch die ursprüngliche Accentaati 
in nöi^t bewahrt, wie nicht bloß durch die ; 
kliuatiousunfähigen av&k S^t td^$ äXXo&k < 
tö^k odQttPd&t ix€t&tj sondern auch und vorzuj 
weise durch das sskr. ädhi erwiesen wird, 
indefiniter Bedeutung dagegen ist es tonlos { 
worden, fällt aber unter die Regeln über < 
Enclitica, d. h. einen Theil der Regeln, welc 
im Griechischen die Veränderungen des Toi 
der Wörter im Zusammenhang der Rede — 
Satze — bestimmen. 

Beiläufig bemerke ich, daß man auf den < 
sten Anblick über den ursprünglichen Acce 
von nöd-sv schwanken kann (eigentlich nöi 
wie nqogd'e dniö^e^ vvq\q\lq nqog^ev und oTrto^ 
nur vor Yocalen lauten, und die Entstehung c 
Endung aus ursprünglichem dhas zeigen; d 
aaslautendes g im Griechischen bisweilen eingebt 
wird, zeigt z. B. «f neben dg, auch wohl ovt(o neb 
ovKKag wo tfag bekanntlich für ursprüngliches %(o% 
sskr. tä% altem Ablativ vom Pronomen tä = 
steht; daß ferner das v ephelkystikon bisweil 
fest — integrirender Bestandtheil eines Wortes 
ward, zeigt insbesondere die Endung der 3. Pli 
Imperativi -vtwv, statt deren z. B. auf dorisch 
Monumenten vzw, ohne v, erscheint, welches c 
richtige Reflex der indogermanischen Form n, 
ist). Im Sskrit erscheint nämlich nur eine e: 
zige Bildung auf dhas^ nämlich adhds (= grie< 
Svd-sv = lat. inde^ wie sskr. adha = grie( 
svx^a = lat. indu; wegen des Mangels des n i 
Sskrit vgl. man für jetzt lat. infero infimo = 



175 

fiskr. ddhara^ adhamd)^ welche oxytonirt ist. A]r 
lein die Analogie der übrigen griechischen Bil- 
dungen auf ^€Pj von denen keine oxytonirt ist, 
Tgl. z. B. i^i&BV äXXo&ßv, so wie der auf ^k und 
^a machen es mir wahrscheinlich, daß auch in 
ivi^sv die alte — wenigstens griechische — 
ILccentuation anzuerkennen ist. Im Sanskrit 
nnd noch mehr Differenzen zu notiren , z. B., 
neben äiha^ $ahä für sadhd. 

§. 5. 
Ich glaube, daß ich zur Begründung meiner 
Auffassung, daß €tfM& iatov iafAbV stsrs elat, so 
wie (ptjfbk u. s. w. im Griechischen, so lange sie 
nicht enklitisch geworden waren, nach Analogie 
von slg, Sott also €tfA& itswv u. s. w. accentuirt 
wurden und erst, nachdem sie enklitisch gewor- 
den, wesentlich wie das indefinite thvoq behan- 
delt wurden, weiter nichts hinzuzufügei^ brauche. 
Allein, da ich in meinen Vorlesungen über ver- 
gleichende Grammatik bei dieser Gelegenheit 
auch einige Präpositionen besprach, deren ei- 
gentlicher Accent aus ziemlich ähnlichem Grunde 
in der Griechischen Grammatik verkannt ist, so 
möge mir verstattet sein, auch das darüber mit- 
getheilte hier zu veröffentlichen. 

§.6. 

Daß die sogenannten Proclitica ursprünglich 
accentuirt waren und nur durch ihre Stellung 
vor depa Worte , mit welchem sie dem Sprach- 
l^wußtsein in innigster Verbindung zu stehen 
"Whieiien, ihren Accent einbüßten, wird Niemand 
iestjreiten. Durch Aufgabe ihres Accentes ver- 
Wen sie gewissermaaßen ihre Selbständigkeit 
^nd wurdjen fast ein integrirender Theil des fol- 
genden Wortes. 

Für ^ wird die ursprüngliche Accentuation 



176 

durch die entsprechenden accentnirten F< 
des Sanskrit sd sä erwiesen; daß also ai 
ai einst accentnirt waren, versteht sich der 
Yon selbst. Bekannt ist, daß der Pronoi 
stamm sä eigentlich der und einer bede 
Durch die im Griechischen eingetretene S 
chung des Pronomens zum Artikel erklär 
die Einbuße des Accents, jedoch nur thei' 
zum nicht geringen Theil ist sie zugleich 
des schwachen Lautkörpers dieser vier Fo 
wie sich daraus ergiebt, daß in allen ül 
Gasusformeu, Ntr. %6, Acc. Msc. %6v u. s. ^ 
Accent sich erhalten hat. 

Daß 0^ ursprünglich accentuirt war, wir 
durch erwiesen, daß am Ende des Satzei 
in einigen andern Fällen ov, mit Acut, ersc 

Auch fiq findet sich mehrfach mit A 
und zwar in der Bedeutung von ovt(oq mil 
cumflex w^j also gerade wie niaqs nach Her 
(de em.gr. Gr. rat. p. 119) auch %äq (statt 
so daß wohl dies für den eigentlich griechii 
Accent zu nehmen ist; steht es hinter 
Worte, dem es vorhergehen sollte, dann ersc 
es mit Acut. 

Endlich hat auch ix^ i^, wenn es dem T^ 
dem es vorhergehen sollte, nachsteht den 
z. B. xaxwp ilg. 

§. 7. 

Der letzte Fall, wo eine sogenannte F 
sition, wenn sie, wie das im Griechische 
weit überwiegendem Grad vorherrschend 
Fall ist, dem von ihr näher bestimmten < 
vorhergeht, ohne Accent erscheint, dagegen, 
sie ihm nachfolgt, accentuirt ist, kann uns i 
die Vermuthung nahe legen, daß die sogeni 
Anastrophe wesentlich auf dieselbe Wöise z 



177 

klären ist, d. h., daß in diesem Fall im Allge- 
meinen nieht der Accent als ursprünglicher zu 
Iratrachten ist; welchen die Präposition hat (oder 
vielmehr, in Folge eines falschen Schlusses aus 
der Verwandlung eines Acuts auf der letzten 
Sübe eines Wortes in den Gravis in mitten der 
fiede, zu haben schien), wenn sie vor dem von 
üiT bestimmten Casus steht, sondern vielmehr 
derjenige, welchen sie hat, wenn sie hinter dem- 
selben erscheint; also z. B. von dno nicht der 
in and vetoy (aus welchem die Grammatiker ir- 
rig auf ein einstiges anq schlössen), sondern der 
in vscav äno erscheinende; daß also nicht etwa 
za sagen ist, wie ich in einer viel gebrauchten 
ßriecMschen Grammatik lese : 'Wenn die Präpo- 
sition demjenigen Worte, dem sie vorangehen 
sollte, nachgesetzt wird, so wird, um anzuzeigen 

SB. was dieser Grammatiker nicht alle weiß!); 
l die Präposition nicht auf das folgende, son- 
dern das vorhergehende .Wort bezogen werden 
müsse, der Accent von ultima 3.\ii pemdiima zu- 
rackgezogen\ sondern vielmehr: der ursprüng- 
fiche Accent der Präpositionen ist im Allgemei- 
nen derjenige, welchen sie haben, wenn sie hin- 
ter dem Casus stehen, zu welchem sie gehören; 
treten si^ dagegen davor, so wurde bei den ein- 
silbigen iy (vgl. fiV») slg Sx der Accent einge- 
büßt: sie wurden Proclitica; bei zweisilbigen hätte 
dies ebenfalls geschehen können oder gar müssen, 
wenn die griechische Satzaccentuation ein zwei- 
silbiges accentloses Procliticon hätte ertragen 
können; da sie dieses aber nicht konnte, so wur- 
den sie nicht ganz eben so, aber ähnlich wie die 
£nclitica behandelt, d. h. statt ihres Accents trat 
der enklitische ein, z. 6. wie €at& zu itnl wurde, 
80 ward niqi zu nsql; allein da sie durch den 
begrifflichen Zusammenhang mit dem folgenden 



178 

Wort an dieses gewissermaßen gefesselt wa- 
ren, erlitten sie, darin von den Encliticia ganz 
abweichend, nicht den geringsten Einfluß Ton 
dem ihnen vorhergehenden, so daß z. B. riiQt 
nicht — wie auch San zu itra und iütt ward — 
so ebenfalls auch zu n€Q& und nsQi werden konnte. 

§. 8. 

Daß diese Auffassung richtig ist, zeigt zu- 
nächst der Umstand, daß mehrere der hieher 
gehörigen Präpositionen mit den im Sanskrit 
entsprechenden Inder Accentuation übereinstim- 
men, welche in der Anastrophe eintritt, nicht 
aber in der, welche sie haben, wenn sie Yor 
dem durch sie bestimmten Casus erscheinend 
St) entspricht Sno, nicht aber and^ dem sskrit 
dpa, im (nicht inl) dem sauskritischen opt, nd(jä 
(nicht nciqä) dem sanskritischen pärä^ niQ& (nicht 
nsqi) dem sanskritischen pari. Auch ino (nicht 
ind) dürfen wir mit sskr. üpa wegen der Be- 
deutung und der üebereinstimmung in den drei 
Lauten vn o, zusammenstellen, obgleich es sich 
durch den anlautenden Spiritus asper, den treuen 
Beflex des lateinischen s in Sid), als eine Zu- 
sammensetzung — höchst wahrscheinlich mit in- 
dogerm. sa, in Demonstrativbedeutung, gewisser- 
maßen dar- unter für 'unter', wie im Sanskrit 
z. B. adhds'täty eigentlich unten von de'm, 
ganz identisch ist mit adhäs unten, pagca-tätf 
eigentlich hinten von dem, ganz identisch 
mit pagcä' , hinten — kund giebt. Denn die 
Einbuße des a von sa in vno^ so wie die Be- 
wahrung des Accent von adhdsy poQca in den 
Zusammensetzungen mit tat macht es wahrschein- 
lich, daß auch in vno für sa-iipa der Accent von 
'Apa bewahrt ist. 

Präpositionen , welche xaza und [ksra ent- 



179 

»rechen, finden sich zwar in Sanskrit nicht; 
lein in Bezng anf fMta ist wohl kaum zu be- 
weifehi, daß fks = zend. ma in mat = goth. nd 
n im1> dem ma in sskr. sma entspricht, dessen 
^eutr. smdd in den Yeden die Bedentang mit 
hat'). Dieses Toransgesetzt, ist es wohl kaum eine 
gewagte Vermuthnng zu nennen, wenn wir im 
SofGx ta den Reflex des sskr. Suffixes thäj thä 
(mit VerkSrzung des auslautenden Vocals, wie' 
in Partikeln oft, vgl. z. B. Suffix trä in asmor 
IrS^ aber trä in der Partikel d-tra) sehen, wel- 
elies gerade aus Pronominalstämmen Adverbia 
mit der Bed. *in . . . Weise' bildet und in tdthä 
Sn solcher Weise' ydthä 4n welcher Weise' , so 
wie dihd, vedisch dthä^ in Paroxytonis erscheint. 
Danach dürfen wir dann wohl unbedenklich anneh- 
men, daß auch in fAsta die Accentuation in der 
Sogenannten Anastrophe , nämlich (Mira die ur- 
Bptfingliche ist. Dasselbe dürfte auch unbedenk- 
&h für xerror, also »clta. anzunehmen sein, wenn 
dBich der erste Theil des Wortes xa noch ganz 
iuikel ist; denn Fick's Aufstellung (II^ 50) ist 
olme Analogie. 

Freilich erscheint in den Veden Jcathä' vom 
Pronomen interrogativum ka 'in welcher Weise ?' 
ozytonirt, und diese Accentuation erhält eine 
Stutee durch it4hä% so wie kchthdm, it-thdm^ de- 
nn Suffix durch den Accusativ des im Suffix 
Kegenden Themas tha gebildet ist, so wie durch 
tfÄÄY, in welchem der Ablativ desselben er- 
scheint, während in tha dessen alter Instrum. 
nng. zu erkennen ist. Ja daß die ursprünglichste 
Accentuation der Nomina auf sskr. tha griech. 
% von welchen uns in diesen adverbial gewor- 

1) Ich brauche wohl kaam zu bemerken, daß ich das 
«üaatende « wie in mh (S. 178} und super (S. 182), für 
Best von <a nehme. 



180 

denen Casus Trümmer erhalten sind, auf die 
letzte Silbe fiel, wird höchst wahrscheinlich da- 
durch, daß sich in fast allen Fällen, wo Oxyto« 
nirung mit einer andern Accentuation daneben 
erscheint, die erstre als die ursprünglichere er- 
giebt, so daß caeteris puribus stets zu vermnthen 
ist, daß sie die ältere sei. Aber auch dieses 
angenommen, ist dennoch, wegen der üeberein- 
stimmung des Griechischen und Sanskrit in den 
angeführten Fällen täthä u. s. w. mit /u^ia, «cna 
in der Anastrophe, der Accentwechsel als schon 
in der Grundsprache eingetreten zu betrachten. 
Er erklärt sich, wie insskrit. divä adv. für dw£ 
Instr., durch den üebertritt in die Categorie der 
Adverbia. Daß die Accusative und der Ablairr 
nicht ebenfalls den Accent wechselten, findet 
seine Analogie darin, daß sowohl der Accus, des 
Neutrum als der Ablat. Sing, überaus häufig ad- 
verbiale Bedeutung haben, ohne darum den Ao- 
cent zu ändern; jener regelmäßig, dieser spora- 
disch (z. B. balät gewaltsam z. 6. Pancat. 27, 10 
u. sonst). Der Zusammenhang dieser adverbial ge- 
wordenen Casus mit dem Nomen haftete eütweder i 
fest im Sprachbewußtsein und bewahrte deßhalb den [ 
ursprünglichen Accent, oder der üebertritt in 
die Categorie der Adverbia hatte sich in ihnen * 
so unmerklich vollzogen, daß die Accentuation 
dadurch nicht afficirt ward. WsLsJcathä' betriffl^ '.. 
so ist die Annahme nicht unmöglich , daß wie : 
kada und kddä im Yeda neben einander erschei- j 
nen und auch sonst viele doppelte Accentuatio- '] 
nen, so auch Mthä neben Jcatha existirte. 

§.9. 

Ferner spricht für unsre Auffassung, und fest 
noch entscheidender, der Umstand, daß sich da- 
durch erklärt, warum dgAtpi keine Anastrophe er- 



181 

.eidet« Es entspricht ihm nämlich unzweifelhaft 
askr. cibhir in abhirtoLS mit denBedd. 1. zu bei- 
den Seiten, 2. von allen Seiten, rings, 
imd wir ersehen daraus, daß diese Präposition 
schon ursprünglich oxytonirt war und diesen 
Aecent natürlich auch dann bewahren mußte^ 
wenn sie dem Casus, dessen Bedeutung durch 
ne erläutert ward, nachfolgte. Für diese Accen- 
toation spricht auch die unzweifelhafte Abstam- 
mimg von indogerm. anibhä^ beide, = sskr. 
«ika, welches nur oxytonirt erscheint, und = 
griechisch äi^po^ welches in dfkyiotv entschieden 
otMfö voraussetzt (vgl. ^so: ^eoXv ^ aber löyo: 
Uyotv\ während es im Nom.-Acc. äiktpfm paroxy- 
tonirt ist. Auch erklärt sich die Einbuße des 
m in sskr. cibhi- für awi>h% nach einer Fülle von 
Analogien, gerade durch die Accentuation der 
folgenden Silbe, welche überaus häufig im Sans- 
krit die Einbuße eines Nasals in der vorherge- 
henden Silbe herbeifuhrt (vgl. z. B. indogerm. 
- tmmrta mit bewahrtem n im lat. com-men-to von 
mminiscor, aber im Sskr. ma-tä). Manche Ety- 
mologen betrachten die sskr. Präposition äbhi 
iberbaupt als identisch mit griech. dfAyiiy z. B. 
Mich das St. Petersburger Sanskrit-Wörterbuch ; 
BÜr würde das uicht unwahrscheinlich vorkom- 
men, wenn sich alle Bedeutungen desselben auf 
lei' reduciren lassen und dieses als eine 
Schwächung von ^rings um* genommen werden 
. hnn; allein es treten dabei Schwierigkeiten ent- 
Regen, welche ich nicht zu überwinden vermag. 
Dagegen ist es keinen Zweifel zu unterwerfen, 
4aB abhi wie in ahhirtas so auch in einigen an- 
^ Fällen zu äiitpi^ lat. anib ahd. umb gehört, 
**B. in der Zusammensetzung cMii-mra 'Helden 
ringsum (sich) habend' (Rv. X. 103, 5). 
Mü^ch wäre es, daß in dbU zwei ursprünglich 

16 



182 

verschiedene Präpositionen durch lAntHche Um- 
wandlnngen (wie* hier die entschiedene EinboSe 
des m) zusammeDgefallen waren ; doch isk diese 
Frage fäü unsre Zwecke gleichgültig, daher ich 
aie hier nicht weiter erörtern wilL 

GegQn meine Auffassung könnte d^ümBtand 
zu sprechen scheinen, daß InßQ sogenannte Anftr 
strophe erleidet; denn im Sanskrit entepiicbfc 
tqmri, so daß, nach Analogie von «nor, weichet 
trotz seiner Zusammensetzung mit sa den nr* 
sprünglichen Accent bewahrte, auch hmg trofai 
seiner ebenfalls eingetretenen Zusammensetzung 
mit sa (vgl. lat. super) als ursprünglich oxyto« 
nirt angesetzt werden müßte und demgemSA 
eben so wenig wie a/i^l der Anastrophe hätte 
unterworfen werden können. Ja für die Oxyto- 
nirung spricht die Form i;/i«/^, welche, abgesehen 
von dem Spiritus asper, mit dem sogenanntes 
üebertritt des ursprünglich dem q folgenden 
Yocals vor denselben, der allertreueste Befiel 
von sskr. upäri ist und in der That die Ana-^ 
Strophe nicht erleidet 

Bei derartigen Accentvergleichangen uni 
Fragen ist stets zu beachten, daß der Aoeesit 
in Folge seines zwiefachen Characters — indem 
er eben so wohl ein logisches als ein eigentliok 
musikalisches Element der Sprache ist — manchen' 
Schwankungen und Wechsel unterliegt; denn 
sobald er seine logische Aufgabe — ein Woii 
so zu kennzeichnen, daß seine Bedentong im> 
Sprachbewußtsein fixirt ist — erfüllt hat, kann, 
er sich ganz seiner musikalischen Natur übes- 
lassen, gerade wie die articulirten Laute eines 
Wortes, sobald sie die Bedeutung desselben im 
Sprachbewußtsein hinlänglich fixirt haben,, ohne 
Nachtheil für sie den phonetischen Neigungen 
der Sprache folgen können und sich:: diädureh oft 



183 

so sehr verändelm, daB von der eigentlichen 
Gnuldlage' des- Wortes kaum oder sogar keine 
Spur übrig bleibt (wie in (idü&kff für l'fAda&Xfj 
Tön dem Vb. l oder f 'binden', vgl. sskr. sc und 
<d' w<^r «j melürfach eintritt). Die mnsikali- 
aeben Nefguhgta der Sprachen sind aber noch 
Tei<8clüedenBrt!ger ak die phonetischen. Es ist 
demgemäfi bei Yergleichung der Accentnation 
veiiBcfaiedener Sprachen festzuhalten, daß Ueber- 
einstimknung in BezUg auf sie weit überwiegen- 
der in^ Gewicht fällt als Abweichung. Es wäre 
also nicht unmöglich, daß sich nach Analogie 
yon ijwB(fog, dfttQoy^ mit demselben Accent wie 
in ssfcr. üparä, neben *iniQ$ in insiQ auch ein 
*lhu^' oder efst v7t€Q fixirt hätte; möglich je- 
doch auch-, daß v^^ zwar die eigentliche Form 
lyar', abeif mjt Unrecht sich der Analogie der 
zweisilbigen' Präpositionen anschloß, welche den 
Accent^ weil er ihr ursprünglicher ist, wenn sie 
Unter dem Casus' stehen zu dem sie gehören, 
mit Refeht-auf der ersten Silbe haben. 

Umgekehrt steht es mit dvn.' Dieses er- 
Kheint hinftei^ seinem Casus oxytonirt, während 
e8'im>Sskri€ paroxytonirt ist und mti lautet, 
abo eigentlich an dieser Stelle wie äno^ u. s. w. 
ivw accentuirt seih müßte. Wenn aber anti auf 
einem' zrlsanitnengesetzten Pronominalstamm be- 
ruht , elfwa an4a (fSr orna-ta) , dann TOre* nach 
ders6gleieh< folgenden ersten Erklärung des'Ver* 
hÜtnisses' von griech. dpd zu sskr. änu HbOxj" 
tonimn^ dieursjprüngliche Accentnation gewesen 
und die Anästrophe würde mit Recht fehlen. 

Für die übrigen Präpositionen, welche keine 
Änastrophe erleiden, haben wir im Sanskrit keine 
riebren Keflexe ; denn ob cera wirklich dem sskr. 
dnu gleichzusetzen und beide aus ursprünglichem 
<mam (sskr. t^ für am wie z. B. in tibM für 

16* 



184 

anibM) hervorgegangen seien, ist keineswegs ganz 
sicher, mir jedoch, zumal, da die Entstehung 
beider ans anam dnrch viele Analogien gesichert 
werden kann (vgl. für griech. a statt am s. B. 
die Endung der Isten Sing. Aor. grdsprchL sam 
griech. aa)y kaum auch nur zweifelhaft. 

Allein es entsteht hier wie eben auch bei 
anti die Frage, ob das Sanskrit oder das Grie« 
chische den ursprünglichen Accent bewahrt hat 
und hier vorausgesetzt, daß anam würklich die 
gemeinsame Grundlage von anu und dpa ist^ wird 
sie sich wahrscheinlich zu Gunsten des Gtriechi- 
schen entscheiden. Denn bei dieser Vorausse- 
tzung ist fast so gut wie sicher, daß anam der 
adverbial gebrauchte Acc. Si. Ntr. des zusam- 
mengesetzten Pronomens ana ist ; dieses aber hat, 
wie im Sanskrit alle zusammengesetzten Pro- 
nominalthemen und im Griechischen mehrere, 
den Accent auf dem letzten Glied der Zusam- 
mensetzung (vgl. im Sanskrit i-md^ e-näy e4d, 
eshd (für e-sä), OrSOM^ a-mü, a-miy im Griech. 
ad'td, fi-av-«^, ifA^av-zd) ; so erscheint denn von 
Orfiä, welches keine vollständige Declination im 
Sanskrit mehr besitzt, sondern nur Nebenformen 
des Pronomen idäm bildet, anena^ andyä^ and/j/cs 
und nach diesen Analogien dürfen wir unbedingt 
behaupten, daß der Acc. Sing, des Neutrum ur- 
sprünglich amm lautete. Da im Sanskrit der 
Wechsel der Categorie und Bedeutung oft — 
öfter speciell als im Griechischen — einen Wechsel 
des Accents herbeiführt (vgl. §. 8), so ließe 
sich auch in änu für anam der Wechsel des 
Accents dadurch erklären, daß das Wort — zu- 
mal in der Form änu — aufgehört hatte, ein Casus 
des Pronomens anä zu sein und zu einem Ad- 
verb dann Präposition geworden war. 

Unbemerkt darf ich jedoch nicht lassen, dat 



185 

auch dva bekanntlich in einem Falle zu äpa 
wird (8. §. 10) und Hermann zu Eurip. Medea 
ed. Elmsley v. 1143 die Nichtanastrophi- 
rnng yon dpa überhaupt für eine grundlose 
Behauptung der Grammatiker erklärt. Hat Her- 
mann Becht, dann ist auch für dpoj in Ueber- 
einstimmung mit sskr. änuy die Paroxytonirung 
als die ursprüngliche Accentuation aufzustellen. 
Eine Entscheidung dieser Frage ist nur von ei- 
nem classischen Philologen zu erwarten, welcher 
zugleich Linguist ist; ich stehe jener zu fern, 
um sie wagen zu können. 

Was d&d betrifft, welches ebenfalls auch 
hinter seinem Casus oxytonirt wird, so ist dieses 
wohl eigentlich ein vermittelst des Exponenten des 
Instrum. Sing, aus dvi gebildetes Adverb und 
mußte, als von einem einsilbigen Thema gebildet, 
den Accent auf der Endung haben, so daß in der 
Ozytonirung dieser Präposition auch hinter dem 
dazu gehörigen Casus der ursprüngliche Accent wie 
in d($q>i bewahrt ist (vgl. ^Das Indogermanische 
aema des Zahlworts 'Zwei' ist DU' im XXI. 
Band der Abhandlungen der Eon. Ges. der 
Wissensch., S. 7). 

Was endlich die Oxytonirung von vnat, dtai, 
nttQai hinter ihren Casus betrifft, so ist die Ent- 
stehung dieser Formen noch zu dunkel, um über 
ihren eigentlichen Accent ein ürtheil zu fällen, 
liegt in dem angetretenen * ein Suffix oder eine 
Partikel — etwa das & in oivo(f~i — so versteht 
sick natürlich fast von selbst, daß vnat SLXisvna 
fir vno, nagat aus ndga dadurch zu Oxytonis 
f , werden mußten. 

r §. 10. 

L Für meine Auffassung spricht aber ferner 
I noch der Umstand, daß diese Präpositionen, 



186 

wenn sie iu Adverbialbedeutang gebraacht wer- 
den, paroxytouirt ersoheinen, so z. B. ndQ$^ wenn, 
wie es iu der Grammatik heißt, in 4er Beden- 
tuug von nsgiaacagj äno^ wenn in der Bed. Ton 
uno&€V, Nun, es weiß jetzt wohl Jeder, daB die 
sogenannten Präpositionen ursprünglich Adver- 
bia oder adverbial gewordene Casus waren und 
erst später zur näheren Bestimmung von GasoB 
gebraucht sind; wer es aber nicht weiß, kann 
sich leicht davon überzeugen, wenn er ihre Ver- 
wendung im Sanskrit oder auch iinr im Bigveda 
vergleicht, was ihm durch ia» Grassznannsche 
Wörterbuch leicht gemacht wird ; hier findet er, 
daß sie so ziemlich alle in Adverbialbedeutnng 
gebraucht werden, z.B. pari sowohl als Adverb, 
wie als Präposition; ja d^S mehrere derselben, 
(jlereiji Reflexe im Griechischen, Latein oud Deut- 
schen als Präpositionen dienen, im Rigveda nur 
als Adverbia erscheinen, z. B. dpa, pärä, prd 
(dieses auch im Avesta). ün^gekehrt dient dti 
im Yeda als Adverb und Präposition, während 
dessen Reflex weder im Griechischen noch La- 
tein in letztere Gategorie übergetreten ist. Wenn 
aber die adverbiale Bedeutung die ursprüngli- 
chere ist, so versteht es sich von selbst, daß 
auch der in ihr erscheinende Accent der ur- 
sprünglichere sein wird. 

Zu diesem adverbialen Gebrauch gehört na- 
türlich auch der Fall, wo die zweisilbigen Prä- 
positionen, für welche wir Paroxytonirung als 
ihre eigentliche Accentuation nachzuweisen uns 
bemühen, wie eine Grammatik sich ziemlich 
naiv ausdrückt 'verkürzte Verbalformeu vertreten', 
z. B. ndga im Sinne von nagst/Ak gebraucht 
wird. Wir würden natürlich sagen ndga steht 
hier im Sinne des Adverbs und das Verbum 
substantivum fehlt, wie in den alten Phasen der 



187 

indogermanischen Sprachen so häufig und selbst 
noch in den modernsten, wie z. B. bei uns im 
Appell mnf den Aufruf auch nur mit *hier^ ge- 
antwortet und das ^bin ich' gespart wird. Na- 
üriich kann auch ein andres selbstverständliches 
nod daher leicht zu ergänzendes Yerbum fehlen, 
2. B. bei äpa^ welches in diesem Fall entschie- 
den paroxytonirt wird (s. §. 9), der Imperativ 
2 Sing« des Verbum cfref, 'stehen', gerade wie 
auch wir 'auf* statt 'steh auf sagen können. 

§. 11. 

Es liefie sich wohl noch anderes für die 6e- 
rechtigung meiner Auffassung geltend machen. 
So, um nur ein^s anzudeuten, läßt sich aus der 
Stellung der sogenannten Präpositionen , welche 
bekannÜich sehr häufig, im Widerspruch mit 
ihrer Benennung, hinter ihrem Casus Statt 
findet, insbesondere im vedischen Sanskrit — 
z. B. a etwa 186 mal hinter und nur 13 mal 
davor, sdcä 38 mal hinter, 7 mal vor — 
und andren Momenten mit hoher Wahrschein- 
lichkeit feststellen, da£die Präpositionen ursprüng- 
lich — wenigstens vorwaltend — hinter ihrem 
Oasus standen. Ist das aber der Fall gewesen, 
so ist natürlich derAccent, welchen sie in dieser 
Stellung zeigen, auch als der ursprüngliche an- 
zuerkennen. 

Der Wechsel der Stellung läßt sich, wie mir 
seheint, in einleuchtender Weise aus der Fülle 
von Casus erklären, welche der Indogermanische 
Sprachstamm noch zur Zeit seiner Spaltung be- 
saß, obgleich sie, wie sich zeigen läßt, schon 
damals zusammengeschmolzen war. Diese Fülle 
machte die Verwendung von Präpositionen früher 
wohl ganz unnöthig, da sie jede Verbindung von 
Nominibus mit Verben zu bezeichnen im Stande 



188 

wareD. Als aber die Anzahl der Gasns immer 
mehr zusammenschmolz, indem ein Casus den 
andern absorbirte, dadurch aber so viele Bedeu- 
tungen erhielt, daß eine nähere Bestimmung der- 
selben zuerst dienlich, dann nothwendig ward, 
wurden Adverbien zu dieser näheren Bestimmung 
verwandt, welche auch wohl vorher schon ge- 
wissermaaßen pleonastisch ergänzend hinzuge- 
fügt waren. So lange sie pleonastisch oder nur 
der Dienlichkeit wegen hinzutraten, nahmen sie 
die rhetorisch untergeordnete Stellung — der 
alten Wortordnung gemäß die ergänzende — 
hinter dem Casus ein. Als aber das richtige 
Verständniß der Verbal- und Nominal-Verbin- 
dung immer mehr durch ihre Verwendung be- 
dingt ward, sie also nothwendig wurden, 
traten sie an die rhetorisch hervorragende — 
der alten Wortordnung gemäß die bestim- 
mende — vor das durch sie bestimmte Wort 
Natürlich hing die Auffassung ob ergänzend 
oder bestimmend von der Intention des Spre- 
chenden ab, so daß auch die Stellung vor, wenn 
gleich später die vorwiegende, doch nie die ein- 
zig herrschende ward. 

Doch dies und anderes noch zur Vertheidi- 
gung meiner Auffassung des weiteren auszu- 
führen , scheint mir kaum geboten. Denn ich 
glaube, daß das bisher geltend gemachte^ Jeden 
überzeugt haben wird, daß äno sn& ndqa 7tiQ& 
mit Paroxytonirung entschieden die ursprüng- 
liche Aussprache war und dno inl nagd jrsQl 
nur in Folge der proklitischen Stellung im Zu- 
sammenhang der Rede statt jener eintrat. Eben 
so wird auch Jeder zugestehen, daß dieselbe Auf- 
fassung für das Verhältniß von vno: vnd, vmQ: 
vneq, xclza: xatä, fMita: fjbetd höchst wahrschein- 
lich ist; nicht unwahrscheinlich sogar für das 



189 

ron ßpa: dvct (nämlich in der Voraussetzung, 

dali Hermann Recht hat, ein dvd zu verwerfen)^ 

Dagegen ist äikq>i schon vor der Spaltung 

oxytonirt gewesen, dvii und did in griechischer 

Zeii 

§. 12. 

Wenn die hier gegebene Auffassung als er- 
wiesen betrachtet zu werden verdient — und ich 
glaube kaum, daß man an ihrer Berechtigung 
wird zweifeln dürfen — dann kann ich nicht 
umhin, den Wunsch auszusprechen, daß sie 
nicht das Schicksal haben möge, so lange im 
deutschen Reich Quarantaine erleiden zu müssen 
als ein großer Theil der Resultate meiner übri- 
gen Forschungen. Nicht wahrlich meinetwegen ; 
ich kann Geduld haben und glaube, daß ich hin- 
länglich gezeigt habe, daß meine wissenschaftliche 
Thätigkeit nie weder von Anerkennung noch Lob 
oder Tadel abhängig geworden ist. 

Allein es ist nicht besonders rühmlich für die 
griechische Philologie, daß, nachdem sie mehr 
als zwei Jahrtausende mit verhältnißmäßig ge- 
ringer Unterbrechung geübt ist, noch in ihren 
jüngsten Lexicis und Grammatiken die Formen 
dno, int, nagd, jugi, vno^ Hcndj fMva' aufgestellt 
werden, welche in der Sprache weder je vorkom- 
men noch vorkommen konnten. 

Daß die Lehre von der Anastrophe ganz weg- 
fiallen und die Umwandlung von äno u. s. w. 
zu dnd u. s. w. unter die Lehre von den Pro- 
cliticis eingereiht werden muß, versteht sich von 
selbst. 



190 



Mahä'm^ Norainativ Singularis von 
mahänt^ drittes Beispiel Bigveda lY. 

23, 1. 

Von 
Theodor Benfey. 

Daß fiiaham nicht bloß der Aceusatiy von 
maJiänt sei, sondern anch der Nomin. sing., habe 
ich in meiner Abhandlung 'üeber die Entate- 
hnng u. 8. w. der mit r anlautenden Personal- 
endungen* (Abhandlungen der Eon. Ges. der 
Wissensch. Bd. XV) §. 38. 39 (vgl. 'Ueber die 
Entstehung des Indogerman. Vokativa' (ebds. 
Bd. XYII) Ezcurs am Schluß) nachgewiesen. 
Die Variante des Säma-Veda I. 5. 1. 5. 10 
moiha^ für das in der entsprechenden Stelle des 
Rig-Yeda IX. 109, 7 erscheinende mahd'm^ die 
entschiedene Zusammengehörigkeit desselben mit 
dem Nominativ sing. rant;ah in Rv. 11. 24, 11, 
welche wir nun auch in IX. 109, 7 fär anu- 
purvyah (wie statt dnu pürvydh mit dem Peters- 
burger Wörterbuch zu lesen ist) geltend machen 
dürfen, die Erklärung der Entstehung dieses m 
in Analogie mit dem m neben n in Vom (neben 
Von) und den zendischen Yocativendungen anf 
m, die einfache Yerständlichkeit der beiden Stel- 
len, welche dadurch erzielt wird, geben dieser 
Annahme eine solche Berechtigung, daß wir 
selbst ohne derartige entscheidende Mo- 
mente wagen dürfen, maM'm auch in solchen 
Stellen für Nominativ zu nehmen, wo dadurch 
ein angemessnerer Sinn erlangt wird, alä durch 
die Auffassung desselben als Accus, sing, von 
mahdnt oder als Genetiv Pluralis von mah. 

Eine derartige Stelle ist die in der Ueber- 
schrift bezeichnete. Sie lautet 



191 

katba' maham avridhat käsya hötur 
yaJDam jushäno abhi sömam ü'dhafa 

pibann a9äii6 jushamäno ändho 
yayakshä rishvah 9acate dhanäya. 

Säyana nimmt niaham natürlich als Accus, 
sing.; dadurch ist er aber genöthigt, um in den 
Satz einigen Sinn zu bringen, avpdhat^ die 
dritte Person Sing. Indicativi Aor. II. (nach 
meiner Zählung) des primären Yerbums vardh 
im Sinne der 3ten Sing. Potentialis des Gausale 
s&a nehmen (s= vardhayet) und zu suppliren 
asmaipreritä dutf\i, so daß nach ihm zu über-^ 
setzen wäre : 'Wie (erläutert bei ihm durch ^uf 
welche Weise') möchte (der von uns vorgetra- 
gene Lobgesang) den großen wachsen machen?' 
Das Präsenstiiema mrdha hat freilich neben der 
intransitiven auch transitive Bedeutung, wie sich 
das in den Yeden bei Präsensthemen der söge« 
nannten Isten Gonjugationsclaßse nicht selten 
findet. Daraus folgt aber noch nicht, daß dieee 
Bed. auch dem unreduplicirten Aorist zukomme; 
dieser hat im Particip vridhdnt und vriähänd 
nur intransitive Bedeutung, daher wir berech- 
tigt, 39» wohl verpflichtet sind, diese auch hier 
anzunehmen ; djßnn Bv. X. 81 , 5 ist fraglich 
mit welchem Verbum tanväm zu verbinden ist; 
Ludwig macht es von yajasva abhängig; gehört 
es «u vridhänd so ist es nach Analogie des 
griechischen Gebrauchs zu erklären, 'gewachsen 
am Leibe'; ich ziehe die letztere Deutung vor 
und werde in der Syntax der vedischen Gram«» 
matik darüber sprechen; inBv. YIII. 2, 29 aber 
ißt in vridhdnias oder Mrinam ein Fehler zu 
vermpthen. Säyana freilich zieht es zu stütas^ 
welches er zu einem Masculinum macht, wäh- 
rend es ein Femininum ist; das dazu gehörige 
Femininum yd's aber trennt er davon und sup« 



192 

plirt dazu tadtydh stutayas. Daß wir solche nn- 
grammatisclie und antihermeneutische Aufiassun- 
gen nicht mehr gebrauchen können, darf wohl 
als zugestanden betrachtet werden. Ehe wir zu 
derartigem Flickwerk unsre Zuflucht nehmen, 
setzen wir lieber einem Stern an die Stelle der 
XJebersetznng und dürfen sie der Zukunft um so 
vertrauensvoller überlassen, da wir mit Bestimmt- 
heit die üeberzeugung aussprechen können, daß 
die grammatische Erforschung der Vedensprache 
mit yerhältnißmäßig wenigen Ausnahmen ein 
sichres philologisches Verständniß der Veden er- 
öffnen wird. 

Mit der Erklärung des übrigen Theiles dieser 
Strophe sieht es bei Säyana eben nicht besser 
aus; doch wollen wir uns hier nicht auf eine 
Gritik derselben einlassen , sondern uns darauf 
beschränken, sie kurz mitzutheilen, die von ihm 
angenommenen Ergänzungen und Glossen in 
Klammern einfugend. Demgemäß lautet das 
Weitere: 

'Wessen Opferers Opfer liebend (mochte eben 
dieser Indra) heran (kommen)? Die überaus er- 
habne {atipravnddha als Glosse von udhar) Soma 
Speise kostend, (sie) liebend (und) genießend 
(? sevamänäh als Glosse von jusMmänah) trägt 
(vavdkshe identificirt mit vahati und glossirt 
durch dhärayati) der große (Indra sie) zu leuch- 
tendem Reichthum (um derartigen, als Gold 
u. s. w. gekennzeichneten, Reichthum dem Opfrer 
zu geben)'. 

Ohne uns bei anderen aufzuhalten ^ wollen 
wir uns, um zu sehen, was dabei heraus kömmt, 
wenn man mahäm hier als Accusativ faßt, so- 
gleich zu Alfr. Ludwig wenden. Denn er ist 
einer der besten Kenner der Vedensprache und 
der Veden überhaupt, zugleich überaus gewissen- 



193 

haf^ angenscheinlicli bestrebt, über das was er 
nicht za verstehen vermochte nnd über die Art| 
wie er das aufgefaßt habe, was er verstanden zu 
haben glaubt, dem Leser keinen Zweifel zu 
Ittsen. unbemerkt darf ich übrigens nicht 
lassen, daß diese Strophe bei ihm als eine solche 
bezeichnet ist, zu welcher in dem noch nicht 
veröffentlichten Gommentar eine Erläuterung er- 
Kheinen wird. Sollte in ihr die Auffassung von 
9Mhd'm als Accusativ an dieser Stelle gerecht- 
fertigt und meine als Nominativ ernstlich wider- 
I^ werden, dann bin ich gern bereit sie hier — 
iiicht aber an den früher besprochenen Stellen — 
au&ngeben. 

Ludwig^s üebersetzung findet sich im Uten 
Bande S. 100 und lautet 

^Wie doch [und] welches hotars großes 
Opfer hat er gedeihen lassen. Gefallen findend 
am Soma [an der Quelle] am Euter? trinkend 
mit Begierde, sich freuend am Safte, ist ange- 
wachsen der hohe zu glänzendem Reichthum\ 
Es sind hier zwei Fragwörter in Fragbedeu- 
tang in demselben Satz angenommen und deß- 
halb ein 'und* eingeschoben. Es ließe sich ver- 
teidigen, obgleicn ich mich — wenigstens in 
diesem Augenblick — keiner analogen Stelle im 
Bjgveda erinnre. Säyana hat es, wie ich glaube, 
^it vollem Rechte nicht gewagt. Das einge- 
Bilobene 'an der Quelle' scheint eine Erläute- 
rung des Wortes *Soma' zu sein, deren Begrün- 
unng im Gommentar abzuwarten sein würde. 
Dhe ich meine Üebersetzung mittheile, muß 
^ch bemerken, daß somam udhc^ wiederum einen 
aer Fälle bildet, in denen zwei Wörter, obgleich 
J^Verknüpft neben einander stehend oder nur 
dtiirch nd ('gleichwie') getrennt, wie eine Zusam- 
mensetzung zu fassen sind. Ich habe auf diesen 



194 

iFedischen Sprachgebrauch in Anmerknng 690 
*U' Rv. I. 66, 1 (in 'Orient und Oocidenl/ L 
p.« 595) im Jahre 1862 aufmerksam gemacht 
(vgl. Äuch. Göttinger Nachr. 1875 S. 195 wo Z. 
10 n. 9 y. a. in den Zahlen einige Fdbler- silid^ 
welche ich mir hier zu corrigiren erlaabe. Ed 
ilst nämlich I. 66, 1 u. 69, 1 und I. S. 695 n» 
690 und S. 597 n. 713 zu lesen). Leider er^ 
laubt mir meine Zeit auch jetzt nicht, alle voll 
mir gesammelten Beispiele dieses Gebrauches 
mitzutheilen; doch will ich zu den schon früher 
angeführten noch einige fügen, so Rv. VI. 66, 11 
girayo na pah 'wie Bergwasser'; I. 85, 1 jömayo 
nä sdptaydh 'wie Stutengespanne' (wegen der 
Schnelligkeit; auch bei den Griechen dienen 
Stuten als Wagengespann); VIII. 46, 30 gä'vö 
na^yäthäm 'wie eineKinderheerde; L92, A: ffavo 
nä vrajdm 'wie einen Kuhstall'. 

So bedeutet sömam udhah wörtlich Sofnch' 
etdeTj bezeichnet aber das Gefäß, in welchem der 
Somatrank enthalten ist. Indem dieses 'Euter' 
genannt wird, wird der Somatrank gewisser- 
maßen mit Milch verglichen; das Gefäß enthält 
den Soma wie das Euter die Milch. 

Ferner will ich darauf aufmerksam machen, 
daß dvtidhat nachPän. I. 3, 91. III. 1, 55 (vgl. 
Vollst. Gramm, d. Sskritsprache §. 858, VIII, 
S. 395) der regelrechte Aorist ist. Bezüglich 
risJmd erinnre ich an das in den 'Nachrichten* 
1876 S. 310 Bemerkte. 

Meine Uebersetzung lautet demgemäß: 

'Wie ist der Große herangewachsen? An 
wessen Opfrers Opfer Belieben gefunden habend, 
mit Lust das Soma-Euter trinkend, sich labend 
am Safte, wuchs der Hehre empor zu strahlen- 
den Reichthum?' 

Zur Erläuterung' bemerke ich folgendedr Die 



195 

erste Frage bedeutet: wie ist Indra so mächtig 
geworden. Die Antwort würde dem vedischen 
Glauben gemäß sein : 'Dtirch das Trinken des 
heiligen Somatrankes^ welcher bekanntlich den 
Bauptbestandtheil des den Göttern darzubrin- 
genden Opfers bildet. Dieae Antwort ist in eine 
neue Frage gekleidet, welche eigentlich nur den 
Opfrer betreffen sollte, der ihn mit so kräftig 
wirkendem Soma verehrt habe. Daraus sind 
aber drei eng in einander verschlungene Satz- 
theile gebildet, nämlich: welches Opfrers Opfer 
gefiel ihm so sehr, daß er bei ihm den Soma 
mit Lust trank und dadurch zu solcher Macht 
gelangte, daß er strahlenden Reichthum gewann. 

Dieser Beichthum ist der befruchtende, alle 
Schätze der Erde den Verehrern des Indra er- 
schließende, Regen, der himmlische Soma als 
Lohn fär den ihm geopferten irdischen. 

Zur Empfehlung meiner Uebersetznng mache 
ich schließlich darauf aufmerksam, daß darin, wie 
avridhat^ so auch der Aorist jushänds im Gegen- 
satz zu dem Präsens ^WAdmano^, zu seinem Rechte 
gekommen ist. 



Bei der Königl. Gesellschaft der Wis- 
senschaften eingegangene Druckschriften. 

Natnre 427-430. 

Bivista Europaea. Vol. Y. Faso. 1—2. 

H. Brnns, Die Figar der Erde. Berlin 1878. 4. 

Saeieta Toscana di SoieuEe natacalL Adananza del di 
18. Nov. 1877. 

Sitzungsbericht der k. Akad. d. Wiss. Wien 1877 Nr. 27. 

A. Orth, üeber die Anforderung der Geographie und der 
Land- und Forstwissenschaft an die geognost. Karto- 
graphie des Grund und Bodens. 1877. 



196 

H. Wild, Bepeiiorium (ur Meteorologie. Bd. Y. H. 
1877. 4. 

— Die Temperatur -Yerhältnisse des Rofls. Beiehi. 
1877. 4. 

Leopoldina. H. XIU. Nr. 28--24. 

J. Oppert et J. Menant, Doooments joridiqiMB c 

FABsyrie et de la Chaldee; Paris 1877. 
H. Lloyd, Misoellaneons Papers connected with Phyaioi 

Science. London 1877. 
Flora Batava 289—240. Afl. 
M^moires de l'Acad. des Sciences etc. de Lyon. Claa 

de Sciences. T. 22. 1876-77. 

— de l'Acad. Classe des Lettres. T. 17. 1876 -77. 
Annales de la Societe d'Agricnlture etc. de Lyon. T. 

1875. 
F. de Müller, Fragmenta Phytographiae aostralia 

Vol. VII- Vm. Melbourne. 
M. B. de Berlanga, Los nuevos Bronces de Ooui 

Malaga 1876. 
Jahrbudi der k. k. geolog. Beichsanstalt. Jahrg. 1S1 

Bd. 27 mit Tschermak, mineralog. Mittheil. Bd. V 

H. 8. 
Verhandl. der k. k. geolog. Reichsanstalt Nr. 11—18. 
Monthly Notices of the R. Astron. Society. Vol. 88 Nr. 
Verhandl. der phys. med. Qesellschafbzu Würzburg. Bd. 1 

H. 8-4. 
Jahresber. 10 des akadem. Lesevereins in Graz. 
Gatalogue of the scientific papers (1864—1873). Vol. V 

London 1877. 4. 
L. Müller, det saakaldte Haeekors' Anwendelse og I 

tydning i Oldtiden. Ejöbenhavn 1877. 
Oversigt over det k. Danske Vidensk. Selskabs Förhan( 

1877. 
Philosoph. Transactions of the R. Soc. of London. V 

166. P. 2. Vol. 167. P. 1. 1877. 4. 
Proceedings of the R. Society. Vol. XXV. Nr. 175 - 1^ 

Vol. XXVL Nr. 179-183. 
J. Plateau, Bibliographie analytique des prinoipa 

phenom^nes subjectifs de la vision. 
Berichte des naturwiss. medic. Vereins in Innsbitu 

VIL Jahrg. H. 1. 

(Fortsetzung folgt). 



197 /r^. 







lläehricliten 'P^^^^Stt -^ 

von dir KönigL GesellschaÄ det^Wflraeu^i^' ' 
«fcbafteli uÄö det Q. A. ünive*Ö1ät zn.ty 

Göttingen. '^^i'tlh^ 



/ 



87. Februar. . M 5* 1878. 

tBifersität. 

Verzeichniß der Vorlesungen auf der Georg- 
^^^^Bts-Universität zu Göttingen während des 
«ö^iu^ialbj^hrs 1878. Die Vorleöungen be- 
^^en den 24. April und enden den 24. August. 

Theologie. 

^. ^rkHUruhe cter Cteiiesis: Prof. de Lagarde fänfstün- 

^« Jtim 10 Uhr. 

j^^. SrKI&rüng^ der rsaliQen : Prof* Bertheau fünfstündig 

^0 Uhr. 
^^ Erklärung des Öeuteronomiums: Prof. Duhm zwei- 

^*^«iig um 7 Ühr^ öffentlich. 
Az ^Yklftruiig aes Buches Jesaia: Prof. Duhm fünfstün- 
^*^ Um 10 Uhr* 

y.j^ . ^^inleitüüi; in das Neue Testament: Prof. Wiesinger 

i^*^ wöchentlich um 12 Uhr. 
^ Oeschiebte des apostolischen Zeitalters; Lic. Wendt 

^^i%tündig Moni. Mittw. Freit, um 11 Uhr. 
^^ Synoptische Erklärung der Evangelien des Matthäus, 
^^^^cos und Lucas: Prof. Lilnemann sechsstündig um 

%rkl|ürung des Römerbriefs: Prof. Wiesinger fünfmal 

« Uhr. 
Krklänmg des Hebtäerhriefs : Prof. AiiscM fünfmal 

9 Uhr. 



_ _ Hieheiigesehiohte I. Theil : Prof. Wagerimann fanf- 
^^tXi:Ädig um 8 Uhr. 



198 

Kirohengeschiohte des Mittelalters: Prof. Beuter 
sechsmal um 11 Uhr. 

Kirchengeschiohte der Neuzeit: Prof. Wagenmann 
viermal um 7 Uhr. • 

Theologie der Beformatoren : Lio. Kattenhue^ drei- 
stündig Mont. Dienst. Donnerst, um 4 Uhr, unentgeltlich. 

Apologie des Ghristenthums : Prof. SehuHz fünf- 
stündig um 11 Uhr. 

Dogmatik 11. Theil: Prof. Schöberlein ÜLuSrntl um 8 
Uhr und Sonnabend um 12 Uhr. 

Theologische Ethik: Prof. ItitscM sechsstündig um 
8 Uhr. 

Comparative Symbolik: Prof. Reuter sechsmal um 
12 Uhr. 

Praktische Theologie: Prof. Schöberlein fünfiitündig, 
Mont. Dienst. Donnerst. Freit, um 5 Uhr und Mitt- 
wochs um 4 Uhr. 

Kirchenrecht: s. unter Bechtswissenschaft. 



Die Uebungen des Königl. Homiletischen Seminars 
leiten abwechslungsweise Prof. Wiesinger und Prof. 
Schultz Sonnabends 10—12 Uhr öffentlich. 

Katechetische Uebungen: Prof. Wiesinger Mittwochs 
5—6 Uhr; Prof. Schultz Sonnabends 4—5 Uhr öffentlich. 
Die liturgischen Uebungen der Mitglieder des prak- 
tisch-theologischen Seminars leitet Prof. Schöberlein 
Sonnabends 9- 11 Uhr und Mittwochs 6— 7 Uhr öffentlich. 



Eine dogmatische Societät leitet Prof. Seköberlem 
Donnerstags um 6 Uhr ; eine historisch-theologische Prof. 
Wagenmann Freit, um 6 Uhr; kirchenhistorische Uebun- 
gen Prof. Eeuter Donnerstags um 5 Uhr; eine theolo- 
gische Societät Prof. Schultz Freitags um 7 Uhr. 



Rechts Wissenschaft. 

Encyklopftdie der Bechtswissenschaft: Prof. John 
Montag, Mittwoch und Freitag von 12—1 Uhr. 

Institutionen und römische Bechtsgeschichte : Prof« 
V. Ihering täglich von 11— 12 und Dienstag, Donnerstag 
und Sonnabend von 12—1 Uhr. 



199 

Pandekten -mit AusscIiIubb des Familien- und Erb« 
rechts: Prof. Sartmann täglich Ton 8— 10 Uhr. 

Pandekten zweiter Theil, und zwar: Familienrecht 
Montag von 4—6 Uhr; Erbrecht Dienstag und Don- 
nerstag von 4—6 Uhr Dr. Zitelmann, 

Pandekten-Prakticum : Prof. v, Ihering Montag, Mitt- 
wech und Freitag von 12—1 Uhr. 

Pandekten-Exegeticum ! Dr. Zitelmann Dienstag und 
Donnerstag von 12—1 Uhr. 

Deutsche Bechtsgeschichte : Prof. Dove fünfmal wö- 
chentlich von 8—9 Uhr. 

Deutsche Rechtsgeschichte: Dr. Stckel fünfmal wö- 
chentlich von 12—1 Uhr. 

Deutsches Privatrecht mit Lehn- und Handelsrecht, 
Wechsel- und Seerecht: Prof. PTo/^ täglich von 8— 10 Uhr. 

Deutsches Privatrepht mit Lehnrecht: Dr. Ehrenberg 
t&glich von 8—9, Sonnabend auch von 7—8 Uhr. 

Handelsrecht mit Wechselrecht und Seerecht nach 
seinem Buch (Handelsrecht Aufl. 5; Wechselrecht Aufl. 4) : 
Prof. ThUl fünfmal wöchentlich von 7—8 Uhr. 

Preussisohes Privatrecht: Prof. Ziebarth fünfmal wö- 
chentlich von 9—10 Uhr. 

Gemeines Strafrecht: Prof. Ziebarth fünfmal wöchent- 
Hch von 11—12 Uhr. 

Deutsches Straf]*echt : Dr. r. Kries fünfmal wöchent- 
lich von 10—11 Uhr. 

Deutsches Staatsrecht (Kelchs- und Landesstaats- 
recht): Prof. jFV«n«(ior^ fünfmal wöchentlich von 9— 10 Uhr. 

Erklärung der Verfassungsurkunde des deutschen 
Reichs: Prof. Frensdorff Mittwoch von 11—12 Uhr 
öffentlich. 

Verwaltungsrecht mit besonderer Bücksicht auf 
Preussent Prof. Mejer viermal wöchentlich von 1 1— 12 Uhr. 

Völkerrecht: Prof. J^r£fi«(/or^ Dienstag, Donnerstag 
und Sonnabend von 12 — 1 Uhr. 

Protestantisches und katholisches Kirchenrecht, ein- 
schliesslich des Eherechts: Prof. Mejer fünfmal wö- 
chentlich von 10 — 11 Uhr. 

Kirchenrechtliche Uebungen leitet Prof. Dove Diens- 
tag um 7 Uhr Abends privatissime und unentgeltlich. 

17* 



200 

Theorie isM dealsoii^ii Oi^piocABMsi IVof/AAulfig- 
lieh von 9—10 Uhx. 

StrafprocesB: Prof. John Montag, DienAtagf» Don« 
nerstag, Freitag von 11 —12 Uh r. 

Criminal-Prakticum : Prof. John Mittwpoh yon4<— 6 Vhr> 

Medicin. 

Zoologie, Botanik, Chemie 8. unter Katttrwissen- 

Bchaften. 

Knochen- und Bänderlehre: Dr. vonBnmn ]>ia|iff|af» 
Donnerstag und Sonnabend Ton 11 — 12 Uhs« 

Systematische Anatomie II. Theil (G«ft9a- und N#tf- 
yenlehre): Prof. Menle tdglich von 12—1 Uhr. 

Allgemeine Anatomie: Prof. HenU Montag, Mitt- 
woch, Freitag von 11—12 Uhr. 

Anatomie, Histologie und vergleichende Anatomie 
der Drüsen trägt Dr. von Brtmn Mittwooh und Sonn- 
abend von 7—8 Uhr öffentlich vor. 

Mikroskopische Uebungen in der normalen Gew.ebcH 
lehre hält Dr. von Brunn vier Mal wöohentUoh in zu 
verabredenden Stunden. 

Mikroskopische Curse in normaler Histologie hält 
Prof. Krause Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag 
von 2—3 Uhr oder zu anderen passenden Stunden. 

Allgemeine und besondere Physiologie mit bläute- 
rungen durch Experimente und mikroskopische Bemonv 
strationen : Prof. Herbst sechsmal wöohentuch um 10 Ühr. 

Experimentalphysiologie 1. Theil (Physiologie dar Er- 
nährung): Prof. Meissner täglich von 10 — 11 Uhr. 

Physiologie der Zeugung nebst allgemeiner und ape- 
cieller Entwicklungsgeschichte: Prof. MeMmmr Fraitag 
von 5—7 Uhr. 

Physiologische Optik s. S. 206. 

Arbeiten im physiologischen Institut leitet Prof.. 
Meissner täglich in pass enden St unden. 

Allgemeine Pathologie und Therapie lehrt Prof. 
Krämer Montag, Dienstag, Donnerstag um 4 Uhr* 

Specielle pathologische Anatomie lehrt Pro£ Ponfi^ 
täglich ausser Sonnabend von 2 — 3 Uhr. 

Einen demonstrativen Cursus der pathologischen Ana- 
tomie und Histologie hält Prof. Ponfick Dienstag und 
ffonnabend von 7—8 Uhr "DoimeialÄ^ N<>Tk \— ^\ v^Nt. 



201 

Praktischen Curstt« der pathologischen Histologie hält 
Prof. Tonfkk Mittwach und Sonnabend von 2—4 Uhr. 

P^ydkidiadbe Disgnoatik verbunden mit praktischen 
Uebungen lehrt Prof. Jßiehhorst Montag, Dienstag und 
Donnenfeag von 4-^5 Uhr ; Dasselbe trftgt Dr. Wiese 
viermal iv^chefft^ich in später näher zu bestimmenden 
Stunden Tor« 

Uebungen in der Handhabung des Kehlkopfspiegels 
hält Prof. EichAftrH Sonnabend von 12—1 Uhr. 

Diagnostik des Harns und Sputums mit praktischen 
XJebiiii@en: Prof* Eiisl^rsi Mittwoch von B — 4 und Sonn- 
abend vom 2-^3 Uhr. 

ExporimottteUQ Ars^mittellehre und Beceptirkunde 
lehrt Prof. Marm^ wr Mal wöchentlich von 5—6 Uhr. 

Die getammAe ^rsueämittellehre erläutert durch De- 
monstrationen uiMt Versuche und mit praktisehen Uebun- 
gen im AbfasedA talUeh^ Verordnungen verbunden trägt 
VtoL Süimmcumi flQinfmal wöchentlich um 3 Uhr vor. 

Experimentelle Toxiki^gie trägt Prof. Marnii Don- 
newteig noa 6—7 Uhr vor. 

Ueb«r giftige lm4 esabare Pilze trägt Prof. Huae- 
mann öffentlich Dienstag von 5—6 Uhr vor. 

PhMrmAkogmotsls lehrt Prof. Wiggera fünfmal wöchent- 
lich von 2h^ Uhv nach «einem HAndbuche der Phar- 
mak«gnoAie^ 5. Aufl. Göttingen 1864. 

Pharmaftie lehrt Frei. Wiggers sechsmal wöchentlich 
YOft 6^—7 Uhr Morgens; Dasselbe lehrt Prof. von Udar 
vier Mal wöchentUeb^ <im 3 Uhr; Dasselbe Dr. ^^o- 
mey^ privatiasimei, 

Orgdniacke Chemie für Mediciner» Vgl. Naturwissen- 
sohafteof 8. 206. 

Ein pharmakologisQheB £xa,minatorium und pharma- 
kologische und tocdkologische Untersuchungen leitet Prof. 
MarnU im pharmakologischen Institut unentgeltlich; 
solche Uebungen und Untersuchungen leitet auch Prof. 
Husemann in gewohnter Weise. 

Einen elektrotherapeutischen Cursus hält Professor 
Martni' awei Mal wöchentlich von 2—3 Uhr. 

Specielle Pathologie und Therapie I. Eälfte: Prof. 
Ebstein täglich, ausser Montag, von 7—8 Uhr. 

Ueber acute Infectionskrankheiten trägt Prof. Hasse 
vier Mal wöchentlich vor. 

Veher Xinäerkr&nkheiien trägt Prof. EicKKorst ^'VCl^ 
tag uad Mittwoch vou 5—6 Uhr vor. 



202 

Ueber Hautkrankheiten und Syphilif trägt Prof. 
Krämer Mittwoch und Freitag um 4 Uhr vor. 

Die medicinisohe Klinik und Poliklinik hält Prof. 
JEbstein täglich von lOf— 12 Uhr. 

Allgemeine Chirurgie lehrt Prof. Lohmeyer f&nf Mal 
wöchentlich Ton 8—9 Uhr; Dasselbe Prof. J^senbach 
fünf Mal wöchentlich von 7—8 Uhr Abends oder ni 
anderen passenden Stunden. 

Die chirurgische Klinik h&lt Prof. Kifnip f&nf Mal 
wöchentlich um 9|^ Uhr. 

Chirurgische Poliklinik hält Prof. KOnig in Verbin- 
dung mit Prof. Roaenhach Sonnabend von 10^ — 11 J^ Uhr. 

Einen chirurgisch - diagnostischen Curtus hält Dr. 
Riedel für jüngere Kliniker zweistündig. 

Uebungen in chirurgischen Operationen an der Leiche 
leitet Prof. König Abends von 5 — 7 Uhr. 

Verbandcursus hält Dr. Riedel einstündig. 

Augenheilkunde lehrt Prof. Leber Montag, Mittwoch, 
Donnerstag, Freitag Morgens von 7—8 Uhr. 

Augenspiegelcursus hält Prof. Leber gemeinschaftlich 
mit Dr. Deutschmann Mittwoch und Sonnabend von 
12-1 Uhr. 

Einen Cursus der Funotionsprüfungen des Auges mit 
besonderer Berücksichtigung der für die Praxis nOthi- 
gen Brillenbestimmungen hält Dr. Deuischnumn swei 
Mal wöchentlich in su bestimmenden Stunden* 

Die Klinik der Augenkrankheiten hält Prof. L^ter 
Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag von 12 — 1 Uhr. 

Ausgewählte Capitel der OhrenheiUiunde trägt Dr. 
Bürkner wöchentlich in einer zu bestimmenden Stunde vor. 

Demonstrativen Cursus der Pathologie und Therapie 
des Onres, verbunden mit Uebungen im Untersuchen 
des Gehörorgans hält Dr. Bürkner Montag und Don- 
nerstag von 4—5 Uhr. 

Gynaekologie wird Dr. Hartwig Montag, Dienstag, 
Donnerstag, Freitag von 3 — 4 Uhr vortragen. 

Geburtshülflichen Operationscursus am Phantom hält 
Prof. Schwartz Mittwoch und Sonnabend um 8 Uhr. 

Geburtshülflich- gynaekologisohe Klinik leitet Prof. 
Schwartz Mont., Dienst., Donnerst., Freit, um 8 Uhr. 

Psychiatrische Klinik hält Prof. Meyer Montag und 
Donnerstag von 4 — 6 Uhr. 

Forensische Psychiatrie , erläutert an Geisteskranken, 



208 

lehrt Prof. Mey^r wöchentlich in zwei zu verabredenden 
Stunden. 

Prof. Baum wird zu Anfang des Sommersemesters 
Vorlesungen ankündigen. 

Die äusseren Krankheiten der Hausthiere und Beur- 
theilungslehre des Pferdes und Rindes trägt Vtot Esaer 
wöchentlich fünf Mal von 7—8 Uhr vor. 

Klinische Demonstrationen im Thierhospitale wird 
Derselbe in zu verabredenden Stunden halten. 

Philosophie. 

Geschichte der alten Philosophie: Prof. Baumann, 
Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag 5 Uhr. 

Allgemeine Geschichte der Philosophie: Dr. Ueber- 
hörst, 5 St., 5 Uhr. 

Einleitung in das Studium der platonischen und ari- 
stotelischen Schriften: vgl. Oriech, und LaU Sprache 
S. 210. 

Die Philosophie Schopenhauers: Dr. CTeberhorst, 
Mittw, 6 Uhr, unentgeltlich. 

Logik : Prof. Baumann, Montag, Dienstag, Donners- 
tag, Freitag 8 Uhr. 

Metaphysik: Prof. Loize, 4 St., 10 Uhr. 

Psychologie : Dr. Müller , 4 St. , 12 Uhr. 

Religionsphilosophie : Prof. Bohtz, Dienstag und Frei- 
tag, 4 Uhr. 

Religionsphilosophie, Dr. Rehnisch, 4 St. 3 Uhr. 

Praktische Philosophie: Prof. Lotze, 4 St., 4 Uhr. 

Prof. Baumann wird in einer philosophischen Socie- 
t&t, Montag 6 Uhr, Abschnitte aus Kants Kritik der 
reinen Vernunft behandeln. 

In der einen seiner philosophischen Sodetäten wird 
Prof. Peipers ausgewählte Abschnitte aus Aristoteles' 
Nikomachischer Ethik, Dienst. 6 Uhr, in der andern 
Kants Krisik der praktischen Vernunft, Freitag 6 Uhr, 
behandeln, beides öffentlich. 

Geschichte der Erziehungslehre: Prof. Krüger, 2 St., 
2 Uhr. 

Die Uebungen des K. pädagogischen Seminars leitet 
Prof. Sauppe, Mont. und Dienst. 11 Uhr, öffentlich. 



m 

Mathematik und A8iroii(>iiiie. 

Elementargeometriflche Herleitung der wiohtigiten 
Eigentohaften der Kegelschnitte: Prof; SeitMmz, Mont. 
u. Donnerst., 4 Uhr, öffentlich. 

Einleitung in die synthetische Geometrie: Prof. 
Schwan, Mont. bis Freit., 9 Uhr. 

Differential- und Integralrechnung! Prof. Stnm, 5 
St., 7 Uhr. 

Grundlage der Differentialgltiohuiigoii : Fiof. Mtm^- 
per, öffentliäi. 

Theorie der bestimmten Integrale: Prof. JEnnep&r, 
Mont. bis Freit., 10 Uhr. 

Variationsrechnung und ihre Anwendung auf Mecha- 
nik: Prof. Stern, 4 St., 8 Uhr. 

Anwendungen der ellipti)Bohe& iVinktioneji aiif ««»• 
gewählte Aufgaben der Ueomettiie und dev Meoliaiiik: 
Prof. Schwarz, Mont. bis Freit., 11 Uhr. 

Analytische Mechanik : Prof. Schering, Mpnt. Dieist. 
Donnerst. Freit., 9 Uhr. 

Praktische Geometrie: Prof. Vlrieh, 4 Tage, 5-T7Iflir. 

Sph&risohe Astronomie: Prof; KUmkärfiuBB, Montag, 
Dienstag, Mittwoch und Donnerstag, Vt Uki. 

Geometrische Optik und Mathematische ^eorie des 
Magnetismus und der Elektricitftt : s. ^^uxwiss,. S. 206. 

Mathematische Colloquien: Prof. ScKwari^ priyajtis- 
sime und unentg., wie bisher, 1 St. 

In dem mathematisch -physikalischen Semmar Pvof. 
Schwarz \ Ueber diejenigen Flächen, welche in jedem 
ihrer Punkte gleich grosse und entgegengesetzt gerich- 
tete Hauptkrfimmungsradien besitzen, Freitag 12 Uhr; 
Prof. Schering: Besondere Theile der analytischen Me- 
chanik, Mittwoch 9 Uhr, Prof. Stern: über die An- 
wendung einiger Reihen auf die Zahlentheorie, Mitt- 
woch 8 Uhr. Prof. Klinkerfues giebt einmal wöchej^t- 
lieh zu geeigneter Stunde Anleitung zu astronomischfn 
Beobachtungen, alles öffentlich. — Vgl. Ifaturwimn- 
schafben S. 206. 

Naturwissenschaften . 

Allgemeini? Zoologie: Prof. Mhlers, Mont. bis Don- 
nerst., 7 Vhr, 



205 



e Zoologie, erster Theil: Prof. Ehlers^ l^eh. 
nnd Sonnabend, 7 Uhr. 

Zootomischer Kars: Prof. JEhier$, Dienst, u. Donnerst., 
9-11 ühr. 

Anatomie und Entwiokelungsgesohiohte der Arthro« 

len: Dr, Ltuhoig, 2 St. 

Zoologische Uebungen : Prof. JEhUr», privatiseime» 
wie bisher. 

Allgemeine und specielle Botanik: Proi^^ Ch-iseb^ehf 
' 6 St., 8 Ühr. — Demonstrationen yon Pflanzen d^s, bjQr 
t8Di«ph^n Q^^ns: Derselbe^ Mittw., 1,1 Vhx, 6f[ß^ifyih, 
— Uebungen in der systematischen Botanik : jpb^rseibe^ 
Botanische Kzcursionen: Derselbe, in Verl^.ndung mit 
Dr. Drude, 

Uebungen im Bestimmen und Demonstrirei^ ^ei. ein- 
heimischen Pflanzen: Pj*of. Reinke, Dienst.,, Mütw,, 
Donnerst, u. Freit., 7 Uhr Morgens. — MikrQskop^h- 
botanischer Cursus: Ikrselbe, in vier n&he^ fu b^tj^o^-: 
menden Stunden. — Mikroskopisch -pharmaeei^tiBißhei^ 
Conus: Derselbe, Sonnab. 9 — 11 Uhr. — MikrpskiQpi- 
Bcher Cursus zur Untersuchung von Nahrungs- u,Bd Q^ 
nuismitteln: Derselbe, Sonnab., 11— 1 Uhi^. — Satanir 
sehe Excursionen veranstaltet Derselbe, 

Flora von Deutschland, Phanerogamon : Di. Dvtfde, 
5 St. , 10. yhr ; dazu botaniscl^ Excursioneo,, — Jjs, 
s^ii^er botanischen Societ&t wird er praktische Uebyp£|^xi, 
in 491 Pflanzen -Systematik und Morphologie ansteUqn» 
Dienstag und Freitag 6 Uhr. 

Uin^rSciogift: Pi:ot Klein^ 5 St., U Uh«, 

KJty^triljpgr^pbie: Prof.^ Khin, 4 St., 4 Uhri* 

Qeognosie: Prof. von Seebach, 5 St., 8 Uhr, verbuan 
de» mit ExcujirsioneB« 

Gesteinskunde: Dr. Zanai, Dienst, u. Freitag, 5Uhr^ 
verbunden mit Uebungen und Ezcuxsionen. 

Die gesteinsbildenden Mineralien : Dr. Oein^, Mont. 
u. Donnerst., 10 Uhr (und 1 St. Übungen). 

Geologie der Sibeinkohlen: Dr. Oemit», Donoerstag 
5 Uhr, unentgeltlich. 

Mineralogische Uebungen: Prof. Klein, Sonnabenc^ 
10—12 Uhr, öffentlich. 

SLrystaUogpraphiflche Uebungen: Prof. Klein, Mittw. 
2—5 Uhr^ privatissime, aber unentgeUAloh. 

PßtrogrsLpbiBche vLüd paiaeontologische \3e\>\M;i|^^u\&v 



206 

iet Prof. von Seebaeh privatissime , aber unentgeltlich^ 
Mont. Dienst. Donnerst., 9—1 Uhr. 
. Petrographische Uebungen im geologischen Institute: 
Dr. Geinitz, unentgeltlich« 

Experimentalphysik, erster Theil: Mechanik, Aku- 
stik und Optik: Prof. Rieche, Montag, Dienstag, Don- 
nerstag und Freitag, 5 Uhr. 

Einleitung in die mathematische Theorie des Magne- 
tismus und der Elektricität: Dr. Fromme^ Dienst, und 
Donnerst. 12 Uhr. 

Geometrische und physische Optik: Prof. ZMngt 
4 St. um 12 Uhr. 

Ueber Auge und Mikroskop: Prof. Listing, privatis- 
sime in 2 zu verabredenden Stunden. 

Physikalisches CoUoquium: E^of. Listing, Sonnabend 
11-1 Uhr. 

Repetitorium der Physik: Dr. Fromme, privatisume, 
in gewohnter Weise , Dienst, u. Donnerst, (später drei- 
stündig), 7 Uhr Morgens« 

Praktische Uebungen im Physikalischen Laboratorium 
leitet Prof. Rieche, in Gemeinschaft mit den Assistenten 
Dr. Fromme und Kand. NiemUUer, Dienst. , Donnerst, 
Freit. 2—4 Uhr und Sonnab. 9—1 Uhr. 

In dem mathematisch -physikalischen Seminar leitet 
physikalische Uebungen Prof. Listing, Mittwoch 12 Uhr, 
und behandelt Prof. Rieche ausgewählte Kapitel der 
Experimentalphysik, Mittwoch 11 Uhr. — Vgl. Mathe- 
matik S. 204. 

Allgemeine Chemie: Prof. Hühner, 6 St., 9 Uhr. 

Allgemeine organische Chemie: Prof. Hitimer, Mon- 
tag bis Freitag 12 Uhr. 

Organische Chemie, für Mediciner: Prof. von Uslar, 
in später zu bestimmenden Stunden. 

Chemische Technologie: Dr. Post, 3 St. 

Einzelne Theile der theoretischen Chemie: Dr. 
Stromeyer , privatissime . 

Agriculturchemie (Pflanzen ernährungslehre) : Prof. 
Tollens, Mittw. Donnerst. Freit., 10 Uhr. 

Uebersicht der sogenannten Kohlenhydrate: Prof. 
Tollens, einmal wöchentl., öffentlich. 

Die Vorlesungen über Pharmacie und Pharmakogno- 
sie s. unter Medicin S. 200. 

Die praktisch- chemischen Uebungen und wissen- 



207 

tthafUiehen Arbeiten im akademischen Laboratorium 
leiten Prof. Wohler und Prof. Hübner in Gemeinschaft 
mit den Assistenten Dr. latmaseh, Dr. Poat, Dr. Fre- 
riehSf Dr. Wiesinger ^ Dr. Polstorf ^ Dr. Brückner, 

Prof. Boedeker leitet die praktisch - chemischen Ue- 
bongen im physiologisch -chemischen Laboratorium täg- 
Heb (ausser Sonnabend) 8—12 und 3—5 Uhr. 

Die Uebungen im agrikulturchemischen Laboratorium 
IiHet Prof. Toüens in Gemeinschaft mit dem Assistenten 
Dr. Schmögery Montag bis Freitag, 8 — 12 und 2—4 Uhr. 

Historische Wissenschaften. 

Einleitung in das Studium der allgemeinen Erdkunde: 
Prof. Wappäus, Montag, Dienstag, Donnerstag und 
Preitag, 11 Uhr. 

Länder- und Völkerkunde des Alterthums: Prof. 
Kissen, 4 St., 12 Uhr. 

Ghrundzüge der antiken Chronologie: Prof. Nissen, 
lUKttw., 12 Uhr, öffentlich. 

Lateinische Palaeographie : Prof. Steindorff, 4 St., 
Mittw. und Sonnab. 10—12 Uhr. 



Historische Propaed eutik : Dr. Bernheim, Dienst. 
Donnerst. Freit., 10 Uhr. 

Geschichte der orientalischen Völker bis Darius : Dr. 
Gilbert, Dienst. Donnerst. Freit., 8 Uhr. 

Deutsche Kaiserzeit bis zum Interregnum: Prof. 
Weizsäcker, 4 St., 9 Uhr. 

Allgemeine Geschichte in der Periode des Ueber- 
^ngs vom Mittelalter zur neuern Zeit: Dr. Hühlbaum, 
l St., Dienst, u. Freitag. 

Zeitalter Ludwigs XIV. und Friedrichs des Grossen, 
Prof. Pauli, 4 St., 5 Uhr. 

Zeitalter der französischen Revolution: Prof. Wetg- 
täcker, 4 St., 4 Uhr. 

Englische Verfassungsgeschichte: Prof. Pauli, 4 St., 
3 Uhr. 

Geschichte Italiens im Mittelalter: Dr. Th, Wüsten- 
feld, Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag, 10 Uhr, 
oder in anderen mit den Zuhörern zu vereinbarenden St, 

Epochen der orientalischen Frage: Dr. ßühlbaumm 
Montag 6 Uhr, unentgeltlich. 



208 

Historisolie Uebungen leitet Prof. Pauli Mittwoch 
6 Uhr, öffentlich. 

Historische Uebungen leitet Prof. FTtfüwtfdlMr Freitag 
6 Uhr, öffentlich. 

Historische Uebungen über Herodot leitet Prof. Ni»- 
sen in einer noch eu bestimmenden Stunde, öffentiioh. 

Historische Uebungen leitet Prof. SUmdarffDotment, 
6 Uhr, öffentlich. ' 

Historische Uebungen leitet Dr. Bern?ieim, Ditnataf 
6 Uhr, unentgeltlich. i 

Kirchengeschichte : s. unter Theologie S. 197. 

Staats Wissenschaft und Landwirthscliafl | 

i 

' Volkswirthschafbslehre (Nationaloekonomie): P»)f. 
Sarusen, 5 St., 8 Uhr. i 

Oeffentliche Armenpflege: Prof. Hanas^n, Sonnibeid 
10 Uhr, öffentlich. 

Wirthschaftliche Gesetzgebung im Reiche: Dr. IVirt* 
torßt Dienst. Donnerst. Freit. 5 Uhr. 

Geschichte der sozialen Theorien; Dr. IHertierf, 
1 St., unentgeltlich. 

Beyölkerungs- und Moralstatistik (mit besonderer Be- 
rücksichtigung der Controverse über das Verh&ltniss der 
Ergebnisse der letzteren zur Willensfreiheit): Dr. Mek- 
nisch, Mittw. und Sonnab. 12 Uhr, unentgeltlich. 

Volkswirthschaftliche Uebungen: Prof. Soetbeer, privatis- 
sime, aber unentgeltlich, in später zu bestimmenden St. 

Einleitung in das landwirthachafbliohe Studium:- Pvofi 
Drechsler, in noch zu bestimmenden Stunden. 

Ackerbaulehre, speciellerTheil: Derselbe, ^Bt., 12Uhr. 

Die Theorie der Organisation der Landjgüter: Proi 
Griepenkerl, Dienstag, Donnerstag, Freitag, 5 Uhr. 

Die landvirthschaitlicheThierproductionslehre (Lehre 
von den Nutzungen, Kacen, der Züchtung, EmAhmng 
und Pflege des Pferdes, Hindes, Schafes und Sohweinas): 
Derselbe , Mont. , Dienst. , Donnerst. , Freit. , 8 Uhr. 

Im Anschluss an diese Vorlesungen werden Exkur- 
sionen nach benachbarten Landgütern und Fabriken 
veranstaltet werden. 

Die Lehre von der Futterrerwerthung : Prof.. Heth 
neherg, Mont., Dienst., 11 Uhr. 

Uebungen in Futterberechnungen.: Prof. ffenneberg, 
Mittw., 11 Uhr öffentlich. 



209 

Allgemeine und speoielle Züohtungslehr« nnd Racen- 
kande, mit besonderer BerÜcksiohiigung der Controver- 
wk foB Nbtkusiuft-Sett^gait (unler Ausaohlues d«r Er- 
Bihnmgslehre): Dr. Fesea, Mittw. und Donnerst. 10 Uhr. 

LandwirthschaftiieheslSracticum (l.Uebungen im land- 
ibthichaftlicheB Laboratorium, Freit. 2—6 Uhr, Sonnab. 
9*1 Uhr; 2. Uebungen in landwirthsohaftliohen Berech- 
Migen, Mont. u. Donnerst. 6 Uhr): Prof. Drechsl&r, 

Excursionen auf benachbarte Güters Prof. Dreehiler* 

Krankheiten der Hausthiere: s, Medicin S* 208. 

Agrikulturchemie, Agrikulturchemisehes Praktikum: 
i.N&turm88. S. 206. 

Literärgeschichte. 

Geschichte der epischen Poesie bei den Griechen: 
Prof. Düihey, 4 St. , 8 Uhr. 

Geschichte der deutschen Dichtung Tom Anfang des 
17. Jahrhunderts: Dr. TiUmann, 5 St., 10 Uhr. 

Geschichte der deutschen Nationalliteratur Ton Les- 
lings Zeit bis zur Gegenwart: Prof. Bohie, Montag, 
Dienstag, Donnerstag, 11 Uhr. 

Ueber Lessings Leben und Schriften: Prof. Ooedeke, 
Uittw. 5 Uhr, öffentliche 

Geschichte der Philosophie: vgl. Philosophie S. 208. 

Alterthumskunde. 

Geschichte der bildenden Künste bei den Griechen 
and Römern: Prof. Wieseler, Mont, Dienst. Donnerst./ 
10 Uhr. 

Umriss der griechischen MQnzkunde für Philologen 
ind 'Historiker: Prof. Wieseler, Freit, u. Sonnabend, 
LO ühr. 

Im K. archäologischen Seminar wird Prof. Wieseler 
öffentlich ausgewählte Kunstwerke zur Erläuterung vor- 
legen, Sonnabend, 12 ühr. 

Die Abhandlungen der Mitglieder wird Derselbe pri- 
faüssime beurtheüen, wie bisher. 

Vergleichende Sprachlehre. 

Die Uebungen der Sprachverglelohenden Societät lei- 
tet Prof. Fick, Mittwoch 6 Uhr. 

GMeehisohe Dialekte und Nominalkomposition der 
griech. Sprache tgl. Oriech, und hU Sprache S. SIIO. 



210 

Orientalische Sprachen. 

Die Vorlesungen über das A. Testament s. unter 
Theoloeie S. 197. 

Arabische Grammatik: Prof. WiUtenfeldp piiYatissime. 

Arabische Schriftsteller lässt Prof. de Lagaird$ e^ 
klftren, in noch zu bestimmenden Stunden, öffentlich. 

Unterricht in der Syrischen Sprache: F^f. BerÜmii^ 
Dienst, und Freit.» 2 Uhr. 

Grammatik der Sanskritsprache: Fiof, Berifey, Mont. 
Dienst. Donnerst. 5 Uhr. 

Interpretation seiner Sanskrit-Chrestomathie und Ye& 
scher Lieder: Prof. Benfey^ Mittw. und Freit, 5 Uhi 
und Donnerst. 6 Uhr. 

Erklärung von Yftskas Niruktam, Dr. Bezzenherper 
2 St. 

Griechische und lateinische Sprache. 

Geschichte der epischen Poesie bei den Griechen 
vgl. LiterärgeBchichte S. 209. 

Vergleichende Uebersicht der griechischen Dialekte 
Prof. Fick, 4 St., 10 Uhr. 

Ueber Nominalkomposition und Bildung der Eigen 
namen in der griechischen Sprache: Prof. Fick^ 2 St, 
10 Uhr, öffentlich. 

Herodot: vgl. Historische Wissenschaften S. 207. 

Piatons Gastmahl: Prof. Sauppe, Montag, Dienetag 
Donnerstag, Freitag, 9 Uhr. 

Einleitung in das Studium der platonischen und ari 
stotelischen Schriften: Prof. Peipers, Mont. Dienst 
Donnerst. 8 Uhr. 

Aristoteles Nikomach. Ethik: vgl. Philosophie S. 203 

Lateinische Grammatik: Prof. Sauppe^ Moni. Dienst 
Donnerst. Freit., 7 Uhr Morgens. 

Tacitus Historien : Prof. von Leutsch, 4 St., 10 Uhr 

Lateinische Paläographie : vgl. Histor, Wissenaeh, 8. 10 

Im K. philologischen Seminar leitet die Bchriftlichei 
Arbeiten und Disputationen Prof. Sauppe, Mittwoch 1! 
Uhr, lässt Musäos' Gedicht von Uero und Leander er 
klären Prof. DÜthey^ Montag und Dienstag, 11 Uhr, 
lässt das 4. Buch von Vergils Georgica Prof. vonLeuUei 
erklären, Donnerstag und Freitag, 11 Uhr, alles Öffenüich 

Im philologischen Pro&emlnar leiten die schriftUchex 
Arbeiten und DispulatloTveii ^^ ^i^^. ^onti Xt««Aafiih 



211 

Saufpe und Dilthey, Mittwoch 9 und 10 und 2 Uhr; l&sst 
du iweite Buch yon Vergils Oeorgica Prof. von Leutseh 
Mittwoch 10 Uhr und den homerischen Hymnus auf 

Hennes Prof. Dülhey Mittwoch 9 Uhr erklftren, alles 

(Ifinitlich. 

Deutsche Sprache. 

Historische Grammatik der deutschen Sprache : Prof. 
WUh. Müller, 5 St., 3 Uhr. 

Den Parzivdl von Wolfram von Eschenbach erklärt 
Prof. Wüh. Müller, Mont. bis Donnerst., 10 Uhr. 

Altdeutsche Metrik: Dr. Wilken, Mittwoch und Sonn- 
abend, 11 Uhr. 

Angelsächsische Grammatik und Lektüre des Beövulf : 
Dr. Jrilken, Mont. Dienst. Donnerst., 11 Uhr. 

Die Uebungen der deutschen Gesellschaft leitet Prof. 
Wäh. Müller. 

Althochdeutsche Uebungen: Dr. Wilken, einmal 
wöcb., imentgeltlich. 

Geschichte der deutschen Literatur: vgl. Literärge- 
schichte S. 209. 

Neuere Sprachen. 

Corneille's Gd wird Prof. TA. Müller in französi- 
scher Sprache erklären , mit Vergleichung des spanischen 
Originals, las mocedades dei Cid von Guulen de Castro, 
Montag und Donnerstag 4 Uhr. 

Uebungen in der französischen und englischen Sprache 
veranstaltet Derselbe , die erster en Montag, Dienstag und 
Mittwoch, 12 Uhr, die letzteren Donnerstag, Freitag 
und Sonnabend, 12 Uhr. 

Oeffentlich wird Derselbe in der romanischen Socie- 
tät die Anfangsgrtlnde der spanischen Sprache lehren, 
Freitag 4 Uhr. 

Schöne Künste. — Fertigkeiten. 

Unterricht im Zeichnen wie im Malen ertheilt, mit 
besonderer Rücksicht auf naturhistorische und anatomi- 
idie Gegenstände, Zeichenlehrer Feiere. 

Geschichte der modernen Musik: Ptoi. KrUger^ 
4 8t, 12 Uhr. 



219 

Hannonie - tind EotntbOBitiotulehre , yerbMfdttk tta 
prakti«cheii Üdbtmgfeii: Musikdirector jETiKfe) M |(Mb& 
don SttnidM. 

Zur Theilmhttd An deb üebuifg«xf ifH Sittf^ 
demie and des Orchesterspielyereins ladet DeriäA^ ^ 

Beitonterriclit ertheilt in der IL üniyermt&tB-Ba] 
bahn der Univ.-Stallmeister Schw^tpe, JtContag, Dienste 
Donnerstag, Freitag, Sonnabend Morgens Ton 7—11 tu 
Nachm. (ausser Sonnabend) yon 4 — 5 Uhr. 

f^ephtkunst lehrt der Üniversit&tsfeohtmeisfer Cfr§n 
klee, TtuBaknnst der UniTersitfttstanuneifiter SMsks. 

Oeffentliclie Sammlungien. 

Die Unitersiiätshibltoihek ist geöffnet Montag, Dionsiag 
DoAileMtag and Freitag von 2 bis 3, Mittwoch und Soiu- 
abend von 2 bis 4 Uhr. Zar Ansicht aaf der BibHoibd 
erhält man jedes Werk, das man in gesetdieher Ytm 
verlanet; verliehen werden BQcher nach Abgabe eisfli 
Seme^tkarte mit der Bürgschaft eines Professors. 

Das zoologische und ethnographische Mtiseum ist Diens- 
tag and Freitag yon 3 — 5 Uhr geöffnet. 

Die Gemäldesammlung ist Donnerstag yon 12 — lük 
geöffnet. 

Dör botanische Garten ist, die Sonn- und Festtagi 
ausgenommen» tSglich yon 5—7 Uhr geöfi&iet. 

Ueber den Besuch und die Benutzung der theotoäi 
sehen Seminarhibliothek , des Theatrum anatomicum^ de 
physiologischen Instituts, der pathologischen Sammlwu 
der Sammlung von Maschinen und Modellen ^ des sook 
gisdhen and ethnographischen Museums, des botanische 
Gartens, der Sternwarte, des physikalischen Cabinei 
der Mineralogischen xmd der geognostisch-paläoniologisehi 
Sammlung, di6r chemischen Laboratorien , des arehäolog\ 
sehen Museums, der Gemäldesammlung, der Bibüowi 
des k. philologischen Seminars, des diplomatischen .Appa 
rats, der Sammlungen des landmrihsehaftUeken Insittu 
bestimmen besondere Reglementfi das Nähere; 

Bei demLogiscommissär, Pedell jBar^28(Weender8t.82 
können die, welche Wohnungen suchen, sowohl fibc 
die Preise, als andere Umstände Auskunft erhftM»! 
und auch im voraus Bestellungen machen. 



~"% 



Sfaclirichteii %.,^i|iS' 

von der KönigL Gesellschaft der^'WjsBTO:^"' 
Schäften und der G. Ä. Universität zu 
Göttingen. 



]. larz. M 6. 1878. 



Ktaigliche GeBeUsckaft der Vkseischafteu. 

Sitznng vom 2. März. 

Henl«, Zar vergleiobenden ÄDatomie der EryaUlUinse. 
Btafey, Einige Derivate des IndogennatuMhen Yerbums 

*MiA = EttDikritisoh nabh. 
JiLkgftrde, Erklärung cbaldäisober Wörter. (Er- 

nhout io den AbhandlongeD.) 
Indwig, Die Borsae der Ophiariden und deren Homo' 

logoi bei den Pentnmiten. (Vorgelegt von Eblen.) 



Znr vergleicIieQden Anatomie der 

KrystalUinse. 

Von 

J. Henle. 

Za den manchfaltigen verwandtBchaftlicheii 
Beaalinngeii , welclie zwiachen den GlasBeu der 
Vflgel und Eeptilien beatehen , gehört anch die 
Aehnlichkeit im Bau der KryatalUinse, Cbarac- 
^Btiscb für das Yogeiaoge ist der Ring oder 
^gWDlst, der den Aeqnator der Linse amgiebt, 
■■uteliend aus Zellen, welche gegen die Ober- 
fliehe der eigentlichen, ans mehdionalen Fasern 
19 



zusammengesetzten Linse in senkrechter Riehtan 
verlängert und zu prismatischen Fasern auie^^« 
zogen sind, die gröfite Länge am Aeqnaiior etr— 
reichen und von da gegen den vo^d^roxi iul^ 
hinteren Pol der Linse allmählig kürzer werden, 
um nach vorn in das innere Epithel der Kapsel, 
nach hinten in die meridionalen Fasern über- 
zugehn. 

H. Müller entdeckte eine dem Ringwulst 
der Yogellinse vollkommen ähnliche Bildung im 
Auge des Chamäleon und der Eidechse; ich kann 
hinzufügen, daß die Blindschleiche sich durch 
die Structur ihrer Linse als ächter Saurier er- 
weist. Den Schlangen und Schildkröten sprach 
H. Müller den Ringwulst ab. Beide Angaben 
bedürfen einer Berichtigung. Den Schild]b:oten 
— ich untersuchte die Augen der Testudo graeca 
und einer großen Ghelonia — fehlt der Ring* 
wüst nicht; er ist nur verhältnißmäßig schmal, 
noch schmaler, als bei den Nacht-Raubvögeln. 
Die größte Breite desselben betrug an einer 
Schildkrötenlinse von 6 mm Aequatorial-Durch- 
messer 0,07 mm. "Was aber die Schlangen be- 
trifft, von denen mir freilich nur eine Art, die 
Natter, aber in vielen Exemplaren zu Gebote 
stand, so besitzen sie die zu prismatischen Stäbchen 
verlängerten Epithelzellen, wie die Vögel und 
Saurier, aber an einer anderen Stelle, wo sie 
nicht dazu dienen, den Aequatorialdurchmesser, 
sondern vielmehr die Axe der Linse zu vergr&fiem, 
demnach auch die Bedeutung eines die Linse 
umfassenden Rings verlieren und in physiologi- 
scher Hinsicht noch räthselhaffcer erscheinen, als 
die Fasern des Ringwulstes der Vögel. Sie er^ 
reichen ^das Maximum ihrer Länge, 0,1 mm in 
einer fast kugligen Lm^^ \otl 2^ mm Durchm«, 
ßm vordem Pol der lim^^, Tv^Xvm^xi ^^tl ^ "«j^ 



215 

nach allen Seiten gleichmäßig an Länge ab und 
sind noch vor dem Äequator auf die Mächtigkeit 
gewohnlicher Pflasterepithelzellen reducirt. 

Während demnach die zu Fasern ausgewachse- 
nen Epithelzellen der Vögel, Saurier und Schild- 
kröten einen gegen beide Ränder zugeschärften 
Sing darstellen, gleichen die entsprechenden 
fasern der Schlangen in ihrer Gesammtheit 
einer auf die Vorderfläche der Linse aufgesetzten, 
. gewölbten Platte mit zuge&chärftem kreisför- 
migen Bande. 

Die Bnrsae der Ophinren und deren 
• Homologon bei den Pentremiten. 

Von 

Dr. Hubert Ludwig. 
(Vorgelegt von Ehlers.) 

Bereits in meinen Beiträgen zur Anatomie 
der Ästenden (Morpholog. Studien an Echino- 
dermen p. 198) habe ich darauf hingewiesen, 
daß die herkömmliche Auflassung der Genital- 
spalten der Ophinren eine irrthümliche ist. Die 
weitere Verfolgung dieses Gegenstandes hat nun 
zu Ergebnissen geführt, welche, da die Veröffent- 
lichung meiner ausführlichen Abhandlung über 
die Anatomie der Ophinren wohl erst gegen 
Ende dieses Jahres wird stattfinden können, 
einer Yorläufigen Mittheilung an dieser Stelle 
nicht unwerth erscheinen dürften. 

Bekanntlich wird allgemein behauptet, daß 
die Genitalprodukte bei den Ophinren in die 
Leibeshöhle entleert werden und von hier aus 
durch die sog. Genitalspalten nach außen ^q- 
hkDgen; letztere soUen direct iu die LevVi^'^Oj^^ 



216 

fuhren uud außer zur Ausfuhr der Genitalpro- 
dukte auch noch zur Einfuhr Yon Seewasser in 
die Leibeshöhle dienen. Von diesen Behanptnn- 
gen ist nur das Eine richtig, daß Eier und Sa- 
men durch die Genitalspalten ins Freie gelangen; 
alles Uebrige ist irrthümlich, insbesondere werden 
weden die Geschlechtsproducte in die Leibe»- 
höhle entleert noch münden die Genitalspalten 
in die letztere. 

An den Rand einer jeden Genitalspalte 
setzt sich ein häutiger Sack an, welcher in die 
Leibeshöhle eindringt und in derselben blindge- 
schlossen endigt. Die Wand des Sackes ist im 
Allgemeinen sehr dünn und leicht zerreißlich. 
An den Rändern der Genitalspalten nimmt sie 
allmälig die Beschaffenheit der äußeren Haut 
an; bei einigen Arten, so insbesondere bei den 
Arten der Gattung Ophioglypha setzen sich die 
Ealktafeln der äußeren Haut an dem der Ge- 
nitalspange gegenüberliegenden Rande der Ge- 
nitalspalte mit einer Tafelreihe in die Wand 
des Sackes hinein fort; bei anderen Arten besitst 
die Wand des Sackes mehr oder minder zahl- 
reiche platte Ealkkörper z. B. bei Ophiocoma 
scolopendrina und Ophioderma longicauda. Der 
Sack ist demnach als eine Einstülpung des 
äußeren Integumentes zu betrachten. Gegen die 
Leibeshöhle hin zieht sich der Sack oder die 
Bursa, wie wir ihn einstweilen mit einem mte^ 
liehst indifferenten Namen nennen wollen, m 
mehrere Zipfel aus, von welchen einer sich über 
die Ealkstücke des Peristoms hinüberlegt, bis 
dicht an das Mundstück des Darmes herantritt 
und bei keiner der von mir bis jetzt untersuchten^) 

1) Es sind dies : Ophiologlypha Sarsii u. 0. albida, 
OpbiocomA scolopendrina n. 0. rn^ta^ Qi^hiomyxa pen- 
tagoDa, Opbiopholis beUiB , Op\i\o\]&raL fe^vS^vE^ , ktu^JisBsxv 
ßlUbrmiB, Ophioderma longvQaxxdA^. 



217 

;n fehlt. Die nbrigeu Zipfel scbeiuen sich 
i Zahl; Form und Lagerung bei den ver- 
^denen Arten und vielleicht selbst bei den ver- 
ädenen Individuen mehr oder weniger un- 
jh zu. verhalten. Bei der Gattung Ophioglypha 
lur ein weiterer Zipfel der Bursa vorhanden, 
her sich, was ich bei keiner der übrigen 
rauchten Gattungen beobachtete, auf die 
lalseite des Darmsackes hinüberschlägt. Be*^ 
ich der Gattung Ophioderma möge erwähnt 
, dafi die äußere Vermehrung der Genital- 
ien auf vier in jedem Interradius nicht von 
r entsprechenden Vermehrung der Bursae 
eitet ist; je zwei hintereinander gelegene 
ten führen in dieselbe Bursa und sin^ auf 

einzige in der Mitte überbrückte Spalte zu-» 
zuführen. 
Die einzelnen Genitalschläuche verbinden 

mit einem sehr kurzen Ausführungsgange 

der Wand der Bursa und münden in die 
ere mit kleinen doch schon mit der Loupe 
rnehmbaren Poren. Jeder einzelne Genital- 
luch besitzt seinen eigenen Porus. Sämmt- 
) Poren liegen (ich beziehe mich hier zu- 
ist auf die Gattung Ophioglypha) in einer 

Bande der Genitalspalte im Allgemeinen 
llel verlaufenden Linie. Da die letztere dem 
le der Genitalspalte zugleich sehr nahe liegt, 
leibt in Folge dessen (und das gilt auch von 
übrigen untersuchten Arten) die Wand der 
a in ihrer größten Ausdehnung und be- 
ers an ihren blinden Endzipfeln stets frei 
Genitalschläuchen. Das deutet schon darauf 
daß die Bursa nicht nur eine Genitaltasche 
äa genitalis wie ich sie früher nannte) ist, 
em daß sie auch noch eine andere Bedeu- 

haben muß. Dies wird noc\i '^«Jai^vOcÄVsx- 



218 

lieber durch die Thatsaehe, daß die Bursa m. 
ihren Zipfeln schon ausgebildet ist, bevor d: 
Genitalprodukte zu reifen beginnen. Daß ab< 
auch nicht etwa nur die Bildung eines Brutraum< 
hier vorliegt, geht daraus hervor, daß die Bursc 
bei den männlichen Thieren ganz ebenso ausgc 
bildet sind wie bei den weiblichen; bei de: 
lebendiggebärenden Arten scheint die Bnrsa allei 
dings die Funktion eines Brutraumes zu übei 
nehmen. Wenn ich eine Vermuthung über di 
Function der Bursae der Ophiuren ausspreche 
soll, so ist es die, daß wir in ihnen die bishc 
nicht bekannten Respirationsorgane dieser Thiei 
vor uns haben; ich bin mir dabei aber wol 
bewußt, daß es zur vollen Sicherung dieser Ax 
sieht noch der Beobachtung am lebenden Thic 
bedarf. Von den sogen. Eiemenbläsehen d< 
Asterien unterscheiden sie sich wesentlich ds 
durch; daß jene verdünnte Parthien der Eörpei 
wand darstellen, welche nach außen ausgestül{ 
sind, während die Bursae nach innen eingestülpi 
verdünnte Parthien der Eörperwand sind, sowi 
ferner dadurch, daß sie nur in bestimmter Ai 
zahl und an ganz bestimmten Eörperstelleti voi 
kommen. Für die Ausdeutung der Bursae a 
Bespirationsorgane wird es bei Untersuchung de 
lebenden Thiere von besonderer Wichtigkeit sei 
festzustellen, ob eine Erneuerung des Wassers i 
denselben durch Wimperbewegung und Contrali 
tionen der Wand stattfinde, für letzteres spricl 
das Vorhandensein von Muskelfasern in de 
Wand der Bursa. Die Verbindung der Genita! 
schlauche mit dem Randtheile der Bursalwan 
betrachte ich als eine secundäre Erscheinunj 
Aus diesem Grunde möchte ich auch die Bezeicl 
nung »Genitalspalte« durch »Bursalspalte« ei 
setzen. 



219 

Sehen wir uns nnn nacli morphologisch den 
Börne der Ophiaren entsprechenden Gebilden 
W anderen Echinodermen um, so finden wir 
u^nds bei den lebenden Formen etwas Aehn- 
liches, wohl aber bei fossilen und zwar merk- 
wSrdigerweise bei jener räthselhaften Gruppe 
der Pentremiten. Rofe und Billings haben ge- 
leigt, daß die sogen. Genitalröhren der Pentre- 
miten jederseits von jedem Ambulacrafeld ein 
einheitliches Organ darstellen, welches mit seiner 
inneren blindgeschlossenen und in verschieden 
tthlreiche Längsfalten gelegten Seite in die 
Eingeweidehöhle hineinragt, nach außen aber 
durch eine Reihe hintereinander gelegener Poren 
angmtindet ^). Am geringsten ist die Zahl dieser 
inleren Oeffnungen bei Pentremites carjophjl- 
latas, bei welchem jederseits von jedem Am- 
bnlacrum nur vier schlitzförmige Spalten sich 
finden, welche in ihrer Lagerung die größte 
Uebereinstimmung mit den sog. Genitalspalten 
der Ophiuriden zeigen, bei welchen ja auch eine 
Yermehrung der Spalten auf je zwei bei der 
Gattung Ophioderma vorkommt. Billings nennt 
das gemltete Organ, indem er es als ein Respi- 
rationsorgan in Anspruch nimmt, »Hjdrospire«. 
Aof die weitere Zurückfiihrung der Hydrospire 
der Blastoideen auf die >pectinates rhombs« 
der Cystideen, welche Billings gleichfalls als 
Sespirationsorgane betrachtet, einzugehen wärde 
Uer za weit fuhren ; ich werde in meiner Ab- 

1) John Rofe , Notes on some Echinoderxnata from 
the Mountain-Limestone etc. Oeol. Mag. Vol. II. London 
1B66. p. 249. PL VIII. E. Billings, Notes on the strac* 
|an of the Grinoidea , Cystidea and Blastoidea. Amerio. 
Jonm. of Science and Arts by Sillinian and Dana. 2« 
Dcr. Yol 48, 49, 60. New Haven 1869 — I^IO. 



handlaug diese Verhältnisse eingehend sa er- 
örtern suchen. Hier mochte ich nnr darauf 
hinweisen, daß ich in den Barsae der Ophitariden 
das Honiologon der »Hydrospirenc der Bhiätoideen 
glaubte gefuudeu zu haben, ein Fnnd, der mir 
iiir die Erkenntnift der verwandtschafUidien 
Beziehungen der Ecbinodernien untereinander 
von sehr hoher Bedeutung zu sein scheint 
Göttiugen, 2. März 1878. 

••>•?; 



Berichtigung ^ 
.Seite 173 Zeile 13 qai» statt qa'ct. 



Bei der Königl. Gesellschaft der Wis- 
senschaften eingegangene Druckschriften. 

(Fortsetzung.) 

R. Wolf, Memoire aar la periode commune ii la fr^ 

qaence des taches solaires et & la Tariation de la d6- 

clinaison magnetiqae. 4. 
y. Rosen, Manoscrits Arabea. St. Petersbonrg. 1877. 
Do rn , Monuaies des Ehalifes etc. St. Peterabourg. 1877. 
H. C. Rüssel, Climate of New South Walea. Sidney 

1877. 
Ch. Robinson, The progress and resooices of N. S. 

Wales. Sidn. 1877. 
Journal and Proceedings of the R. Soo. of N. S. Wtles. 

Vol. X. 
Report of the Council of education upon the ccmdition 

of the public Schools for 1876. Sidney 1877. 

(Fortsetzung folgt). 



•^1 



221 

Afachriehten 

von der Königl. Qesellschafl; der Wissen- 
-Bohaften nnd der G. A. Univeraität zu 

Göttingen. 



15. Mai. M 1. 1878. 



Kiiigliche Gesellschaft der WisseniscbafteD. 

Sitzung am 4*.M^i* 



Grisebaoh, Die systematische Stellung von Sclero- 

phylax and Gortesia. 
Faali, Drei volkswirthsohaftliohe Denkschriften aas der 
Zeit Heinrichs YIII. von England, zam ersten Mal 
herausgeben von B. Pauli. (Erscheint in den Ab- 
handlangen.) 

Stern, Beiträge zur Theorie der Bemonlli'schen und 
Ealers'schen Zahlen. (Erscheint in den Abhandlungen) 

Wüstenfeld, Coptisch - Arabische Handschriften der 
Königl. Üniversitäts-Blbliothek. 

M arm6, Beobachtungen zur Pharmacologie des Salicins. 

▼.Brunn, üeber die Vena azygos. (Vorgelegt von Heule.) 

Besxenb erger, lieber einige avestische Wörter und 
Formen. (Vorgelegt von Benfey.) 



Die systematische Stellung von 
Sclerophylax und Gortesia. 

Von 

A. Grisebach. 

Die in meiner Abhandlung über die beiden 
ersten Pflanzensammlungen des Professor Lorentz 

19 



222 

beschriebene nnd abgebildete Gattung Sterrhy- 
menia hat sich nach einer brieflichen und später 
veröffentlichten Mittheilnng Bentham's dnreh 
Vergleichung von Originalexemplaren als iden- 
tisch mit Sclerophylax Mrs. heransgestellt. Da 
die Ergebnisse systematischer Vergleichnng theib 
von der Beschaffenheit des Materials, theils von der 
Zuverlässigkeit und Vollständigkeit der in der 
Literatur niedergelegten Beobachtungen bedingt 
sind, so war es in diesem Falle nicht snlassig 
gewesen , auf die Identität beider Pflanzen 
schließen zu dürfen. Denn Miers hatte von 
seiner Gattung Sclerophylax eine in mehrfachen 
und wichtigen Beziehungen irrthümliche Charak- 
teristik entworfen: die CoroUa regnlaris be- 
zeichnete er als »subbilabiatac , das Ovarinm 
septo superne inter ovula desinente incomplete 
biloculare als vollständig zweiföcherig und den 
geraden axilen Embryo als »incurvatus». Den- 
noch würde ich wahrscheinlich seine Beschrei- 
bung als irrig erkannt haben, wenn mir damals 
schon seine Abbildungen von Sclerophylax (Miers, 
Illustrations , 1. t. 25. 26.) zugänglich gewesen 
wären, welche den Habitus wiedergeben und 
aus den analytischen Einzelnheiteu auf die Ueber- 
einstimmung mit Sterrhymenia schließen lassen. 
Allein von den beiden Kupferwerken des Ver- 
fassers besaß unsere Bibliothek nur die Gontri- 
butions to Botany und hat die Illustrations of 
South-American plants erst kürzlich erworben, 
lieber die systematische Stellung von Sclero- 
phylax sind die Ansichten getheilt, eine nähere 
Verwandtschaft der Gattung mit bekanntem 
Typen ist bisher überhaupt nicht nachgewiesen. 
Miers verglich sie, zugleich entferntere Beziehun- 
gen berührend, namentlich mit den Solaneen nnd 
Boragineen and erhob sie sodann zu einer be- 



£23 

>rii Familie, seineii Scleroph jlaceen, wodureh 

l^rage «ben als eine nngeiöste bezeichnet 

Bentfaam unA Hooker stellen Sclerophylax 

in zweifelhaftes Glied der Solaneeii an da« 

dieser Familie nnd bemerken^ dafi die Gat- 
zwar dorcb die nnr mit einem einzigen Ei 
statteten Abschnitte des Oyarium sehr ano- 
»ei^ aber doch mit keiner andern Gruppe 
r, als mit den Solaneen übereinstimme 

plant. 2. p. 913). Sie würden vielleicht 
'S geurtheilt haben, wenn ihnen dieUnvoU- 
igkeit der Scheidewand des Ovarinms be- 
b gewesen wäre, worin abgesehen von andern 
ikteren die entschiedenste Abweichung von 
Typus der Solaneen besteht. Höchstens 
\>e man von der mit eigenthümlicher Sproß- 
ag verbundenen Gemination der Blätter 
Verwandtschaft mit dieser Familie ableiten, 

in dieser Beziehung stimmt unter den 
pneen Asperugo mit vielen Solaneen über- 

Mit dieser Gattung hat bereits Agardh 
jphylax verglichen, und glaubt, jedoch ohne 
e Beobachtungen zu besitzen, den Typus 
Boragineen darin zu erkennen (Theoria 
natis, p. 194), wobei er ein Hauptgewicht 
f legt, daß bei diesen und den Hydro- 
3en die Eier epitrop seien , die er in den 
en andern sympetalischen Familien, und 
ntlich auch bei den Solaneen, apotrop ge- 
n hatte. 

Us ich nach meiner Untersuchung aus 
n Gründen zu einem ähnlichen Ergebniß, 
Lgardh, gelangt war und Sterrhymenia den 
)phylleen anreihte (PI. Lorentzianae, p. 
B3), bemerkte ich zugleich, daß zwischen 
L und den Boragineen keine scharfe Grenze 
nden sei und daß nur der axile, von flei- 

19* 



224 

schigem Albumen umschlossene Embryo mich 
veranlasse, die Gattung den erstem anzuschließen. 
Damals war mir die als Boraginee aus der 
Gruppe der Ehretieen allgemein anerkannte und 
mit Sclerophylax in denselben Gegenden Ar- 
gentiniens einheimische Gattung Gortesia noch 
nicht vorgekommen, die erst späterhin von Pro- 
fessor Hieronymus in der Gegend von Cordoba 
aufgefunden wurde und deren bis jetzt nicht 
richtig verstandener Bau auf die Stellung von 
Sclerophylax ein unerwartetes Licht wirft. 

Miers hat auch von Gortesia eine ausfuhr- 
liche Analyse veröffentlicht und Gavanilles' ältere 
Darstellung zu vervollständigen gesucht (Gon.- 
tributions, 2. p. 215. tab. 83 6.), aber die merk- 
würdigste Eigen thümlichkeit der Gattung, die 
von ihm zuerst bemerkt wurde, morphologisch 
nicht zu deuten gewußt. Diese besteht darin, 
daß Miers innerhalb des Organs, welches bisher 
als Kelch galt, und außerhalb der Oorolla blatt- 
artige Gebilde fand, die aus einem zarten, fa- 
denförmigen Unguis in einen rhombisch gestal- 
teten, zugespitzten Laminartheil auslaufen , nnd 
die er als Appendices bezeichnet, ohne ihre 
Lage und Bedeutung näher festzustellen. Ben- 
tham und Hooker haben diese Organe^ die auch 
auf Miers* Steintafel ungenau gezeichnet sind 
(Fig. 4)^ nicht aufzufinden vermocht und sprechen 
den Zweifel aus, ob es nicht monströse Bil- 
dungen gewesen sein möchten (Gen. plant. 2, 
p. 841): aber dieser Einwurf ist unbegründet 
und rührt nur daher, daß sie frühzeitig entfernt 
werden und an der aufgebrochenen Blüthe be- 
reits verschwunden sind. Glücklicher Weise 
fanden sich an den von Hieronymus mir mit- 
getheilten Exemplaren zwei Blüthenknospen, an 
denen die zweifelhaft gebliebenen Appendices 



225 

selbständige Eelchorgane von ungewöhnlicher 
rm unmittelbar unter der CoroUe am Torus 
'estigt sich zeigten, während ihre behaarten 
oainartheile über der Knospe imbrikativ ver- 
tränkt sind, so daß, wenn die Gorolle sich 
rch ihr Wachsthum verlängert, diese Knospen- 
ike einen Druck erfährt, der vermuthlich die 
ranlassung ist, daß die zarten Üngues von 
em Insertionspunkt oder auch in ihrer Con- 
aität abreißen und somit das ganze Gebilde 
hr oder weniger vollständig abgeworfen wird. 
3bei ist, um die Öomologie desselben mit 
em Kelche vollends zu begründen, noch be- 
iders erwähnenswerth, daß ich in beiden 
iOspen die Zahl dieser Organe den Abschnitten 
• CoroUe entsprechend fand; die Angabe bei 
3rs, daß 5 bis 10 Appendices vorkommen 
len, von denen einige rudimentär blieben, 
'd hiedurch also nicht bestätigt und möchte 
lurch zu erklären sein , daß die Beste von 
gerissenen Üngues leicht mit den Haaren des 

Blüthe umschließenden Organs verwechselt 
rden können. Dieses röhrenförmige Organ^ 
1 ungewöhnlich fester Textur und innen mit 
liegenden Borsten bekleidet, bisher als Kelch 
leutet, würde, wenn die Appendices getrennte 
Ichblätter sind, als eine Involucralbildung he- 
chtet werden können, welche nach dem Ver- 
b des Kelchs die Funktionen desselben auch 
jh bei der Fruchtreife übernimmt. Diese 
ffassung wird dadurch unterstützt , daß zwi- 
en demselben und der Blüthe ein kurzes 
emodium sich findet, welches nach oben durch 
i wirklichen Kelch und die CoroUe abge- 
lossen ist und von Miers bereits ungenau als 
•pophorum aufgefaßt wurde (»Ovarium tur- 
ato-stipitatum«) , indem er nicht bemerkte, 



226 

daß dasselbe unterhalb der ganzen Blüthe liegt 
Außerdem ist auch die Zahl der Glieder, aas 
denen das Involucrum zusammengesetzt ist and 
die an dessen Spitze sich zu kleinen Zähnen ab- 
sondern, gegen die Ansicht, daß es ein äußerer 
Kelch sei, von Bedeutung. Miers giebt die An- 
zahl dieser Zähne zu 10 bis 15 an : auch ich 
fand sie schwankend, aber an der Mehrzahl der 
Blüthen nur 7 oder 8 und nur in einem Falle 
10. Betrachtet man die Zahl 8 als die typische, 
so würde diese den am Blüthenstiel zu 2 oder 
4 genäherten oder sogar opponirten Blättern 
entsprechen, wogegen die Altemanz mit den 
fünfgliedrigen Blüthenwirteln ausgeschlossen ist. 
Nach diesen Erörterungen würde der Charakter 
von Cortesia sich bedeutend weiter von den 
übrigen Ehretieen entfernen, als bisher ange- 
nommen wurde, aber dabei ist zu erinnern, daß 
auch die mit Gordia verwandten Gattungen dem 
Typus der Boragineen gegenüber in der ver- 
schiedenartigen Bildung des auswachsenden Kelchs 
anomal sind und daß sowohl Patagonula, vne 
Saccellium, gleich Cortesia und Sclerophylaz, 
in den nordwestlichen Provinzen Argentiniens 
einheimisch sind. 

Cortesia Cav. (char. reform.) 
Calyx SphjUus, inaequalis, unguibas te- 
nuissime filiformibus apice in limbos rhombeo- 
cuspidatos supra corollam nascentem imbri- 
cativos dilatatis eaque crescente deciduis, invo- 
lucello tubuloso duro intus strigoso apice plicato 
8 (7— »15«)denticulato internodio brevi tur- 
binato a flore remoto circa drupam persistente 
cinctus. Corolla regularis , infundibuliformis, 
limbo Spartito imbricativo. Stamina 5, inae- 
Qualia , exserta, versus medium tubum coroUae 
i'userta^ filamentis aea\iW«A)\Q\i^ ücvt^^W^ysää-snä 



227 



basi in nodnlnm incrassatis, 2—3 longioribus, 
antheris incambentibus bilocularibus , loculis 
distinctis rima profande sülcatis* Ovarium snpe- 
ram, subglobosam ^ biloculare, loculis semisepto 
diyisis biovulatis, ovalis ex apice loculi pendulis. 
Stylus terminalis, crassiusculus, ad ^/s bifidus et 
incaryatns, ramis inflexis apice in stigma patel- 
liforme palKdum dilatatis. Drnpa involucello 
campannlato semiinclnsa , »dipyrena^ pyrenis 
bilocolaribns dispermis. Semina oblongo-Iinearia, 
exalbuminosa (sec. icon.), radicala brevi supera«. 
Wenn schon die Vergleichnng der Vegeta- 
tionsorgane, der Sproßbildnngen und der In- 
florescenz eine Verwandtschaft von Cortesia und 
Sderophylax nicht verkennen läßt, so geht dies 
mit größerer Entschiedenheit aus der folgenden 
Zusammenstellung ihrer Blüthencharaktere her- 
vor, denen ich die Verschiedenheiten ihres Baus 
abgesondert anreihe: 



Cortesia 
Oalyx inaequalis 



cadacns, 
involuoel- 
lo tabulo- 
Bo omctiiB. 
inlimdiba- 
liformis, 



Corolla re^aris, 

limbo imbncaÜTO 

5parfcito. 

Stamma 6, inae- 

qualia, aestiyatione 

infleoca , tubo co- 

r<dlae venös me- 
dium iiiserta^ exserta. 
Antheramm lo- 
culi distincti, 
ovoidei, rima pro- 
funda solcati. 

Ovariam superum biloculare. 



Sderophylax. 
Galyz bilabiatos persisteDS, 

nudus. 



Corolla regularis, tubuloso- 

dentibus 6 imbri- clavata. 

cativis. 

Stamina 5^ inae- 

qualia, aestivatione 

incurva, tubo co- 

rollae infame in- 

serta inclnsa. 

Antheramm lo- 
culi distincti, ovo- 
idei , rima de- 
hiscentes. 

Ovarium supemm incomplete 

biloculare. 



228 



Cortesia. 


Sclerophylaz. 


Stylus terminalis, 


Stylus terminalis, 


incunratas bifidos, 


inourvatus simples, 


stigmati- 


stigmate 


bos patel- 


ObtOBO. 


liformibus 




Ovula ex apioe 


Ovula ex apice 


ovarii pendula 4. 


ovarii pendula 2. 


FructuB involucello 


Fmctus oalyce in- 


indurato semiin- 


durato inclusus utricularis, 


dusuB drnpaceus, 


uni (»bi«)- 


»biloonla- 


looolaris, 


ris, tetra- 


moiu>(- 


spermus«. 


»diii^spet' 




muB. 


Semen pendulam oblongo- 


Semen pendnlom oraiam, 


lmeare,ex- 


albomino- 


albnmi- 


snm, em- 


nosum, 


bryone 


radicula supera brevL 


radicola supera oo^ledo- 




mbuB ae- 




quilonga. 



Das Ergeboiß dieser üntersucliUDg laAt 
sich demnach dabin zusammenfassen, daß dnrcli 
die Verwandtschaft beider Gattungen ein neuer 
Beweis für die enge Verbindung der Boragineen 
mit den BydropbjUeen gegeben ist, die es an- 
gemessen erscheinen läßt, beide Gruppen eu 
einer einzigen zu vereinigen. Will man jedoch, 
wie bisher, die Hydrophylleen (mit Einschluß der 
Hydroleaceen) abgesondert bestehen lassen, so 
würde Sclerophylax wegen des albuminosen 
Samens als anomale Gattung den ISchluß der- 
selben und Cortesia das Anfangsglied der Bora* 
gineen bilden können. 



229 



Mittheilungen aus dem pharmacolo- 
giBchen Institut zu Göttingen. 

Beobachtungen zur Pharmacologie 

des Salicin. 

Von 
Professor W. Mannö. 

In den letzten Jahren ist das yor ungefähr 
einem halben Saeculum aus der Weidenrinde rein 
dargestellte, als Surrogat des Chinin gepriesene 
und nach einem kurzen Modestadium fast ganz 
außer Gebrauch gekommene Salicin von Neuem 
im In- und Auslande als Antipyreticum ganz be- 
sonders zum Ersatz der Salicylsäure und des 
Natriumsalicylats dringend empfohlen und viel- 
seitig benutzt worden. 

Als besondere Vorzüge vor diesen beiden 
heutigen Lieblingen der antifebrilen Therapie 
werden zu Gunsten des Salicin angeführt, daß 
es selbst in sehr großen Dosen den Magen gar 
nicht, jedenfalls nie so wie die Salicylsäure be- 
lästige; femer daß der bittere Geschmack des 
Salicin vielen Patienten weit zusagender sei, als 
der süßlich fade, bei Manchen nauseos wirkende 
des gelösten Natriumsalicylats und endlich, daß 
Salicin sich sehr rasch sowohl bei interner wie 
bei subcutaner Application, ja selbst nach di- 
recter Injection in die Blutbahn zum Theil we- 
nigstens in Salicylsäure umsetze. 

Durch die Fähigkeit sich sehr leicht zu zer- 
legen und in seinen Spaltungsproducten weiter 
umzusestzen gewinnt das Salicin für den Pbar- 
macologen ein ganz besonderes Interesse. Es 
gestattet nämlich wie kaum ein anderes Medica- 
ment den experimentellen Nachweis der mannig- 



230 

fadhen Schicksale , die ein Heilmittel auf seiner 
Wanderung durch den Organismus erfahren kann. 
Wie außerhalb des Körpers das Salicin, ab- 
gesehen von einigen anderen hier nicht in Frage 
kommenden ümwandelungsproducten, unter dem 
Einfluß von Fermenten und rein chemischen 
Agentien sich umsetzt 

1. in Saligenin oder Oxybenzylalcohol 

und Zucker; ferner durch Oxydation 

2. in Salicylaldehyd oder salicylige Säure 

^'^*|cOH 
und 

3. in Salicylsäure CeHilpQ tt 

und endlich unter Abgabe von Wasser u. Aufnahme 
von Glyocoll oder Amidoessigsäure J qq* -o; 

4 in Salicylursäure Ca He NO 4 
ebenso erleidet es bei seinem Durchgang durch 
den thierischen Organismus die gleichen Um- 
setzungen und erscheint im Harn theils unzer- 
setzt, theils in Gestalt der unter 1-— 4 genannten 
Körper. 

Merkwürdiger Weise unterliegt nach der seit 
18 Jahren herrschenden Ansicht das Salicin den 
genannten Umsetzungen nur im Organismus des 
Menschen und der Herbivoren, durchwandert da- 
gegen den Körper des Hundes^ wenn nicht aller 
Carnivoren, unverändert, um als solches im Harn 
unzersetzt wieder zu erscheinen. 

Diese Lehre, die sich in allen Handbüchern 
der Arzneimittellehre älteren und neuesten Da- 
tums wiederfindet, gründet sich auf eine experi- 
mentelle Untersuchung nou \>t« ^^V^ii^x , ^^ 



231 

mit grossem Fleiße anter Leitung von Prof. K. 
P. Falk gearbeitet ist »Das Salicin, eine phar- 
macologische Monographie. Inaugural-Disserta- 
tion. Marburg 1860.« Die betreflFenden An- 
gaben, auf die ich in mehrfacher Beziehung zu- 
rückkommen muß, lauten S. 35 »Das Salicin 
wird im Blute des Huudes nicht oder so gut 
wie nicht zersetzt, im Blut des Kaninchens und 
des Menschen wird es aber mit Energie zerlegt.« 
Verfasser spritzte einem Hunde eine Lösung von 
circa 2 Gramm Salicin in das Blut und unter- 
suchte vor und nach der Infusion den Urin. Es 
gelang ihm sehr bald nach der Injection mit 
Schwefelsäure im Urin Rutilin zu bilden. Eisen- 
chlorid dagegen bewirkte im Urin zuweilen etwas 
dunklere Färbung, aber zu keiner Zeit die cha- 
racteristisch violette Färbung, welche die Zer- 
setzungsproducte des Salicin im Verein mit dem 
Eisenchlorid hervorbringen. 

Hiernach mußten Hunde die geeigneten Ver- 
suchsthiere sein, einmal um das Salicin als Re- 
präsentant der Medicamente Digestiva amara in 
seinen Wirkungen auf die verschiedenen Organe 
und Systeme des Organismus zu studiren, zweitens 
um den experimentellen Beweis zu liefern für 
die aus theoretischen Gründen allgemein ange- 
nommene Ansicht, daß das Salicin nur durch 
seine Umwandelung in Salic jlsäure antipyretisch 
vrirke. 

Nach Versuchen von H. Köhler bewirken 
bittere Mittel »eine Reizung des Gefäßnerven- 
centrum in der Medulla oblongata bei Gleich- 
bleiben der Pulsfrequenz und Nichtafficirtwerden 
der Herznerven ^).« »Reizung dieses Centrums 
ist, fährt derselbe Autor fort, von Steigerung 

1) H. Köhler, Grnndriß der Mal. m^^cA, Iäv^t^^ 
X878 Ä 62. 



232 

des Blutdrucks im gesammten BlutgeföSsystem 
gefolgt und werdeu demzufolge sämmtliche Blnt- 
gefäßdrüsen stärker secerniren. Indem somit 
Speichel-, Magen-, Pankreassaffc und Galle in 
größerer Menge als in der Norm abgesondert 
werden, wird mehr Chymus gebildet, die Blnt- 
bildung befördert und die Ernährung begünstigt 
werden; indem aber andererseits auch das Blut 
in den Nierengefäßen unter höherem Druck 
steht, werden auch die Excretionsorgane eine 
erhöhte Thätigkeit zeigen und Diurese und 
Schweißsecretion vermehrt werden müssen. Mit 
einem Worte : die Amara bedingen eine zu Gun- 
sten der Ernährung ausschlagende Förderung 
sowohl der progressiven als der regressiven Stoff- 
metamorphose.« 

Spritzten wir Hunden vorsichtig kleine Dosen 
Salicin gelöst in blutwarmer 0,5^0 Kochsalz- 
lösung (oder auch in aq. dest.) in eine V. ju- 
gularis ext. ein, so zeigte die mit Ludwig^s 
Kymographium aufgenommene Blutdruckcurve 
durchaus keine Veränderung. Sie bleibt auch 
ganz constant, wenn man die Injection im Laufe 
einer halben oder ganzen Stunde öfters wieder- 
holt. Dies Ergebniß erhält man an curaresirten 
und künstlich respirirten, an narcotisirten und 
selbst an nicht vergifteten Thieren, wenn diese 
letzteren sich während des Versuches ganz ruhig 
verhalten. Bei Katzen setzen kleine Dosen Sa- 
licin gleichfalls nicht die geringste Veränderung 
des Blutdrucks, vorausgesetzt, daß die Injection 
so allmälig geschieht, daß niemals plötzlich eine 
größere Quantität Flüssigkeit ins Herz geschleudert 
wird. Vorsichtig injicirt veranlassen selbst große 
Dosen Salicin bei beiden Carnivoren keine we- 
sentliche Aenderung an der Blutdruckcurve, wäh- 
rend bei Herbivoren, Kaninchen und jungen 



233 

Ziegen, dadurch nach einiger Zeit ein Sinken 
des Blutdrucks erzielt wird. Weil nach interner 
Einfuhrung eines bitteren Mittels durch allmälig 
erfolgende Resorption möglicher Weise noch viel 
kleinere Dosen als nach directer Injection in ein 
Blutgefäß zu der medulla oblongata gelangen 
und weil durch solche vielleicht eine Erregung 
des vasomotorischen Centrum bedingt werden 
könnte, haben wir zunächst bei curaresirten, 
künstlich respirirten Katzen den Blutdruck, nach- 
dem kleine (0,1) und größere Dosen (0,5 — 1,0) Sali- 
cin (natürlich bei verschiedenen Thieren) in den 
Magen in Lösung injicirt oder in Pillen mittelst 
Oesophagotomie eingebracht waren. Stunden lang 
verfolgt, aber auch hierbei an der Curve ver- 
gebens Dach einer Steigerung des Blutdrucks 
gesucht. — Nach diesen negativen Ergebnissen 
kann das Resultat, welches Köhler bei seinen 
Versuchen erhalten hat, die mit Cetrarin und 
Golumbin an Kaninchen angestellt wurden, nicht 
als ein für alle Amara gültiges Gesetz hinge- 
stellt, noch als Basis für so vielseitige Folge- 
rungen benutzt werden. 

Außer diesen hinsichtlich cles Blutdrucks ne- 
gativen Resultaten haben die Versuche an Katzen 
ein anderes positives ergeben. Der 3 Stunden 
nach der internen Application von Salicin ent- 
leerte Harn wird auf Zusatz von Eisenchlorid 
abgesehen von dem praecipitirten Eisenphosphat 
sofort violett gefärbt. Es erfährt also das Salicin 
auch auf seiner Wanderung durch den Organis- 
mus eines ächten Garnivoren eine Zerlegung. 
Diese oft wiederholte Beobachtung lenkte die 
Untersuchung natürlich in andere Bahnen, da 
sie es auch bei Fleischfressern unmöglich machte, 
das Salicin als Amarum in seiner Wirkung auf 
Magen und Darmkanal näher zu prüfen. 



234 

Zimächst drängte sich uatiirlicli die Frage 
auf, ob die Katze aach das ihr direct ins Blut 
gebrachte Salicin umsetze. Folgendes Experi- 
ment, oft wiederholt y giebt darüber Äufschloft. 

Einem groS^en nur mit Fleisch and Milch gefötterten 
Kater wird Morgens 11 Uhr 1 Grm. reines Salicin^} ge- 
löst in 15 C.C. Wasser in eine Y. jugal ext. injicirt. 12 
Uhr 80 M. erste Harnsecretion ; eine Probe desselbea 
wird durch Eisenchlorid nar getrübt. Der Rest des Harns 
mit angesänertem Aether geschüttelt, der Aether doroh 
etwas abs. Aloohol geklärt, abgehoben nnd der freiwil- 
ligen Verdunstung überlassen, der Rückstand mit wenig 
Wasser aufgenommen, wird durch Eisenchlorid grün. 
Der nächste Morgenham ebenso mit Aether ausgezogen, 
gibt einen nach Salicylaldehyd riechenden Rückstand und 
wird durch Eisenchlorid blau. Fm Mittag, etwa 25 St 
nach der Injection wird das Thier getödtet, die prall 
gefüllte Blase unterbunden, der Inhalt gesammelt, eine 
Probe gibt mit Eisenchlorid einen schmutzig grünlich 
grauen Niederschlag ; der Aetherauszug in Wasser anfge- 
nommen wird durch Eisenchlorid intensiv blau. Die 
Aetherauszüge des Magen- nnd Dünndanninhaltes enthalten 
keine Salicinderivate. 

Auf direete Injection von Salicin in die Blat- 
bahn treten bei Katzen im Harn spurweise Zer- 
setzungsproducte auf, die nur im Aetherauszüge 
nachweisbar sind. Wird dagegen Salicin in Lo- 
sung oder in Pulver in den Magen der Thiere 
gebracht, so lassen sich die Spaltungsprodacte 
des Glycosids direct im Harn constatiren. 

Da nach allen bisherigen Anschauungen unier 
den Carnivoren nicht solche Verschiedenheiten 
wie zwischen ihnen und den Herbivoren ange- 
nommen werden, hielten wir es für nöthig den 
Versuch von Falk und Scheffer zu wieder- 

1) Blendend weißes, krysta^lisirtes Salicin von E.Merk 
bezogen gab bisweilen eine Lösung, welche durch Eisen- 
chlorid gebläut wurde. Hierdurch veranlaßt, haben wir 
immer nur mit Aether gereinigtes Salicin, dessen Lösung 
sich darchaus indifferent g^g^n F^Cl^ tav^ ^ zu onseren 
YerBaoben benutzt. 



235 

holen, znmal beide Autoren, soviel aas der Dis- 
sertation zn ersehen ist, niemals Aetherauszüge 
des Harns nntersncht haben. 

Es wird genügen drei Experimente mitzu- 
theilen : 

1. Vormittags 11 Uhr wird einem kleinen Hunde 1 
Grm. Salicin in Aq. dest. in eine Jagularvene gespritzt. 
Am Morgen des 2. VersachBtages früh 8 Uhr erste Harn- 
seeretion (236 CG. von saarer Reaction and 1014 sp. G.). 
Der neotndisirte Harn auf dem Wasserbade eingeengt, 
nach dem Erkalten mit angesäuertem Aether behandelt ; 
der verdonstete Aether hinterlaüt einen Rückstand, den 
Eisenohlorid blau förbt. Am 8. Tage werden 690 G.G. 
Harn direct mit angesänertem Aether ausgeschüttelt; der 
Aetherrüokstand wird durch Eisenchlorid blau. Am 4. 
Tage Beigen 710 G.G. Harn von 1010 sp. G. dasselbe 
Yeriialten. Den folgenden Tag gibt der Aetherrückstand 
von 540 G.G. Harn mit Eisenohlorid nur braune Färbung ; 
ebenso am 6. 7. und 8. Versuchstage. 

2. Großer, nur mit Fleisch und Milch gefütterter 
Schäferhund, erhält am 1. Tage Morgens 11 Uhr 80 M. 
in eine Schenkelvene 8 Grm. reines Salicin. Kurz vor 
der Injection sehr reichliche Hamsecretion. Nach der 
Operation fiiBt der Hund 1 Pfand Fleisch , läßt die vor- 
gesetzte Milch stehen. Setzt erst am 2. Tage früh 9 Uhr 
§8 G.G. hochgestellten, sauren Harn von 1080 sp. G. ab, 
welcher weder bei directer Prüfung mit Fl, Gig und SO4 
Hs, noch im aetherischen Auszug irgend eine auf Salicin- 
derivate deutende Reaction gibt. Nachmittags 2 Uhr des- 
selben Tages 296 G.G. Harn von saurer Rsaction 1028 
sp. G. und ganz demselben Verhalten wie der Morgen- 
ham. Am 8. Tage früh nur 46 G.G. Harn und gegen 12 
Uhr 278 G.G. sauren Harn von 1026 sp. G. Auch diese 
Portionen zeigen im Aetherauszüge keine Spur von Sali- 
cinzerlegnng. Nun erhalt derselbe Hund Morgens ] 2 Uhr 
per 08 2,5 Gr. reines Salicin in Fleischboli und gegen 
Abend desselben Tages nochmals dieselbe Dosis. Erst 
am nächsten Morgen (4. Tag) früh 8 Uhr 16 M. läßt er 
Harn (162 G^G. stark sauer, von 1026 sp. G.); eine Probe 
auf weißem Porzellanteller ausgebreitet und mit ver- 
dünntem möglichst neutralem Eisenchlorid versetzt, gibt 
außer dem unvermeidlichen Niederschlag eine schwach 
violette Färbung; der übrige Harn gibt im ^^^k^T^'a^Txy^ 
mögUobat intemive Salicjlreaction. üacbmilVAL^ ^ X^'^ 



236 

45 M. die zweite Hamsecretion (228 G.G. saaer, 1028 Bp. 
G.) eine Probe mit verdünntem Eiienohlorid venetit 
wird sofort dankeWeilchenblaa. 

8. Ein nur mit Fleisch und Milch gefutterter Hand 
erhält Morgens 9 Uhr 45 M. 8 Grm. reines Salicin in 
Fleischboli; läßt 4 Uhr 46 M. den ersten Harn. (448 
G.G. sauer. 1016 sp. G.), er wird mit angesäuertem Aether 
geschüttelt; eine kleine Probe des Aethers Yerdnnstet, 
der Rückstand färbt sich mit Fe^Gl, intensiv blan; der 
übrige Aether aufgehoben und der Harn wiederholt mit 
neuen Aethermengen geschüttelt bis eine Probe idofat 
mehr gebläut wird. Nachmittags erhält der Hand wieder 
3 Grm. reines Salicin. In der nächsten Nacht l&Bt der 
Hund viel Harn, (1180 G.G. sauer. 1018 sp. G.) er wird 
wie der gestrige mit angesäuertem Aether vollständig 
ausgeschüttelt, der Aether mit dem gestrigen vereinigt. 
In gleicher Weise wird am 8. 4. und 6. YerBuchstage 
verfahren und weiter kein Harn gesammelt. Die verei- 
nigten Aethermengen werden mitAq. destill. verBetstund 
nun bei gelinder Wärme der Aether abdestillirt. Eine 
kleine Probe des wässerigen Rückstandes wird dnrdi 
Eisenchlorid tief dankelblau, eine andere naoh vorsich- 
tigem Eintrocknen durch cono. Schwefelsäure charaoteri- 
stisch rosenroth. Der ganze wässerige Rückstand wird 
in kleinem Kolben ans dem allmälig erhitzten Oelbad 
weiter destillirt. Bei etwa 180—182^ G. sieht man mit 
den Wasserdämpfen (der Kühler ist von Qlas) oeliffe 
Tropfen übergehen; das Destillat in neuer Vorlage ist 
leicht getrübt, riecht characteristisch nach bitteren Man- 
deln ; eine Probe wird durch Eisenchlorid intensiv violett- 
blau. Der Hund hatte also jedenfialls das Salicin ge- 
spalten, im Aetherauszug des Harns sind Saligenin und 
Salicylige Säure constatirt ; nach Salloylsänre wurde niefai 
gesucht. 

Ans diesen Yersachen ergiebt sich,* daft im 
Hundeblut, wie auch Falk und Scheffer an- 
nehmen, Salicin gar nicht oder so gut wie nicht 
zerlegt wird, daß dagegen der Hand, wenn er 
Salicin innerlich in Substanz erhält, das Salicin 
umsetzt und Salicin derivate mit dem Harn aus- 
scheidet. Wie der Hund verhält sich auch die 
Katze. Ich kann hinzufügen^ daß auch fieisch- 
fresseude Vögel, ^KräViörL) ^ÄiÄSL^ '^%ä ^-^osv^^sc^. 



m 

ioAerlicb beigebracht wird^ zersetzen^ Köfner- 
'firisser, (Tanben and Hübner) zersetzen es ra- 
seher imd selbst dann wenn es ihnen subcutan 
injieitt wird. 

Im Gegensatz hierzu stehen die Schlnßfol- 
gernngen yon Scheffer. Nach »einen Yer- 
suchen wird dicht nnr im Blute, son- 
dern aueb im Körper des Hundes so gut 
wie kein Salioin zerlegt. Im Darm und 
IfagtfU wird e» weder verändert noch zersetzt, 
sottfllerft ans den ersten Wegen unverändert in 
doa BI»t übergeführt. Der Beobachtung von 
Staedeler^ daß Salicis durch Speichel zersetzt 
wird 5 m)1 heine physiologische Bedeutung zu- 
koHtmen;« weil nach Control versuchen von Prof. 
Failb Spiekhel (außer Ilalb des Körpers) erst nach 
128tünd%ev Digestion Salicin in Spuren zersetzt 
and weil anderseits schon 90-45 Minu'ten naeh 
den Eintiebmeii des Sttliein Zersetznngsproduete 
im HajTB deis^ Menschen nachweisbar sind. Eben- 
sowenig noll dem Magensaft, der Galle und dem 
paBereotidchen Saft ein zersetzender Einfluß auf 
das in die ersten Wege gebrachte Salicin zu- 
kommen. Sehe ff er spritzte eine Lösung von 
Sadicifi dart^h den After in den Darm des Menschen 
und fand danaeh im Urin dieself)en Stoffe wi^ 
nach der Einlührung in den Magen. Dies wäre 
naeh seiner Auffassung unmöglich, wenn der 
Magensaft oder die Galle oder der pancreatische 
Saft einen besonderen Einfluß auf das Salicin 
aosfibten« Auch die Sehleimhaut des» Darms 
darf nach 8 eh eff er nicht als Zersetzungsmittel 
des Saiicine angesehen wei^den^ weil eine von ihm 
in das Reclüm injicirte und nach Va-^l Stunde 
wieder eivtleerte Saliciulösung keine Zei'-setzungs-' 
pvodncte enthielt. Hierdurch glaftiibt Scheffer 
constaiirt zu bwben^ daß itt den et^\)^\i ^ ^^^"^ 



238 

des Handes Salicin anzersetzi bleibt imd schlieBen 
zu dürfen, daß es in den ersten Wegen des' 
Menschen aach nicht zerlegt wird. S. 34. L c 
Noch ein Experiment muß ich erwähnen, 
mit welchem Sehe ff er den ziemlich raschen 
Uebergang einer Salicinlosnng ans den ersten 
Wegen ins Blnt darthnt, wen anch dieses als 
Beweis gegen jede Zersetzung des Salicin in den 
ersten Wegen gedeutet werden könnte. »Ein 
Hund, dem 4 Grm. Salicin in wäßriger Losong 
in den Magen gespritzt waren, wurde 3 Standen 
später geschlachtet und secirt. Magen und Dünn- 
darm dieses Thieres waren so gut wie ausge- 
waschen, weder von Salicin noch von Zersetzungs- 
producten war in den ersten Wegen eine Spur 
zu finden €. Da der leere Magen und Darm niditB 
mehr enthielten und in diesem Versuche keine 
Untersuchung des Harns vorliegt, vermuthlich 
weil der Hund innerhalb der 3 Stunden nach 
der Injection Harn weder se- noch excemirt 
hatte, so kann dieses Experiment als stringenter 
Beweis gegen die Möglichkeit einer Zersetzung 
des Salicins in den ersten Wegen des Hundes 
ebenso wenig augesehen werden wie die vorher 
angeführten. Denn wenn auch außerhalb des 
Körpers der Speichel erst in 12 Stunden das 
Salicin zersetzt, so folgt daraus nicht, daß inner- 
halb des Organismus der Proceß ebenso träge 
verläuft. Treten nach der Injection einer Sali- 
cinlösung in das Rectum Spaltungsproducte im 
Harn ai>f, so spricht das nur dafür, daß die Zer- 
setzung auch ohne Mitwirkung des Dünndarm- 
und Pancreassecrets erfolgen kann. Der Befund, 
daß die Salicinlösung , welche eine längere Zeit 
in dem Rectum verweilt hat, keine Spaltungs- 
producte enthält, macht es allerdings wahrschein- 
Jich^ daß die Secrete der ^^Wxci-^0G\<Q^\!Es2cfi»s^ 



289 

keine Zersetzung veranlassen, obwohl nicht über- 
sehen werden darf, daß etwa entstandene Zer- 
setzungen rasch resorbirt werden und deßhalb 
ans der Salicinlösnng verschwinden können. 

Es läßt sich direct beweisen, daß 
das Salicin, wenn es bei Hunden und 
Katzen in die obere Hälfte des Dünn- 
darms gelftngty hier schon eine theil- 
weise Zersetzung erfährt. 

Zum Belege führe ich einige an Katzen an- 
gestellte Versuche an, die alle an Hunden mit 
gleichem Erfolge wiederholt worden sind. 

1. Eiiner Katze wird 1 Uhr 80 M. 1 Grm. reines Sa- 
Hein m Wasser gelöst in den Magen gespritzt. Weil bei 
anderen Katzen eine solche Injection bisweilen emetisch 
gewirkt hatte, wird der Oesophagus unterbunden und in 
den oberen Theü desselben eine Canüle eingelegt, um 
den verschlnokten Speichel aus der Wunde abzuleiten. 
8 Uhr 15 M. das Thier getödtet. Der Harn aus der ge- 
füllten Blase wird durch Eisenohlorid sofort violettblau. 
Der Danndarm am Fylorus, vor der Einmündung in den 
Dickdarm und ungefähr in der Mitte doppelt unterbunden. 
Der Inhalt beider unterbundenen Theile in je ein Becher- 
fflM mit Aqua destillat. von 87,6^ G ausgespült und mit 
Aether ausgeschüttelt. Das Extract der unteren Dünn- 
darmhälfbe ohne jede Spur von Salicinderivaten , das der 
oberen Hälfte wird in einer ersten Probe durch Eisen- 
chlorid blau, in einer zweiten durch conc. Schwefelsäure 
rosenroth, enthält also jedenfalls ein Spaltungsproduct, 
wahrscheinlich das in Aether lösliche durch die beiden 
Reaotionen gekennzeichnete Saligenin. 

2. Einer Katze wird 1 Ubr 30 M. durch eine Oeffnung 
in der Linea alba der Dünndarm unterhalb des Pylorus 
und oberhalb der Yalv. Bauhini unterbunden und in den 
Darm 0,5 reines Salicin in 10 G.G. Wasser gelöst mittelst 
feiner Stechkanüle injioirt und die Bauchwunde geschlossen. 
8 Uhr 80 M. das Thier getödtet, der Dünndarm auch in 
der Mitte unterbunden und beide Theile wie vorher be- 
handelt. Resultat dasselbe wie im 1. Experiment. 

8. Eine seit 8 Tagen wie die beiden vorigen Thi»t^ 
Dar mit Fleisch und Milch gefutterte Kati« ^ \ge\Jb^\»^\.^ 

20* 



340 

Der Dünndarm in der Mitte unterbunden, etwas xmiBh 
halb des Pylorus eine waBrige Löanng von 0,6 reinen 8i- 
licin injicirt u. der Darm dicht unterhalb des Eimtiehi 
unterbunden. Das unterbundene Darmstuck in dner 
0,5 ^/o reinen Kochtalslösung eine Stunde lang bei 87,5* C 
digerirt, dann der Inhalt nach dem Erkalten mit mög- 
lichst wasserfreiem Aether ausgeschüttelt. Der Aetho^ 
rückstand wird durch Eisenchlorid blau und mit oonc 
Schwefelsäure roth. 

Nach diesen Versuchen kann es keinem Zwei- 
fel unterliegen , daß das Salicin in der oberen 
Hälfte des Dünndarms zersetzt wird. Höchst 
wahrscheinlich erfolgt diese Umsetzung unter 
dem Einfluß der in diesen Darmabschnitt sieh 
ergießenden Drüsensecrete , obgleich auch noch 
andere Agentien die Zersetzung b^^nstigen 
können. Wäßrige Salicinlösungen zerlegen sich 
an der Luft, wie Moitessier gefunden hat, 
unter dem Einfluß von Schimmelpilzen , nnter 
dem Einfluß von Bierhefe bei Gegenwart von 
Natrium bicarbonat, wie Ranke beobachtet hai 
Wir haben die Zersetzung auch ohne Natrium- 
salz eintreten gesehen. 

In eine reine Va Stunde in Siedhilze erhaltene» dann 
auf ihre Reinheit geprüfte Salioinlösung wurde g:at ge- 
waschene Bierhefe gebracht und das Kölbohen mit BaiUD- 
wolle die auf 110^ erhitzt war verschlossen. Si^on nach 
12 Tagen war Saligenin und Zucker gebildet. 

Außerdem bewirken aber auch BacterieUi 
wenn sie unter gleichen Cautelen zu einer Sali- 
cinlösung gebracht werden, schon nach 10 Tagen 
die Spaltung in Saligenin und Zucker. — Wyg' 
lieber Weise begünstigen die im Darme nie feh- 
lenden Bacterien die Spaltung des Salicin. Daß 
sie allein aber in so kurzer Zeit die Zersetzung 
nicht bewirken, geht aus dem oben bereits ange- 
führten Verhalten des Salicin im unteren Dünn- 
darm hervor und wird durch das folgende öfter 
wiederholte Experiment bekräftigt. 



241 

Eine 5 ^/g Salioinlösangf in die untere Hälfte des an- 
terbandenen Dfinndarms eines lebenden Handes gespritzt 
und naoh 2 Standen entleert, zeigt nur anverandertes 
Sttlifsin. 

Nicht nur Warmblüter, sondern auch Kalt* 
blüier zerlegen das ihnen applicirte reine 
Salicin. Durch wiederholte Versuche habe 
ich mich überzeugt, daß Frösche und Kröten, 
nachdem ihnen Salicin in wäßriger Lösung unter 
die Bückenhaut gespritzt ist, innerhalb 24 Stun- 
den ein mit Eisenchlorid sich blau färbendes 
Spaltungsproduct mit dem Harn in das sie um- 
gebendie Wasser secerniren. Da namentlich 
Frdsche, wie bekannt, die Elxstirpation der gro- 
Ben ünterleibsdrüsen ertragen und auch Tage 
lang ohne Athmung leben, wünschte ich festzu- 
stellen, ob die Thiere auch unter solchen künst- 
lich gesetzten Bedingungen Saliciu zerlegen und 
yeranlaßte deßhalbHerm W ul fsber g zu nach- 
stehenden Versuchen, die im Winter IS'*/?? aus- 
geführt wurden. 

1. Goraresirten Fröschen wird reines Salicin in wäß- 
riger Lösang anter die Rückenhaat gespritzt, die Thiere 
BorgHUtig in feuchter Kammer erhalten and nach zwei 
Tagen getödtet, fein zerkleinert nnd mit Aether aasge- 
schfitielt Der Aetherrüokstand wird darch Eisen- 
chlorid-bkn. 

2. Einer gröBeren Anzahl von Fröschen (21) wird 
Salicin wie vorher applicirt. Jedes Thier in ein hohes 
CyHnderffhs mit etwas Aq. destill, gebracht und nach 
24 Standen das Wasser mit Aether eztrahirt. Aether- 
rfickstand wird darch Eisenchlorid lohn and dnrch conc. 
SohwefeUure roth. 

8. Salioin (0,5 in 15 OC. Kochsalzlösung von 0,5%) 
mit frischem Froschblate versetzt, gibt naoh 24 Standen 
SB Aether kein Spaltangsprodnct ab. 

Ebenso verhalt sich eine w&Brige Salioinlösang gegen 

Blat. 

4. Eine gleiohe Salieinlösang mit frischen H&nten 
von Frösohen hingestellt. Nach 24 Standen das Wasser 
wie vorher behandelt. Aethereztract ohne Reaotion. 



242 

5. Eine gleiche Salioinlösang za Wasser gssstit, 
worin Frösobe längere Zeit gelebt hatten. Nach 84 
Standen enthält dasselbe kein SalicinspaltimgBprodQeti 

6. Sechs männliche Frösche enüebert und Mittags 
12 Uhr am 29./11. 76 jedem sabcntan 0,023 reines 8i- 
licin in wäßriger Lösung unter die Rüokenhaiit gesuritil 
und idle in Wasser gesetzt: nach 24 Standen wird der 
Aethorauszuff des Wassers durch Eisenchlorid blao. Am 
80./11. erhalten die Thiere wieder 0,022 Salioin und 84 
Stunden später verhalt sich das erneute Wasser wie du 
erste. Am 2./12. wurden die Thiere decapitirt. Die 
Section zeigt bei allen vollständig gelungene EzstirpatioD 
der Leber. 

7. Dasselbe Experiment an 8 männlichen FrSsehtti 
am 6./ 12. wiederholt, nur mit dem Unterschied, daB das 
Wasser die ersten 8 Tage jedesmal erneuert nnd jeden 
Tag jedem Thier 0,29 Salioin injicirt wird. Vom 8« bii 
6. Tage wird das Wasser nicht erneuert, dasselbe wird 
dann am 6. Tage bei directem Zusatz von EüsenoUerid 
violettblau. — Bei der Seotion zeigten melurere Thiere 
die Harnblase gefüllt, deren Inhalt durch Eisenohlorid 
gebläut wurde. 

8. Gontrolversuch : 8 Frösche mit Salieiniirjeetien 
versehen und in Wasser gesetzt. Eine Ptobe des Was« 
ser nach 24 Stunden zeigt nur im Aethereztraot Blau- 
färbung ; eine zweite nach 48 Stunden desgleidien. Nach 
72 Stunden wird das Wasser auf dkecten Zosats von 
Eisenchlorid gebläut. 

9. Acht Frösche gen. maso. entniert und mit Salioin* 
lösung versehen. 28./12. — Jeden Tag wird die Kin- 
spiritzung wiederholt und das umgebende Wasser mit 
Aether ausgezogen. Es zeigt während des gansen Yec^ 
suches niemals eine Reaction auf Eisenohlorid. Am 2» 
Januar sind 8 Thiere todt. Sie zeigen starkes Anasarea, 
welches durch conc. Schwefelsäure roth und doreh Ei- 
senchlorid nicht gebläut wird. Die todten Thiere wer- 
den fein zerkleinert und mit Aether extrahirt, der Aether 
ooDservirt. Am 8./1- stirbt wieder ein Thier, dessen Ansr 
sarca dasselbe Verhalten zeigt. Dcnr Aetheraussng wird 
mit dem gestrigen vereinigt. Am 4« starben die beiden 
letzten Thiere. Die Anasarcaflüssigkeit wird durch Ei- 
senohlorid ganz schwach blau und mit oono. Sohwefel- 
säure roth. Der Aetherauszug der Thiere wird mit den 
beiden früheren vereinigt, der Aether der freiwilligen 



243 

Verdanfitong überlassen, der Rückstand in Wasser aufge- 
nommen, weil sehr trübe, filtrirt und das Filtrat noch- 
mala mit Aether ausgeschüttelt. Der jetzt erhaltene 
Bückstand wird durch Elisenchlorid blau. — Diese 
Frösche hatten in 6—7 Tagen etwas Salicin zerspalten, 
w&hrend bei normalen Thieren schon in 24 Stunden 
die Zerlegung im Gange ist und mit jedem Tage mehr 
SiEklicinderiYate durch den E[am excemirt wird. Bei 
entnierten Thieren enthielt das umgebende Wasser 
niemals ein Spaltungsproduct , es wird also die Zerle- 
gung höchst wahrscheinlich nicht durch die Hautdrüsen 
besorgt. 

Bei Fröschen wird Salicin nach subcutaner 
Injection zerlegt; ziemlich rasch, wenn die Thiere 
normal, ebenso rasch wenn die Thiere ohne Le- 
ber existiren, dagegen sehr langsam und spär- 
lich wenn die Nieren entfernt sind. Versuche, 
welche an entleberten und zugleich entnierten 
Thieren angestellt wurden, gaben kein entschei- 
dendes Resultat, weil die Thiere schon am er- 
sten Tage zu Grunde gingen. — Entmilzte 
Frosche verhalten sich wie entleberte. Gleich- 
sseitige Exstirpation von Leber und Milz wurde 
nnr 24 Stunden ertragen und Thiere, die dieser 
Operation unterzogen worden waren, zersetzten 
Salicin. 

Nach allen bisher mitgetheilten . Versuchen 
erfährt das Salicin eine Zersetzung im Körper 
▼on Gamivoren, Hunden und Katzen, wenn es 
intern applicirt wird , während die Umsetzung 
nach directer Injection in das Blut sehr spärlich 
oder gar nicht zu Stande kommt. Nach subcu- 
taner Injection von Salicin (0,5 — 1,0) ist sie 
bei Hunden und Katzen gleichfalls fast null, 
vielleicht weil hier das Salicin vollständig zur 
Rildung der von Baum an n im Harn nachge- 
wiesenen gepaarten schwefelsauren Salze ver- 
wandt wird. Bei Fröschen dagegen wird sub- 
cutan applicirtes Salicin zersetzt, allerdings viel 



244 

langsamer als bei Warmblütern , aber es wiri 
zersetzt selbst dann, wenn die Respiration si- 
stirt, wenn die Leber nnd die Milz exstirpirt 
sind. Nur sehr spärlich tritt ZersetfsnQg fjn, 
wenn die beiden Nieren entferqt sind. DftA W 
letzteren Falle die Operation an sieh keiat 
Schuld an der Hemmung tragt, bewies das Ver- 
halten zahlreicher, kastrirter Frößche* 

Von der Ueberlegnng außgehendy 4^ Yid- 
leicht die Niere eine besondere Bolle bfii ' im 
Zersetzung des Salioins im Blute der HarUroren 
spiele ; haben wir Durchströmupgen von Nisrea 
frisch getödteter Ziegenlämmer mit defibrlnivtaa 
salicinhaltigem , beständig auf 37,5^ arhalieneai 
Blute wiederholt angestellt und bis 10 Siandra 
lang im Gange erhalten. In dem dnroh dea 
Ureter entleerten Harn haben wir niemals ein 
Spaltungsproduct des Saliein naehweisen kSa* 
nen. Ebenso fielen gleich lang fortgesetite 
Durchströmungen von Katzen- und Hundenierea 
mit saligeninhaltigem , defibrinirtem und auf 
37,5o erhaltenem Hunde- und Katzenblut yolU 
ständig negatiy aus. Die Stunden lang dnrcJif 
strömten Nieren zeigten unter dem MiorQaaop 
ganz normales Verhalten. Der zu diesen Dorcb- 
strömiingen benutzte Apparat ist aus der beir 
liegenden Zeichnung hinreichend veratändlieb. 
(Siebe am SchluB). 

Die Zersetzung des Saliein im Blute lebender 
Herbivoren und die Oxydation des Saligeidn im 
Blute der CarniiiK)jen kann nicht allein bedingt 
sein durch die Function der Blutk&rperchea. 
Es muß jedenfalls noch etwas dazn kommen. 
Der herkömmlichen Meinung nach*, soll der 
active Sauerstoff des Blutes das Sa]ioin im Blute 
von Thier und Mensch höher oxydiren. Be^ 
weise für die Bichtigkeit dieser Hypothese fek* 



245 

len g&nzlieh. Gorup Besanez hat Yersnche 
mitgetheilt^ nach welchen das Salicin außerhalb 
des Körpers der Wochen lang fortgesetzten Ein- 
wirkung des Ozon vollständig widersteht. Wir 
haben ähnliche VQrßU.Qhß mit gleichem Resultate 
wiederholt. Glücklicher dagegen waren wir bei 
der Behandlnng von Saligenin mit Ozon. Das 
von uns beobachtete Verfahren ist folgendes. 

In einen kleinen beständig in Bewegung er- 
haltenen Kolben , der mit reinem Salicin nnd 
Peiroleumäther (worin ersteres unlöslich) be- 
sehickt ist, wird Ozon geleitet. Das Ozon wurde 
in emer Babo* sehen Röhre ^), die Herr Hofrath 
Meiiner die große Güte hatte mir anzufer- 
tigen u. durch welche trockner, reiner Sauerstoff 
s^ch, mittelst eines Funkeninductors und 2 
6rove*8 entwickelt. Nach Tsttindiger Einwir- 
kung d^s Omn wurden die blendend weißen Sa- 
ligeninplättchen an den Rändern gelb und gelbe 
Tropfen setzten sich an den Wänden ab. Diese 
Tropfen reagirten sauer. Nun wurde der Pe- 
troleumäther durch dest. Wasser ersetzt und der 
Inhalt der Destillation unterworfen. Das trübe 
Destillat rooh characteristiseh nach salieyliger 
Sisare und wurde durch Eisenchlorid gebläut. 
BShere Oxvdationsstufen wurden auch durch 
fortgesetzte Einwirkung von Ozon nicht ge- 
wonnen. 

1) G« M eissnsp, üntersachimgen über den Saqer- 
(FQrtsetzung in der JIuiRtmer ft). 



Heber dae Yerhältnifi der linken Intei- 
costalreDen zar Vena aEygoa. 

Von 

'Dr. A. V, Bninn. 

Vorgelegt von J. Heole. 

Das Verhältniß der Vena az^os xur V. he- 
miazygos und den daa Blat der linken obenn 
Interco&talränme anfnehmenden Venen i>t einer 
von den Pnncten, über welche die Angaben dn 
Handbücher am meisten anaeinandergehen , so- 
wohl in Bezog anf die Zahl der anfier der Hb- 
miazygoa von linke her in die Azygos ttetendm 
Venen, wie über die Verein^nngsstelle der bei* 
den Hanptatämme. 

So giebt Bock an , die Hemiazf gos gehe bii 
znm 7. oder 8. Bmatwirbel und mände hier in 
die Azygos; bisweilen trete sie mit 2 Zweien 
ein, immer aber sei sie darch kleine hinter der 
Aorta hin weglaufende Commnnieationsgänge mit 
ihr Terbnnden. Von den übrigen linken Inter- 
costalrenen treten die mittleren häufig m einem 
Stamm zosammeD, der zur Azygoe herabsteige, 
die obersten geben in die Y. intercost. prima 
nnd diese in die Subclavia. HyrtI stellt als 
Begel auf, daß die Hemiazygos bis zum 7- 
oder S. Bmatwirbel aufsteige nnd dort in die 
Azygos gehe, «owie daß die ob 
rippenvenen sieh zn einem 
mündenden Stamm vereinir;^ 

Rüdinger läflt die be' 
vor dem 8. Brustwirbt' 
oberen Intercostalvp 
fließen nnd die ' 
auonyma gefae* 




247 

Auch Luschka nennt den 8. Brustwirbel als 
Mündangsstelle der Hemiazygos und sagt, die 
oberen Intercostalvenen sammelten sich zu einem 
bald dicht über der Hemiazygos in die Azygos 
gehenden, bald mit eraterer sich yerbindenden 
Stammchen. 

Vor dem 8. — 9. Brustwirbel läßt Krause, 
vor dem 7. — 9. Hollstein, vor dem 7. — 10. Hoff- 
mann die Vereinigung erfolgen. Bezüglich der 
übrigen linken Venen giebt Hollstein die Ver- 
einigung zu einer Hemiazygos sup. oder access. 
als Begel an und hält er das Vorkommen von 
zwischen eigentlicher und accessorischer Hemia- 
zygos direct.in die Azygos eintretenden Venen 
für Ausnahme, während die beiden anderen 
1 — 3 isolirt eintretende Intercostalvenen für 
die Norm erklären. 

Nach Henle ist die Zahl der Verbindungs- 
zweige verschieden. Selten ist es ein einziger, 
gegen den sich der Strom im unteren Theil der 
V. hemiazygos aufwärts , im oberen abwärts 
wendet; häufiger sind es zwei, zwischen wel- 
chen dann die Gontinuität des Stammes aufge- 
hoben zu sein pflegt, so daß derselbe in ein 
unteres Stück, die eigentliche V. hemiazygos 
und ein oberes , V. hemiaz. access. , zerföllt. 
Nicht minder häufig schaltet sich zwischen die 
eigentliche und die accessorische V. hemiaz. ein 
drittes transversales Stämmchen ein, zu welchem 
zwei oder drei Vv. intercostales zusammentreten« 

Es fehlt also offenbar an Material, um aus 
den vielen Variationen, welche dieses Verhält- 
niA darbietet, dasjenige herauszufinden, welches 
die Begel bildet 

Mein Material sind bisher auch nur 54 Fälle ; 
dasselbe hat aber bezüglich der Vereinigungs- 
stelle der beiden Hauptstämme ein Resultat er- 



248 

geben, welches mit den < meisten Angaben niobt 
übereinstimmt and am deft willen leb scbon dieee 
wenigen Fälle veröffentlicbe. 

Wie za erwarten, zeigte sich nan znnäebsk 
eine große Variabilität der Zahl der Yon links 
in die V. azygos mündenden Venen. Es fttndea 
sich deren 1 bis 5, nämlich : 

18mal 2, 
14mal 3, 
12mal 4, 
ömal 1, 
4mal 5, 
sodaß man wohl mit Henle 2 — 8 Verbindungen 
als das Hänfigste ansehen maß. JedenfiJb i^t 
das von Hyrtl als Regel angenommene Ver* 
hältniß die Aasnahme ; ich fand in nur 6 Fällen 
einen einzigen Zaflaß von links, unter ihnen 
sind noch zwei, die Yon Hjrtls Norm abweichen, 
indem hier einmal die 5 , das andremal 90gar 
die 8 obersten Intercostalvenen sich sn einem 
aufwärts gehenden and direet in die Snbelavia 
mündenden Stamme sammeln. 

Unter den 18 Fällen, in denen swei ¥on 
links her kommende Venen in die V. azygos 
münden, sind 9, bei denen die eigentliche luid 
accessorische Hemiazygos getrennt sind und dicht 
über einander in die Azygos sich ergießen, die 
erstere die unteren , die letztere die oberen In* 
tercostalvenen aafnehmend. In den meisten (6) 
Fällen anastomosirte die V. hemiaz. acc. durch 
die V. intercost. sapr. mit der V. sabclavia, in 
den übrigen ist diese Anastomose nicht vorban«- 
den; indem das Blnt der 2 — 3 obersten Zwi- 
schenrippenräame sich zu einem besondere 
Stämmchen, V. intercost. snpr., sammelt. 

In den 9 anderen Fällen dieser Abtheilnng 
finden sich zwei parallele, die Brusthöhle dnrob^ 



249 

messende Stämme, die durch zwei Anastomoseu 
yerbunden sind, Fälle, in denen also das bis 
zur unteren Communication reichende Stück der 
eigentlichen, das oberhalb der oberen gelegene 
der accessorischen Y. hemiaz. gleichzusetzen ist. 
Yen diesen Fällen hat einer das Besondere, daß 
die beiden Anastomosen die Aorta ringförmig 
umfassen, indem die eine vor, die andere hinter 
derselben verläuft, während ja sonst alle hinter 
der Aorta, liegen. Anzusehen ist ein solches 
Yorkommen, dessen auch Luschka gedenkt, wohl 
als eine bedeutende Erweiterung einer der stets 
T(Miiaiidenen Gommunicationen zwischen den aus 
der Aorteawand kommenden und in die Y. azy- 
g06 und hemiaz. gebenden Yenen. 

Die 14 Individuen, deren V. azygos drei Zu- 
flüsse von Links erhält, zerfallen in mehrere 
Katdgarieen. 9mal findet sich das von Henle 
als sehr. häufig angegebene Yerhältniß, daß sich 
zwischen die getrennt mündenden Yv. hemiaz. 
und hemiaz. access. ein besonderes Stämmchen 
einschaltet, welches das Blut aus 1 — 3 Inter- 
costairäumen sammelt; auch in dreien von die- 
sen erreicht die Hemiaz. access. den Anschluß 
an die Y. subcl. nicht durch Absonderung einer 
Intercost. supr. In 2 anderen Fällen anasto- 
mosirt der eingeschaltete Stamm mit der acces- 
aorisohen, in einem mit der eigentlichen Y. he- 
nniaai.', in 2 weiteren mit beiden, sodaß in diesen 
letzteren ebenfalls zwei . senkrechte durch die 

Sanze Länge der Brusthöhle gehende Stämme 
ft sind. 

Die 12 Leichen mit 4 und die 4 mit 5 in 
die Azygpa eintretenden Yenen zeigen so große 
Yerschiedenheiten des Yerhaltens, daß sie sich 
nicht anders als einzeln würden beschreiben 
lassen und zu ihrer Classificirung ^ne sehr viel 



250 

größere Anzahl von Fällen nothig wäre. Die 
Vier- und Fünfzahl der Znflfigse kommt ro 
Stande theils durch Einschaltung zweier oder 
dreier Stämmchen zwischen Hemiaz. und Hemiaz. 
access., welche dann wieder unter einander und 
mit den Hauptstämmen anastomosiren können, 
theils durch Erweiterung der zwischen der Y. 
azygos und den beiden linken Haoptetämmen 
normal vorhandenen, hinter der Aorta gelegenen 
feinen Verbindungen. 

Bei Fällen der letzten Arten kann es na- 
türlich schwer sein, zu entscheiden, welcher der 
von Links kommenden Yerbindungsäste die He- 
miaz., welcher die Hemiaz. access. sei; in zwei- 
felhaften Fällen habe ich stets die si&rkste der 
fraglichen Communicationen als Hemiaz. oder 
Hemiaz. access. aufgefaßt. 

Was nun die Einmündungsstelle der Hemiaz. 
in die V. azygos betri£Fi;, so lag dieselbe: 
vor dem 6. Brustwirbel Imal 

11 11 "• ^^ 1^ 11 

11 i> 9/10. ) „ 3 „ 

11 11 10. „ 17 „ 

» »10/11. „ 4 „ 

i> 11 *■*■• ii ^11 

Daraus geht hervor, daß für meine 54 Fälle die 
Angabe , vor dem 7. oder 8. Brustwirbel finde 
in der Regel die Vereinigung statt (Bock, HyrÜ, 
Luschka , Büdiuger) , nicht zutreffend ist ; daB 
in den meisten Fällen die Vereinigung vor dem 
9. und 10. Brustwirbel gelegen ist. 

Endlich führe ich noch an, daß unter jenen 

1) Soll die Bandscheibe zwischen 9. nnd 10. Brust- 
wirbel bezeichnen. 



2Ö1 

54 Fällen iu 8 eine Y. hemiaz. access. fehlt, 
indem die Intercostalvenen bis zur 5ten oder 
noch tiefer herab , sich zu einem zur Y. sub- 
elavia aufsteigenden Stamme sammeln. 

Weitere Untersuchungen müssen über die 
allgemeine Gültigkeit oder Ungültigkeit der an- 
gegebenen Resultate entscheiden ; ich werde 
dieee Untersuchungen fortsetzen und namentlich 
an der Ebnd größeren Materials versuchen, et- 
waige Einflüsse, welche das Zustandekommen 
der einen oder anderen Form begünstigen kön- 
nen, anfisnfinden. 



Einige avestische Worter undFormen.^) 

Yon 
A. Bezzenberger. 

1. Sechs avestische Monatsnamen, 

Die Namen der sechs Gahanbärs sind trotz 
der Bemühungen Burnoufs (Commentaire sur 
le ya$na an verschiedenen Stellen), de La^arde's 
(Psalterium juxta Hebraeos Hieronymi, Lipsiae 
1874, p. 161 f.) und anderer noch nicht be- 
friedigenderklärt, weil bislang nicht erkannt ist, 
daft, wie ich im folgenden zeigen will, in jenen 
Namen Monatsnamen enthalten sind^). Die 

1) Das A^jectivam »avestische, das besser als »alt- 
baktrisch« oder »zendischc ist, braache ich im Anschluß 
an Harles's etades avesUques, 

2) Ist das richtig, so sind die AenAenmgen J. Orimm's 
ZGD&*79f. und F. Josti's im »Ausland« 1872 S. 124 we* 
senüich an berichtigen. 



352 

Gahanbärs sind an yerschiedenen Stellen dei 
Avesta namhaft gemacht; ich beschränke nhh 
hier darauf, eine der8ell>en anaofohreni Ym^ßk 
1. 9 W. = 1. 26 ff. Sp.: niyaedhaYSmi, haJi- 
kärayemi yäiryaeibyo, ashahe ratnbyo: maidhyd- 
zaremyai ^), ashaoue ashahe rathw£; niv®^ baik* 
maidhyöshmäi ^) '), aBh<^ asho rath<>; niv^^, hsSk^^ 
paitish'ahyäi *), ash« ash« rath®; niv^ hafik^ ayft- 
thremäi ^)^), fraouryaestremäi varshni-haarstftka^ 
ash<> ash® rath^; niv^ ha2ik<^ maidhyftii^U, aah^ 
ash^ rath®; uiv®, hank® bama9pathmaidyai ^)f Btik^ 
ash® rath® ; niv® hank® 9aredha6ibyö athfihd rakilnr& 
D. h.: ich übergebe, ich weihe [dieses Opror] 
den Genien der Jahreszeiten^), den Herren des 
reinen : dem maidbyozareroya, dem reinen Herrn 
des reinen, dem maidhyoshma, d. r. H. d. r., 
dem paitish ahya, d. r. H. d. r., dem ayäthrema» 
dem Förderer (?)^) und Regenspender*®), d. r. 
H. d. r., denii maidhyäirya. d. r. H. d. r., dem 
hama9pathmaidya, d. r. H. d. r.; den Jahres- 
genien, den Herren des reinen. 

Die Namen der Genien der Jahreszeiten oder 

1) Sp. : maidhyo. zaremayäi, var. maidhyo. zaremyAi, 
maidbyoizaremayäi, maidhy6i. zaramayät. 

2) »These two werde are as often wrüten* fliaidbyd- 
ahema and äyathrima both inE&and inthe oüneroej p i ox 
Westerg. 

3) Sp. : maidhyoshemäi, var. maidhyoshm&i, maidfa^ip 
semäi. 

4) Sp.: paitis. habyäi. 

5) Sp. var.: ayathrimäi, jh. thramfti. 

6) Sp.: varshni. barstsdca. 

7) Sp.: bamaQpathmaedhayäi. 

8) Nicht »den Jahresgenien«, die£ sind die ^^aiedha. 

9) Wohl eher dem »Vollender«, »Beendiger« sc. des 
Sommers und der Feldarbeit. 

10) Statt varshni-harstdi leseich varsh-nihartUUyJhL 
Sg. von varsh-niharsta »Regen -ausgießend«. Zu vmnh^ 
= varsha- vgl. drmaiti = aräniaii. 



253 

— es läuft das auf dasselbe hiuaas — ihrer 
Feste, der Gaiianbars sind also (ich gebe die 
Najmen in der mir richtig scheinenden Form): 
nMidhffOßfaremyay maidhyoshema, paitisJiahya, ayä^ 
thremaf maidhyäirya, hamagpatlmiaddya. Diese 
Namen zerfallen formell in zwei Gruppen, in- 
dem drei Yon ihnen übereinstimmend und im 
Gegensatz zu den drei anderen mit maidhya- 
(piaidhyo-) beginnen; ebenso zerfallen die sechs 
Gahanbars in zwei Gruppen indem drei von 
ihnen einst je in der Mitte eines Monats ge- 
feiert wurden, die drei anderen aber nicht ; vgl. 
Anquetil bei Burnouf Comm. p. 297 ff., Buude- 
hesh ed. Josti Kap. 25, Hyde bist* relig. vet. 
Persarum p. 164 ff., JustiWbch. s. vv., Spiegel 
Av. tJebers. IL C, 4, Vullers Fragmente über d. 
Religion d. Zoroaster S. 23 f. , West Mainyo-i- 
khard Glossary p. 81 f. ^). Da beide Gruppen 
zusammenfallen, da die Gtihanbärs, deren Namen 
mit maidhya- (maidhyö-) beginnen, eben die- 
jenigen sind, die je in die Mitte eines Monats 
fallen, da maidhya- »Mittler, Mitte« bedeutet 
imd da Gomposita, deren erstes Glied maidhya- 
ist, bedeuten können »die Mitte von — « (sc. 
dem durch das zweite Compositionsgliede ausge- 
sagten, vgl. skr. madhyähnOy madhyavrtta, madh- 
yajihva)^ so ergiebt sich mit zwingender Noth- 
wendigkeit, daß zwischen jener sachlichen und 
jener sprachlichen Unterscheidung ein Zusam- 
menhang besteht, daß maidhyozaremya , maidh- 

1) Maidhyozaremya fiel anf d. 11.^15. Ardibehesht 
(April), maidhydshema auf dieselben Tage des Ttr (Jani), 
mtadby&irya aaf d. 16.— 20. des Däe (December) oder 
Behmen (Januar), paitishahya aaf d. 26.— 80. Schahriver 
(Aogost), ayithrema aaf diesdben Tage des Mithra (Sep- 
tember), hamaQpathmaedya endlich fiel aaf die fünf Schalt- 
tage am Ende des Espendermad (Febraar). 

Vi 



ydshema und maiähyaxrya eben deshalb das Wort 
mmdhya enthalten, weü man sie je in der Mitte 
eines Monats feierte. Ebenso zwinsend^ aber, 
wie dieser Schlnft^ ist der weitere, oaB in den 
Schlnfltheilen dieser drei Namen Monatsnamen 
stecken. Sachliche oder sprachliche Schwierig- 
keiten treten dieser Folgerung nicht entgegen; 
denn es ist keine Schwierigkeit, daA -xweniya 
(in maidhyojgaremya) in der Bedeutung »Frfihlingc 
vorkommt (Hang 18. Kap. d. Yendid. in d. Sitznngs- 
ber. d. Bayer. Akad. 1868, II. 534) und dafi in 
maidhyoshemaj das nach Analogie von nuricA- 
yöshad zu erklären ist, das Wort hama »Som- 
mer« steckt, da zaremya^ hama ja anßer ihren 
allgemeineren Bedentangen sehr wohl auch die 
specielleren »Frühlingsmonat«^), »Sommermonat« 
gehabt haben können. — Da also die Ansicht, 
daß in den Schloßtheilen von maiähydearemyc^ 
maidhyoshema und matäAy^ir^a Monatsnamen ent- 
halten sind, logisch geboten nnd sachlich, wie 
sprachlich nnbedenklich ist, so liegt aller Grund 
vor, sie festzuhalten und weiter zu yerfolgen« 
zumal da die die Datirung der Gahanbärs betreffende 
Ueberlieferung , auf welche ich o. Bezug nahm, 
nur dann aufrecht erhalten werden kann, wenn 
man diese Ansicht annimmt; jede yon ihr ab- 
weichende Auffassung von maidhydaarernya u. 

1) Der Mahyasht enÜiält eine deatliclie Anspidang 
auf die zwölf Monate, vgl. (Yt. 7. 5): yajs&i msU)nhem 
gaocithrem, bagbem 1) raevafitem 2) qarenanhaiitem 8) 
afnanhailtem 4) tafiianhafitem 5) varecanhaiitem 6) IJiatft- 
vatitem 7) istivantem 8) yaokhstivafitem 9) ^aokayailtem 
10) zairimyävantem 11) vobvftva&tem 12) baffbem balahip 
ztm. Möglioherweise bezieht siob hier »a^rimyävanUm 
auf den von mir angenommenen »Frühlingsmooat« , dem 
zaremya (=: zairimya). 



255 

s. w. ^) mafi sich nothwendig von vornherein 
über jene Ue herlief erung hinwegsetzen. 

Waren bei der Benennung von dreien der 
sechs Gahanbärs Bäcksichten auf die Monate 
maSgebend, in welchen sie gefeiert warden, so 
wird das wohl überhaupt der Fall gewesen sein, 
und ich trage kein Bedenken, paitisJiahya, ayär 
ihrema und hamagpcUhmaedya für Monatsnamen 
zu erklären. Da aber, wie wir aus der ange- 
führten Stelle wissen, dieselben Namen zugleich 
Genien der Jahreszeiten und — was jene Stelle 
allerdings nicht sagt, aber zur Genüge bekannt 
ist — ihrer Feste bezeichnen, so könnte Jemand 
einwenden, es sei nicht wahrscheinlich, daß die- 
selben Namen in so verschiedener Bedeutung 
gebraucht seien. Indessen dieß kommt vor ; ich 
erinnere an das, was ich oben über -zaremya 
und -{Schema zu bemerken hatte, und ferner 
u. a. daran, daß der Niederdeutsche sein Maifest 
kurzweg als »Mei< bezeichnet (Schiller u. Lübben 
mndd.Wbch. III. 57) und daß Walther von der 
Vogelweide einen »her Meie« kennt (46. 30 
Lachm.). um zu leugnen , daß in paüish'dhya 
u. 8. w. Monatsnamen vorliegen, müste man vor- 
her leugnen y daß solche in maidhyözaremya u. 
8. w. enthalten sind; wie willkürlich dieß sein 
würde, habe ich oben schon angedeutet und be- 
darf keiner Ausführung. 

Es erübrigt noch, die Namen maidhyäirya 
(er fiel in den December oder den Januar, die An- 
gaben schwanken hier), paitisVahya (= August), 

1) Eine 'solche tr&gt Haag Essays p. 178 vor; ich 
▼erstehe weder, wie Hang zn seinen Erklärongeu von 
nuüdhyözaremya als >mid-8nmmer« , maidhyö-shema als 
»mid-winter« , maidhyäirya »the middle of the year« u. 
8. w. geJLommen ist, nooh wie er sie hätte begründen 

2V* 



Sf56 

ayathrenia (=sr September) und 
(= Februar) eu erklären, soweit es möglich wt; 
maidhyöjsaremya (April) und maUOiij/itiiema 
(Juni) sind schon oben erklart worden« -^ 
Den Namen mcddhyäirya weiB ich hinriehtBch 
seines Schlußbestandtheiles nicht befriedigend ra 
erklären; daß derselbe, wie Jnsti annimmt^ 
yäirya sei, ist nicht ganz sicher. --^ PaiHsh'ähya 
erkläre ich als »Herr des Getreides« (t^L^ den 
skr. Namen des Schaltmonates camcmgpaH 
Weber ind. Stud. I. 88), indem ich paiiis ab 
Nom. Sg. von paiti »Herr« betrachte (wegen der 
Verwendung des Nom. Sg. als erstes Conrpositions- 
glied s. Yf. Kbeitr. 8. 363, hinsichtlich der in« 
yertirten Stellung der Compositionsglieder Tgl. 
u. a. JustiGram. §. 399, Vf. ZGLS. SS. 106 rf., 
352). — Ayathrenia ist gebildet wie aimfrüikrema 
»das Lauschen«^); es gehört zu a-yä und heiBt 
»Heimkehr« (vgl. skr. A^am »zurückkehren«), 
der September ist also darnach benannt, daA in 
ihm die Arbeiter, die Senner, die Hirten nnd 
Heerden beim Herannahen der kälteren Jahres- 
zeit in ihre 719 zurückkehrten (vgl. Yend. 2. 22 
W. in der üebersetzung Hangs, e£s. S. 204, dem 

1) Die Tageszeit von Mittag bis mm fiinti^ieB der 
Dämmerang heiBt rapithwina »die Zeit, in der das Baien 
zur Hand istc (vgl. arSmpitUy arim sc skr. ärw/n; s. Fiek 
Wbch.^ I. 874); der oraprünglioh nur dem Begiun des 
KaohmittagB zukommende. Name ist abo auf den ganien 
Nachmittag ausgedehnt. So mag auch aüoicrÖMrema^ 
der Name der Tageszeit vom Erscheinen der Bteme bis 
Mitternacht, ursprünglich nur der Name des ersten Theiles 
derselben gewesen sein; die£ aber ist die Zeit des Lan- 
schens auf Rede und Erzählung, wie sie aaoh Homer 
schildert: mqni /niv nokkjy fivS^y l. 879. — Was Bomoof 
Gomm. p. 257 f. über aiwi^threma lehrt, ist alles »iii^ 
d*un peu trop loinc , ebenso das, was de Lagarde Bsitr. 
z. baktr. Lexikographie p. 7 über rapiihwina vorträgt. . 



257 

Hfibachmanu ZDMG. 28. 82 f. folgt). Möglich 
wäre es awar auch, daß ayäthrema »Umkehr« 
hieße, deem mit dem September, dem siebenten 
Monat des parsischen Jahres, beginnt die a weite 
Hälfte des Jahres, mit seinem Beginn wendet 
sich also das Jahr zu seinem Ausgangspunkte 
zurück« loh ziehe indessen die erste Erklärung 
vor; zu aj^d^rema »Heimkehr« stimmt aimgama 
»das Zusammenkommen, sich Nähern«, der Name 
des Winters (¥gl. skr. abhi-gam »herbeikommen, 
sich üäherii, koqimen zu«). — Hamagpaihmaedya 
enthält zunächst, wie mir scheint, den Genit. Sg. 
von Twm ^s hama »Sommer«^), ferner das Wort 
pathma (T. 46^ 4 W.), das ich mit Hang und 
Harlez durch »Weg, Pfad« fibersetze; über den 
letztjsn Bfistfii^dtheil des Wortes weiß ich nichts 
sicheres vovzubrivigen , er muß »frei machend, 
öffnend« bedeutet haben ^). Denn der hamaQ- 
pathmaedya ist der letzte der winterlichen Mo- 
nate , die den Sommer ') verdrängt haben und 
seine Bückketir hindern ^ erst der Februar giebt 
ihm die Bahn frei. 

1) Yom Stamme harn sind im Av. der Genit. ham6 
und der Instr. hama ^aohzuweisen ; vgl. skr. aiehdmaa. 

.3) Sirwi^t mag werden, daß nach Geldner Metrik 
deß jung. Aresta §. 2 Yt. 18. 49 der Acc. Sg. hamappaih' 
maidayam sa lesen ist« Diese Form ist aber vermuthlich 
erst ans hama^aihmaidyam entstanden, vgl. appaSm Yt. 
14* 81 (von a^a = skr. ägvf/d). 

8) Der Sommer steht im Avesta als eine Hälfte des 
Jahres dem Winter gegenüber, s. Jasti s. v. hama. — 
Der Yerfasser der Glosse zu Yend. 1. 4 W« (hapta henti 
hXmtno mäonha, panca zayana askare) wies dem Sommer 
sieben, dem "Winter fänf Monate zu; in derselben Weise 
hatte Dirghatamäs die Monate eingetheilt, wenn sich wirk- 
lich, wie Graßmann üebers. IL 457 vermuthete, pdnca- 
pädatn rv. 164. 12 auf die fünf feuchten, saptdcakre auf 
die sieben trocknen Monate bezöge. Diese Y^nnathung 



258 

Ick knüpfe hieran einige naheliegende Be- 
merkungen an. Daß das Volk, in dem das 
Avesta entstand , sechs Jahreszeiten hatte , wie 
zum Theil die Inder (Weher ind. Stnd. 1. 88), 
geht klar daraus hervor, daß es sechs Jahres- 
zeitenfeste hatte; daß auch bei ihm, wie z. B. 
bei den Indern und Germanen, je zwei Monate 
zu einem Paar verbunden und mit gemeinsamen 
Namen benannt seien, ist möglich, aber nicht 
beweisbar. Was für die Eintheilung des Jahres 
in sechs Theile maßgebend war, ob klimatische, 
astronomische oder politische Gründe, nnd ob 
zwischen jener Eintheilung und der Eintheilnng 
der das karshvare qaniratha umgebenden Erde in 
sechs Theile ein Zusammenhang besteht, wage ich 
nicht zu entscheiden (vgl. Spiegel ZDMG. 6. 75, 
Bundehesh Kap. 11, 12, aber auch Kap. 5). 

Spiegel Av. üebera 11. XGVIII sagt, es lasse 
sich nicht bestimmt angeben, wie alt die par« 
sischen Monatsnamen seien. Es scheint mir 
nicht zweifelhaft zu sein, dafl^ mehrere derselben 
älter sind, als Darius, denn in dem 6tiriyä^iya 
der großen Inschrift von Behistan (I. 89, IIL 18) 
ist der spätere ddar (November) nicht zn ver- 
kennen (Benfey Keilins. S. 75) ; femer sind zwei 
jener Namen, wenn auch nicht selbst, so doch 
in synonymen Wörtern nachzuweisen, ich 
meine die Monatsnamen hägaydd^i (Beb. L 55) 
und v'iyaJchna (Beb. I. 37, IIL 67). Von ihnen 
scheint mir der erstere dem späteren dai (De- 
cember) = av. dadhväo zu entsprechen, denn 
dadhväo ist im Avesta Bezeichnung des Ormezd, 
der in den apers. Keilinschriften als der größte 

ist aber unsicher, s. Haag Sitzongsber. d. Mündh. Akad. 
phil.-phil Gl. 1876 IL 3. S. 22 des Separatabdraoke. 



259 

der baga bezeichnet wird und als baga xat 
iiüX^^ aufgefaßt werden kann. So laufen dai^ 
der dem Ormezd heilige Monat , und bägayäd'i 
der Monat, in welchem baga verehrt wird, sach- 
lich auf dasselbe hinaus^). ViyaTchna ferner 
muß, wie mir scheint auf den Monat mihr 
(September) bezogen werden; vyakhna ist im 
Avesta öfters als Epitheton Mithras verwendet 
(Windischmann Abhandlungen f» d. Kunde d. 
Morgenlandes I. 29). Zu Gunsten dieser etymo- 
logischen Bestimmung der apers. Monatsnamen 
bäga/yäc^i und 'diyakhna sollen gleich sachliche 
Gründe angeführt werden, vorher aber hebe ich 
noch hervor, daß der Monat garmapada »Fuß 
;= Anfang der Wärme«, wenn wir uns von der 
Etymologie leiten lassen, nur als »Mai« aufge- 
faßt werden kann und so dem np. gherma-apishai 
entsprechen würde (Benfey Eeilins. S. 80, Ben- 
fey und Stern Monatsnamen S. 130, Hyde a. a. 
0. p. 197). Zwischen gherma-apzhäi und dai 
liegen sechs Monate; ebenso viele müssen zwi- 
schen garmapada und bagayad^i gelegen haben, 
denn Gaumäta-Bard'iya trat am 9. Garmapada 
jseine Herrschaft an und wurde am 10. Bägayäcfi 
getödtet*), seine Begierungszeit umfaßte aber 
pach den Angaben des Herodot und desEtesias') 

1) Spiegel ap. Eeilins S. 211 wendet gegen die im 
Text angenommene Erkläraog von hdgaydd^i »die Länge 
des a in hdga^ ein. Indessen dieser Einwand ist doch 
nicht kräftig genag, um dieselbe zn^ widerlegen. Bä- 
gayäd^i verhält sich zu bagoy wie ^rsf^otis zu avigAog» 

2) Gaimapadahya mähyä IX raucabis thakatä aha, 
avathä khsatrfon agarbäyata I. 11 (42—48); Bägayädais 
m&hya X ranoabis thakata äha, avatha adam hadä kama- 
naibis martiyaibis avam Gaormätam tyam Mag'nm aväja- 
nam I. 18 (66-67). 

8) — anjjmx« Kaf^ßvifijy tov K^Qovi ßatSkUvtSayra ftsy 
ri näytfic hnä tisa xtti i^^ya^ nirrf Her. 3. 66, 6 (fc d^ 



260 

auf welche bereits Oppert Journ. as. lY a^rie i 
17 pag. 383 f. hingewiesen hat, etwa sieben 
Monate — folglich steht der obigen Bestimmung 
der Monatsnamen Garmapada und BägayädTi 
nichts im Wege, sie stimmt vielmehr zu den 
historischen Thatsachen auf das Beste, die wir 
auf folgende Weise zusammenstellen dürfen: am 
9. Garmapada warf sich Gaumäta zum Herrscher 
auf — auf die Kunde hiervon brach Eambnf iya 
gegen jenen auf und starb unterwegs gegen 
Ende des Garmapada (nachdem er sieben Jahre 
und fünf Monate regiert hatte) — Gaumäta 
herrschte die folgenden sechs Monate — im An- 
fange des siebenten der auf den Garmapada fol- 
genden Monate, oder, wenn wir diesen als den 
ersten Monat der Regierung des Gaum&ta be- 
trachten, im Anfange des achten Monats der« 
selben zettelte ütäna seine Verschwörung an, 
durch die Gaumäta am 10. Bägayäd^i gestürzt 
wurde. 

Die Annahme, daß der Monat ^iydkhna dem 
mihr entspreche, läßt sich nicht in gleichem 
Grade wahrscheinlich machen, aber es läßt sich 
zu ihren Gunsten doch ein umstand anführen: 
Gaumäta hat seinen Aufstand gewiß nicht plan- 
los , nicht am ersten , besten Tage begonnen, 
sondern er hat ihn sicher zu einer Zeit erhoben, 
in der er am meisten Aussicht hatte zu reussiren, 
also wahrscheinlich vor einem der großen Feste, 
vor dem Nauroz- oder dem Mithrafest, weil da 
seine Gegner durch Vorbereitungen zu ihren 

ficcyos ftltwiirayTos Ka(iß^<st(ä ä^tm ißaaihvifi, intfia- 
Tivojy Tov 6f4(oyv/4ov JS/aegdios tovKvgov^ f^^yas ^nr tovs 
iinXoinovq Ka/^ßvüp !$> ta oxtea hfa 7^s nktjgtAifMf das« 
67 , 6yd6(p de jurjyl lyivixo xarddtjkoq tgonfp rotta&B das« 
(o juäyog — ) ifia^tTo , xai lilos xatmtttmi^tlg vno ttSy 
inrn ani&ay§, ßamlfvcag ^9i'a(^;r7d Etes. de reb.pers» 14. 



261 

Feierlichkeiten in Anspruch genommen waren 
nnd weil er nach ihrer üeberrumpeluog das 
Volk, das sich zur Feier jener Feste vereinigt 
hatte, eben deshalb leichter in größeren Massen 
für sich gewinnen konnte, als dieß zu anderen 
Zeiten des Jahres möglich war. Das Mithrafest 
aber mußte, weil es in den Herbst fällt, dem 
Gaumäta für seine Zwecke geeigneter scheinen, 
als das in das Frühfahr fallende Naurözfest, 
schon deshalb, weil der bald nach dem Mithra- 
fest beginnende Winter ihn einigermaßen vor 
einem baldigen Angriff des Eambu/iya sicherte. 
Das Mithrafest nun beginnt am 16. Mihr, also 
wenn meine Bestimmung des vMyakhna richtig 
ist, zwei Tage nach dem Tage, an welchem 
nach der Inschrift von Behistan Ganmäta seinen 
Aufstand begann^). — Worauf sich die dieser 
Annahme widersprechende Behauptung Dunckers 
(Gesch. d. Alterthums 4. S. 441) »Gaumata er* 
reichte es, sich zwei, drei Monate nach seinem 
Auftreten die Krone förmlich aufsetzen zu kön- 
nen« stützt, weiß ich nicht. 

Ueber den Rest der uns bekannten alt- 
persischen Monatsnamen läßt sich wenig sagen« 
DaA anämaka = skr. anämaJca als Schaltmonat 
anfeufassen sei , haben schon andere bemerkt 
oder angedeutet (z. B. Mordtmann ZDMG. 24. 9, 
Kossowicz inscr. pal.-pers. glos. p. 6) ; in ad^uJcani 
ist ♦cwfw »Weg, Pfad« {adhwan und adhu, Nom. 
PI. aähavd Yt. 8. 29) enthalten. Es erinnert da- 
durch an av. hamagpathmaedya. 

2* VididhväOy Jceredushä. 

Das erste der in der Ueberschrift genannten 
Worte vrird von Justi ohne Erklärung der Form 

1) Y'iyakhnahya znähyä XIV raucabis thakatä aha, 
yad'iy udapatatä Beh. I. 11 (37-- 38). 



262 

zu vid »wisseD, kennen« gestellt nnd mit »ge- 
lehrig« abersetzt ; Spiegel Gomm. II. 624 fiber- 
setzt es mit »aosscbauendc nnd leitet es von cB 
> sehen« ab, was mir grammatisch unmöglich 
ZQ sein scheint Tgl. r/^Hyttöatoiy pipffushimj U- 
trivdo. Die Form iereiushä nimmt Jnsti für 
»partic. plnr. nom.« Ton iar nnd nbersetst sie 
»die wirkenden«; Spiegel comm. II. 209 hält 
sie für »eine Weiterbildung ans einem Adjectiv 
leredus* — eine Erklärung, die der Erklärung 
ausweicht; Hang Gäth. I. 80 will keredushä zu 
Ted. kr'tvas stellen, was weder lautlich noch 
begrifflich angeht. Einen Schritt weiter, als die 
Genannten, ist Alf. Ludwig Inf. i. Veda S. 60 
gegangen, welcher die Zusammengehörigeit der 
Formen vididhväo und keredushä mit einander 
und mit Ted. mWiväms -erkannte, worin ich ihm 
durchaus beistimme, während ich dem, was er 
zur Erklärung jener Formen Torbringt, durch- 
aus nicht beitreten kann, denn daft das Suffix 
des Part. Perf. Act. einen anlautenden Dental 
eingebüßt habe, ist eine Tollig haltlose Behaup- 
tung, welche durch einen Hinweis auf kelsiX" 
Ikot- nicht im entferntesten bewiesen wird, zumal 
da neben demselben h%ikdt» und h^ikdim liegen ; 
oder sollen diese aus JUx^p^^ ^^d hx'päim ent- 
standen sein? 

Betrachten wir nun die Stellen, ap denen 
vididhväo und keredushä Torkommen! Vididhväo 
findet sich Yt. 14. 13: yö histaiti TididhTao, 
yatha qkqia hamö-khshathrö ; man kann dieS 
übersetzen : er steht wissend, wie [ihn] der Herr 
belehrte, oder: er steht, wie der Herr befahl, 
Terständig. Hinsichtlich der Bedeutung tou 
vididhväo laufen beide üebersetzungen auf das- 
selbe hinaus, beide lassen vididhväo als gleich- 
bedeutend mit vidhväo erscheinen. — Keredushä 



263 

lesen wir Y9n. 29. 3: hatam hvo aojisto, yah- 
m&i zav^ng jimä kerednshä. Ich übersetze dieß, 
indem ich yahmäi von jimä (I. Sg. Praes.) and 
aaviiig von keredushä abhängen lasse und indem 
ich Jceredushä als dativisch gebrauchten Instru- 
mental auf yahmäi beziehe (vgl. Hübschmann 
z. Casuslehre SS. 221 f., 265 f.): unter denen, 
die sind, ist er der mächtigste, zu dem ich 
komme, sobald er gerufen hat (= den Ruf ge- 
macht hat). Zu dem Flur, zavefig vgl. rv. I. 
122. 6: 9rutäm me miträvarunä hävemä'. — 
Keredushä ist also Instrum. Sg. und zwar, wie 
Jasti richtig erkannt hat, eines Part. Praet. von 
Tcar »machen € ; sein Nom, Sg. Msc. würde keredh- 
väo lauten. 

Erklären wir vididhväo und Jceredhväo für 
prateritale Participalformen von vid und kar 
und sehen wir uns nach einer Erklärung der- 
selben um, so scheint eine solche sehr nahe zu 
liegen, sobald wir uns an z. B. lit. Up-davau, 
lip'dav^, Ttp^vus% gelhe-dav^, gelbe-davusi und 
überhaupt an die Formen erinnern, die man als 
»schwache Praeterita« zu bezeichnen pflegt, wie 
femer gt. skulda^ nasida. Diese beiden Formen yer- 
halten sich genau so zu einander, wie ay. keredh- 
väo zu mdidhväo; keredhväo beruht wie skulda 
auf der Wurzel, dagegen vididhväo wie nctsida 
auf einem abgeleiteten Verbalstamm (vidi bez. 
vidjfa^ vidaya)^ der auch in skr. viditd »kennen 
gelernt, gekannt, bekannt« erscheint. Ich er- 
kenne also in kere- und vidi- Verbalstämme ; ob 
nun aber keredhväo und vididhväo Participien 
einer dem schwachen Praeteritum der europäi- 
schen Sprachen unmittelbar gleichstehenden Form 
sind, ob in ihnen also Zusammensetzungen von 
kere-y vidi- mit -dhväo, dem Part. Perf. von da 



264 

u.rlifpen M — Jiese Frage wage ich nicht zu eni- 

MhtultM^ Kii! eiJtsoheiJender Grund spricht gegen 

iiiu ilirar::s:e Ai nähme freilich nicht {vididhvao 

\\\.".]i >.-: "z'r^ii ciJvüo stellen, wie got. (/a^^fj({a 

-. : :»: . .' ; ;• i c. as. ijeng, ahd. ietic)^ aber sie ist 

.:>..!:- ii.'j iS Ivsteht die Möglichkeit, daß 

■ . . ; .• •-•* .n»>j'. unreduplicirt«Part. Perf. 

.t ' ru.-.: H'iz ''v-.rt'J. *vidi(l sind, die aus 

... ' . .'\f -.-jr'iirzt und durch Composition 

ti: /" entstanden sein würden (vgl. 

r i •!.;->. LTt?jffen die letnere Erklärung 

^-A- !uer werden, daß min von dem 

-. ^-.: .' r-niithema *vidid ein periphrasti- 

. -> ^cwtf.'ituii /AI erwarten habe ; dieser Ein- 

■... t?iioch gegenüber iriritharen iririr 

.. .. ;: vi iem freilich zweifelhaftem urwrudhr 

; .:-cr Metrik. S. 42 §. 56, Spiegel Comm. 

vt^ui^ gewichtig zu sein. Zu Gunsten der 

. ..i-:. rirklärung aber spricht die von Benfey 

Nadir. 1874 S. 370 aufgestellte Erklärung 

cU. '/«iilAraife, das meines Erachtens von 

.. io.ia uud vihidhvdo formell nicht zu trennen 

^ ^viue verbale Basis hat sich im Sanskrit 

..VI Koht enthalten. 

"^V^-Xxi Eutscheidung unter den hier aafge- 
. :ti! arklürungen von vididhvao und keredusM 

hiii'» kann aas -dadhvBo verkürst sein, vgl. 

I 'lebeu y-Aozhdadhditi oder — wo freüieh ni(Sit 

^ üviin'lu-AiiouMilbe geschwunden ist — got tavidu^ 

u.. '*>• *-^- ^^^ Meritume's neben got. taridedvh, nan- 

\ ... Ob ^.ifrJi'i^art.Perf. von da = skr. ähä, oder 

^•- AÄ ist, läßt sich nicht entscheiden, vgL 



''' 



v«i. ../<i. 'utma da. gr. nig-^a : lat. per-do, »kr. 



v. »c. .'t^^P'io, [got. skul'da: mak-ta?7]. 

• v.xk'iv \\*rbd der Art hat Benfey »Jabeo und 

N .o^nVac* S. 2 2 ff. besprochen Ein besonders 

' '\.^^..cat ;»c Ji» ved. id. das bislang nicht bestimmt 

^-jik^tti'«' -^^ «oiui^t? Andeutungen finden sich in Ben- 

g«y, s. :sUud>tfda' es ist aus yaj'dd entstanden, 



^65 

kann ich zur Zeit nicht treffen; ich bin zufrier 
den, wenn es mir gelungen ist; diese schwierigen 
Formen ihrer Erklärung etwas näher zu bringen. 

3, Khshänmme. 

Ya^na 29. 9 findet sich das Wort hhshänmene : 
ate& geas urvä rao9tä y6 aüaeshem khshaumene ^) 
r^em | Täcim ueres acürahyä yem ä va9emt 
!sh&-khshatbrem. Die Uebersetzung dieser Stelle 
hängt wesentlich von Jchshänmene ab, das Spiegel 
Comm. II. 215 an skr. Jcsham »ertragen« an- 
schließt, während Hang Gäth I. 88 es aus einer 
rednplicirten Form der Wurzel han = san »spen- 
den« erklärt und Justi es zweifelnd von khshan 
»hauen y verwunden« ableitet. Harlez endlich 
(Av. IL 107) übersetzt die obige Stelle : malheu- 
reux qui n'ai obtenu qu*un don sans valeur, la 
voix d'un homme faible u. s. w. — Im Folgenden 
sollen drei dem für JchshänmenS vorauszusetzen- 
den Stamme khshänman etymologisch entspre- 
chende Stämme nachgewiesen werden ; ob einer 
von ihnen in Jchshänmene anzunehmen ist, muß 
ich der Entscheidung der iranischen Philologen 
überlassen 

Ich habe G5tt. geLAnz. 1878 S. 201 darauf 
hingewiesen, daß sich der Vorschlag eines Gut- 
torals vor einem Sibilanten nicht nur in den 
glavolettischen Sprachen findet, sondern auch 
donst, speciell in der Sprache des Avesta und 
ich füge zu den a. a. 0. gegebenen Beispielen 

• 

was Bich IreiHch nur durch den Gebrauch des WorteB be- 
weiflBD läftt. Ich neune diese Verbum »besondera interes- 
sant« aus phonologisohen Gründen, die jeder Kundige so- 
fort erkennen wird. 

1) Dazu die Yarianten khshnänmene (W.), khsbäaum- 
nd, Idisftn.mend, khsnün • meno , khsn&nmend, khsnSln« 
ttaiid (Sjp.)* 



267 

SS HhshänmenS an, so mn0 dasselbe auf *$mnene 
loraokgeführt werden, und diese Form ist deut- 
lich Dat. Sg. eines Stammes sämafiy den wir drei- 
mal im Sanskrit finden (saman) mit den Be-» 
dentangen 1] Gesang 2) Erwerb, Besitz, Reich- 
ifaiim, Fülle 3) gute, beschwichtigende Worte, 
Hilde, freundliches Entgegenkommen. 

4, Drighu, dregvafU, drim. 

Die Worter drighu (dareghu, drigu, dregu, fem. 
dirtvi) »arm«, dregvoM »schlechte^ driwi »Bettel« (?) 
yTflL.dr%w%ka »Armuth« gehören offenbar zusam- 
men, aber weder ihre Etymologie noch das ge- 
genseitige Yerhältniß ihrer Laute ist in das 
Reine gebracht. Ohne das Letztere hier aus- 
fuhrlich besprechen zu wollen bemerke ich nur, 
daB das Yerhältniß von dHwi zu drighu nicht 
ohne Weiteres mit dem von lat. levis zu skr. 
laghu verglichen werden darf (Windischmann 
Mithra p. 43, Spiegel Gomment. IL 119), weil 
av. w dem lat. v nicht correspondirt. — Was 
die Etymologie von drighu u. s. w. anlangt, so 
ist sie unschwer zu erkennen, vrgl. lit. dirgstu 
([/dirg) »zu nichte werden, versagen«, sudirgstu 
»schwach^ elend werden (von Menschen und 
Thieren); abnehmen^ herunterkommen; schlecht 
unangenehm, ungünstig werden (vom Wetter)«. 

5. Häidhista. 

Das Wort häidhista Tt. 12. 8 (atbista, häi- 
dhista, jaghnista, na9ista täyumca hazanhanem- 
ca 11. s. w.) wird von Justi durch. »am meisten 
tötend«, von Spiegel durch »bewaffnet« äber- 
setxt;' beide üebersetzungen sind rein conjec- 
taral, weder etymologisch, noch philologisch hin- 
reichend gestützt. Ich glaube aus der erwähnten 
auf Bashnn beasüglichen Stelle schließen zu sol- 



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269 

Stelle, wo jenfe beiden Wörter vorkommen (Y. 
62. 2 W.), perenäyus für sich als Compositum 
ans perena -|- äyu auffassen und demgemäß über- 
setzen könnte, so widerspricht dem doch das 
perenäyus parallel stehende und ihm deshalb 
entsprechend zu erklärende dahmäytiSj das nicht 
»frommes Leben führend« oder drgl. bedeuten 
kann, da es sich auf einen der yazats, das Feuer 
bezieht, das ein Mensch nicht wohl ermahnen 
kann, ein frommes, gutes Leben zu fuhren. 
Alle Schwierigkeiten fallen fort, sobald wir in 
perenäyUy dahmäyu nicht -äyu Leben suchen ^), 
sondern sie zu den erwähnten vedischen Adjec- 
tiven stellen, deren Formation vielleicht auch 
durch Ahhuyu im Avesta vertreten ist. Dann 
läßt sich perenäyu durch »mit Fülle versehen«, 
»von Fülle umgeben«, dahmäyu durch »von 
Frommen umgeben« wiedergeben, und die ganze 
in Betracht kommende Stelle wäre zu übersetzen : 
sei [stets] von Fülle umgeben in Beziehung auf 
[deine] Nahrung, sei in Beziehung auf [deine] 
Nahrung [nur) von Frommen umgeben, o Feuer, 
Sohn des Ormezd; dem Feuer wird also ge- 
wünscht, daß es stets reichliche Nahrung finden 
möge, daß ihm dieselbe von Frommen besorgt 
werde, d. h. von solchen, die das Feuer in keiner 
Weise verunreinigen*), es nicht mit grünem 
Holze nähren, nicht Haare und drgl. in es wer- 
fen (vgl. Ardä-Viräf 10. 7 ff., 34. 5 ff.) und daß 
ihm nicht ünfromme nahen, die es verunreini- 
gen , oder gar auslöschen (a. a. 0. 37. 6 ff., 
55. 4 ff.) 

1) Dis Ledarten perendy4s und dahmdyüs in E6 er- 
ümem an sk. ^yw; allein dieß kommt im Avesta nicht 
vor. 

3) üeber dahma vgl. Haag über den gegenw. Stand 
der Zend-Phik)logie S. 27 ff. 

2i 



270 

Ttv^ RiUangen auf -yu^ m denen ich pere- 
niui ikiimdj^i^ gestellt habe, sind in einer 
Hv^oHiin^ höchst instractiv, sie yeranachanlichen 
Hüinii^r ^hr klar den von Fick behaupteten 
'/t>8tini»i^nhang der Nominal bildnng und Yer- 
KH^hii^Jtttg ^), sie zeigen klar die Entstehung no- 

' ' IXe Arbeit Ficks, auf weldie ich Ider Beeng nelnM 
:fMir. K 1 ff ) tcheint einifiren deutschen Gelehrten gi oien 
^mmM gie^ben su haben; da£ aie einurea Bedenldiche 
Wifc Ufuj(Eie ich nicht, daß aber, was Fick dort vofge- 
iHiC<ftt hat, daß speciell seine Behandlong gnmdapradili- 
«v. , »Wurceln« wie bhar, dram von hei ireilem giülmci 
XKiiHi(ttnflr und Wahrscheinlichkeit iat, als jene in e i n uu 
M*J ala die tinnloae Besprechnngr der fragtMihen Arbeit 
u i«r Jeu. Lit -Ztg. 1876. S. 760 anerkennt, mb^m fol- 
^ciiJe Aeußerungen beweisen: 

Herr G. J. A9Coli Studj critici IL S. 29 X. 10 sagt: 
•Nou per yana pompa. ma per la realta della stone, e 
11 iapecie per notare come l'intima c o ncordawn ik^ 
Hutun implica la i-erita generale del prinoipio. Mi fs le- 
<iU.> di qui avvortire la graudissima somigiiana che corre 
iiH lo »tudiu del Fick: Wurzeln und WurzeUe^ermisar 
Ac C^'er^fl. WörterK* 9->7— 1014 . IV. 1-120: 1870, 
lS7ti^ e il sei'itndo de^mtei 'Studj ario wia iöci^ . letto 
Ali' Istituto lA>mbaTdo nella lomata del 6 la^io 18IK 
^ pubblk'ato in ^aello ateseu anno. Ne io en il peinw 
güc »i mettosst* |.vi* quella via. Che te in tirdiae aiua 
ucklui-a dei 'dott-mtiuativi" iu parte auizora si däeence, ciu 
no;) iiu|K^rta alcuua esseiizia!c diffeienza: tacco e rem, 
che io livtvlo lettenilmente me stesso nelk oasenrnoni 
t^euerali intomo ai tipi nominal i bhara dnmn ecu. 
:ui&erK.irL alle suppiiete radici bhar dram cce. . cks il 
Kiok prepone a uu recenie suo Articolo inei 'Beitrige' 
oic- l. I 9«'4;:g.^ ; cfr. la uota che qoi segne a pag. 53 
«gg. Mau a>Q c:6 non ictecdo mica d'acctrinre ctiphigio 
i.jiK'dto s;a^liardo e o^-^n:'«*.' ilemanno!« 

Herr Hocore Chavee Lieolog-e lexicrfn^que (l^ans 
\a/S^ S. 6tl'. sagte: »F^itiir le noBeni. qa'ü me aoifi per* 
iius vreiabhr uue difference protocde eatre 1« Tmihiae 
luouotivllabhiu«» Premiers. - pronoms et Terts simpiei 

^ nne fiwie de racÜM« HoncajUahiqnei ä cunKinne 
jre qoe K ^oa L poor R' ' teUcs 



271 

imaler Biamnie ans ¥erbftlei)^ denn es kann 
keinem Zweifel nbteriiegen , daß jene Bildungen 
ans Verbahtämmen auf -ya entstanden nind. 
Wie das geschah , bedarf nodi genauerer Unter- 
suchung. 

7. Qtri^ (ti, -gtar. 

Av. gtri »= skr. stn »Weib« ist bisher ety- 
ttologiseh nicht erklärt; dann dier Behauptung, 
strt sei aus Hutri entstanden (Graßmann Wbch. 
c. 1596) kann nidit als Erklärung gelten. Sie 
ist niebt besser als die Behauptung Yäkas Nir. 
IZL 21, stri komme von styä »sidi schämen« 
(afdirtra^)^ i^stnn wie diese nimmt sie eine un- 
veffaättniAmäßige Verstümmelung des Wortes 
an,. indem sie zugleich unbeachtet läßt, daß die 
für strt vorausgesetzte Form "^sutri sich im 
AthaiTvaveda in der Bedeutung »Geburtsglied« 
findet ( Av. IX. 7. 14 ; vgl. PW. s. v.). 

Denkt tnan sich das aus av. gtri und skr. 
st^t ergebende arische Wort $tH' einen Augen- 
blick als ans *asUrt entstanden, so ist seine Ety- 
mologie sofort klar 9 denn alsdann verhält sich 
strt zu OS» (av. cnhu)^ das, wie die begrifip- 
liehe Uebereinstimmung von lat. herus^ erus 
(Bmgman EZs. 23. 96) und av. anhu (Justi 
8« y^ Hang Sitzuugsber. d. B. Akad. phil.-phil. 

pat, pa^, vrt« rabh, radh, etc., etc., formes tronqudes 
des d6riv6s dissyllabiqaes ta-na et ta-uu, ma-na et ma-nu, 
pa-ta et pa-ti, pa-da (derive par le pronom demonstratif 
da , comne pa-ta Pest par le pronom d^tnonstratif ta), 
VT'^tm , ra-bha (derive par bba, paraitre, formant des in* 
oboatifg), ra-dba (di^ve par dba, faire, formant des in- 
tenaifs), etow^ e^.< 

Zu dem was ich Göt. gel. Anz. 1877 8. 884 im An- 
gcMnß aD ^Prcks Ansiobten . über Formen wie f/agirgtc ge- 
sagt feiabe, biite iofa so vercleicheii , was Beofey Odt. 
Nadkr. 1677 8. Ul «her die Svarabbakti benierkt bat 

2^* 



272 

C1. 1872 I. 109 ff.) wahrscheinlich macht, schÖD 
in der ar. Grundsprache die Bedentong »Herr« 
hatte — alsdann, sage ich , verhält sich sbri' zu 
dsUj wie skr. hhartrt »Erhalterin ^ Ernährerin^ 
Mutter« zu bharü »Herr«. Bharirt ist Femin. 
zu bhartr' (oder hhdrtx) »Erhalter, Ernährer, 
Herr, Gatte« ; demnach ist für ar. strt ein mas- 
ful. *5^6ir vorauszusetzen — daß dasselbe ver- 
loren ist, begründet natürlich keinen Einwand 
gegen die aufgestellte Erklärung von strt. 

Ar. dsu »Herr« wird mit Recht zvl \/as 
»sein« gestellt; vergleichen wir mit jenem nun 
stri\ so verhält sich jenes zu diesem ebenso, 
wie sich die Singnlarformen skr. dsnii, äsij ästi, 
av. ahmi^ ahi, ogH, zu den Pluralformen skr. 
smds, sthä, sdnti, av. mahi^ gtä, heMi verhalten. 
Die verschiedene Form der Wurzel in den 
angeführten Singular- und Pluralformen resultirt 
aus der Verschiedenheit der Betonung dieser 
Formen; es liegt auf der Hand, daß die Diffe- 
renz der wurzelhaften Bestandtheile in av. antm 
und skr. strt = zend. giri sich aus gleichem 
Grunde gebildet hat. — Immerhin ist die Bil- 
dung eines Nomen actoris *$tär, fem. strt voti 
\/^as eine Unregelmäßigkeit, aber sie steht nicht 
vereinzelt, vgl. av. keretar, deretar, beretar, skr. 
ushtr , uptrima{?)^ gr. tarcog (falls es nicht als 
iötoiQ aufzufassen und dem skr. vettr gleichzu- 
stellen ist), lat. iixor neben vector (Fick Wbch.' 
IL 244) u. A. 

Von Wurzel as sind mit Einbuße des wur- 
zelhaffcen Vocals auch skr. sti = av. gti und 
av. gta gebildet (Graßmann Wbch. c. 1590). 
Diese Behauptung ist unrichtig, wenn Roth über 
Ya9na 31 S. 23 aus der Form p^öi, die er für 
Dativ erklärt, ein msc. Thema gtä mit Recht 
erschlossen hat. Hiergegen scheint mir aber 



273 

ein gewichtiges Bedenken zu sprechen: wäre 
gtoi Dativ eines Thema gtä, so wäre dieses, wie 
Roth selbst bemerkt, flectirt wie z. B. skr. gu- 
cipa* ; dann aber wäre das ä in gtä verbal, dann 
läge in diesem y^gtä »stehen« vor und dann 
wäre der auch von Roth (a. a. 0. und im Pe- 
tersb. Wbch. s. v. sti) angenommene und klar 
auf der Hand liegende Zusammenhang zwischen 
dem für gtöi angenommenen Thema gtä und dem 
von ihm nicht zu trennenden gti einerseits und 
skr. sH andrerseits unmöglich, da dieses letztere, 
wie sein nicht aspirirter Dental zeigt, nicht von 
}/ sthä herkommen kann. Wer diese Consequenz 
vermeiden will, dem bleibt, wie mir scheint, 
nichts übrig, als die Ansicht aufzugeben, daß 
gtoi Dativ eines Thema gtä sei. Wie die Form 
definitiv zu erklären sei, weiß ich nicht; daß 
gtoi (= gte) dativisch gebrauchter Locativ sei, 
wäre eine reichlich wohlfeile Erklärung. Man 
berücksichtige Y. 68. 14 W.: v!9paya vi9e mäz- 
daya9ne. — Gegen die Annahme, daß av. gti 
und ved. sti zu \/as gehören, kann eingewendet 
werden, daß neben diesem im Yeda die volle 
Form *a>sH in svasti vorkomme. Indessen dieser 
Einwand würde nicht viel besagen, denn es 
kommt ja nicht selten vor, daß in einer Sprache 
zwei lautlich verschiedene Wörter erscheinen, 
die sich aus gleichen Elementen gebildet haben, 
oder daß — um mich anders auszudrücken — 
eine Sprache ein Wort in verschiedenen Gestal- 
ten besitzt , deren Bildung dann freilich in der 
Regel verschiedenen Phasen angehört. Ich er- 
innere hier nur an die schon oben angeführten 
lat. Wörter uxor und vector ; einen Monstrebe- 
leg für das Gesagte würde J. Schmidt gegeben 
haben, wenn er Voc. IL 492 lit. ilgas »laug« 
und draikas »lang gestreckt« mit Recht für wur- 



274 

zelhaft verwandt erklärt hätte. Das besweifle 
ich UQQ freilich. 

Nach der Flexion von ca av. ah »aeinc rieb* 
tet sich ad »esseDc, mit demUntersehiede jedo^, 
daß diese» in den schwachen Fonsaen sein a be» 
wahrt. Nehmen wir, was nicht nnwafaracheii»* 
lieh ist, au, daß einst anch ad »formabstttfend« ^) 
conjugirte, so würden z. B. seine PlorBlfonneB 
in der arischen Grandsprache dmagi, dta^ dmUi 
gelautet haben. Hierzu würde ein NomuActor 
ilkir oder dird (vgl. tishtr und li^itro a« av* 
"iistra) stimmen. Dasselbe hat sich in aip.i&r^/^*» 
-^ra erhalten, wenn die Yon Hav^ stela Ttfrtre« 
tene Erklärung dieses Wortes als »Fleia A ie soe rt 
richtig ist (z. B. Gäth. p. 3 »carnem-diovorantes« 
sx Jchrafgirä^ Ahuna-yairya-Foimel S. 125 Annk 
1). Ob sie das ist, will ich nicht entscheiden; 
ich wollte nur zeigen, daß sie mdglich ist. 

8. Bis^ baeshaz. 

Die Wörter bis und baeshaz nebst skr. hhish- 
aj ^ bhishäj ^ bhishajy, bhishnaj, bheshajä haben 
ohne Noth große Schwierigkeiten gemacht; eine 
einfache Erklärung derselben liegt sehr nahe, 
und ich erlaube mir, dieselbe hier vorzutragen. 

Skr. blidsh »reden, sprechen« ist vennnthlich 
aus %häs entstanden (vgl. lash, Benfey über 
jubeo S. 37); davon konnte ein Nomen bhis 
> Spruch, Besprechung, Heilspruch, Heilung«, ge- 
bildet werden, vgl. ved. *gis in ägis »Bitte, Ge- 
bet, Wunsch«, svä(is »mit gutem Gebete verse- 
hen«, pragis »Befehl, Vorschrift« von V^gäs »be- 
lehren, preisen« u. A. Jenes bhis findet sich 

1) Weshalb dieser ^ute Ausdniok Bopps jetst allge- 
mein dfuroh den schiechteren »«tamniBbstufeiid« ersetat 
wird, verstehe ich nicht 



275 

iiiin in av. eredhwöbis, vigpöbis, huMs, Epitheteu 
eines wanderbaren Baumes (Windischmann Zor. 
Sind. S. 166 ff,). Von jenem der arischen Grund- 
sprache zuznsi^reibenden bkis sind abgeleitet: 
skr. hMBhoQ (Verb. u. Nom.) aus dem weiter 
bhishajy (vgl. dhrshäj , sanäj, äsvapnaj) gebildet 
wurde, und bkishnaj (vgl. trshnaj neben trshyä'- 
vant); andrerseits (mit gunirung) av. haeshaz 
und hikSshaisa s» skr. bheshaja^ haeshazya. 

Die Richtigkeit dieser aufgestellten Erklä- 
rung wird einlenchteDder werden, wenn man 
vergleiebt: slav. hc^ati »fabulari, incantare, me- 
deri«, halii »ineantator, medicus« , bcdovati »cu- 
rarec, baiovamje »medicinac, balistvo »incantatio, 
medieinac. 

Die Berechtigung bkis aus bhäs schon in der 
arischen Grundsprache entstehen zu lassen, ge- 
ben av. vi-inüa, frormüa, berezirmita (daneben 
mMa) = skr. miia (Part. Perf. Pas. von ma)^ 
av. {fiA^i^-ymiti = skr. miti »Maß« u. A. 

9. Agyayäo, täshyayäOj magyayäo. 

Die comparativischen Nomin. Sg. Fem. ägya- 
yäo und täschyayäo finden sich Visp. 7. 3 (W.): 
nairyam häm varetim yazamaide framen-naram 
framen-naro-viräm, yä ägaot äfyayäo, yk takhmo *) 
fasyayäo *) u. s. w. Eine Erklärung derselben 

1) So sollreibe loh abweichend von Westergaar d und 
Jasü, die- iukhmS^ und das fol^endo Wort za einem Com- 
poiitiim verbinden, denn takhmö kann gar nichts anderes 
als Ablativ sein; das beweist das parallele ä^aot, Takh- 
mo ist aus takhmät entstanden, indem das t abfiel (an- 
dere F&lle der Art verzeichnet Hübschmann z. Casusl. S. 
242) and das ä durch den Einfluß des vorhergehenden 
m am 6 wurde. 

^ Spiegcb Text (8. 14) weicht unwesentlich ab ; die 
Varianten bei W. und Sp. sind ohne Wwth. 



276 

ist meines Wissens bisher nicht gegeben; die 
meisten scheinen sich mit der Vermathtmg be- 
friedigt zu haben ^ daß -yay&o Schreibfehler f&r 
-yao sei, was ich für sehr unwahrscheinlich halte, 
um so mehr, als jene Formen sehr wohl sn er- 
klären sind. 

Vergleicht man gtävaesta mit skr. sthdmMia 
(Justis. ▼., M.Müller KZs. 18.^13\ so sieht man, 
daß der Stammanslant eines mehrsiloigen AdjecÜTs 
vor dem Saffix des Superlatiys and folglich auch 
des Comparativs in der Sprache des Ayesta erhalten 
bleiben konnte wie im Slav. n. Prenss. Demnach 
trenne ich in äoyay&o und täshyayaö^) -yäo alsGom- 
parativendung des Nom. Sg. Fem. ab ; so gewinneu 
wir die adjectivischen Stämme ä^a' und täskyah. 
Diese Stämme sind im Avesta außer imCompan 
nicht nachzuweisen, denn »schnell« heißt ä^ 
» stark « takhma. Aber darum ist das bisher Vorge- 
tragene nicht zu beanstanden, denn ein Stamm ägyar 
verhält sich zu ägu-^ wie got. hardior zu hcurdury 
lit. grazior zu grazu-j gr. rroAio- zu nolv- (Z6LS. 

S. 153). Agyayäo neben oqu lehrt also, daß das 
Tauschverhäliniß, welches zwischen adjectiv. u- 
und ;a-Stämmen in mehreren europäischen Spra- 
chen besteht, auch der Sprache des Avesta nicht 
fremd war. Das Nicht- Vorkommen eines- selb- 
ständigen Stammes täshyor spricht ferner nicht 
gegen das Gesagte, weil weder täshyayäo noch 
— wenn dieses wirklich falsch sein sollte — 
Häshyäo ja doch auf keinen Fall von talckma 
gebildet sein können, mit Nothwendigkeit also 
neben diesem ein anderer Stamm angesetzt wer- 
den muß, der außer in jenem Comparativ nicht 

1) So (mit sh) schreibt mit Recht Spiegel Qram. S« 
176 und nach seinem Vorgänge Hübschmann Kbeitr. 7. 
462; wegen des sh vgl. hasha, hasM neben hakhi. 



277 

im Avesta vorkommt. Der von mir angenom- 
mene Stamm täshya == Hanhia- findet sich im 
Litauischen, das in der Flexion des Adjectivs tan- 
hus »dichte mehrfach einen Stamm tankior zeigt. 
DaA die Sprache des Avesta jemals neben dem 
Stamme *tankiar anch den im Lit. mit diesem 
verbundenen ti-Stamm gekannt habe, läßt sich 
nicht behaupten, ist aber, wie das Nebenein- 
ander von OQU und ägya lehrt, wohl möglich. 

Wie ä^ayäo und täshyayäo ist magyayäo zu 
erklären; dieses findet sich Vend. 5. 24 (W.) 
in den besten Hss. : magyayäo äfs ... magyayäo 
vana. Westergaard liest, den schlechteren Hss. 
folgend, magyäo; Spiegel hat in seiner Ausgabe 
(5. 72, 73) magyayäo angenommen , in seinem 
Gommentar aber (1. 172) durch ma^yoo ersetzt ^)« 
Mir scheint es in Hinblick auf ägyayäo und 
täshya/yäo geboten zu sein, magyayäo festzuhal- 
ten. Ich wärde dieß noch bestimmter behaup- 
ten, wenn ich den hierfür vorauszusetzenden 
Stamm magyor nachweisen könnte. 

Sollte sich die vorgetragene Erklärung der 
Formen ägyayäo, täshyayäo und magyayäo als 
unrichtig herausstellen, so wird es am nächsten 
liegen, ihren Ausgang -yayäo aus einer Verdopp- 
lung des Comparativsuffixes zu erklären (vgl. 
ahd. merorOj meriro). Einer solchen Erklärung 
stehen aber viel größere Schwierigkeiten entge- 
gen, als der oben gegebenen. 

1) Mit Bezug auf eine dort geäußerte Bemerkung 
Spiegäs hebe ich hervor, das in der Sprache des Avest» 
ein besonderes Thema für das Femin. des Gompar. nicht 
gebildet zu werden braucht (was freilich vorkommt), daß 
dort vielmehr — wie im Grieoh. und Latein. — derselbe 
Stamm für Mso* , Fem. und Ntr. des Gompar. verwendet 
werden kann. 



278 



Uiifersität 

Am 20. März entschlief sanft nach jalurelan- 
gern Leiden der ordentliche Professor der Theo* 
logie und erster UniTersitätsprediger, Obereon* 
sistorialrath Dr. theol. Ehrenfeuchter., Abt 
zn Bnrsfelde. 

Friedrich August Eduard Ehren feuchter 
war am 15. Decbr. 1814 zu Leopoldshafen im 
Großherzogthum Baden geboren und erhielt seine 
wissenschaftliche Vorbildung auf dem Lyceum 
zu Mannheim, wohin sein Vater als Oberlehrer 
versetzt worden. Bereits im 17. Lebensiahre 
bezog er Michaelis 1881 die Universilät Heidel- 
berg, auf welcher er bis Ostern 1885 Theologie 
und Philosophie studierte. Nach Beendigung 
seiner Universitätsstudien übernahm er die Steile 
eines Religionslehrers an dem Lyceum bu Mann- 
heim, wurde vier Jahre darauf Pfarrverweser in 
Weiuheim und bald darauf Hof- und StadtrViear 
in Garlsruhe. Von hier folgte er im Spätjahr 
1845 einem Rufe als außerordentlicher Professor 
der Theologie^ Universitätsprediger und Director 
des homiletischen Seminars nach Göttingen« wor- 
auf zu Anfang des folgenden Jahrs die theolo- 
gische Facultat der Universität Heidelberg ihm 
die Würde eines Doctors dier Theologie verlieh. 
Im Jahr 1849 wurde er zum ordentUehen Pro- 
fessor in der theologischen Facultat für das Fach 
der praktischen Theologie und i. J. 1858 zum 
Oberconsistorialrath ernannt, nachdem er i. J. 
1857 zum ordentlichen Mitgliede des Gousisto- 
riums zu Hannover und i. J. 1858 zum auBer- 
ordentlichen Mitglied des Staatsraihs eruaniit 
worden. Die Würde eines Abts zu Bursfelde 
wurde ihm nach dem Tode Lücke's i, J. 1856 



279 

eriheilt. J. J. 1866 wurde er auch außeror- 
denÜiches Mitglied des neuerrichteten Landes- 
Consiatoriums. 

Ehrenfeuchter, der unerachtet mehrerer und 
zam Theil sehr verlockender Rufe Göttingen 
und seiner einflußreichen Thätigkeit in der ]£n- 
noverschen Landeskirche mit, deren Geistlichen 
GtemeinsdlMift anzuknüpfen und zu pflegen er 
wie wohl kein anderer Universitäts- Lehrer be- 
reit war, treu gebliehen ist, hat auch noch 
lange naeh iem ersten Auftreten seiner Krank- 
heit, welche, durch eine Geschwulst im Hirn 
verHraoeht, schon yor funfaehn Jahren, damals 
Erblindung drohend, sieh zeigte, seine segena- 
reicbe Thätigkeit auf Katheder und Kauzel in 
treuer Hingebung und mit Aufbietung seiner 
letzten körperliehen Kraft bis vor zwei Jahren 
fortgesetzt, wo er sich ganz zurückziehen mußte. 
Doch behielt er noch die geistige Kraft, ein 
wissenschaftliches Werk, welches ihn viele Jahre 
lang beschäftigt and welches er als das Haupt- 
werk seines Lebens sich vorgesetzt hatte, druck- 
fertig machen zu können. 



Se. Ifajestat der Kaiser und König haben 
allergnädigst geruht den Großherzoglich Baden- 
schen Geheimen Hofrath und ordentlichen Pro- 
fessor Dr. Gustav Hartmann zu Freiburg i. 
Br., unter Verleihung des Charakters als Gehei- 
mer Jnstiz-Rath, zam ordentlichen Professor in 
der juristischen Facultät, und den ersten anato- 
misenen Assistenten am pathologischen Institute 
der Friedrich- Wilhelms -Universität zu Berlin, 
Dr. J. Orth, zum ordentlichen Professor iu der 
medicinischen Facultät der hiesigen Universität 
zu ernennen. 



280 

Der ordentliche Professor in der medicini* 
sehen Facultät Dr. med. Ponfick ist in glei- 
cher Eigenschaft in die medicinische Facnltäi 
zu Breslau versetzt worden. 

Der Privatdocent in der jnristischen Facoltat, 
Dr. jar. Gustav Rümelin ist zum aufierordent- 
lichen Professor in dieser Facultät ernannt, und 
demselben darauf, nachdem er inzwischen einem 
an ihn ergangenen Rufe als ordentlicher Pro- 
fessor nach Freiburg i. Br. Folge geleistet hatte, 
die von ihm erbetene Dienstentlassnug von 
Ostern ab ertheilt worden. 

In der philosophischen Facultät haben sich 
als Privatdocenten habilitiert: 

Dr. phil. Eugen Geinitz zu Michaelis 1877 
für das Fach der Geologie, und 

Dr. phil. Otto Krümmel Ostern 1878 fittr 
das Fach der Geographie. 



Philosophische Facultät. 

Benekesche Preisstiftung. 

Die chemische Zusammeüstellung der gleichen 
iu demselben Entwicklungsstadium stehenden 
Organe ein und derselben Pflanzenspecies ist bei 
verschiedenen Individuen innerhalb gewisser 
Grenzen eine verschiedene. Die Samenkörner 
des Weizens z. B. enthalten bald mehr bald 
weniger Phosphorsäure, bald mehr bald weniger 
Eiweißstoffe, bald mehr bald weniger Stärke. 
Von Einfluß auf die Zusammensetzung sind unter 
andern: Klima und Witterungsverhältnisse, Bo- 
den und Düngung. Die Darlegung der bis jetzt 
bekannten Thatsachen und der Versuch einer 
Erforschung der hier waltenden Gesetze wird 
als Preisaufgabe für das Jahr 1881 gestellt. — 



281 

Es wird gewünscht: 

1. Eine umfassende Zusammenstellnng der 
bis jetsst Yorliegenden Beobachtungen und Un- 
tersuchaugen , sowie kritische Beleuchtung der 
bei den Untersuchungen angewandten Methoden. 

2. Die Anstellung selbständiger Versuche 
in der fraglichen Richtung , soweit solche zur 
Begründung der Beweisführung erforderlich sind. 

3. Eine eingehende Darlegung der geeig- 
netsten Mittel und Wege, um die noch vorhan- 
denen Lücken in der Erkenntniß der betreffen- 
den Gesetze auszufüllen. 

Bewerbungsschriften sind in Deutscher, La- 
teinischer, Französischer oder Englischer Sprache 
mit einem versiegelten Briefe, den Namen des 
Verfassers enthaltend, beide mit gleichem Motto 
bezeichnet, bis zum 31. August 1880 an uns 
einzusenden; die Entscheidung über die Preise 
(1700 und 680 Reichsmark) erfolgt am 11. März 
1881, dem Geburtstage des Stifters, in öffent- 
Hcher Sitzung der Facultät. 

Gekrönte Arbeiten bleiben unbeschränktes 
Eigenthum ihrer Verfasser. 

Die Preisaufgabe für das Jahr 1880 ist 
S. 280 der Nachrichten von 1877 bekannt ge- 
macht worden. 



!• Mai 1878. 



Die philosophische Facultät der 
Georgia Augusta. 

Der Decan: F. Wüstenfeld. 







:3i 

he„FM«W, H 









1,. Bic»»»'- 




Bei der KöiiigL üesellschaft der Wis- 
senschaften eingegangene Dracksohriftea. 

(Fortsetsong.) 

W. R i d le y , Eämilaröi and other Anstralian langnages. 

Second edition, .with comparat. tables ef words ete. 

Sidney 1875. 4. 
Railways of New South Wales. Report. Fxom 1872 

—1875. Sid. 1876. Fol. 
Ann aal Report of the Department of mines of K. 8. 

Wales for 1876. 4. 
Bulletin de TAcad. R. des Sciences de Belgique. T. 

44. No. 11. 
Mittheilungen der Geschichts- und Altertbnmsfoneh. 

Gesellschaft d. Osterlandes. Bd. 8. H. 8. AliealMiig. 
Nature. 431—434. 
Mittheil ungen aus dem naturwiss. Vereine in Greift- 

wald. Jahrg. 9. 
Rivista Europea. Vol. V. Fase. III. 
A. Scacchi. sopra un masso dli pomioi tfOT»to in 

Pompei. 1877. 4. 
Id. Dell 'Anglesite sulle lave vesuviaae. 1878. 4. 
Corrections to Hansen *s tables of the Moon. Washington 

1878. 
Donders u. Engelmann , Ondersoekingen. Derde 

Reeks. V. 1. Aflev. 
Leopoldina. XIV. No. 1—2. 
Societk Toscana di Sciense naturali. Proc. verfau 18. 

1878. 
Monthly Notes of the R. Atron. Society. Vol. 88. 

No. 3. 
Bulletin de la Soc. math^matique. T. VI. No. 2. 
Verhandelingen rakende den natnurlijken en geopen- 

baarden Godsdienst. Zesde DeeL Harlem. 1877. 
F. Bleeker, Memoire sur les Ghromides marins. 

Harlem. 1877. 4. 
Archives Näerlandaises. T. XII. Livr. 2—5. 
Catalogus der Bibliothek van de Maatschapp^j der ne- 

derlandsche Letterkunde te Leiden. 1. GMeelte 

Handschrift. 
Handelingen en Medeelingen van de Maatschappij. 1877. 



283 

Levensberichten d. afgestorvene Medeleden van de Maat- 

ehappjj. Bilaae tot de Handelingen von 1877. Leiden. 
Zeitschrift der deutschen Morgenländischen Gesellschaft. 

Bd. 31. H. 4. 
W. Wright, Catalogue of the ethiopic Manuscripts 

in British Museum. 
IConatsberioht der Berliner Akademie d. Wiss. Nov. 

1877. 
VerbandeHngen der £. Akademie van Wet. Amster- 
dam. 4. Afd. Natnurknnde. T. XVIL Afd. Let- 

terknnde. T. IX. XI. 
Verskigwi ea Mededeelingen. Natuurk. 2. XL Letterk. 

2. VL 
Jaarboek van de K. Akad. te Amsterdam. Voor 1876. 
Processen— YerbaaL 1876—77. 
Pastor bonus. Preisschrift. Amsterdam 1877. 
Oaiia g^ologiqae de la SuMe. No. 57-62. 
Dazu 8 Beschreibungen. 
0. Q-nmaelius, om glaciala bildningar. Q. Nath- 

hörst, om on Gycad^kotte vid Tinkarp i Skäne. H. 

Santeson, kemisl» Bergartsanalyser I. G. L i n n a r s o n. 

ofversigt af Nerikes Oefvergängs bildningar. G. N a t h- 

horst nya fyndorter f5r arktiska vaxtlemningar i 

Skane. 0. T o r e 1 1 , sur les traces les plus anciennes 

de Päidsteiioe de l^homme en Sn^e. 
Tran^Uitions of the Connecticut Academy of Arts and 

Sciences. VoL IV. P. 1. New. Haven. 1877. 
Ael4 Hocti Petropolitani. T. V. Fase. 1. 1877. 
Atti della B. Accademia dei Lincei. Vol. IL Fase« 1 — 2. 
Abhandl. der naturhist. Gesellsch. ku Nürnberg. Bd. VI, 
AttBales de TObservat. de Bruxelles. 5. 
Bulletin de la Soc. Imp. des Natural istes de Moscou. 

1877. Ne. 3. 
Pveceeddnffs of the London Math. Soc. No. 122— 123. 
23. Jahresbericht des Germ. Museums. Jahrg. l. 1877. 4. 
Anseiger der Kunde der deutschen Vorzeit. 1877« 

1-12. 4. 
Sitsangiiberjelvt der phil. histor. Gl. der Akad. d. W. 

München. 1877. ^6— 4. 
Verhandl. des natiiri Vereins in Brunn. XV. 1—2. 
Mittheil. d. Vereins für Geschichte der Deutschen in 

Böhmen. Jahrg. XV. No. 3—4. Jahrg. XVI. 1—2. 
J. Enieschek, der Ackermann aus Böhmen. Prag. 

1877. 
Bulletin de TAcad.R. des Sc. de Belgique. T.44. No. 12. 



284 

Nature. 435-443. 

Compte-Rendu de la Soc. Entomologiqne de Belffiqne. 

Serie IL 47-49. 
Rivista Europea. Vol. VI. Fase. 1—4. 
Jahrbuch für Schweizerische Geschichte. Bd. 2. Zflrich. 

1877. 
Verhandl. d. naturf. Gesellschaft in Basel. Th. 6. H. 3. 
Verhandl. des histor. Vereins von Oberpfalz etc. Bd. 82. 
R. Wolf, Astronom. Mittheilungen. XLV, XLVI. 
Monthly Notices of the R. Astron. Soc. Anniial 

Report. Vol. 38. 
Memoires de la Soc. der Sciences phys. et natnr. de 

Bordeaux. T. II. 
Abhandlungen der K. K. Geolog. Reiohsanstalt. ViU. 

Band. Fol. (D. Stur, die Culm- Flora der üstianer 

und Waldenburger Schichten.) 
Jahrbuch der E. K. geolog. Reichsanstalt. XXVII. 

Bd. No. 4. Dabei: 
G. Tschermak, mineralog. Mittheilungen. Jahrgang 

1877. 
Verhandlungen der K. E. geolog. Reichsanstält. 1877. 

14-18. 
Leopoldina. Hft. XIV. No. 3-6. 
Annales de TObservatoire de Bruxelles. 6 — 7. 
P. Willems, le S^nat de la R^publique Romaine. 

T. L Louvain. 1878. 
S. Ferency, TörtönelmeböL Pest. 1870. 
M. Tudom. Akademiai Almanach. 1873. Bndapeei 

1873. 
Revista Euskara. No. 1—3. Pamplona. 1878. 
Mämoires de la Soc. Roy. des Sciences de Lieg^. Ste. 

2. T. VL 

Bulletin of the American geograph. Soc. No. 5. 
Jahrbuch über die Fortschritte der Mathematik. Bd. 

8. H. 1. 
Monatsbericht der Berliner Akademie. December 1877. 

Januar 1878. 
Atti della R. Accademia dei Lincei. Vol. II. Faso. 

3. 4. Roma. 4. 

(Fortsetzung folgt). 



28S 

von der Kön%l. Q^esellschaif); der Wksen- 
lichaÄefÄ Bind d6r G. A. üniversifät zu 

GSttingen. 



29, MäL Mi 8* 1878. 



ÜBigliche CleseÜschftft der WisseiiscJiiiften. 

1» ■■■••• 

G optisch- Arabische Handschriften 
der Königl. Universitäts-Bibliothek. 

Beschrieben von 
Ferd; WüstenfelH. 

Die Königliche. Universitäts- Bibliothek hat 
kürzlich eine Sammlung Orientalischer Hand- 
schriften erworben, welche, wenn auch in ver- 
schiedeüen Sprachen geschrieben, mit Ausnahme 
von dreien sämmtlich der Coptischen Literatur 
angehören. Es soll zwar lioch eine ziemlich be- 
dentende Anzahl Goptischer Handschriften in 
Aegyi^ten rorhanden sein, sie sirid aber von ih- 
reü Besitzern sehr schwer zu erlangen und wer- 
den nach und nach zu Grunde gehen , und je 
weniger davon bisher nach Europa gekommen 
ist, uxn so wichtiger ist es, die erreichbaren 
XJeberblfeibsel in Sicherheit zu bringen, und Herr 
Dr. Bmgsch Bey, welcher schon im Jahre 1853 
eine Sammlung mitbrachte, die sich in der Königl. 
Bibliothek zu Berlin befindet, hat sich das Ver- 
dienst erworben, im Jahre 1870 aus einem der 
größten und berühmtesten Klöster den letzten 

23 



L€a 



m 

Best einer Bibliothek zu retten, nachdem die 
immer mehr der Unwissenheit verfallenden Mönche 
den übrigen Theil derselben nach nnd nach ver- 
schleudert hatten; und gerade dadurch, daß 
diese Sammlung bei einander bleibt, wird ihr 
Werth noch erhöht. 

Das Kloster ist das des Amba Bischoi^), beim 
Beginn der Libyschen Wüste in der gänzlich 
unfruchtbaren Ebene Askit, welcher Name aus 
dem Aegyptischen durch »Wage der Herzenc 
erklärt wird , an dem kahlen Berge Schthät, 
einige Stunden von dem Wädi Habib entfernt, 
in welchem sich die Natron Teiche befinden, 
wovon die Klöster den Namen der Natron Klö- 
ster erhalten haben. Ihre Anzahl betrug vor 
Zeiten über Hundert, sie waren in weiter Aus- 
dehnung in drei Reihen erbaut und das Kloster 
des Amba Bischoi lag in der dritten Reihe; 
gegenwärtig sind außer diesem nur noch drei 
übrig, das des Macarius, das der Domina (Maria) 
von el-Baramus und das der Syrer, alle andern 
liegen in Trümmern^). 

Die ganze nicht sehr umfängliche Literatur 
der Gopten besteht vorzugsweise aus religiösen 
Schriften und solche bilden auch unsere Samm- 
lung, sie enthält XJebersetzungen der Bibel, Com- 
mentare dazu, Liturgien, theologische Abhand- 
lungen und Kirchengeschichte in der Geschichte 
der Goptischen Patriarchen und Heiligen. Etwa 



1) Die Arabische Schreibart ist verschieden 

2) Alle hier gebrauchten Namen werden von Ma- 
crizi, Geschichte der Gopten, erwähnt und kommen 
auch in den Unterschriften unserer Handschriften vor. 
Vergl. H. Brugsch, Wanderung nach den Natron* 
klöstem in Aegypten. Berlin 1855. 



M.» 



• 287 

die Hälfie der Handschriften ist datirt und aus 
der Aehnlichkeit der übrigen geht hervor, daß 
die meisten erst am Ende des vorigen, einige 
erst in diesem Jahrhundert geschrieben sind; 
wenn aber schon eine derselben die Angabe ent- 
hält, daß die .Vorlage, aus welcher sie copirt 
wurde, die Jahreszahl 1073 der Märtyrer (1356 
Chr.) trug, so reichen die Verfasser der meisten 
in eine noch viel frühere Zeit zurück. Der 
größte Theil ist Arabisch geschrieben, es ist 
aber eine eigenthümliche Erscheinung, daß die 
kirchlichen Schriften der Gopten aus einem Ge- 
misch von Goptisch und Arabisch bestehen und 
selbst beim Gottesdienst in den Vorlesungen und 
Gebeten das* Arabische mit dem Goptischen ab- 
wechselt; zuweilen steht neben dem Goptischen 
die Arabische üebersetzung und in sonst nur 
Goptischen Werken sind die üeberschriften der 
Abschnitte zugleich Arabisch oder nur Ara- 
bisch angegeben. Aus diesem Grunde habe ich 
in der nachfolgenden Beschreibung die mehr 
Goptischen nicht von den bloß Arabischen ge- 
schieden, sondern alle nach dem Inhalte zusam- 
men, geordnet. 

Die Sprache soll Alt-Arabisch sein und in 
den biblischen Schriften ist sie auch noch er- 
träglich, 80 daß man sieht, daß sie auf einer 
guten Grundlage ruhen, die übrigen Werke sind 
aber der Art, daß man ohne üebertreibuug sa- 
gen kann, daß durchschnittlich fast in jeder 
Zeile ein grammatikalischer Fehler vorkommt; 
sie waren von Anfang an nicht correct und sind 
dann durch die Abschreiber immer schlechter 
geworden und diese haben das selbst gefühlt 
und bitten in den Unterschriften wegen der 
Fehler um Entschuldigung. Indeß verstanden 
l^aben die Mönche noch; was sie lasen, und 

2^* 



288 

den täglicben Gebraucl^ 9a a^geput^t, 99 ^eSrJb 
dies bei den Heiligenl:^eiide9 laicht zui^efiles» 
lisrelclie in dem schlechtesten Ar^bipi^h g^cbdep* 
1]|en sind ui^d bei dej\^ m^ doQb f u> iWstpAdr 
i^iB voraus^^tz^n mu^ im 71^ bßgr^ifea,. immm 
gerade diese am meisten gebre^nebt fiad^ d& 
außer der äußeren Beschaffenheit dj^e iftnzaUigeai 
Wachsflecken im Innern auf das ft^tknmlttshft 
darauf hinweisen, daß sie beim Schein dev Waobfr« 
kerzen viel gelesen wurden. 

Einen auffallenden Gegensatz zu dieiser Vec* 
derbniß in der Sprache bilden die fast adiönen, 
großen, deutlichen Schriftzüge, in denen alle 
diese Handschriften geschrieben sind, so daft man 
einige auf den ersten Anblick für alt «xid aus 
der besten Zeit der Arabischen Literatur stam- 
mend halten könnte; sie wurden aus älteren 
Exemplaren theils von Mönchen, theila von Ab* 
Schreibern von Profession und auf Bestellung 
copirt, um sie dem Kloster zum Geschenk zu 
machen, und alle waren als Wakf d. i. als un- 
veräußerliches Eigenthum in das Kloatepß geati£t- 
tet. Die Stiftungsurkunden sind vom ödes am 
Schluß eingeschrieben und immer iu deooaelben 
Wendungen abgefaßt: es soll eijxt OandiKsllsiffc 
unter keinem listigen Yorwande aus, dem Kloster 
entfernt, nicht gestohlen oder verkauft werden, 
und wer dagegen fehlt, wird mijt E:!(QOittsiuni^ 
cation und ewigen Strafen bedroht , ^ soll ihm 
ergehen wie Simon dem Zauberer, Juda» dem 
Verstoßenen, Diocletian dem Ketzen undiBerodes 
dem Abtrünnigen ; eine der ausfüborliohsten die- 
ser Urkunden ist als Muster für alle unten bei 
Nr. 14 abgedruckt. 

^a kann nicht der Zweck dieser Zeilen sein, 



289 

auf eiiie Ei'itik der Texte näher einzugehen und 
z. B. üfcer das Alter und den Ursprung der 
UebetsrtiKilligdö der biblischen Bücher Untersu- 
chungen anzustellen oder wie sich zu ihnen die 
in deii Vorlesungen und liturgischen Gebeten 
Yorkömitaeilden Te^te verhalten, das wird einem 
atideren yörbebalten bleiben, welcher in diesen 
Dingen berH'änderter ist als ich. Ebensowenig 
konnte idh meine Untersuchungen auf die Ver- 
fasser aufSdehnenf, da unsere Hülfsmittel hierfür 
zu Tingenfilgend ätüd und dieselben so oft wie- 
derkehr^deü Nattieti, wie Macarius, Athanasius, 
Anastasiu»,- leieht zu Verwechselungen Anlaß 
geben. Meine Abdicht ist nur, das mit einiger 
VollstSndigkeit aulzuführen, was wir besitzen, 
und ich bemerke dazu, daß fast alle Handschriften 

mit der Formel beginnen: rA;^'^ o^^'^ ^^' C"^ 
^mcXW Im Namen des Vaters, des Sohnes und 

des heiligen Geistes! 

1. jiV^Uii Arabische Uebersetzung der Psal- 
men, der Anfang fehlt, Ps. xix — cli; die Zäh- 
lung folgt der Septuaginta und der Syrischen 
Uebersetzung, in den Ueberschriften ist die Zahl 
der Versglieder qJ?vä^\ (U^xov angegeben, am 

Rande finden sich einzelne Abweichungen aus 
der Syrischen, Griechischen und Coptischen 
Uebersetzung angemerkt. Der apokryphe Ps. cli 

äjLH^ ^yM^I^ c5v^L^5 jyijl\ hat die Ueberschrift 

X,-.lL. W ^pA^ljiJ ^0^ ^ g^L> v^^tjJ jyiji\ \dj> 

vi>w« j^^ oLJL> jj\i U «tX>-3 iuX^ (sie) oyAM^-t^ 

^j^^iXMi\ »y^ »dieser Psalm, welcher über die ge- 
wöhnliche Zahl von 150 Psalmen hinausgeht, ist 
yon Pavid einzeln geschrieben, als er den Kampf 



290 

gegen Goliat bestand, er hat 16 Gliedere; zu 
zwei Zeichen im Text ist am Rande bemerkt, 
daß das 12. und 13. Glied sich nur im Syrischen 
finden. 

Als Anhang folgen, ebenso wie in der Sep- 
tuaginta, aus anderen Büchern des A. Test, die 
Loblieder und Gebete des Moses, der Hanna , des 
Hiskia , Manasse , Jonas u. s. w. mit der Angabe 
von größeren Zusätzen oder Abweichungen im 
Coptischen oder Griechischen. Das letzte Stuck 
ist der Lobgesang der Engel »Ehre sei Gott in 
der HöhM« nach der Ausführung des Athanasius, 

Patriarchen von Alexandria l^US'^ KXj^t k^jm3 
jü^OojC^'lJt ^jjija^ ^J^ (j^^juMiUS't v^t Hierauf 
das Vaterunser und das Glaubensbekenntniß der 
318 in Nicäa versamn^plten Bischöfe jäL KiU'^S 

jJS:^ ^U% nebst einer Erwiederung des Jahja 

ben 'Adi^) ä-s^^^ M ^ ^0^ ^ ,^^^. ^^ 

ÄJwL^I XiU^I ^ oU äJ^ ^Wt ^^ß ^ ^^\y> — 

Den Schluß machen 20 Uwjfid Ka^nffiata Sitzun- 
gen , d. i. Gebete , welche hinter ebensoviel be- 
stimmten Psalmen gesprochen werden, während 
die Gemeine sich niedersetzt; z.B. ^^^'^\ UwjtLäll 

1) Dies ist der mit Vornamen Abu Zakarija genannte 
Jaoobitische Arzt und Philosoph zu Bagdad, welcher sich 
durch die Uebersetzung mehrerer Griechischen Werke 
verdient gemacht hat, gest. im J. Chr. 974. VergL Ge- 
schichte der Arab. Aerzte §. 110. Seine Theologischen 
Schriften nennt Van sieb, hist. de Peglise d'Alexandriei 
pag. 344. 



291 



\ij\j^jy^\ »APj « ^jAojy^^ ^yy Li^ Die erste 

Ka&iüfka, nach dem 8. Psalm, es wird gespro- 
chen das äytog und das darauffolgende dreimal, 
das natSQ ^fumy und das xvq^s eXstjcfoy und dies 
sind die tgonagta — 

200 Blätter Octav. Da nach der Zählung 
der Papierlagen vorn vier derselben fehlen, so 
müssen diese etwas mehr als die fehlenden 18 
ersten Psalmen enthalten haben und der ganz 
ähnliche Codex im Britischen Museum Gatalog. 
Codd. Mss, Arab. P, 11. Nr. 3 enthält auch eine 
ausführliche Vorrede, während sie in dem Ox- 
forder Codex, Nie oll, Bibl. Bodl. Cod. X nicht 
vorkommt. Vergl. auch Uri, Bibl. Bodl. Codd. 
Christ, pag. 30. Cod. X. XIII. 

2. jjLftj M^'!i! Arabische Uebersetzung der 
vier Evangelien mit kurzen Vorreden und In- 
haltsangaben. Anfang: ^Lm M q^u i^ßO<jUl 

Ä«.A»NXÜt y.LÄü Äju^^» iUJüJj g..M^JÜ nOlüj\ ^jM^^ 

d. i. Wir beginnen mit Gottes Hülfe und seiner 
guten Leitung mit der Abschrift der Vorrede zu 
den vier heil. Evangelien. — üeber Matthäus 
heisst es: Sein Name war Lewi, er war Steuer- 
einnehmer und wurde Schüler und Apostel; sein 
Name bedeutet ^^alauatl der Auserwählte und er 

gehörte zum Stamme Isaschar, aus der Stadt 
Nazaret, sein Vater hieß l^^i>, seine Mutter 

^^Lufj.tf. Er schrieb sein Evangelium in He- 
bräischer Sprache, begann damit in Palästina 
und vollendete es in Indien, als die Schüler aus 
dem Lande Judäa vertrieben wurden im ersten 
Jahre der Regierung des Kaisers Claudius und 



292 

im neunten der Himmelf abri Er erUtt dag Mu- 

tyrium iu der Stadt v^j*^ durch Steinigung 

am 12. des Monats Bäbefa und wurde in xJL^Ü?,! 

j 

iuJu^ begraben. Das Eyangelium übersetzte 

Johannes der Sohn des Zebedäus in der Stadt 
^ywJ*^! und verkündete es in Indien und in Je- 
rusalem. Es ist in 101 Capitel getheilt. 

Die Vorrede zu dem Eyangelium des Mar- 
cus bewegt sich in allgemeinen Redensarten 
und erwähnt nichts über seine Persönlichkeit; 
es enthält 54 Capitel. 

Nach der Vorrede zum Eyangelium des Lu- 
cas waren er und Gleophas die beiden, welche 
mit Jesus auf dem Wege nach Emmaoe zusam- 
mentrafen. Lucas hielt sich erst zu Petrus, in 
der Folge zu Paulus ; er schrieb sein Evangelium 
Griechisch in Alexandrien ii^ 14* 4: h letzten 
Jahre der Regierung des Claudius, im 22. nach 
der Himmelfahrt. Zuerst verkündete es Paulus, 
dann Lucas selbst in der Stadt Macedonia; er 
starb zu Rom als Märtyrer am 22. des. Monats 
Bäbeh. 86 Capitel. 

Johannes schrieb sein Eyangelium Grie- 
chisch zu Ephesus im 8. Jahre der Regierung 
des Nero, 30 Jahre nach der Himmelfahrt; er 
verkündigte es zuerst in den Städten von Asien, 
nachher in Ephesus und blieb dort 27 Jahre, 
nämlich unter Nero 6, Vespaaian 10, Titus 2, 
Domitian 9, bis ihn dieser nach der Insel imvaIu 

Patmos verbannte, wo er sich sieben Jahre auf- 
hielt, eine Kirche baute und die drei katholi- 
schen Briefe schrieb. Er hatte drei Schüler bei 
sich: Ignatius, nachher Patriarch von An- 
tiochien bis er in Rom den wilden Thieren vor- 
fijeworfen wurde; (jw5jL»JLo verschrieben aus 



293 

(ji^li^li Polykarpus, nachher Bischof tou 

^y^ Smyrna, welcher den Feuertod erlitt, und 

jas>^ Pügtr (soll wohl Papias sein), welcher 

in Ephesus sein Nachfolger wurde. Als Trajan 
zur Regierung gekommen war, lebte Johannes 
noch sechs Jahre zu Ephesus, er starb dort am 
4. des Monats Tuba und wurde dort begraben ; 
er erreichte ein Alter von 101 Jahr, von denen 
30 vor und 71 nach der Himmelfahrt. Er hatte 
seinen Schüler Pü'gtr letztwillig verpflichtet, daß 
er Niemanden die Stelle seines Grabes wissen 
lasse, und so ist sie unbekannt geblieben, denn 
daa Grab, welches dafür ausgegeben wird, ist 
das des Pü^r. Dieser ist es, welcher die Apo- 
calypse aus dem Munde seines Lehrers Johannes 
aufechrieb. Der Vater des Johannes hieß Zebe- 
däns, seine Mutter anfangs Theophila, nachher 
Maria; er war aus Bethsaida und gehörte zum 
Stamme Sebulon. Als Johannes sein Ende nahe 
fühlte, grub Pü'^r ein Grab nach dem Maaße 
seiner Größe, dann schickte ihn Johannes fort, 
um für ihn Todtenkleider zu holen, und als er 
zurückkam, fand er das Grab zugeschüttet, aber 
von Johannes fand er nichts als seine beiden 
Schuhe. Das Evangelium hat 46 Capitel. 

Die Unterschrift des Codex ist: vä^JL«^^ > 
^^^N-JüUj v^l h*M xUw J^'bH ^j j^ ^J^ siiJ^ jA^ 

iUU^ ^6 vJ«l^\ xJ^I iCu^t Hy?HlI iUiU%. 

M L-JL-33^ ^t^^l i^tOUtAJt ^L^^l i:|j4^ v^^l^ 



294 

{^\ ^^Uaj d^^ ple\s^ Vollendet am 29. 

Buna, übereinstimmend mit dem 15. Rabf L 
1208 der Hi^ra nach dem Arabischen Mondjahr 
übereinstimmend mit dem J. 1515 der Märtyrer 
(Chr. 21. Oct. 1798). 200 Blätter kl. Quart. 

3. Arabische Uebersetzung der vier Evan- 
gelien mit Gommentar; die Blätter sind gezählt 
von 12 bis 373, es fehlt die erste Papierlage, 
welche vermuthlich eine allgemeine Einleitung 
und eine besondere zum Matthäus enthielt und 
es beginnt sogleich das Evangelium des Mat- 
thäus .Lä-JI ^^^SL^*ai\ J<j^ d^^ ^^ 1^1 Abschnit- 
ten. — Die Einleitung zum Marcus J^cpl K^lä 
^jjgs^t ^j^jA v^yt giebt an, daß er sein Evan- 
gelium im vierten Jahre der Regierung des Clau- 
dius, 12 Jahre nach der Himmelfahrt Griechisch 
in Rom geschrieben habe, wo es sein Lehrer 
Petrus zuerst verkündete; Marcus selbst that 
dies in Alexandria, Mi^r (Gahira) und dessen 
Districten und in den fünf Städten ; er starb 
als Märtyrer in Alexandria. Die üebersicht der 
54 Gapitel ist in einer Tabelle enthalten. — 
Die Vorreden zum Lucas und Johannes sind 
mit dem vorigen Codex fast wörtlich gleichlau- 
tend. Vergl. NicoU 1. 1. Cod. XIV. 

In den Ueberschriften ist zugleich angegeben, 
an welchen Sonn- und Festtagen die Abschnitte 
beim Gottesdienste vorgelesen werden. Der 
Commentar ist aus den Schriften der Kirchen- 
väter zusammen getragen; es werden genannt 
Johannes Chrysosthomus vJ^jJt ^ii Epiphanius, 

Severus von Caesarea, Cyrillus von Jerusalem, 
Titus, Basilius,'Eu8ebius (j^^^Lw^J oder (j^jjuLwj! 

an einigen Stellen yv^LM^t, was man Ausonius 

lesen könnte, Clemens g^^LjU-JSJ, Gregorius 



295 

Theologns ^j*^^[xl\ oder der Wunderthäter 
(^.L^Jt , Apolinns , Athanasius , Timotheus, 
(j^jJuJIj, Theophilüs, Dydimus. 

Die letzten 14 Blätter sind in neuerer Zeit 
ergänzt und darauf bezieht sich die Unterschrift : 

^ J^\ \Js^^^ 15^^ ^jA^ j^ y.LÄü Jüu^^l ^.4£=^ 

J3UJ|5 ^^\ Low ^j<J Ä-y-jjm ^•|(;J ^(^^1 J^lv^ÄJ^l 

XftJL^ y«>J v^Upi vly^J e5^L:^5 O^^^' CM^' jA^' 
^? J^ ^\ f^\j\ JoüÜL ^ u-Uä ^% ^\^ ^\ 

u^^'^'u-^j>Lr^5 g^' ^W^* c^ly^J o^*^ 

Zu Ende sind die vier Evangelien des Matthäus, 
Marcus, Lucas und Johannes, die Ströme des 
Wassers des Lebens, die den Durst löschen, die 
Erläuterung und Erklärung, durch den Segen 
des Herrn , Amen. Die Vollendung dieser Er- 
neuerung erfolgte am Donnerstag den 12. des 
Monats Epep im Jahre der Märtyrer 1527 (Chr. 
1810). Der Abschreiber ist der niedrige , ver- 
ächtliche, träge, sündhafte. Staub und Asche, 
das niedrigste und geringste der Geschöpfe Got- 
tes, dem Namen nach Priester, nicht der That 
nach , Ibrahim Abu Tabl Ibn Sam'än el-Chawä- 
nikl; Schüler des seligen Presbyter Gurgis, des 



296 

Vaters des ^yovfMPOQ Philemon, Diener des Mär- 
tyrer Mercurius, er bittet euch um Fürbitte. 

4. Coptische üebersetzung der vier Evan- 
gelieu 200 Blätter gr. Folio, große, schone 
Schrift; das erste Blatt zeigt ein Krexiz in bun- 
ten Farben, auch das erste Blatt jedes Eyange- 
liums ist bunt verziert. Die Ueberschriften und 
der Inhalt oder die Anfänge der Capitel sind 
am Bande auch Arabisch beigefugt, wie Jj^^I 

^i^^l py^o Matthäus hat 85, Marcus 52^ Lucas 
84, Johannes 40 Capitel. 

Unterschrift: U5>^ u^.0üill J^{ ^^ J 

yiU ^J^\ ^;U5N» ^ ^j^\ vjit er y^^^ jÄ^t 
^LfbNil ^luX^^ (coptische Zahlen) 1491 i^y*^j^ 

^L^l y.LÄj| ^^V ^^. ^^ 0K5 ^'^>^ Üi^t^ 
L-x-it ^^j^all g^yi ^UJI J^LÄi! v^l sLJt *U 

iu«3^l ya^. (^^;^l iC>^lj ä^s^J \^»Am\ ^j^^juwUjI 
p^l 8^Lä ^LÜI f^y\ ^1 J^. er i^jJ^ «5^^ 



Zu Ende ist das Evangelium des heil. Evan- 
gelisten Jobannes, Amen! am Dienstag den 10. 
des Monats Mesore im J. 1491 der Märtyrer (CSbr.« 
1774); die alte ursprüngliche Zeit (der Hand- 
schrift, als welcher die jetzige copirt wurde) 
war das J. 1073 der Märtyrer (Chr. 1356); und 
der, durch dessen Sorge (auf dessen Kosten) die 
neue Abschrift dieser Evangelien, der Ströme 
des Wassers des Lebens, bewirkt wurde, ist der 



2Ö7 

>rtrefiniche , wohlthätige , freigebige , geehrte 
atoff Amba Athanasins, Bischof des Districtes 
[asafia an der Seeseite von Mi9r, und diese 
eoe Abschrift ist gemacht durch den niedrigen 
Drahim, Abschreiber in der Oriechen-Straße zu 

5. Der von späterer Hand vorn eingeschrie- 
ene Titel ist: 

^yi—A^L. ÄÄit^ LT^ vk^ y c5J^t V^t ^^ 

Dieses Buch enthält die Briefe des Paulas, die 
Latholischen und die JlgalSe^g.^ Den Anfang 

lacht JUjJt ^ji er^' ^^^ ^^ ^^^ mOJU 
iLu JIj U J^ fUöt iUiUi- g^ »Einleitung in die 

Jriefe des Paulus, verfaßt von el-Mutamin ben 
l'Assäl, sie besteht aus acht Theilen, wie nach- 
ler näher angegeben wird;« nämlich 

_3U 5 Ouu iüjj^ JÜSiJ xiLrJ ^ Jb. ^ j jJ5i 



^LmJI^ äIjU^. vi^ j^ ^j^Lit^ o^iOLJi äILääÜ^ 

>1. Seine Lebensumstände vor seiner Be- 
ecehrung. 2. Sein Leben nach seiner Bekeh- 
mng. 3. Seine Wunder. 4. Sein Lebensalter 
and d^r Tag an welchem er das Matyrium er- 



298 

litt und in das Himmelreich einging. 5. Er- 
klärung einiger Ausdrücke in seinen Briefen. 
6. Die Weissagungen, welche er in seinen Brie- 
fen als Zeugnisse anfuhrt. 7. Die Zeugnisse, 
womit er den größten Theil der in seinen Brie- 
fen enthaltenen Aassprüche heweist. 8. Erkla- 
' rang der Arabischen Ausdrücke, welche in die- 
ser Einleitung gebraucht sind.« 

Blatt 85 beginnt die Uebersetzung der Briefe 
des Paulus selbst; Bl. 225 folgen die sieben ka- 
tholischen Briefe, Bl. 274 die Apostelgeschichte. 

Den Schluß macht JuJLj ^J^^JaJJ^ 0^.0^1 ÄiLi^ 

^jJoL} ^;;v-«ji^l e^r^^^j^t ^I^AX^i ^\ Q^^j^Ojl 

V^l er LT^Li-t v5 *A^3; '^^tt^. i/^^^ »Brief des 

heil. Dionysius, Schülers des Apostel Paulus, an 
den heil. Timotheus, Schüler des genannten 
Apostels, wegen des Martyrium der beiden gro- 
ßen Apostel Petras und Paulus in der Stadt 
Rom am 5. Epep.« Die Adresse ^tyjJt ist: 

ä-x-äL;^^ *1« 0^ ^L:>5^l ^^«3 ^^5 JuuJbJI 



u-^bU^ ^\s>^J\ v^b ^-^5 fJ^' g^'^' 

»An den Schüler in Gott und den Söhn im Geist, 
den Diener Gottes und seinen Auserwählten und 
den Vollbringer seines Willens, den Standhaften 
in Bedrängnissen, den über jedes Lob Erhabe- 
nen, den Lehrer der Wahrheit und den geisti- 
gen Vater Timotheus.« 6 Blätter, der Schluß 
fehlt. Dieser Brief findet sich auch in Oxford, 
Uri, Bibl. 'BodL Codd. Christ, p. 46 Cod. civ. 2. 



Ö99 

Epistola cousolatoria Dionysii ad Timotheum de 
Petri et Panli martyrio. Wenn man auch darin 
ein späteres Machwerk erkennen muß, so be- 
weist doch die Ueberschrift , daß in der Gopti« 
schen Kirche der Timotheus^ an welchen Biony-^ 
sius Areopagüa seine Schriften richtete, für den 
Schuler des Apostels Paulus gehalten wurde. 
Vergl. Biblioth. graeca ed. Migne. Vol. III. 
Colum. 25. Vol. IV. Colum. 929. 

6. Dasselbe Werk in einer ungleich älteren 
Ausgabe, nach dem Aussehen zu urtheilen schon 
vor mehr als hundert Jahren gänzlich verbunden, 
so daA der Text des Briefes an die Römer vor- 
ansteht und die Einleitung an verschiedenen 
Stellen zwischen geschoben ist. Die Zeit der 
Abschrift steht am Ende des Briefes an die He- 
bräer : 

•• .1 •• •• ,^ \* • 

Zu Ende ist der Brief an die Hebräer und da- 
mit enden seine Briefe; er schrieb ihn aus Ana- 
tolia^) und sandte ihn durch Timotheus. — Die 
Vollendung .der Abschrift desselben erfolgte am 
Dienstag den 25. Bäbeh 985, übereinstimmend 
mit den 6. Qafar 667 (Chr. IS.Oct. 1268). Am 
Bande sind, mit ^ und ^ bezeichnet, einige 

1) So ist hier nnd in dem vorletzten Verse deutlich 
geschrieben statt des sonst vorkommenden (-aJLIxsJ Italia. 



äoö 

Varianten der Coptischen tmd Syrischen Ueber- 
setzang angemerkt. — 246 Blätter Octay. 

7. Coptisch, 204 Blätter Polio große deuü- 
liche Schrift (j^^ULS Ka^tjfASQog^) Vorlesuügen 

für alle Sonntage in der Fastenzeit, Ostern bis 
Pfingsten. Das über den Coptischen Titel iber- 
geklebte Blatt hat die Arabische Aufschrift: 

|»yaJ| OyXs>^ ij^JJa3 iJü^ J^t ^t ^J\ (X^t i^ 
»^— AoU-JI^ ^>-^J {J^j^^ CÄr***^' i>3i>^3 8^LÄ-J|5 

Darunter daß dies mit der Arabischen XJeber- 
setznng der Evangelien und der übrigen Schrif- 
ten des N. Test, übereinstimmt: J>^ ^j^ \d^ 

^ jJl j^Xfi^ ^ Die Ueberschriften für jeden 

Sonntag sind Arabisch. 

8. Lectionarinm Coptisch, Anfang und Ende 
defect; das noch erhaltene Schlnßblatt hat die 

Unterschrift : ^j\Jdi U^mJ^ (j^JüuJt \Jü:^\ I«AP 

ßJ^ M^\^ ^^Ij (^<Ai{ »dies ist das heilige Buch; 

welches KadfifAsgog genannt wird, das bedeutet 
das täglich Vorgeschriebne für den Monat.« 
Die Ueberschriften sind Coptisch und Arabisch, 



die erste : L-JL^ S:i^ «^Ja^» CT o^/^'^ O^^^ 
jy^jl^' ^sy^ ^y*^^ Fy**^* ^^^™ ^^* ^^^ Elhak, 

1) Man findet aach (jM^oÜai und ^ (jM^UUbS geeohrie* 

ben ; Yansleb 1. 1. p. 62 hat das Wort nicht erkannt 
und schreibt Il-Cotmams. 



301r 

GeburtsfeBt unseres Herrn Jesus Christus, 
Abends 9 der Psalm;« die letzte: iu^ y^ jS>\ 

j^jXt äaAc am letzten des Monats Tuba, am 

Feste der heiligen Pistis und ihrer Begleite- 
rinnen Helpis und Gäpis;« auf dem Ueberbleib- 
sel eines abgerissenen Blattes kommen die drei 
Namen wieder vor und der letzte ist hier (j*<uoliit 

Agapis geschrieben, also Glaube, Hoffnung, 
Liebe. — 228 Blätter. 

9. Coptisch, schöne große Schrift 127 Blät- 
ter gr. Folio, ohne besonderen Titel, enthält 
die Utnrgischen Vorlesungen Morgens und Abends 
Yom 4. Sonntage in den Fasten bis zum Palm- 
Sonntage. Die Ueberschriften sind Arabisch in 

Thuluth-Schrift, die erste iüt;^? er '^^*^' r^- /^ 

Lü^ ^^JÜJ (jmJüUI >«jAaJ? ^y, Jüut^l, die letzte 

10. (jM^Ubd Arabisches Lectionarium mit der 

üeberschrift: iULuftJI ÄJUJt Ji^i ^r ^V 'r-*^. ^ 

^LaJ? o^»^ er J^^' ^^^^^ '^' /f^ '^^ 4^5 
^- ^^ jUAc Juh:pt »Was gelesen werden muß 



vom Anfang des Coptischen Jahres, dessen An- 
fang der Monat Tut. Erster Sonntag des Mo- 
nats Tfit, Evangelium am Abend, Matthäus — 
(Copt. Zählung d. i. Cap. XI, 11).« Ausschließ- 
Ucb aus dem N. Testament fik alle Sonntage 
und einige Festtage; erster Theil, die ersten 
sechs Monate enthaltend. Am Schluß des 6. 

24 



MoBite AidrUf isl eine Stifkuiig, Wtef, Ar 
jbtf> Dofter Amha Biacbol von späterer Hand 
eixifireftdbnekHi and begmnt: j»A>^t ^^h»^^ ^ c^ 
X^ «^ >.'t^ V^ DmsA feigen von der 
Hftnii Ä» ersten Schreibers noch einigf Ab- 
«hbTT^a» fnr die Festtage der Maria, des Engels 
IfiiteH und der Märtyrer. 209 Blätter kl.Qimt. 
Alf* i^n ersten Blatte bat sich eiü anderer 
:^v*i«ttkgeber fär das Kloster Priester Johiinnes 
«■» F^am genannt. 

11. Arabisches Lectionarinm fSr jeden Tag, 
j^ $. nnd 4. Monat des CScptiaehen Jc^res, 
Halur und Kihak, enthaltend, anf dem Deckel 
9wl in der Ueberschrift mit dem Titel: ^.Ubä 

^^i^yjyX^j^^ü^. 220 Blätter Qnart. In 
1^ Unterschrift ist als die Zeit dieser Absl^hrift 
angegeben Dienstag den 15. des Mi^ats TAt iwH 
J. 1500 der Märtyrer (Chr. 1783) und als Ab- 
Schreiber nennt sich Aid el'Sajjid, (wie in Nr. 16). 

^\^ ^y>yt cXjmJI oxfc eJjÄLÄMJf JJJüütj, ejy*' 

L^Jt ^y^t^ /UJuJt Oy>^t «J^ w^ ^^f^iVAft 

12. Dasselbe Lectionarinm für di^elben 
beiden Monate Coptisch, die Ueber^chriften fSr 
die Tage Arabisch i^^ä jkXö?. ij^ u^)'^ vl-*^ 
u5U^^ ^y:^ 234 Blätter Folio. ' Abschrift' be^ 

am Sonntag den 25. Kihak IMl der 



3(«r 

Märtyrer (Chr. 1784) nach der Uaterscbrift : 

l^^ Y^^ demselben Werke der 5. und 6. 
Ifotkat, Tftbä ütitä Amsefair, Goptidcb. ^Jj:äb 

tefSnebrift, abdr ton derselbiett Haild wie ä&t 
TOrig» Band. 320 Blätter Folio. 

14* Von demselben Wwke der IL nnd 12. 
fionai, fipep und Sieöore, Coptiscb, die Üeber- 

&»hriften awk Ayabisck, wie im Attfang ^y^^ 

LP*; vj*' c^ f^^ Lfy^^ "^f^ 7^ ''^'^'^^' ^^°^^ 

31 jytiA XaAc wAJüt j^ Am Ende ded Jahres 

die Voriesungeii für xKe fiinf Schalttage ^^j^( 

Den äohfaiB macht eine lange Arabiscdie Nach- 
schrift, worin als die Zeit der Beendigung dieser 
A%0dhyift Fratag der tierte Ti^ dtes Monats 
Bona 1496 der Märtyrer (Chr. 1779) und als 
dör, 1iv^lch6i' nie vefanlaßte und stiftete, der 
Prtestor Xxoj^l^is gen. Abul-Mnchlic ange- 
geben witd. 




904 



uJt ^^JuJt owwJt mIä&j ^tjiA^t y^ er 

:>. ^^U, ^L^t^J efc^Si? ȀMiUt XSI(5 ^IX,!<5 

C&:> J^ ^ tRrJLo- j^' JW^^i t^jtjJt Ä l^tf o*)Jt 

iCiU-^Jt t^^ ^bat (^jvjtin 0^ er %)^t Xil^ tjUoil, 
u^uM^t Lf^t er v}l-«>^' H^^ «AÜläJt JU»-U0 «jtS^aMlt 



juÄjit «LtoLäJJ jLg=5it (^ jJUuü iLsyl* 8> ^ 
JÜUj^l «L4J^ j^UJJ ^♦^rs;:! i 5«^» ;?UÄ»*J5 
g^jAÄJt Ui^l Ä*^ o«-«<*S ej!!/&*5 *«4^^l> «»l»'}«*' 

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i£>tJ XeU^; o^^vJt rt;*=n>* i V'iya'; K^syt »U 
«^£Jl ^^JuJt vJijJi^ 'i)4^^s jii^^ ,yJ<*^ olelÄAJt 

jaJJj 0^1 jÄJJI .-oLe oLJLt« v^ iL «JC^UI 

^ ,»^L^5 o*#XäJI MAj ^ \SiJif l1*&5 iJxjy. Löj 
■JJ «5ÜJ J^l ^ j?i:U VjÄj t-Ji-»!^ c'O^t J-«^ ü' 

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u»V«*^ y*^^ u<yU>^UiP> {itOüt i^««» j»UJt 
iWM^ (4»«t^ U>l |N^t (jt>ws\iltt e))^M^ i4)'^ 

a^l Blätter. 

15. (4>ul' (.?f*^ rf* (*>Ä. v^ u(yL*W Le«- 
tionarinm für den Monat Mesore Arabisch. Un- 
terschrift : jytfj^ jjjy«l y»jil (^ c^^ «A***^ .;*^ »J^ 

yAJI iU*. wjjj er C?!;^' "^j^' &i^^ rj^ *^ ä;*^ 
L-Lju. jJDVj. jL^^J lü^frÄÜ üv*-*i:j »3iÜj äyl^j»^ 

^^t »Zu Ende ist der Monat Mesore. Die Be- 
endigung erfolgte am EHenstag deR 4. Bftna 1498 
^v Mä^rex (Chr. 177§).€ Pvift folgj^ ^99^ 
die fünf 'Schalttage , welche jfJuai] ^^fJ&Jt >der 

kleine MoBAt« genasdai werden. -^ 92 SHUter 
in QQa,rt. 

Ehi fose darm liegende» Blaft beschreibt ite 



907 

CelU«(baft^^ Ar^büiM^h« wi# im J. 1579 der Märt« 
fChr. 1862) am 20. des Monats Bermuda in der 
dlitt6B Wcfite BMb Pfingsten d«r lll.Pi^triaroh 
Amba Dengietrins znm Besuch nach dem Kloster 
cles heü. Macariifts kam in Begleitung des Amba 
Pifiitvi;^ Metropoliten von Cahira% und des An^ba 
U^W. Jonas oder Johannes, Metropolitan des 

Dlstrietes Mannfia, und mit großen Ehren em- 

Sfan^« wurde; er begab sich dann auch nach 
en Klöstern der Syrer, des Amba Bischol und 
d^ Maria in Baramos; in dem letzteren wurden 
YOn ihtti seht Priester, in dem Kloster des Ma- 
earitis bei seiner Rttckkehr sechs Priester ein- 
gesegnet. 

fü^^ O^^ oL»3^ j^A^t y^ Antipboparium. 

1. Tfaeii, vem A&ft»ig des Tut bis zum £nde 
des SfPAats Amschir. Die Antiphonie besteht 
darin, daB an jedem Tage zwei Sprüche Coptisch 
oit yaitschied^oier Mod^l^tiou der Sti^im^ YOiy 

^tragea werden ^ die eine j»bt ^ ^ccL fjxog 

qifiaik. die aiidere \j^\^ ^h '^ctX. fjxof ßatoq. 

Für jeden Spruch folgt eine Erläuterung Arabisch 
^\Si\ jJo^S jA;M*SLi und ^j^tjJt ^\ yy«*^ und an 

eind derselben ist ebenfaHs Arabisch eine kurze 
Q^acb^iS^ 4es^ ^^gaißh^iUgen angeknüpft Diese 
Greschichten stimmen in der'Beinenfoige ftir je- 
den Tag and in ihrem wesentlichen Inhalte mit 
dem Calender der Heiligenlegenden Nr. 27. 28 
fiberein. In der Nachschrift wird als Datum 
dieser Abscbrifl; der 17. des Monats Bermahät 
im J*. 1504 (Chr. 1787) angegeben und der Ab- 
schreiber nennt sich Abd el-Sajjü mit Namen, 



-MoDcb im Kloster des Amba Bischoi. ^^^ ß 

^' c^^^ ^^^^ zweite Nachschrift giebt den 

Namen des Stifters an 'Gorf^s mit dem Beinamen 
el-Nachili, Mönch wohnhaft in dem Kloster des 
heil. Amba Bischoi nnd wiederholt die Jahrszahl 
auf doppelte Weise 1504 der Märtyrer d.i. 1202 

der Hi'gra. s^US Uu^t d^^LXt v^^^ <•>« (*^!$ 

^Ju ^ s-^l^ J^t V^fiU? ^j^^ >%ÄiJ» 

^/cXji y^S ^^ wX*>t oi^^ U!j.^JiuJI,j-.H|J^ 

tiX^ ^üu^l^ xsUs^M^S "--^^ ''^^ <^^^ j:^)^ ^1^^' 
eÄ— X^iU^ vJÜ! 'ioM. 5üuyJ{ 8^Ä^ UüJ^t ^Ljfc^l 

^{ ^LJt^ L5jLfti'^ 226 Blätter in Folio. 

oL>3^!3 oLLoj^l^ «Uy» ÄJU;^!^ oUrtiXi* Die 
tpaXfAwdta für den Monat Eihak, die sieben 

1) So fend auch Vensieb 1.1. p. 62 a. 825 den Titel 
and erkannte die Entstellung nicht, indem er le Deiiiari 
schreibt; er nennt als Verfasser den 70. Patriarchen Ga- 
briel b. Tureik, welcher 846—861 (Chr. 1180«- 1144) auf 
dem Stuhle saß. 



809 

^«odoxKr, die vier nächtliehen Umgänge, die 
t/ßelX$a und die Antiphonien. Koptisch und Ara- 
bisch. Unterschrift: tJo^^LoS^S »lAP J>4^^^ >>* 

j^t ^ L4JL0 ^/l\ oi^^üy'' vy« er r^^ '^^^^5 

(kopt.Zahlen 1516) äJLw ^J »v>^y ^ er j-^ (j^^UJt 

K^k Q•^ jk^^t KXfMiJ] Zn Ende sind diese heil. 

Psalmodien; die Beendigung der Abschrift war 
am 16. des Monats Bermuda im J. 1516 der 
Märtyrer (Chr. 1799). 

04^ «y»> c\e>^ jo^i jxäJ! ^j^:^t v,;^AJJi (sie) 

gJt ^^t^ y>Jüt tcXP ^ iuU x«:UAJt «5ÜJu Der 

Stifter dieser Psalmodien 'ist der liebe Bruder, 
der weise Philosoph, der mit Engelsgestalt an- 
gethane, der einzige seiner Zeit, die Perle seines 
Jahrhunderts, unser Vater der geehrte Priester 
Gabriel, einer der Priester der heil. Domina bei 
den Syrern, aus Liebe zu dem heil. Amba Bischoi, 
dessen Fürsprache er dafür erhoflFt in dieser und 
der zukünftigen Zeit u.s.w. — 213 Blätter Folio. 

18. Auf dem Deckel ^Lm*JÜI^ JL>^t jU:> v^^ 

^Uppt^ Gebete bei Leichenfeierlichkeiten für 

Männer, Frauen und Priester. Coptisch und 
Arabisch. Der Anfang fehlt, eine üeberschrift 

lautet: ü<6yi jfaa^\ ji^ ^ \ßi ^^jJt vj^oi» f>ijJP 



810 

sind die Stücke, welche gelesen werden beim 
Aufheben der Matte, man nimmt einen seaen 
Topf, thut Wasser nnd Sals hinein, der Priester 
spricht das Dankgebet, erhebt dasitanch&i niid 
liest folgende Abschnitte« gne dem Pnln '— * 
pL^yi j^' — iü^UÄJt pSdF — Abschrift 

beendigt am 14. Buna 1269 der Märtyrer (Ckr. 
1552). 102 Blätter in Qoari 

19. Arabisch. Vorn fehlen 19 Bl&ttev; BL 
20 — 116 Theologische Abhandlungen in Gsiprt- 
chen zwischen dem Lehrer nnd dem Schaler, — 
Bl. 117 - 198 80^.^ ^ b^l jfM JU Ige vb(^ 

LfJLfi «i^L^ld o^ÜU »Eine Ansahl von FrtgeQi die 

einer der Väter an den Verfasser gerichtet hatte, 
und seine Antworten darauf, c Acht Fragen m 
acht Capiteln. ^^^\ vi^n^' ^Uut ^ ^^il v^ 
viAtk^^]^ 1. Gap. Erklärung der Dreiheit der 

Personen (in Christo) nnd seiner Eifilirit. -^ 
Ende fehlt 

20. Bruchstücke einer theologischen Ab- 
handlung in Gesprächen zwischen dem Lehrer 
und Schüler, Arabisch. Abth. 29 bis 43 siiid 
größten Theils erhalten, die Ueberschrift der 



29. Abth. ist: jü> ^t iu3 ^ oif^ '^^ ^ 

&>Uw« sc:^ (>3^ ^^-^Ij v^^t Oi*^ «i^JdMwt ui^jdiSSt 

LöjI g^^i^L M iPOui^ ^\ yU3! ^^jfyx^ — 180 

Blätter in Quart. Die Zahl 43 läftt vermnilidi^ 
daß dies dasselbe Buch sei, von dem Vansleb 1.L 
p. 346 — 347 sagt: Tedao, de Baha, a &it ün 
tiyre iutitulfi, le Mmire^ & le IHsagSs^ II ooo- 
tient 43. coUoques. Et j*ai envoye ä la Biblio- 
theque du Eoy t» ÜTre. 



811 

21. Theologische und moralische Abhand* 
langen, Arabisch. Quart. Die erste Papierlage 
fehlt; Blatt 13^ beginnt der 3. Abschnitt Jaa3 

des 5. Kapitels ^yB oder ^ über den Hoch- 

Mstli jHfjAÜI Sii J 4. Abschn. über den Mord. 

5. Abschn. über Buhlerei und die verschiedenen 
Arten derselben und über verbotene Verheira- 
thMgen JU^I Ä^^l^ Kt^]yS\^ füji\ ^ Bl 24\ Vom 

6. bis zum 49. Kap. Alles wird mit Stellen aus 
den Ganones der Kirchenväter belegt und es 
Mhlietoi sich daran noch mehrere ungezählte 
Beweisstücke, das letzte mit besonderer Ueber- 
sehrift Bl. 98: das Verhalten derer, die ihre 
verborgenen Sünden bekennen, von Amba Theo- 
doros, Obern des Klosters el-I^taudion. Daß 
dieser Theodoros der Verfasser sei, geht aus den 
Anfangsworten hervor ^;J^XM^! \j\ J^!. ünter- 

flehri£b Bl. 104: beendigt Freitag den 5. Tuba 
des Copt. J. 1257 (Chr. 1540). Bl. 104^ H^^Ji 

.JUaJI ^^\ Oüu-^t vy>^J — Kurze Gedichte über 

das Brbtheil der* Christen nach ihren Classen, 
verfaSt von dem berühmten Scheich el-As'ad Ibn 
el-^Assal; zum Schluß drei kurze Gedichte aus 
clen Canones des Amba Gabriel Lit ^|>d q^ 

^^ 37 Fragen (und Antwortet) gefunden von 
der Hand des Amba Michael, Bischof von Mall^. 



312 

andere Erklärung ausgezogen aus den Canones 
der heil. Väter und Lehrer der orthodoxen Kirche. 

Bl 121- J.^.^- ^yt ^ i^^ J^U>. ^V 

%5fs^5 Fragen und Abschnitte über Gegenstände 

die sich auf Priester, Mönche und Laien besie- 
hen, nach den Bestimmungen der ersten Lehrer 
der Christlichen Religion. 

Bl. 129 <i)d5 ^ j^\ U XiU^ iÜ'uiMt X^it 

>ukJüt ÄAxJI^ ÄAJ^jJt u^l^^l er 1^^ Fragil die 

sich daran reihen aus den apostolischen Canones 
in der Coptischeu Kirche ; von Amba Athanasiiu^ 
Bischof der Stadt CÜ9. 



Bl. 138 pju.^ iüuJi (sie) ^\ gU^- J^Ui 

xIUwc ^y^^ ÄJLMM 27 Fragen, deren die Kirche 

bedarf; nur bis zur 17. Frage erhalten. 

22. Ohne Titel. Abhandlungen über Fragen 
und Stellen aus der Bibel, arabisch. Es ist 
das Autograph des unbekannten Ver&ssen im 
Entwurf und nicht leicht zn lesen, mit aniei^e- 
strichenen und veränderten Sätzen nnd Zusätzen 
am Rande, und zwar nur der vom defecte zweite 
Theil des Werkes, die Blätter mit coptischen 
Zahlen von 13 bis 453 gezählt. In den ersten 
Blättern kommt ein Citat aus der Chronik des 
Sa'id Ihn Patrik (Eutychius) vor. 'Bl. 23 be- 
ginnt der 2. Absch. des 1. Cap. des 2. Theils: 



L^i 0^^\ ^^\ '^rF^\ c^ ^V 



sia 



»* 



Wk v'.mUj U iic5Üv3 ^^ »Ueber den Baum, 

welchem aasschließlieh anter den Bäumen 
Paradieses Adam zu essen verboten war, 
alb er ihm verboten war, was für ein Baum 
ir und was seine Wirkung und warum sich 
["od an den Genuß desselben knüpfte, was 
l^od war, auf den hingedeutet wurde und 

ähnliches, worauf die Bede kommt. — 
kp. üeber den Feigenbaum, welchen unser 

verfluchte. — In dem letzten Abschnitte, 

den orthodoxen Glauben , werden einige 
irer genannt: Marcion, Bardesanes, Sabel- 

Paulus von Samosate, Mani der Lügner, 
(, Macedonius und seine beiden Genossen 
itbius uud Ausonius, Nestorius, mit Nach- 
ep über ihre Person, z. B. über Bardesanes. 
} Eltern lebten auf einem el-Ghariba ge- 
ten Landgute^ der Vater war genöthigt eine 
häftsreise nach el-Buhä (Edessa) zu machen 
nahm seine Frau mit. Unterwegs an dem 
in, einem Nebenfluß des Euphrat, kam sie 
ir und das Kind erhielt davon den Namen 
Dei^an, Sohn des Deigan, am Flusse Dei9an 
ren. Sie gingen mit ihm nach Mambi^, 
Bardesanas unter Götzendienern aufwuchs; 
»r kam er nach el-Ruhä, die dortigen Chri- 
zogen ihn zu sich herüber, er wurde ein 
;es Glied der Kirche, verfaßte eine Schrift 

* 
a Marcion uud eine andere gegen ^^1 

mJ!^, bis er selbst auf Abwege gerieth. 






eitong, wonach sich derjenige zu richten 



/ 



314 

liat, v-r'..lrr «iLii Jem Prieäterstaiide widmen 
will.« r-.e Alllei ran^ selbst ist Arabiscb; die 
dazv^^iiea railenden Gebete lind Coptisch. 80 
BÜnfr ::: '^-irr. nicht ganz Tollständig. 

I^. Sruc:.?c::ck einer aodfuhrlichen GescUchto 
^z JcTCavhtiiP^criarcheD, Arabisch, folürt fon 
5u*r: 17^ ":is 277. von dem 51. Patriarchen 
r::«r7i: '^.i:iic J[arz rou Anfang) bis zum 6fi, 
r\iir..ir£i:rn Chr^^cocolos ^nichi ganz zn Ende). 

^•^u.'v ^>)f s.^ Leben des 



^— 



:!ti^. Vicvr^ Fachomins. Anfang: ÄSiL^ M Kjf 
j* ^2 '*L*5i2? Wort Gottes, welches alle Dinge 
jTsebxfen bar. < — Wiewohl daa Werk ganx 
»•"'sttLni:^: st ücJ der jetzt sehr abgenutMe 
IrTMri /cht rrehr umfassen konnte, mnft dodH 
L-scrit^-'c-! ^in anderer groller Abschnitt tot- 
iT'^ci"-:^'-* ^eir. worauf sowohl die fortlanfimd 
A^:^-* jT^iah-en Papierlagen, als auch ik 
hu: * ::?er^::5r:n:n:enden Coptischen Zahlen der 
5.;i:t^:r<r": ^*on 109 bis 232 hinweisen. Unter- 

^y^i ^>ju^^ -Oiis? JÄ*3 'sSji Quart in groler 

4^T i<*vit!:oher Schrift. 

ii,\ Geschichte der Märtyrer, Aethiopiseh 
m' ;\'r>:-.i:vetit ( Gazellenhaut) 159 Blatter in 
f;>c -v ört'i Columnen sehr sorgfaltig geschrie- 
)^j.» ;i -iivbl-.ch iins der Bibliothek des Königs 

^^^ J^' ^*^^ Jtyt-u äLj^Jj c5^I f^NI ]\ 



315 

SfeL4»y^ ^\ luS Q^ ^L^t Q*^ »Compendium 

der Lebensbesdireibimgen der Märtyrer und 
Heiligen für die Zeit der ersten sechs Monate, 
und dies ist das Buch, welches im Griechischen 
W9 Sw€(idQf heiftt, dessen Erklärung im Arabi- 
fldien ^i^t »der Sammlerc ist; zuerst kommt 

der Monat Tut, da? i«t der erste der Coptischen 
Monate und zwar bei der Herbst- (Tag- und 
Ifracht-)6teiche, weil der Tag darin zwölf Stun- 
den liat.« 

iDfis Griechische Wort ist richtig erklärt, hat 
aber im Neu - Griechischen die specielle Bedeu- 
tong "von »Heiligenlegenden« bekommen; bei 
ÄL da Sonuweta^ Tesoro della lingua Greca« 
TOlgarQ ed Italiana. Parigi 1709 ist Jt;i/o£a^ 
Libro deUe vite de santi. Daß das ganze Werk 
•Hl dem Griechischen übersetzt sei, würde man 
Dicht daraus allein folgern können, daß viele 
GrieDbische Wörter beibehalten sind, denn diese 
gehörten der Orientalischen Eirchenspracbe an, 
aber die zahllosen grammatikalischen Fehler, 
die nicht alle den Abschreibern zur Last fallen 
können, wenn sie auch durch dieselben noch 
YOteiehrt sein mögen, lassen es nicht zweifelhaft, 
daft das Arabische dem Verfasser nur eine schlecht 
angelernte Sprache war. — 

Unterichrift 2 »üü> y»^ ^.jJLot ^ J^3 Jf 



316 



; '.iiiio 'St ler Müiiat Anidchir und damit 

;i :'0t ;ie Hälfte ies Coptischen Jahres. Die 
* 'enTizunii «ler Abschrift dieses Buches, nämlich 

•r 'oiiijitMili'izenden erfolgte Freitags in der 
'viMt»'!i Wnebe nach Pfinjjsten im J. 1543 der 

!ärivr.T [C\\T. lS'2t)V 112 Blatter gr. Folio. 
>. Oasselbe Werk mit einer kurzen Vor- 

'iie. iie iiesriunt : wJJ^^ ^J^ ^'^ JIS »Der 

^.iiitinier ■•.iv>t> r »u ..t^ ^j»^* — Am Ende der 

...Mif " r ri ■> ll1'*^^1r >Lzimler habe schon 

.:, :ii. -* ^ ■•.-; ■■jTj'^Tuiuier. das aber nicht 

..,....:^ .u n-M :- ''»vmsjer zn früh ge- 

n,, »•• .-.■.5:.:iin feine Hälfe ge- 

' I •.... *hl'* TS^ro -er zum Gründe 

.. ., - . . 4ci'in-K.K. vfiche er am 

■ ?.>i* I '<'»7n -iCL^es Kreuzes 

- .. . Jiri .eui irSnger die 

.-'11 ^dcnhii-nifr. JyätfJI 

ifs-sr Hezeiiinung ist 

:ii ...cijtrt .«t-ur n sehen. 

icii .uci. iec Beiheu- 

I iciAWei««r iber üe Fest- 

.4 »uä Aanmiien lu erleich- 



•.V."- 

... ■•■' 

■? . - . 1 • ■" 

.... l'fc. 



■ »**■ 



,. . -.- ^.-i -N— V ^S-*— ^'jii diesem 

A2 i.udx: ieä iecuäteu. Mouats, 

"* ^ .;. -; .o '^ »?rkes ^eibbt. die bei- 

*.«-» :-;- -'' M^-'iiüis Tut. Gezählt sind 

■.s '■ "Uli 'i'-^ •■»is 21'^ in Qaart. 
" ■ ■; ^._j : ■« J.^« .^{ ^ Be- 

«r «rixe ILeii von dem Ivpa^ag^. 



317 



er* »jft*9 f^> 't*«/' t5*j<* t>-«Ld{w« LJJ v,.WU^! 

• 

vDer zwtarter Tbeil ron dem SvvalSiiQ& nach der 
Anaräniuig des Vaters Bischof Amba Michael 
auf dem; Sttihlie ton Atrtb und Mali'g nnd an- 
derer Väter.« Diese Angabe stimmt nicht ge- 
nau zu der des vorigen Codex , wozu wir hier 
doch augenscheinlich den zweiten Theil haben, 
dWQ 60 wierden in gleicher Weise die Legenden 
der Heiligen für die sechs Monate der zweiten 
Wmt& des Jahires erzählt. Ebenso bezeichnet 
Ässemani das aus dem Orient mitgebrachte und 
Ton ihm Kbl. Orient. Tom. I. pag. 624 aufge- 
führte Exemplar: Sjnaxarinm s. Martyrologium 
Coptorum, auctore Michaele Episcopo Meligensi« 
Indeft^fiennt VcM^eb- pag. 62 u. 335 einen Pe- 
trus Bischof von Mali^ als Verfasser des Synaxar, 
welches' er in Aegypten in Coptischer, Arabischer 
und Habessiniecher Sprache gesehen habe, und 
unser zweiter Theil ist in viel besserem Arabisch 
gesohiieben« als der erste. Die Abschrift datirt 
auch schon vom Dienstag den 19. Bermuda 1198 
(Clir. 1481) nach der Unterschrift unter dem 
Monat Faichoas; und nach einer Stiftungsur- 
kunde auf dem efsten Blatte, wurde dieser Co- 
dex attt 7. des Monats Tuba 1204 (Chr. 1487) 
durch Uebereinkunft zwischen Abd el-Masih, 
^jai d.i. ^yovfjisvog ans dem Kloster des Amba 

Bischoi und Gyriacus , ^yovfisvog aus dem Kloster 
der Syrer in Gegenwart mehrerer Priester aus- 
getauscht gegen das Buch der Vier und der 
Woche (?) Coptisch, sodad dieses in das Kloster 
der Syrer und jenes in das Kloster des Amba 
BischoT gestiftet wurde. Und jeden, welcher 
ein^ von diesen Büchern aus einem der Klöster 



:t* 




T2M: <fe keO. 






=•5 



asi 



j 



CS - o 







im SeiilnA isadiistt die Schalttage mit be- 
swr Ueberackrift: ^ jUm3* ^^ ,^-^' >4«' 

g 3^ ij^ jLM«^ Der Schalttage sind fünf 



id im jedem Jahre and wenn vier 



819 

Jabre abgelaufen sind, werden es in diesem (vier- 
ten) Jahre sechs und dies ist das Schaltjahr ^). — 
254 Blätter in Quart, das letzte mit der Unter- 
schrift fehlt. Beim Einbinden dieses Bandes 
sind Blätter eines älteren £!xemplares desselben 
Werkes verwandt; das Blatt vom 29. Mesore ist 
auf der innern Seite des Deckels aufgeklebt, es 
finden sich darin abweichende Lesarten. 

30. Auf dem Deckel ist der Titel v'^^^ 
,^g^ Ui|^ oi^lJU v;^UÄit »Das Buch der drei 

Macarius und des Amba Bischoi'.« Im Einzelnen 



1) Blatt 1 — 52: ^..^LiÜI ^j^0^\ v^' 

oLpy j^ er o^j-^!^ fi?!-**^' 1^5 i »Memoria *) 

des heil. Vaters Macarius, des Vaters aller Prie- 
ster in der Wüste el-Asktt, geschrieben von dem 
Vater Serapion, Oberhaupt der Schüler des 
Vaters Antonius, welcher am 27. des Monats 
Bermahät gestorben ist.€ Unterschrift: b^jum s:^ 

oL^aAj »Zu Ende ist die Lebensbeschreibung 
des großen Heiligen Abu Macar, des Vaters der 

1) Daher bei Freitag s. v. {j*^ nach dem Camus 
nicht subtraMtur, sondern additur, 

2) j4^ in diesem Bande, als gleichbedeutend mit 

HjAiM, ist vermuthlich entlehnt von ]^^^ »Yerkündi- 

gung , Yortrag« ; das . anklingende Wort Memoria schien 
mir den Sinn am deuiUchsten auszudrvickent 



ii: iia 3iW2e) Schi- 



.Mi*. ^^) ^ - 



^h^*»- 



^\ 

ir ^z. :nisereni Ya- 



^ 

:"r ZtCi -t.i 3£i4:ar . Bi- 
...i- jz: rü jcjnea unseres 



MMirta 



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...^ ^ I : Z-i.: - iT dir Ldb^jüsiseaclirei- 

.. — ".-r . ..zriir -=.:«! '«"i'^'s^ ZiÄcioi dcr 
'-..." .~ ---.iruT rj: :=^ ic 1 !r^liu..ie;i den 

'..". -^. . -'LT •«: iT i 'irTr^i-i'^ii ier zweite 

^ :i }£iCLr izi Bdrs« Schi- 






üLiT -i-i' J 



.*.A*x-j* »L-ri^n, from- 



> 



r*- ■• -,? iiz 21 ?L"^-£r± ri-r Alfxindrii, wider- 
.^.t *izl i.-f ifTT. Cizrl TZ liilkrdcn dem hier.ge- 

i:«*r i:e LeLr* res der Xatnr Chrifti 



iCtii r*?sir..-ss 



^^ "^—^ deizuL'r rf rcfttiit ; Macanus war seinLeidene- 



321 

tner Wandel und Kampf unseres heil. Vaierj, 
des Yollendeten glückseligen Amba Macar, Pres- 
hyter yon Alexandria, des dritten nach dem gro- 
ßen Vater Abu Macar.« 

4) Bl. 110—150: JjG ^m ^,^^1 L^\ g^ 

^ji\ ^"i lüüUiJ i 5u^ 1^ j^^jf:^^ u-^.^» 

UUUt ^Uit yJüL,^] crk;I^J ^l^>Jt (J^ Xiuä^t 

«j^ er '^. crly^'^->^ <-^' ^j^ai5 yM>JUt njida 

»Lebensbeschreibung des großen Lichtes, des in 
allen Tugenden yollendeten, unseres heil. Vaters, 

JyovfAsvog des Klosters Waage der Herzen, Abu 
bhannes des kleinen, erzählt aus dem Verlan- 
gen zu nützen von dem mit dem Geist der Wahr- 
heit angethanen Lehrer der Religion, Zacha- 
rias, dem vortrefflichen Bischof der dem Mes- 
sias lieben Stadt Sacha, als bei ihm lautere Brü« 
der — anwesend waren an seinem heil. Gedächt- 
nifttage d. i. am 20.Babeh.€ Unterschrift: v:>JUy 



oLj-yÄü (j^^lÄo ^,jJtsiMi\ y*u.jJül 5ü^ »Zu Ende 

ist die Lebensbeschreibung unseres heil. Vaters, 
des großen Lichtes, ^yovfjtevog in seinem Kloster 
in der Wüste des großen Heiligen Macarius am 
Schlhät.« 

5) Bl. 150^— 180: y^.Jüül li^! ^L^^ '^jxms 

j ^\ u**^jüüJ lijjl ^t pLAoil o^t^t JycJl 



323 



1) Bl. 216 — 227: ^»J^.tr» ^.ujvXä« Is^t »^x^ 

i>^'^t v-^IjSt iS^ ^^ (>^^f^t »Lebensbescbrei- 

bang unseres Vaters des heil, großen Märtyrers 
Abu Mnsa gen. der scbwarze Möneb.« Unter- 



ift: .>^^l ^y^ Lil jj^JJÜl ^j4^ ^^ J Zu 

Bnde ist die Memoria des heil. Amba Mnsa des 
aehwarzen. 

31. o- iO^^!^^ i:;^:^'^'^ 
jp crA4) J^^ <>5^ '-**^' !;'^ "-^^^ ltJ'^^' ij$ 

M' jP U-^:; UW^l-^^^^ CÄ:^^ W^b Si^Ä« LJI3 

mL^ In diesem Titel sind mehrere Fehler, die 

neb ans den üeberschriften der einzelnen Ge- 
sohicbten herstellen lassen; es muß heißen Lit^ 

f^34j Lil jA> yMjv^ (j^^ ^ juwUi^jt Danach ist der 

Titel: »40 Geschichten der frommen Heiligen 
ans dem Munde des heil. Macarins, Bischof von 
Nakins, des Boctor, Oberen des Klosters zu el- 
Bahs&mat, des Amba Ishak, Oberen des Klosters 
des. Amlm Samuel zu el-Calamün, des Amba 
Ja*cnb, Amba Benjamin und des Anastasius, 
Oberen des Klosters des Amba Pachom.« Von 
Maearius dem Bischof sind 4 Geschichten, von 
Amba Ishak von el-Calamün 7, von Amba Ja'cub 
(Bischof von AjytM^t Ausim) 2, von Amba Benja- 
min 1, von Anastasius 3; sonst kommen noch 
vor Maearius der Secretär, Amba Theodoros und 
Amba (oder M&ri) Ishak, Bischof von Ninive mit 



334 

u FintiT ^^«fecUclrte: "bti den übrigen sind die 

hr/üiiier Licht genannt. 282 Blätter in Qnart 

?£. Merzehn BtattEr Pefgaaaent m Qtfart 

i*(iuuüi.frzid Brachstücke aus dem Coran in Ea- 

n^^'.iuc SsJirifL nämlich Blatt 1 — 8 Sure 43, 12 

- -V 81. 9 Sure 47, 32—37. Bl. 10. 11 Sure 

4S ii — 20. Bl. 12 Sure 48. 25 — 27. BI.13. 

.. Sr:* 49, 12-50, 4. 

5:.^ ^uJüLt ^jS »Das Buch der ünterwei- 

m.ru:<. ein Compendium der Alchymie von Abu 
T«f«k? Mchanimed ben Zakarija d^Bojsu In der 
'\ ;.r:vce sagt der Verfasser : Die Yeranlassung 
'/fTs: Abfas^ius dieses Buches war. daft ein jan- 
f^x Schaler Namens Muhammed ben Junu8, der 
.7. den mathematischen , naturwissenschaftlichen 
t?*i dialectisohen Wissenschaften sehr gut be- 
n[.&r.dert ist. mich bat, nachdem ich die 12 Bü- 
^ViT über die Kaust, die Widerlegung des Eindi ') 
v,Vvi des Muhammed ben el-Sinni el-Rasaili be- 
^ivitirt hatte, ihm etwas über die Geheimnisse 
A<-r Kuust zu sammeln, was ihm als Führer und 
Stütze dieuen konnte; da habe ich für ihn die- 
ne« Buch ceschrieben und ihm damit ein Ge- 
^*heuk gemacht, wie ich es keinem Fürsten und 
kvinem Emire gemacht habe, und ihm darin so- 
rtel von der Kunst auseinandergesetzt, dafi er 
nun alle meine anderen Bücher in dieser Bezie- 
ttung enthehren kann. Also habe ich diese Un- 
terweisung verfaßt und wenn ich nicht wüßte, 
iaft meine Tage gezählt und mein Ende nahe 
i»r« und nicht fürchtete, daß das rerloren ginge, 
wv^m ich ihm Hoffnung gemacht habe, würde 
rch nicht dieses Alles in meinem Buche gesam- 
melt und mir nicht soviel Sorge und Mühe ver- 

O Vei^l Geschichte der Anb. Aente. §. 98 Nr. 142 



825 

unacht haben. — • Absohrift datirt von Freitag 
cL 13. Schawwal ^g^; wenn hier ^ zu lesen 

wäre und die Jahrgzahl 676 (Chr. 1278) ausge- 
druckt s^in sollte, so stimnit der Wochentag 
lücht. -r- 143 Seiten kl. Quart in kleiner aber 
deutlicher Magribinischer Schrift. 

34. Dieser Sammlung ist noch beigefügt ein 
Papyi'us-Streif mit Demotischer Schrift, zwischen 
zwei Glasplatten. 

35. u. 36. Zwei Steine, welche Herr Dr. 
Brngsch Bey in Süd-Arabien aus einer Felswand 
hat heraqidiaueQ lassen; sie enthalten Alt -Ara- 
bische Inschriften, der größere 45 cm lang, 21 
cm hoch 9U vier Zeilen, der kleinere 20 cm ins 
Gevierte zu fünf Zeilen. 



Nachschrift. 



Herr Dr. Brugsch Bey hat bei seinem 
Weggänge von Göttingen der Königl. Universi- 
täts-Bibliothek noch mit mehreren werthvollen 
Geschenken bedacht, wovon wir hier um so lie- 
ber eine kurze Nachricht geben, als die Eennt- 
niß dayon in weiteren Kreisen erwünscht sein 
möchte. Außer ein Paar Arabischen und Persi- 
schen gedruckten Büchern, Fragmenten von be- 
schriebenen Leinenstreifen aus einem Aegypti- 
sohen Grab« und einem sehr schön verzierten, 
abwechselnd ipit Gold, Roth und Schwarz ge- 
iBofarielMnen Türkischen Fi^rnüiii vom Jahre 111^8 
(1755), wodurch Sultan Othmän HL den Chri- 
sten im Orient freie Keligionsübung zusichert, ist 
besonders eine sehr schätzbare Sammlung von 
Abklatschen von Aegyptischen Denkmälern, dar- 

%6 



S26 

uuter eiuige von bedeutender Größe, hervorzn- 
heben, welche DT)ch nicht bekannt gemacht Wür- 
den, ja deren Monnmente in den fanfnodzwanzig 
Jahren , die seit der Abnahme der Copien ver- 
flossen, zum Theil entweder durch Naturereig- 
nisse und Verfall untergegangen, oder durch die 
Anwohner abgebrochen und als Baumaterial an- 
derweit verwandt sind. Wir geben hier das Ver- 
zeichniß derselben, wie es nach der Angabe des 
Herrn Dr. Brugsch Bey aufgestellt ist. 

1. Tempel von Dendera, 7 Tafeln. 

2. Tempel von Edfu. 

3. Stele des Amasis, auf der Insel Elephantine 
gefunden. 

4. Stele Königs üsurtasen I. (Museum zn 
Bulak). 

5. Tempel von Der el-Bahri (Theben). 

6. Arthiopenstele König Bianchi*s. 
6. Aethiopenstele aus Meroe. 

8. Stele aus Mendes in Unterägypten. 

9. Stele Tutmes I. (Museum zu Bulak). 

10. Stelen aus Abydos. 

11. Stele der 12ten Dynastie (aus Bulak). 

12. Bianchi- Stele. 
18. Stele aus Mendes. 

14. Stele aus Uua (5te Dynastie). 

15. Die große Alexander- Stele (aus Bulak). 

16. Stele der ISten Dynastie (aus Bulak). 

17. Stele des üna (5te Dynastie). 

18. Stele des Mendes. 

19. Abdrücke aus den Gräbern der 4. — 5. 
Dynastie bei 'Gizeh und Saggara. 

20. Abdrücke aus dem Grabe Sekenraufs bei 
Saggara. 



327 



ViiYersitäi 

Petsche Stiftung. 

Die theologische Fakultät stellt für die Preis- 
stiftnug der Wittwe des weiland Gastwirths 
Petsche, geb. Labarre die Preisfrage: 

„Was Tersteht das Alte Testament anter 
„der HeiUgkelt &ottes?'< 

Znr Bewerbung sind alle die zugelassen, welche 
in dem laufenden oder im folgenden Halbjahre 
an hiesiger Universität als Studirende einge- 
schrieben sind. 

Die Arbeiten müssen spätestens bis zum 1. 
Januar 1879 an den Decan der theologischen 
Facultät übergeben werden, mit einem Motto 
versehen , welches gleichlautend auf einen ver- 
siegelten, inwendig den Namen des Verfassers 
enthaltenden, Zettel zu setzen ist. 

Der Preis beträgt einhundert und achtzig 
Reichsmark. 

GSttingen, 1. Juni 1878. 

Die theologische Facultät 
der Georgia Augusta. 

Der Decan Dr. Schultz. 



Bei der Kötiigl. Gesellschaft der Wis- 
senschaften eingegangene Druckschriften. 

(Fortsetzung.) 

A. Ernst, Estudios sobre las Deformationes enferme- 
dades y enemigOB dei arbol de caffe en Venezuela. 
GttraoMu 1878. 4. 



T' uii . f 11 . 1 1-. Awüsrcv^mkal Ob aerva tioni made at ihe 
K "i»HMirvM.f.T7EcaVET^ VoLXlV. For 1870-77. 4. 

lliiiiiiiiri» öt j'Acad. Imp. des Scienc es de Si. Peten- 
utiLTg. VTI e Serie. T. DIV. 1877. 4. 

^1. 4. J. F. Brandt, Monegciyphie der tichoriiinen 

Jir U. S. T. Kokicharow, Aber das nuaiaehe Both- 

»jjffien. 
Xi. 6. A. Wischnegradsky, über verapbiedene 

AzLjIene u. Amylalkohole. 
Xr. 7.* C h r. G b i, die Rothtange des FlniscIieB Meer- 

basenfl. 
Xr. S. A. von der Fahlen, Mono^pniphi^ der b^- 

tiach - silurischen ^rten der Bracbiopoden - Qattimg 

Orthiflena. 
Kr. 9. N. von Eokscharow, über das Krystall-Sy- 

stem det Glimmers. 
Nr. 10. J. D g i e l , Anatomie und Physiologie des 

Hersens der Larve von Gorethra plnmicomis. 
Nr. 11. W. Grub er, Monographie über das sweige- 

theilte erste Keilbein der Fnsswtunel beim MenBdben. 

VII e S^rie. T. XXV. 1877. 

Xr. 1. A. Schiefner, über Ploralbezeichnmiff^ im 

Tibetschen. 
Nr. 2. L. Gienkowski, zur Morphologie der Bak- 
terien. 
Nr. 3. G. S hm idt u. F. Dohrandt, Wassermenge 

und Suspensionschlamm des Amu-Daija in seinem 

unterlaufe. 
Nr. 4. N. V. Koksoharow, über Waluewit. 
Linnaeana, in Nsderland aanwezig. Amsterdsum. 1878. 
A. Oudemans, Rede ter herdenking van den sterftag 

van G. Linnaeus. 
F. G. Noll, der loologische Garten. Jahrg. XVIIL 4—6. 
Memoire of the R. Astronomioal Society. VoL XUIL 

1875 — 76. London. 4. 
Societit Toscana di scienie natnrali. Proc. yerb. 10. 

März. 1878. 
Bericht I des natnrwiss. Vereins in Aussig für 1876 

und 1877. 
Bulletin de TAcad. R. des Sciences de Betgiqne. T- 45. 

9« Ser. Wo. 1 — 2. 

(Fortsetiimg folgt). 



8@0 



. Naehrichten 

vim der üCönigl. iQasellschafib der Wissen- 
«(diaftea und d«: Q. A. Universität zu 

Qöttingen. 



12. ^vpL M «. 1S78. 

llBiTergitAt 

PreisYertheilnng. 

Am 4. Juni fand, in alter Weise die Preis* 
Terihailnng der Universität statt. Die Festrede 
hielt Professor Sanppe über die Sagen von einer 
plöcklicheren Urzeit nnd die Schildemngen eines 
idealen Staates der Znkanft. 

Die Aufgaben, welche vor dem Jahre gestellt 
worden w^ren, hatten größere Beachtung gefan- 
den, als dies seit einer Reihe von Jahren ge- 
fcMihen war« 

Die Aufgabe der theologischen Fakul« 
üii Weshalb ist die Kindeiibaufe in unserer 
Eirehe beibehalten worden und beizubehalten? 
hütta einea Bearbeiter gefunden, der zwar, weil 
die Ai^gabe nicfat vollständig gelöst erscheint, 
nicht den vollen Preis erhalten konnte, aber bei 
deo Yor9Ügen der Arbeit und dem dargelegten 
FleiB und Talent mit Genehmigung des Cura- 
toriums irinevi entsprechenden Theil des Preises 
bekomifiben solL Bei Erö£Pnung ergab sich als 
Verfasser der Abhandlung Georg Geisenhof, 
Cand. theol. aus HannoTer. 

27 



330 

Die An^ibe der juristischen Fakultät 
nesT nicht; beubeitet wOTden. 

FfirfieAn^beder medicinischenFaknl- 
ab; uhBt üe a^Uache Reaktion des Harnes war 
emt ioMt cingegaDgeD, welcher die Faknltät 
imi ^KoSon Preis zuerkennt. Der geöffiiiete Zet- 
als Verfasser Theodor Gorges, 
ned. aus Lüneburg. 

TnK den zwei Au%iben der philosophi-r 
ii:l«x Fakultät ist nur für die erste: Yeteris 
TtiOOKnti emendandi pericula, qnae Herdems 
«^ :^ fedt aut ab alüs facta comprobayit, 
iüi%rupantur et examinentur. eine Bearbeitang 
»«cwuigen. Ol^Ieich die Fakultät wegen for- 
wmiuc rnTollkommenheiten sich nicht entschlieften 
^noft» die Arbeit unter ihrer Auetoritat drucken 
fr Ptosen, so ertheilt sie doch dem Yer&sser in 
^fe<«i|t^u!g der entschiedenen Yorzugef welche 
^hnüKbe hat, den vollen Preis. Als Yerfasser 
iwtttte sich in dem eröffneten Zettel J. Spanuth, 
>;m^ theol. aus Hannover. 



Che neuen Aufgaben für das Jahr 1878/d 
>mit folgende: 

t. Die theologische Fakultät stellt als 

II^Mtia für die wissenschaftliche Arbeit: JEcdesiae 

«l«rwa/io a Waldensibus et fratribus bohendeis 

suMiil^ quomodo a Lutheri ratione ecdesiae re- 

^KMMMtlae distincta sü, eocponatur. 

jtt» Text für die Preispredigt giebt sie Jo- 
tlMKMe 17, 17. 

:{: Die juristische Fakultät stellt die 
vi^Qggabe: Historisch-dogmaHsche Darstellung der 
^lüHrfftin^ des Patronatsrechts in den pratestan- 
sj^ 1 Deutschlands. 



331 

3. Die mediciniscbe Fakultät stellt die 
Anfjgabe: Die neueren auf Experimente sich 
s^üUfenden Angaben über dm günstigen Einfluß, 
wdchen längere Zeit fortgesetete Einführung Mei- 
ner Dosen von QuecJcsilberpräparaten auf die Blut- 
mischung und Ernährung, auch hei Gesunden^ an- 
geblich äußert, sollen durch Versuche an Thieren^ 
unter genauer Berüchsichtigung der Nahrungsßu- 
fuhty des Körpergewichts und der KörperoMsgaben, 
einer eingehenden Prüfung unterzogen werden. 

4. Die philosophische Fakultät stellt 
die zwei Aufgaben: 

J. Doctrina et Jcantiana et schleiermacheriana 
de vohptate, quaestionum ad psychologiam 
et ad moralem phüosophiam pertinentium 
maxime ratione habita, explicetur atgue 
diiudicetur. 
IL Auffindung einer neuen, einfachen und 
hauptsächlich ergiebigen Darstellungsweise 
der Orthonitröbeneoesäure oder des Orthonir 
tramidobenzols. 
Die Bearbeitung der Aufgaben wird in der 
Sprache erwartet, in der sie gestellt sind. 

Die Bearbeitungen mässen^ mit einem Motto 
versehn und begleitet von einem versiegelten 
Zettel, der außen das gleiche Motto trägt und 
innen den Namen des Verfassers enthält, bis 
zum 15. April 1879 den Dekanen der Fakul- 
täten übergeben werden. 



Die Feier schloß, um den Gefühlen des 
Schmerzes und der Entrüstung, mit denen alle 
die grauenvolle Kunde von dem wiederholten 
Mordversuch gegen unsem Kaiser und König 
erfüllt hat, und den innigsten Wünschen für 

27* 



■'.32 



.<£ oäidise Geneanns öfieBtHdiBn Aoadmck 

_'?oeii. imx einem iicÖBmiigm Hock der 

r /.aolrdchai rsfL^euunimig anf Seine 



•-.TuoR^ '.uxii, .um. 



■ •«iiHt'i. iJjvnrpniMWni uQC 






■^•' 



.-1- ^. ii^acnaii mic pu 

■ t. >-ii vcriHutemt in üdK aManiEl) 

rr ■ i^iamingdn da cHaccncutt jl 2Ui« 



uismaä der Fortpflaazung»- 
irdamiae vihenopodifalia 



P-jra. 



ÜLeorie der Befrnditiuig. 
Von 



befannte Thatsaefae, dal 



/ 



333 

die Ton CSommeraon im südlichen Brasilien nnd 
in üntgaay entdeckte Cardamine chenopodifolia 
neben der gewöhnlichen Fruchtbildung dieser 
Qattung aus ihrer grundständigen Blattrosette 
eine zweite Art von Früchten in der Gestalt von 
Schötchen eraeugt» wobei jedoch unbemerkt blieb, 
daß die letzteren sich in die Erde eingraben und 
somit an einen für die Keimung ihrer Samen 
geeigneten Ort gelangen. Eine bildliche Dar- 
stellung des Dimorphismus von Schoten und 
Sohötchen^^ wodurch bei derselben Pflanze die 
siliqaosen und siliculosen Gruciferen verknüpft 
weisen, findet sich in St. Hilaire*s südbrasiliani- 
seher Flora (Taf. 106). Die genauere Beobach- 
tung dieser zwiefachen Art der Fortpflanzung 
schien geeignet, auf die Befruchtung und deren 
Bedeutung auf das Pflanzenleben einiges Licht 
za werfen: denn hier ist weder der JDimorphis- 
laoBy wie bei Viola mirabilis, ein Wechsel von 
fruchtbaren und unfruchtbaren Blüthen, noch 
die selbstthätige Versenkung von Erdfrüchten, 
wie bei Trifolium subterraneum und nidificum, 
luif die Leistung eingeschränkt, den Samen an 
einen passenden Ort zu versetzen, sondern beide 
Arten von Blüthen werden befruchtet und er- 
zeugen keimfähige Samen. Hier durfte man 
also vielleicht einen Aufschluß über die funda-^ 
mentale Frage der Phjrsiologie erwarten, weshalb 
neben der den Pflanzen allgemein zukommenden 
Theilungsfahigkeit und Reproduction des Orga^ 
nismus, der vegetativen Fortpflanzung, die zur 
Erhaltung der Arten allein genügen würde, bis 
zu den einfachsten Gebilden der organischen Na- 
tur hinab die entweder diklinische oder gegen- 
seitige Befruchtung verschiedener Individuen be- 
steht, um Keime zu erzeugen, deren Eigenschaf- 
ten von beiden Eltern beeinflußt sind, unter 



334 

diejiein Gmchtspankte können namlicli die Erd- 
frücbte jener Cracifere als eins der entschieden- 
ste: Beispiele Ton Selbstbefruchtung dienen, anf 
v>!oäe kein zweites Individuum einen EinflnA 
i-^^ujc» wohingegen die an den Bltithentranben 
^ >ilüeten Schoten der gegenseitigen Befrnch- 
'rrj'Z ^n andern ladividuen zugänglich sind. 
Die miher im Leben noch nicht genauer be- 
.^ciicece Pflanze wurde kürzlich durch Samen kus 
-.ter ijn^^uanischen Provinz Entrerios in unsem 
^.cai^i^'ueu tirarten eingeführt und sowohl aus 
Leu ib^tKuatiert gesammelten Erdfrüchten als 
tu:> 2»u lumstl entwickelten Schoten erzoffen. 
>>iäer?et ^^tfimM «wiesen sich in gleichem Iftsifie 
vtriuiiSinic ^wM jedoch Anfangs die Entwicke- 
lt^ ier^itnrTAuizen sich darin ungleich zeigte, 
.ür tt«^«»ipHr.. welche von den Erdfrüchten ab- 
^ftiiiutam. «i« übrigen in ihrem Wachsthum 
f iitit^^itm. Indessen hatte sich diese Yerschie- 
.«iiiH(t> ii'^ itie Pflanzen nach drei bis vierMo- 
^i«u 3tt Fihie April) zur Blüthe gelangten, 
jbe^ >v&i&«äkmü^ ausgeliehen, und sie ist wohl 
;^Äik^ AU erklaren, dai in den Schoten zahl- 
«.aku^. Ht it^tt Schotchen nur zwei Samen ent- 
\utt!u ^iht und daher die letztern von der 
XuiC«r5H6ut4e besser ernährt und zur Keimung 
• v^i^:«^H^mrt ^tA werden, als die erstem, üebri- 
^Jis ^cuett bei der im Mai beobachteten Frucht- 
v«re iitc^ ^^ "^tt Kulturpflanzen beide Eier des 
AfrirlWtWr'^e^tt Schöcchens befruchtet, nicht, wie 
w** ^ S^iair^ itt^fegteben wurde, nur das eine 
v^,.^ aiwa ^um SsüÄea ausgebildet. 

!^u;uaK^ -tt üe craubenformigen Blüihen- 

x«Ativi« iiie^eiWouw Axen sind Ajollarsprossen, 

>^c -iu««^uu^i»ii ^'» ifweige erster Ordnung aus 

,<i ' ' M» vikir tffamroeette. werden 16 bis 20 

k^ uthi tnig<eit einige Laubblätter, 



385 

von denen die obersten zuweilen kürzere Trau- 
ben zweiter Ordnung unterstützen. Die Blatt- 
rosette selbst, welche aus der verkürzten Haupt- 
axe entspringt, ist nach oben durch 6 bis 10 
diclit gedrängte cylindrische Nebenaxen begrenzt, 
welche die Blüthenstiele der unterirdischen Fort- 
pflanznngsorgane sind und, gleich denen der 
Traube ohne eigene Stützblätter, die Hauptaze 
naöh oben abschließen. Im morphologischen 
Sinne ist demnach die Traube der seitlichen 
Axen an der Hauptaxe zu einer Dolde verkürzt, 
die Blüthenstiele der Trauben sind denen der 
unterirdischen Dolde homolog und werden in 
beiden Fällen durch eine einzige Blüthe abge- 
schlossen. 

Gleichzeitig mit dem Aufblühen der Blüthens 
trauben sind die Blüthenstiele der Dolde bereit- 
tief in die Erde hineingewachsen. Kaum aus 
der Blattrosette sichtbar hervorgetreten, biegen 
sie sich in steilem Bogen nach abwärts und 
wachsen neben den Blattstielen der Rosette nach 
allen Seiten sofort senkrecht bis zu einer Tiefe 
von durchschnittlich zwei Oentimeter in den 
Erdboden hinab. Ihre Blüthe ist mit unbewafiP- 
netemAuge kaum bemerkbar: denn sie erreicht 
nur die L&nge von einem Millimeter (bei einem 
Qaerdurchmesser von etwa zwei Drittel Milli- 
meter) und gleicht der stumpfen Spitze des Blü- 
thenstiels um so mehr, als sie geschlossen bleibt. 
Aber auch die normalen Blüthen der Traube 
sind von geringer Größe, ihre Blumenblätter (etwa 
4 Millimeter lang) ragen nur wenig aus dem Kelche 
hervor. Während aber diese Blüthen den typi- 
schen Bau der Gruciferenblüthe zeigen, bestehen 
die der unterirdischen Dolde nur aus 4 grünen 
Kelchblättern, 4 ihnen anscheinend opponirten 
Staminen und dem, vom Kelch umschlossenen, 



Mißleiten PbittiL Dto LaüAnt cntfcili in jedem 
ie« bmufHL flkLcT cäai «iiiiaigt% lrinigende% aiuiF 
rt^fM» ifi QCDd in Tcim (isr kklbkagdAndigeii, 
'•rHJBu firfarcfateii XiirW giftzoBt. Aiamabnifr' 
*JWM« «e^mgt ei dea nüTiHhMlwIfn nicht, in 
in» Sräreicn einzndnzifiea: dnnn Kegen sie 
ichlsul aan Boden, wie in St. ffilaiin*s AbUI» 
inng^ nod die Scbötehen «nden grGn, kaben 
Ab«r denselben Ban. wSe die nnteriidiidien, die« 
iem Liebte entiogen, die Heicba Farbe be- 
wahren. 

Die Vorginge bei der Befriichtnng det nnter- 
irdiachen Blütben, deren Untennebnng von Dr. 
Drode anagefuhrt wnrde, enrieaen aiah weit 
merkwfirdiger, als der abweiehende Bnn der 
Blüthen. Ton der Bichtigkeft der Beobaflhtim- 
gea habe ich mich an den anfbewahrtea Prä* 
paraten flbenengt, aneh war der argentiniBehe 
Botaniker Hieronymos bei den ünterandiimgen 
gegenwärtig. Die beiden Fieber jeder AnUiere 
enthalten nur etwa je 12 Polkniellen Ton kn* 
geliger Form mit tetraedrich geordneten P<»eB 
und einer sehwach warzigen Ezine. Ohne daft 
eine Dehisoenz der Anihere stattfindet, trcibeii ' 
die Pollenzellen einzeln innerhalb des Faeks 
ikren Schlauch, der sodann die Wandung der 
Anthere durchbricht und, indem er die nnrntt* 
telbar anschließende Narbe erreicht, sofort in 
diese hineinwachst. Dieser Vorgang in dem 
engen Baume, den der geschlossene Eeleh übrig 
läßt, kann mit der Befiruchtung von Zoetera 
Terglichen werden. Im Ovarium konnten die 
Pollenschläuche bis in die Mikropyle des Ei*s 
verfolgt werden, in welchem die Befruchtung 
schon erfolgt war, aber die Schläuche noch 
sichtbar blieben. 

Als ich die isolirten PoUeuzellen in den 



837 

lerenfachern der nnterirdiscben BIfithen mit 
n verglich) die in großer Menge in den de« 
retiden Antheren der Lnftblüthen enthaltott 
f Bo zeigten diese zwar denselben Ban, abet 
dem physiologisch bemerkenswerthen Unter'-' 
^de, daß sie yermittelst des von der £xif<# 
eschiedenen Klebstoffs zuElümpchen züsäm" 
hängen und in dieser AnhänfuDg sich fretn^ 
Körpern anhängen können, nachdem sid 
^rändert ans dem Fache ausgetreten sifid«^ 
iü man sich hiebei der schönen ünterdn- 
igen Kemer*s über die Bedeutung des Kleb<> 
9 am Pollen für die Befruchtung durch Iti-» 
en erinnert, den er bei den im Winde stStf* 
len Pollenzellen vermißte, so ist es einleudh-« 
, daß die an der Luft sich öSnendeii, fflit 
Qenblättem und hypogynischen Drüsen atld» 
itteten Blüthen der Traube zur gegenseiti«* 
Befruchtung verschiedener Individuen äatth 
ende Insekten bestimmt sind. Bei den unter- 
chen Blüthen hingegen ist die Selbstbe^ 
btung durch unmittelbare Beobachtung nach- 
lesen. 

Gegenwärtig sind die Erdfrüchte, welche die 
ihe Färbung des Ovariums bewahren, schon 
reit ausgebildet, daß sie an Qröße und Gel- 
der Beschreibung und Abbildung St. Hi- 
's entsprechen. Wenden wir uns nun zu 
Frage, welche physiologische XicistuDg mit 
iT zwiefachen Fortpflanzungsweise erreicht 
, so kann man zunächst kUmatische Bedin- 
gen in*s Auge fassen, deren störender Hin- 
zu bekämpfen ist. Am nächsten im Auf- 
der Vegetationsorgane steht unserer Cruci- 
Cardamine axillaris, die auf den feuchtern 
m von Gatamarca bis Bolivien wächst. Der 
ein Dauer regenloser Jahrszeiten ill den 



838 

südamerikanischen Ebenen jenseits des Wende- 
kreises scheint es zu entsprechen, dafi die Keim- 
kraft des Samens durch Versenkung in den Erd- 
boden sicherer gestellt wird, wogegen die in 
den Schoten erzeugten Samen, an der Oberfladie 
durch den Wind zerstreut, leichter zu Grunde 
gehen. Mit dem Eintritt erneuter Niederschlage 
können die Erdfrüchte sofort zur Entwickelung 
gelangen, nachdem die einjährige Mutterpflanze 
auf demselben Boden längst zerstört war. Die 
Ausstreuung des Samens in die Atmosphäre hat 
aber nicht bloß die Bedeutung, denselben dahin 
zu fähren, wo seine Ernährung gesichert ist, 
sondern auch die Ausbreitung der Arten auf 
neue Standorte möglich zu machen. Somit wür- 
den die Erdfrüchte die Erhaltung der Art in 
einem ungünstigen Klima, die durch die Luft 
verbreiteten Samen die Wanderungen derselben 
sicher stellen oder doch begünstigen. 

Wenn indessen die Natur die verschieden- 
artigsten Ziele oft mit denselben Werkzeugen 
der Organisation erreicht, so kann man doeh 
nicht umhin anzunehmen, daß der Befruchtung, 
als einer der allgemeinsten ihrer Einrichtungen, 
neben solchen Wirkungen, die nur dem einfeet 
nen Falle zu Gute kommen, auch eine gemein- 
same Bedeutung für die bestehende Ordnung 
des organischen Lebens zu Grunde liegt. Nun 
kennen wir, unter der Voraussetzung, daB der 
befruchtende Stoff und das Ei von verschiedenen 
Individuen erzeugt werden, als allgemeine Folgo 
ihres Zusammenwirkens die Thatsache, daß cUe 
Gestaltung des neuen Individuums von beiden 
Eltern abhängig ihre etwaigen Eigenthümlich- 
keiten vermittelt und ausgleicht. 

Man kann in der Bildungsgeschichte des Or- 
ganismus zwei Klassen von Kräften unterschei- 



839 

en, von denen die eine, als erbliche Anlage 
»ezeiclmet, den Plan der typischen Gestaltung 
iner Art zur Ausführung bringt, die andere 
ene Yariationsfahigkeit bedingt, durch deren 
oannigfache Wirksamkeit jedem Individuum ein 
li^enthümliches Gepräge verliehen wird. Es ist 
in nicht minder großes Gewicht darauf gelegt, 
lie Individuen zu besondern Lebensformen zu 
[estalten, als den Typus der bestehenden Arten 
estzuhalten. Diese letztere Aufgabe aber wird 
Inrch die erstere beeinträchtigt, und, wenn die 
Variation bald die verschiedensten Organe er- 
preifty bald zu Mißbildungen sich steigert, so 
:ann der Typus zu Grunde gehen. Aus der 
/'oraussetznng, daß auf diesem Wege neue Ge- 
bilde aus den vergangenen entstanden sind, ist 
üe Descendenzhypothese erwachsen. 

Die Yariationsfahigkeit aber ist eine Kraft, 
iie nur in den Anfängen der Entwicklung von 
Ceimen wirksam ist, am erwachsenen Indivi- 
,unm geht sie verloren. Ist der Organismus 
er Pflanze erst einmal zu seiner individuellen 
Sigenthümlichkeit ausgestaltet, so bleibt ihm 
lur noch eine oft staunenswerth ausgebildete 
Leproductionsfähigkeit seiner Organe, ohne daß 
ene Yeränderungen hervortreten. Hierauf be- 
nht der wesentliche Charakter der vegetativen 
'ortpflanzung, die nicht bloß den Bildungsplan, 
ondem auch die Eigentbümlichkeiten des Indi- 
iduums bewahrt und dadurch für die Erhaltung 
rerthvoller Eigenschaften bei den Eulturgewäch- 
3n eine so hohe Bedeutung hat. Dies ist nur 
ine Fortsetzung des individuellen Lebens, so 
ollständig dabei auch die Yermehrung der Ein - 
slwesen und die Erhaltung ungeschwächter 
^eprodnctionskraft erreicht wird. In jedem Or- 
Etn, welches von der Mutterpflanze getrennt 



940 

wnrde, ja in der eiDzelnen Zelle, wenn sie nn« 
ter angemessene Lebensbedingungen gestellt 
trfirde, rnht, darf man annehmen, jene leben- 
dige Reprodnctionskrafb , die alle verlorenen 
Tbcile des Organismus in gleicher Gestaltnfig 
und Mischung der Stoffe wiederherzustellen 
fähig ist. Die Parthenogenesis ist in diesem 
9inue als vegetative Fortpflanzung aus der ein» 
seinen Keimzelle aufzufassen. 

Diesen Vorgängen nun entgegengesetzt ver- 
hält sich die Fortpflanzung aus befruchteten 
Bltithen, wenn dabei zwei verschiedene Indivi- 
duen thätig waren. Abgesehen von der YariA- 
tionsfähigkeit , die hier zur Geltung gelangen 
kann, erleidet der Keim eine Einbuße an indi- 
viduellen Eigenschaften, in dem Sinne, daS sie 
durch die Einwirkung beider Eltern auf eil 
mittleres Maß zurückgeführt und dadurch dem 
Typus des Bildnngsplans um so mehr genähert 
werden, je verschiedenartiger die Einflüsse voa 
beiden Seiten sind. In der diklinischen oddt 
gegenseitigen Befruchtung der Pflanzen tritt 
demnach ein langsam, aber allgemein und stetig 
wirksames Mittel in Thätigkeit, die individuellen 
Ausartungen und Abschweifungen vom Bildnngs« 
plane einzuschränken und den Typus der Arten 
in der unbegrenzten Reihenfolge der GeneratiO" 
neu zu erhalten. Was bei der Zuchtwahl künst* 
lieh vereitelt wird, erreicht die Natur durch 
das zufällige Zusammenleben verschiedenartiger 
Individuen. Wenn man wüßte, daß die Varia- 
tionsfähigkeit , von deren Quellen wir jedoch 
nicht unterrichtet sind, durch die äußern Exi« 
steuzbedingungen allein oder wesentlich bedingt 
würden, so könnte man schließen, daß säculare 
Aenderungen des Klimans oder ähnliche geologi- 
sehe Einflüsse den Typus der Arten yerandem 



841 

müBiea, wenn sie in einer einseitigen Weise die 
(Organismen beebflnfiten. Allein d« wir sehen, 
JM in der ganasen organischen Katar eine Ein«- 
richtnog berteht, die Variationen ahanaohwächen, 
BD ist man nicht l>erechtigt, die Deseendens* 
h^pothese ak allgemeines Prinoip der Artete 
büdnng anzusehen, wenn auch in einzelnen Fäl* 
kn neue Formen auf diesem W^ge der Umbil- 
dnng ein selbständiges Bürgerrecht in den Flo* 
reu nnd Fannen erlangt haben. 

Von dem Ueberblick dieser Anschauungen 
zu der doppelten Befruch tangsweise unserer 
Crucifere zurückzukommen, darf man die Bil- 
dung der Erdfrüchte mit einer vegetativen Fort« 
Pflanzung vergleichen, zu welcher hier ausnahms- 
weise statt der unterirdischen Brutknospen 
selbatbefruchtete Samen verwendet sind, die ver- 
möge ihrer Hüllen und Nährstoffe besser gegen 
dk Trockenheit der Jahreszeit verwahrt sind, ak 
jene. Und wiewohl zwkchen den ausErd- oder 
Luftfrachten gezogenen Pflanzen keine Verschie- 
denheit eich wahrnehmen läßt, so würde doch 
dk ungleiche Wirkung von Befruchtung durch 
insectem and von Selbstbefruchtung im Laufe 
der Generationen zuletzt zur Geltung kommen« 



Chemische Untersuchungen auf api- 

stischem Gebiete. 

Von 

W. Henneberg. 

Auf Veranlassung des bienenwirthschaftlichen 
Centralveveins für Hannover und von dem Se- 



842 

cretär desselben, Herrn flanptlehrer Lehzen 
in Hannover als bienenwirthscnafÜicliem Sach- 
verständigen unterstützt, habe ich mich in 6e- 
meinschaft mit den Herren Dr. M. Fleischer, 
Dr. E. Kern, Dr. F. Meinecke und Dr. K Mül-* 
1er während der Jahre 1872, 73 und 76 theüs 
in Weende, theils in Göttingen mit apistischen 
Untersuchungen beschäftigt. Ich erlaabe mir 
der E. Gesellschaft der Wissenschaften eine 
kurze Mittheilung darüber zu machen, indem 
ich wegen aller Einzelheiten der umfangreichen 
Arbeit auf einen so eben im »Journal fSr 
Landwirthschaft« ^) erschienenen ausfuhrlichoi 
Bericht verweise. 

Es handelte sich bei diesen Untersuchungen 
an erster Stelle um eine der verderblichsten 
Bienenkrankheiten, die sog. bösartige Faulbrat 
Das Gharacteristische derselben besteht darin, 
daß die Brut nach dem Bedeckein, während des 
Uebergangs aus dem Zustande der Made (Larve) 
in den des ausgebildeten Insects abstirbt und in 
eine eigenthümliche Fäulniß übergeht, deren 
höchst übelriechende, zähflüssige Producte ans 
den betr. Zellen wegzuschaffen die Arbeitsbienen 
sich nicht bequemen. Die Zahl solcher Zellen 
nimmt mit der Zeit mehr und mehr zu, das 
Volk schmilzt rasch zusammen, weil es nicht 
genügend durch neu auslaufende Brut ergänzt 
wird, und geht in der Regel schon im ersten 
Jahre des Erkranktseins zu Grunde. 

Bezüglich der bösartigen Faulbrut stand, wie 
mehrfach sonst in analogen Fällen, der Ansicht, 
daß sie eine Infectionskrankheit sei, die Ansicht 
gegenüber, daß mangelhafte Ernährung die 
grundlegende Ursache bilde. 

l) 25. Jahrg. S. 877—401 and S. 461-589. 



343 

Zu einer Elärnng dieser Ansichten vom che- 
mischen Standpunkte aus beizutragen war uns 
als hauptsachfichste Aufgabe gestellt und da- 
durch die Fragestellung gegeben: Lassen sich 
bestimmte qualitative oder quantitative Unter- 
schiede zwischen der in gesunden und in kran- 
ken Stocken verwandten Nahrung, sowie zwi- 
schen Thieren aus gesunden und aus kranken 
Stöcken nachweisen? 

Die allerdings nur in beschränktem Umfange 
ausgeführten Untersuchungen der Nahrung ha- 
ben ein negatives Resultat geliefert, die Unter- 
suchungen der Thiere in ihren verschiedenen 
Entwickelungsstadien dagegen gelehrt, daß na- 
mentlich bei dem Korpergewicht Unterschiede 
zu Ungunsten der kranken Stocke auftreten. 
Eine im Jahre 1876 gemachte Beobachtung 
stellt es jedoch, wie mir scheint, außer Zweifel, 
daß die durch die Verminderung des Körperge- 
wichts angedeutete mangelhafte Ernährung nur 
ak eine Folge der Krankheit aufzufassen ist 
und daß die Krankheit selbst in derXhat durch 
Infection hervorgerufen wird. Diese Beobach- 
tung geht dahin: 

Am 7. Mai wurden die acht stärksten Völ- 
ker eines durchaus gesunden Bienenstandes von 
Weende nach Göttingen auf den im landwirth- 
schaftlichen Institutsgarten errichteten, bis dahin 
nnbenuti&ten Versuchsstand versetzt und bald 
hinterher dreien von diesen Völkern Stücke faul- 
brätiger Waben in eine Tafel neben der Brut- 
wabe eingespeilt. Die faulbrütigen Waben wa- 
ren aus Osnabrück geliefert und entstammten 
einem im Vorjahre (1875) durch die Krankheit 
zu Grunde gerichteten Stocke; der faulige In- 
halt der kranken Zellen war im Verlauf der 
Zeit von Motten etc. verzehrt, die Waben waren 



nvr getchro- 
leaes «semiuL — Der iBBoi^ wwe^ dsA ach litt 
«Uta: Umanmunm« «dl iT. Mai Ae dm 8C5ebi 
«mTniäkm lia ^rräric «lüaiH. Die ftbfftgoi 
funt gtrit^iiff, liKosiL mkä nx Seite oder nke 
ioer ii9i__aiu'3ri]sc jpnrrwFiw eidhaedl, Uiebcoi 
TT^a ier ArüakJbBS «aacmflOL DkaellM Erfrib* 
rxiiic jeaft sHa L^«3 ;ihii »S im Weoide ge- 
nacac: inczL suxa^ 2&aii kKÖee Cebertngimg 
'ier Krankhuifc vjn. änuäcis^ccB SiäekeH, die 
7oa kosw^Tfa laaü iaa. Braaaachwrigiedifm ni 
IjmiMnirzx8C3ffli.' Mn^assB. vsra, a«f didit dip 
aeöea ^teiiffliifff ^psmaust iseflL OCInlHr niid 
iiM^zrm 3UC äisäisäfiis «i«ieHtct| deft der in* 
3£ir?ade SoaiF 211 ieo. rfüricfgea ndt gaUit 
y^iurer Zeit sposcxieii d» Apiedkcr ah adehen 
•sLae Bacfierienan an. oxxd ittbeM mr Heilimg 
für Faclomc äofisepGESCOie ICfiteL «felgreick u- 
zewaiidt. 7n«am mjmfemwwt» oad bitieclie IGfe- 
ciieil-ing!«! iüzuber hat lELiwr der eUesBafea 
ILdücerder Gegenwart«« Herr P. Kiciiie-Iiwthoafc 
&r iäut yJoQiuaL Hr I^itdMirtkadkdk* äe An»* 
mM gwcettt — — 

Unsere Untersnfh fingen. iiabeB ariienbei fOM 
gcDAoeie Kenntnii dar qoeiitifeitiicn YednU- 
niaK des G«aaiiiaii3fiidhi«dbaek der BieneBfani 
auEgefaiimt md dw mr YiTrniHnlindignng diaasr 
Kmntufi einzuBcklageBdni Wega gneigL. 

Die iiier Tonvgswciae in Beindii koBBman* 
den analytiadien Befude amd im den bcddni 
Tabellen S. 346—349 iriaaieaieagwHtpIlfi an deren 
Erlantennig m bemerken: 

SimmtlKBhe Angaben beaielien ädi anf k* 
faende Brat Ton Arbeitsbienen, bei denen die 

twkkeinng denYerlanf mmmtt deA die llade 

^Ablavf des 6ten Tages aehdeaDLAnaBcUnplen 
Im Ei nur Bedeekelnng gelangt (mü einem 



345 

Waclisdeckel in der Zelle verschlossen wird) und 
nach Ablanf von 18 Tagen seit dem Aus- 
Bchlfipfen oder 12 Tagen seit dem Bedeekeln 
als ausgebildetes Insect die Zelle verläßt. — 
»Nymphe ohne Kopf« bedeutet bedeckelte Brut 
mit noch nicht ausgebildetem Kopfe, »Nymphe 
mit Kopf« solche mit bereits ausgebildetem 
Kopfe ; ersterer ist ein durchschnittliches Lebens- 
alter von etwa 9 Tagen seit dem Ausschlüpfen 
ans dem Ei (^ 3 Tagen seit dem Bedeckein), 
letzterer ein solches von 15 (bezw. 9) Tagen 
beiznlegen. — Von den in den Tabellen aufge- 
führten Wertben sind die für »stickstoffhaltige 
Snbstanz« und die davon abhängige für »son- 
stige stickstofffreie Substanz« (organische Sub- 
stanz im Ganzen minus Fettsubstanz minus stick- 
stoffhaltige Subst.) nur als mehr oder weniger 
grobe Näherungswerthe zu betrachten, da den- 
selben die Annahme zu Grunde liegt, daß die 
Thiere ihren sämmtlichen Stickstoff sämmtliche 
Entwickelungsperioden hindurch in der Form 
von Eiweißstoffen mit 16 Proc. Stickstoff ent- 
halten haben ^). Es ist also das schon von vorn 
herein, insbesondere aber nach Untersuchungen 
von Städeler und Frerichs, C. Schmidt u. A. nicht 
zn bezweifelnde Vorkommen von stickstoffhalti- 
gen Nicht-Eiweißstoffen, von Leucin, Tyrosin, 
Harnsäure, Chitin etc., unberücksichtigt geblie- 
ben und es bedarf unsere Arbeit namentlich 
nach dieser Seite hin einer wesentlichen Ver- 
vollständigung. Ich habe jedoch in meinem 
ausführlichen Berichte gezeigt, daß die Verluste 

1) iHe fiückstofflialtige Babstanz ist nach dem Ver« 
Laitidß 16 : 100 aus dem direet besümmten Stickstoffge- 
halt berechnet (1 Gew. Th. Stickstoff = 6,25 stickstoffhalt. 
Snbst.). 

28 



Darcbachnitttioliea Bflwioht 
bestandtheile pr« 





KözpBP. 




Fnokao' 


Tita. 




gemiOA. 


■nbatw». 


fW- 


Oeumder Stook 1878. 






-^^^ 




9ijSi 


81^ 


78,76 


Hjiopbm ohne Kopf 
Nymphen mit Kopf 


Ul,40 


ao,M 


IW,« 


186,05 


86,96 


luloB 




118,17 


16,68 


10W8 


Krinker Stock I 1878. 










108,78 


84,7« 


Sil» 


Nymphen ohne Kopf 
Nymphen mit KopT 


189,83 


83,88 


109,51 


138.86 


n.i» 


109,67 




103,56 


19,75 


B9Ä 


Kranker Stock III 1878. 










80,06 


17,03 


68,04 


Nympbw ohne Kopf 
Nymphen mit Kopf 


183,88 


B0;5Il 


101,8s 


127^8 


a«,45 


160,58 


AuBliriecfaeDde Bienen 


100,06 


18.68 


8M5 


Gei. Stöcke, be>w. gei 








Ableget mit Brot am 








KeinDdenStöoken 1876. 








0,1876 


A,020 


0,117» 


Eintägige Maden (Ableger) 
Füof-bi« Kwhst. Maden (desgl.) 


1,889 


0,278 


1,067 


144,90 


80,60 


114J0 


Nymphen ohne Kopf 


U9,67 


88,86 


ll«i6B 




118,80 


174B 


MQ^ 


Kranke Stöcke, heaw. 








geaaDdeAblegerm.BrDt 








a. krank. Stöokon 1876. 








Eier 


0,186 


0,017S 


0ill76 


ssrJÄiSSÄ. 


1,6*7 
193,11 


0,891 
36,94 


1,986 
166^ 


hen ohne Kopf 


187,68 
U»,TO 


Bi:98 


IW,65 


Mbeode Biewn 


WjM 


96;i0 



Ata E3rp«ra und der Körp 
Stack In Milligramm. 



II 


, 








Organ. 


Stinii. Bon- 






Fett- 


Sub- 


Btoffhal- atige 


i 


stick- 




BtM12 


Uge Sab- aticli- 








BOb- 


im 


Btanz (als' stoff- 






•loff. 




Qan- 


EiweiH- freie 










stanz. 




Stoffe be- Sub- 


■8=5 


o< 








rechoet). stanz. 


0.94 


0,46 


0,07 


1,47 


8,17 


20,10 


9,19 


7,74 


1,02 


0,88 


0,06 


WO 


6,S8 


29,92 


11,26 


13,34 


i^ 


0,8« 


0,08 


1,89 


4,70 


34,94 


11,81 


8,46 


i/ä 




- 


2,19(7) 


1,61 


16,67 


18.69 


0,57 


1.» 


0,4S 


0,07 


1,66 


8,9«. 


38,68 


9,75 


9,98 


i> 


OiSl 


tfn 


1,96 


6,84 


31,04 


13,87 


13,88 


ES 


OM 


o,ee 


1,90 


4.88 


34,66 


11,87 


7,78 


1,15 






2,46(7) 


— 


16,60 


15,39 


- 


0,M 


0,41 


0,09 


1,84 


2.17 


16,18 


8,87 


6,64 


m 


0,60 


0,08 


2,10 


6,79 


29,61 


18,13 


10,60 


1,U 


0,64 


0,10 


2,06. 


i/n 


26,33 


12,87 


7,38 


1,U 






3,06 


2.18 


17,60 


12,81 


9,61 


M» 


- 


- 


2,18 


6.24 


39,43 


18,81 


1087 


118 






2J14 


6,14 


32,17 


14,00 


12,08 


1,18 






2,18 


1,49 


16,70 


18,60 


1,61 


,12 


- 


- 


1,60 


4,26 


34,12 


10.00 


«ii 


,u 






2,11 


6,06 


80W 


18,19 


11,61 


,u 


— 


— 


2,16 


1,49 


le^e 


I8;44 


1,66 



348 



n. Procentische 



WOB- 



Eier. 

Gesunde Stöcke 1876 (0,1876 mg)*) 86,46 

Kranke Stöcke 1876 (0,186 mg) 87,04 

Maden. 

Eintäg. M. 1876 Abi. ges. (1,889 mg) 79,67 

» » » »kr. (1,647 mg) 79,28 

Ges. Stock 1878 (94,82 mg) 77,81 

Krank. Stock I 1878 (108,78 mg) 77,24 

» » in » (80,06 mg) 78,74 

Fünf- bis seobstäg. M. 1876 Abi. ges. (144,90 mg) 78,88 
» » » » » » kr. (182,11mg) 80,89 

Nympben ohne Kopf. 

Ges. Stock 1873 (141,40 mg) 78,12 

Krank. Stock I 1878 (139,98 -mg) 76,90 

» in > (182,88 mg) * 76,92 

Ges. Stöcke 1876 77,72 

Kranke Stöcke 1876 76,76 

Nympben mit Kopf. 

Ges. Stock 1873 (186.06 mg) 80.92 

Krank. Stock I 1878 (128,26 mg) 78,97 

» in » (127,08 mg) 79,18 

Anskrieobende Binnen. 

Ges. Stock 1873 (118,17 mg) 86,96 

Kranker Stock I 1873 (102,66 mg) 80,74 

> » in » (100,08 mg) 81,88 

Ges. Stöcke 1876 (118,30 mg) 84,89 

Kranke Stöcke 1876 (112,70 mg) 84,89 

1) Die eingeklammerten Wertbe bedeuten dorch- 
be8 Gewicbt, 



349 



Zasammensetzang. 



Mineral* 
Stoffe. 


Stickstoff- 
haltige 
Substanz. 


Fett- 
sabstanz. 


Sonstige 
Stickstoff- 
freie Sub- 
stanz. 


Stick- 
stoff. 


0,99 


9,69 


8,34 


8,17 


1,55 


0,98 


8,96 


8,68 


9,18 


1,48 


1,05 


10,45 


2,71 


7,05 


1,67 


0,81 


9,18 


8,68 


7,50 


1,47 


0,85 


7,57 


8,22 


7,47 


1,21 


0,72 


7,96 


8,77 


9,43 


1,27 


0,91 


8,84 


4,17 


9,18 


1,41 


0,79 


9,91 


4,87 


8,01 


1,59 


0,79 


9,85 


4,10 


8,04 


1,50 


0,81 


9,59 


4,41 


8,44 


1,53 


0,76 


8,68 


8,45 


6,20 


1,89 


0,90 


9,36 


8,80 


6,07 


1,48 


0,89 


10,18 


8,99 


5,81 


1,62 


0,86 


11,58 


1,28 


0,82 


1,85 


1,12 


14,90 


-•) 


8,24») 


2,88 


1,18 


12,80 


2,18 


2,51 


2,05 


1,00 


11,49 


1,26 


1,86 


1,84 


0,99 


11,98 


1,82 


1,87 


1,91 



2)'* Fett nicht bestimmt. 
8) ind. Fett. 



350 

au ^soustiger stickstofffreier Substanz«, welche 
die Thiere im Puppen- und Entpappungwu- 
staude vou einer Lebensperiode zur anderen er* 
leKlen, trotz jener mißlichen Annahme nnbe- 
deuklieh aus den in die Tabelle aufgenommenen 
Wertheu für »sonstige stickstofffr. Substanz« 
abjfeleitet werden können. — Ueber die näheren 
Beä^tandtheile der »sonst, stickstofffr. Substanz« 
fehlt es (ebenso wie bei der stickstoffhalti- 
gen Substanz und der durch Extraction mit 
Aether bestimmten Fettsubstanz) an Untersu- 
chungen ; man darf indeft yermuthen, daß yon 
der Nahrung herstammender Zucker (Honig) den 
hauptsächlichsten Bestandtheil derselben ausge- 
macht haben wird. 

Aus den in den Tabellen niedergelegten und 
anderen nebenher gehenden Beobachtungen er^ 
giebt sich u. A. : 

Das Bienen-Ei hat ein Gewicht von 0,13 bis 
0,14 mg« Das ausgeschlüpfte Thier wiegt als 
»Eiütägige Made« bereits 1,3 bis 1,5 mg, also 
etwa 10 mal so viel wie das Ei. Die Zunahme 
vertheilt sich jedoch nicht gleichmäßig auf 
Trockensubstanz und Wasser, solidem überwiegt 
relativ bei der ersteren, indem die Menge der- 
selben vom Ei angerechnet in dem Yerhältnift 
Yon 1 zu 14 bis 18, die Menge des Wassers da- 
gegen nur in dem Yerhältniß von 1 zu 9 bis 10 
zunimmt. In Folge davon erhöht sich der proc 
Gehalt an Trockensubstanz von 13 bis 15 beim 
Ei» auf 20 bis 21 bei der eintägigen Made. 
Das rasche Wachsthum dauert bis zum Be- 
deckein, am Schluß des sechsten Lebenstages 
fort; das Körpergewicht beträgt zu jener Zeit 
130—150 mg, also reichlich das lOOOfache von 
dem Gewicht des Eis. Auch in dieser späteren 



351 

Zeii 4e8 MadezilebeDS überwiegt die relativ^e ZtH 
pabme der Tiockensubstanz die des Wassers, 
alMT Bur noch in geringem Orade , da der 6e^ 
liait an Trockensubstanz mit 22 bis 23 Proc. 
seinen Höheponkt erreicht. An der Zunahme 
der Trockensubstanz eind ferner die Stickstoff** 
haltigen und die stickstofffreien Stoffe in ver- 
sdiiedenem Yerhältniß betheiligt. Bei Maden 
von etwa 70 mg Körpergewicht — auf ei^er 
Entwicklungsstufe; wo sie ungefähr ihr halbes 
Endgewicht erlangt haben — beträgt der ab- 
solute Gehalt an stickstoffhaltiger Substanz 
7 Ins 8, an Fettsubstanz 2 mg; am Schluß des 
Madenlebens dagegen bez. 11 bis 14 und 5 bis 
6 mg. Die Menge der stickstoffhaltigen Sub« 
stanz ist demnach in dem betr. Zeiträume auf 
nicht ganz das 2fache, die der. Fettsubstanz da* 
gegen auf das 2V2 bis Sfache gestiegen. Wie 
mit dem Fett verhält es sich auch ipit der son- 
stigen stickstofffreien Substanz. Ihre Menge be« 
trägt b^ Maden von etwa 70 mg Körpergewicht 
4 bis & mg, bei Maden von etwa 110 mg Kör- 
peirgeipricht 10 bis 11 mg und bei ausgewaehsie^ 
nea Maden 18 bis 14 mg, aleo von einem Sta- 
dium sum anderm in dem Yerkältniß 1:2 bis 
2Vb : 3 mehr. 

Nach dem Bedeckein der Brut hört die Nah- 
rungszufuhr auf und lebt das Thier nur auf 
Kosten des in seinem Körper bis dahin aufge- 
speieherten Stoffvorraths. Die Vorgänge wäh- 
rend der Entwickelung von »Nymphe ohne 
Kopf« zur »Nymphe mit Kopf« und von 
»Nynitphe mit Kopf« zur auskriechenden Biene 
stimmen darin überein, daß Verluste an Stick- 
stoff nicht stattfinden (die beobachteten Verluste 
sind entweder minimal oder negativ). Es hat 
sich also auch bei der Bienenbrut die Erfahrung 



352 

bestätigt, welche man bei allen anderen neuerer 
Zeit darauf untersuchten Thieren gemacht hat, 
daß von dem Stickstoff der im Stoffwechsel um- 
gesetzten organischen Stoffe keineswegs, wie 
man früher annahm, ein beträchtlicher Theil 
den Körper in Gasform yerläßt. Für ein ande- 
res Insect in einem andern Entwickelungs- 
Stadium, für die fressende Seidenraupe ist dieser 
Nachweis bekanntlich schon früher Yon Peligot ^) 
erbracht. — Die Bienenbrut lebt mithin, so 
kann man sagen, Tom Beginn bis zum Ende 
der Verpuppung auf Kosten von stickstoff- 
freier Substanz. Der Verbrauch und dessen 
Vertheilung auf fettartige und nichtfettartige 
Substanz gestalten sich aber während des Ueber- 
gangs von Nymphe ohne Kopf zur Nymphe mit 
Kopf (Nymphenperiode) und während des Ueber- 
gangs von Nymphe mit Kopf zur auskriechenden 
Biene (Entpuppungsperiode) sehr yerschieden. 
Je nachdem man annimmt, daß die Brut schon 
vor dem Auskriechen oder erst nachher Excre- 
mente ausscheidet, worüber die Ansichten der 
Apistiker noch nicht feststehen, erhält man fol- 
gende Minimal- und Maximalwerthe für den Be- 
spirations- und Perspirationsverbrauch und für 
die dabei gebildeten Producte^) in Milligramm« 

1) Compt« rend. LXI, 866. 

2) Letztere unter der vorläufigen Annabme, dai das 
zerstörte Fett die proc. Elementu'zuBainmenBetziuig dei 
Körperfetts der höheren Thiere (76,6 G und 12,0 H), die 
zerstörte sonstige stickstofffreie org. Substanz die £le- 
mentarzusammensetznng Gg Hu Og besessen und die inaen* 
siblen Ausgaben sich auf Kohlensäure und Waaserdampf 
beschränkt haben. 



868 



Pro Stuck im Oanzen 



Nymphen- Entpuppungsperiode 
(rr^) (8 Tage) 



Feit verbraocht 
Sonst rti<dtttofffireie 

org. SaM. desgl. 
KomeBB&ne ansge- 

sebieden 

Wasserdampf desgl. 
Teillast aa Eörper- 

gowicht 



1878 
0,77 



1873 
8,02 



8,40—4,40 4,48—5,48 



7,15-8.61 
6,09-6,69 

7,46 



14,92—16,88 
21,72—22,32 

28,50 



Pro Tag und Stück 



Fett verbranoht 
Sonst, stickstofifreie 

org. Sübst. desgl. 
Köblensftiire ansge*» 

sduedeo 

Waaserdampf deagl. 
Yerlost an Körper- 

gewicht 



0,18 

0,67- 0,78 

1,19—1,44 
0,86-0,96 

1,24 



1,01 

1,48-1,81 

4,97—5,46 
7,24-7,44 

7,83 



1876 
8,78 

4,00-6,00 

16,47-17,94 
17,88-17,98 

20,88 



1,26 

1,83-1,67 

5,49—6,98 
5,78 - 5,98 

6,78 



Daraus geht zonächst herror, daß der Stoff- 
wechsel im EDtpuppangsstadium weit energi- 
scher yerläuft, als während des Nymphenlebens, 
offenbar im Zusammenhange damit und abhängig 
davon, daß das Thier dann aus dem Zustande 
der Ruhe in den einer lebhaften Thätigkeit und 
Bewegung übergeht (Durchnagen des Wachs- 
deckels, Herausarbeiten aus der Zelle etc.). Die 
unterschiede im Stoffverbrauch und was damit 
zusammenhängt, würden muthmaßlich noch grel- 
ler hervortreten, wenn man für das Entpuppungs- 
stadium statt der Stägigen Durchschnittswerthe 
die auf den 3ten, letzten Tag als den des wirk- 
lichen Zustandekommens der Entpuppung fallen- 
den Werthe zum Vergleich heranziehen könnte. 

In den vorstehenden Zahlen prägt sich, fer- 



854 

ner auf das deutlichste der unterschied ans, daA 
das Fett an dem Stoffverbrauch im Nymphen- 
zastande nur in absolut und relativ sehr ge- 
ringem, an dem Stoffverbrauch in der Eot- 
puppungsperiode dagegen in sehr erheblichem 
Grade betbeiligt ist. Während des Nymphen« 
lebens wird das Fett geschont und Yollzieht sich 
die Entwickelung des Thieres vorzugsweise auf 
Kosten von nichtfettartiger stickstofffreier Sub- 
stanz ; bei der Entpuppung hört diese Schonung 
auf und der in dem sog. Fettkorper der Nymphe 
angesammelte Fettvorrath kommt unter gleich- 
zeitig zwar, aber bei weitem nicht ebenso ge- 
steigertem Verbrauch von sonstiger stickstoff- 
freier Substanz zu ausgiebiger Verwendung. — 
In einem Anhange zu dem ausfuhrlichen Be- 
richte habe ich die mir bekannt gewordenen 
zum Vergleiche mit den unsrigen und zur Eiv 
gänzung derselben geeigneten quantitativen Un- 
tersuchungen bei anderen Insecten (bei Bombyx 
Mori, Vanessa Jo, V. Urticae etc. von Haber- 
landt, Peligot, Wicke, Blasius, Verson u. A.) zu- 
sammengestellt. 



Bei der Königl. Gesellschaft der Wis- 
senschaften eingegangene Druckschriften. 

(Fortsetzung.) 

Annuaire statistique de Belgiqne. 8e ann^e. 1877. Broz, 
Von der Ungarischen K. naturwissensch. Gbsellsch. in 

Budapest. 4. 
E« Stahl berger, die Ebbe und Fluth in der Rhede 
1 Fiume. 1874, 



865 

0* Herman, Ungarns Spinnen-Fauna. Bd. I— II. 1878. 

H. G^ia, Honographia Lygaeridarum Hungariae. 1875. 

6. Samu, Botatoria Hungariae. 1877. 

A.Erenner, die Eishöhle von Dobsohad. 1874. 

EL Tam&8, Magyaroyssäg Jellemzöbb Doh&nyalinak eto. 
1. B. 1877. 

Kerpely Antal, Magyarovszäg vaskOvei es Vaster- 
menyei etc. 1877. 

Verhandlungen der E. E. geolog. Beichsanstalt. 1874. 

. 14-15. 

Jahrbfioher des Nassau. Vereins für Naturkunde. Jahrg. 
29 u. 80. 

G. Giebel, Zeitschrift für die gesammten Naturwissen- 
schaften. 1877. Bd. I. 

Openingsplechtighed van de Tentoonstelling. Amsterd. 
1878. 

Jahresbericht der Lese- und Bedehalle der deutschen 
Studenten in Praff. Vereinsjahre 1872—1876. 

Chicago Academy of Sciences. Annual Address. 1878. 

Abhandl. der histor. Gl. der E. Akad. der Wiss. zu Mün- 
chen. Bd. EXIL 3. 

— der philosoph.-philolog. Cl. Bd. XIV. 2. 

Bestimmung der geograpn. Breite der E. Sternwarte bei 
München. 4. 

J. ▼. Döllinger, Aventin und seine Zeit. München. 
1877. 

Ifittheilungen des Vereins für Geschichte der Deutschen 
in Böhmen. I. u. IV. 

Jahresbericht dess. 2—5. 1863—66. • 

Bibliotheque uniyerselle. No. 243. 1878. 

Sitxnngsberichte d. naturf. Gesellsch zu Leipzig. No. 
2—12. 3 fiMC. 

J. Lan^e, det joniske Eapitaels Oprindelse og for- 
histone. ^öbenhavn. 1877. 4. 

VUI. Jahresbmcht (von 1877.) des naturwiss. Vereins 
zu Magdeburg. 

H. Wild, Annalen des physikal. Central-Observato- 
riums. Jahrs. 1876. St. Petersb. 4. 

0. Struve, Observations de Poulkova. Vol. VIT. St. Pe- 
tersb. 1877. 4. 

Jahresbericht 11. Mai 1877 an d. Comit^ Nioolai-Haupt- 
stemwarte. 

Bulletin de la Soc. math^m. de France. T. VI. No. 3. 

Proceedings of the London mathem. Soc. No. 124, 125, 



856 

Atti della R. Accademia dei Linoei. Glaase^ di soienie 
fiBiohe, mathem. e Daturali. Vol. I. Dispensa 1 e 
2.— Gl. morali, storiche e filolo^^cbe. VoL I. Borna. 
1877. 4. 

K. K. Akademie der Wissenichaften in 

Wien: 

Denkschriften. MathematiBch-naturwiss. Classe. Bd. 
37. 4. 

Philoeophisch-hiBtorisehe Glasse. Bd. 26. 4. 

Sitsungsberichte. Philoeoph.-bistor. Classe. Bd. LXXXIV. 
H. 1-a Bd. LXXXV. H. 1-3. Bd. LXXXVL 1-8. 

Bd. Lxxxvn. 

Sitzungsberichte. Mathem.-natarwis8. Classe. 

Abth. I. Bd. LXXIV. H. 8-5. Bd. LXXV. H. 1—5. 

Abth. II. Bd. LXXIV. H. 8-5. Bd. LXXV. H. 1-6. 
Bd. LXXVL H. 1. 

Abth. III. Bd. LXXIV. H. 1—5. Bd. LXXV. 1-5. 
Fontes renim anstriaoamm. XL. Bd. 
Archiv für Oesterreichische G^eschiehte. Bd. 55; 1—2. 

Bd. 56. 1. 
Almanach der E. Akademie der Wissensch. Jahrfir. 27. 

1877. 
Monthly Notices of the B. Astronomical Society. Vol. 

88. No. 5. 
E. preuB. geodätisches Institut. Das rheinische Drei- 
ecknetz, n. Hft. 1878. 4. 
*)Abhandlnngen u. Berichte aus den Sitsonffen der 

Akademie d. Wiss. zu Erakau. Philol. Abl£. T. 5. 

Mathem. naturwiss. T. IV. 1877. 
Bericht der physiolog. Commission d. Akad. der WfiM. 

T. XI. Erakau. 1877. 
Eatalog der Handschriften der Jnstikonischen üniir.- 

Bibliothek. H. 1. 
Geographische slawische Namen, zusammenffestellt nach 

ihrer deutschen, italienischen , rumänischen, tmgari- 

sehen, türkischen Bedeutung durch S. Zuranskicso. 

Ebd. 1878. 
Abhandl. der Commission zur Erforschung der Emuit in 

Polen. 1. 

*) Die Erakauer Schriften in polnischer Spradie, 

(Fortsetzung folgt). 



357 

Hachriehten 

Von dter KÖnigL Gesellschaft der Wissen- 
ddittfteti und der G. A. Universität zu 

Göttingen. 



19. Junfc . M 10. 1878. 



MMi^lkhi CkfieHschaft der Wisseaschafteii. 

Sitzong am 1. Juni. 
(Fortsdtzangf.) 

Zur Erklärnng der aramäischen In- 
schrift.von Garpentras. 

Von 

Fatll de Lagarde. 

In dem am 1 Januar 1878 fälligen, aber erst 
am 18 Mai 1878 in meine Hände gelangten ersten 
Hefte de» Bandes XXXII der Zeitschrift der deut- 
iebeii morgenländischen Gesellschaft veröffentlicht 
Herr C. Sehlottmahn einen auf der Philologen- 
Tersammlnteg zu Wiesbaden am 28 September 1877 
mikgetbeilten Aufsatz »Metrum und Beim auf 
einer aeg^ptiödi^^rarmäischen Inschrift«. Das in 
Wiesbaden yerlesene Manuscript ist nach 192 an 
Einer Stella für den Druck wesentlich geändert 
worden: die »Nachschrift« trägt kein Datum, 
was auch gleichgültig ist. Herr Schlottmann 
erklärt 193, daß er seinen Aufsatz »erst nach 
wiederholter Prüfung nach Verlauf mehrerer 
Jafare veröffentlichte habe : um so schwerer fallen 
dann seine Fehler ins Gewicht, da sie mit Ueber- 
eilung nicht entschuldigt werden können. 

30 



3S8 

Der Stein von Carpentras — denn dieser ist es, 
welcher die gereimte nnd metriscli gemessene ara- 
mäische Inschrift enthalten soll — heißt so, weil 
or in der Bibliothek der Bischöfe von Carpentras 
aufbewahrt wird. Er bietet eine bildliche Darstel- 
lung — eine Mumie auf der Bahre, darüber eine 
Frau als ewig Lebende vor Gottheiten und einem 
roichbesetzten Altare erscheinend — , nnd eine 
vior Zeilen lauis^'' aramäische Anrede an jeneTodte. 
Von dem ?t^:r.e besitzt man in Paris einen Gips- 
ahi^nß. '»*rV):^:t Herr D^renboarg für seine Arbeit 
iilvT d'f ^.r^'hrift leider nicht benutzt hat: es 
A-heirt «*^■ ,i4;:vud geboten, neuen "Versuchen einen 
Pj»n'e:>>VL:'-ot des Originals zu Grunde zu legen: 
n'y' fU^y ^vorhandenen alten Abzeichnungen wird 
n..., ^>>feerlioh zu Rande kommen, auch wenn 
inw ^'i^. Tutersuchung des semitischen Altertums 
K.v«iv AU^erüstet ist als Herr Schlottmann. 

^X , : über den B.eim eines semitischen Ge- 

\>tNNx SN'hroiben wollte, hatte vor allem die 

j'*»\'^i s« erkunden, was im semitischen Mor- 

^s. u 00 Keim heißt. Ein Blick in einige für 

:'. 1 ,' ^\slvuokte arabische Poeten hätte das einen 

'. ^ s>*.'hen Professor lehren können : Arnolds 

V V. w.At und .\. Müllers Imrualqais wären wohl 

... ,v\i,to» jTowesen. Sonst boten sich, um von 

*.«> .>i>chou und englischen Behandlungen des 

,\v<%'>^xUVvu>Qt abzusehen, zum Studium dar: G. 

\\ ^^v^tA^ li^'^O erschienene Darstellung der 

. .,> *> t^-,\ Ver^uwst 296—333, P. Zingerles 

\ v*(i. OMv^ X Ih^— 116, Th. Nöldekes Be- 

.. \ixvv "i^^l^^ ^>^^'II ^31- >'acli altsemiti- 

,^>, • ti.X--*^"^ wx^loho wir bei einem Dichter 

,:. \ 'No s^'.^.^Jki^ s-^r^i Yorausrusetien alles Recht 

^bv«. iviu*,i >fc^;^r ätV« aut nrr, noch "»Brin 

^v^ >\lsn ^^7 ^.^i<r *ryr:: bei Ausgängen 

l(\>yV ouis6^it) der Keim erst durch die 



359 

Identität des jenen «v(rt) rorhergehenden Con- 
lonanten. Man brancht der Stellang, welche 
ier Yocal in der semitischen Grammatik ein- 
limmt, noch keine besonders gründliche Be- 
nrachtong gewidmet zu haben^ um zu wissen, daß 
1er Vocal allein, der im Semitischen überhaupt 
lirgends und nie existiert, einen Beim zu bilden 
infahig ist. Herr Joseph Derenbourg, welcher 
luerst in der Inschrift von Garpentras Reime 
^esncht, hat sich als tüchtiger Kenner arabischer 
?oesie wohlweislich gehütet, sie anderswo als in 
Tön — nTabttJ zu finden: der Tadel, welcher ihm 
lir sein nicht-Erkennen des übrigen Materials 
»^on Herrn Schlottmann auf Seite 191 gespendet 
vird, dient lediglich zur Gharacterisierung des 
Tadelnden. 

Zu dieser verwende ich auch die für die Schlüsse 
les die Inschrift von Garpentras als gereimt 
kusehenden Herrn ziemlich nothwendige Ans- 
prache "«iii: das ist ein Hebraismus, welchen in 
liner aramäischen Bede ohne zwingende Gründe 
o leicht niemand annehmen wird, und welchen 
lerr Schlottmann nicht einmal als Hebraismus 
:ennzeichnet, was doch Gesenius noch für nöthig 
rächtet hatte. 1837 durfte hingehn was 1878 
Lach dem großen Aufschwünge der semitischen 
'hilologie durchaus unerträglich ist, am uner- 
räglichsten im Munde eines Vorstehers einer 
•rientalischen Gesellschaft. Aus einem in einer 
ramäischen Inschrift stehenden Femininum '^in, 
las selbstverständlich hway lautet, auf einen 
leim auf t zu schließen , weil man im Hebräi- 
chen hwt sagte, — denn so etwa wird im bes- 
Bn Falle der Herr Interpret geschlossen ba- 
ten — , das wäre etwa so geistvoll, wie die Behaup- 
ang geistvoll sein würde, im Deutschen reime 
Vasser auf Kater; weil im Englischen für Wasser 

30* 



T-i.\<r x'^Äti*' '▼^nr'fc. l3 fen cJiaJifizsclien StS- 
;.'i-j'.i iiM \S*a rtiCriLif3:s indet sich nschLtik- 
vjk^'X' i "^^ '^^ i'iiii Teisnie^ L*« laperativs Fe- 
ü :i.!:: fiiiiTUürs *'.:i«s ' *r^c3is "?: im Man- 
(wkSw.u-.i t'inmr üi-sie: Injisisfr Ttsn «*rt nach 
>r'.*it-;i- i . '« uuör -.'j: liiar aacli deinBel1>ea 

j ": -;?. '^ -r*"*^ -^-r*. "^TT*. "TTT» (fic Swte 

1:*.' Unir.. -T-T:iii:i'iHi 3itisiniKiß *iz€r Verwen- 

*.•;-•.-.-.; rir iii: ^-^ --->>*■ Wt'm-r iz. herahen): 
- < --SL_:-ii ^ itet die ei:^ir«äisni2 nnd sem 
:i;..7^>^ J.m •';rr. rrnlenüLi' 7! rrTJfmann ä22 
» . . - :T: md -Ki wird auch "^jü üi T^m^D und 
' .i-^-.m iberall gesagt weriez. nüasriL Auf ge- 
.:•.-. -irfs ihaldäische GrammatitsL 3*5 bekannthch 
.-. ATsnahme der seit 1673 ir irn ischer Ueber- 
<taiin;{ vorliegenden Lazzattc« ftr irin Verlaß: 
Li ier Sprache des Babylonischen TalmuD kennt 
„azzatto § 87 für die Verba rtr keinen anderen 
liiijjeratiTu.s Feminini Singnlaris ab den auf 
^^ . mit ausdrücklich geschriebener Lesemntter: 
^r' nennt als Beispiele "«25, "»"rr:. weiter ^anü, 
"jccr'fit. Ueber die Sprache der Targnme wird, 
wer Wahrheit sucht, sich jetzt aus meinem 1872 
erschienenen Abdrucke des Codex Reuchlins orien- 
tieren: wer die chaldäische üebersetzung in die- 
sem alten Zeugen auch nur für ein Paar der 
bekanntesten Zeitwörter nachschlägt, wird wis- 
sen, was er über die Angabe älterer und auf 
den Schultern der älteren stehender neuerer 
chaldäischer Grammatiker von einem Imperati- 
vus Singuluris Feminini "itri zu denken hai 
Etwa Hebräischem "^«^ entspricht ^fictn Sam. a 
25,17 35 lud. 16,5 und «m Isa. 49,18 60,4 
lerem. 2, 19 3, 2: darum ist ''tn Reg. a 17, 23 
»natürlich x*zÄy 7.U lesen. Vergleiche «ban*»« fSr 
' Isaias 52, 1 und ähnliches. Wenn Herr 



361 

ScblotttQann A. Berliners Massorali zum Targum 
Oxi^elofi 76 114 anzusehen belieben wollte, würde 
er len;i9n, daß auch im jüngsten Pentateuehtar- 
gum die Harudschriften '>^y^^ oder '•«jrt oder 
'^^^ oder •'iinrt bieten, wo die Lesemutter k 
EfeiTii Schlottmänns Aussprache ^iti, so nöthig 
diese für seine allerdings auf Frivatansichten 
über den semitischen Reim ruhende Beweisfüh- 
rung isty schlechterdings unmöglich macht. Nach 
diesen Auseinandersetzungen wird klar sein, 
daft in einer aran^aischen Inschrift "^lii als An- 
rede aj\ ein Weib zu suchen so gelehrt ara- 
mäisch ist, wie Schlottmannus docta oder mulier 
formosifißimus gelehrt lateinisch wäre. Weder 
Tor noch itk noch nach Wiesbaden hat man dies 
'^ntn dei^ Halleschen Sachverständigen^ obgleich 
ani ihm die vorgelegte Argumentation mit ruhte, 
beanstandet: nehmen wir an, daß man nicht 
aus Mangel an Kenntnis geschwiegen, sondern 
nur »unpöthige Schroffheit« habe vermeiden 
wollen. Das Zeitwort «irt, von welchem jenes 
angebliche '^'jn herstammt, ist im Aramäischen 
soviel wie sum, fui, esse im Lateinischen. 

Was nun das Metrum anlangt, so hat auch in 
diesem Punkte Herr Schlottmann den französi- 
schen Orientalisten Herrn Derenbourg zum Yor- 
f;änffer, doch nur insoweit, als auch dieser die 
nschrift von Carpentras für metrisch hält: im 
Einzelnen gehn die beiden Gelehrten auseinander. 
Herr Schlottmann sagt 195 richtig aus, daß die 
syrischen Verse kein andres metrisches Princip 
kennen, als Sylbenzählung. Wenn er aber hin- 
zufügt, dies Princip sei dort [so] sicher nicht 
zufallig: »es ist aus den Lautverhältnissen des 
Aramäischen , welches unter allen semitischen 
Dialecten am meisten die ursprünglichen Vokale 
beseitigt, und in Folge dessen die Hauptmassen 



362 

schwerer Sylben unvermittelt nebeneinander ge- 
stellt hat, mit innerer Nothwendigkeit hervor- 
gegangen«, 80 scheint er über den Sachverhalt 
doch nicht genügend • orientiert. Nur wer auf 
dem Boden etwa der Uhlemannschen Gramma- 
tik steht, kann die allerdings nicht geschriebe- 
nen, aber sehr deutlich (vergleiche die Aspira« 
tionsregeln) vorhandenen Halbvocale des Ara- 
mäischen übersehen: syrisches *] "^5 nj hat nnr den 
Schlußvocal weniger als das entsprechende ara- 
bische wätibina, syrisches 'j'^ttjr^äö gilt freilich 
im Verse schon zu Ephraims Tagen für zwei- 
sylbig , entspricht aber nichtsdestoweniger bis auf 
den Auslaut einem arabischen muba^X^t^n^i ist 
also viersylbig: von unvermittelter Nebeneinan- 
derstellung der Hauptmassen (was ist das?) schwe- 
rer Sylben bedaure ich durchaus nichts zu se- 
hen. Sodann zeigen auch die zum Theil recht 
alten Dialecte des Arabischen stark eingeschmol- 
zenen Vocalismus, ohne daß sie in Versen die 
Sylben zählten. Vielleicht erinnert man sich auch 
mit Nutzen an die Thatsache, daß, wie R. West- 
phal, Aurel Mayr und R. v. Roth (über Ta9na 31 : 
Festschrift für die Tübinger Philologenversamm- 
luug) gelehrt, auch das Bactrische ßr die Poesie 
die Sylben zählt, trotzdem in ihm nicht »ur- 
sprüngliche Vocale beseitigt, und in Folge dessen 
die Hauptmassen [was ist das?] schwerer Sylben 
unvermittelt nebeneinander gestellt« sind. 

Will man in der Inschrift von Garpentras »sy- 
rische« Metrik nachweisen, so wird man vor allem 
die Lesung der einzelnen Worte festzustellen, 
danach zu fragen haben, ob die jetzigen Halb- 
vocale von den Aramäern des Ptolemäerreiches 
noch voll gesprochen worden sind , und erst nach 
Erledigung dieser beiden Vorfragen wird man die 



363 

Sylben der Inschrift zählen, und das Ergebnis 
der Zählung buchen und verwenden dürfen. 

Nun steht in jeder Zeile ^^r Inschrift 
mindestens Ein Wort, dessen Aussprache oder 
Lesung ganz unsicher ist : allzu vorsichtig ist es 
mithin nicht, Schlüsse auf ein Metrum zu ma- 
chen, welches nur in der Zahl der Sylben besteht. 

«an und ^Dtrn findet Herr Schlottmann 188 
«7on Herrn Fr. Lenormant befriedigend nach [so] 
dem Aegyptischen erklärt. Wenn er Recht hat, 
80 wird gewiß nicht von Taxpi geredet werden 
dürfen, denn Herr Lenormant liest »sans aucun 
doute possiblec TaHapi (JAP VI x 513) = celle 
qui appartient ä Apis, wozu Lagarde Symmicta 
105, 35 nachgesehen werden mag. TaHapi (zu 
vergleichen mit der von Usener Anecdoton Hol- 
den 44 verkannten Tiiice = der Isis gehörig) 
ist dreisylbig, wodurch des Herrn Schlottmann 
»Metrum« vernichtet wird. Man wird zu mer- 
ken haben: Herr Lenormant erklärte "icnn be- 
friedigend TaHapi, folglich ist — zweisylbig — 
Taxpi zu sagen. Die Aussprache des Gottesna- 
mens '^'iDi(< ist durch "Oae^qi^q Lagarde Glemen- 
tina 76, 21 nicht gesichert. Den Hieroglyphi- 
kern traue ich bitterwenig: Diodor deutet a 11 
*Otfhqk^ TwXvoip&aXikoq y was durch ocg kcgö.i und 
das altcy im Koptischen durch f^^'K ersetzte ipi 
erläutert werden ^ aber nicht richtig sein kann, 
da von "^"lOi« unsres Steins und von ^"^ON Isa. 
10,4 Lagarde Symmicta 105 Semitica I 19 bis 
auf weiteres zum cg von ocg «^cgewi nicht paßt. 
Wie ^*nDi» gesprochen worden, ist noch durch- 
aus ungewiß. 

In der zweiten Zeile ist die Lesung der zwei- 
ten Hälfte unsicher, in der dritten Zeile schwan- 
ken die Ausleger zwischen "»np, ')':» und ti^p,52'3 
oder gar n':jR5'^», in der vierten verstehn wir 



364 

'^n2»933 nicht, and ist der ScUuA niiTDHattndig'eg* 
halten: beiläufig sei bemerkt, daß im Aramäi- 
schen, wenigstens im Syrischen, niehts davon 
bekannt ist, daß i vor ^721/^ za n wird, alm 'W 
ein Hebraismns wäre: i"^^.!, was dem syriflraen 
Brauche entspräche, enthielte, nach den Ghroni- 
sätzen des Herrn Schlottmann gemesBen, «ine 
Sylbe weniger als y2\ eine Sylbe, weldhs der 
Herr für sein System nicht zn entbehren vermag.^ 

Die zweite Vorfrage betraf die Ebübrcoale. 
Es lohnt mir in diesem Zusammenhanf^ die Mähe 
nicht, meine Sammlungen anszoschütten : ich 
erinnere nur an die aus dem neuen Tettanyente 
hinlänglich bekannten TaXi&a, Taß^&Oj Mafi^ 
ä&ä Marc. 5, 41 Act. 9, 36 40 Cor. a 16,22.: 
nach Herrn Schlottmanns Ansieht würde Tli&m^ 
Tß^d'Uy Magay -^a zu sagen gewesen seis: wm 
im ersten Jahrhundert nach Christus noeh gev 
gölten hat, ist schwerlich unter einem der älteren 
Ptolemäer schon veraltet gewesen. Auch die 
Aussprache t<n^^> '^^ ^^^^ Schlottmann I&hi 
mißt, könnte man bemängeln, da die Syrer M^rbli 
sagen, beiläufig eine für die Ableitung von ta'^nbK 
recht wichtige Form, da sie eine Steigerungsfann 
sein könnte. Ich will. Weiteres vorbehaltend^ 
anmerken, daß aus dem Eigennamen M^^^t} 
Payne Smith 590 und ähnlichem allerdings ein 
ri^frt folgt, und daß die sXa griechischer Zeugen 
erst näher untersucht werden müssen, ehe man 
sie ins Gefecht führen darf. 

Ich knüpfe an diese Auseinandersetzungen 
einige Bemerkungen zu den einzelnen Zeüen der 
Inschrift und der Lesung des Halleschen Ge- 
lehrten. 

1. Was sagt *^t gegen das sonst übliche ^"n 
über die Heimat des hier vorliegenden Dialeets 
aus? Das von Nöldeke in der mandüschen 



S65 

Ghranunatik § 46 Gegebene verdient eben so sehf 
Erwägung wie alles was 0. Blau nnd Andere 
seit ZDMQ IX 81 über das "«t der Münzen and 
Gewichte geäußert: freilich ist'^t gewiß nicht die 
»ältere Form« yon'^'i. Herrn Schlottmann stand 
aufter der ZDMG auch Geigers zweite Zeitschrift 
I 204 zur Verfügung. 

2« Die Deutung des ^"«ten taa^nsTs durch 
»etwas Schlechtes« behauptet Herr Schlottmann 
Yon Herrn Halevy entlehnt zu haben. Sie lag 
völlig auf der Hand: A. Geiger hat sie sehon 
1868 im sechsten Bande seiner zweiten Zeitschrift 
158 g^eben: dieser Band ist in der Bibliothek 
der Gesellschaft vorhanden, zu deren Vorstände 
Herr Schlottmann gehört: ZDMG XXII xxxvii 
Nummer 3064 XXIII xviii Nummer 11: ick sAellf 
fest, daß Herr Halevy in den von Herrn Sebloit«- 
mann 189 citierten melanges 152 )D'^»:x ts^Pl^'n 
gar nicht im Originale anführt , Herr Seblottf- 
mann also sein sicher nicht bei ihm selbst ge«* 
wachsenes w^»^ taa^^Stt gar nicht aus Halevy 
hat: wegen tas^na^ sieht man seit 1875 Tb. Nöl«- 
dekes mandäische Grammatik § 150 ein. Uebrir 
gens ist es sehr naiv; wenn Herr Schlottmann 
sich über zwei ihm von einem Freunde angelie^ 
ferten Beispiele für u)^(tl tas^nasa so herzUck 
freut: die Redensart ist im Aramäischen so alt- 
täglich wie »etwas Schlechtes € im Deutschen, 
nanip w im Griechischen. An das specifisch 
hebräische \d^m hätte man in einem rein ara- 
maisch geschriebenen Stücke nie denken sollen: 
vergleiche meine Symmicta 40 ff. Stelle man 
sich vor, auf dem Kreuze eines deutschen Gra- 
bes stehe die Bemerkung, eine Mutter sei drei 
Tage äfter ihrem Kinde gestorben, oder in ei- 
nem Schreiben an eine deutsche Behörde werde 
von belämmemden Umständen geredet, weil der 



366 

Engländer after the death sagen, der Nieder- 
länder über omslagtige, belemmerende an niet 
zelden met het taaleigen strijdende Titnlatoren 
sich beschweren darf: erwäge man dabei 9 daA 
eine Verehrerin des Osiris kaum Yeranlassang 
hatte, ihr gutes niederSemitisch gerade mit he- 
bräischen, wohl allemal etwas nach Adonai rie- 
chenden Yocabeln zu durchsetzen: erwäge man 
weiter, daß unter den Ptolemäern das Hebräische 
wahrscheinlich überhaupt nicht mehr, sicher 
aber nicht mehr in Aegypten geredet wiude, 
und daß ein v3'>M = Mann zu entlehnen, kaum 
irgend welche Veranlassung vorlag, da »Manne 
kein technischer Begriff ist. Die Annahme der- 
artiger Sprachmengerei möchte die Urtheilsfi- 
higkeit derer kaum sonderlich empfehlen, welche 
nns an sie zu glauben zumuthen. 

Selbstverständlich ist auch in der zweiten 
Hälfte der zweiten Zeile v3'>fi; nicht zu suchen: 
ich werde nachher auf diesen Punkt znrttckkom- 
men. Zu Anfang dieser zweiten Hälfte fanden 
die älteren Ausleger '«ä'^^n, Herr Schlottmann 
findet '>^*ip. Ich bin nicht Epigraphiker, und 
darf daher weniger als viele Andere wagen, in 
dieser Sache dem Gelehrten entgegen zn tre- 
ten, welcher bei Gelegenheit des Ankaufs der Moa- 
bitischen Schätze amtlich für den besten Kenner 
semitischer Epigraphik in Deutschland erklärt 
worden ist : ich darf über ^S^Si und ^5tip nicht 
entscheiden. Nur gegen die Uebersetzung des 
«iz*ip oder '^S'i^ durch calumnias (Gesenins), Ver- 
leumdungen (Schlottmann) möchte ich Beden- 
ken äußern. Das syrische Kä'ip 'b'D» (niemals sagt 
man M^^ip *193&(, und man kann es der Natnr der 
Sache nach nicht sagen) wird von Payne Smith 
178 179 besprochen, womit man Nöldekes Sätze 
in der neusyrischen Grammatik 406 vergleichen 



367 

volle: von einem y^p = Verleumdung ist mir 
chlechterdings nicnts bekannt, so daß mir [Herrn 
ichlottmanns Uebersetzung wiederum nur zu 
teiner eigenen Characterisierung beizutragen 
icheint. Wenn Herr Derenbourg und der ver- 
torbene A. Geiger in "»iSIlDi die hebräische Wnr- 
!el MS:*^ suchten, so ist das um nichts glückli- 
jher als was Gesenius und Herr Schlottmann 
vorgebracht: das hebräische tiisn lautet im Ara- 
aäischen ä3>i, wie aus meinen Semitica I 26 
dar hervorgeht: Herr Derenbourg gibt wenig- 
itens zu erkennen, daß er von dem Gesetze selbst 
vei&. Daß ^rnn am Ende eines Satzes so stehn 
conne, wie Herr Schlottmann nach seinen Vor- 
gängern glaubt, halte ich für unmöglich. Wer 
oviel Aramäisch gelernt hat, um tt)"»NS ta3>n5J3 
uit xaxöp n zu geben, möchte in nön einen Ver- 
reter des Byrischen tannja vermuthen : tann» — tsib 
>der tainöö — «b = niemals. Vergleiche man 
)ei Titus von Bostra 14, 31 (gr. 11, 6) 44, 3 
34,33)60,13 (48,12) 79,23(64,23): besonders 
khnlich ist 60, 9 = gr. 48, 9 tanntt b:i^3T «ais «b : 
iehe auch HofiPmann hermen. Arist. 190. man 
lürfte abzuwarten haben, was ein Papierabdruck 
les Originals an dieser Stelle zeigen wird. 

3. Gegen Herrn Schlottmanns "^rjß "j";» ist 
)ereits in Wiesbaden bemerkt worden, daß npb 
in hebräisches, kein aramäisches Wort ist. Herr 
ichlottmann beruft sich zur Vertheidignng die- 
BS Hebraismus auf u3'«i( der Zeile 2. Da er von 
em ihm nicht nennbar erschienenen A. Geiger 
or 2^ post festum hat lernen müssen, daß dort 
in einer aramäischen Inschrift) u3'>&(3 nicht das 
ebräische Hauptwort tt5"»N mit der Präposition 3, 
andern das aramäische Adjectiv' tt?*^»^ ist^ über 
reiches er auch mich zu Proverbien 6, 11 nach- 
osehen beliebe, sa wäre ein Zweifel an der 



368 

Richtigkeit der Auslegung von 2' vielleicht nicht 
unangebracht gewesen: wer in einer Grabschrift 
unmittelbar nach einer Anrede an die Verstor- 
bene (man denkt zunächst, es werde in der 
zweiten Person fortgefahren werden), wer da die 
Zeile findet: »Fetzen eines homme hat nicht 
gesagt eine accomplie«, hat alle Yeranlassong 
gegen die Genauigkeit der Deutung bedenklich zu 
sein: wenigstens sollte, falls die Deutung richtig 
wäre, der Stein gleich vom ersten Steinmetzen eine 
Randglosse mitbekommen haben, welche uns be- 
lehrte, daß diese Worte besagen wollen : die hier Be- 
grabene hat nie verleumdet. Einer Seligen zurufen 
»Nimm Wasser« ist überhaupt trotz der von Beer 
beigebrachten Parallele vom ywxqöv idfoq des 
Osiris eigenthümlich: auf dem Steine steht aber 
noch dazu nichts weniger als Wasser vor der 
Seele: Gesenius erkannte fünf Kyphibüchsen, 
einige Brote, zwei Näpfe, eine graue öans, ein 
geköpftes Kalb, ein lebendiges Huhn, drei Spen- 
degefäße. Vor diesem Aufbaue die Entschlafene 
ermahnen »Nimm Wasser«, oder um die Sprach- 
mischung und die Wortstellung wiederzugeben 
»Wasser prenez«, das scheint mir die Antwort zn 
verdienen : Ich sehe keines^ wo soll ichs herneh- 
men? Doch das wäre vielleicht s^schroff« ge- 
wesen. 

4. Herr Schlottmann spricht nn^fi ans« Er 
sagt 190 »statt des gewöhnlichen ^t^t{ nehme 
ich aus metrischem Grunde [er meint: um meine 
Behauptung, die Inschrift sei s/jbfuzQog, zu stü- 
tzen] eine Form mit erhaltenem i der mitüeren 
Sylbe an, wie solche in dem Targum der Bomben 
ger [so] Ausgabe vorkommt [,] zum Beispiel tt'r^:^'^ 
sammelnd Ruth 2,16 (wofür BuxtorfM'nrii&S^At): 
sonst müßte man, um drei Sylben zu erHalten, 
eine Intensivform ^nH annehmen, wie sie allen 



369 

Sati]p4diftlecten gemeinsam ist , wie sie aber das 
^xattiäische gerade bei dieser Wurzel nicht auf- 
ü^ist (rergleicbe das arabische falläx mit ande- 
ter BedeQtnng)«. Es zeugt von großer Grüint« 
tichkeit und vielem Geschmacke an nutzl^&s^ 
Arbeit in Bombergs schwer zugänglicher, ohne 
Zählung der Yerse gedruckter Folioausgabe zu 
tesen, was man in meinem (vocallosen) ONßtavab- 
Irucke der Bombergiana so bequem finden konnte. 
Noch eigenthümlicher ist es, die gemeine Lese- 
mutter "^ (denn eine solche ist nach Herrn Schiott» 
DQiann das "^ von fit'n'^^^) zur Aufgrabung einer 
archaischen Form in Mitten einer aller Archais- 
DDien schlechthin haaren Umgebung zu benutzen. 
Sind die ursemitischen Yocale in der Sprachig 
iieser Inschrift in syrischer Art behandelt (nach 
Herrn Schlottmann stehn ja »die Hauptmassen 
schwerer Sylben unvermittelt nebeneinander« !), 
80 sieht ein tinbt = JinTjö hier genau so a«s, 
wie ein tgans^cccüP oder ein %otg tdv tpätpov fpS" 
fÖPtcCifi bei einem Geheimsekretäre der Com- 
oenenzeit aussehen würde. Bomberg hat übri* 
gens mit fi^*^*^^^ gewiß nicht das Femininum des 
Particips gemeint. Characteristisch ist die Be^ 
hauptung, daß die Intensivform iinV& im Ära-* 
maischen nicht aujfzu weisen sei: sie ist völlig 
Ejltäglich, und da Herr Schlottmann sich klar 
darüber sein mußte, wie Noth es ihm thut^ ara-* 
maische Wörterbücher einzusehen, bevor er sich 
über Aramäisches äußert, so hätte er die Mühe 
nicht scheuen sollen, auch in diesem speciellen 
Falle den syrischen Castellus in der Ausgabe von 
J. D. Michaelis 707, G. H. Bernsteins Wörter- 
buch zur Chrestomathie 399, F. ühlemanns Wör- 
terverzeichnis in der Grammatik ^ xlvi, E. Bö- 
digers Lexicon zur Chrestomathie ^ 82 nachzu- 
schlagen : auch G. HofFmanns im Namen der 



370 

Universität Kiel zu Herra Olshausens Jubilaenm 
herausgegebene Festschrift hätte 88^ 45—89^ 4 
gnte Dienste geleistet: wenn das dort stehende 
nicht genügt, so stelle ich die Beispiele schock* 
weise zur Verfügung. Sonst siehe Nöldekes man- 
däische Grammatik § lOB, aus welcher sich die 
Lehre des Herrn Schlottmanu, daß die Form 
qattal allen Hauptdialecten des Semitischen ge- 
meinsam ist, ermäßigen wird. Allerdings hätte 
ein Andrer als Herr Schlottmann sich vielleicht 
gefragt, ob iihVt dem Sinne nach möglich sei: 
einer Seligen zuzurufen »sei eine Bäuerin«, 
möchte kaum irgendwo üblich gewesen sein: 
für nicht-Orientalisten bemerke ich, daß das auch 
in Deutschland sattsam bekannte Felläh = Bauer, 
das Herr Schlottmann zum Ueberflusse ja selbst 
anführt, das Masculinum zu diesem rmVö ist 

V V ^ 

Des Herrn Schlottmann nn^s könnte nur die 
außerordentlich seltene Bildung sein, welche zum 
Beispiel in fit&'^tpuj lohannes 12,8 vorliegt: daA 
diese so wenig wie iinVe paßt^ brauche ich Ken- 
nern nicht erst auseinanderzusetzen. 

Herr Schlottmann sagt 193 »statt des am 
Ende von Zeile 4 nach Derenbourg hergestell- 
ten SiJabtt) forderte man [in Wiesbaden] 
fi(n»bi23. Auch hier gilt dasselbe wie [so] in dem 
vorhergehenden Falle. Man übersah die Ana- 
logie von niD'^ia Zeile 1 und 3, n»n Zeile 2, 
JinbD Zeile 3, (nicht ÄnD'>'na u. s. *w.). üebri- 
gens wäre auch für die Lesung Mn^b«) oder 
nn»btt3 hinlänglicher Baum in der Lücke vor^ 
banden«. 196 kommt er auf dies SinTsbtt) mit 
unverkennbarer Neigung zurück : daß iin^abid un- 
möglich macht von einem Beime zu reden, 
übersieht er: nnabu) und n»n würden nur in 
Halle, nicht im semitischen Morgenlande reimen. 

Wiesbaden ist vielleicht eines der beliebten 



371 

lisyerständuisse« yorgekommen: Herr Schiott- 
änn aber hat jedenfalls die seiner Angabe nach 

Wiesbaden gemachte Bemerkung für werth- 
ill angesehen, wovon ich Akt nehme. fitnTabtt? 
} ein MttbiD mit dem Artikel: Eosegarten faßte 
i34 in der Vorrede zu K. M. Agrells supple- 
3nta syntaxeos syriacae viii ix die Regeln 
^e\]ß aber das Praedicat im syrischen sItze 
sammen. Wenn es Herrn Schlottmann nicht 
rauf ankommt für nöbio »n»b^ oder nnöbtt) 
. lesen, so zeigt er nichts geringeres, als daß 

bei lacobus 1, 19 für €(ttco taxvg auch s&tm d 
Xvg dulden würde, oder im Französischen für 
yez sage ein soyez le sage, fitnubu) wäre als 
raedicat in altem Aramäisch schlechthin un- 
nkbar. 

Da die letzte Arbeit des Herrn Schlottmann 
;h von seinen früheren in nichts unterscheidet, 
.tte ich über sie so gut schweigen dürfen, 
:e ich über die früheren schweigen durfte, 
siß ich diesmal rede, hat in dem Herannahen 
ler neuen moabitischen Invasion seinen Grund, 
is Athenaeum hat die nöthigen Mittheiluugen 
id Warnungen gebracht: der deutsche Consul 
Jerusalem, Herr von Münchhausen, bezeugt, daß 
esmal die Sachen — es handelt sich aber noch 
cht um den gleich zu nennenden Hauptschatz 

»unmöglich« gefälscht sein können. Für Viele 
ird der Umstand zur Aufklärung genügen, daß 
3 Sammlung auch Bruchstücke von dem bleier- 
rn Sarcophage des israelitischen Richters Sam- 
n enthält , . auf welchen Samsons und seines 
aters Manoe Namen durch ein vorzugsweise 
itiges Geschick besonders geschützt worden 
id: der Verstorbene schreibt sich mit Waw 
IZ)»1D, was wohl den Freunden derartiger 
aare kaum zum Is^d fit'b» verhelfen wird. 



372 

Das Dasein einer Vorsehung kann nun in der 
That nicht weiter gelengnet werden, nachdem 
einem znm Christen thnme bekehrten Jnden 1877 
genau die Reste jenes Heroensai^es in die Hände 
geepielt worden, welche die Herrlichkeiten — 
nicht mir noch meinen Freunden, aber Andern — 
kaufwürdig erscheinen lassen. Man schlage den 
xweiten Band des Athenaeums für 1877 auf den 
Seiten 699 733 773 815 nach, welche alle in 
den December des bezeichneten Jahres fallen. 
Das jüdische Litteraturblatt von M. Rahmer fragt 
in Nummer 1 des laufenden Jahrganges bereits 
an, ob nicht vielleicht nächstens auch die Grab- 
üchrift von Adam und Era zum Vorschein kom- 
tu^u werde. Herr Schlottmann ist von der preu- 
ßisohon Regierung für das erste Unheil als Sach- 
verständiger benutzt worden. Da wiederholte 
^>riYate Warnungen in Halle und Leipzig nichts 
gefruchtet haben, schien es Pflicht, bei erster 
Vielegeuheit öflentlich festzustellen, wie es mit 
dtHjt Herrn Schlottmann Sachverständigkeit be- 
schaffen ist: wir wollen durchaus keine zweite 
Autlage Moabitica erleben , und verzichten auch 
mit dem nllerauf richtigsten Yergnttgen auf alle 
die Znthateu, welche an der ersten Auflage gehan- 
gon haben und noch hangen. Meine Auseinan- 
dersotzuQg wird hofl^entlich so ausgefallen sein, 
dnd etwas weiteres nicht nöthig ist, und sie wird 
den am deutschen Horizonte erscheinenden Sar- 
cophng des Samsou und des Moabitischen Plun- 
der« niuthmaßlich einzigen, aber hochgestellten 
und eiuthißreioheu Freund ebenso grell beleuch- 
ten wie uiHuehes andere, das hier nicht ausdrück- 
lich aufgez&hlt werden soll. 



373 

Beobachtungen zur Pharmacologie 

des Salicin 

Von ■ 

W. Marmi. 

(Fortsetzong von Seite 246). 

Die Oxydation zu Salicylsäurie, die weder 
durch fortgesetzte Einwirkung von Ozon noch 
durch längere Einwirkung von Wasserstoffhype- 
roxyd *) außerhalb der Körper erreicht wird, ge- 
lingt dem thierischen Organismus innerhalb kur- 
zer Zeit. Erhalten Fleischfresser (Hunde 
und Katzen) innerlich fortgesetzt Sali- 
cin, so scheiden sie ebenso wie Pflan- 
zenfresser und Omnivoren neben Sa- 
licin, Saligenin and salicyliger Säure 
im Harn auch Salicylsäure aus* Sie se- 
tzen demnach das Salicin bei interner Applica- 
tion ganz wie der Mensch um. Der Nachweis 
der Salicylsäure gelingt leicht, wenn man den 
ti^lich gesammelten Harn möglichst rasch ver- 
dampfty mit Weingeist auszieht und den Verdun- 
stungsrfickstand dieses Extracts mit angesäuertem 
Aether ausschüttelt. Die im Laufe von 8 — 14 
Tagen gesammelten Aetherauszüge hinterlassen 
naä dem Verdunsten die Salicylsäure in ausge- 
bildeten Ejrystallen neben der öligen salicyligen 
Säura 

Der nahe liegenden Annahme, die Salicyl- 
säure bilde sich im thierischen Organismus aus 
der salicyligen Säure einfach durch Aufnahme 

1) Die Ozydationsversuche mit einer 10% Lösung von 
WassentofiPhyperoxyd (einem englisohen im Handel be* 
findliohen, von Dr.* H. Friedländer zu Berlin bezogenen 
Pr&parat fielen bis jetzt nicht befriedigend aus. Es säeint 
Saluretin statt Saligenin gebildet zu werden. 



374 

v:j I Mol. Süaerstoff, stehen die Resultate der 

.i'.":t?k:i::nteii Cntersachnngen, die Wöhler und 

y r i r . : i 3 "i mit salicyliger Säure und anderen 

rci:i :k.'!ien Substanzen angestellt haben^ anschei- 

KMui ffiT^^iren. Aaf wiederholte Gaben von V« 

4 .-rtu. siliovlige Saure enthielt der Harn 

:: ij'-r Tr^rrkiderte spirige Säure. Salicylsanre 

vi.-iif T-*rrf*>rZ5 gesucht. Die salicylige Säure 

V -'in. -w-e i:e>c Versuche lehrten und wie später 

':\l-:l:i. niid Fa!k bestätigt haben, stark rei- 

5;7.£ £uf die Sch'einiblute der ersten Wege, aber 

..: den angewandten Do$4rn nicht giftig. Nach 

unseren Versuchen wirkt die freie salicylige 

Säure nicht allein irritirend auf die Äpplications- 

organe, sondern auch stark erregend auf die 

Herzactiou. Wird sie in nicht zu großen Dosen 

innerlich gegeben oder direct ins Blut« injicirt, 

so wird der Puls sehr beschleunigt (von 8 auf 

'2o in ö See. bei Hunden) und die Herzaction 

<ehr verstärkt. Vielleicht gibt diese erregende 

K'v.wirkusg auf das Herz zum Theil die Erklä- 

rv.:**: flir .iie von Wöhler undFrerichs con- 

<^;::r;e Ausscheidung der eingeführten salicyligen 

Ssiure ;:: unverändertem Zustande. — Mit der 

Viro.>^ iier Dosis, in welcher die salicylige Säure 

;r. der. Kör^vr des Hundes eingebracht wird, und 

:v*.i vier größeren Beschleunigung der Herzaction 

^x:ühs: die Tu Wahrscheinlichkeit für die Oxyda- 

::or. der saliovlicen Säure in ihrer Gesammtheit 

v\:or in nachweisbarer Quantität. Wenn aber 

v\r.igonir. vom Darm aus oder Salicin direct ins 

U Wöhler uci Frerichs. Ueber die VeräDde- 
n;;\}^t»:\. woloho c&meiitlich organische Stoffe bei ihrem 
l>l>^rpir.; in den Harn erleiden. (1848) Annalen der 
Oh^wio u. Tb. Bd. 65 S. SS6. 

**«n\on und Falk in Canstatts Jahresbericht vom J. 



Blut gelangt, so kann die allmählich sich bil- 
dende salicylige Säure in statu nosceati viel eher 
eine Oxydation erfahren. Obgleich die Möglich- 
keit, daß das ins Blut gelangte Salicin auch di- 
rect zu Salicylsäure sich oxjdirt, nicht abgewiesen 
werden kann. Immerhin war es denkbar, daß 
kleine aber fortgesetzt in den Magen eingeführte 
Dosen -von salicyliger Säure im Organismus zum 
Theil wenigstens zu Salicylsäure oxydirt würden. 
Indem wir dieser Frage nachgingen, haben wir 
in der Voraussetzung, daß sehr kleine Mengen 
salicyliger Säure in den ersten Wegen höchst 
wahrscheinlich an Alkalien gebunden und so erst 
resorbirt werden, nicht mit freier Säure, sondern 
mit salicyligsaurem Natrium experimentirt und 
außer der angegebenen auch noch die Frage nach 
der angeblich diuretischen, der bestrittenen gif- 
tigen und einer etwaigen temperaturherabse- 
tzenden Wirkung des Salzes näher verfolgt. 

Das Natriumsalz haben wir aus der nach 
Ettling^) aus Salicin dargestellten und durch 
wiederholte Destillation rectificirten , salicyligen 
Säure dadurch gewonnen, daß wir diese mit 
einer kalt gesättigten, alkoholischen Lösung von 
Natriumhydroxyd versetzten bis die Mischung 
zu einem steifen Brei erstarrte. Diesen lösten 
wir in heißem Alkohol und das nach dem Er- 
kalten auskrystallisirte Salz preßten wir, nach- 
dem es mit kaltem Alkohol ausgewaschen war, 
rasch zwischen Fließpapier und trockneten es 
ttber Schwefelsäure. Die seideglänzenden, blen- 
dend weißen Erystalle lösen sich leicht in warmen 
Wasser. Die Lösung zersetzt sich aber nach 
einiger Zeit, wie sich an dem Uebergang ihrer 
hellgelben in eine anfangs dunkelgrüne, später 

1) Ettling in Annalen der Ch. q. Ph. v. J. 1840 Bd. 
89 S. 269. 

31* 



376 

fast schwarze Farbe zu erkennen gibi^). Zu 
den Experimenten haben wir immer ganz firiscli 
bereitete warme Lösongen oder das Salz in Sub- 
stanz benutzt. 

Die Untersuchung des Harns von Hondea 
und Ziegen, die fortgesetzt kleine Dosen des 
Salzes innerlich erhalten hatten, können wir leider 
noch nicht als beendet ansehen. Die Versuche 
mußten unterbrochen werden. Nach vierwöchent- 
licher Dauer derselben war nämlich derYorrath 
an Salz consumirt und kein neues Salicin aufsa- 
treiben. Jetzt von Neuem aufgenommene Ver- 
suche dürften aber günstig ausfidlen, nur müssen 
dieselben längere Zeit fortgesetzt werden. Denn 
die Oxydation der als Salz eingeführten Säure 
geht jedenfalls nur in sehr beschränktem Maafte 
und allmählich vor sich. Dafür spricht auch der 
Umstand, daß das Natriumsalz in frisch defibri- 
nirtem Blute nicht reducirend wirkt; das Blnt 
behält unverändert die beiden Absorptionsstreifen 
des Oxyhämoglobins. 

Werden größere Dosen des Salzes bei Hun- 
den, Ziegen und Kaninchen innerlich gegeben, 
so wird jedenfalls der größte Theil desselben un- 
verändert ausgeschieden. Die alkoholischen Aus- 
züge des Harns setzen reichlich Erystalle ab, 
welche in Wasser gelöst und durch Salzsäure 
zersetzt an Aether die saUcylige Säure abgaben. 
Neben ihr konnten wir größere Mengen von Sa- 
licylsäure nicht mit Sicherheit isoliren, obwohl 
in der wäßrigen Lösung des Aetherrückstandes 
Brom einen krystallinischen Niederschlag her- 
vorrief, der neben den characteristischen , sehr 
langen Nadeln der bibromsalicyligen Säure auch 

1) Nach Piria zersetzt sich das Salz in fenchtem Zu- 
stand anter Grün und Schwarzfarbnng in Melan und Es- 
sigsäure. Annal. d. Fh. v. J. 1889 Bd 80. S. 167. 



377 

kleine farblose Prismen aufwies, die für eine 
Bromverbindung der Salicylsäure angesehen wer- 
den konnten. In der Hoffnung diese letzteren 
in größerer Anzahl zu erhalten, werden die obigen 
Versuche mit kleineren Dosen noch fortgesetzt. 
Die local irritirende Wirkung der freien sa- 
Ucyligen Säure besitzt auch das Natriumsälz. 
Bei Ziegen und Kaninchen manifestirt sich die- 
selbe, wenn größere Dosen in Lösung applicirt 
werden, theils in Anoresie, theils in profluvium 
alyi. Bei Hunden und Katzen erregten schon 
3,0 des Salzes, wenn es in Substanz gereicht 
war, nicht selten Erbrechen, was übrigens Han- 
nen auch bei Anwendung der freien Säure be- 
obachtet hat und wenn Falk dies bezweifelt, 
weil er wie auch Wöhler undFrerichs keine 
Emese bei ihren Hunden gesehen haben, so steht 
zu vermuthen, daß in diesen Fällen die ange- 
wandte Säure in starker Verdünnung und wahr- 
scheinlich bei mehr oder weniger angefülltem 
Magen gereicht worden ist. Bei Hunden beob- 
achteten wir Erbrechen auch dann, wenn sie 
vor der Einführung der Pillen (in Fleischboli) 
gefüttert worden waren ; nur trat dann die eme- 
tische Wirkung später ein. Das Auftreten der 
Emesis machte es unmöglich bei Hunden und 
ebenso bei Katzen, die gleichfalls leicht des 
Salzes ausbrechen, die dosis toxica und lethalis 
bei innerer Application zu bestimmen. Die gif- 
tige Wirkung des Salzes, auf die schon Hannen 
(nach Falk ohne experimentelle Beweise) hin- 
gewiesen hat, zeigte sich bei anderen Versuchs- 
thieren in entschiedenster Weise. Kaninchen 
von 2000 Grm. Körpergewicht vertragen allerdings 
intern 1,0 — 1,5 Grm., erst sehr viel höhere 
Gaben wirken in ähnlicher Weise giftig wie 
geringere nach directer Injection in die Blut- 



878 

bahn. Es erklärt sieb dies offenbar ans der 
stets vorhandenen Anfüllung des Eaninchenmagens 
mit Futterstoffen. Spritzt man verdünnte (5Vo) 
oder concentrirtere (l,57o) Lösung direct in das 
Blnt, so treten intensive Vergiftungserscheinungen 
auf, die mit Tod durch Syncope oder Aophyxie 
enden. Begistrirt man gleichzeitig die Blutdrnck- 
curve, so sieht man schon bald nach der Injec- 
tion eine sehr bedeutende Beschleunigung der 
Herzaction eintreten ohne wesentliche Aendemng 
des Blutdrucks. Die Vagusenden im Berzen 
werden nicht gelähmt, sie reagiren bis kurz vor 
dem Tode auf elektrischen Reiz. Es stellt sich 
aber fast gleichzeitig eine Beeinträchtigung der 
Respiration ein. Die Thiere athmen, wenn sie 
nicht narcotisirt noch curaresirt sind, mit starker 
Anstrengung der In- und Exspirationsmuskeln. 
Erbrechen haben wir bei Hunden nach Injection 
des Salzes ins Blut nie eintreten gesehen. So- 
bald aber die dosis toxica erreicht ist, stellen 
sich sowohl bei Kaninchen wie bei Hunden,* so- 
wohl in der Morphinnarcose wie ohne dieselbe 
Zuckungen ein, die rasch an Zahl und Intensität 
zunehmen bis sie den Oharacter eines änderst 
heftigen Schüttelfrostes annehmen. Sistirt man 
jetzt die Injectionen, so erholen sich die Thiere 
nach kürzerer oder längerer Zeit vollständig und 
sind nach spätestens 24 Stunden wieder ganz 
gesund. Bei Hunden von 8—10000 Grm. Kör- 
pergewicht genügt etwa 1,0 und bei 2 — 3000 
Grm. schweren Raninchen circa 0,1 — 0,15 des 
Salzes um bei directer Injection die Schüttel- 
krämpfe hervorzurufen. Setzt man nach Eintritt 
derselben die Injectionen fort, so steigern sich 
die Krämpfe zu ausgebildetem Tetanus mit Si- 
stirung der Respiration. Die Krämpfe treten 
selbst bei Thieren auf, deren Gerelerum durch 



379 

ünterbindnng der großen Arterien am Halse 
vom Gifte verschont bleibt. Läßt der Krampf- 
anfall naclf, so erscheint die Respiration keu- 
chend, anfangs etwas beschleunigt und dann wieder 
wie vorher verlangsamt. Die V* — V« Minute 
dauernden Anfälle wiederholen sich jedoch noch 
mehrmals ehe eine durch steiles Absinken des 
Blutdrucks und kleinste Pulswellen characterisirte 
Erlahmung des Herzmuskels eintritt. Der Tod 
erfolgte in der Mehrzahl unserer Versuche durch 
Herzstillstand, auf welchen noch 6 — 8 tiefe, 
schnappende Inspirationsbewegungen folgten. 
Nur in einzelnen Fällen sistirte bei Kaninchen 
die Respiration vor dem Herztod. 

Zwei Experimente dürften genügen den Symp- 
tomencomplex darzulegen. 

• _ 

1. Mittelgroßsr Hand, 9380 Grm. schwer. Tracheal- 
kanüle, beide Vagi am Halse isolirt, die vena jognl. ext. 
deztra mit einer Kanüle versehen und die rechte art. 
femoralis mit L u d w i g' s Eymographiam verbanden. Wegen 
sehr großer Unrohe werden 0,04 Morph, hydrochl. in die 
Vene injicirt. Weil bald daraaf die Respiration still- 
steht wird künstlich respirirt. Nach 15 Minaten hat der 
Blutdrack die arsprüngliche Höhe and das Herz seine 
frühere Energie wiedererlangt. Jetzt werden in Zwischen- 
räumen von 5 und 10 Minuten 0,18 salicyligsaures Na- 
trium in blutwarmer Lösung injicirt. Nachdem bei fast 
unverändertem Blutdruck, starker Beschleunigung der Herz- 
action und erhaltener Reizbarkeit des Yagas 9,0 injicirt 
sind, treten heilige Zuckungen auf, die an Zahl und 
Intensität zunehmen und das Thier so heftig erschüttern, 
daS trotz der Sicherheitsligatur der Gummiansatz der Glas- 
kanüle reißt. Experiment abgebrochen, die Gefäße unter- 
banden, die Wanden geschlossen und mit Thymol ver- 
banden. Während fter nächsten Viertelstunde treten die 
Krämpfe häufig unSheftig auf und nehmen dann immer 
mehr ab. Am näcnten Morgen hat der Hund sich voll- 
ständig erholt, frißt begierig sein Futter. Erst nach 2 
Tagen, als ihm ein Maulkorb angelegt wird, läßt er 
dankelgrünen Harn. Er erhält nun in die linke vena jugular. 
ext. in blutwarmer Lösung größere Dosen Balioyligs. Natr. 



380 



12 L. 22 Herzaot. 8 in 6 See Beep. 2— 3 in 6 See. 



28 
24 
36 
26 
27 
28 
30 
31 
83 
34 
86 
36 
87 
88 



20 

17-18 

16—17 



10 

9-10 
10 
10 



8 
8 
8 



0,45 injiobt 



8 
3-5 
4-5 

8 



gzoieünnliA. 



Bohr angestrengt 
de^^L 



0,45iigiflirt. 

20 » > 8 gewaUsam. 

18 » > leichte Zuckung. 

14 » die Zuckungen Btftrkera.hftii^ger. 

• . • • intensiver Schüttelkrampf und 
sehr angestrengt BespinitiaiL 

39 werden wieder injioirt 0|45. 
89,5 Herzaot. 20 in 6 See. 

40 Die Zackongen treten mit grofter Heftigkeit 
anf, die Respiration sehr erschwert; kendhead; 
Herztöne nicht xa nnterscheideii, da 'die Zn- 
ckoneen in Schattelkiampf aosarten» der ViM« 
anhält. 

41 Herzaction 20 in 5 See. Besp. 4—5 in 5 S. 
sehr mühsam. 

42 Eünzekie Zuckungen. 

43 Herzaction 20 in 5 See. Besp. 5 in 6 8. 
43,75 heftiger Schüttelkrampf, Bespir. setzt ans. 
44,25 Krampf laBt nach, Besp. beginnt wieder, 4— 

5 sehr angestrengte Besp. in 5 See 
45,5 ansffebildeter Starrkrampf. 

46 Nachlaß und Injeotion von 0,46. 
46,5 Herzacüon 16 in 5 S. Bespirat. 8 in 5 See. 

47 Streckkrampf. 
48,5 wahrend eines Streckkrampfs 0,45 ixgioirt. 

49 Herzaction ganz undeutlich, Bespiration aneh 
in der Pause sistirt. 

50 Herzaction nicht hörbar; einzelne mit Inter- 
vallen auftretende Bespirationsbewegangen. 

51 Die eingeführte Herznadel steht still ; es folgen 
noch mehrere sdmappende, tiefe InspirationB- 
bewegungen in längeren Pausen. 

Section nach 10 Minuten. Schleimhaut der Trachea 
iiyicirt. Die Lungen beiderseits durchweg Infthaltiff boeh 
und hellroth gefärbt. Herz in beiden Yentrikem mit 



381 

Blotgerinsel geföllt, im rechten die lockeren Gerinsel 
donkel, im Imken auffallend hellroth. Weder auf, noch 
im Herzen etwas abnormes sichtbar. Der Muskel zeigt 
bei der mikroskopischen Untersachnng seine ganz normsJe 
Qaerstreifang. Speiseröhre blaß, Magen mit Futter ge- 
föllty seine Schleimhaut mäßig geröthet. Die Gefäße des 
Mesenteriums prall gefüllt. Schleimhaut des Dünndarms 
iigioirt, Leber marmorirt. Beide Nieren sehr blutreich, 
von normaler Structur. In der Harnblase etwas schmutzig 
gelber Harn, der frei von Eiweiß und Zucker ist. 

2. Männliches Kaninchen von 2630 Grm. Körperge- 
wicht, linke Carotis mit dem Kymograph. verbunden, 
rechte Yen, jngnl. ext. mit Kanüle versehen. Innerhalb 
12 Minuten werden in Absätzen 0,075 salicyligs. Natr. 
izgicirt. Es erscheinen die ersten Zuckungen. Nachdem 
in den folgenden 22 Minuten nochmals 0,075 injicirt sind, 
haben sich die Zuckungen zu intensiven Schüttelkrämpfen 
gesteigert; Respiration sehr angestrengt, markirt die Puls« 
conre. ^^thrend den Krampfespausen beruhigt sich bis- 
weilen die Respiration nnd dann erscheinen die Pnlscurven 
für kurze Zeit unverändert wie vor Eintritt der Zuckungen, 
die Pulse sind von 16 auf 24—26 in 5 See. beschleunigt. 
Nachdem in den folgenden 7 Minuten noch 0,09 injicirt 
sind, steht die Respiration still, während das Herz an 
der steil abgefallenen Gurve noch einzelne Pulse verzeichnet. 

Nach diesen und andern Experimenten läßt 
sich die lethale Dosis bei directer Injection fUr 
entsprechende Hunde auf 2—2,5 Grm. und für 
Kaninchen auf 0,2 — 0,25 normiren. 

Bei diesen und ebenso bei anderen, aber nur 
bis zum Eintritt von Intoxicationserscheinungen 
behandelten Tfaieren zeigte das ins Rectum ein- 
geführte Thermometer keine Abnahme der Kör- 
pertemperatur, weder bei Hunden und Katzen, 
noch bei E[aninchen und Ziegen, während nach 
interner Einführung von großen, aber nicht 
toxisch wirkenden Dosen von Salicin junge Ziegen 
eine Temperaturabnahme bisweilen um PC. für 
längere Zeit darboten. Das Salicin kann seine an- 
tipyretische Wirkung nicht einmal zum Theil 
seiner Umsetzung in salicylige Säure verdanken. 



382 

Die der salicyligen Sänre nnd ihren Alkali- 
salzen zugeschriebene diuretische Wirkung haben 
wir nicht bestätigt gefunden. Bekanntlich hat 
Hannon in Brüssel, nachdem Obriot und 
Tessier die Stipites et Herba Spiraeae nlmariae 
als kräftiges Diureticum bei Hydropsien em- 
pfohlen hatten, die salicylige Säure als wirk-, 
samen Bestandtheil der Drogue zum Ersatz der- 
selben dringend empfohlen. Als geeignete Prä- 
parate rühmte er neben einer Tinctura und Potio 
salicylica^) die salicyligsauren Alkalien. Viel- 
leicht hat Hannon^) das Kaliumsalz gemeint, 
das möglicher Weise wie andere Verbindungen 
des Kaliums mit organischen und unorganischen 
Säuren vermöge der bekannten Einwirkung auf 
Herz und Gefäßnerven eine Steigerung der Diä- 
rese bewirkt. Nur wird dabei nach unseren 
Versuchen die salicylige Säure in den von Han- 
non empfohlenen Dosen durchaus ohne Bedeu- 
tung sein. 

Sowohl Hunde wie Katzen und ebenso Ziegen 
und Kaninchen , welche salicyligsaures Natrium 
innerlich oder subcutan oder direct ins Blut er- 
halten hatten, lieferten weder mehr noch häu- 
figer Harn als vor der Application des Mittels. 
Es stellte sich im Ge(]^entheil sogar fast immer 
eine Verzögerung der Harnescretion ein, obgleich 
gewiß keine Iseturie vorlag. Denn so wie sie 
auf den ihnen bekannten Operationstisch ge- 
bracht wurden, lieferten Hunde, Katzen und 
Ziegen den vollgültigsten Gegenbeweis. 

Das nicht nur irritirend, sondern in geeig- 
neten Dosen auch giftig wirkende, salicyligsaure 

1) Siehe bei W.R eil Materia medica der reinen chemi- 
schen Pflanzenstoffe Berlin 18&7 S. 287. 

2) Hannon's Originalmittheilong Ballet, de Thertp. 
Dec. 1851 war uns nicht zaganglich. 



383 

Natiiam wirkt weder antipyretisch noch diare- 
tisch. Die experimentelle Prüfung der Salicin- 
spaltangsproducte bestätigt also die Annahme, 
daß das Salicin seine febrifuge Wirkung nur 
seiner Umsetzung in Salicylsäure verdankt. Denn 
da das Salicin als solches im Thierkörper jeden- 
&lls nur kurze Zeit besteht, das Saligenin gleich- 
falls leicht oxydirt wird und die salicylige Säure 
nicht antipyretisch wirkt bleibt nur die Salicyl- 
säure als antifebriles Spaltungsproduct übrig ^). 
Nachdem der lebhaft geführte Streit über 
die antipyretische Wirkung der Salicylsäure po- 
sitiv zu Gunsten derselben und ihres Natrium- 
salzes entschieden ist, stehen sich immer noch 
die Ansichten über die Art und Weise des Zu- 
standekommens der Wirkung der als Natrium- 
salz im Blute circulirenden Säure schroff gegen- 
über. Während H. Köhler gestützt auf eigene 
Untersuchungen und die Lehre von Eolbe, daß 
nur die freie Salicylsäure antiseptisch wirke, in 
einer deprimirenden Einwirkung des Natrium- 
salicylats auf Herz Girculation und Respiration 
den wesentlichen Factor der antifebrilen Wirkung 
sucht, plaidirt C. Binz für eine innerhalb der 
Organe durch freie Kohlensäure bedingte Zer- 
setzung des salicylsauren Natriums und legt der 
frei gewordenen Salicylsäure eine dem Chinin 
ähnliche, antiseptische Wirkung bei. H. Köh- 
ler*), Fleischer*) u. A. haben sich bemüht 
die Unhaltbarkeit der Binz^schen Hypothese, 
die sich auf bekannte, leicht zu bestätigende 

1) Die Salioylarsäare darf wohl ganz außer Rechnung 
bleiben, da sich wohl schwerlich die Annahme bestreiten 
läßt, daß sie ebenso wie nach Meißner, Schmiedes- 
berg und Bange die Hippnrsaare aas der Benzoesäure 
erst in den Nieren aas der Salicylsaare entsteht 

2) Köhler in Centralbl. f. d. m. W. 1876 No. 82. 
8) Fleischer Arch. f. kl. Med. XIX. 81. 



384 

Versuche stützt, darzuthun. Er konnte unter 
keinen Umständen im normalen Blute lebender 
Thiere, die salicylsaares Natrium erhalten hatten, 
freie Salicylsäure nachweisen; im Erstickungs- 
blute gelang es dagegen leicht. Ganz mit Becht 
macht Binz^) dagegen geltend, daß ein ge- 
sundes Kaninchen keineswegs gleich gesetzt 
werden dürfe einem fiebernden Menschen. 
Ferner wenn das Blut und die Gewebe des ersteren 
das Natriumsalicylat nicht zerlege, sei man nicht 
berechtigt zu schließen, daß auch die des letz- 
teren es nicht können. Da außerdem die Span- 
nung der Kohlensäure in entzündeten Geweben 
nach Ewald*) die des Erstickungsblntes um 
mehr als die Hälfte übertreffen könne, hält Bim 
sich immer noch berechtigt, seine Hypothese von 
der antipyretischen Wirkungsweise desNatrinm- 
salicylats aufrecht zu erhalten. 

Versetzt man Kaninchen nach der zuerst von 
Otto®) bei Epileptikern und Pel*) bei Men- 
schen und Kaninchen gemachten Erfahrung durch 
subcutane Injection von kleinen Dosen Digitalin 
für einige Stunden in Fieberzustand und gibt 
ihnen gleichzeitig möglichst große Dosen Natri- 
umsalicylat innerlich, so läßt sich doch zur Zeit, 
wo der Harn bereits Salicylsäure enthält, ans 
dem Blute der fiebernden lliiere keine freie 
Salicylsäure mit reinem Aether ausschütteln. 

Weder bei Hunden noch Ziegen konnten 
wir die Temperatur durch subcutane Injection 
kleiner Dosen Digitalin steigern, ebenso wenig 

1) Binz im Aroh. f. ezp. Patb. und Pharm. 1877 
Bd. VII. S. 276. 

2) Ewald Arch. f. Anat. und Phys. v. Reuohert and 
Dnbois 1876 S. 446. 

8) Otto Arch. f. kl. M. XVI. S. 140. 
'^ Pol C. f. m. W. 1877 S. 269. 



385 

gelang es dadurch die Pulsfrequenz zu vermehren 
und grStßere Dosen setzten bei beiden Thieren 
eine Yerlangsamung der Herzaction. Durch In- 
jection pnfander Flüssigkeit kann man aber 
(ebenso wie bei Kaninchen) für längere Zeit 
hohes Fieber erzielen. Verabreicht man fie bernden 
Hunden oder Ziegen größere Dosen Natriumsa- 
lycilat, so kann auch bei diesen Thieren aus 
dem Blute mit reinem Aether keine freie Salicyl- 
Etture gewonnen werden. 

Unser Verfahren war folgendes. 

Die fiebernden und im Harne bereits Sali- 
cylsänre absondernden Thiere wurden mit einer 
Trachealkanüle versehen, mit Morph, hydrochl. 
narcotisirt; dann wurde durch ein an der rechten 
Thoraxseite angelegtes Fenster rasch in die zu- 
geklemmte Vena caya ascendens eine knieförmige 
Glaskanüle so eingeführt, daß der eine Schenkel 
bis KU den Venae hepaticae reichte. Durch die 
befestigte Kanüle floß das Blut in ein mit Aqua 
destiUata versehenes Gefäß, in welchem es so- 
gleich mit Aether' geschüttelt werden konnte. 
Um größere Quantitäten Blut zu erhalten, wurde 
bei Händen während künstlicher Respiration 
gleichzeitig die Leber von der Vena portar. aus 
mit ausgekochtem, blutwarmen Wasser durch- 
spült. In keinem Falle enthielt der Aetherrück- 
stand Salicylsäure. Wurde die Bespiration nach 
Eröffnung des Thorax nicht in ergiebigster Weise 
unterhalten, so gab der Aetherrückstand des 
Blutes bisweilen mit Eisenchlorid eine blaue 
Färbung. 

Bei diesen Versuchsthieren hatte also auch 
das Fieberblut in der Leber keine Spaltung des 
Natriumsalicylats veranlaßt. Daß das Blut des 
fiebernden Menschen sich ebenso verhält ist 
damit freilich nicht bewiesen^ aber es ist min- 



3d6 

destens darchaas nicht wahrscheinlich, daB, was 
im Fieberblut von Fleisch und Pflanzenfressern 
nicht geschieht, im Blute eines fiebernden Men- 
schen zn Stande kommen sollte. Wenn dem 
aber doch so wäre, so steht in keinem Falle 
die verlockende, aber unbewiesene und zur Zeit 
unbeweisbare Annahme der Zersetzung des Na- 
triumsalicylats durch die Kohlensäure des Fieber- 
blutes mit einer von Köhler urgirten depres- 
sorischen Wirkung der Salicylsäure und ihres 
Natriumsalzes auf die Circulation und Respiration 
im Widerstreit Da der letztere Autor selbst 
zugibt, daß diese letztere Wirkung allein das 
rapide Absinken der Körpertemperatur nicht er- 
klären kann ^) und dieselbe nach den überein- 
stimmenden Ergebnissen sämmtlicher, klinischen 
Beobachter beim fiebernden Menschen kaum und 
meist gar nicht zur Geltung gelangt, anderseits 
aber Binz für die Salicylsäure und deren Natrium- 
verbindung ebensowenig wie für die Chininsalze 
eine ausschließliche antiseptische Wirkung bean- 
sprucht^), können die von beiden Autoren ver- 
tretenen Wirkungen nebeneinander und neben 
anderen noch unaufgeklärten Einflüssen des Na- 
triumsalicylats auf den fiebernden Organismus 
friedlich und sich ergänzend einhergehen. Die 
trotzdem immer noch mangelhafte Einsicht in 
das Wesen der Wirkung des Salicylats wird er- 
heblich vervoUstäudigt durch eine unter Dra- 
gendorffs Leitung ausgeführte Untersuchung 
von Buchholtz über Antiseptiren und Bacte- 
rien^). Durch diese sorgfältig ausgeführten, 

1) Köhler Separatabdmck aas der deutschen Zeü- 
schrifb für praotische Medicin S. 22. 

2) Binz Arch. f. exp. Path. n. Pharm. Bd. YII S. 271. 
8) Bachholtz Archiv für exp. Pathologie und Phar- 

'^^e V. J. 1825 Bd. IV 8. 1-81. 



>.^.i. 



387 

omparatiyen Versuchen wissen wir jetzt, daß 
Colbe^s Lehrsatz »nur die freie Salicylsäure 
nrkt antiseptisch« wesentlich eingeschränkt 
rerden muß, weil das salicylsäure Natrium für 
[ewisse kleinste Organismen ein energisches, 
aanche andere ähnlich wirkende StofPe weit 
ibertreffendes Antisepticum ist. Nach allen bis- 
lerigen Erfahrungen wird man der antiseptischen 
Wirkung des Natriumsalicylats den Löwenantheil, 
ler etwaigen Depression von Circulation und 
lespiration besten Falles eine begünstigende 
iTebenwirkung bei der Antipyrese zugestehen. 

Endlich haben wir noch einige Beobachtungen 
iber die Elimination des Salicin und seiner Spal- 
ungsprodncte mitzutheilen. Während Schottin 
vergeblich Zersetzungsproducte des innerlich ge- 
lommenen Salicin im Schweiß gesucht hat, ist 
i& uns gelungen mit Hülfe von Pils carpinum 
nuriaticum Salicinderivate im Pfotenschweiß jun- 
ger Katzen mit Sicherheit zu constatiren ^). Ebenso 
gelingt es den Uebergang derselben Producte in 
las Secret der Speichel- und Thränendrüse dar- 
luthun. Bei Ziegen lassen sich Spaltungspro- 
lucte des Salicin auch an der Milch (ohne An- 
wendung von Pilocarpin) gewinnen. 

Eine mehrjährige, frisch milchende Ziege er- 
lielt während 4 Tagen innerhalb je 24 Stunden 
[0 Grm. Salicin innerlich in Eibischwurzelpillen. 
)ie täglich gesammelte Milch wurde mit ange- 
äaertem Alcohol extrahirt und am 5. Tage die 
lämmtlichen Extracte vereinigt und der Yerdun- 
itungsrückstand mit Aether erschöpft. Der in 
i/V^asser aufgenommene Bückstand des Aetherex- 
iracts gab auf Zusatz von Eisenchlorid die in- 

1) Der Nach weiß warde nach derselben Weise geführt 
Lie in diesen Nachrichten No. 3 ds. Jahres für Salicyl« 
läure angegeben ist. 



:388 

:i3;$Lv^»Ck! BlAntUrbozig. Der Harn der Ziege 
w-iriid jelioa im zweitezi Tage durch das Beii- 

^a« ^hiLTkUSünäciach. blaa tingirt. 

?i» iliniiziiisica ies innerlich gegebenen Sa- 
-v\ix:» ^^. ieL^tfc I>siT:Ue wird hauptsächlich 
.:;r.a i:t» Ver-a. nni Theil aber aneh durch 
i.v >..! Teii- ^ceId:eI:- T^tzänen- and Milchdrosen 



As Resultate unserer Experimente ergeben 
-^«..: rollende Schlußsätze: 

1. Das Salicin, ein a^iscesprochen bitteres 
Miccel. veranlaßt keine Reizung des Gefaßnerven- 
.tucrums, weder bei directer InjecÜon in 's Blnt, 
- Lov ii bei interner Application. 

2. Die durch H. Köhler 1. c aufgestellte 
Lehre Yon der Wirkung der bitteren Mittel auf 
d'.e Circulatiou und die daraus abgeleiteten Fol- 
gerungen haben keine allgemeine Gültigkeit. 

3. Im Blute der Fleischfresser wird, wie 
Scheffer 1. c angegeben, Salicin so gut wie 
uieht umgesetzt. Kleine Gaben werden, wie 
Baumann 1. c. mittheilt, zur Bildung von ge- 
paarter Schwefelsaure benutzt. Nach i n t erner 
Application größerer Dosen setzen Fleischfresser, 
Säuger sowohl wie Vögel, das Salicin ebenso 
^weun auch vielleicht etwas langsamer) um, wie 
Pflanzenfresser und der Mensch. 

4. Die Umsetzung des Salicin beginnt schon 
in dem oberen Theil des Dünndarms, ist bedingt 
durch die Einwirkung von Fermenten und wird 
vielleicht unterstützt durch die gleichzeitige Ein- 
wirkung kleinster Organismen. 

5. Im oberen Theil des Dünndarms läßt sich 
kurze Zeit nach der internen Application von 

mit Sicherheit Saligenin nachweisen. 



389 

6. Nicht nur Warmblüter, sondern auch 
Ealiblfijbsr iSßmdi%ßn das.Salicin naid zvar innert- 
kalb d«r Blatbal^ nnd sogar ohne Mitwirkang 
4eir wichtigsten DiÜMfi (Leber, Milz, Eautdrüsen) 
und bei AnsscWuß der Nieren mi der Lange»- 

7. Außerhalb des lebenden Körpers wird Sa- 
lieia jiwrcb defibrinintes bei Körperwärme eine 
Niere oder .die Leber dnirehströmendes Blut selbst 
nftch 10 Stunden nicht umgesetzt. 

8. Darob Ozon wird reines krystallisirtes 
Saligenin zu salicyliger Säure oxydirt, während 
Salicin davon, wie schon Goriip-Besanez an- 
gegeben hat, selbst nach Wochen langer Einwir- 
kung unyerändert bleibt. 

9. Salicylige Säure wirkt nic|it nur im fi^eien 
Zustande, sondern auch als iNatriam9alz local 
irritireud und na^ erfolgter Resorption stark 
excitirend auf die Herzthätig]seit. 

10. ßalicyligsaures Natrium in größeren Do- 
sen angewandt, wirkt giftig und führt unter 
heftigen, vom Rückenmark aasgehenden Convul- 
sionen zum Tode durch Syucope oder Asphyxie. 

11. Innerhalb des Orgaqi^mus erfolgt jeden- 
falls nur eine sehr spärliche Oxydation des ein- 
geführten salicyligsauren Natriums, der bei Weitem 
größte Theil wird, wie uficb Wo hier und Fre- 
richs die freie salicylige Säure, unyerändert 
mit d^m H«<rp elif^wrt. 

12. Weder saUcylige Säure vmk ibr Natri- 
umsab wirkep atttipyretiAch. 

18. Pem saUc^ligaauitem Ndtrium kommit 
keiue diuretis^he WkkuoDg ^u. 

H. ßalioia setfit bei FflAns&enfre$seru bes. 
Zi^igen auch die normale Tempecatur , selbst bis 
um l^C^ henA, 

32 



390 

15. Die antipyretische Wirknng verdankt es 
nachweisbar nor seiner Umsetzung in SaUcyMure. 

16. Nach Eäniahnmg sehr groBer Dosen Sa- 
liein erscheint im Harn relativ mehr salicylige 
Säore als Salicylsänre. 

17. Salicylsanres Natrinm wird auch im Blute 
debemder Thiere nicht lersetzt. 

IS. Die Elimination der im Korper von Men- 
schen nnd Thieren gebildeten Salicinderivate er- 
folgt zwar hanptsachlich im Harn, auAerdem 
aber aach im Schweifi, dem Speichel, der Thränen 
and der Milch. 

19. Salicin ist kein Aequivalent der Salicyl- 
sänre oder des salicylsanren Natrinms. 

20. Das Salicin ist als Arzneimittel entbehrlich, 
weil es im Organismus nnr zum Theil in Sali- 
cylsäure umgesetzt ¥rird, weil erofiere Dosen Sa- 
licin im Harn relativ mehr stuicylige Saure als 
Salicylsäure liefern, weil endlich die salicylige 
Säure in größeren Gaben geradezu giftig wirft. 



Ueber Entladungen der Elektricität 

in Isolatoren. 

Ton 

W. C. Bontgen. 

In der folgenden Mittheilung sind die Resul- 
tate einer schon seit längerer Zeit angefangenen, 
jedoch öfters unterbrochenen Experimentalunter- 
suchuDg über die zerreißende Entladung der Elek- 
tricität durch Isolatoren enthalten. Ich hatte 
mir nämlich die Aufgabe gestellt zu erforschen, 
ob bei einer solchen Entladung eine angebbare 
lg zwischen der physikalischen Beschaf- 



391 

foDheit des Isolators und der zn einer Entladung 
benöthigten Potentialdifferenz, sowie der entla- 
denen Elektricitätsmenge bestellt. 

Die üntersnchnng erstreckte sich auf feste, 
flüssige and gasförmige Körper; es ist mir jedoch 
bis jetzt nnr gelungen bei den letzteren eine 
solche Beziehung aufzufinden. 

Die festen Körper, größten Theils Krystalle, 
worden in Gestalt von dünnen Platten zwischen 
zwei abgerundete Messingspitzen gebracht, von 
denen die eine zur Erde abgeleitet, die andere 
mit einer Elektricitätsquelle, meistens einer Holtz'- 
schen Maschine verbunden war. Durch lang- 
sames Drehen der Maschine wurde das Potential 
solange gesteigert , bis ein Funke die dünne 
Platte durchsetzte. Ein für den vorliegenden 
Fall besonders construirtes Elektrometer gestattete 
den Verlauf des Potentials zu verfolgen und das- 
selbe im Augenblick der Entladung genau zu 
bestimmen. Ich hoffte nun in dieser Weise bei 
Platten aus verschiedenen Substanzen und insbe- 
sondere bei Platten, die in verschiedener Rich- 
tung aus demselben Krystall geschnitten waren^ 
eine für jede Substanz und für jede Richtung 
charakteristische Potentialdifferenz zu erhalten; 
allein bis jetzt waren meine Bemühungen frucht- 
los. Es war mir nicht möglilich bei einer und 
derselben Platte aus verschiedenen auf einander 
folgenden Versuchen genügend übereinstimmende 
Werthe dieser Potentialdifferenz zu erhalten ; die 
Ursache dieser Unregelmäßigkeit ist ohne Zweifel 
in einer nicht zu vermeidenden Verschiedenheit 
in der Anordnung der Elektricität auf den 
Spitzen und der Platte zu suchen. Die zur Fun- 
kenentladung benöthigte Potentialdifferenz ist 
wesentlich von dieser Anordnung abhängig und 
letztere ändert sich bei der gewählten Ver* 

32* 



392 

Sachsmethode bevor der Funke fiberscUigt in 
Folge einer kleineren oder größeren Leituig»- 
fähigkeit der Phtte und ihrer Oberfläche, sowie 
in Folge von durch Conyection von der Spitie 
zngefiihrter Elektricität in einer miregelmaiigen 
und nicht controlirbaren Weise. 

Vielleicht wurden Versuche mit viel groAeren 
Platten und mit sehr achwach gewölbten Elek- 
troden im Stande sein^ günstigere Resnltate -su 
liefern. 

Die Versuche, welche ich mit Flüaaigkeiteii 
anstellte sind trotz ihrer Zahl noch zn unvoU- 
ständig und bieten noch zu wenig allgemeine 
Gesichtspunkte um darüber Näheres mittheilen 
zu können. 

Bekanntermaaßen sind die Elektricitätsent- 
ladungen in Gasen öfters Gegenstand der Unter- 
suchung gewesen; es wurde sowohl die Funken- 
entladung bei größeren und kleineren Drucken 
als auch die unter dem Namen Zerstreuung be- 
kannte langsame Entladung mehrfach untersuchi;. 
Es läßt sich aus diesen Versuchen keine ein- 
fache Beziehung zwischen irgend welcher Gon- 
stante der verschiedenen Gase und der jedem Gas 
entsprechenden, zur Entladung benöthigten Po- 
tentialdifferenz oder der entladenen Eleklaricitats- 
mengen mit Sicherheit ableiten. Es würde jedoch 
gewagt sein auf Grund dieser Versuche zu schlie- 
ßeU; daß eine derartige Beziehung nicht exisiirt; 
denn erstens, muß man bei den Funkenentladongen 
immer befürchten, daß die bei einigen Gasen 
ohne Zweifel stattfindende Zersetzung, sowie die 
bedeutende Temperatnrändrung in der Funken- 
bahn eine solche Beziehung möglicherweise ver- 
decken, und zweitens, haben bis jetzt nicht ver- 
öffentlichte Versuche von Hrn. Warburg ge- 
zeirr^ daß eine Zerstreuung der Gase nicht mit 



393 

Sicherheit nachweisbar ist; der von Oonlomb, 
Bieß, Warbarg etc. beobachtete Elektricitäts- 
yerlast von Conductoren, die in Gasen isolirt 
anfgesteUt sind, wird sehr wahrscheinlich nur 
dareh die isolirenden Stützen und durch Stanb- 
theilchen bewirkt^). 

Ich habe mich in Folge dessen nach manchen 
Vorversuchen und nach reiflicher üeberlegung 
entschlossen, für meinen Zweck eine Eotladungs- 
art zu wählen, welche bis jetzt noch wenig un- 
tersucht war, nämlich die sogenannte fortführende 
Entladung; dieselbe findet bekanntermaaßen zwi- 
schen einer sehr scharfen Spitze und einer großen 
ebenen Platte bei nicht zu geringen Drucken 
statt. Ich glaube es in der That dieser Wahl 
zuschreiben zu können , wenn es mir schießlich 
gelungen ist die gesuchte Beziehung aufzufinden. 

Die zuletzt als brauchbar befundene Yer- 
suchsmetiiode war folgende. Durch einen Schmidt'- 
schen Waasermotor wurde eine Holtz'sche Ma- 
schine bei möglichst constanter und großer Ro- 
tationsgesehwindigkeit der Scheibe in Thätigkeit 
erhalten. Die eine Elektrode war durch die 
Gkudeitung mit der Erde verbunden und von der 
zweiten führte ein mit Guttapercha überzogener 
Eapferdraht zu den inneren Belegungen zweier 
nach W. Thomson' s Angabe aus gut isoli- 
rendem Glas und Schwefelsäure construirten 
Leydner Flaschen, deren äußere Belegungen zur 
Erde abgeleitet waren. Diese Flaschen bildeten 
ein elektrisches Magazin von ziemlich bedeutender 
Capaoität und hatten den Zweck die vielleicht 
durch unregelmäßige Elektricitätsentwickelung 
der Maschine verursachten Schwankungen des 
Potentials möglichst abzuschwächen. Hinter 
diesen Flaschen theilte sich die Leitung : Der 

^) Sehe. Boltsman. Pogg. Ann. Band 165 S. 415. 



394 

eine Zweig ging zu einer engen mit Glycerin 
gefüllten Glasröhre, welche als Rheostat diente; 
durch einsenken oder herausziehen einer metalli- 
schen Erdleitung konnte der Glycerin wiederstand in 
stetiger Weise verkleinert oder vergrößert werden. 
Der zweite Zweig führte zuerst zu der Spitze in 
dem Entladungsapparat, und von da zu einem 
eigens für die Untersuchung construirten Elek- 
trometer. 

Der Entladungsapparat bestand aus folgenden 
Theilen. Eine verticale, unten mit einer ver- 
goldeten Nähnadel versehene Messingstange ging 
gut isolirt durch den Tubus einer weiten Glas- 
glocke, die luftdicht auf einen Luftpumpenteller 
gesetzt war. In dem durch die Glocke abge- 
sperrten Baum stand sorgfaltig vom Teller isolirt, 
in einer Entfernung von 19,8 mm der Spitze 
centrisch gegenüber eine polirte Messingacheibe 
von 132 mm Durchmesser; dieselbe war in lei- 
tender Verbindung mit dem einen Ende der Win- 
dungen eines äußerst empfindlichen Spiegelgal- 
vanometers von sehr großer WindungszaU; das 
andere Ende der Windungen führte zur Giaslei- 
tung. — Durch eine Luftpumpe und weitere 
geeignete Einrichtungen konnte die Glocke mit 
verschiedenen Gasen, bei verschiedenen Drucken, 
die durch ein Manometer bestimmt wurden, ge- 
füllt werden. 

Das benutzte Elektrometer hat sich zwar für 
die vorliegende Untersuchung als brauchbar er- 
wiesen, dasselbe hat aber noch viele Mängel die 
beseitigt werden müssen. Ich bin somit mit der 
Gonstruction eines besseren Apparates beschäftigt 
und hoffe später darüber zu berichten. Es sei 
nur noch erwähnt, daß dasselbe nach Art des 
T h m s n'schen Quadrantenelektrometers ein- 
gerichtet war und daß die Ablesungen durch 



395 

Vergleichung mit einem long ränge Elektrometeri 
welches ich zum größten Theil nach Thomson's 
Angaben anfertigen ließ, auf yergleichbares Maaß 
redücirt wurden. Es ergab sich weiter, daß 6 
der Einheiten, in welchen im Folgenden die Poten- 
tialdifferenzen ausgedrückt sind, ungefähr einer 
Potentialdifferenz von 5 Daniell entsprechen; 
indessen möchte ich auf diese Angabe kein zu 
großes Gewicht legen, da die mir zur Verfügung 
stehende Batterie zu klein war, um eine genauere 
Bestimmung ausführen zu können. — 

Nehmen wir nun an, daß die mit der Gas- 
leitung verbundene Elektrode der Holtz^schen 
Masciune die negative Elektricität wegführt, 
so findet die von der anderen Elektrode weg- 
gehende positive Elektricität zwei Wege, erstens 
durch den Bheostaten zur Gasleitung und zwei- 
tens durch den Entladungsapparat und das Gal- 
vanometer ebenfalls zur Gasleitung. Man kann 
nun durch Aendrung des Rheostatenwiederstandes 
die Menge Elektricität, welche durch den Ent- 
ladungsapparat geht innerhalb weiter Grenzen 
variiren. Das Galvanometer giebt über diese 
Menge Aufschluß, und das Elektrometer mißt 
die Potentialdifferenz zwischen Spitze und Platte. 

Ich machte nun bald die Beobachtung, daß 
die Entladung nicht bei jeder Potentialdifferenz 
stattfindet, sondern daß vielmehr immer eine 
ganz bestimmte Differenz zum Einleiten derselben 
erforderlich ist. Hat man beim Anfang des 
Versuches den Bheostatenwiederstand nahezu 
gleich gemacht, wobei selbstredend die Aus- 
schläge des Galvanometers und des Elektrometers 
ebenfalls gleich sind und vergrößert nun all- 
mählig diesen Wiederstand, so bemerkt man zwar 
am Elektrometer ein stetiges Steigen des Poten- 
tials; dasselbe muß jedoch einen bestimmten 



396 

Werth erreicht haben, bevor das GhdTanometer 
durch ein^a plötzlichen, Tefrhaltnümäfiig grölen 
und bei constant bleibendem Rheostatenwioder- 
stand Constanten Ausschlag die eingetretene Ent- 
ladung anzeigt. Ist einmal die Entladung vor^ 
haaden, so kann man den Bheostatenwiedetatand 
und somit das Potential wieder yerkleinern, wo* 
durch die Entladung zwar stetig abnimmt, jedoch 
nicht sofort auf herabsinkt. Erst bei cdner 
Potentialdifferenz, die wesentlich kleilier ist als 
diejenige bei welcher die Entladung anfing, hört 
diese wieder vollst&ndig anf. "^ 

Es ergab sich nun Weiter, daB der Anfiuig 
der Entladung Ton manohen Nebenumat&iden, 
z. B. davon abhängig war, ob seit kürzerer dder 
längerer Zeit eine Entladung Stattgefunden hatte; 
auch haben nicht zu vermeidende kleine Stanb- 
theilchen wahrscheinlich einen Einfluft. Dagegen 
lieferten die Bestimmungen der Poteütialdifferenz, 
bei welcher die Entladung aufbort, ans verschie- 
denen, durch längere Zeiträume Von einander 
getrennten Versuchen Werthe, welche vorzfiglick 
unter einander übereinstimmten. Ich habe mich 
deßhalb entsefaloss^n wenigstens vorläufig meine 
Hauptaufmerksamkeit anf die Bestimmung dieser 
Potentialdifferenz ) die wir Minimum Potential- 
differenz benennen und der Kürze halber mit 
M.P. bezeichnen wollen, zu richten. 

Der Moment, wo die Entladung aufhört macht 
sieh meistens dadurch in charakteristischer Weise 
bemerkbar, daß der schon sehr klein gewordene, 
nur noch 2 — 4 Scalentheile betragende Galvano- 
meterausschlag, nach einer weitereü sehr geringen 
Wiederstandsverminderung im Rheostaten plöia- 
lich zu Null wird; in diesem Augenblick wird 
am Elektrometer dieM.P. abffelesen. Ich möchte 
diese Erscheinung durch die kleinen Schwan- 



397 

knngen, welche das Potential trotz der einge- 
schalteteb Leydner Flaschen erleidet erklären. 
Das Elekttometet , welches mit einer starken 
Dämplniig versehen ist, gieht den Mittel werth 
an am welchen das Potential schwankt. — Daß 
nnn auch wirklich die Entladung aufgehört hatte, 
habe ich noch in anderer Weise controlirt; wurde 
nämlich das Galvanometer durch stärkere Asta- 
tisirang bedeutend empfindlicher gemacht, so 
varäcLwand der Ausschlag desselben genau bei 
derselben Potentialdifferenz wie früher; ebenso 
wurde ein Elektroskop, welches anstatt des Gal- 
vanometers mit der Platte im Entladungsapparat 
verbanden wurde nicht geladen, und es verschwand 
die im Dunkeln sichtbare, bei einer Entladung 
vorhandene charakteristische, sternförmige Licht- 
erscheinung, wenn die M.P. erreicht war. — 

Bei sämmtlichen Versuchen, die im Folgenden 
angegeben werden, blieb der Abstand der Spitze 
von der Platte derselbe. Weiter war, wenigstens 
bei ä&ü. Versuchen y die direct mit einander ver- 
glicheil Werden aollen, die Temperatur constant 
and schließlich ist zu beachten, daß die Spitze 
imtneir positiv ist, wenn nicht ausdrücklich das 
Oegenthdil erwähnt wird. 

Leider mußte die Untersuchung unterbrochen 
werden ; erstens, weil die Frühlings- und Sommer- 
zeit zu Arbeiten mit statischer Elektricität sehr 
angeeignet ist, und zweitens, weil für die Fort- 
setzung der umbau einiger Apparate, insbesondere 
des Elektrometers durchaus nothwendig geworden 
war. Von den vielen Fragen, die man sich 
stellen kann konnten somit nur einige beant- 
wortet werden. Die Resultate sind in dem Fol- 
genden mi^etheilt. 

1. Wie hängt bei einem Gas die M.P. vom 
Druck ab? Die Frage wurde mehrfach für tro- 



398 



ckene, kohlensäarefreie Luft beantwortet. Fig.U 
stellt das Ergebniß eines Versuches dar. Ab 
Abscissen wurden die in Mm. Quecksilber ausge- 
drückten Drucke, als Ordinaten die M.P. auf- 
getragen; die Einheit, in welcher die letzteren 
ausgedrückt sind, ist nicht direct mit der oben 
besprochenen vergleichbar. 



Druck idI 
mm Hg. 616 



644 



499 



445 



885 



266 



198 



188 



68 



29.0 



10.9 



7.1 



M.P. |639|602|577|547 



503489402 



861 



801 



258 



198 



189 



Es geht aus diesen Versuchen hervor, daft 
bei Drucken über 200 mm die Zunahme des 
Druckes wenigstens sehr nahezu der Zunahme 
der M. P. proportional ist. Unter dieser Grenze 
nimmt die M. P. verhältnißmäßig viel rascher ab. 
Bei anderen Gasen wurden ähnliche Verhältnifte 
gefunden. 

2. Wie hängt bei einem Gas, welches unter 
einem bestimmten Druck steht, die entladene 
Menge Elektricität mit der Potentialdifferenz 
zwischen Spitze und Platte zusammen? 

Es wurde trockene kohlensäurefreie Luft bei 
den Drucken 391; 294; 203.4; 109.7; 51.8 mm. 
Hg. geprüft. Die größte Potentialdifferenz, welche 
mit meinem Elektrometer bestimmt werden konnte, 
war 3684 Einheiten: (6 Einh. = 5 Dan.) die 
größte Menge Elektricität, die gemessen werden 
konnte betrug etwas über 500 willkürlich ge- 
wählte Einheiten. In den folgenden Tabellen 
stehen in der ersten Yerticalcolumne die Poten- 
tialdifferenzen , in der zweiten die entladenen, 
entsprechenden Elektricitätsmengen und in der 
dritten habe ich unter dem Namen »disponibele 
Potentialdifferenzen« die Differenzen der in der 
ersten Columne vorkommenden Zahlen und der 



399 



jedem Drnck entsprechenden M.F., (bei welcher 
selbstredend die entladene Menge = ist) an- 
gegeben. Ich habe diese Differenzen berechnet 
und ihnen den angegebenen Namen gegeben, 
weil möglicherweise die Anschauung richtig ist, 
daft die M. P. zur üeberwindung eines gewissen 
üebergangswiederstandes benöthigt ist, und daß 
bloft die disponibele Potentiaidifferenz für die 
entladene Menge maaßgebend ist. Die letztere 
soll der Ettrze halber mit D. P. bezeichnet werden« 



Druck 51.8 



Druck 109.7 



Pot. Diff. 


Eotl. Menge 


D.P. 


1462 








1727 


71 


265 


2004 


171 


542 


2199 


271 


737 


2349 


371 


887 


2487 


471 


1025 



Pot. Diff. 


Entl. Menge 


D.P. 


1806 








2094 


38 


288 


2859 


208 


1053 


3896 


370 


1590 


3684 


522 


1878 



Druck 203.4 


PoLDUr. 


Entl. Menge D.P. 


2162 








2645 


45 


483 


2859 


67 


697 


3396 


138 


1234 


3684 


192 


1522 



Druck 294 



Pot. Diff. 


Entl. Menge 


D.P. 


2433 








2859 


29 


426 


3396 


72 


963 


3684 


105 


1251 



Druck 391. 



Pot. Diff. 



2775 
3169 
3684 



Eotl. Menge] D.P. 




24 
65 





394 
909. 



la Fig. 2. ist die erste dem Druck 51.8 ent- 
sprecheade Tabelle graphisch dargestellt. Die 
Abscissen bezeichnen die entladenen Mengen, 
die Ordinaten die D.P. Die Gurveu fttr die an- 
deren Drucke haben ähnliche Gestalt. 



400 



3. Wie hängt bei einem Qos bei einer be- 
stimmten Potentialdifferenz die entladene Elek- 
tricitäts-Menge von dem Drucke ab? Es wurde 
in aasfübrlicher Weise trockene^ kohlensanrefreie 
Luft bei der Potentialdifferenz 3684 antersacbi 

Drnok in mm Hg. |641. 2 466.4 391.0 294.0|208.4| 109.7 



Entlad. Menge | { 41.6 | 66 | 105 | 192 | 532 

Fig. 3. stellt die Tabelle graphisch dar; die 
Abscissen bezeichnen die entladenen ElektricilSts- 
mengen, die Ordiuaten die Drucke. Andere 
Gase verhalten sich in ähnlicher Weise. 

Bei diesen Versuchen war, wie erwahnti die 
Potentialdifferenz constant, da jedoch nach 1. bei 
verschiedenen Drucken die Entladung bei ver- 
schiedenen Potentialdifferenzen aufhört, resp. an- 
fängt, so waren die D. P. nicht dieselbe^; es 
wäre somit noch fraglich, ob keine einfache Be- 
ziehung zwischen Druck und entladener Elektri- 
citätsmenge bestände, wenn bei verschiedenen 
Drucken nicht die absolute Potentialdifferenz, 
sondern die disponibele Potentialdifferenz constant 
erhalten wird. Die Frage läßt sich aus den Data 
von 2. beantworten. Ich habe aus der graphi- 
schen Darstellung der Tabellen folgende für die D. P. 
= 1000 gültige Zusammenstellung entnommen. 



Druck in mm. Hg. 



Entlad. Menge 



391 



71 



294|203,4|109,7 



79 1 106 I 194 



51,8 



450 



In Fig. 4 findet man die graphische Dar^ 
Stellung; eine einfache Beziehung ist nicht er« 
kennbar; allerdings ist das Product aus Druck 
und Menge für die vier letzten Drucke, sehr na- 
hezu comtant, allein bei dem Druck 391 findet 
man eine bedeutende Abweichung von dieser Regel. 

Zur vollständigen Beantwortung der Fragen 
2. und 3. werden Versuche, die mit verschiedenen 



401 



lasen zwisohen weiteren Greneen der Potential- 
iffer^ueaif der Drucke «nd der entladenen 
Cengen nnbedigt nothwendig sein. 

4. Beäteht eine angebbare Bezieknng zwischen 
[er Minimnmpotentialdifferenz nnd der Natnr 
ier yerschiedenen Gase, worin die Entladung 
tattfindet? Die Gase wnrdon sämmtlich bei zwei 
)moken, nahezu 205 und 110 mm. Hg. geprüft; 
Versuche bei höheren Drucken waren ausge- 
chlossen, weil das Elektrometer die entsprechenden 
^otentialdifPerenzen bei einzelnen Gasen nicht 
lehr zu messen im Stande war. Es sei noch 
rwähnt, dafi diese Versuche nicht direct mit 
.en obigen vergleichbar sind. 

In der folgenden Tabelle sind die Mittelwerthe 
US yerschiedenen mit einander gut in Einklang 
tehenden. Bestimmungen angegeben. 



Gase 


M.P.bei 


M.P.bei 


205 mm 


110 mm 


Wasserstoff 


1296 


1174 


Sauerstoff 


2402 


1975 


Kohlenoxyd 


2634 


2100 


Grubengas 


2777 


2317 


Stickoxydul 


3188 


2543 


Kohlensäure 


3287 


2655 



In dieser Tabelle sind die Gase nach stei- 
;«nden Werthen der M.P. geordnet; vergleicht 
aan diese Reihe mit derjenigen, welche man er- 
iSU^ wenn die Gkise nach abnehmenden Werthen 
hrer mittleren, molecularen Weglängen geordnet 
Ferdem, so findet man, sowohl bei dem Druck von 
t05alBbei dem Druck von 110 mm eine voUständiga 
Jebereinstimmung. Da die Minimumpotential- 
liffereaz ein directes Maas für die Isolationsfär 
ligkdbb des Gases ist, so kann man das in obiger 
Tabelle enthaltene Resultat in folgender Weise 



402 



aussprechen: die Gase haben ein desto gröBeres 
Isolationsvermogen, je kleiner ihre Weglange iiL 
Nun ist bekanntermaaBen die Weglänge desto 
größer, je kleiner die Gasmoleküle sind, folglich 
wird man auch sagen können: die Gase sind 
desto isolationsfähiger, je größer ihreMoleciile sincL 
Der Zusammenhang zwischen der M.P. und 
der Weglänge tritt noch überzeugender herror, 
wenn man för jedes Gas das Product ans W^ 
länge und M. P. bildet: 



Gase. 


Prodnot ans Wegifinge and H. P. 


X^ %mfy%^ • 


Drook 206 mm 


|Drnok 110 mm 


Wasserstoff 


240 


218 


Sauerstoff 


254 


209 


Kohlenozyd 


259 . 


207 


Grabengas 


236 


197 


Stickoxydnl 


217 


173 


Eohlensänre 


224. 


181 



Die Weglängen sind aus den Graham'schen 
Transpirationsversuchen berechnet und dem Bach: 
0. E. Meyer, Gastheorie entnommen ; der Faktor 

— - ist überall weggelassen. 

Aus diesen Zahlen ergiebt sich nun eine 
merkwürdige Beziehung : es folgt nämliöh sowohl 
aus der ersten wie aus der zweiten Reihe, daß 
das Product aus der Weglänge und der bei glei- 
chem Druck gemessenen Minimumpotentialdiffe- 
renz bei allen untersuchten Gasen sehr nahesa 
denselben Werth hat. 

Von Stefan wurde auf den Zusammenhang 
zwischen Weglänge und Brechungsexponent aii^ 
merksam gemacht und Boltzmann's Versuche 
haben gezeigt, daß die Dielektricitätsconstanteder 
Gase in der von dem MaxwelFschen Gesetz ge- 
forderten Beziehung zum Brechungsexponenten 



4Ö3 

steht; durch die vorliegende Arbeit ist auch die 
Isolationsfahigkeit der Gase mit den drei ge- 
nannten Eigenschaften in Gausalverband gebracht. 
Das Isolationsyermögen eines Gases ist demzu- 
folge desto kleiner je größer sein Yertheilungs- 
Termögen ist, und umgekehrt. — 

Es sei noch erlaubt darauf hinzuweisen, daß 
ähnliche einfache Beziehungen zwischen Weg- 
länge und M. P. für ein und dasselbe Gas, aber bei 
rerschiedenen Drucken bestehen; eine einfache 
Discussion der unter 1. besprochenen Versuche 
fahrt zu diesem Resultat. 

Außer den angeführten Gasen wurde noch 
Slbildendes Gas untersucht; die besprochene 
Gesetzmäßigkeit wurde bei demselben nicht be- 
stätigt gefonden, denn das Product aus M.P. 
und Weglänge war bei den Drucken 205 und 110 
mm = 149 resp. = 123. Ich glaube jedoch 
auf diese Abweichung kein Gewicht legen zu 
dürfen, da die Entladungserscheinungen einen 
ffoiz anderen Charakter hatten als bei den übrigen 
Gasen und fast mit Sicherheit auf eine Zersetz- 
ung des Gases schließen ließen. 

Zum Schluß sei noch bemerkt, daß bei feuchter 
Luft die M. P., folglich die Isolationsfahigkeit 
viel größer war als bei trockener* 

5. Eine Reihe yon Versuchen mit Luft und 
Wasserstoff beweisen, daß die M. P. unter sonst 
gleichen Umständen kleiner ist bei negativer 
Ladung der Spitze als bei positiver; ob auch 
ähnliches stattfindet in Bezung auf die Poten- 
tialdifferenz, bei welcher die Entladung anfängt, 
habe ich bis jetzt nicht entscheiden können. 



Aus dem Vorstehenden geht hervor, daß die 
Untersuchung nicht frei von Lücken ist, und 



404 

somit nicht als abgeschlossen betrachtet werden 
darf. Ich behalte mir Yor im nächsten Wiixbx 
mit besseren und mehr geeigneten Hülfsmittek 
die Versuche zu wiederholen und das Gebiat 
derselben zn erweiteren. 
Straßburg i/E. Mai 1878. 



Bei der Königl. Gesellschaft der Wis- 
senschaften eingegangene Druckdpl]Lri{itjSi]i. 

(Fortsetzung.) 

Die Sulljisohe Abtei. Ein üeberrest der Architeotor dei 

13. J. H. beschrieben von Wlad. Loszotddwecs. Kra- 

kaa 1677. 
Abhandl. der Akad. d. Wies. MaÜiem. Bi^tarwisB. Äbth. 

T. m. Ebd. 
Memoires de la Societe Nationale des Soiences NatoroUeB 

de Cherbourg. T. XX. 
Mittheil, des naturwiss. Vereins för Steiermark. Jahrg. 1877. 
Nachrichten u. gelehrte Denkschriften der Eaieerl. Easaa'- 

sehen Universitikt. Jahi^. 44. Nx>. l-"^ Kiaan.1877. 

(Russisch). 
Memoires de l'Acad. de Montpellier. Seotioin des Soi^oes. 

T. IX. 1er fasc. 1876. -- ^ection des LeUres. T. VL 

2e fasc. 1876. 4. 
J. L. Ussing, kritiske Bidrag til GraekenknAi jfamle 

Geographie. Ejöbenha^^ 1878. 4. 
£. Holm, ander den svensk-mssike Eng fra } 788— 1790. 

Ebd. 1868. 4. 
Yerhandelingen van het Bätaviaasch Clenootsoliap m) 

Ennsten en Weteirachappen. Deel 19. St. 1. BtM^ 

▼ia 1877. 4. 
Tijdsckrift voor Indische Taal- L^ad- en Y«U|ca|)(wd0. 

Deel. 24. 
Twede Yervolg — Gatalogos der Bibliothek van het Ba- 

taviaasoh Genootschap. 
Notulen van het allgemeene en Besturs • Yergaderingeo. 

D. 15. No. 1. 



405 

IVaehriehteo 

von der KSnigl. Gesellschaft der Wissen- 
sdiafien and der G. A. Universiält zu 

Göttingen. 



19. Jani. M 11. 1878. 



KtaigHcli« Gesellschiift der Wissenschaften. 

Preisanfgaben 

der 

Wedekindsohen Preisstiftung 

für Deutsche Geschichte. 



Der Verwaltnngsrath der Wedekindschen Preis- 
sfeiftong for Deutsche Geschichte macht hierdurch 
die A^^gaben bekannt, welche von ihm für den 
yievten Yerwaltungszeitraum, vom 14. März 1876 
Ihb zum 14. März 1886, nach den Ordnungen 
der Stiftung (§. 20) gestellt werden. 
Für den ersten Preis. 
Der Yerwaltungsrath verlangt eine allen An- 
forderungen der Wissenschaft entsprechende Aus- 
gabe der Yon dem Mainzer Eberhard Windeck 

y^rftifiten Denkwftrdigkeiten ttber Lehen und 
Zeit Kaiser SULgismands. 

B& gilt den völlig werthlosen und unbrauch- 
liaren Aibdruok bei Mencken durch eine nach 
Seite der. Sprache wie des Inhalts gleich tüch- 
tige Ausgabe zu ersetzen. Auch nach den Vor- 
arbeiten von Dnmge, Mone, Aschbach, Droysen, 
die mehr nur andeutend als abschließend ver- 
fahren konnten^ stecht das Verhältniß der bis an 
die Zeit des Yerfassers hinaufreichenden Hand* 
sohrifien noch keineswegs fest. 

Vor allem ist erforderlich, die aus Nürnberg 
Bißfm»ejj4% aber voisi da nach England verkaufte 
Ebnersche Handschrift wieder aufzufinden und 



406 

festzustellen, ob die in der jetzt zu Cheltenham 
befindlichen Bibliothek des verstorbenen Sir 
Thomas Phillipps unter No. 10,381 aufgeführte 
Handschrift der Beschreibung bei Asohbach, Eonig 
Siegmund lY, 458, entspricht. Da nur auf Grund 
einer vollständig zuverlässigen Abschrift dersel- 
ben der Nachweis geführt werden kann, ob in 
ihr das Original vorliegt oder nicht, so wird 
der Yerwaltungsrath so bald ala möglich ffir 
eine solche Abschrift Sorge tragen und diese 
der hiesigen Universitätsbibliothek übergeben, 
von der sie Bearbeiter der Aufgabe zur Be- 
nutzung erhalten können^). 

Es wird aber nothwendig sein auch die übri- 
gen Handschriften des 15. Jahrhunderts zu Gotha 
und Hannover zu untersuchen, wo m^lich noch 
unbekannte oder unbeachtete heranzuziehen und 
sowohl ihr Yerhältniß unter einander als die Ab- 
leitung der späteren Abschriften festzustellen. 
Es wird dabei vor allem darauf ankommen, die 
verschiedenen vom Yerfasser selbst herrührenden 
Bearbeitungen und Zusätze, auf welche Droysen 
eingehend hingewiesen hat, in den Texten selbst 
nachzuweisen, um Entstehung und Ausbildung 
der Denkwürdigkeiten durchschauen zu können. 

Die Urkunden und Aktenstücke aller Art, 
welche dem Werke zahlreich eingefügt sind, er- 
fordern genaue Untersuchung in Bezug auf Her- 
kunft, Wiedergabe und anderweitige Benutzung, 
eventuell Ersetzung durch die in den Archiven 
noch vorhandenen Originale. Desgleichen ist 
wenigstens annäherungsweise der Yersuch zu 
machen für die rein erzählenden Theile Ursprung 
oder Quelle beizubringen, namentlich in Bezug 
auf An- und Abwesenheit des Yerfassers. Eä 
darf dem Text an Erläuterung in sprachlicher 
und sachlicher Hinsicht nicht fehlen. 

1) Es ist gesohehn: die Abschrift ist im Besitz der 
jCK^ TTniversitätsbibliothek. 



407 

Die Sprache, welche auf Mainz als die eugere 
Heimath Windecks hinweist, verlangt in der 
Einleitung eben so gut eingehende Erörteruug 
als die mannichfachen Lebenssjchicksale des Ver- 
fassers, die Beziehungen zu seiner Vaterstadt, 
seine Reisen, sein Verhältniß zum Kaiser und 
za andern namhaften Zeitgenossen, seine übrigen 
Werke in Prosa und Dichtung. Auch ist es 
sehr wünschenswerth, daß die bei der Untersu- 
chung und Herstellung des Textes befolgte Me- 
tiiode klar auseinandergesetzt werde. 

Viel Schwierigkeit wird voraussichtlich das 
sprachliche Wortverzeichniß machen, doch ist 
es, um eine wirklich brauchbare Ausgabe herzu- 
stellen, ebenso unerläßlich, als die Wiedergabe 
der originalen Rubriken und Kapitelüberschrif- 
ten und die Zusammenstellung eines geschickten 
Sach-, Personen- und Ortsverzeichnisses. 

Für den zweiten Preis 
wiederholt der Verwaltungsrath die für den vo- 
rigen Verwaltungszeitraum gestellte Aufgabe: 

Wie viel auch in älterer und neuerer Zeit 
für die Geschichte der Weifen, und namentlich 
des mächtigsten und bedeutendsten aus dem 
jüngeren Hause, Heinrich des Löwen, gethan ist, 
doch fehlt es an einer vollständigen, kritischen^ 
das Einzelne genau feststellenden und zugleich 
die allgemeine Bedeutung ihrer Wirksamkeit für 
Deutschland überhaupt und die Gebiete, auf welche 
sich ihre Herrschaft zunächst bezog, insbesondere 
im Zusammenhang darlegenden Bearbeitung. 

Indem der Verwaltungsrath 

eine Cfeschiehte des Jttngeren Hauses der 
Weifen Ton 1055—1235 (von dem ersten 
Auftreten Weif IV. in DeutseUand Ms 
zur Errichtung des Herzogthums Braun- 
dchweig-Lüneburg) 
ausschreibt, verlangt er sowohl eine ausführliche 
aus den Quellen geschöpfte Lebensgeschichte der 



408 

eins^lnen Mitglieder der Familie, namentliok der 
Herzoge, als auch eine genaae DarateUang der 
Verfassung und der sonstigen Zostände in dei 
Herzogthümern Bayern und Sachsen n»ter den- 
selben, eine möglichst vollständige Angabe der 
Besitzungen des Hauses im südlichen wie im 
nördlichen Deutschland und der 2ieit und Weise 
ihrer Erwerbung, eine Entwickelung aller Ve^ 
hältuisse, welche zur Vereinigung des suletst 
zum Herzogthum erhobenen Weifischen Territo» 
riums in Niedersachsen gefuhrt haben. Beizu- 
geben sind Register der erhaltenen Urkunden, 
jedesfalls aller durch den Drock bekannt ge- 
machten, so yiel es möglich auch solcbeir, die 
noch nicht veröffentlicht worden sind. 



In Beziehung auf die Bewerbung nai diese 
Preise, die Ertheilung des dritten Preisea und 
die Rechte der Preisgewinnenden wird aus den 
Ordnungen der Stiftung Folgendes wiederholt: 

1. Ueber die zwei ersten Frelse» I^ 

Arbeiten können in deutscher oder lateiniacher 
Sprache abgefaßt sein. 

Jeder dieser Preise beträgt 1000 Tbaler in 
Gold (3300 Reichsmark) und muß jadesmal gase, 
oder kann gar nicht zuerkannt werden. 

2. Ueber den dritten Preis. Für den 
dritten Preis wird keine bestimmte Ao^be 
ausgeschrieben, sondern die Wahl des Stofib 
bleibt den Bewerbern nach Maßgabe der folgen- 
den Bestimmungen überlassen. 

Vorzugsweise verlangt der Stifter für denselr 
ben ein deutsch geschriebenes Geschichtsbuch, 
für welches sorgfältige und geprüfte Zusammen- 
stellung der Thatsachen zur ersten, und Kunst 
der Darstellung zur zweiten Hauptbedingnng ge- 
macht wird. Es ist aber damit nicht bloß eine 
gut geschriebene historische Abhandlung, sondern 
Ain umfassendes historisches Werk gemeint. 



409 

Speeiallandesgeschichteu sind nicht ausgeschlos- 
sen, doch werden vorzugsweise nur diejenigen 
dfitf «röSam (15) deutschen Staaten berücksichtigt. 

Zur Erlangung des Preises sind die zu die- 
aam Zwecke handschriftlich eingeschickten Arbei- 
teuf und die von dem Einsendungstage des vori- 
gen Yerwaltungszeitraums bis zu demselben Tage 
des laufenden Zeitraums (dem 14. März des zehn- 
ten Jahres) gedruckt erschienenen Werke dieser 
Art gleichmäßig berechtigt. Dabei findet indes- 
»u der Unterschied statt, daß die ersteren, so- 
fern sie in das Eigenthum der Stiftung übergehen, 
den vollen Preis von 1000 Thalern in Gold, 
die bereits gedruckten aber, welche Eigenthum 
des Verfassers bleiben, oder über welche als 
sein Eigenthum er bereits verfügt hat, die Hälfte 
des Preises mit 500 Thalern Gold empfangen. 

Wea» keine preiswürdigen Schriften der be- 
asfiohneien Art vorhanden sind, sodarf der dritte 
Prata angewendet werden, um die Verfasser sol- 
cher Schriften zu belohnen, welche durch Ent- 
deolkan^ und zweckmäßige Bearbeitung unbe- 
kannter oder unbenutzter historischer Quellen, 
Deoiikmäler und Urkundensammlungen sich um 
die dtntsehe Geschichte^ verdient gemacht haben. 
SolcboB Schriften darf aber nur die Hälfte des 
Preises zuerkannt werden. 

Es steht Jedem frei, für diesen zweiten Fall 
Werke der bezeichneten Art auch handschriftlich 
einzusenden. Mit denselben sind aber ebenfalls 
alle gleichartigen Werke, welche vor dem Einsen- 
dungstage des laufenden Zeitraums gedruckt er- 
schienen sind, für diesen Preis gleich berechtigt. 
Wird ein handschriftliches Werk gekrönt, so er- 
hält dasselbe einen Preis von 500 Tbalern in 
Gold; gedruckt erschienenen Schriften können 
nach dem Grade ihrer Bedeutung Preise von 
250 Thlr. oder 500 Thlr. Gold zuerkannt werden. 

Ans dem Vorstehenden ergiebt sich von selbst^ 



410 

daß der dritte Preis anch Mehreren zugleich sn 
Theil werdeu kaun. 

3. Rechte der Erben der gekrSnten 
Schriftsteller« Sämmtliche Preise fallen, wenn 
die Verfasser der Preisschriften bereits gestorben 
sein sollten, deren Erben za. Der dritte Preii 
kann auch gedrackten Schriften zuerkannt wei^ 
den, deren Verfasser schon gestorben sind, und 
fällt alsdann den Erben derselben zq. 

4. Form der Prelsschriften und ihm 
Einsendung. Bei den handschriftlichen Werken, 
welche sich um die beiden ersten Preise 
bewerben, müssen alle äußeren Zeichen vermieden 
werden^ an welchen die Verfasser erkannt werden 
können. Wird ein Verfasser durch eigene Schuld 
erkannt, so ist seine Schrift zur Preisbewerbnng 
nicht mehr zulässig. Daher wird ein Jeder, der 
nicht gewiß sein Kann, daß seine Handschrift 
den Preisrichtern unbekannt ist, wohl thun, sein 
Werk von fremder Hand abschreiben zu lassen. 
Jede Schrift ist mit einem Sinnspruche zu Ter- 
sehen, und es ist derselben ein versiegelter Zettel 
beizulegen, auf dessen Außenseite derselbe Sinn- 
spruch sich findet, während inwendig Name, 
Stand und Wohnort des Verfassers angegeben sind. 

Die handschriftlichen Werke, welche sich nm 
den dritten Preis bewerben, können mit dem 
Namen des Verfassers versehen, oder ohne den- 
selben eingesandt werden. 

Alle diese Schriften müssen im Laufe des 
neunten Jahres vor dem 14. März, mit welchem 
das zehnte beginnt, also diesmal vor dem 14. 
März 1885, dem Director zugesendet sein, wel- 
cher auf Verlangen an die Vermittler der Uebersen- 
duug Empfangsbescheiuigungen auszustellen hai 

5. Ueber ZnlSssigkeit zur Prelsbewer- 

Ibang. Die Mitglieder der Königlichen Societät, 
welche nicht zum Preisgerichte gehören, dturfen 
aiikh ^e jeder Andere um alle Preise bewerben« 



411 

dagegen leisten die Mitglieder des Preisgerichts 
nf jede Preisbewerbung Verzicht. 

A. Yerkflndignng der Preise. An dem 
4. März, mit welchem der neae Yerwaltungs- 
sitranm beginnt, werden in einer Sitznng der 
odetät die Berichte über die Preisarbeiten vor- 
etragen, die Zettel, welche zu den gekrönten 
ohriften gehören, eröffnet, und die Namen der 
ieger yerkündet, die übrigen Zettel aber ver- 
rannt. Jene Berichte werden in den Nachrich- 
m über die Königliche Societät, dem Beiblatte 
er Oöttingenschen gelehrten Anzeigen, abge- 
mckt. Die Verfasser der gekrönten Schriften 
der deren EIrben werden noch besonders durch 
en Director yon den ihnen zugefallenen Preisen 
enachrichtigt, und können dieselben bei dem 
^izteren gegen Quittung ^ogleich in Empfang 
ehmen. 

7. Znrflckforderang der nicht gekrOnten 

lehriften. Die Verfasser der nicht gekrönten 
•ohriften können dieselben unter Angabe ihres 
innspruches und Einsendung des etwa erhalte- 
,en Empfangsscheines innerhalb eines halben 
ahres zurückfordern oder zn rückfordern lassen, 
lofem sich innerhalb dieses halben Jahres kein 
instand ergiebt, werden dieselben am 14. Octo- 
»er von dem Director den zur Empfangnahme 
lesseichneten Personen portofrei zugesendet. 
fach Ablauf dieser Frist ist das Recht zur Zu- 
fickf orderung erloschen. 

8. Druck der Freisschriften. Die hand- 
chriftlichen Werke, welche den Preis erhalten 
laben, gehen in das Eigenthum der Stiftung für 
liejenige Zeit über, in welcher dasselbe den Ver- 
assem und deren Erben gesetzlich zustehen 
vnrde. Der Verwaltungsrath wird dieselben einem 
iTerleger gegen einen Ehrensold überlassen oder, 
venn sich ein solcher nicht findet, auf Kosten 
[er Stiftung drucken lassen, und in diesem Utir 



412 

teren Falle den Vertrieb einer zuverlässigen und 
thätigen Bachhandlang übertragen. Die Auf- 
sicht über Verlag and Verkauf führt der Direetor. 

Der Ertrag der ersten Aaflage, welche aus- 
schließlich der Freiexemplare höchstens 1000 
Exemplare stark sein darf, fällt dem yerfügbaren 
Capitale za, da der Verfasser den erhaltenen 
Preis als sein Honorar za betrachten hat. Wenn 
indessen jener Ertrag angewöhnlich groB ist, 
d. h. wenn derselbe die Drnckkosten am das 
Doppelte übersteigt, so wird die Königliche So- 
cietät aaf den Vortrag des Verwaltangerathes 
erwägen, ob dem Verfasser nicht eine anfteror- 
dentliche Vergeltang zuzabilligen sei. 

Findet die Königliche Societät fernere Anfia- 
gen erforderlich, so wird sie den Verfasser, oder, 
falls derselbe nicht mehr leben sollte, emen an- 
dern daza geeigneten Gelehrten zar Bearbeitung 
derselben veranlassen. Der reine Ertamg der 
neuen Auflagen soll alsdann zu außerordentli- 
chen Bewilligungen für den Verfasser, oder, falls 
derselbe verstorben ist, für dessen Erben, und 
den neuen Bearbeiter nach einem von der Kö- 
niglichen Societät festzustellenden Verhältnisse 
bestimmt werden. 

9. Bemerkung auf dem Titel derselben. 

Jede von der Stiftung gekrönte und herausgegebene 
Schrift wird auf dem Titel die Bemerkung haben : 
Von der Königlichen Societät der Wissen- 
schaften iu Göttingen mit einem Wedekind- 
schen Preise gekrönt und herausgegeben. 

10. Freiexemplare. Von den Preissohrif- 
ten, welche die Stiftung herausgiebt, erhalten 
die Verfasser je zehn Freiexemplare* 

Göttingen,' den 14. März 1877. 

Der Verwaltungsrath der Wedekindschen 

Freisstiftung. 



413 



UTaehrichten 

Ton der KSnigl. Gesellgchafit; der Wissen- 
eehaften und der G. A. Universität zu 

Göttingen« 



IT« JnU. M 12. 1878. 



Ktidlgticlie Geseliscliaft der WissenschafteD. 

Sitzung am 6. Juli. 

ftenfeyi Der Biadevooal i im Sanskrit. 

Kidpert, lieber die Äuflöflong der Gleiohnngen fnnflen 

'Gbetdei. (Torgel. Ton Schwarz.) 
Marxn^^ Uebar Dnboiiia myoperoidev. 
Schrtriiig, üebeErai(Aimg der beglaubigten Absohriften 

von 82 Briefen von und an Gkauft als .Geschenk von 

HbetL Hl n Beim an n in Braonschweig. 



Mittheilmngen ans dem pharmacologi- 
»elieii Injatitut der Univereität 

Göttingen. 

üeber Dnboisia myoporoides R. Br. 

von 
W. Hanno. 

In der Düboisia myoporoides R. Br. |), einem 
in Australien und Neu-Caledonien ein- 

1) Abbildw^gen bei Mi er s ninat. 87 und Joum. d. 
Pharm, et da Ghimie Jain 1878, p. 487 n. 488 u. a. 

34 



414 

heimischen ^) , 4 — 5 Meter Höhe erreichenden 
strauchartigen Baume, den Endlicher zu den 
äbro^AuZarine^ zählte, Ben tham und Hooker 
neuerdings zu den Solaneen stellen, ist der Arz- 
neischatz in diesem Jahre um ein MydHaticum 
bereichert worden , das die bisher gebränchlich- 
sten , das Ätropin , Hyoscyamin und Datwrin 
anscheinend an Wirksamkeit weit überb^ 
Dr. Bancroft in Brisbane entdeckte die 
auffallend stark mydriatische Wirkung der ani 
verschiedenen Theilen der Duboisia dargestellten 
wäßrigen Extracte. Dr. Fortescue in Syd- 
ney, dem er seine Beobachtungen mittheilte, 
sandte zuerst im December vorigen Jahres das 
Extract nach England, wo Dr. Tweedy, Ant 
am Royal London Ophthalmie Hospital, Syd- 
ney Binger und William Murell das neue 
Mittel nach verschiedenen Richtungen prüften 
und eine große Aehnlichkeit zwischen ihm und 
dem Belladonuaextract constatirten. Gerrard 
in London und Petit iu Paris bemühten 
sich mit Erfolg den wirksamen Bestandtheil ans 
dem Extract zu isoliren und betonen beide die 
auffallend große Uebereinstimmung seiner ch^ 
mischen Eigenschaften mit denen des Atropin, 
sind aber doch der Ansicht, daß das Duboisin 
mit dem Alkaloid der Tollkirsche nicht iden- 
tisch sei. 

Gerrard *) bediente sich zur Gewinnung 
des Duboisin fast ganz derselben Methode, die 
zur Darstellung des Atropin von verschiedenen 
Chemikern empfohlen ist. Das gereinigte, mit 

1) In Australien*^ ist Daboisia nach Bentham und 
Müller Flora Australiensis L. 1869 Yol-YI S.474 sehr 
verbreitet , ist aber auch in Neu-Galedonien bes* auf Ba- 
ladea and der Fichteninsel baofig anzntreffen. 

2) Pbarmaceatical Journ. a. Tr. April 1878, 



415 

Wasser yerdännte und mit Ammoniak im Ueber- 
schaß versetzte Extract schüttelte er mit Chloro- 
form, löste den Chloroformrückstand in ver- 
dännter Schwefelsäure und zog aus dieser alka- 
lisch gemachten Lösung das Alcaloid mit Aether 
aus. Die gewonnene Substanz löste sich außer 
in Aether, Alcohol, Chloroform, Benzol, Schwe- 
felkohlenstoff auch in Wasser, dem sie eine ent- 
schieden alkalische Beaction ertheilt. Obgleich 
sie in ihrem Verhalten gegen die meisten Rea- 

fentien — Aetzalkalien, Gerbsäure, Goldchlorid, 
latinchlorid , Schwefelcyankalium und Subli- 
mat — mit dem Atropin übereinstimmt, konnte 
Ger rar d den neuen Körper nicht krystallisirt 
erhalten. Wahrscheinlich war derselbe noch 
nicht völlig rein und deßhalb kann es auch nicht 
Wnnder nehmen, daß er bei Behandlung mit 
conc. Salpetersäure und Schwefelsäure etwas an- 
dere Farbenreactionen zeigt als Atropin. Petit 
in Paris ist es nach neueren Nachrichten gelun- 
gen den wirksamen Bestandtheil in Erystallform 
zn gewinnen. Er soll in Wasser zehnmal lös- 
licher sein als Atropin. Ausführlichere Detail- 
angabe über das von Petit »Duboisin« ge- 
tanfte Alcaloid sind uns zur Zeit nicht bekannt 
geworden. 

Die in England und Frankreich, neuerdings 
auch in Deutschland an Menschen und Thieren 
angestellten Versuche mit Duboisin haben das- 
selbe als ein energisch wirkendes Mydriaticum 
dargethan, das nach den Experimenten von 
Bing er und Murr eil außerdem ähnlich wie 
das Atropin auch die Schweiß- und Speichelse- 
cretion* beschränkt oder sistirt, ferner den durch 
Muscarin bedingten Herzstillstand aufhebt und 
bei Fröschen innerhalb 24 Stunden Tetanus ver- 



416 

Durch meinen verehrten Gollegen Leber erhielt 
ich eine ans Paris bezogiene 0,5 % farblose, klare 
Losung des Alcaloids und ctürch Uetia n. Co. 
eine Ideine Blechdose Extractnm Daboisiae, inif 
welchen beiden Präparaten ich eine Reihe von 
Experimenten ausgeführt habe, die einerseits 
jene Resultate der englischen Beobachter bes^ 
ti^en, anderseits noch weitere Äehnlichkeiteii 
mit Atropin, aber auch gewisse Differenzen zu 
Taffe gefördert haben. 

in der Empfindlichkeit und Resi- 
stenzfähigkeit gegen die giftige Wirkuijg 
des Duboisin zeigen ähnlich wie geglBn Atröpin 
die verschiedenen Thiere eine sehr aüfiallenäe 
Verschiedenheit. Pflanzenfresser — Säuger und 
Vögel — werden am geringsten alfiicirt^ FteüacB- 
fresser zeigen auf verhalinSniaßig kleine Dosen 
schon ausgesprochene Vergiftungserscheinnnj|»n. 
— ßesorbirt wird das Duboisin von allen App& 
cationsstellen aus. Bei Fröschen, denen iie Lo- 
suug auf die unverletzte Bauchhaut auJgesibncW 
wird, treten die Intoxicationssjmptome relaa? 
spät auf. Nach interner oder subcutaner Aj^li- 
cation machen sich die Wirkung auf CirculiEäioii 
und Secretiouen in kürzester 2eit schon geYteüA. 
Wie das Alcaloid rasch resorbirt wird, umerli^ 
es auch einer beschleunigten Elimination und 
verläßt jedenfalls zum Tneil unveränderi den 
thierischen Organismus, am raschesten offenbar 
den der Pflanzenfresser. 

Spritzt man Kaninchen täglich kleine Quan* 
titäten des Extracts in Wasser gelost in cb» 
unter hautbindege webe, sammelt den £[am, ver^ 
setzt denselben mit Oxalsäure, engt das nentra- 
lisirte Filtrat ein, macht es alkalisch und sclifii- 
telt es mit Chloroform aus, nimmt den Ruokcitana 
in schwach angesäuertem Wasser auf, so kann 



417 

man mit die&ier LöBang die mydriatische and die 
characteristische Wirkung auf den Herzvagos 
ohne Schwierigkeit constatiren. 

Die practisch wichtigste Wirkung auf 
Pifpille und Accompdation ist hei Men- 
^Mn zuerst heohachtet. Die Pupille wird so- 
wohl nach fJinträufelung minimaler Mengen in 
ieu Coniunctivalsack wie nach interner oder 
svibcut$gier Applicatioi^ etwas größerer Mengen 
stark erweitert. Diese Dilatation tritt hei Men- 
schen niid Thier^n innerhalh sehr kun^er Zeit 
ein. ^i Vögeln hleibt sie selbst nach Anwen- 
duAg ^o^^r Dosen aus. Bringt man, um die 
Wi^jbmg des Atropin und Duhoisin zu verglei- 
chen, einepa großen Hunde in ein Auge 0,00005 
Daho^p in Wasser gelöst und ebensoviel Atro- 
pin in das andere, so sieht man die Pupille des 
ers^eren ^nges viel früher sich erweitem als die 
des Atropinäuges. Die Erweiterung nimmt ra- 
scher zu, .erreicht früher das Maximum und dau- 
ert ^uch lr~2 Tage länger. Ebenso tritt die 
Upepipfindlichkeit der duboisinirter Pupille gegen 
Lichteindräp^e und Eserinwirkung früher ein 
and erhält sich länger als bei atropinisirten 
Angon« Das Duhoisin wirkt also (die Richtig- 
keit der französischen Lösung vorausgesetzt) 
rascher, energischer und länger auf die Pupille 
ein als Atropin. Nach verschiedenartigen Be- 
obachtungen an Menschen soll es, ähnlich wie 
nach A. von Gräfe das Daturin, auch in sol- 
chen Fällen zweckmäßig zu verwerthen sein, wo 
Atropin nicht oder nicht mehr vertragen wird. 
Aehnliph wie die Pupille beeinflußt das Duhoisin 
auch die Accomodation stärker als das Atropin. 
— Bringt man Duhoisin in ein Auge dessen 
Cornea p^oriit ist, so bewirken selbst größere 
Dosen (0,0001) zunächst gar keine Dilatation 



j,rz 



: - ■ ? : l.t :_ : -.rr. ziii, rr.iger Zeit stellt sicli 
..: :.: i^r-:--:^:!::: z.:-sri:i^T:ui'Z ein, während 
- :- j r lit-j: iz: ii^ r-.iiz.äi Auge gebrachte 
:-.::..:^ i t.i-:- I -=:• Üz^st die Jlazimalwir- 
■- :.:j - ri i: !li:. I»:-rS^ Beobachtnng die 
T ..: : -. • i:- :-: r.i.-i-rz R-rining des Sphincter 
3:. ...i: ".It. • i-- i^n ungehinderten Abfloß 
:• >Il-_. 1. T-^:-«r-r:? i" -riLrichst^r Wcisc erklart, 
^7?*:it.i: :-r i-riir-T'Sr'^ c-rsöoders »merkwür- 
-.x« "i: ^Tstire: *: zierlich gar keine SchloA- 
:..^T:"_:*ri :>:: iü Vc rb^üdensein erweitern- 
z-.: •«.-- :'.-. : -r r I.-. tz: "i*: ~ :it ur. * • 

yi..- -zji'iTrz Vt-rri-hei: scheint das Duboi- 
T.z i" . !: : i T E z i e n der sensiblen Fa- 
?-:z ir- Eil'.-^ iz e:^a abzustumpfen. We- 
-:.»!'! Tt". t^ ~z5 iii, daß sowohl Warm- wie 
?I3>. l::-r ziil irr Application von Daboisin 
B-r .-.>..-: iTrz irrO.rzeä. Sciera nnd ConjunctiTa 
vi-! r-'i:^'rr rrtrz^ez :ind erst anf stärkere An- 

N'i.ir: der Ei" Wirkung auf die Nerven des 
A :i--i:s i^: .-.n: krärtigsten ausgesprochen der Ein- 
.*:..'.. den E^ib'.isic auf Circulation und N. 
V a 'V u - .tu-j'ibt. Schon sehr kleine Posen setzen 
d:-: ileii:r_';njsfaserii des Herzvagus im Herzen 
aiiTier FuriOtion. Die Herzaction wird, soviel 
^vir bis jetzt gesehen habeu. ohne vorangehende 
VerlanL'^amunir unter gleichzeitiger Steigerung 
de.s f Blutdrucks enorm, bis auf die doppelte Puls- 
zahl beschleunigt und diese Wirkung tritt bei 
Hunden gleichfalls sehr rasch, fast unmittelbar 
nach der subcutanen Apj)lication oder der direc- 
tan Injection in die Blutbahn auf. Sie ist haupt- 
sächlich bedingt durch Lähmung der im Herzen 

1) Vergl. die ähnliche Wirkung des Atropin nach 
'^'-'- bei Nothnagel und Roßbaoh 1. o. 



419 

gelegenen letzten Yagnsendigungen, vielleicht auch 
durch eine gleichzeitige directe oder indirecte Erre- 
gung des Vasomotorischen Gentrums. Die stärkste, 
electrische Reizung des Halsvagus vermag, wenn 
diese Wirkung ausgebildet ist, keine Verlang- 
aamung der Herzaction herbeizuführen, während 
die Beizung der Nn. depressores beim Kaninchen 
den Blutdruck nach wie vor herabsetzt. Für 
diese Wirkung auf den Vagus genügen 0,00005 
bis 0,0001 Duboisin. Größere Gaben setzen den 
Anfangs gesteigerten Blutdruck herab und sehr 
gro^ lähmen auch die excitomotorischen Gang- 
lien des Herzens, der Puls verlangsamt, die 
Contractionen des Herzens werden schwächer 
bis schließlich das Herz in Diastole stillsteht 
und der Tod durch Herzlähmung eintritt. 

Mit der Beschleunigung der Herzaction ver- 
bindet sich eine auffallende Unruhe der 
vorher ganz geduldigen Versuchshunde ähnlich 
wie bei Menschen nach Atropinvergiftung ein 
Stadium der Aufregung sich ausbildet. Zur Er- 
klärung dieser Excitation eine directe Erregung 
des Cerebrum durch Duboisin resp. Atropin an- 
znnehmen, können wir uns nach den bis jetzt 
vorliegenden Versuchsresultaten nicht entschlie- 
ßen. Der von Einigen gemachte Versuch die 
Aufregung mit der gestörten Circulation in Cau- 
salnexus zu bringen, scheint uns durchaus nicht 
widerlegt. Namentlich ist der Einwand, daß 
Durohschneidung des Vagus zwar Beschleunigung 
der Herzaction und Steigerung des Blutdrucks, 
aber keine Aufregung veranlasse ganz hinfällig. 
Die durch Duboisin gesetzte Lähmung der Hem- 
mungsfasern, ist doch nicht gleichwerthig mit der 
durch die Discision gleichzeitig gesetzten Beein- 
trächtigung sensibler, vasomotorischer, acceleriren- 
der und trophischer Nerven .des Vagosympathicus. 



Zu der Wirkung anf die HensMtkm g€ieltt 
^ich KUftb eine nach kon dauernder Yex&ogUf 
iiiun^ eiutreteade starke BeBchlennigHiig 
(litr K«8iiiration. Diese letrt«e erliSlt aick 
wie btri der Atropinintoxication sowobl wahrend 
«lt*r Krhühun^ wie während der HerabaetniBg 
«U'H Uliit<Inic.k8. 

KnUnnvJi^nd der Einwirknng auf Reepira- 
(.u\v. %\rf,\ i\i\nilation wird durch kleinste (Sahen 
i^üMiMi .Me Körpertemperatar iffhoht, 
yUi\ii v-oiew Terminidert. 

sinuvviisiioh der Einwirkung des Duhoiein 
k.i. .K jArui|ranglien und den N. splanch- 
, . 1 > !tfiuiinen unsere Resultate nicht gans mit 
.tu itvbdchtungen die Keuchel ^) und BoS- 
> ^. i M bei ihren Versuchen mit Ateopin er- 
Uk.ua hüben. Niemals hahen wir auch beiAn- 
^,...v:'J'J^ dor kleinsten Dosen (iu erwärmter 
..^»^tjg injicirt) eine lebhaftere Darmbewegung 
..Acicceu gesehen, wenn vorher bei den schwach 
... a.isüvteu , künstlich respirirten Thieren uaeh 
\^.chäohi\tMduu^ des Halsvagus das Abdomen 
...^%:i 0,0 '\« blut warmer Kochsalzlösung eröffnet 
'*^i uuil von der Luft während des ganaen Ver- 
^^^wliäi cibv:e$chlo5seu blieb. Die Darmsehlingen 
.w.^coii vielmehr eine ganz auffallende Bake, die 
>«^ä (.luivh mei'hauischen Reiz nurlocal, anschei- 
.vud diuvh directeu Muskelreiz in Bewegung 
.oiäeczeu lieJD. Uaß dabei die Tasomotorisehen 
\ci.on Je.^ Splanchmcus nicht afficirt waren, 
.^.^co das Scei^ix des Blutdrucks bei BeiauBf 
lo -uiien SyiAiichnicu;* 'jach der Ton Asp*) 

l' ü^c2h»I Jad A:ro(?in 'ond die HemmmigBerreo, 



2) AiYueimitt^iltihre vou Xothnsgel and ^^^***^ 



421 

meret in Lndwig^s Labor&torium ausgeführten 
Methode an dem ans der Salzlösung entfernten 
Versnehsthiere (Kaninchen, Katze). 

Die Thätigkeit der Absonderungs- 
n er Ten, die Pilocarpin in früher angegebener 
Weise anregt ^), sistirt Duboisin schon in sehr klei- 
ner Doris. Nachdem jetzt B. Heidenhain in 
seiner aenesten, klassischen Arbeit ^) die Existenz 
zweier bisher in ihrer Wirkungsweise vielfach 
durcheinander geworfener Klassen von Nervenfa- 
sern, 4ie er als secretorischeundals trophi- 
8ohe1i»ezeichnet, in überzeugendster Weise endgül- 
tig dargel^an und zugleich bewiesen bat, daß einer- 
seifhB iäs Pilocarpin wenigstens bei den Speichel- 
drüsen die hauptsächlich (beim Hunde für die 
Parotis sogar ausschließlich) in den cerebralen 
Abeonderungsnerven und nur spärlich im Sym- 
pathicns verlaufenden secretorischen Fasern zu 
ffesteigerter Thätigkeit erregt und anderseits das 
Atropm die Thätigkeit dieser Nervenfasern auf- 
hc/M, dürfen wir für das Duboisin ganz gewiß 
dieselbe Wirkungsweise in Anspruch nehmen. 
Einen doppelten Antagonismus wie ihn Luch- 
sing er fiir Atropin und Pilocarpin behauptet, 
haben wir ebensowenig beim Duboisin wie beim 
Atropin gesehen. 

Duboisin kann endlich ebenso wie Atropin 
bei schwerer Morphinvergiftung gün- 
stig wirken. Hat man Hunde mit ]Vu)rphin. 
hvdrocHl. so weit vergiftet, daß die Herzaction 
bis auf 2—3 Gontractionen in 5. See. gesunken 
ist und die Respiration unregelmäßig geworden, 
für längere Pausen aussetzt und injicirt nun 

li Pieie Naehrichten No. 8. 1878. 
2) Ardiiv ?. d. ges. Phyriolog. vom J. 1878 Bd. XTÜ 
H. 1 S. 1—67. 



422 

kloiue Posen Doboisin in das snbcntane Binde- 
^vweW oder in die BIntbahn, so kräftigt und 
Srscr.'.eari^t sich sofort die Herzaction und re- 
iv*.: >:v:r. in kurzer Zeit die wieder freqnenter 
C^v.T'.lere Respiration. Anderweitige soge- 
vav::i? v/.rd^cnistische Wirkungen zeigt das 
'^'^^i'x* -*::! ilx^seh^n von Papillendilatation so- 
^•?ii ■-: ▼•■? vli* Atrrrin. öenfigt die eingespritzte 
?i;si?* . ':ei i«? z inmer noch tief narcotisirten 
V*!i»?r-i: riiiü:?- Sci'af zu ermöglichen, so er- 
lole-i >itf <:ci :r.e:5t 5i:c»:a nach wenig Stunden; 
<ijii ia^Cf^ wiederbc'-T«* Injectionen TonDnboi- 
>^.! ^rc nierlich nm d:« z«»ankene Herzaction 
i u: ':x<?sp:rarIon zn belew::. so ist der Ausgang 
^trv:au':oh ein letaler. 

cvk:inntlieh wird in ^len Sammelwerken 
uLs Paturiu ftir identisch mit Atropin ansg^e- 
'>e*^ Diese angebliche Identität stützt sich 1. 
iut eine einzige Kohlen- nnd Wasserstoffbestim- 
'r.i:n^ des Daturingoldchlonds und 2. auf zwei 
Stickstoffbestimmnngen des Alcaloids. Ton wel- 
chen I. c. die eine für glaubwürdiger als 
vlie andere erklärt wird und auf drei fernere 
Kohlen- und WasserstoäTbestimmnnsren • deren 
Resultate, wie t. Planta*» S. 255 selbst sagt 
>i::cht jene Febereinstinimungen bieten, wie man 
sie bei ^riten Analysen zu verlangen gewohnt 
ist.* Buohheim*^ hat daher gewiß Recht, 
wenn er die Identität des Atropin und Daturin 
f;;r nicht erwiesen ansieht . so lange nicht für 
das letztere Alcaloid dieselben Spaltungsproducte ") 

r A::r.ik:en der Chemie und Ph. v. 1650 Bd. 74 S. 

J^ Buch heim, die phsrmieol. Grnppe des Atiopio, 
Arch. f. «p. P*th. u=d Pharm. IS76 Bd. V S. 470. 

S KrAu: und Lossen Annal. d. Ch. B. 138. S. 
ÄS). — Bd. 131. S. 48. — Bd. 133. S. 87. — Bd. 188. 
— 60. 148. S. 236. 



423 

wie für das erstere oonstatirt sind. Schroff*), 
der Altmeister der experimentellen Pharmacolo- 
gie, hat hei seinen Untersuchungen über Atro- 
pin und Daturin zwar eine qualitativ gleiche, 
aber quantitativ so verschiedene Wirkung ge- 
funden, daß er dem Daturin die doppelte Wirk- 
samkeit zuschreibt. Danach allein schon kann 
YQn einer Identität beider Alcaloide keine Bede 
sein.. Da nun das Duboisin in einer Dosis, die 
fast zehnfach kleiner als die des Atropin ist, die- 
selbe Wirkung wie dieses auf die Yagusenden 
und andere Nerven ausübt, schließen wir uns 
der Ansicht, die Gerrard und Petit aus dem 
chemischen Verhalten des Alcaloids bereits ab- 
geleitet haben, daß d a s D u b o i s i n mit Atro- 
pin nicht identisch sei, aus experimentell- 
pharmacologischen Gründen an und kommen so- 
mit zu dem Schlußresultat daß das Duboi- 
sin in seiner Wirkung auf Pflanzen- 
fresser und Fleischfresser, in seiner 
Einwirkung auf Pupille, Accommoda- 
tion und sensible Nerven, auf Circula- 
tion und N. Vagus, auf die Function 
der Nervencentra, auf Respiration und 
Temperatur, auf Darmganglien und N. 
splanchnicus, auf die Thätigkeit der 
secretorischen Nerven und endlich auch 
in seiner Eigenschaft als sog. physio- 
logisches Antidot bei Mprphinvergif- 
tungen qualitativ demAtropin gleich- 
steht, quantitativ aber nach allen ge- 
nannten Richtungen hin das Atropin 
und auch das doppelt so stark wirkende 
Daturin weit übertrifft. 

4) Zeitschr. d. Ges. d. AerzÜe z. Wien 1862. S. 211. 



424 

TaViar die Aat'lösnng der Gleichungen 

tnnften Grades 



L. Eiepcrt in Darmstadt. 

Dw nenerdings von den Herren Klein *)» 
Pri'Mch:*') nnd Gordan •) über die Anflosung 
li»r Gleiohanget fünften Grades veroffentliJiten 
\r'^»;t«z haben mich TeranlaBt, eine UnteiBD- 
^'h^-^ aber denselben Gegenstand anzasfcellQLf 
iirct .i*ret Ereebniß, wie mir scheint,, eine 
-ich-, --bed-otende Vereinftchung der von Herrn 
r- - - i a - ffgebeaen Ausdrücke herbeigefUhrt 
rr«: wai«id namhch Herr Gordan seiner 
\C^Tu: fe J^rrard-Hermiteschen Formeln 
- »"T-iaifril?^- ^^^ ™*^ °^i* Anwendung der 
y.-'ngrn ^*?:"straß eingeführten Function 
- .^.-.ffl« kürzeren Wege zum Ziel galan- 
te ntr k^iaighchen Gesellschaft der Wissen- 
=^:>xrteü ^»•*" ^^^ ^^^^ im Nachfolgenden 
^ i^^sg aus meiner Untersuchung mit- 



-'*-.?? i_®"'P*^^*^® Function pu definirt 
M Gleichun&c 

•i^V°; Weitere Untersuchungen über das Dro- 
;v<JI*^* Annalen Bd. 12. p. 503—560) 

^JL'^'^'n''!,' ^""HS ^"^ ^"flösung der Gleichungen 
clhiAen Grade. (Math. Annalen Bd. 18. p!l09 

\Ü?'^a" Lt^^^^'i'® Auflösung der Gleichungen 
teften Qimde. (Math. Annalen Bd. J8. p. 375 

Yrgl. Borchardt'fl Jonmal Bd. 76. p. 21—38. 



t 



425 

während 2a, 2«' ein Paar Fandamentalpe- 
rioden dieser Function bezeichnen; dann sind 
fnr r = 0, 1, 2, 3, 4 



f* 



1 



die Wurzeln der Gleichnng 

(1.) r + ^/'-^-^r + ^ = o. 

wo 

ist t)ie Berechnung der Größen /", /"© > /"i i A; Ai f^ 
wird erleichtert durch eine Umformung, die man 
Mk AehtiAhht vötnehmen kabn , und durch die 
man erhält 

(2.) f = Ki ^iVSU(L=^^ 



2m mni 



wobei € 1== "^ ist , und % i=s e ^ bferechtadt 



426 

werden kann, sobald man die absolute Inva- 

riante - j der elliptischen Function kennt. 

Entwickelt man ^(1 —h^).f und n[\ —h^'').^ 

nach Potenzen von A, so findet man folgende 
Belafcionen bestätigt: 

(3.) k +»A +«*A+«V8+«Y4 = 0, 

§.2. 

Setzt man jetzt 

(4.) »r = 

^[(f -/V)(^*r+2-/'r+8)(/V+4-/'r+l)V, 
|/5 

so werden yoi^n^s* ^3*^4 "i*® Wurzeln einer 
Gleichung fünften Grades 

(5.) J'y^ + 10 J'y» + 45^y — 216^^, = 0. 

Auf diese Gleichung läßt sich aber die all- 
gemeine Gleichung fünften Grades 

(6.) «* -{-äx*+Bps^+Ox*-\-Dx-\-E == 
zurückführen durch die Substitution 

(7.) ^^-ux + v = -l±^, = ., 



421 



9^ 
wobei die Größen m, v^ a, ß^ -| darch AuflösuDg 

Yon nur zwei quadratischen Gleichungen 
bestimmt werden. Zunächst folgt aus 

daft wieder die Wurzel einer Gleichung fünf« 
ten Grades ist, in der man aber durch passende 
Bestimmung yon u und v die Summe der Wur- 
zeln und die Summe der Quadrate der Wurzeln 
gleich Null machen kann. Dies erreicht man 
indem man setzt 

i5t; = —Au-^A^ + 2B, 
(2JL« ^ 5JB) u^ + (4^» — HAB + 15(7) u + 
2^*— 8^«J5 + 10-40 + SJB»- 102) = 0. 

Man findet also für u und v die Werthe 
durch Auflösung einer quadratischen Gleichung 
und erhält für gi die Gleichung 

(9.) e^ + hU^ ~ 5m;8f + w = 0, 

wobei 

f5i.= — 10t?8 — a*» + (— ^C + 4D)w« + 

{^AD^BG ^hE)u- 2AE+2BD - CP, 

bm = 5v^ + lOlv-Du^+{-AD + 6E)u* + 
(10.){ (4AE— BD)u^ + (SBE - CD) w + 

2CJ5 — i)^ 

n = — t?^ — blv^ -j" Swv — 

^(«»^+J.w^ + -Bw3 + Cm«+Dw + JE0. 



-..-■M4Bi 



. .1 . 




« «* 



429 

§3. 

Zur YollständLgen Auflösung einer allge- 
meinen Gleichung fünften Grades sind nach 
dem Vorhergehenden also nur folgende Bech- 
jUKOgs^peiflttiotien nöthig: 

1) Man bereohne aus einer quadratischen 
Grieichung (8.) die Größe u, dann geben die 
Gleichungen (8.) und (10.) unmittelbar die Werthe 
Ton Vj ly m und n. 

2) Sodann berechne onan aus einer zweiten 
quadraltiächen Gleichung (12») a und setze den 
gefimdeüM W^rth in die Fotmeln Cl3.) ein. 



ani 



Ol 



3) Man berechne aus -^ die Größe h = e 

(Vergl. H. Brüts, üeber die Perioden der ellip- 
tisekeii Integrale «rater dnd zweiter Gattung, 
Dorpat 1875). 

4) Ma& bestimme f und f^ (r 33= 0, 1> 2, 3, 4) 
durch die Gleichungen (2.) 

lOVv 



»*^K,n(i^) 



%V 



beiechne 

8& 



430 



«r = — 



■ «+/»yr 



3 + ^»f 



dann sind die Wurzeln x^, ajj, x^, x^, x^ der 
allgemeinen Gleichung fanften Qrades (6L), wie 
unmittelbar aus Gleichung (7.) folgt, für r = 0, 
1, 2, 3, 4 



•4/M •—■ 






llniTersität 



Se. Majestät der Kaiser und König haben 
allergnädigst geruht dem Hofrath Dr. Grise- 
bach den Charakter als Geheimer Regierungs- 
Rath zu verleihen. 



Promotionen der philosophischen Fa- 
cultät unter dem Decanate von Pro- 
fessor Wüstenfeld vom 1. Juli 1877 
bis Ende Juni 1878. 

I. Zum fünfzigjährigen Doctor-Jubiläum wurde ' 

das Diplom erneuert: 

15. October 1877 dem Hm. Dr. Aug. Fried. 
Pott, Professor in Halle. 

8. März 1878 dem Hrn. Dr. Ad. Moraht, Pa- 
stor Primarius in MöUen. 

IT. Von den unter dem Decanat des Professors 
W. Müller beschlossenen Promotionen wutden 

vollzogen: 

26. Februar 1877. Georg Boehm aus Frank« 






431 

fiirt a. 0- Dissertation: Beiträge zur geo- 

gnostischen Kenntuiß der Hilsmalde. 
5. Mai. Franz Wilkens aus Lüneburg. Diss.: 

Ueber Orthochlomitro- und zugehörige Chlo- 

ramido-Benzoesäure. 
7. Mai. Job. Herrn. Kloos aus Amsterdam. 

Diss. : Geognostische Beobachtungen im 

Staate Minnesota. 
7. Juni. Ernst Bosochatius aus Danzig. 

Diss.: Ueber Bewegungen eines Punktes. 
S.Juni, flerm. Hahn aus Hamburg. Diss.: 

De particnlis qtmsi et velut apud Taeitum. 
16. Juni. Maximilian Klatt aus Bratwien in 

Westfalen. Diss.: Studien zur Geschichte 

des Eleomenischen Krieges. 
25. Juni. Georg Huges aus Hannover. Diss.: 

Ueber die lineare Transformation der The- 

tafunctionen. 

27. Juni. Walter Friedensburg aus Ham- 

burg. Diss.: König Ludwig der Bayer und 
Friedrich von Oesterreich von dem Vertrage 
zu Trausnitz bis zur Zusammenkunft in 
Innsbruck 1325—1326. 

28. Juni. Samuel Löwenfeld aus Posen, 
Diss.: Leo von Vercelli 999—1026. 

in. Fönende Promotionen sind unter dem De- 
canate des Professors F. Wüsten feld vom 1. 
Juli 1877 bis zum 30. Juni 1878 bewilligt und 

vollzogen worden: 

11. JuU 1877. Friedr. Chr. Müller aus Wah- 
renholz bei Gifhorn. Diss.: Untersuchungen 
über die Struktur einiger Arten von Elatine. 

14. Juli. Friedr. Schwarzer aus Glatz in 
Schlesien. Diss. : Ueber Additions- und 
Substitntionsproducte des Anthracens. 

20. Juli. Joseph Will. Spencer aus Dundas 



432 

in Canada. Diss. : On the Nipigon or <3opper- 
bearing rocks of Lake saperior„ with notes 
on copper mining in that region. 

22. Juli. Faul H u n a e u s aus Hannover. Diss. : 
lieber gechlorte Aerylsäuren und über einige 
dem Chlorid analoge Körper; 

27. Juli. Carl Otto Schlutess ans Druxberge 
bei Magdeburg. Diss. : De Epimenide Orete. 

29. Juli. Herrn. Behaghel v. Adlerskron 
aus Friedrichshof in Liyland. Diss. : üeber 
Dinitrosilicylsäure . 

31. Juli. Otto Kern aus Hildesheim. Diss.: 
üeber die Einwirkung von Brom auf M&- 
tamidobenzoesäure und von Chlorbenzoyl auf 
Orthoamidobenzoesäure , sowie ein Beitrag 
zur EenntniA der Amide der 2iimmtsaure. 

1 . August. Carl Z e u m e r aus Hannover. Diss. : 

Die deutschen Städtesteuerii im 12. u. 13. 
Jahrhundert. 

2. August. Joh. Nie. Kruse aus Hennstedt im 

Ditmarscben. Diss.: lieber die Alpha Me- 

tanitro ortho amido benzoesäure und die 

Ueberfuhrung derselben in Metanitro ben- 
zoesäure. 

3. August. Georg Matthaei aus Qrünberg in 

Schlesien. Diss.: Die Klosterpolitik Kaiser 

Heinrichs IL Ein Beitrag zur Geitohichte 

der Reichsabteien. 
5. August. Imm. Ernst Lausch aas Eönig»- 

berg. Diss.: Die kärnthenisohe Belehnungs- 

frage. 
7. August. Robert Rollwage aus SeUde am 

Harz. Diss.: üeber gebromte Salicylsäure 

und Aethylimidobenzoesäure. 
(Fortseteong folgt.) 



433 



JNaehriehteii 

von der Königl. Gesellschaft der Wissen- 
schaften und der G. A. Universität zu 

Göttingen. 



24. JuU. M 13. 1878. 



Universität 

Verzeichniß der Vorlesungen 
auf der Georg-Augusts-Üniversität zu Göttingen 

während des Winterhalbjahrs IS'^^/iq. 

Die Vorlesungen beginnen den 15. October 1877 

und enden den 15. März 1878. 

Theologie. 

Kritische and hermeneatische Einleitung in die kano* 
nischen und apokryphischen Bücher des Alten Testaments : 
Prof. Bertheau vierstündig um 3 ühr. 

Einleitung in das Alte Testament: Prot Duhm vier- 
stündig am 3 Uhr. 

Alttestamentliche Theologie : Prof. Schultz fünfstündig 
um 11 Uhr. 

Geschichte des Volkes Israel: Prof. Duhm dreistündig 
Montag, Dienstag, Mittwoch um 4 Uhr. 

Leoen Jesu: Prof. Wagenmann vierstündig um 9 Uhr. 

Erklärung der Genesis: Prof. Schultz fünfstündig um 
10 Uhr. 

Erklärung des Buches des Propheten Jesaia : Prof. Ber- 
theau fünfstündig um 10 Uhr. 

Erklärung der chaldäischen Abschnitte des Buches 
Daniel: Derselbe Dienstags und Freitags um 2 Uhr. 

Erklärung der Psalmen : Prof. de Lagarde fünfstündig 
am 10 Uhr. 

Erklärung der Bücher der Richter und Samuelis : Prof. 
Duhm Donnerstags and Freitags um 4 Uhr öffentlich. 

36 



434 

Erklärnnf2f der synoptisohen Evangelien: Lic. Wend 
fünfmal um 9 Uhr. 

Erklärong der Briefe des Paalns a^ die Bölner und 
Galater: Prof. Lünemann fünfmal um 9 Uhr. ^ 

Erklärung der paulinischen fi^efe ÄÜt iflitÄnUittttb des 
Römerbriefs und der Pastoralfariefe: Prof. Wieainger 
fünfstündig um 9 Uhr. 

Erklärung der katholischen Briefe : Prof. Ititsehl fonf- 
mal um 11 Uhr. 



Eirchengeschichte Theil TL: Prof. Wagenmann fonf- 
stündig um 8 Uhr. . •. j ^ 

Hannoversche KirchengescHicnte : Derselbe SonnabendB 
um 8 Uhr, öffentlich. 

Eirchengeschichte der neueren Zeit s^it der iteforntli- 
tion mit Rückeicht auf Hasse's Eirchengeschichte: Prof. 
Reuter sechsmal um 12 Uhr. 

Dogmengeschichte: Derselbe sechsmal ttm ^ Ühr. 

Ueber die sogen, oecumenischen Symbole: ISA^Kd^üi^ 
husch unentgeltlich Mittwochs nm 6 ühr. 

Comparative Symbolik: Prof. Schöberlein viermal um 
5 Uhr; Lic. Kattenhusch vierstündig. 



Prolegomena zur Dogmatik: Prof. Schöherteät Sonn- 
abend um 12 Uhr, öffentlich. , 

Dogmatik Th. I.: Prof. Bitschi fünfstündig om 12 üfir. 

Theologische Ethik: Prof. Schöherlein f&fstundig nm 
12 Uhr. 

Praktische Theologie: Prof. Wiesinger vito- bis fBnf- 
mal um 3 Uhr. 

Eirchenrecht und Geschichte der KirchidnverliUBttttg 
s. unter Rechtswissenschaft S. 485. 

Die Uebungen des königl« homiletischen Seminan 
leiten Prof. Wiesinger und Prof. Schultz abwedbsekid 
Sonnabend von 9—10 und 10 — 12 Uhr öffentlich. .. 

Eatechetische Uebungen: Prof. Wiesinger ^AittiroiihByon 
5—6 Uhr, Prof. Schultz Sonnabends von 4—6 übr öffentlich. 

Die liturgischen Uebungen des praktisch-theologischen 
Seminars leitet Prof. Schöberlein Mittwochs um 6 Uhr 
und Sonnabends von 9—11 Uhr öffentlich. 



Eine dogmatische Societät leitet Prof. . Spfi^rlein 
Donnerstags um 6 Uhr ; eine historisch^theologische Qpiode- 
tät Prof. Wagenmann Freitags um 6 Uhr; kirchenlüisto* 



435 

ÜBckh UWbxi^ räf. jR^!^ Ddl)pa«HCdg^ tiM 6 Uhr ; 
eine hebraiBche, Gesellschaft leitet za gele^f^neii Sauden 
Ptoti dif Lägäfäii. 

Rechtswissenschaft. 

Institationen des Römischen Rediti; yiefüial iiföö'hefit- 
%dä ¥<in tl--12 TJhir FKrf. HaHmähm 

mMmM dM röttisoben R^htft: fütifxüal wö^shentlich 
▼cm 12—1 Uhr Prof. MätMaüH. 

BömiBoher^Civilprooess: Prof. Hartmann Montags und 
ÜdnilMtdgii Von 4—5 tfhr. 

F^dekten^allgemeiner Theil und Sadhenrecht: tllgliöh 
^tf n-^12 ÜKr ütfd Sonnabetod vöii 12 — 1 Ühi- Prof. 

^^mMÄ, Öbtigidiötiääreiöht: ftUiföiil vöt 12—1 Uhr 
Prof. o. Jhering. 

Bömisqhes Erbrecht : fünfmal von 8 - 4 Uhr Prof. Wolff. 

Bfebitt0&^lSi4SQ^lit: Ü^. ZiUimhh ttönÜ^, l)iefistag, 
Dolmerstaff ond Freitag von 10—11 Ohr. 

radeft^-hyctiöu&: Dr. Aielfnam, Mittwoch von 5 
—7 Uhr. 

Deotsohe Staats* nndJleeh^eschiohte : fünfmal wöchent- 
lich von 10—11 Uhr Pkif. Mejer. 
. (JbssdiiohtQ. des .deutschen Stadtewesens : Prof. Frens- 
dorjf Mittwodki nnd Sonnabend von 12—1 Uhr. 

Deutsches Privatrecht mit Lehnrecht: Prof. Fremdorff 
lieMig, Dienstag, Donnerstag, Freitag von 11—1 Uhr. 

Handelsrecht und "^echselrecht und Seerecht: fanftnal 
tfif 0—10 Uhr Pr(^. Thfil, nach swiem Buch (das Han- 
delneoht 6. Aufl. Das Wechselrecht 4. Aufl.). 

Semoht: sweinal wöchentlich Dr. JShrenberg. 

Die Lehre von den Handelsgesellschaften, sowie den 
Erwerb«- uad Wirthsohaftsgenossenschaften : einmal wo- 
chenÜioh unentgeltlich Dr. Ehrenberg. 

Preussisehe« Privatrecht: viermal wöchentlich von 11 
— la Uhr Prof. Ziebarth. 

JDQjutaohgB äirafrecht: fünfmal wöchentlich von 10—11 
Uhr' l^rof. John. 

ißeschichte des Strafrechts und des Strafprocesses Dr. 
«. j^esmbi^ü^j^d, Donnerstag von 4—5 Uhr unentgeltlich. 

Presairiirai^t: Dr. v. Kries Sonnabend von 11—12 
yyia mientgeRlioii. 



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. ..^*i.— s • •• '• ^:. :z J'-^nax vor 4- 




£?•.•. Henle Moni*: 

Prof. Ilen'tt täß^iici. 

?" £'^".... DienFtar. I'ol- 

:/.:::.r r:: Prcsector I^r. ;. 

: ^rvAi T •Trwebelehre. hk'i 

: Lr- i'.nLalen Histolögif 
'^'trr -. Freitag von 2— 

J'rrTi-.lojjie mit Erlänt«- 
•i n-ipi'skopische Demon- 
-»iiitf Stunden wöchentlich 



437 

Ezperimentalphysiologie II. Theil (Physiologie des 
Nervensystems und der Sinnesorgane): Prof. Meissner 
täglich von 10—11 Ühr. 

Ueber Ange und Mikroskop trägt Prof. Listing zwei 
Blal wöchentlich in passenden Stunden privatissime vor. 

Arbeiten im physiologischen Institute leitet Prof. 
Meissner täglich in passenden Stunden. 



Allgemeine Pathologie und Therapie lehrt Prof. Krä- 
mer Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag von 4-5 Uhr 
oder zu anderen passenden Stunden. 

Allgemeine Pathologie trägt Prof. OrOt Montag, Dienstag, 
Bfittwoch, Donnerstag von 12—1 ühr vor. 

Pathologische Anatomie der Knochen und Muskeln 
lehrt Prof. Orth Sonnabend von 12 — 1 Uhr. 

Demonstrativen Cursus der pathologischen Anatomie 
und Histologie hält Prof. Orth Montag, Mittwoch , Sonn- 
abend von 2—3 Uhr, verbunden mit Sectionsübungen au 
der Leiche zu passenden Stunden. 

Praktischen Cursus der pathologischen Histologie hält 
Prof. Orth in später zu bestimmenden Stunden. 

Physikalische Diagnostik mit praktischen Uebungen 
lehrt Prof. Eichhorst Montag von 4—5, Donnerstag von 
4—6 ühr. Dasselbe trägt Dr. Wiese viermal wöchentlich 
in später näher zu bezeichnenden Stunden vor. 

Laryngoskopische Uebungen hält Prof. Eichhorst 
Montag von 5-6 Uhr. 

üeber Diagnostik des Harns und Sputums nebst prak- 
tischen Uebungen trägt Prof. Eichhorst Mittwoch von 6 
— 7 Uhr vor. 

Experimentelle Arzneimittellehre verbunden mit prak- 
tischen üebuugen im Receptiren und Dispensiren lehrt 
Prof. Marme dreimal wöchentlich von 5—6 Uhr.' 

Die gesammte Arzneimittellehre, mit Demonstrationen 
und Versuchen verbunden, trägt Prof. Husemann fünfmal 
wöchentlich von 3 — 4 Uhr oder zu gelegenerer Zeit vor. 

Ausgewählte Capitel aus der Toxikologie demonstrirt 
esroerimentell Prof. Marme Donnerstag von 6—7 Uhr 
öfienüich. 

üeber die Gifte des Mineralreichs trägt Prof. Huse- 
mann Mittwoch von 2 3 Uhr öffentlich vor. 

Pharmakologische und toxikologische Untersuchungen 
leitet Prof» Marme im pharmakologischen Institut täglich 
privatiodme und gratis. 



m 

Uebongen m^ UntopwaohanuB^en fm Am fSitA^i^ fiat 
Pharsoj^ologie unA Toxikolggie Ipitet frof. J^u^fif^m^ 
in gewohnter Weise. 

Pharmakognosie, ü. Thßil, lehrt Prof. Wigß^s tjifdfaX 
wöchentlich von 3—8 Uhr. 

Pharmacie, II.Theil, lehrt Prof. Wigpers sec^t^nul wö- 
chentlich von 8-9 Ühr; Djwplbe ftpf. p/9tf J/j^ ^ 
Stunden am 8 Uhr; Dasselbe l)r, Stromeyer privalaanme. 

Elektrotherapeatisohe Corse verbanden mit praktiBohen 
üßbnngekn an Qesunj^n and Krankon fattt BxoL Ifarmi 
zweimal wöohentlich in spater isa beatimiDeiiden Standou 

Specielle Pathologie und Therapie 9. fiälfte: Prof. M- 
stein Dienstag, Mittwoch « Freit. , Sonnab. von 4r^i Uke, 

Ueber aoute Isieotionskrankheitan tragt (Prof. Mäue 
viermal wöchentlich vor. 

Ueber Hautkrankheiten und S^hilis tv&gt Prof. Srä' 
mer dreistündig vor. 

Ueber Kinderkrankheiten 2. Theil lieft Prof. J^(Morü 
Dienstag und Freitag von 6 — 7 Uhr. 

Die medioinische Klinik and Poliklinik leitafc Prot 
Ebstein täglich von 10Vt--il3 TJhr, 

Specielle Chirurgie : Prof. Lohmeyer fünfmal .wö(^bent- 
lioh von 8—9 Uhr. 

Ueber die Krankheiten der Gelenke tragt Prof. EihUg 
viermal wöchentlich von 5—6 lUhr vor. 

Die Lehre von den cbirnrgiBQhen OpQratiopei]| .tnigt - 
Prof. Rosenbach vier Mal wöchentlich vor. 

Einen chirargi3ch-diagno8ti8chen Gorsos halt Dr. JSiedel 
zweistündig. 

Einen Verband-Gursus hält Dr. Biedel einatondig. 

Die chirurgiAohe Klinik leiLet Prof. Kifnig -^i^iflich 
ausser Sonnabend von 9 — 10 Uhr. 

Chirurgische Poliklinik wird Sonnabend von 10 — 11 
Uhr von Prof. KOnig u. Prof. üosenhach gemeinsohaftlioh 
and öffentlich gehalten. 

Die Anomalien der Befraction, AcconunodatiMi und der 
Muskeln des Auges mit praktischen Uebimgien labit^Dlr. 
Deutschmann zweimal wöchentUeh in za veüabvedfindfn 
Stunden. 

Aagenoperationscorsus halt Prof. X«^' Mittwoch vnd 
Sonnabend von 8—4 Uhr. 

Praktische Uebungen im Gebrauch des Aagenspiegels 
leitet Prof. Leber gemeii^oh^Uioh mit Dtr. Heuti^mann 
Mittwoch und Sonnabend von 12-rl Uhr. 



439 

^^luiik dßr Augenkrankheiten hält Frof, Leber Montag, 
Dienstaigr, Donnemäg, Freitag von 12 — 1 Uhr. 

Demonstrativen Cursas der Pathologie und Therapie 
dep Ohren mit üebangen im üntersachen des Gehörorgans 
vwbiind|en hält Dr. BUrkner Dienst, n. Freit, von 2—3 ühr. 

jPolijuinik für Ohrenkranke hält Dr. Bürkner an zwei 
noch ZQ bestinjimendon Tagen von 12 — 1 ühr. 

Gebnrtskandß trägt Dr. Hartwig Montag, Dienstag, 
l^tiJivpQh,' ^onnersfag, Freitag um 3 ühr vor. 

''deimirtBlxfllfiiohen Operationscnrsus am Phantomi hält 
ProlP. Sehwattz Mittwoch und Sonnabend am 8 ühr. 

Gyna«kologi8ohe Klinik leitet Prof. Schtvartz Montag, 
^ebiftag,' iDoiinerBtag und Freitag am 8 ühr. 

'pfej^cniatfrfso&e EUnik in Verbindang mit systematischen 
Vorträgen über Geisteskrankheiten hält Prof. Meyer Mon- 
taff iipd Donnerstag von 4—6 ühr. 

GjQciohtlicl^ Medicin trägt Prof. Krause Dienstag nnd 
Freitag von 4—6 ühr vor. 

Ueber offeiitlidie Gesundheitspflege trägt Prof. it/ets^ner 
Dienstaif, JtfiibtFOcb, Freitag von 5 — 6 ühr vor. 



Anatomie, Physiologie und specielle Pathologie derHaus- 
thiere lehrt TjP6f. Esser fönf Mal wöohenüioh von 8— 9 ühr. 

Kfjnische Demonstrationen im Thierhospitale hält Prof. 
JSssir klza veriftbredenden Standen. 

• Philosophie. 

Gefliohichte der alten Philosophie: Frof.Peipers, Mont. 
DiemctCDonn. Freit., 5 ühr. — - Geschichte der neueren Phi- 
loBOJ^e, mit Einleitung über Patristik und Scholastik : Prof. 
Baumann, Mont. Dienst. Donnerst. Freit, 5 ühr. - DiePhi- 
Ipiföphie EfmtB: Dr. Ueberhorst, Mittw. u. Sonn. 12 ühr. 
■ '''^liogik and Encydopädie der Philosophie: Dr. Eeh' 
piseh, ^ont. Dienst. Donnerst. Freit., 11 ühr. 

B2r&ämtni88theorie und Metaphysik: Prof. Baumann y 
Moni. Dienst Donn. Freit., 3 Uhr. 
' PlBychoIbgie: Prof. Lotze, vier Stunden, 4 Ühr. 

Beligionqihilosophie: Prof. Xo/^, Vier Stunden, 10 ühr. 

ä^ohichte una System der Naturphilosophie : Dr. 
Miükr, vier Stunden, 8 ühr. 

' Ä<9ethdtik: Pi^f: Bohtz, Mont. Dienst Donnerst u. 
Freit, U^I^u:. 



440 

lieber die TonempfinduDgen: Dr. Müller, Mittwoch 4 
Uhr, unentgeltlich. 

Prof. Peipers wird in einer philos. Sodet&t AbBchnitta 
aus Kants Kritik der reinen Yemonft, Mittw. 4 Uhr, be- 
handeln, öffentlich. 

Philosophische üebungen: Dr. Itehniseh, 

Dr. Ueberhorsf behandelt in einer philos. See. Hnme's 
Untersuchung in Betreff des menBchlichen VeistandsB 
(v. Kirchmanns Uebersetznng) , Donnerst. 6 Uhr, un- 
entgeltlich. 

Dr. Müller wird in einer psychologiodhen Soc einige 
ausgewählte Kapitel der Psychologie l^handeln , Freit. 6 
Uhr, unentgeltlich. 

Geschichte der Pädagojgik: Prof. Krüger, zwei Staih 
den, 3 Uhr. 

Grundzüge der Geschichte der neneren Pädagogik: 
Prof. Baumann^ Mont., 6 Uhr, öffentlich. 

Die Üebungen des K. pädagogischen Seminars leitet 
Prof. Sauppe^ Donn. und Freit., 11 Uhr, öffentüolL 

Mathematik und Astronomie. ' 

Analytische Geometrie: Frot Schwarz, 5 Stunden« 9 Uhr. 

Uebor Maxima und Minima (in geometrischer Behand« 
lungsweise) : Prof. Schwarz, Mont.u. Donn., 4 Uhr, öffentlich. 

Theorie der realen , der imaginären und d^r idealen 
Zahlen : Prof. Schering, Mont. Dienst. Donnerst. Freit., 8 Uhr. 

Algebraische Analysis , mit einer Einleitung über die 
Grundbegriffe der Arithmetik: Prof. Stern, fünf Standen, 
11 Uhr. 

Differential- und Integralrechnung nebst Einleitung 
in die analytische Geometrie der Ebene: Prof. Ennepeir, 
Mont. bis Freit., 10 Uhr. 

Theorie der bestimmten Integrale: Prof. Stern , 4 
Stunden, 10 Uhr. 

Einleitung in die Theorie der analytischen Functionen: 
Prof. SchwarZyb Stunden, 11 Uhr. 

Theorie der elliptischen Funktionen: Prof. Enneper, 
Mont. bis Freit., 12 Uhr. 

Molecular -Mechanik: Prof. Schering, Mont. Dienst. 
Donn. Freit. 9 Uhr. 

Hydrostatik: Prof. Ulrich, 4 Standen, 5 Uhr. ^' 



441 

Elektrodynamik in mathematischer Behandlang: Dr. 
Fromme y Dienst, u. Donn. 12 Uhr. 

Theoretische Astronomie: Prof. Klinker fues, Mont. 
Dienst. Donnerst, n. Freit. 12 Uhr. 

In dem mathematisch - physikalischen Seminar leiten 
mathematische Üebungen Prof. Stern ^ Mittwoch 10 Uhr, 
und Prof. Schering, Mittw. 8 Uhr; leitet geometrische 
Uebnngen Prof. Schwarz, Freit. 12 Uhr; giebt Anleitung 
ZOT Anstellung astronomischer Beobachtungen Prof. Klin' 
kerfues, in einer passenden Stunde. Vgl. Naturwissen- 
schaften S. 441. 

Mathematische Gollo^uien wird Prof. Schwarz, priva- 
tissime und nnentgeltlich, wie bisher leiten. 

Naturwissenschaften . 

Specielle Zoologie» 2r Theil: Prof. Ehlers, Mont — 
Freit. 10 Uhr. 

Anthropologie: Vvoi, Ehlers, Mont. Dienst. Mittw., 6 Uhr. 

Zootomisch-mikroskopischer Kurs : Prof. Ehlers, Dienst. 
und Donnerst. 11 — 1 Uhr. 

Zoologische Uebungen wird Prof. Ehlers taglich mit 
Ausnahme des Sonnabend von 10—1 Uhr anstellen. 

Eine zoologische Societät leitet Prof. Ehlers, priva- 
tissime, unentgeltlich. 

Allgemeine Einleitung in die Botanik: Dr. Drude, 
Mont. bis Freit., 12 Uhr. 

Allgemeiner Theil der Physiologie der Pflanzen: Prof. 
Cfrisebaoh, Mont. u. Donnerstag, 4 Uhr. 

Pflanzengeographie: Prof. Grisehach, Dienst, u. Freit,, 
4 Uhr. 

Allgemeine Botanik (incl. Anatomie und Physiologie 
der Pflanzen): Prof. Reinke, Mont. Dienst. Donn. Freit., 
12 Uhr. 

Ueber officinelle und medicinisch- wichtige Pflanzen: 
Prof. Reinke, Dienst, u. Freit., 4 Uhr. 

üeber die Krankheiten der Culturgewachse: Prof. 
Reinke, Mittw. 12 Uhr. 

Demonstrationen von Pflanzen des botanischen Gar- 
tens: Prof. Orisebach, Mittw. 11 Uhr, öfifentlich. 

Mikroskopisch - botanischer Kursus : Prof. Reinke, 
Mittw. von 8-12 Uhr. 

Mikroskopisch-pharmaceutischer Kursus : Prof. Reinke, 
Bdimabexid 9—11 Uhr« 



H9 

MikroskopiBoher Kuniu zur Dntenpohung von H|^- 
ruD)^- und Genassmitteb : I^of. JUinke, Sgfmabj^ JLl 
— 1 Uhr. 

Anleitung zu eigfenen botaniaefaen Untemehqogan 
giebt Dr, Drude, Mittw. 2—4 und Sopnab. ß— 1 Uhr, 
privatiBsime. 

Mit den Fortgeschritteneren wird (fr. Jhrude ^ bo- 
tanische Societät Donnerst. Abend 6 .Uhjr forUetsen. 

Mineralogie: Prof. Klein, fünf Standen, 11 Uhr. 

Elemente der Mineralogie, mit besondirer Berfiok« 
sichtigung der nutsbaren Mineralien, verfoondai mit De- 
monstrationen und Uebungen: Dr. Lang ^ Moni. Difliui 
Donn. Freit., 2 Uhr. 

Erystallographie (nadh Millee) wd Krystalloptik : 
Prof. Listing, Mont. Dienst. Donn. Freit. 12 Uhr. 

Palaeontologie : Prof. von Seebaeh, f&nf SläuuUii, 9 Uhr. 

Petrographische und palaeontologisohe Uebüigeii leitet 
Prof. von Seebach, Montag, Dienstag und' Donneratag 
10—1 Uhr, priyatissime, aber unentgeltlioh. 

Mineralogische Uebungen: Prof. Klein, Sonnabend 
10-12 Uhr, öffentlich. 

Krystallographische Uebungen: Prof. Klein ^ luriva- 
tissime, aber unentgeltlioh, in zu bestimmenden Skuiden. 

Die in der Geologie Fortgeschritteneren ladet Peel wm 
Seebach zu der geologischen Gesellschaft ein, Mittwodi 
Abends 6-8 Uhr. 



Experimentalphysik, zweiter Theil: Mag^tismuSi 
Elektricitat und Wärme: Frol lüecke, Mont. Diqä^ 
Donnerstag Freitag, 6 Uhr. 

Ueber Auge und Mikroskop: Prof. Listing, priyatiB- 
sime, in zwei zu verabredenden Stunden. ' 

Die praktischen Uebungen im physikalischen Labora- 
torium leitet Prof. Rieche, in Gemeinschaft mit den >ä- 
sistenten Dr. Fromme und Eand. NiemöÜer (Ehnite Ab- 
theilnng: Dienst. Donnerst» Freit. 2—4 Uhr nna Spün- 
abend 9~ 1 Uhr; zweite Abtheilung: Dienst, a. Freit. 
2—4 Uhr, Sonnabend 11-1 Uhr)! 

Physikalisches Golloquium: Prof. Listing, Sonnabend 
11—1 Uhr. 

Repetitorium der Physik, in gelohnter Weise: Dr. 
Fromme, Dienst, u. Freit 6 Uhr, privatissime. 

Mechanik and Elektrodynamik: YgLJ^atherjfuOik 8.440. 



I9 dem matliematisoh - physikalischen Semin^ar leitet 
»hysikalisohe Uebtmgeii Prof. Listing, Mittwoch, am 13 
Jhftf AosgVwIUUte Kapitel der Experimentaiphyeiik and 
1^ m^^ttiAq^^chep Physik: Prof. Mieeke^ MittwQch 11 
Ihr. YgL Ma^tsmatik und Astronomie S. 440. 



Allf[emeine Chemie: Prof. Hühner, sechs Stand., 9 ühr. 

A1lg[emeine organische Chemie (2r Theil) : Prof. Hüh" 
ler, Freit, 12 ühr. 

<%p|[aiii8ohe Chemie für Mediciner: Prof. von Uslar, in 
^pftter'sa bestimmenden Standen. 

Organische Chemie für Landwirthe: Prof. ToUens, 
iont. n. Dienst. 10 ühr. 

Technische Chemie fär Landwirthe: Prof. Toüens, 
ütt^. Donnerst, a. Freit. 10 ühr. 

Chemische Technologie, IL Theil: Dr. Post, Dienst. 
md DonnMnt,-12 ühr. 

Qoantitatiye Analyse: Dr. Post, 2 Standen. 

^oalitative Analyse: Dr. Post, 2 Standen, anentoeltlich. 

Einzelne Zweige der theoretischen Chemie: Dr. Stro» 
m/tyifr, privatissime. 

Uebongen in chemischen Rechnangen (Stoeohiometrie) : 
Pnrf. ToUens, Dienst., 6 ühr, öffentlich. 

OieTorlesangen über Pharmacie s. anter Medidn S. 487. 

Die praktisch-öhemischen üebungen and wissensch'afb- 
lii^ien Arbeiten im akademischen Laboratorium leiten die 
Professoren Wühler und Hühner in Gemeinschaft mit den 
Ikssistenten Dr. Jannasch, Dr. Post, Dr. Freriehs, Dr. 
PoHOfitrf, Dr. ßrüphner, Dr. Mudolph. 

Prof. Boedeker leitet die praktisch - chemischen Ue- 
Imnjgon im physiologisch -chemischen Laboratorium, tag- 
lich ^it Ausschl. d. Soünab.) 8 — 12 und 2—4 ühr. 

Prof. Toüens leitet die üebungen im agriculturchemi- 
Bohen Laboratorium in Oemeinschaft mit dem Assistenten 
Dr. SehmOger , Mont. bis Freit, von 8—12 und von 2— 
i Vbr.' 



Historische Wissenschaften. 

m 

f^mgßfOfime Srdkonde: Dr. KrUmmel, Mont., Dienit, 
Domi., Freit 6 ühr. 

Pi;a)cti9o)>e Piplpi^atik mit üebui^ien : Prof. Wemäcker^ 
Mont. und Dienst 9 Ul^jr. 



444 

Allgemeine Geschichte des MitielalterB: Prof. Pauli, 
vier StandeD, 8 Uhr. 

Geschichte unserer iZeit : Prof. Patdi, 4 Stunden, 6 ühr. 

Deutsche Geschichte im Mittelalter: Dr. Bemkekn^ vier 
Stunden, 10 Uhr. 

Vergleichende Verfassungsgeschichte Deutschlands und 
Frankreichs: Prof. Weizsäcker ^ 4 Stunden« 4 Uhr. 

Aeltere Geschichte Frankreichs : Prof. Steindarf ^ Sfitt- 
woch u. Sonnabend, 10 ühr. 

Geschichte Italiens seit dem Beginn des Mittelalters: 
Assessor Dr. Wüstenfeld , Mont. Dienst. Denn. Freit, 
10 ühr,. unentgeltlich. 

Ueber moderne Geschichtsauffassung: Dr. Semhemf 
1 Stunde, 6 Uhr, unentgel^oh. 

Historische Uebungen leitet Prof. Paulis Mittwoch, 6 
Uhr, öffentlich. 

Historische Uebungen leitet Prof, Weitsäcker, Freitage 
6 Uhr, öffentlich. 

Historische Uebungen leitet Prof. Steindorff, Donnerst, 
6 Uhr öffentlich. 

Historische Uebungen: Dr. Bemheim, Dienst., 6 Ubr, 
unentgeltlich. 

Historische Uebungen: Dr. Höhlbaum, 1 Stunde, un- 
entgeltlich. 

Eirchengeschichte : s. unter Theologie S. 484. 

Geschichte des deutschen Stadtewesens s. unter JRechtt' 
Wissenschaft S. 485. 

Staats Wissenschaft und Landwirthschaft. 

Einleitung in das Studium der Statistik: Prof. Wappäus, 
Mittw. u. Sonn., 11 Uhr. 

Nationalökonomie: Dr. Pierstorff^ 4 Stunden, 5 Uhr. 

Volkswirthschafbspolitik (praktische Nationalökonomie) : 
Prof. Hanssen, vier Stunden, 3 Uhr. 

Lehre vom Gelde und Kredit: Prof. Soetbeer, Dienst, 
und Donn., 6 Uhr. 

Entwicklung der Fabrikgesetzgebung in England: Dr. 
Pierstorffy Mittw., 6 Uhr, unentgeltlich. 

Unterredungen über kameralistische Gegenstande: Prof. 
Hanssen^ in 2 zu bestimmenden Stunden, privatissime, 
aber unentgeltlich. 

Yerfassungsgeschichte von Deutschland und Frank« 
reich: vgl Histor. Wissensch. S. 444. 



445 

ESmleitiuig in das landwirthschafbliche Studium : Prof. 
Drechsler f 1 Stunde, öffentlich. 

Allgemeine Ackerbaulehre : Dr. ^e«ca, zweimal wöchent- 
Kch, 10—11 Uhr. 

Die Ackerbausysteme (Felderwirthschaft, Feldgraswirth- 
Schaft, Fruchtwechselwirthschaft u. s.w.): Prof. Griepen- 
kerU in zwei passenden Stunden, unentgeltlich. 

Die allgemeine und specielle landwirthschaftliche Tbier- 
prodactionslehre (Lehre von den Nutzungen , Ba^en , der 
Züchtung, £mährung und Pflege des Pferdes, Rindes, 
Schafes und Schweines): Prof. Griepenkerl, Mont., Dienst., 
Donnerst, und Freit., 5 Uhr. — Im Anschluss an diese 
Vorlesungen werden Exkursionen nach benachbarten Land- 
gutem und Fabriken veranstaltet werden. 

Landwirthschaftliche Betriebslehre: Prof. Drechsler, 
yier Stunden, 4 Uhr. 

Die Lehre vom Futter: Prof. Henneher g^ Mont., Dienst. 
nnd Mittw., 11 Uhr. 

Landwirthschafbliches Praktikum: Prof. Drechsler und 
Dr. Fesca (Uebungen im landw. Laboratorium, Freit, u. 
Sonnabi* 9 — 1 Uhr; Uebungen in landw. Berechnungen, 
Dienst, und Donnerst., 12 Uhr). 

Landwirthschaftliche Societät: Prof. Drechsler, priva- 
üssime, unentgeltlich. 

Exkursionen und Demonstrationen: Prof. Drechsler, 
Mittwoch Nachmittag. 

Organ, u. techn. Chemie u. praktisch-chemische Uebungen 
f. Landwirthe s. unter Naturwissenschaften S. 441. 

Anatomie, Physiologie und Pathologie der Hausthiere 
8. Mediein S. 439. 

Literärgeschichte. 

Geschichte der griechischen Dichtung bis auf Alexander 
den Gr.: Vrof, Dilthey, Mont. Dienst. Denn. Freit., 12 Uhr. 

Geschichte der deutschen Nationalliteratur bis zum An- 
fang des 16. Jahrhunderts : Prof. W, MüUer, vier Stunden, 
8 Uhr. 

Üeber die deutsche Dichtung des 16. Jahrhunderts!^ 
Prof. Goedeke, Mittw. 5 Uhr, öffentlich. 

Alterthumskunde. 

Die bauliche Einrichtung des griechischen und römi- 
0chen Theaters auseinandersetzen, die scenischen Alter- 



446 

tbümer der Griechen Tortngen nnä Emipiäti Ky^Üm er- 
kiiren wird Prof. Trit»setW, vier ofe föttf Sf tulded, lOüÜr. 

lai k. archäoiogiBchen SeminAr wird Fr6f. WUuUf 
lutfkctiwähite Kuzutwerke e^iren Imasen, Sonnilbeiid ^2 
Vbr >^ntlich. — Die sdiriftlieheii Arbesten tfe^ Ifitglie- 
ier -viri ^r privstimime benrtheilen. 

'.{L^miwfae Staatsalterthnmer: Dr. Gilbert, vi^ StdiMb, 
* '.br 

>iitaefie Hjtkalcstai: Dr. Wüken, MMw., 4 Uhr, ilii- 

r-fCisr dse deiRAche Heldeoeage: Dr. TiUmofm, IMüiüt 
X FrKt-. 6 ühr. aa*c:«eltlic!i. 

\'ergleicheiide Sprachlehre. 

Ueber die Entwickinng der iiidogerBiaBiflebeii Sprukm 
and Völker: Prof. FüJk. 2 Stunden, 10 Uhr, öfientüch. 

KrklämDg der umbrischen und oakiichen SpracSideiik- 
mäler: Prof. ^irA-, 4 Stunden. 10 Chr. 

Litaaiscbe Grammatik nnd Erklirang litSDisofadr Teife: 
Dr. Beizenhergtr^ 2 Stonden. 

Orientalische Sprachen. 

Die Yorlesoneen über das Ä. and N. Teetament nebe 
unter Theohf^te S. 433. 

Aasg^ewählte Stücke aoB Arabiachen Schriftstellem er- 
klärt Prof. Wfi^tenfeid privatianme. 

Hebräische Geeellachaft s. Theologie^ S. 486. 

Grammatik der Sanskritsprache : Prof. Benfey, m drei 
zu verabredenden Standen. 

Griechische und lateinische Sprache. 

Aristophanes Fröeche: Vrot von LeuUch, vi^ Standen, 
12 Uhr. 

Euripidee Kyklops: vgl. AUerthumskunde 8. 446. 

Geschichte der griechischen Metrik und die Elemente 
^ der Rhythmik : Prof. von Zeutsch, vier Standen, 10 XJkt» 

Griechische Syntax : Prof. Sauppe, Hont., Dienst., Domi., 
Freit, 9 ühr. 

Geschichte der grieoh. Dichtung s. Literärg. S. 445. 

Plautus Pseudulus: FTO{.Saupp€, Hont Dienst Donn. 
Freit., 2 ühr. 

^m K. philologischen Seminar lieitöt die ildhrifdichen 
ien nnd Dispntationen Prof. Düthm/, Mittut. II Uhr; 



U7 

VÜit HicJägülir eifklaren Prof. von Zeüisch, Moni, h, Dienst., 
11 Uhr: läast Lucretius B.I erklaren Prof. Sauppe^ Don- 
j^frsO: fMU 11 tJhr, W^B öffentUob. 

1^ j^liiiöio^clifat ^oseitiinar leiten die BchHftlichen 
Arbeitep und Disputationen die Proff. v. LeuUch (Mitti^. 
16 Üitf) , Shujp^e, (BÜittW. 'l ühr) and Dilthey (Sbnnab. 
11 tJ&J; ÄsÄt Tyr^UÄ frof. t>. LeuUch MittW. 10 ülir, 
und Lncretias B. VI Prof. Sauppe erklaren, Mittw. 2 ühr, 
iSÜk 6i^M. 

tHiiitsiche Sprache. 

Gtrammatik der gotischen Sprache: Prof. Ftck, zwei 
8(Mäi\B^ 11 Uhr, iMit]i6h. 

dmmhä ^^iäkiSmik imd Lekt^e d^r götU^chdn ßib^l- 
ubersetzong: Dr. Wtlken, Mittw. u. Sonnab. 11 Uhr. 

Altnor£fM)h6 Grammatik and Lektüre: Dr. Wüken, 
Mont. Di^st. bonnerst., 9 Uhr. 

mk altho^deütf^heh Dialekte and ihre Quellen: Dr. 
BSM^ifr^r, I Stunde, unentgeltlich. 

l^lmnk althochdäütscher und mittelhochdentscher 
mAtüA^ Säöh W. WfLbkemsgels kl^inerein Altdeutdebdm 
mn^ya/d^b&i Prbf. W,MaUer, Mont., Dienst., Donn., idUhr. 

Di^ Uäbliäg^ der deutschen Gesellschaft leitet Pr6f. 
WUh. Mmier, Di^x^t. 6 Uhr. 

G^GÜddlite Aet deutschen Literatur : s. Literärgeschichte 
9. 49d. 

Neuere Sprachen. 

AlttenEÖsisohe Grammatik, mit Erläuterung des Ro- 
londlifiedes (nach seiner Au^be, 1878) : Prof. Th. Müller, 
Hoii^ Dienst., Donnerst., 4 Uhr. 

Uebutagen in der französischen und englisohei^ Sprache, 
die ohiteren Mont. Dienst. Mittw., die letzteren Donnerst. 
Freit. SonnabeM lH Uhr: Prof. Th, Müller. 

In der romanischen Societat wird Derselbe, Freitag 4 
JJht^ öfifenÜich, diä Elemiänte der italienischen Sprache 

Schöne Künste. — Fertigkeiten. 

Unterricht im Zeichnen mit besonderer Rücksicht auf 
natnrhistorische und anatomische Gegenstande: Zeichen- 
lehrer Peters^ Sonnabend Nachm. 2—4 Uhr. 



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449 

Nachrichten 

von der Königl. Gesellschaft der Wissen- 
schaften und der G. A. Universität zu 

Göttingen. 



14. August. M 14. 1878. 

Maiglicbe Gesellschaft in Wissenseiiafteii. 

Sitznng am 8. August. 

Klein, über den Feldspath im Basalt vom Hohen Hagen 
bei Göttingen and seine Beziehangen zum Feldspath 
Ton Mte. Gibele auf der Insel Pantellaria. 

Thomae, corresp. Sätze aus der FoBotionstheorie. 



üeber den Feldspath im Basalt vom 
Hohen Hagen bei Göttingen und seine 
Beziehungen zu dem Feldspath von 
Mte. Gibele auf der Insel Pantellaria. 

Von 

C. Klein. 

In den Studien des Göttingischen Vereins 
bergmännischer Freunde 1849 Bd. V p. 83 u. f. 
hat Hausmann das Vorkommen des sogenannten 
glasigen Feldspaths yom Hohen Hagen beschrie- 
ben, sein specifisches Gewicht zu 2,5927 ange- 
geben und zwei von Schnedermann ausgeführte 
Analysen mii^etheilt, von denen die weiter un- 
ten an erster Stelle stehende vielfach in Lehr- 
und Handbücher, so z. B. in die Mineralchemie 
von Bammelsberg übergegangen ist. 

Nach dieser Analyse besteht der Feldspath 
aus: 

37 






451 

>paltBtnckchen nach Basis nnd seitlichem Pina- 
^oid, so weichen sie wenig von 90® ab, geben 
'ft «Uesen Werth ganz genau ; die optische Orien- 
irang ist in Schliffen nach der Basis fast der 
oute P : M senkrecht und parallel und auf 
[em seitlichen Pinakoid findet mit derselben 
Quite eine Schiefe der Hauptauslöschungsricb- 
oi^ des Lichtes statt, die nur wenig von dem 
ar den Sanidin bekannten Werthe verschie- 
Itn ist. 

Nach all' diesen Merkmalen könnte man 
(lanben einen monoklinen Feldspath vor sich 
m haben und doch ist dem nicht so. 

Wenn man zu einer genaueren Untersuchung 
Schliffe nach der Basis herstellt und darauf ach- 
M9t, daß dieselben normal zum seitlichen Pina- 
coid seien, so findet man stets für die Haupt- 
DMse des Feldspaths eine schiefe Auslöschung 

E^enüber der Kante P : M, Es wurde bei 
Wendung von Na licht und unter Zuhülfe- 
lahme der Brezina'schen Doppelplatte ^) sowohl, 
iIb auch der Quarzplatte, vermittelst des polari- 
drenden Mikroskops gefunden, daß eine Abwei- 
shnng von 3<^ — 4® zu beobachten ist und die 

1) Bei dieser Gelegfenheit wurde meist mit einer auf 
Im Ooalar des Mikroskops orientirt aufzusetzenden Bre- 
dna'sdien Platte gearbeitet. ~ Die Verwendbarkeit der- 
lelben beim Groth'schen Stanroskop läßt sich dadurch 
uedeatend steig;em, daß man die Erystallplatte nicht 
rSUig das Loch des schwarzen Glases, auf das sie befe- 
ittgt wird, überdecken läßt, so daß noch etwas Licht 
MHtlioh durchgeht. Durch Neigen des Auges sieht man 
laim die Erscheinung ein Mal ungestört, das andere Mal 
beobachtet man die Veränderung derselben, welche durch 
lie Erystallplatte bewirkt worden ist, kann durch Drehen 
Im TiBohes die zweite Erscheinung immer vollkommener 
imden lassen and dieselbe gewissermaßen auf die erste 
Bugtftllffln, — 

37* 



452 

klarsten Stellen Werthe von 3Vf^— 3V4® er- 
geben. 

Vielfach zeigten sich im polarisirten Liebte 
Zwillingslamellen nach dem Gesetze: »Zwillings- 
axe senkrecht anf M* in den Schliffen einge- 
^schaltet. Diese Lamellen yariiren in ihrem Auf- 
treten sehr und yerlanfen von breiten nebenein- 
ander herziehenden Bändern bis zn den feinsten 
in einander gekeilten Partien^). Letztere wer- 
den, besonders bei Anwendung der Quarsplatte 
im Mikroskop, als in Zwillingsstellung befindlidi 
erkennbar, die meisten der ersteren lassen, bei 
einer gewissen Breite, eine Abweichung der 
Hauptauslöschungsrichtung des Lichts von der 
Kante P : itf bis zu 3^ und 4® wahrnehmen. 

Stellen, die sich bezüglich der Kante P:M 
orientirt erweisen würden, habe ich in den ge- 
nau senkrecht zu M gefertigten Schliffen nicht 
beobachten können , dagegen zeigten sieh mir 
bisweilen Lamellen, die eine größere Abweichung, 
als die vorhin erwähnte, nämlich von etwa 10®, 
darboten. Auf die Deutung dieser übrigens nicht 
oft beobachteten Lamellen werde ich später ein- 
gehen. 

Fertigt man Schliffe nach dem seitlichen 
Pinakoid JfcT an, so zeigt sich eine Schiefe von 
6^40', gebildet von der Hauptauslöschungsrich- 
tung des Lichts mit der Kante P : M und he- 
gend im stumpfen ebenen Winkel der Kanten 
P : M und 31 : Je. Diese Zahl stellt einen 
Mittelwerth zahlreicher mit Na licht ausgeführter 
Beobachtungen dar. 



1) Die überaus feine Bildung dieser Zwillingslamelleo 
gestaltet die Basis zu einer Scheinfläche um, auf der die 
Differenzen der Neigungen P : M ausgegliehen sind, so 
daß dann P : M fast unter 90^ neigt. 



453 

' Schleift man endlich DünnschliflFe aus der 
Zone der Basis znm vorderen Pinakoid Tc^ so 
zeigen sich im polarisirten Lichte die Zwillings- 
lamellen sehr deutlich und die Auslöschungs- 
schiefe nimmt in den einzelnen Individuen ge- 
genüber der Zwillingsgrenze zu, bis der Schliff 
normal zur ersten Mittellinie der optischen Axen 
steht. 

In Schliffen, die ungefähr in der Bichtung 
des vorderen Pinakoids gefertigt waren, aber 
nicht senkrecht auf dem seitlichen standen, 
konnte ich eine Schiefe von 5^ in dem einen, 
von 13 Va^ in dem anderen Systeme der Zwil- 
lingslamellen beobachten. In einem besser orien- 
tirten , d. h. näher senkrecht auf M stehenden 
Schliff derselben Lage, waren diese Abweichun- 
gen 9Va® und lO«. 

Waren die Schliffe annähernd senkrecht zur 
ersten Mittellinie der optischen Axen und dabei 
möglichst senkrecht auf dem seitlichen Pinakoid, 
so beobachtete ich bei Untersuchung der Zwil- 
lingslamellen : 

15® Abweichung in dem einen; 12® in dem an- 
deren Individuum 

13® Abweichung in dem einen; 11® in dem an- 
deren Individuum 

14® Abweichung in dem einen; 12® in dem an- 
deren Individuum 

15® Abweichung in dem einen; I4V2® in dem 

anderen Individuum, 

ein jedes Mal von der Zwillingsgreuze aus ge- 
messen. Ich glaube sonach, daß bei genau senk- 
rechter Führung ,des Schliffs zur ersten Mittel- 
linie noch größere Werthe erhalten werden kön- 
nen, wenngleich der von Des-Cloizeaux angege- 
bene Werth für die von ihm untersuchten Oligo- 



454 

klase mit 18^ 10' nicht ganz erreicht werden 
dürfte. 

Daß der vorliegende Feldspath aber ein Oligo- 
klas und kein Orthoklas sei, das beweisen die 
eben erwähnten Schliffe auf das Beste, und nicht 
eine Spur von Feldspath, der Auslöschung senk- 
recht und parallel der Zwillingsgrenze zeigen 
würde, ist in ihnen vorhanden, wie mich eine 
eingehende und sorgföltige Prüfung der biswei- 
len sehr feinen Zwillingslamellen mit der Quarz- 
platte gelehrt hat. Ueberdies beobachtet man 
noch in den beiden letzten Arten von Schliffen 
(nach dem vorderen Pinakoid und nahe senk- 
recht zur ersten Mittellinie) Lamellen annähernd 
nach der Basis (Gesetz: Zwillingsaxe die Makro- 
diagonale) eingelagert, wodurch das Ansehen der 
Schliffe im polarisirten Lichte ein sehr fein git- 
terartiges wird. 

An drei Präparaten, annähernd senkrecht 
zur ersten Mittellinie geschliffen, konnte ich 
endlich auch Axenaustritt, Dispersion und Cha- 
rakter der Mittellinie beobachten. Wurden die 
einheitlichsten und klarsten Stellen dieser Prä- 
parate zur Untersuchung verwandt, so zeigte 
sich ein ziemlich großer Axenwinkel mit einer 
Dispersion der Axen ^>t?, ferner horizontale 
Dispersion der Axenebenen und negativer Cha- 
rakter der ersten Mittellinien. 

Im Axenwinkelapparat fand ich: 

2J?^ = 620 15' Roth (Li) 

= 610 30' Gelb (Na), 

woraus sich unter Berücksichtigung der Bre- 
chungsexponenten des Oels: 

n = 1,47062 (Li) 
= 1,47220 (Na) 
ergaben : 



455 

iE^ = 980 577»' (Li) 
= 97039' (Na). 

Sämmtliche Stücke , in denen der Axenaus- 
tritt nntersuebt wurde, habe ich endlich noch 
daraaf geprüft, ob die Ebene der optischen Axen 
mit der Spalttrace des seitlichen Pinakoids recht- 
winkelig sei. In allen Fällen konnte eine Ab- 
weichung bis zu 150 constatirt werden, sonach 
ist auch dadurch die trikline Natur des Feld- 
spaths erwiesen. 

Sucht man nach diesen Mittheilungen die 
Art des vorliegenden Feldspaths zu bestimmen, 
so ist das Auftreten von monoklinem Feldspath 
vorab ausgeschlossen und durch die Abweichung 
der Hauptauslöschungsrichtung des Lichts von 
30 — 40 in SchliflFen nach der Basis, aber senk- 
recht auf dem seitlichen Pinakoid, die Anwesen- 
heit von Oligoklas erwiesen. 

In den SchliflFen dieser Orientirung kommen, 
wie mitgetheilt, bisweilen Lamellen vor, die un- 
ter einem Winkel von 10^ und darüber auslö- 
schen. Ob dieselben Mikroklin sind, wie man 
vermuthen könnte, soll am Schlüsse gezeigt 
werden. Jedenfalls erweist sich die Hauptmasse 
des Feldspaths in SchliflFen nach P als Oligoklas. 

In den SchliflFen nach dem [seitlichen Pina- 
koid läßt sich, da Oligoklas und Mikroklin hier 
annähernd gleiche Schiefe der Auslöschung ha- 
ben, bezüglich des Auftretens dieser beiden Feld- 
spathe nichts Sicheres aussagen; ausgeschlossen 
sind aber Albit und Labradorit. 

In SchliflFen, senkrecht zu M und ungefähr 
senkrecht zu P weisen die Hauptauslöschungs- 
richtungen des Lichts auf Oligoklas, Albit oder 
Mikroklin hin, der Labradorit ist hier ausge- 
schlossen, überdies auch durch die .Untersuchung 



456 

des Axenbildes, der Dispersion nnd des Charak- 
ters der ersten Mittellinie der Albit, sodaß nnr 
Oligoklas und Mikroklin in Frage kommen. 
Sämmtliche Schlifife erweisen endlich das Fehlen 
des Anorthits. 

Somit bleibt für die Hauptmasse des Feld- 
Späths nur Oligoklas übrig, yorbehaltlieh der 
Deutung der Lamellen, die man als Mikroklin 
ansehen könnte. 

Um dies Resultat auch durch die chemische 
Analyse zu prüfen, ersuchte ich Herrn Dr, Jan- 
uasch, ersten Assistenten am Wöhler - Hfibner'- 
schen Laboratorium um die Ausfuhrung einer 
sorgfältigen ABaljse. Zu derselben wurden zwei 
lVi>beu des Feldspaths Tom Hohen Hagen Ter- 
w endet, Ton denen die eine nur sehr klein war 
und darthun sollte, ob der betreffende KrystaQ, 
von dem sie genommen, in der Hauptsache 
Reiche Zusammensetzung mit den anderen habe, 
ilie etwas eisenschüssig waren, aber in reichli- 
cherer Menge zu Gebote standen. 

Die annähernd gleiche Constitution beider 
Proben hat sich bei der Analyse herausgestellt 
und die Probe, von dem reichlich^en Material 



genommen , ergab : 




SiO» 


— 64,33'>/. 


A1»0» 


— 21,97 


Fe»0» 


= 0,45 


CaO 


— 2,07 


MgO 


— 0,13 


Ka»0 


— 4,95 


Na»0 


— 6,99 



100,89. 

Rechnet man die 0,45^0 Fe*0' als nachtrag- 
lich eingedrungen ab, was durch den mikrosko- 
pischen Befund Tollig bestätigt wird, so enthält 

" Wspath in 100 Theilen: 



457 







Ox. 




SiO» 


— 64,05 


34,16 


10,45 


A1*0» 


— 21,87 


10,23 


3,13 


CaO 


— 2,06 


0,59 1 




MgO 


— 0,13 


0,05 1 


t 


Ka«0 


— 4,93 


0,84 ' 


1 


Na»0 


— 6,96 


1,80 . 





100 
Berechnet man aus den gefundenen Mengen 
von CaO (MgO), Ka^O und Na^O die entspre- 
chenden Feldspathconstitutionen, so ergiebt sich: 
Kalkfeldspath = 11,10% 
Kalifeldspath = 29,19,, 
Natron feldspath = 58,89,, 

"99,i8o/o' 
Es liefert die Analyse zu wenig : 0,05o/o SiO^, 

zu viel: 0,87 „AP03. 

Die optische Untersuchung fordert wesentlich 
Oligoklas. Ist nur dieser Feldspath vorhanden, 
so gibt die Berechnung seine Zusammensetzung, 
welche sich zwischen den einfachen Verhältnis- 
sen der drei Feldspathe 1 : 2V2 : 5 und 1:3:6 
bewegt, ohne einem derselben indessen völlig zu 
entsprechen. Kann neben Oligoklas noch Mi- 
kroklin angenommen werden, so ist eine Be- 
rechnung der Zusammensetzung dieser beiden 
Feldspathe nicht thunlich, da man nicht sagen 
kann, ob der Oligoklas reiner Kalknatronfeld- 
spath sei und keinen Kalifeldspath isomorph 
beigemischt enthalte, andererseits kann auch 
nicht bewiesen werden, daß der auftretende Mi- 
kroklin aus reinem Kalifeldspath bestehe. 

— Was schKeßlich das Auftreten der Kry- 
stalle des Feldspaths vom Hohen Hagen anlangt, 
so hahe ich der Hausmann'schen Beschreibung 
derselben nur das hinzuzufügen, daß man in den 



459 

1 es ist aber iiicht nur nicht nach- 
Pe Substanz wirklieh orthoklasti- 
, soudera es haben OligoklaA 
^uch dem Orthoklas sehr naheste- 
hingssc bieten. 

iarakteristisehe SchliflF zur Unter- 

Eoklinen nnd trikÜDCD Feldspaths, 

seht zu M und anch senkrecht zu 

macht worden. 

Brsachte ich Herrn Dr. Förstner mir 

jerial zum Vergleich zu senden nnd 

Jl größter Bereitwilligkeit mehrere Kry- 

ffir ich hiermit nochmals meinen besten 

Besen Kry stallen konnte ich zunächst 
TH. Dr. Förstuer angegebenen optischen 
hingen beätätigeo, aber mich nicht der 
mnten Herrn gegebenen Deutung der- 
bnschließeii. Die von mir erhaltenen Be- 
W'änd die folgenden: 

feinem Schliffe nach dem seitlichen Pino- 
' M beobachtet man AualÖBchungsschiefen 
Ftler Kante P:M, die an vier verschiedenen 
lien die Werthe: 

774', 6», 5»// und 6" 
Mn, Dr. F. gibt den Werth von eVi" an. 
fOrnnd dieser Beobachtungen kann man nicht 
■an, ob Orthoklas, Mihroklin oder Oligoklas 
'li^, dagegen sind Albit, Anorthit und La^ 
idor anBgeschloBsen. 

bi'Schhffen, annähernd nuter 90° zu P und 
IKi unter 90" zu M geschliffen , erkennt man 
tagen die völlige Abwesenheit von monoklinem 
■path. Zahlreiche Zwillingslamellen durch- 
m das Mineral, ja stellenweise besteht es 
aof Bolohen. Diese Lamellen sind nach dem 
itaa »Zmllingsaze senkrecht anf M*, dem 






T : .r:ir.:«:iie Axen- 

. :- •■ .. r ..:-r r».Ii:h.'* die 

■-T- -■--".: T-jf^ Z1J.Z. selten 

. • -. . irr 5£~-flli2:en 

. _ ^_ ."..- :■ «.ii weilen 

. .;. ..n..:-:" ii:!it iz iller 

.""--. . . .r.lTTrr ier -ersten 

. z: . :.i-r.-irzz'":ar ne- 

- . - . -..:~ i..z:-.i:!::z der 

-'"■-:.::•- :zi ilj-e La^ie 

-- " : : : ~L* i:^ klii oder 

. -. ■ ...f-. 1... : i-T-^rlztr^ Ri.:htniig 

. .T- :'- i.T.i-^ ^::!iis za er- 

- ■ ""-.-: .1 :-i-:-i ?:.!:. i:e Zwil- 

.- ■ . - .: :_-. ::J ir --Tl. zcizZr'jL iLit dem 

.-.7 . ;-.• .."^.-i . ! i"c -rer-nift. deut- 

:-• 1"^ .! ;»jrr:z.ie Libweicheude 

"..•:-...:■.• -rrrr -riiihr^itliobe Stelleu 

:::• '-.; _-rl-T.. 11. Z"v-:Il:iLi:5stellnug ge- 

^.".»: Ti.li Ab^'ri'.-h.iiiigeii vuu der 

■• .1 J/ -chci.'i.u Spaltung im er- 

• i'.'i f.'\ V: zj »rrkeuiien, im letztereu 

•'iifalls nicht dcatlich geneigt , sondern sehr 
(ich horizonral, weniger wahracheinlioh gekreuzt. 



461 

betrüg die Abweichung nach der einen Seite 15® 
nach der anderen 15®, auch kamen Werthe von 
IS'* und 16® in anderen Schliffen vor. Diese 
Werthe sprechen für Oligoklas, sind für Mikro- 
Uin, der etwa noch in Frage kommen könnte, 
schon etwas groß und würden, wäre nicht die 
Beobachtungen am Axenbild widersprechend, 
auch für Albit gelten können. Während sie 
also ganz wesentlich mit den Beobachtungen am 
Oligoklas stimmen, kommen Labradorit und mo- 
nokliner FeMspath durch sie gar nicht in Be- 
tracht. 

Es war mir nun darum zu thun, auch die 
Dünnschliffe der eben erwähnten Lage auf den 
Austritt der optischen Axen zu prüfen und ganz 
besonders y neben der Hauptmasse des Schliffs, 
die größereu, zu beiden Seiten gleich und unter 
15® auslöschenden Lamellen, deren ich soeben 
gedachte. 

Wenn man zu diesem Zwecke das Mikroskop 
mit Polarisationsvorrichtung verwendet *) und 
das Hartnack'sche System 7, sowie das Ocular 3 
gebraucht, so sieht man bei gekreuzten Nicol 
und passender Erhebung des Auges oder, nach- 
dem zwischen Analysator und wieder dem Ocular 
genähertes Auge eine achromatische Loupe gefügt 
ist, deutlich die beiden Barren der optischen Axen 
und ihre sie umgebenden Curven zum Beweis, 
daß auch diese Plättchen annähernd senkrecht 



1) Diese Methode bat inzwischen völlig unabhängig 
A. von Lasaulx im N. Jabrb. f. Min. 1878 p. B77 n. f. 
in etwas abgeänderter Weise beschrieben. In derselben 
Weise beschrieben, aber wieder völlig unabhängig, findet 
man sie von Bertrand dargelegt, cf. Bulletin de la soci^te 
mineralogique de France 1878 p. 22 u. f. — Ich wende 
de ächon seit einiger Zeit mit Erfolg an und beschreibe 
ibie in der Vorlesung. 



462 

zu ersten Mittellinie der optisclien Axen sind. 
Entfernt man die Lonpe und senkt das Auge bis 
zu der Lage^ die es bei mikroskopischer Beo- 
bachtung einnimmt, so kann man alsbald wieder 
die Plättchen und die Schiefe ihrer Auslöschnng 
gegen die Zwillingsgrenze bestimmen. 

Untersucht man endlich Schliffe nach P, so 
findet man, wenn dieselben nicht normal auf M 
sind, auf den einen Lamellen Abweichungen, die 
über 4® bis zu 6^ und darüber gehen, wälurend 
die anderen fast orientirt erscheinen. Dies "ent- 
spricht Herrn Dr. Förstner's Beobachtungen. 

Sind aber die Schliffe senkrecht auf Jf , so 
beobachtet man gleichmäßige Auslöschungen zu 
beiden Seiten der Zwillingsgrenze und kann bei 
näherer Betrachtung drei Fälle unterscheiden: 

1. Lamellen mit höchst feiner , in einander 
gekeilter Zusammensetzung, die auch im ge- 
wöhnlichen polarisirten Licht fast orientirt er- 
scheinen, deren Nichtorientirung in Bezug auf 
die Zwillingsgrenze man qualitativ zwar noch 
mit Hülfe des empfindlichen Tons der Quarz- 
platte bestimmen, aber nicht mehr quantitativ 
genau feststellen kann. 

2. Lamellen, die auf beiden Seiten der Zwil- 
lingsgrenzen Abweichungen zeigen, welche von 
2V2^ — 4® schwanken (wohl in Folge der nicht 
breiten Lamellen und der dadurch erzeugten Un- 
sicherheit in der Messung). Diese Lamellen sind 
die häufigeren und gehen oft ganz allmälig in 
die ersteren über, weßhalb ich diese jenen zu- 
rechne. Mit Rücksicht auf die vorhergegangenen 
Untersuchungen können sie nur dem Oligoklas 
zugehören. 

3. Scharf davon geschieden finden sich in 
denselben Schliffen Partien, in denen die Lamellen 
~"uter je 10^, manchmal ^ aber seltener, auch 



463 

unter je 14® — 15® gegen die Zwillingsgrenze aus- 
löschen. 

Nachdem, was schon in Schliffen gleicher 
Lage des Feldspaths vom Hohen Hagen beob- 
achtet wurde und was hier in größerer Menge 
wieder auftritt, sollte man an Mikroklin denken 
und in der That liegt dieser Gedanke sehr nahe. 
Aber eine sorgfältige Prüfung läßt ihn als ver- 
werflich erscheinen und weist die so orientirten 
Lamellen ebenfalls dem Oligoklas zu. Prüft 
man nämlich die breiteren dieser unter größerer 
Schiefe auslöschenden Lamellen auf Axenaustritt, 
80 sieht man im Polarisationsmikroskop eben- 
falls, wenngleich gegen den Rand des Gesichts- 
felds hin geneigt, die optischen Axen austreten ^). 
Sonach kann der Schliff dieser Lamellen, trotz 
der ähnlichen Auslöschungsschiefe nicht der Ba- 
sis des Mikroklin entsprechen. Vielmehr zeigt 
es sich, daß hier Oligoklas in Zwillingsbildung 
nach dem Gesetz: »Zwillingsaxe die Yerticale^ 
ZusammensetzuDgsfläche Jf « vorliegt, bei welcher 
ZwillingsbilduDg P des einen Individuums neben 
X des anderen zu liegen kommt. Wird ein 
Schnitt nach der Basis des einen Stücks herge- 
stellt, so wird der andere in Zwillingsstellung 
dazu stehende Erystall ungefähr nach seiner 
Fläche X angeschnitten, die an der Hinterseite 
des einfachen Erystalls fast gerade so gegen die 
Verticalaxe neigt, wie P auf der Vorderseite 
gegen dieselbe Axe geneigt ist, also unter etwa 
64". Somit würde der Schnitt nach dieser Fläche 
zur Basis desselben Krystalls unter etwa 128® 
stehen und deßhalb um etwa 30® von einem 
Schliffe abweichen, der auf der ersten Mittel- 

1) Eine üntersucbang des Charakters der ersten 
Mittellinie ergab denselben als negativ. 



464 

linie der opt. Axen senkrecht ist. DaÄ man in 
einem stkhen Schliffe noch Axenanstritt beob- 
achten kann , beweist am besten der Sanidin, 
bei ilem man nach der Fläche k^ die zur erstem 
Mittellinie nicht nnter 90®, sondern unter etwa 
111*^ geneijjt ist, noch deutlich das Axenbild 
sieht. Jedenfalls lenchtet ein^ da6 man bei dem 
wirkliehen Mikroklin, bei dem die erste Mittel- 
linie der optischen Axen noch fast in die Basis 
fallt, nach dieser Fläche keinen Axenanstritt be- 
obachten kann. 

Die in Rede stehenden Zwillingslamellen 
sind also ebenfalls nicht anderes als Oligoklas; 
ein Gleiches gilt von den im Feldspath des Hohen 
Ilafjen unter denselben Umständen gefundenen 
Lamellen und von den beobachteten Ausloschnngs- 
wcrthen ihrer Individuen gegen die Zwillings- 
grenze müssen wohl die mit etwa 10® als die 
richtigeren betrachtet werden, die anderen dürften 
von gestörten Lagen der Individuen zu einander 
herrühren. 

Man sieht hieraus wiederum, mit welcher 
Vorsicht man bei dergleichen Untersuchungen 
verfahren muß und wie leicht man Täuschungen 
anheim fallen kann. Sollte nicht mancher als 
Mikroklin bestimmte Feldspath bei einer genauen 
Untersuchung sich als derartig verzwUlingter 
Oligoklas erweisen?? 

Die Schliffe nach der Basis lassen endlich 
noch Ghiseinlagerungen und langgestreckte dop- 
peltbrechende Krystalln adeln erkennen. Mit der 
Loupe betrachtet, zeigen die Schliffe, in denen 
die unter größeren Winkeln gegen die Zwillings- 
grenze auslöschenden Lamellen liegen, schillernde 
Stellen, wie sie sonst bei beiden Feldspathen 
beobachtet werden, wenn Schnitte nach dem 



465 

vorderen Pinakoid vorliegen, ein neuer Beweis 
für die Zwillingseinlagerungen. 

Berücksichtigt man endlich die Analyse des 
Feldspaths von Mte Gibele, so liefert dieselbe 
unter Abzug der 3, 27 7o Fe^O*, welche mi- 
kroskopisch nachweisbar als fremde Substanz 
zu bezeichnen sind, auf 100 berechnet: 



SiO« = 65,55 


34,94 


10,40 


A1»0» = 21,00 


9,82 


2,92 


CaO = 2,85 


0,81 1 




MgO — 0,31 


0,12 ( 


1 


Ka'O — 2,62 


0,45 l 


X 


Na»0 — 7,67 


1,98 ) 





100 

Berechnet man wieder die Antheile von rei- 
nem CaO (MgO), Ka^O und Na^O Feldspath, 
so erhält man: ^ 

Kalkfeldspath 16,22 7o 
Ealifeldspath 15,51 » 

Natronfeldspath 64,89 » 

96,62 7o 

und es liefert die Analyse zu weuig : 0,57 7o Al^ 0^ 
> > * » » viel: 8,95% SiO^ 

Letzterer üeberschuß ist wohl auf Rechnung 
der mikroskopisch nachgewiesenen Glaseinschlüsse 
zu setzen cf. Zeitschr. f. Eryst. pag. 556. 

Das Material für einen dem Albit naheste- 
henden, sauren Oligoklas ist, ähnlich wie bei 
dem Feldspath vom Hohen Hagen auch hier vor- 
handen und wahrscheinlich ist er eine isomorphe 
Mischung der drei genannten Normalzusammen- 
setzungen im Verhältniß von 1:1:4, welchen 
Werthen, die obenstehenden Zahlen sich nahem. 

Jedenfalls kann aber auf Grund dieser Unter- 
suchungen die Behauptung ausgesprochen werden, 

38 



466 

daß ^owdhl dfer Feldspath vom Hoben Hagen, 
als auch der Yon Mte. Gibele aus dier {leihe ^r 
orthoklastischen Feldspathe aasscheiden mfissen 
nnd fortan als Oligoklase anzusehen sind. 



Sätze aus der Functionenth-eorie. 

Von 
J. Thomae. 

In seinen so interessanten »Beiträgen znr 
Mannigfaltigkeitslehre« im 84ten Bande des 
Crelle'schen Journals zeigt Herr G. Cantor, wie 
man eine stetige lineare Mannigfaltigkeit von 
n Dimensionen und eine stetige Mannigfaltigkeit 
yon wi Dimensionen einander eindeutig zuordnen 
Kann, wenn der Correspondenz die Bedingung 
nicht auferlegt wird, eine stetige zu sein. 

Der Beweis des umgekehrten für w = 1, 
t^ > 1 evidenten Satzes, daß man zwei solche 
Mannigfaltigkeiten einander in stetiger Corre- 
spondenz nicht eindeutig zuordnen kann, soll 
nach Bemerkungen der Herrn Cantor und Lüroth 
auf Schwierigkeiten stoßen. Letzterer hat für 
den Fall m = 2 in den Sitzungsberichten der 
phys. -medic. Societät zu Erlangen vom 8. Juli 
1878 einen Beweis geliefert. Mir scheint, daß 
der Beweis des allgemeinen Satzes leicht za 
führen sei, wenn man eine Voraussetzung aus 
den analysis situs macht, deren allgemeiner Gil- 
tigkeit keine erheblichen Bedenken entgegen 
stehen dürften. Ich meine den Satz, 

I. Eine zusammenhängende continuirliche 
Mannigfaltigkeit M^ von n Dimensionen kann 

durch eine oder mehrere Mannigfaltigkeiten von 



467 

n— 2 oderweuagjw? Dimensionen (Jf^, Jf' ^i, M**yu^>' l 

V, 1^', v", . . < w — 2) nicht in getrennte Stücke 

zerlegt werden. 

Dabei muß allerdings Yoraosgesetzt werden, 
daß nicht die Anzahl der Mannigfaltigkeiten 
Jlfy, jjf'^i, -W'y"» • ' ^^ je^jlem noch so kleiijien 

Stücke einer continuirlichen Mannigfaltigkeit vou 
ru—\ Dijanensionen abjsählbar nnendlich groß 
s^i. Diesei; Fall kommt jedoch hier, wie wir 
schleich sehen werden, uicht in Betracht, 

Bekanntlich (vergl. meine Einleitui;ig in die 
Theorie der bestiujnxteu Integrale §. 46 und 
§. 48 Seite 32.) 

IL Nimmt eine stetige Function, x^ von 
yi » ^21. • • ^ti i^ einem endlichen Qebiete d^n 

continuirlich Veränderlichen Uiy Vi^ • * Pn ^^^® 
obere und untere Grenze mindestens je einmal 
wirklich an. 

Solche Puncto seien A und B: das Maximum 
üj, das ]y(inin;),uin h 

III. Verbindet man diese Puncto A xn^ J^ 
ini, >^-dimei\sionalen Rwpie durph Curve^, so 
nimmt x^^ jeden Mittelwerth c zwischen a und b 
mindestens einmal auf jeder derselben an. 

Der Werth c wird also in M^ unendlich oft 

erhalten. Ich beha^upt^ nun 

IV. Die Puncto, für welche s^^ einen festen 
Mittelwerth c annimmt, erfüllen 9n mindestens 
einer Stelle ein continuirlich^s Gebiet von w— 1 
Dimensionen (Jf^_j) stetig. 

Denn erfüllten dieselben nur Gebiete von 
n — 2 oder weniger Dimensionen üf^, Jf'^, Jf'^/o • •? 

so könnten dieselben nach I. M^ nicht zerstü- 
ekeln, d. h. man könnte A mit B durch eine 



468 

Curve verbinden, auf welcher x^ jenen Mittel- 
werth c nicht annähme, was gegen DI ist. 
Die Mannigfaltigkeiten M^ , Jf 'y«, Jf "y</» . . 

können aber auch nicht eine Mannigfaltigkeit 
M^ 1 von n — 1 Dimensionen überall nur ab- 

zählbar unendlich dicht besetzen. Denn wegen 
der Yorausgesetzten Stetigkeit müßte dann x^ 
denselben Werth in allen Puncten von Jf^_i 

annehmen (vergL meine Einleitung in die Theorie 
der bestimmten Integrale §. 7 Seite 6.) Wir 
haben also den Satz. 

V. Eine stetige Function x^ einer conti- 
nuirlichen Mannigfaltigkeit von n Dimensionen 
nimmt mindestens einen Werth längs einer con- 
tinuirlichen Mannigfaltigkeit von mindestens 
n — 1 Dimensionen wirklich an. 

Ebenso nimmt eine stetige Function x^ in 
M^ __ j längs einer continuirlichen Mannigfaltig- 
keit -3/^_2 ^^^ mindestens n — 2 Dimensionen 

einen gewissen Werth an. So folgt successive 
der Satz, 

VI. Die m stetigen Functionen x^^y x^y . »x^n 

von 2/i 1 ^2? • • ^n» ^ "^ ^ nehmen in einem 
continuirlichen Gebiete von ^i ^2 • • Vn ^^^^ 
stens ein Werthsystem x^^ x^ . , x^ mindestens 

in einem continuirlichen Gebiete von n — m Di- 
mensionen wirklich an. 

Diesem Werthsystem der x entsprechen also 
unendlich viele Werthsysteme der y, womit die 
vorangestellte Behauptung erwiesen ist. 

Freiburg im Juli 1878. 



469 



Bei der Königl. Gesellschaft der Wis- 
senschaften eingegangene Druckschriften. 

(Fortsetzung.) 

1*). Easanisch-Tatarische Sprachstudien gesammelt 
und herausgegeben von Gabriel Balint von Szentkatolna 
Heft I: Kaz.-Tatar. Texte Budapest 1875. 

> II: > > Wörterbuch > 1876. 

> III: > > Grammatik > 1877. 

2. Joseph Budenz, Magyarisch -Ugrisches verglei- 
chendes Wörterbuch. Heft III. Pest 1877. 

3. Andreas Qyörgy, Die Berechtigung und Wirkung 
der Differentialtarife. Budapest 1876. 

4. August Helmar, Charakteristik des Bonfinius als 
Historiker. Budapest 1876. 

5. Alexius Jakab, Ueber Archive mit Rücksicht auf 
den Stand des Ungarischen Staatsarchivs. Pest 1877. 

6. Kalkbrenner, Icones selectae. Fol. 1877. 

7. Ferdinand Enauz , Die Chronologie auf unsere 
vaterländische Geschichte angewandt. Budapest 1877. 

8. Anton Eoch, Geologische Beschreibung des auf 
dem rechten Donauufer befindlichen Theiles der Donau- 
traohytgruppe. [Mit 1 geol. Karte 6 Steindrucken und 
37 Holzschnitten.] Pest 1877. 

9. Sammlung alt-ungar. Dichter. Band I: Ueber- 
reste der mittelalterlichen Dichter. Budapest 1877. 

10. Sprachdenkmäler aus alten Ungarischen Hand- 
schriften und Drucken. Band IV. V. Pest 1876. 

11. Franc. II. Rakoczi Confessiones et asperationes 
prinoipis Christiani. Pest 1876. 

12. Jakob Rupp, Topographische Geschichte Ungarns 
mit Hauptrücksicht auf seine kirchliche Eintheilung. Bd. 
III. Pest 1876. 

13. Ungarisches wissenschaftliches Bepertorium der 
in- und ausländischen Zeitschriften, von Joseph Szinnyei. 
Abtheilg. II. Naturwissenschaft und Mathematik. Band 
I. Budapest 1876. 

14. Berichte der Ungarischen Akademie der Wissen- 
schaften. Jahrg. IX. Heft 13—17. 1875. X. 1—15. 
1876. XI. 1—17. 1877. Pest. 

*) No. 1 bis 31 in ungarischer Sprache. 



Corve verbinden , auf welclier iF^^ 
werth c uicht annähme, was eeg€ 

Die Mannigfaltigkeiten M^i 
können aber auch nicht eine 
JW^_, von n — 1 Diraensionen üW 
zählbar nuendlich dicht besetzen, g 
der vorausgesetzten Stetigkeit 
deoBbiben Werth in allen Panot 
annehmen (vergl. meine Ei nleitnitg 
der bestimmten Integrale §■ 
haben also den Satz. 

V. Eine stetige Function st, 
ncirlichen Mannigfaltigkeit TOU ■" 
nimmt mindestens einen WerUi ü'' 
tiiiuirlichen Mannigtaltigkeit v-i 
n — l Dimensionen wirklich U"- 

Ebenso nimmt eine stetig" I 
■^n — 1 '^ig* einer continoirü' ' ■ 
keit M^ _ j von mindeflienii " 
einen gewissen Werth b" 
der Satz, 

VI. Die m stetigen ' 
von //, , y, , - . '. 
continnirliohi 

stens ein ^^ 



I. Deuteoh. Akad. der 



liloBopb. Soo. of Liver- 




Soc of London for tbe 
ir Natur- and Völkerkaode 

. Bcilgique. 

■ :.! de St. Peterabooi^. 

vorjährigen Cironlar. 
, ilSoc. Vol. S8. No.6. 
i^iie des principeaux 
< 1, etc. Deuxifeme et 

. ih-botan, Gesellacli. in 

za Bremen. Bd. 6. H.3— 4. 

ic ihrer Entwicklang and 

l-nadNantital Almanac for 1880. 

\. of Arts andSciencOB. 



..ntnliar 

tnrdle t 

im, oa thi 
f Btouner 



iionrdle fiooiätS indo-chinoise. Paria. 1878. 
L oa the Dredging Operation of the TJ. 8. 



n of comparative zoology. V, 1. 
i'Äcad. R. des Sciencee de Belgiqne. T. 46, 



t -■" 



•...."..i -i 1* .1 ^.0. 4t«.u.«rj.-c Cr Bzigique. T. 11— HI. 

A • .1* .£-*r. * «ir Ab^r'.aor:* G'.richangen. 
■: . : -.•.:..•. V'-ra".^t*miMnerurig c^ Gausa'schen Criteriom 
..• irn ,i*draJ:«»*h-n Rest - Character einer Zahl in 

» ■; . j auf i-Jiu- Riuiprr-. 
•. :.r.:-..r. il»r pl-.vs.k. .iknuüm. Gesellsch. in Königaberg. 

Jj^r-rj. IT. :' '• -«Hlrp, 18. 1. 
: :r.vhi W.v . \\"V (!:« Vereins für Naturkunde in 

V ii!.i*«i ". • "' ^'"'- - •" Akad. d. Wies. Februar. 1878. 
j;\, X-. .~'.p. des Naturalistea de Moecon. 



».. 



•* V 



V 



. «eh. Morgenland. Gesellsch. Bd. 82. 

%i. ilei Lincei. Vol. II. Fase. 5. 

.-.i-r Astron. Gesellschaft. Jahrg. 18. El* 
.:- dos vi^itaux duRoyaume de Norvege. 

fi'.ania. 187S. 
; K. Univers, i Upsala Jubiläum 1877. 

uoh des Norweg. meteorol. Institaii- 
. ::5t. 4. 

v.a'.urvidoiiskabeme. 23 Binds. 1—4. 
J H. Kbd. 
.\:.>k. Selskabs Skrifter. 8. Bind. 4 E 



. .c>ä;j: *:•.:* virksomhed i aaret 1854 n. 

. ' . -. i. k ."iT y a: arvidetskab. Bd. I— E 

,i y.ii:.\ S:r^. II. Christ. 1S77. 
N i; :. *-* ::j:5:riL:f5. Bd. VI. H. 2. 

,.- >-.^iii 7rÄ*kirerk:i::5t. Christ. 

■ 

V ^.i -^:-<'.: -Ji^ *:' «T-iiidsätrin- 
, V X. . .. u. i-.'s V: :.:t :-..-* :; Virkscrihed, 

• . s* • " ■ • ■ ." ' 



473 

Naeli richten 

von der KönigL Gesellschaft der Wissen- 
schaften and der G. A. Universität zu 

Göttingen« 



13. November. M IS. 1878. 



Ktttigliche fiesellschaft der Wissenschaften. 

Sitzung am 2. November. 

Grisebach, Symbolae ad Floram argentinam. (Er- 
scheint in den Abhandlang^en.) 

Bieoke, Ueber daa ponderomotoriBcheEUementar-G^esetE 
der Eleotrodyuamik. (Erscheint in den Abhandl). 

Beinke, Ueber eine Fortpflanzung des dureh die Be- 
fruchtung erzeugten Wacbsthums-Reizes aof vegetative 
Glieder. (Vorgelegt von Grisebach). 



Ueber eine Fortpflanzung des dnrch 

die Befruchtung erzeugten Wachs- 

thums-Beizes auf vegetative Glieder» 

Von 

J. Beinke. 

In einer kürzlich erschienenen Mittheilung ^) 
hat Holle den fleischigen Theil der Birnen- 
firucht dahin erklärt, daß derselbe als eine Wu- 
cherung des unter den Blattspuren der Kelch- 
blätter befindlichen Bindenparenchyms der Blü- 
thenaxe aufzufassen sei. Da nun die Birnen 

1) Monströae Bimenfrfiohte. Deatsohe Garten* und 
ObttbMuseitong. 1878. No. 7. 

S9 



I fatonodiams ats du 

QaitdeBetranche noch 

j, welche BXtA 

j «tte Thatsacbei 'dw 
Schtem Bicherlioh be- 
Pdoch noch keine wi»- 
nug gcfiinden bat. 
Seht terminal auf kurzen, 
gebildete Laubblätter tra- 
I aof diese achraabig Dach 
deren oberstas latemo- 
fegenüber beträchtlich ver- 
^' die Blüthe nnmittelbar 
ein , ohne daß ein Blü- 
in geschaltet wäre, 
n Herbste fertile Sprosse, 
Wgt haben, mit solcher eben- 
JBn vergleicht, dereu Bläthen 
ranziisetzen, im Frühjahr ab- 
.80 fällt der bemerkenawerthe 
i.nge, daß die frachtbaren Sprosse 
■ Bind, als die correspondirenden 
m TehitiTen Hatiptaie entsprin- 
baren SprossB, welche ihre Blä- 
mgenar Befruchtang abgeworfen 
mt de« AuBdrack« wegen wollen 
ei Sprosse als befrachtete und 
htera&heiden. 

;e «timinen beide Sprosse fiber^ 
ttfigt 3 bis 5 Oeatimeter] Läa- 
st in d«ai Uafeadea Jahre anch 
diteten Sprossen, welche dar<A 
Wf^&st warem, nicht eingetreten. 
)er «nbefmohteten Sprosse 
johmäflige, Abt imter den Blat*- 
A «^ fttiage AiuchmllnBgM. 



476 

Es wurde der Durchmesser Ton 6 IndiVidaen an 
je drei verschiedenen Stellen bestimmt — war 
der Qaerschnitt unregelmäßig, ward das Mittel 
aus dem größten und kleinsten Durchmesser ge- 
nommen — und ergaben diese Werthe in Milli- 
metern 



uruuuvou] 

SproB 


" unten 


Mitte 


Oben 


^^m^^ ^^wm 


1,5 


1,5 


1,4 


n 


2,2 


2,5 


2,5 


m 


2,5 


2,2 


2,0 


IV 


2,2 


2.0 


1,7 


V 


2,5 


2,0 


2,5 


VI 


1,8 


1,8 


1,8. 



Aus der Messung dieser 6 Sprosse ergeben 
sich folgende Durchschnittswerthe der Dicke für 
den unbefruchteten Sproß: 

Unten Mitte Oben 

2,1 2,0 2,0 

Diese Dimension vertheilte sich auf die einzelnen 

Gewebe in folgender Weise 

Durchmesser der Binde 0,6 

Durchmesser des Holzkörpers 0,8 
Durchmesser des Markes 0,6 

Die befruchteten Sprosse dagegen zeigen 
nach oberwärts eine nicht unbeträchtliche Zu- 
nahme der Dicke, abgesehen davon, daß sie an 
sich ja dicker sind, als die unbefruchteten. Das 
zwischen den beiden obersten Laubblättem ge- 
legene, kurze Intemodium zeigt dabei meistens 
eine tonnenförmige Anschwellung; auch im 
zweitobersten Intemodium kann eine solche 
tonnenförmige Verdickung des oberen Stuckes 
vorkommen, die übrigen Stücke sind cylindrisch. 

Bei den auf nachstehender Tabelle verzeich- 
neten Messungen ward die Dicke der Mitte des 
intersten, mittleren und obersten Internödiums 



477 

»estimmt; im obersten Internodiam also die 
ickste Stelle der tonnenförmigen Anschwellung^ 
a den beiden andern der cylindrische Theil. 



Befrachteter SproB 


unten 


Mitte 


Oben 


I 


4,5 


5,0 


7,5 


n 


5,0 


5,5 


8,0 


m 


5,5 


6,5 


6,5 


IV 


5,0 


5,0 


6,0 


V 


4,0 


5,0 


6,0 


IV 


4,5 


5,0 


6,2 



Hieraus ergeben sich folgende Darchschnitts- 
rerthe in Millimetern für den befruchteten Sproß: 
Unten Mitte Oben 

4,7 5,3 6,7 

i^ür die einzelnen Gewebe betrug der Durch- 
Qesser: 

a) im cylindrischen Theil der Mitte eines 
Sprosses. 

Durchmesser der Rinde 1,3 

Durchmesser des Holzkörpers 3,3 
Durchmesser des Markes 1,0 

b) In der Anschwellung des obersten Inter« 
Lodiums: 

Durchmesser der Rinde 1,6 

Durchmesser des Holzkörpers 2,2 
Durchmesser des Markes 3^4 

Demnach zeigt sich zwischen dem dänneren 
interen Theile des befruchteten und dem unbe- 
rnchteten Sprosse die üebereinstimmung , daß 
ie Mächtigkeit des Holzkörpers großer ist als 
ie der Rinde und des Markes; dagegen zeigt 
ich im angeschwollenen oberen Theile des be- 
ruchteten Sprosses dem unteren Theile dessel- 
ben Sprosses gegenüber eine excessive Wuche- 
nng des Markes, eine geringe Verstärkung der 
linde und eine Verringerung des Holzkörpers. 

Die Stiele der am befruchteten Sprosse ste- 



jcRi.'i« T:ijcter »awT msäs üe gviingrte Asf 

TT^ÄSTHiiL o^ unMTt rrbufrücke Tlieil einei 
-. — ^:'r:f^*i-t rir:«KA. osmsL E:jzkörper ja sehr 
r-T-.c-" i?^ ':»?iiL r»!:-:!»»!!«^*!! dem Messer 



. ^- .«T * 



:i5flr :i£5»biger T^etati- 
iLTr-rTiL Der i'lipr*. u:g««chwolIene 
T'rr.l :-« ':»»f^:rT*T*i. femfiaes Tiel weniger 
**c -^r fir^r «*:":•*: 5c: 5::r jcf« zad fiut weich 
T-« z:« 7n>:i: felbit. Es berskt dieoe gr9Bere 
'V^iäti'iri tzz rtzi^jsc ffsircwn Tcrückmig der 
I^Ü-wiz^i-T £«i H:li£:*rpen: MJich dieHarkzellen 
iiS'i rrTSrr "srf .xk^rer äh einuider gefugt, 
&5 :x.~ ::rtc7«- T^£« iet Spr wc» , m daA dis 
i^a»- •irr'^f rif *izfz kTpertTDphen Charaeter 

Ihr Li~ r rllriirr der Blätlien tragenden Sprosie 
<i?2-?=. iri-* r-f rritä hcTTorgehoben, sclinnbig nach 
V =::: ge?Tr^ln«D Intemodien. Das einzelne 
?'^:: :?7 dreisrnrifir . das eine Gefiftbfindel des 
?!m^:?^.s theih sich beim Eintritt in den Stamm 
- ii^'. Striüire. welche gesondert in der Rinde 
itrs Intemodiüms nach abwärts laufen, um erst 
i::':it oberhalb des nächsten Knotens in den 
,e":rs!enHolzcv1inder sich einznfBgen. Die den 
oberhalb des höchsten Laabblattes Yorhandenen 
Holzcylinder Ensammensetaenden Crefifibfindel 
r^präsentiren das Blattspor - System der FIoral> 
b^atter. 

Die branngefarbte Oberfläche des befimchteten 
Sprosses wird von einer dünnen, dnrch zalreiehe 
Lenticellen durchbrochenen Korkschidit gebildet 
lu dem noch stengelähnlichen Theile des Kelch- 
Intemodiums ist nur eine Epidermis mit stark 
AT nnd gebrannter Guticnla vorhanden; 
ibergang derselben in die Oberhaut der 



^ 



479 

Fi^QpIit hört diese Bräunung auf, die sehr dickei 
Caticnln wird glashell, so daß die Faxbstoffkörnar. 
lundurehschejnen können. In dem oberen Theilei 
des ^elch-Internodiums, den wir als Fraehtfleiso^ 
hfiaißichnw, erweitert der Mark-Cylinder seinen 
Oi^rohmessQr nur noch wenig ; derselbe setzt sich 
fort bis ZOT Insartionsßtalle der C^rpiden, d. h. 
bJLS zom K^^nhauae, wo er verschwindet, um ei* 
n^xa äphlr^^me Platz zu machen; dagegen her 
gUut um plötzUch die Aufschwellung der {tindei 
^^4 l^det 4^9 eigentliche Fri^Lchtfleiscb. 

Z^ Zeit der Fruchtreife ist dex steng^lähuT 
lichß Tb^il des Kelch^Intempdiums sehr fragil, 
dort pflegt man die Frucht abzubrechen. Uq* 
tfprl^klb dieser fragilen Begion wird, ki(rz bevor 
4iß FxnoM sf^itig ist;, da» Mark von eines Kork- 
platte durchsetzt, welche quer zur Axe ^teht 
T\}^i iu kappe^föpmiger Wölbung xiOQh ?iue 
Sfareeke a^f der inp/cren Sßite der Eio^zsträPge 
her^Uauft, ilolz, Öal^biu^l und Bind§ bilden 
TPF i^%m Abbreche^ keipe solche Korkplatte 
8,^9, ^sb p^h der Verletzung kpipmt es hier 
zßj; l^^berwf^Uupg. Die KorkpTatte des Marken 
ßißki etwa aiqf dem durch das oberste La^bbliE^tt 
g9bild^te^ Knoten; der brüchige Tbeil 4er Blü-* 
tjiienai^e gehört zum Kelch - Intemodiapi. Das 
sQost yehr stärkereiohe Mark enthalt oberhalb 
der Korkplat^e keine Starke, 

Per befruchtete Sproß findet seine Fo^tset^ 
zl^^ d^urch Axelsprosse , welche sich entweder 
gleiphzßitig fl^it der Frucht entwickeln oder ers^ 
im nächsten Jahre; derselbe wird dadurch wie 
ein normales QUed in das System y^getaüver 
Sprosse de^ Strauches eingeschaltet. — 

Sueben wi|r diese Beobachti^^geu zp(näch#t 
für die mprphplogiscbe Deiptiai^ der Quitteu<> 
frucht zu verwerthen , so kommt ^^^ G^ltmig, 



480 

daß die Internodien der befruchteten Axe 
eine erhebliche Verdickung gegenüber der nicht 
befruchteten zeigen, während die basalen Theile 
der Laubblätter so wenig eine Anschwellnug 
verrathen, wie die der Kelchblätter. Die Inter- 
nodien also zeigen ganz allgemein Tendenz zu 
gesteigertem Dickenwachsthum in Folge der Be- 
fruchtung, nicht aber die Blätter. Da nun der 
fleischige Theil der Frucht unzweifelhaft dem 
zwischen Eelch und erstem Laubblatt gelegenen 
Sproßgliede angehört, so sprechen auch die an 
der Quitte gemachten Wahrnehmungen f&r die 
von Holle gegebene Erklärung der Pomaceen- 
Frucht. 

Allein die geschilderten Verhältnisse sind 
geeignet, auch in physiologischer Hinsicht das 
Interesse wach zu rufen. 

In überaus zahlreichen Fällen sehen wir im 
Pflanzenreiche durch die Befruchtung Wacbs- 
thums-Bewegungen zur Auslösung kommen, welche 
sich mehr weniger weit über diejenige Sprofi- 
Begion hinaus fortsetzen, die wir morphologisch 
als Blüthe zu bezeichnen gewohnt sind : dadurch 
entstehen jene manchfaltigen Scheinfrüchte, von 
denen die Feige eine der merkwürdigsten isi 
Aber in allen diesen Fällen sind wir genothigt, 
die durch den singulären Wachsthums - Proceß 
ergrififenen Internodien und Blätter physiologisch 
mit zur Frucht zu rechnen , weil sie zur Unter- 
stützung des von der Fruchtbildung angestrebten 
Zieles sich entwickeln, demgemäß auch mit der 
reifen Frucht abgeworfen werden. In der That 
ist es ja physiologisch ganz gleichgültig , wenn 
eine Fleischfrucht erzielt werden soll , ob das 
Fruchtfleisch aus den Fruchtblättern, aus dem 
Kelche, aus den Blüthenstiele oder den Deck- 
m sich bildet. 



481 

Dagegen habe ich in der Literatur keine Er- 
wähnung von Fällen finden können, wie der an 
der Quitte beschriebene , wo die in der Frucht- 
entwicklung hervorgerufene Wucherung des Ge- 
webes sich auf Theile des die Blüthe tragenden 
Sprosses fortsetzt, welche rein vegetative Func- 
tionen versehen , mittelst ihrer ganz normalen 
Laabblätter die Ernährungs - Arbeit der nicht 
blähenden Aeste theilen und im Laufe der Ent- 
wicklung , nach Abstoßung der Frucht , in die 
Sproßverkettung des vegetativen Systems sich 
einfügen. 

Ob dies abnorme Dickenwachsthum der 
fruchttragenden Sprosse der Quitte irgendwie 
fiir die Fruchtentwicklung nützlich sei, ist eine 
Frage, die, weil schwer zu entscheiden, wir hier 
nicht weiter erörtern wollen. Begünstigt wird 
die in Rede stehende Erscheinung sicher durch 
den Umstand, daß die Frucht der Quitte nicht 
mit der scharfen Gliederung eines Fruchtstiels 
gegen den sie tragenden Ast sich absetzt , wie 
bei der Birne, dem Apfel. Wenn wir bei diesen 
letzteren beiden Früchten nicht selten fleischige 
Anschwellungen des Fruchtstiels finden, so läßt 
sich das nicht vergleichend hierherziehen , weil 
die Stiele mit der Frucht abgeworfen werden. 

Die Befruchtung gehört zu den Reizen, wel- 
che specifische Wachsthumsbewegungen erzeugen. 
Das Licht, die Schwerkraft, äußerer Druck oder 
Verwundung wirken als äußere mechanische Reize 
in dieser Richtung. Reize, welche durch chemische 
Impfung einer heterogenen Substanz eigen thümliche 
Wucherungen der Gewebe verursachen , liegen 
uns vor in den durch den Stich von Arthropoden 
hervorgerufenen Gallenbildungen ^). An diese 

1) Bereits von Röper ist die Gallenbildung mit dem 
durch Befrachtung hervorgerafenen Wachstham verglichen 



KMw>n# sekiMÜ rieh der dnroh die VevGuii- 
<«U BUMsHeker befraehtander Sobstanz mit der 
Fiawüi» mcvlwiie knakot vol derjenigen Wpch»? 
lauamWmeuig« welche in der Frachir- nnd So- 
irt*a^t!ifsK nns TorKegi. DaB hierbei der Yon 
imt CeBtram des B^es angelogene inteneiYa 
jVcAKi Ton Bildnngastoffen nicht der Fmcht at 
jKS in Gate zn kommen brancht, sondern aaoh 
rir stärkeren Ernährung nnd selbst Hypertro« 
pliie benachbarter Y^etativer Glieder dieaen 
kann » wird dnrch das Beispiel der Qnitte ^ 
KArl Vermathlich wird dies Beispiel bei wieb 
terem Umblick kein^ isolirtes bleibt 



Mittheilungen aus dem pb|trmacQlq^9ißh$n 
Institut der Universität GtöttiiPfgQQ, 

QeobachtKngen znr VerwQrt^p.illp (Ifr 

Ligatur der großen Hirnarteriei^ fv^t 

experimentell-pb^rmfiCQlpglQQliLf) 

Untersnchiingeo« 

Von 

W« Karsli. 

Die Unterbindung der Wer gro9en Hinwrtßrißo« 
die Euftmaul und Tenner mit so glftnufniln^ 
Resultaten für die experimentelle Pathologie YfX^ 
werthet haben, ist von S. Mayer fipf die e|[p^ 
rimentelle Prüfung von Areneimittelwirknng<9a 
ausgedehnt worden*). Während aber Mayer 

worden. Vgl. die üebers. von D. C. 's Pflanzenphysiolo- 
' asff. 148. 

blay t (BMp. YhÜL a. Vkvm, V. Bd. 8, 60. 



48S 

besonden hervorliebt ^) »die ausgiebige Verwer« 
tli«ng der Methode werde leider dadurch beein* 
träohtigty daß dieselbe nur bei Kaninchen in 
der (von ihm) geschilderten Weise anzuwenden 
sei,« haben Lnehsinger*) nnd ich') nnab« 
hängig von eioander dieselbe Methode auch an 
Etttzen mit Erfolg in Anwendung gebracht. AI« 
krdings sind uns beiden unter den letzteren 
YetBachrthieren wiederholt Individuen begegnet, 
die trotz der tadellosen Ligatur des Tr. brachio« 
cepbaHcus und der A. subclavia sin., wie dies 
Wi Hunden nach den übereinstimmenden Beo» 
bachtungeu von A. Cooper^), Pannm^), Hei- 
denhain^ B. Mayer^) u. A. in der Regel der 
FaU ist, ruhig fortathmeten und nieht in Gon- 
YoMonea verfielen. Da mir derartige unliebsame 
Begegnungen in den letzten beiden Semestern 
noch wiederholt aufgestoßen sind und das Re- 
sultat des Experiments vereitelt haben, drängte 
sich miff die Frage auf, ob S. Mayer mit seiner 
exdusiven Ansicht nicht doch im Rechte sei. 
Ich sah mich daher, um jeden Zweifel zu besei- 
tigen, veranlaßt, bei allen im Institut gebrauchten 
Katzen den Ursprung und Verlauf der großen 
Halsgefäße genauer zu verfolgen und durch In- 
jectionen die Bahnen festzustellen, auf welchen 
ausnahmsweise bei diesen Thieren trotz der Un- 
terbindung der genannten Arterien dem Gehirn 

1) Sitzgsb. d. kais. Akad. d. W. 78. Bd. S. 105. 

2) Archiv für die gesammte Physiologie 1877 Bd. XY. 
und 1878 Bd. XVI. 

8} Diese Naohrichten No. 3. 1878. 

4) Goj'b Hosp. Rep. YoL I p. 457<^475. (1886). 

6) GünsburgB Zeitsclirift far kl. Medknn 1856. & 
401—409. 

6) Studien des physiol. Inst. z. Breslau IV H. 1868 
S. 87. 

7)' S. Mayer Siizgsb. d. k. Akad. Bd. 78. & 101. 106, 



484 

ftanerstoffhaltiges Blut zufließt. Im AnschluB 
an diese Uutersnchangen habe ich auch bei 
Hunden die entsprechenden Wege aufgesncht, 
da dieselben auch bei diesen Thieren bisher Nie- 
mand bestimmt nachgewiesen hat. Zwar liegt 
ein dahinzielender Befond von Pannm La vor, 
auf den ich zurückkomme, derselbe hat aber nur 
Gültigkeit für das von ihm allein gewählte Operar 
tionsverfahren. Er unterband bei einem Hunde, 
abgesehen von beiden Garotid. com., die Aa. ve- 
tebrales zwischen dem 2. und 3. Halswirbel, 
während alle Anderen vor ihm und nach ihm 
beide Vertebralarterien viel näher dem Herzen oder 
statt dieser Gefäße die Aa. subclaviae ligirt haben. 

Meine Untersuchungen, die sich auf etliche 
dreißig Thiere erstrecken, ergeben als Besultai^ 
daß bei mehr weniger erwachsenen Katzen 
die Blutzufuhr zum Gehirn nach der 
Ligatur des Tr. brachioc. und der A. 
subclavia sin. nur durch eine Anomalie 
im Ursprung oder im Lumen der Sub- 
claviaäste ermöglicht wird. 

Die Anomalien des Ursprungs, die 
mir begegnet sind, betrafen stets die Aeste der 
linken Subclavia. Eine derartige habe ich schon 
früher erwähnt^); sie betraf die linke Wirbel- 
arterie, welche aus dem Arcus Aortae zwischen 
Tr. brachioc. u. A. subclavia sin. entsprang. In 
einem anderen Falle zweigten sich von der Sub- 
clavia sinistra zwischen Aorta und Vertebralis 
sinistra zwei, in einem dritten Falle nur eine 
Arterie ab, welche mit der unterbundenen link- 
seitigen Vertebralis nicht weit von deren Ur- 
sprung communicirten. 

Abnorme Stärke der Wirbelarterien sah 

1) Diese Nachrichten 1878 v. 20. Febr. 



485 

ch bei zwei Thieren. Hier konnte, wie nach- 
irägliche Injectionen constatirten, das arterielle 
ilut nach Unterbindung des Trane, und der A. 
lubcl. sin., ähnlich wie wir es später bei Hunden 
tehen werden, durch Vermittelnng anderer Aeste 
ler Subclavia und der Brustaorta genügend rasch 
rnd in genügender Menge in die Wirbelarterien 
gelangen, um das Bespirationscentrum in Action 
SU erhalten. Bei allen anderen untersuchten, 
jproßen Katzen zeigten sich die Yertebralarterien 
lehr eng und linkerseits gab die Subclavia von 
hrem Ursprung bis zum Abgang der Vertebralis 
^eine besondere Arterie ab. 

Während die angeführten Anomalien durch 
[njectionen von blauer Leimmasse klar zu Tage 
liraten, war es nicht möglich , durch dasselbe 
Sklittel endgültig den Beweis zu liefern, daß die 
Ligatur der wiederholt genannten Gefäße die 
Zufuhr von Blut von dem Hirn vollständig ab- 
sperrt. Der Grund dafür liegt darin, daß es an 
3inem Anhaltspunct zur Bestimmung der Zeit 
fehlt, wann die Injection abgebrochen werden 
muß. Setzt man dieselbe länger fort, so füllen 
sich schließlich sämmtliche mit unbewafiFnetem 
knge sichtbaren Gefäße des Hirns und Rücken- 
marks und von der Peripherie aus selbst die 
unterbundenen Arterien des Halses. 

Die Injection geschah in folgender Weise. Das Ster« 
lam der curarisirten oder ehen getödteten Katze, wurde 
bis zur dritten Rippe entfernt, der Tr. hrachioo. und 
lie Subclavia sin. nahe ihrem Ursprung aus der Aorta 
und diese selbst (natürlich am todten Thiere) vom Ab- 
iomen aus dicht über dem Diaphragma unterbunden. 
Oberhalb der Ligatur wurde eine möglichst weite Glas- 
kanüle eingelegt. Das so vorbereitete, auf einer fileiplatte 
(gefestigte Thier senkten wir in einen großen, mit 40^ war- 
mem Wasser gefüllten Harting'schen Injectionska&ten ^), 

1) Harting, da« Mikroskop. Bd. 1. S. 119. 



486 

kl dMBMi tiefertm Tkeile «ohon fwhAr ua& nü UaiMr 
LeimmaMe gefällte Wonlffsohe Fkiohe oAtergebnldil 
war. Von meeer letaleren fährte ie ein Qnmmianhlannh 
tu der Aoriakanule, zu einem Qaeokailbennanometer nnd 
in eitiem mit Luft gefüllten GaBomettt, irelehdtr wie M 
dem «uf 8. 844 No. 7 diever Kaeki*« erwttmtaa Dtt t ili - 
BtrömungBapparat, mit einem Hahn der «t&düi^ttD fto* 
serleituig in Yerbindong stand. Die Iiyeatioiien .wofdiii 
stets bei ganz geringem Druck begonnen and derselbe 
fkor altmälig gösteiffert, immer -aber weit nntör Adr Dittidf- 
sehDittshGhe d«s Biütdraeks gelmlten , weil «in li6heMt 
Druck «ehleohtere Füllung der kleinen QefiLSe cur fWg« 
hat. Wurden die I^jeotionen länger ak 16 iümrtan iOM 
höchstens Vi Stunde fortgesetzt, so fanden wir 24 Stunden 
später bei der Section ^), alle oben genannten Geläfie und 
auBerdem die IntercostalaM^erien und Mammariäe int^ nebst 
ihren AnasiomoBen, mit blauem Leim gefölH. Daba 
waren die ConjunotiTae ganz blaß geblieben und Mund* 
Schleimhaut und Zunge ließen kaum einen blauen Schimmer 
erkenuen. 

Da wir im Gegensatz zn den Katzen bei den 
größten Lapins, wenn die Ligataren angelegt 
waren, selbst bei Stunden lang fortgesetzter la- 
jection nie eine ebenso vollständige Füllung der 
Hirn- und Scbädelgefäße erreichten, wurde der 
Verdacht rege, es könnte vielleicht bei den durch 
Curare gelähmten Katzen, während längerer 
Dauer eines Experimentes art. Blut und mit 
diesem ein Theil des zu prüfenden Arzneimittels 
oder Giftes allmälig ins Gehirn geführt werden. 
Um bei dieser Ungewißheit zu einer bestimmten 

1) Bei der 8ecti<m einer Katze fenden wir im Groß« 
him nnd im Rüokenmaric Je einen Biasenwurm, den Ck>l- 
lege Ehlers die Güte hAttö zu bestimmen. Es war nieirti 
wie zu vencnathen stand, Cystie. fasciolacriB, iier in der 
Hausmaus, oder G. kmgieollis, der in der Bratthdhle detf 
Feldmaus schmarotzt sondern der gemeine 0. celhiloMae. 
dessen V or konftnfti im Rückenmark d^ Eat^e weder bei 
Diesing noch Uiderwfirts aflgefoAirt ist. KrankheÜM^ 
soheinungen hatten dieParasitsn bei Lebzeiten desXhierei 
nicht veranlaßt 



I 



487 

BaNäcAieidwig zu komirieii) Tdtttiiöliie kh Mfioale 
SfertMeoif bei d^nen entweder in der Cfaloraforiii*> 
natrcoee öder lirährend mögliefaet seh wacher Ca- 
nveläbmung die Qefäßstämme naterbnnden worden 
mureii) durch Sttaden lang unterhaltene Respi- 
MtiOD am Leben zu erhalten. Es stellten sich 
abte b^i den YersucfaBthieren faiemmh spontane 
B^irattondbi^egnngen ein und auch i^enn die 
Thiexe in einem geeigneten W-ärmekaeten bei 
86^ 0. vor jeder naohtheiligen Abkühlung ge* 
iMlütat blieben ) gingen «ie schlieAlioh doch an 
HeitslKkmmng zu Grunde. -^ Um zu entscheiden 
eb ode^ ob nicht Spuren eines in die Blntbahn 
gespritzten Giftes trete der Ligatur ins Gehirn 
gelangen können, injicirte ich operirten Kaninchen 
und Katzen während künstlich unterhaltener Re- 
spiration eine wässerige Lösung von Thallium^* 
Sulfat in eine Sohenkelvene und prüfte^) p. m. 
das Gehirn auf seineu Gehalt an Thallium. Al-^ 
lerdings fand ich niemals im Hirn solcher Thiere 
Thallitttti. I>ei aber auch bei ganz intacten 
Eataen dto Nachweis des injicirten Metallsalzes 
im Gehirn nicht in allen Fäüen gelang , durffce 
jfeh aucfh diesen Beweis nicht gelten lassen und 
kam deßhalb zu dem früher schon angegebenen ') 
Ifitlel. ich infandirte den operirten Thieren bei 
L^bMIten in eide Vene Natriumindigosulfat. 
DttfCfh «difeBäs ¥erftihren fand ich defnn bei allen nor- 
ToA^em^ ausgewa^^hsenen Katzen die oben 
taUfgjbgptö^xtne Annahtt^ vollkommen boErftätigt. 

1) NMh dcir 18iS7 i. d. Nsehr. No. 20 anjptegfdMnen 
MolM>lyfetodh'^8t>eotfOiBoopiBdien Methode. 

8) JOiese Nadhriehten 1. c. 

8) Es sind mir übrigens anoh GefaBanomalien begegnet, 
weloneden IBrfölg der UnterbindtiDg niclit altehren. wie 
1 % iMtMäi fer Säbölavtü läü. aas dem tr. bittölnd^ 
uvpiuuwus« 



488 

Nicht so yerhielten sicli sehr junge Kätz- 
chen. Experimentirt man an solchen, so trifft 
man nnter diesen nicht so selten Individuen, die 
ohne jede nachweisbare Gefaßanomalie nach re- 
gelrechter Unterbindung der großen Gefaßstämme 
spontan fortathmen. Injicirt man p. m. die Ge- 
fäße , so läßt sich keine ungewöhnUche Anosto- 
mosenbildung mit Sicherheit constatiren. Da« 
gegen zeigen sich die Aa. yertebrales und mam- 
mariae int. sehr stark ausgedehnt und prall an- 
gefüllt. Es liegt daher nahe, anzunehmen, daft 
bei diesen jungen Thieren die Gefäße sich leichter 
und stärker ausdehnen, als bei alten Thieren 
und daß namentlich die Yertebrales sich inner- 
halb ihrer noch nicht verknöcherten Umgebung 
genügend rasch erweitern können, um dem Ge- 
hirn trotz der Unterbindung, ähnlich wie bei 
Hunden, so viel arterielles Blut zuzuführen, 
wie zur Unterhaltung der Bespiration noth- 
wendig ist. 

Bei erwachsenen Katzen stimmen auch die 
Erscheinungen , welche man nach Absperrung 
des Blutstromes vom Hirn beobachtet im We- 
sentlichen mit denen überein, die bei 'Kaninchen 
vorkommen. 

Gleich nach der Absperrung sieht man 
1. Veränderungen der Pupille wie sie Kuß- 
maul unter gleichen Bedingungen bei Kanin- 
chen beschrieben hat. 2. Stürmische Athembe- 
wegungen von kurzer Dauer und heftige Con- 
vulsionen, wie sie der Straßburger Kliniker 
gleichfalls bei Kaninchen anführt. 3. Auffallend 
starkes Lungenoedem, wenn die Thiere nicht 
curaresirt sind oder sich von der Curarewirkung 
wieder erholt haben und noch nicht zu sehr er- 
schöpft sind. 4. Ansteigen des Blutdrucks mit 
nachfolgendem Sinken und allmälig eintretender 



489 

HenschwBche 5. kommen nach dem AnfhSren 
der Himfnnctionen Befiexfonctionen des Bücken- 
marks in exquisiter Weise zar Beobachtung. 

Löst man die Ligaturen nach etwa 10 Mi- 
nuten, so treten die von L. Mayer^) bei Ka- 
ninchen geschilderten postanämischen Bewegun- 
gen auf. 

Katzen vertragen übrigens die Absperrung 
des Blutes vom Hirn nur kurze Zeit und wenn 
nach Wiederherstellung der Hirncirculation auch 
die Bespiration wieder in Gang kommt, erholen 
sich, soweit meine Beobachtungen reichen, die 
Thiere doch nie nlehr vollständig. Bis jetzt ist 
es mir wenigstens in keinem Falle gelungen eine 
Katze, die wieder spontane Athembewegungen 
machte, dauernd am Leben zu erhalten. Dieser 
negative Erfolg läßt sich nicht auf die Opera- 
tionsmethode als Ursache zurückführen. Denn 
die Katzen, die am Leben erhalten werden soll- 
ten^ hatte ich nicht nach der von Luchsinger 
1. c. angegebenen Methode operirt, sondern nach 
dem weiter unten beschriebenen Verfahren, wel- 
ches bei Hunden stets zu dem gewünschten Be- 
sultate führte. 

Nach allen diesen Ergebnissen kann man 
mit demselben Bechte und demselben Erfolge 
wie bei Kaninchen auch bei mehr oder weniger 
erwachsenen, normalen Katzen die Unterbindung 
der großen Halsarterien experimentell verwer- 
then und es bedarf kaum einer besondern Her- 
vorhebung, wie wichtig es für den experimenti- 
renden Pharmacologen ist ein Arzneimittel oder 
Gift unter ganz gleichen Bedingungen nicht nur 
an einem Herbiroren, sondern auch an einem 
Bepräsentanten der Fleischfresser untersuchen zu 
können. 

1) Centralblatt f. d. med. W. No. 82 u. 88 v. 1878 

40 



490 

üeberall wo man bei der ezp. Prüfimg von 
SubstaDzen mit Umgebung der Narcotica und 
Anaesthica den Einfluß des Großbirns, des re- 
spiratoriscben nnd vasomotorischen Centroms 
auf Girculation und Respiration, auf die Organe 
der Bewegung und auf die Function der Ter- 
scbiedenen ünterleibsorgane ausscbalten will, 
kann man die Unterbindung der genannten 
Gefäße mit Nutzen verwertben. Wenn es ferner 
von Wichtigkeit ist, bei irgend einer Untersu- 
chung ein Arzneimittel oder Gift nur in das Ge- 
hirn und die genannten Gentra gelangen und 
auf diese Theile einwirken zu lassen, kann man 
unter den von L. Mayer 1. c. angegebenen 
Cautelen und genauer ausgeführten Erweiterun- 
gen des Experiments gleichfalls die Ligatur bei 
beiden Thierarten in Gebrauch ziehen. 

Endlich ist, wie Luobsinger betont, die 
Yorgängige Ligatur der Halsarterien sehr yor- 
theilhaft , wenn bei einem Experiment die Dis- 
cision der Medulla spinalis erforderlich wird. 
Durch die Unterbindung kann die Discision ohne 
jede Blutung ausgeführt und fast jede störende 
Shock- Wirkung umgangen werden. — 

Bei den viel leichter zu behandelnden Hun- 
den und wie ich hinzufügen kann auch bei Zie- 
gen, ist die Unterbindung der großen Hirnarte- 
rien zu gleichen Zwecken nicht brauchbar. 
Hunde leben, wie zuerst A. Co o per dargethan 
hat, nach dem Verschluß der Garotiden und 
derVertebrales in ungetrübter Gesundheit 
fort. Sie ertragen ebensogut die Unterbindung 
des Tr. brachiocephalicus und derSub- 
clavia sinistra. Am 5. April 1878 injicirte 
ich einer kleinen Hündin von c. 5000 Grm, 
Körpergewicht in die rechte Schenkel vene 0,12 
Morphin, hydrochlor. Dem tief narcotisirten 



491 

Thier unterband ich darauf unter Thymolspray 
den Truncus brachiooephalicus. Nachdem hier- 
durch die Carotis com. dext. und die gleichsei- 
tige Subclavia verschlossen waren, ligirte ich in 
gleicher Weise die Subclavia sinist. na*lie an ih- 
icem Ursprung aus der Aorta. Einige Minuten 
später legte ich auch um die Carotis com. si- 
nist. eine Ligatur. Die Operationswunde wurde 
mit carbolisirtem Catgut geschlossen. Am fol- 
genden Tage war das Thier noch etwas träge, 
aber am dritten Tage verzehrte es schon etwas 
Futter und erholte sich daon rasch, während 
die Operationswunde ohne Schwellung und Ei- 
terung heilte. In den folgenden Pfingstferien 
warf die Hündin drei normale Junge, an welchen 
College Eichhorst im Anschluß an frühere 
Arbeiten dieDiscision der meduUa spinalis vor- 
nahm. Am 10. October habe ich das Thier ge- 
tödtet, um das weiter unten beschriebene Injec- 
tionspräparat zu gewinnen. 

Bei einiger Uebung und geeigneter Assistenz 
ist die Operation nicht schwierig. Ich mache 
in der Mittellinie des Halses einen Längsschnitt 
durch Haut und subcutanes Bindegewebe, gehe 
anfangs mit Hülfe des Messers, später nur mit 
Ludwig* s Schaber und Pincette an der late- 
ralen Seite des rechten M. Sternocleidomast. ein 
bis auf die Carotis com. Von ihr geleitet dringe 
ich, während die Wunde vom Assistenten mit- 
telst zweier stumpfer Haken auseinander gehal- 
ten wird , ohne jede Blutung bis unter den Ur- 
sprung der Subclavia vor, unterbinde den Trun- 
cus und sperre mit dieser einen Ligatur rechter- 
seits beide großen Arterienstämme vom Herzen 
ab» Von der lateralen Seite des linken M. 
Sternocleidomast ist bei kleinen Thieren die A. 
Subclavia sinist. bald erreicht. Sie wird vor- 

4Q* 



492 

aichtig centralwärts isolirt, bis sicli zwischen 
Aorta and Vertebralis eine Ligfttar anbringen 
läßt. Zweckmäßig pausirt man nnn etwasehe 
man auch die linke Carotis com. znsclmärt. — 
In anderen Yersnchen habe ich die linke Ex>pf- 
Schlagader erst 14 Tage später nnterbnnd^ 
nachdem die erste Operationswunde vollständig vep* 
heilt war, weil mir einzelne Thiere , bei denen 
die vier großen Halsarterien fast gleichzeitig ver- 
schlossen wurden, kurz darauf trotz rasch ein- 
geleiteter und lange Zeit fortgesetzter Respiration 
zu Grunde gegangen sind. 

Schon R. Heidenhain hat 1. c. in seiner 
schönen Arbeit über die Speicheldrüsen darauf 
aufmerksam gemacht, daß bei Hunden, das Ge- 
hirn noch auf anderen Wegen als durch die ge- 
nannten großen Arterien sauerstofißialtiges Blut 
erhalten müsse. Er hat wiederholt bei Hunden 
die Garotiden und Subclavien unterbunden., die 
Thiere aber nie am Leben erhalten, sondern zu 
weiteren Versuchen verbraucht. Die Wege, auf 
welchen das Gehirn nach der Operation mit 
Blut versorgt wird, hat Heidenhain nicht ge- 
nauer ermittelt. 

S. Mayer hat, wie er gelegentlich seiner 
Studien zur Physiologie des Herzens (1. c.) mit- 
theilt, an zwei Hunden die Garotiden und die 
Yertebrales, bei einem dritten die Garotiden und 
die Subclavien unterbunden. Die beiden ersteren 
Thiere, welche mit Opium narcotisirt waren, 
zeigten keine Lähmung der Respiration noch 
Girculation. Bei dem dritten Thiere , welches 
mittelst Gurare gelähmt war, functionirte das 
vasomotorische Gentrum während künstlicher 
Respiration ruhig fort. Am Leben erhalten hat 
Mayer seine Thiere nicht und gibt auch keine 
genauere anatom, Erklärung für die Fortdauer 



493 

des Lebens nach der Operation, hebt aber be- 
sonders hervor, daß die Erklärung, welche Pa- 
nnm vor zweiundzwanzig Jahren gegeben hat 
nicht für seine Versuche , sondern nur für das 
▼on Panum und vielleicht noch für das viel 
ältere von Co o per angestellte Experiment Gel- 
tung haben könne. 

Panum war 1856 der Meinung, die ein- 
zigste Stelle, an welcher man die Yertebralarte- 
rien beim lebenden Hunde unterbinden könne, 
stA die, »wo sie vom Kanäle im Epitropheus 
aus in den Kanal im Atlas übertritt.€ Er iso- 
lirte und unterband gelegentlich einer Studie 
über Embolie 1. c. beide Yertebrales an dieser Stelle 
und ligirte gleich danach auch beide Garotiden. 
Vier Stunden später tödtete er das Thier und 
injicirte durch die Aorta descendens nach oben 
hin eine schwarze Fettmasse. Obgleich die Li- 
gaturen sich als impermeabel erwiesen , waren 
die Hirnarterien doch von der schwarzen Injec- 
tionsmasse stark angefüllt. Die Erklärung hier- 
für sah Panum darin, daß die Yertebralis un- 
terhalb der Ligatur zwischen 2. und 3. Hals- 
wirbel einen sehr starken Arterienzweig zum 
Bückenmark abgab , welcher sich mit dem ent- 
sprechenden Arterienzweig von der anderen Seite 
zu einem gemeinschaftlichen Stamm vereinigt. 
Diesen letzteren läßt Panum nachdem derselbe 
etwas höher oben nochmals zwei Zweige von 
der Yertebralis aufgenommen hat, schließlich 
die Arterie basilaris bilden. Es ist dies eine 
Auffassung, die, wenn sie auch den Erfolg des 
Panum'schen Experiments erklären kann, der 
Anschauung heutiger Anatomen nicht entspricht. 
Denn die im Wirbelkanal aufsteigende Arterie 
Panums ist, wie sich leicht constatiren läßt, 
die von den Yertebrales stammende A. Spinalis 



494 

anterior. Diese letztere gibt beim Hnnde, gerade 
wie nach Henle^) beim Mensehen, in ihrem 
Verlaufe an variabeln Stellen seitliche Zweige 
ab, die ihrer Seits theils mit Zweigen der A. 
Spinalis posterior, theils mit tiefem Parthien 
beider A. Vertebrales und weiter abwärts durch 
die foramina interyertebralia mit den Interco- 
stalarterien Anastomosen eingehen. 

Auf den seiner Zeit sehr berühmten Versucli 
von Astley Gooperpaßt Panums Erklärung 
nicht. Co per 1. c. unterband am 28. Jan. 
1831 einem Hunde beide Vertebrales nahe an 
ihrem Ursprung und gleich darauf beide Garo- 
tiden. Der Hund erholte sich und wurde erst 
9 Monate später getödtet und injicirt. Genaue 
Abbildungen des Injectionspräparates zeigen so- 
wohl die Obliterationsstellen wie die zahlreichen 
Anastomosen. Auf welchen Wegen aber gleich 
nach der Operation das Hirn sauerstoffhaltiges 
Blut erhält lehrt auch der G o o p e rasche Versuch 
nicht. 

um diese Bahnen kennen zu lernen präpa- 
rirte ich an frischen Hundeleichen die Aorta tho- 
racica asc, den trnncus brachioceph., (aus welchem 
bei Hunden wie fast immer bei Katzen^) die 
rechte Subclavia und beide Garotiden entsprin- 
gen), die rechte und linke Garotis com., die Sub- 
clavia dextra, und die Aeste, welche aus derselben 
entspringen ehe die Subclavia über die erste 
Rippe hinweg auf die Außenseite des Thorax 
gelangt. Auf dieser Strecke entspringen in der 
Regel die Aa. vetebralis, mamaria interna, die 
cervicalis profunda, intercostalis suprema und 
thyreoidea. Die drei zuletzt genannten Arterien 

1) Handb. d. systAnat. III Bd. 1868. S. 120 n. 121. 

2) Nach Lachsinger L c. entspringen diese Arterien 
nicht immer aas dem TroncoB. 



495 

treten oft zu einem gemeinschaftlichen Stamme, 
der ans cler Subclavia entspringt, zusammen. 
Einmal sah ich sie mit gemeinschaftlichem Stamme 
aus der Vertebralis kommen. Hinsichtlich ihres 
Lumens zeigen diese 3 Arterien mannigfache 
Variationen; meist war die der Cervicalis prof, 
beim Menschen entsprechende Arterie weiter als 
die Intercostalis suprema und die Thyreoidea« 
•Ungefähr von gleicher Weite wie die Vertebralis 
ist oft die Mammaria int. Nachdem diese sämmt- 
liehen Aeste möglichst vollständig isolirt waren, 
unterband ich die beiden Carotiden, die Verte- 
bralis dext., die rechte Mam. int. an ihrem Ur- 
sprung und dann die Subclavia selbst peripher 
von der Cervicalis profunda. Es blieb also nur 
•die zuletzt genannte frei. Dann wurde das Schä- 
deldach in seiner ganzen Ausdehnung *entfemtf 
das Hirn aus seinen Verbindungen gelöst und 
mit der Medulla oblongata so zurückgeschlagen 
(den Hund in Bückenlage gedacht), daß die Art. 
basilaris und die von ihr ausgehenden beiden 
Schenkel der Spinalis ant. gut beobachtet werden 
konnten. Nun injicirte ich in den Tr. Berliner- 
blau in Glycerin gelöst und sah fast unmittelbar 
nach Beginn der lujection aus der angeschnit- 
tenen A. basilaris die blaue Flüssigkeit austreten. 
Bei dieser Anordnung des Experiments vermittelt 
die Cervicalis profunda die Füllung der Verte- 
bralis resp. der Basilaris. 

Wird der Versuch so variirt, daß nur der 
Truncus brachioc. und die Subclavia sinistra dicht 
am Arcus Aortae und die Subcl. dextra peripher von 
der Cervicalis profunda unterbunden sind und 
injicirt man jetzt von der Aorta thoracica descen- 
dens aus, ähnlich wie es Panum gemacht hat, 
nach dem Herzen zu blaues Glycerin, so füllt 
sich auch jetzt die A. basilaris sehr rasch. Es 



496 

vermitteln unter den gegebenen Bedingungen 
reobterseits die Anastomoeen , welcbe die Inter- 
costttle« aortieae mit der Mamaria int. und der 
Incercotftalis soprema verbinden zunächst die 
KüUuii^ des unterbundenen Theiles der Snbclayia 
dexcr. und von hier aus die Füllung der Verte- 
bralid und der beiden Carotides com. 

Legt man nach Unterbindung des Trumcus 
bnichioceph. und der Subclavia sinistra noch b&- 
doudere Ligaturen um die Mamariae int», die 
Cervicales prof., die Vertebralea und um beide 
Carotides com., iujicirt wieder in die Aorta tho- 
racica descendens aufwärts, so dringt auch jetzt 
noch das blaugefärbte Glycerin in die BasUaris. 
Die Fällung kommt aber erst längere Zeit nach 
Beginn der lujection zu Stande und es bleibt 
Bweifelhaft ob hier nicht die Füllung durch die 
Yenenplexus im Wirbelkanal vermittelt wird. 

Die rasche Versorgung des Hundehims mit 
arteriellem Blute besorgen nach Unterbindung 
des Truncns brachioc. und der Subclavia sinistra, 
wenn nicht allein, so jedenfalls hauptsächlich 
die Aa. intercostales aortieae, die Aa. mammariae 
int. und intercostales supremae. Daß diese Ar- 
terien wirklich die hauptsächlichsten Bahnen sind, 
auf welchen nach der Unterbindung das Hirn 
mit arteriellem Blut versorgt wird, bewies schliß 
gend die Leim**Injection der am 5. April ope- 
rirten und am 10. October getodteten Hündin. 
Die Intercostales sowohl wie die Manunariae und 
die Cervicales profund, zeigten sich deutlich aus- 
gedehnt und von den zuletzt genannten Arterien 
liefien sich schon bald nach ihrer Abzweigung 
aus der Subclavia relativ starke Anastomosen 
mit der Yertebralis bloelegen. 



497 

Erklärung der zu No. 7 S. 244 dieser Nachr. 
gebörenden Abbildung des Durchströmnugsap- 
parates aus dem pharmacologischen Institut. 
Ä. mit Luft fi^efiillter Gasometer ; B. mit defibrinirtem 
Blute gefüllte Glasbirne ; E. Manometer ; F. Glas- 
birne zur Aufnahme des durch die Niere getrie- 
benen Blutes; G. Eochflasche in 38^ C. warmem 
Wasser^ in welcher das Blut aus F. gesammelt 
und mit Luft geschüttelt wird; a. Verbindung 
mit der städt. Wasserleitung; b. Glashahn; c. 
Bohre Ton Glas mit Quetschhahn, welcher ge- 
öffnet wird nachdem b. geschlossen ist, wenn das 
in G. gesammelte Blut durch den Trichter d. in 
die Birne B. nachgefüllt wird ; e. Gummischlauch- 
yerbindung mit einer Elemmpincette verschließ- 
bar; t Glashahn zur Verbindung mit dem Ma- 
nometer E; welcher außerhalb desEasteos g. h. 
i. k. steht; g. h. i k. Zinkkasten, welcher bis 
zur punctirten Linie 1. m. mit 0,6% Eochsalz- 
lÖBung Yon 37,5—38,00 C. gefüllt ist und durch 
die Brenner n. und o. erwärmt wird; p. Glas- 
kanüle für die Nierenarterie; q. Metallkanüle, 
sie yerbindet den Ureter vom Nierenbecken an 
mit der weiteren Glasröhre r, welche durch die 
mit Quetschhahn versehene engere Glasröhre 
EL fest Iniftleer erhalten werden kann; t. Glas- 
kanüle für die Nierenvene ; u. Glasschale für die 



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498 

Promotionen der philosophischen Fa- 
cultät unter dem Decanate von Pro- 
fessor Wüstenfeld vom 1. Juli 1877 
bis Ende Juni 1878. 

(Fortsetzung.) 

7. August. Louis Grube aus Goslar. Diss.: 

Ueber Nitroamidobenzoesäure. 

8. August. Martin Wetzel aus Dingelstedt. 

Diss.: De consecutionetemporumCiceroniana. 

9. August. Heinrich P recht aus Jobber in 

Hannover. Diss. : Untersuchungen über De- 
rivate des Acetessigäthers und der Dehy- 
dracetsäure. 

1 0. August. Wilh. G e r c k e n aus Lesum. Diss. : 

üeber die mathematische Theorie der Disper- 
sion des Lichtes. 

1 4. August. Bobert Dettloff aus Riga. Diss. : 

Der erste Römerzug Kaiser Friedrichs 1. 1154. 
1155. Ein Beitrag zur Reichsgeschichte. 

15. August. John Will. Raveil aus Toronto 
in Canada. Diss.: Verhalten der Salpeter- 
säure zur Parabrombenzoesäure und zum Fa- 
rabrombenzanilid. 

15. August. Aug. Bock er aus Eschede in 
Hannover. Diss.: Ueber die Natur der Di- 
nitrobenzoesäure aus Metanitrobenzoesäure. 

16. October. J. G. Rud. Langenbeck aus 
Göttingen. Diss.: Ueber diejenigen geodä- 
tischen Linien auf dem dreiaxigen Ellipsoid, 
welche durch einen der Nabelpunkte des- 
selben gehen. 

23. October. E. G. Heinr. Wendlandt aus 
Uelzen. Diss.: Die Sturmschen Functionen 
zweiter Gattung. 

28. October. Theodor Friederici aus Wehlau 
■n Ostpreußen. Diss. : Ueber die Einwirkung 



499 

von Wasserstoflf auf Trichloracetylmetanitro- 
paratoluid und Monovalerylmetanitroparato- 
luid. 

J. November. Paul Rieh. Bruch er aus Glan- 
dorf in Hannover. Diss.: Grundzüge der 
Mechanik des Hufes und einer darauf ge- 
stützten naturgemäßen Diätetik desselben. 

8. November. Heinr. Schäfer aus Galcar. Diss.: 
De nonnullarum particularum apud Antiphon- 
tem usu. 

10. November. Oscar Göltschke aus Leirabach 
Prov. Sachsen. Diss.: -Ueberföhrung der 
B-Nitrosalicylsäure in Metanitrobenzoesäure. 

18. November. Bobert Heinr. Lüning aus 
Homeburg. Diss. : l.Ueber Natrium, Schwe- 
felwasserstoff und Benzonitril. 2. üeber 
Benzonitril, Benzylchlorid und Zink oder 
Natrium. 3. Nitrirung von Paratoluidiusul- 
fat. 4. Propionylchlorid und Orthodiamide. 
5. üeber ein Nitrosulfobenzol. 

20. November. Carl Dyckerhoff aus Mann- 
heim. Diss. : Beiträge zur Eenntniß des 
Acetophenons. 

20. November. John T. Stoddard aus Nort- 
hampton in Massachusetts. Diss.: Ueber 
Anhydrobenzamidotoluylsäure. 

30. November. Georg Bob. Hasse aus Lieg- 
nitz. Diss. : Ueber die Einwirkung von Te- 
- trachlorkohlenstoff auf Phenole in alkalischer 
Lösung. 

8. December. Carl Rodenberg aus Bremen. 

Diss. : Die vUa Wcüae als historische Quelle. 

9. Februar 1878. Bud. L e h m a n n aus Grefeld. 

Diss. : Kantus Lehre vom Ding an sich. Ein 
Beitrag zur Eantphilologie. 
12. Februar. Diro Eitao aus Mazzäi in Japan. 
Diss.: Zur Farbenlehre. 



3«)0 

19. Febnnr. Georg WimteraaiBffwIra. Din.: 
«jrt^schiciLte Asi Bathfi m StraUnirg Ton 
^ineii ersten Sparen bis nzm Statut Ton 1263. 

2i>. Febmur. «j«}rgr Wendt antSteiidaL Diss.: 
Die Natioaalität der Bevölkennig der deut- 
ächea Oitiiarkni Tor dem B^inne der G^r- 
manisiraii^. 

2ä. Febmar. OMar Gast. L and grebe auDü»- 
seldorfL Disw: üeber YerbiDdimgeD des 
Cjanä mit organisehen Basen. 

2. Man. Greorg Bockwoldt ans Biadorf auf 
Fehmam. Dt9&: üeber die Enneper'sehen 
Fliehen mit constantem pontiTem Krüm- 
mungsmaas^ bei denen die eine Schaar der 
KrnmmungsKnien Ton ebenen Corren ge- 
bildet wird. 

7. Kärz. Carl Heinr. Bemh. Haehex ans Bill- 
wärder. Dias.: De Herodoti itineribns et 
scriptis. 

S.März. Herm.Bentnagel ansThiedein Brann- 
schweig. EHas.: üeber Metabrombenzoesanre, 
Bromnitro- and Bibrom-Benzoesanre. 

9. März. Martin Klamroth ans Fiddiehow in 
Pommern. Disa.: Gregorii Abolfaragii bar 
Ebhraya in Actos Äpostolomm et Epistnlas 
Catholicas adnotationes Syriaoe. 

12. März. Emil Heikenberg ans Hagen in 
Westfalen. Diss.: Beitrage znr KenntniA 
des Orcins. 

12. März. Leo Lewy ans Posen. Dias.: Die 
bei der Einwirkung von Chloroform anf Be- 
sorcin in alkalischer Löenng entstehenden 
Aldehyde und einige Derivate derselben. 

13. März. Ed. Aug. Gostay Fe lisch ans Hey- 

debeck in Pommern. Diss. : Beitrag zur Hi- 
stologie der Schleimhäute in den Lnfthöhlen 
^es Fferdekopfes. 



501 

14» März. August Hecht aus Wahnebergen in 
Hannover. Diss. : üeber die Einwirkung 
von Benzoesäure auf Bariumparanitro- und 
Brom-Benzoat. 

14. März. Carl K r i s c h e aus Göttingen. Diss. : 
I. Ueber Nitrobenznitrotoluide und die Ein- 
wirkung von Wasserstoff auf dieselben. U, 
Zur Kenntniß der Sulfanilsäure. 

15. März. Okko Beruh. Ledin g aus Klein- 
Midlum in Ostfriesland. Diss. : Die Freiheit 
der Friesen im Mittelalter und ihr Bund 
mit den Versammlungen beim üpstallsbom. 

17« März. Maximilian Dohrn Brütt aus Marne 
in Ditmarschen. Diss.: Die Anfange der 
classischen Tragödie Frankreichs. 
22. März. P. Gr. Richard Schwartz aus Stol- 
zenau. Diss. : Gregorii bar Ebhraya in Evan- 
gelium Johannis Commentarius. E thesauro 
mysteriorum desumptum edidit. 
24. März. Adolf W u 1 1 z e aus Göttingen. Diss. : 
üeber die Einwirkung der Salpetersäure auf 
paranitrobenzoylirtes Anilin und Beitrag zur 
Kenntniß der Parachlormetanitrobenzoesäure. 
2. April. Ignaz Jastrow aus Nakel in Posen« 
Diss.: Zur strafrechtlichen Stellung der 
Sklaven bei Deutschen und Angelsachsen. 
1. Juni. J. E. Carl Schering aus Scharnebeck. 
Diss.: Zur Theorie des Bernhardtschen arith- 
metisch-geometrischen Mittels aus vier Ele- 
menten. 
28. Juni. John Robin Irby aus Lynchburg im 
Staat Virginia. Diss.: On the Crystallo- 
grapby of Galcite. 

Sechs Candidaten wurden nach der münd- 
lichen Prüfung zurückgewiesen, um sich nach 
einem halben oder einem ganzen Jahre zu einer 
zweiten Prüfung zu melden. 



502 

Fünfzehn Candidaten konnten wegen der 
nicht genügend befundenen Dissertationen znr 
mündliehen Prüfnng nicht zugelassen werden. 

Zwei Candidaten zogen ihre Bewerbung zu- 
rück und Einer wurde von vornherein abgewiesen« 



6ei der KönigL Gesellschaft der Wis- 
senschaften eingegangene Druckschriften 

Mai 1878. 

(Fortaetnmg). 

£. Hertiberg, om Kreditteiis begreb og visen* Ebd. 

1877. 
A. N. Kür« Bidrmg til Belysningen af SkibB&rtens öko- 

nomiske Forhold. Ebd. 1877. 
J. Gamborg, om Byerne og Landet, eto. Ebd. 1877. 
Korges offidelle Statistik. 67 Hefte. 4. 

F. Herb ich, Das Szeklerland , geolog. n. palaontol. be- 
schrieben. Pest. 1878. 

XVU. Soc. Toscana di Sc natorali. Proo. verbalL 
Neues Laositzisches Magazin. Bd. 54. H. 1. 
Sitzungsber. der k. bötmi. Geeellsch. der Wiss. in Prag. 

1677. 
Victor Schlegel, Hermann Grassmann's Leben und 

. Werke. 1878. 
Norske Frederiks üniverritet Aarsberetning. 1859.60.62. 

73. 74. 76. 
Forhandlinger i Yidenskabs Selskabet i Christiania. 1876. 

1877. 

Juni 1878. 

Natore. 448 — 453. 

G. Strüver, sopra Spinello Orientale. Borna. 1878. 4. 
Rivista Eoropea. Vol. VII. Fase. 3. 

Leopoldina. XIV. No. 9 — 10. 

Astronom., magnet u. meteorolog. Beobachtungen an der 

Sternwarte zu Prag. 1877. Fol. 
F. Neumann, znr Lant- and Flexionslehre dee Altfiran- 

zösischen. 1878. 
^ ^ortis, über fossile Schildkröten ans der Proyms 
over. 1878. 4. 



503 

Monthly notioes of the B. Astronom. Society. Vol. 88. 
No. 7. 

F. de Müller, Fragmenta phytographiae Australiae. 
Vol. X. 

Verhandl. der physik. med. Gesellsohaft zu Würzburg. 

Bd. XII. 1. 2. H. 
J, Schmidt, Charte der Gebirge des Mondes. 25 Blät- 
ter. Gross Folio in Quadrat nebst Erläuterongs-Band. 

Klein Folio. Berlin. 1878. 
Bulletin de l'Acad. B. des Sciences de Belgique. T. 45. 

No. 4. 
Schriften der natorforsch. Gesellsch. in Danzig. Bd. IV. 

H. 2. 
BivisU Eoropea. Vol. VII. Fase. 4. Vol. Vin. Fase. 1. 
Pubblicazioni del B. Istitnto di studi snpe- 

riori in Firenze: 
Sezione di Medioina, Ghirargia e Pharmacia. Vol. I. 
Sez. di scienze Fisiche e Natorali. VoL I. 
Sez. di Filosofia e Filologia. Vol. I. 
Bepertorio Singo - Giapponese. Fase. 1 — 2. 
Encidopedia Singo- Giapponese. 
In Hegesippi oratione de halonneso etc. 
Sulla epistola oridiana di Saffo a Faone. 
Sei tavolette cerate scoperte in una antica torre in Firenze. 
II commento medio di averroe alla retorica di Anstotele, 

Miscellania. 
Studi e ricerche sui PicnoyonidL 

Opere pubblicate dai professori della sezione fis. e nature. 
Compte-Bendu de la Commission imp. archeologique pour 

l'annee 1875. Avec un Atlas. St. Petersbourg. 1878. 

Fol. 
S. Angelin, Jeonographia Crinoideorum in stratis Sue« 

ciae siluricis fossilium. Cum tabulis XXIX^ Holmiae. 

1878. Fol. 
Memoirs of the Museum of comp. Zoology at Harvard 

College. VoL V. No. 2. 

G. J. Allmann, Beport on the Hydroida. 
Dieselb. Vol. VI. No. 2. 

L. Lesquereuz, Beport on the fossil plante of Sierra 

nevada. 
J. Plateau, Bibliographie analytique des principaux 

ph^nomenes subjectifs de la vision, Section IV. V. VI* 

1877. 4. 
Sitzungsberichte der philosoph.-philolog. histor. Classe 

der E, Akademie. München. 1878. 



— April 



Jl 'DU 




i -ae Boflson See z Ko. Skdkt. TqL IL 

V..L in. PiTL :— i. 



A.i-^ft. rabra itCixüi ioBs lOE. aalm 1871. 
;. L Ecö. -2"i. 

lernt« HA iel ZzzBrjir IsT-l X. I— t— ShiL 

UL Ebö- ;'^T*-77. 
'. Doseyk'^. Eom.?« sofcre ks dspoBCH im hfii rw 

ie Chile- I^T'Sl 
Hemona i^a ±i zi^esdesre di ValpanJn. 1575 — 76. 

iii{0. l=T$. 
Memorm de bvrc^ Ebd. 1576. 
Memonii de goem j mariiuL Eb. 1676. 
Coileccion de tzsudo« oelebrudot por la icpoblici de 

Chile. T. IL 1875. 4, 
Anuftho estmdistieo de la repab. de Chile. T. XYIL 

1874—75. Fol. 
Seftione« ordinahot de la camera de diputadoa. No. L 

1875. FoL 
Settonea ectnordisariot. Ko. IL 1875. FoL 

(Fortfietxong folgt) 



505 • 

\a<^hriehten X 

von der Königl. Gesellschaft der Wissen- 
schaften und der G. A. Universität zu 

Göttingen. 



18. December. M 16. . 1C78. 



K5Di«(liche Clesellschaft der Wissenschaft^« 

Oeffentliche Sitzung am 7. December. 

He nie, Zar Erinnerung an E. H. Weber. 

Listing, Zum Andenken an A. von Ettingshausen. 

Pauli, Magister Thomas Brunns, Beamter Bogers von 
Sioilien und Heinrichs II. von England. 

de Lagarde, Ueber die koptischen Handschriften der 
hiesigen Bibliothek und über den Stand der Arbeiten 
zur Kritik des Bibeltextes. (Erscheint in den Ab- 
handlungen). 

Biecke, Ueber das ponderomotorische Elementargesetz 
der Electrodynamik. 

Enneper, Ueber eine Gleichung zwischen Theta- Func- 
tionen. 

Erümmel, Die mittlere Tiefe des Oceans und das 
Massenverhältniß von Land und Meer. (Vorgelegt von 
Wappäus). 

Wieseler, Ueber die neuesten archäologischen Ent- 
deckungen. 

Jahresbericht des Seoretärs. 



Die K. Gesellschaft der Wissenschaften feierte 
in der heutigen Sitzung ihren Stiftungstag zum 
siebenundzwanzigsten Mal in dem zweiten Jahr- 
hundert ihres Bestehens. Nach den obigen 
Vorträgen erstattete der Secretär den folgenden 
Jahresbericht : 

Die Societät hat in diesem Jahre 9 Sitzun- 
gen gehalten, in denen 12 ausführlichere Ab- 

41 . 



' 506 

handlangen nnd 40 kürzere Mittheilangen 
vorgetragen oder vorgelegt worden sind. Die 
ersteren machen den Inhalt des bereits im Druck 
vollendeten XXIII. Bandes der »Abhandlangen 
der K. Gesellschaft der Wissenschaftenc ans; 
die letztern sind in dem gegenwärtigen Jahr- 
gan<^ der »Nachrichten« enthalten. 

Die für den November d. J. von der physi- 
kalischen Classe gestellte physiologische Freis- 
frage hat einen Bearbeiter nicht gefanden; sie 
wird nicht von Neuem aufgegeben. 

Für die nächsten drei Jahre werden von der 
K. Societät folgende Preisfragen gestellt: 

Für den November 1879 von der mathe- 
matischen Classe: 

Wahrend in der heutigen Undtäationstheorie 
des Lichtes neben der Voraussetzung transver- 
saler Osdllationen der Äethertheilchen das we- 
chanische Princip der Co'existenz Meiner Bewe- 
gungen zur Erklärung der Polarisations- und 
der Interferenz - Erscheinungen genügt, reichen 
diese Unterlagen nicht mehr aus, wenn es sich 
um die Natur des unpolarisirten oder natürli- 
chen Lichtes y oder aber um den Conflict zwi- 
schen Wellenzügen handelt, welche nicht aus 
derselben Lichtquelle stammen. Man hat dem 
Mangel durch die Voraussetzung einer sogenann- 
ten großen Periode von innerhalb gewisser Gren- 
zen regelloser Dauer abzuhelfen gesucht^ ohne 
nähere erfahrungsmäßige Begründung dieser 
Hülfsvor Stellung. Die K, Societät tvünscht die 
Anstellung neuer auf die Natur des unpola- 
risirten Lichtstrahls gerichteter Unter- 
suchungen , welche geeignet seien , die auf na- 
türliches Licht von beliebiger Abkunft bezüglichen 
Vorstellungen hifisichtlich ihrer BestimnUheit 
denen fiahe zu bringen, welche die Theorie mit 



507 

den verschiedenen Arten polarisirten Lichtes 
verhindet. 
Für den Noveinber 1880 von der historisch- 
philologischen Classe (wiederholt): 

Die K. Sodetät verlangt, daß gezeigt werde^ 
was die bildenden und zeichnenden Künste 
bei den Griechen und Italern den Künsten 
der Nichtgriechen und Nichtitaler verdanken^ 
und hinwiederum, wo sie außerhalb der Grie- 
chischen und Italischen Länder Wurzel getrie- 
ben und wiefern sie einen Einfluß auf die Ent- 
wicJcelung der Künste bei Nichtgriechen und 
Nichtitalern gehabt haben. 
Für den November 1881 von der physika- 
lisch en Classe: 

Die K Sodetät verlangt eine auf neue Un- 
tersuchungen gestützte Darstellung derjenigen 
Entwicklungsvorgänge, durch welche die Gestal- 
tung des ausgebildeten Echinodermenleibes her- 
beigeführt wird. Es soll darin, in Anschluß 
an die gesicherten Kenntnisse von der Em- 
bryonenentwicklung der Echinodermen, besonders 
gezeigt werden, in welcher Weise das Thier 
aus der Larvenform bis zur völligen Anlage 
sämmtlicher Organsysteme erwächst. Dabei 
bleibt es der Untersuchung überlassen, ob an 
einer charaderistischen Art der Entwicklungs- 
gang in allen Einzelnheiten erforscht wird, 
oder ob durch die Feststellung der Entwicklung 
verschiedener Formen ein für den ganzen Kreis 
geltendes Verhalten dargelegt wird; in letzterem 
Falle müßte aber die Untersuchung soweit ein- 
dringen, daß die hauptsächlichen Ueberdnstim- 
mungen und Abweichungen in der Ausbildung 
der Organsysteme bei den verschiedenen Echi- 
nodermenformen von ihrem frühsten Auftreten 
an gekennzeichnet werden. 

41* 



508 



Die Concurrenzschriften müssen , mit einem 
Motto versehen, vor Ablauf des Septembers 
des bestimmten Jahrs an die E. Qesellschaffc der 
Wissenschaften portofrei eingesandt werden, be- 
gleitet von einem versiegelten Zettel, welcher 
den Namen und Wohnorfc des Verfassers ent- 
hält nnd aaswendig mit dem Motto der Schrift 
versehen ist. 

Der für jede dieser Aufgaben ausgesetaste 
Preis beträgt mindestens fünfzig Ducaten. 



Die Preisaufgaben der Wedekind* sehen 
Stiftung sind in den »Nachrichtenc von 1877 
S. 137 veröffentlicht. 



Das Directorium derSocietät ist zu Michaelis 
von Herrn Grisebach in der physikalischen, 
auf Herrn Weber in der mathematischen Classe 
tibergegangen. 

Von ihren auswärtigen Mitgliedern und Cor- 
respondenten verlor die Societät in diesem Jahre 
durch den Tod: 

Den Professor der Anatomie und Physiologie 
Geheimen Medicinalrath Ernst Heinrich Weber 
in Leipzig, starb im 83. Lebensjahre; 

Den Professor der Physik Andreas Freiherm 
von Ettingshausen in Wien, im 82. Jahr; 

Den Physiker und Director der Porzellanfabrik 
zu Sivres Henri Victor Regnault, im 68. Jahr; 

Den Archäologen und Curator der Universität 
Josoph Emnianuel R o u 1 e z in Gent, im 72. Jahr ; 

Den Professor der Philologie K. Lehrs in 
Königsberg, im 76. Jahr ; 

Den Professor der Chemie Eugen von Go- 
-Besanez in Erlangen, im 62. Jahr. ' 



509 

Von der Societät neu erwählt wurden: 

Zu auswärtigen Mitgliedern: 

Hr. Theodor Schwann in Lüttich, 
Hr. Heinrich Eduard Heine in Halle. 

Zu Correspondenten: 

Hr. Heinrich Ernst Beyrich in Berlin, 
Hr. Joseph von Lenhossek in Pest, 
Hr. Georg Cantor in Halle, 
Hr. Gösta Mittag-Leffler in Helsingfors, 
Hr. Ludwig Hänselmann in Braunschweig. 



Zur Erinnerung an E. H. Weber. 

Von 
J. Henle. 

Dem auswärtigen Mitgliede, E. H. Weber, 
dessen Verlust wir beklagen, ein Wort des Ge- 
denkens zu widmen, sind wir nicht nur durch 
seine wissenschaftliche Bedeutung und unsere 
wissenschaftliche Verbindung yeranlaßt ; im glück- 
lichen Besitze des Einen der Trias, welcher der 
Verstorbene angehorte, durften wir ihn in einem 
wärmern Tone den Uusrigen nennen, sahen wir 
ihn oft bei uns verweilen und es sind gewiß 
Wenige unter uns, denen nicht in diesem Augen- 
blicke die Erinnerung an den warmen Druck 
seiner Hand^ an die von Herzen zu Herzen drin- 
gende Stimme vor der Seele schwebt. 

Es darf wohl als eine providentielle Veran- 
staltung gepriesen werden, daß um die Wende 
unsers Jahrhunderts die Natur in dreifacher 
Zahl und in drei Zweigen Eines Stammes die 



510 

Geister schuf, die unsere Wissenschaft aus den 
Träumen der Naturphilosophie zu dem ernsten 
Tagewerk methodischer Forschung wiedererwe- 
cken sollten. Und sie vollbrachten dies ohne 
Polemik, ohne ein hartes Wort gegen die Träu- 
mer, ohne gewaltsames Bütteln derselben. Sie 
YoUbrachten es durch ihr Beispiel, durch den 
sichern, festen Schritt, mit dem sie ihre Bahn 
betraten« 

Wir wollen uns kein Urtheil über die Art 
der Arbeitstheilung in der geistigen Werkstatt 
der Brüder erlauben; möchte es doch ihnen selbst 
schwer geworden sein, bei dem steten Gedanken- 
austausch, am häuslichen Uerd, auf Wanderungen, 
im Verkehr mit Freunden, den Ort und die 
Stunde zu bestimmen, wo eine folgenreiche Idee 
empfangen, wo sie geboren wurde. Aber das 
darf ohne Indiscretion als eine geschichtliche 
Thatsache ausgesprochen werden, daß das Fa- 
milienglied, welches seinen Namen im physika- 
lischen Gebiete verewigen sollte, wie es den 
Jahren nach die Mitte zwischen den beiden An- 
dern einnahm, so auch an Beider Epoche- ma- 
chenden Werken sich betheiligte. Als Frucht 
gemeinsamer Arbeit der beiden altern Brüder 
erschien im J. 1825 die Wellenlehre, als Frucht 
gemeinsamer Arbeit der beiden jüngeren im J. 
1836 die Mechanik der menschlichen Gehwerk- 
zeuge. Beide aber verfolgten , die Eine mittel- 
bar^ die andere unmittelbar das Ziel, die Gel- 
tung physicalischer Gesetze im Reiche des Orga- 
nischen nachzuweisen und damit die Physiologie 
zum Range einer exacten Wissenschaft zu erheben. 

Ich erinnere mich noch der Sensation, welche 
es erregte, als Wilh. und Ed. Weber an Ab- 
drücken von Durchschnitten der Gelenke, auf 
wel^^^ ^\e Druckerschwärze direct aufgetragen 



511 

war, den Beweis lieferteo, daß es mit der Kugel- 
form des Schulter- und Hüftgelenkkopfs, mit der 
Cylinderform der Scharniergeleuke vollkommener 
Ernst sei« So tief hatte man sich in den Ge- 
gensatz von Vitalismus und Mechanismus ver- 
strickt, daß man mathematische Genauigkeit 
nicht einmal in den Fällen erwartete, in welchen 
der organische Apparat sein Vor- oder vielmehr 
Abbild in unsern künstlichen Maschinen findet. 
Ernst Heinrich hatte mit der Wellenlehre 
den Grund zu einer Theorie des Blutkreislaufs, 
einer Hydraulik des thierischen Körpers gelegt, 
die noch heute in der Methode unübertroffen, 
in den Resultaten unangefochten dasteht. Er 
fand die Meinung vor, die sich auf die Autorität 
von H a 1 1 e r und B i c h a t stützte , daß der 
Puls in allen Arterien des Körpers gleichzeitig 
Statt finde. Seine erste Abhandlung (1827) wi- 
derlegte diesen Irrthum und bestimmte das Zeit- 
intervall, welches zwischen dem Pulsschlag der 
dem Herzen näheren und der vom Herzen ent- 
fernteren Arterien verstreicht. Hieran reihten 
sich Aufklärungen über den Antheil des Her- 
zens und der Arterien an den Erscheinungen 
des Pulses. Weber verdankt man die Unter- 
scheidung der Wellenbewegung und der Strö- 
mung des Blutes, der Wellenbewegung, die eine 
directe Folge des Herzstoßes ist und sich im 
Pulse offenbart, und der Strömung, welche das 
Herz indirect durch Herstellung und Unterhal- 
tung der Druckdifferenz an seinen Mündungen 
zu Stande bringt. Er auch unternahm es zuerst, 
experimentell die Modificationen zu prüfen, wel- 
che die Gesetze der Bewegung von Flüssigkeiten 
in Röhren dadurch erfahren, daß die Röhren 
elastisch sind. Der Apparat, den er zur Erläu- 
terung der complicirten Verhältnisse des Kreis- 



512 

laafs ersonnen hatte, fand Eingang in alle phy- 
siologischen Hörsaale. 

Wenn mit diesen Arbeiten nnd denjenigen, 
welche sich an dieselben anschlössen, die iatro- 
mathematische Schale des 17ten Jahrhunderts 
eine Wiederauferstehung in veredelter Gestalt 
feierte, so eröfiPnete dagegen eine andere Reihe 
Webe r'scher Abhandlungen, die unter dem be- 
scheidenen Titel »de subtilitate tactus« erschien, 
dem Versuche und der Rechnung ein Feld, auf 
welches die Physiologie sich noch nicht gewagt, 
welches sie bis dahin fast unbestritten der Psy- 
chologie überlassen hatte. 

Ein Resüme seiner Beobachtungen in Müller^ s 
Archiv v. Jahre 1835 leitet Weber mit folgen- 
den Worten ein: »Die Lehre von den Sinnen 
ist ein Punkt, in welchem einmal in Zukunft 
die Forschungen der Physiologen, der Psycho- 
logen und der Physiker zusammenstoßen müssen. 
Denn es ist vorauszusehen, daß, wenn man die 
Naturkräfte gehörig definirt und die Gesetze, 
nach welchen sie wirken ; aufgefunden haben 
wird, es ein sehr dringendes Bedürfniß werden 
wird, einzusehn, wie nun die in der Natur Statt 
findenden Bewegungen auf unsere Sinnorgane 
einwirken und die Vorstellungen von den Er- 
scheinungen der Welt in uns erzeugen.« 

Daß Weber zur Beantwortung der Frage, 
wie wir zu unsern Vorstellungen gelangen, sich 
zuerst an das Tastgefühl wandte, dazu bestimmte 
ihn die Zugänglichkeit der Haut, die Unschäd- 
lichkeit der mit ihr anzustellenden Experimente, 
vor Allem aber eine Erfahrung, die ihn alsbald 
mitten in den Ideenkreis versetzen mußte, in 
welchem die Untersuchung sich bewegt. Er 
'^te beobachtet, 4^^ Ta^^v gleichzeitig auf die 

'i gesetzte 7iixkö\a^SfeiÄ\i > ^^\5ä %\^ ^^"^^ml* 



513 

pfindung von zwei gesonderten Berübrnngen er- 
wecken sollen, um eine gewisse Distanz von ein- 
ander entfernt sein müssen und daß die Distanz, 
die gefordert werde, um die Eindrücke gesondert 
zu erhalten, je nach den Körpergegenden ver- 
schieden sei. So fließen z. B. am Bücken und 
an der innern Schenkelfläche die beiden Empfin- 
dungen schon dann zu einer einzigen zusammen, 
wenn die Cirkelspitzen 4—6 cm. von einander 
abstehn, indeß die Zungenspitze die beiden Ein- 
drücke schön bei einem Abstände der Zirkel- 
spitzen von wenig mehr als 1 mm. unterschei- 
det. Auch ist es nicht gleichgültig, ob die Cir- 
kelspitzen in einer der Axe der Glieder paralle- 
len Linie übereinander, oder ob sie senkrecht 
zur Axe nebeneinander aufgesetzt werden« Im 
letztern Fall ist die Unterscheidung feiner, als 
im ersten. 

Als Weber die eben geschilderte Versuchs- 
reihe unternahm, befand sich die feinere Ana- 
tomie des Nervensystems noch in ihrer Kindheit. 
Der isolirte Verlauf der Nervenfasern war mehr 
geahnt , als bewiesen. Von der peripherischen 
Endigungsweise der Nerven hatte man nicht 
einmal eine falsche Vorstellung; daß aber die 
Nerven und namentlich die Nerven -Enden in 
der Haut ungleich vertheilt seien, darüber konnte 
nach dem Weber'schen Versuch kein Zweifel 
aufkommen. Seine Erklärung desselben, daß 
wir ein Bewußtsein von allen selbständig fühlen- 
den Punkten der Haut haben und die Entfer- 
nung der berührten Stellen nach der Zahl der 
zwischen ihnen liegenden fühlenden Punkte 
schätzen , ist auf Widerspruch gestoßen ; im- 
merhin bildet sie den Ausgangspunkt aller 
Bestrebungen der modernen Psychologie ^ die 
Baumanscbauung , im Gegen^atiiQ i4\xt kscc^^ii^^^s:^^ 



514 

angeborener Kategorien, aus der Erfahrung abzu- 
leiten. 

Die Regionen der Haut, welchen der feinste 
Ortssinn inne wohnt, fand Weber auch am 
empfindlichsten für Unterschiede der Belastung 
und der Temperatur. Dabei trat eine fiast un- 
glaubliche Schärfe des ünterscheidungsvermogens 
zu Tage, und es wurden nebenbei Resultate ge- 
wonnen , die nur ihrer Verwerthung für eine 
Physiologie des Vorstellens harrten, wie daA Ton 
zwei nicht zu weit auseinanderliegenden Tempe- 
raturen diejenige als die höhere empfunden 
wird, die sich über einen großem Theil der 
Hautoberfläche erstreckt; daß die Seele sicherer 
ist im Vergleichen von zwei Eindrücken, wenn 
sie dieselbe Hautstelle nacheinander, als wenn 
sie verschiedene Hautstellen gleichzeitig treffen. 
Selbst die Zeit, während welcher sinnliche Vor- 
stellungen haften , wurde der Rechnung unter- 
worfen, indem man die zu vergleichenden Ein- 
drücke der Gewichte, Striche oder Töne in 
gewissen Zwischenräumen nach einander wirken 
ließ und die Zahl der Secunden bestimmte, in- 
nerhalb deren die Vergleichung noch mit Erfolg 
geübt werden konnte. So erwuchs denn in der 
That aus diesen Anfängen die von dem jungem 
Geschlecht der Philosophen eifrig gepflegte 
Wissenschaft, welcher Fechner den Namen 
Psychophysik ertheilte und es war unserm ver- 
ewigten Mitgliede beschieden, im Genuß einer 
würdigen und wohlverdienten Muße das Zusam- 
menstoßen der Physiologen , Psychologen und 
Physiker, das er prophetisch verkündet hatte, 
noch mit anzusehn. 

Um den Antheil zu bezeichnen, welchen 

E ^ Weber an der Entwicklung unserer 

Ü genommen, mußte ich der Disci- 



515 

den Vortritt lassen, der er vorzugsweise 
tempel seines Geistes aufgeprägt hat. Doch 
i neben der Umgestaltung, die die Physio- 
durch ihn erfuhr, die Bereicherungen nicht 
ssen werden, welche die vergleichende und 
ßhliche Anatomie seinem Scharfblick und 
n rastlosen Fleiße verdankt. Ich darf nur 
wichtigsten erwähnen: sein Erstlingswerk 
das sympathische Nervensystem, seine Ent- 
mg der den Zusammenhang des Gehöror- 
mit der Schwimmblase vermittelnden Kno- 
cette bei einer Anzahl von Fischen, seine 
^ckungen in der Anatomie der Genitalien, 
lUem die Wiederauffindung des Sinus pro- 
us, der nun nicht mehr in Vergessenheit 
ben kann nach der Bedeutung, die er für 
[omologie der männlichen und weiblichen 
ilechtsorgane gewonnen hat. Unter den 
ten über den feinern Bau der Drüsen neh- 
die von Weber der Zeit , wie dem Bange 

eine der ersten Stellen ein : seine Injectio- 
3hrten die Vasa aberrantia der Gallengänge 
m und gaben die langersehnte, sichere 
inft über die Endigungsweise der Ausfüh- 
gänge in den traubigen Drüsen und über 
'erhältniß der Blutgefäße zu den Drüsen- 
hen. In die weitesten Kreise trug seinen 
)n die Bearbeitung des Hildebrand tischen 
mischen Handbuchs. Der specielle Theil 
iptete sich eine lange Reihe von Jahren 
inon unseres anatomischen Wissens. Der 
ogische Theil, der von Grund aus neu zu 
en war, zeichnet sich aus durch die bevor- 

Stellung, welche der Verfasser den mikros- 
3hen Thatsachen anweist. Mit äußerster 
ilt sammelte und sichtete er, was bis auf 
Zeit das noch wenig bekannte Hülfsmittel 



7.ir* 



oe* rxiterBucbmir 2x Tuet gefaräfin ^ocstt;. Und 
i^euL bttid daiiacL. ix Füige der PapiQuianiiig 
0*4 MiuruBLiipfe. Ott Grebiet äerHisioiügif in ei- 
ii<^«- Weiw: üi>tr£uiiiei wurde, diifi «di» sTSfeema- 
twsuf: btsürtieituiig dtifiseJtoeii für Ifinge Zeit an- 
t ij u L ii'jL «rw'iiitfB . so blmbt dfion W « b e r^seli^ 
W^rk« dtr Kabm<, dem flidi in «dima andern 
Zw^ij^*: Ufajle/fe »^ Elemente dar Fhjaologie« 
«rrw^rUru. Eine Aera abgescluoBBen nod zugleich 
di<^ Keimt einer neuen gepflinzt ra haben. 



Zum Andenken an A. Ton Ettinge- 

hauaen. 

Von 
J. B. Idfting. 

Am 25. Mai d. J. starb zu Wien Freiherr 



A nd riMiN von Ettingshausen, seit 1864 
(\>rrfM))on(lünt der mathematischen Classe unserer 
(»om'llHohiii't angehörend. 

KtiingHhauHon ist geboren 1796 den 25. No- 
v<Mnl>i»r fM lloidelberg, wo sein Vater, zur Zeit 
MiijiU' im östorroiohischen Generalstabe, später 
iMM\oralmaj«>r, statiouirt war. Den Schulunter- 
\w\\\ i^ouoß er bis zum 13. Jahre in Folge des 
xix'lfaoh woohiH^hulen Domicils des Vaters an ver- 
-N lv\odv uou Ortou Ungarns^ luerst in Essek, dann 
u\ /v^;uKm\ NousatJu IVst und Erlao. Nach be- 
o:Vx\c)i.u\ i«vu)u;iml$ludium tu Wien besuchte 
\ou\ V^ier <ui^ich$t für die militärische 
\ ..; :\* »\ N;N5tiuv:v.u *;:Äer den ^niTe^3itats-Vo^ 
\a . cc.'i v.^vh o^^e i.^rtiÄpf, damals in hohem 
K-\s>>*' xVo\xi^^* lv^rj:huaier$chule « in derer 



517 



imatischen Bildung legte. Mit Eintritt des 
3ns wandte er sich von der militärischen 
•ahn dem Lehrfach zu und wurde 1817 
Lct der Wiener Lehrkanzel für Mathematik 
i^hysik, 1819 Professor der Physik an der 
irsität zu Innsbruck und kehrte zwei Jahre 
f als Professor der höheren Mathematik 
r nach Wien zurück. Das mathematische 
im nahm an dieser Universität unter Et- 
lausen's Thätigkeit einen neuen Aufschwung. 
mei Zeit schrieb er die 1827 erschienenen 
[esungen über höhere Mathematik« in zwei 
3n. 

Is im Jahr 1834 Baumgartner, der zeitherige 
ssor der Physik in den administrativen 
ädienst übertrat, wurde Ettingshausen dessen 
folger. In dieser Stellung, die er bis zum 
I 1848 innehatte, erschieDcn von ihm die 
ingsgründe der Physik«, ein Compendium 

gewöhnlicher Art, welches sich durch den 
genen Versuch auszeichnet, die elementar- 
ematische Begründung möglichst gleichförmig 
i das ganze Gebiet der Physik durchzuführen. 
1844 an erschienen davon bis 1860 vier 
gen. Seine experi mental - physikalischen 
jsungen an der Universität wurden von allen 
len reich besucht, aber daneben fanden 
mathematisch - physikalischen Vorträge 
n des ümfangs und der gediegenen Be- 
lung den Beifall seiner zahlreichen Fach- 
ler. 

n der Wiener Akademie der Wissenschaften, 
eren Gründung Ettingshausen bereits 1837 
iner Denkschrift die erste Anregung ge- 
1, bekleidete er gleich anfänglich die Stelle 

Generalsecretärs. Schon im Jahre 1848 
übernahm er die Leitung des mathematischen 



518 

Stadiums an der neu umgestalteten E. Ingenienr- 
Akademie, trat jedoch 1852, als diese Anstalt in 
eine rein militärische Schule verwandelt wurde, 
zu dem polytechnischen Institute über, wo er 
ein Jahr hindurch das angewandt mathematische 
und das Ingenieurfach vertrat. Aber schon ein 
Jahr später, nach Doppler's Tode, wandte er 
sich zur Universität zurück, um die Leitung des 
wenige Jahre vorher gegründeten physikalischen 
Institutes der Universität zu übernehmen, welches 
seine reiche Ausrüstung mit vorzüglichen Appa- 
raten und ^Meßinstrumenten hauptsächlich Et- 
tingshausen verdankt. 

Im Jahre 1862, während^ seines Rectorats 
der Universität, verfiel er in eine schwere und 
langwierige Krankheit, welche seine Kräfte dan- 
ernd schwächte, und trat 1866 in den Buhestand, 
nach fast fünfzigjähriger erfolgreicher Lehrthä- 
tigkeit in den ersten Stellungen an den verschie- 
denen wissenschaftlichen Anstalten Wiens, und 
ihr wurde alsbald auch durch seine Erhebnog 
in den Freiherrnstaud die kaiserliche Anerken- 
nung zu Theil. Von nun ab war er zwar wis- 
senschaftlich nicht mehr productiv, aber noch 
im vollem Besitz geistiger Kraft. Er las und 
studirte fleißig für sich. Die letzten Lebensjahre 
verbrachte er in stiller Zurückgezogenheit mit 
zwei verwittweten Töchtern, während der Som- 
merzeit meistens in der stärkenden Landlnft 
Aussee's in Obersteyermark. In Folge eines er- 
neuerten Nervenanfalls endete im Alter von 81 Vt 
Jahr sein Leben mit einem sanften Tod am 25. 
Mai dieses Jahres. 

Wir haben in Göttingen im Sommer 1840 
wo sein Besuch der persönlichen Bekanntschaft 
mit Gauß galt, der ihm von den damals noch 
wenig bekannt gewordenen Ergebnissen theore- 



519 

tischer üntersachungen im Gebiet des Magne- 
tismus und der Eleetrodynamik Manches bereit- 
willig mittheilte, Gelegenheit gehabt, in Ettings- 
hausen nicht nur den Gelehrten, sondern auch 
den vielseitig gebildeten und in geselliger Hin- 
sicht liebenswürdigen Mann kennen zu lernen. 

Die hervorragende Wirksamkeit Ettingshau- 
flens als Lehrer auf dem Gebiete der exacten 
Wissenschaften und nicht minder die kritische 
Strenge, die er ebensowohl bei seinen eigenen 
Productionen übte wie gegen die Leistungen 
Anderer, so daß er in Fällen lange vorbereiteter 
Werke noch während des bereits begonnenen 
Druckes die Arbeit wieder vernichtete , weil sie 
seinen Anforderungen nicht mehr genügte , wa- 
ren Ursache , daß seine Veröffentlichungen we- 
niger durch ihren Umfang als durch die Klar- 
heit und Gediegenheit der Darstellung hervor- 
traten. 

Seine Schriften sind : 

Die combinatorische Analysis , als Vorberei- 
tungslehre zum Studium der höheren Mathema- 
tik. Wien 1826. 

Vorlesungen über höhere Mathematik. Zwei 
Bände. Wien 1827. 

Anfangsgründe der Physik. 1. Auflage. 
Wien 1844, 2. 1845, 3. 1853, 4. 1860. 

Gemeinschaftlich mit Andreas Baumgartner 
bearbeitet: des letzteren »Naturlehre mit Rück- 
sicht auf mathematische Begründung«. 6. Aufl. 
Wien 1839, 7. 1842. 

In der Zeitschrift für Physik und Mathema- 
tik, herausgegeben von A. Baumgartner und A. 
von Ettingshausen. Zehn Bände. Wien 1826 
—1832 : 

Ueber die Formeln, welche die Potenzen des 
Sinns oder Cosinus eines Kreisbogens durch die 



520 

Sinns oder Cosinus der Vielfachen dieses Bogens 
darstellen. ' Bd. I. S. 96. 

Ueber den Gebrauch der Methode der unbe- 
stimmten CoSfficienten bei der Entwickelung der 
Potenzen des Cosinus eines Bogens nach dem 
Cosinas seiner Vielfachen. L 374. 

Analytische Uebungen (Ausdruck der Glieder 
einer Reihe durch die Glieder decDififerenzrei- 
hen. — Allgemeines Glied einer arithmetischen 
Reihe. — Bemoulli'sche Zahlen) I. 493. 

Des Wiener Optikers Plößl aplanatische diop- 
trißche Mikroskope V. 94. 

Ueber die Auflösung eines Systems mehrerer 
Gleichungen vom ersten Grade mit ebeiMo viel 
unbekannten Größen. V. 209. 

Auflösung zweier arithmetischer Angaben. 
V. 287. 

Ueber die Bestimmung des Vergrößerungs- 
Verhältnisses bei zusammengesetzten Mikrosko- 
pen und über die Vergleichung und Controlli- 
rung der Mikrometer. V. 316. 

Leichtes Verfahren, die Gleichungen zwischen 
den Kanten der einfachen Gestalten des tessnla- 
rischeu Krystallsystems darzustellen. V. 385. 

Ueber die Entwickelung zusammengesetzter 
Krystallgestalten. VI. 1. 

Ueber Gauß' Methode zur näherungsweisen 
Berechnung bestimmter Integrale. VII, 429. 

Sturm's Regel zur Bestimmung der Anzahl 
der zwischen zwei gegebenen Zahlen liegenden 
Wurzeln einer von wiederholten Wurzeln freien 
numerischen Gleichung mit Einer unbekannten 
Größe, nebst einem Beweise derselben. VII. 444. 

Ueber die ebenen Curven, welche ihren Evo- 
luten ähnlich sind, IX. 178. 

In den Sitzungsberichten der mathematisch- 
naturwissenschaftlichen Classe der Eaiserl. Aka- 



521 

demie der Wissenschaften zu Wien finden sieh 
Mittbeilungen von Ettin^haasen von Beginn 
1848 (Bd. I) bis zum Jabre 1867 (Bd. XXIV), 
namlicb : 

Ueber die DiiTerentialgleicbungen der Licht- 
schwingun^ren , Bd. I. S. 02. 

üeber Soleirs Saccharometer , I. 138. 

üeber eine directe und strenge Ableitung 
der Taylor'scben Formel, I. 238. 

Ueber einen Satz Green *s, das electriscbe 
Potential betreffend, I. 282. 

üeber den Ausdruck der zwischen einem 
galvanischen Strome und einem magnetischen 
Punkte stattfindenden Action, 1. 266. 

Beitrag zum Beweis des 'Lehrsatzes vom Pa- 
rallelogramm der Kräfte, II. 155. 

Bericht über Page's Intej^ration der Differen- 
tialforraeln , worin die Quadratwurzel aus einem 
Polynom des 4. Grades vorkommt, II. 815. 

Zur Nachweisung der Existenz der Wurzeln 
algebraischer Gleichungen, Y, 31. 

Beitrag zur Integration irrationaler Differen- 
tialformeln , V. 34. 

üeber Gauß' dritten Beweis der Zerlejjbarkeit 
ganzer algebraischer Functionen in reelle Fac- 
toren, ibid. 

Bericht über drei Abhandlungen des H. 
Spitzer zur Theorie numerischer Gleichungen, 
V. 82. 

Ueber einige Eigenschaften der Flächen, 
welche zur Gonstruction der imaginären Wurzeln 
der Gleichungen dienen, V. 119. 

Bericht über zwei Abhandlungen Theod. 
Schönemann^s: 1. über die Beziehungen, welche 
zwischen Wurzeln irreductibeler Gleichungen 
stattfinden , besonders wenn der Grad derselben 
eine Primzahl ist; 2. von der Empfindlichkeit 

4^ 



522 

der Brückenwagen und der einfaclueii iind sa- 
sammeDgesetzten Hebel - Ketten - Systeme. VIII. 
442. 

Bemerkungen zu Petzvars Anfsatz, über ein 
allgemeines Prindp der ündnlations - L^re, 
VIII. 593. 

Weitere Bemerkungen in demselben, IX. 27. 

Bericht über das von J. Anathon eingesen- 
dete Manuscript »die natürlichen Gesetze der 
Musik« , XII. 464. 

Ueber die neueren Formeln für das an dn- 
fach brechendeu Mitteln reflectirte und gebro- 
chene Licht, XVIII. 369. 

Bericht über den Arithmometer von Thomas, 
XXIV. 16. 

Ferner sind zu erwähnen : 

Cauchy's Methode zur Bestimmung der In- 
tensität des reflectirten und gebrochenen Lichtes, 
frei dargestellt, Poggendorff's Annalen, Bd. L 
S. 409. 

Note sur les equations di£ferentieles des on- 
dnlations lumineuses dans les milieux isphanes. 
Comptes Rendus de l'Acad. Paris. 7. xxiv (1847) 
p. 801. 

Ueber die Einrichtung und den Gebrauch 
der magnetoelectrischen Maschine, welche den 
im September 1837 . zu Prag versammelten Na- 
turforschern und Aerzten vorgezeigt wurde, im 
amtl. Berichte über die Versammlung deutscher 
Naturforscher und Aerzte zu Prag. 1837. 

Die Principien der heutigen Physik. Bei 
der Feier der üebernahme des ehemaligen Uni- 
versitätsgebäudes von der K. Akademie der 
Wissenschaften, am 29. October 1857 vorgetragen 



52S 



Magister Thomas Brunns, Beamter 
Bogers von Sicilien und Heinrichs IL 

von England. 

Von 

B. Pauli. 

Das geistvolle, staateogrtindende Volk der 
Normannen hat bekanntlich um eine und die- 
selbe Zeit gegen Ausgang des 11. Jahrhunderts 
und unter vielfach äholicheu Umständen, nament- 
lich unter dem Segen der römischen Kirche, sich 
zu Herreu in Sicilien und in England, in zwei 
Inselreichen, zu machen -gewußt. Es hat in dem 
mediterranen Eiland auf älteren Culturelementen, 
hauptsächlich hellenischen und arabischen, zuerst 
unter normannischen Fürsten und dann unter 
dem großen schwäbischen Eaiserhause ein Staats- 
wesen aufgerichtet, das auf die Entwicklung des 
Reichs wie auf die Berührung des Occidents 
mit dem Orient während der Kreuzzüge wesent- 
lich eingewirkt, in der kurzen Spanne von kaum 
zwei Jahrhunderten aber auch seine glänzende 
Bestimmung erfüllt hat. Es hat in Britannien 
gleichfalls zuerst unter normannischen, dann in 
der Descendenz französischer und einheimischer 
Fürsten Institutionen schaffen helfen , die nicht 
nur durch Auswanderung in beide Hemisphären 
verpflanzt worden sind, sondern heute im mo- 
dernen Europa gleich sehr zur Nachahmung und 
zur Abwehr anregen wie mit Ausnahme der alt- 
römischen keine andere einheitliche Gesetzgebung, 
von der die Geschichte weiß. 

Die historische Forschung, namentlich in der 
Richtung vergleichender V erfassungsgeschichte 
ist daher mit Becht wiederholt den Ursprüngen 
nachgegangen um die Gründe aufzudecken, wes- 

42* 



524 

halb gewisse Principien der Verfassung and Yer^ 
waltung in Sicilien mit denen in England über- 
einstimmen, weshalb die beiden Inseln aber in 
der Folge vielfach entgegengesetzte Wege ein- 
sehlagen mußten. Daß solche ünsersuchungen 
nicht zu großen, vollen Resultaten geführt haben, 
liegt einmal darin, daß wir im Einzelnen über 
Ausdehuung und Stärke der unmittelbaren Be- 
rührung zwischen den beiden Staaten selbst in 
der kurzen, streng normannischen Periode, die 
sich beider Orten kaum über ein Jahrhundert 
erstreckt, aus den vorhandenen Quellen nur sehr 
unzulänglich unterrichtet sind, und zweitens daß 
man aus demselben Grunde sich gern Annahmen 
hingibt, denen die Beweiskraft fehlt. Es liegt 
ja nahe, die Herkunft der Eroberer Siciliens und 
Englands aus dem gemeinsamen Mutterlande an 
der Seine zu verwenden. Aber während z. B. 
die Familiengeschichte mancher zu beiden Seiten 
des Canals auftretender Geschlechter, die Wirk- 
samkeit von Klerikern und Staatsmännern hüben 
und drüben ziemlich bekannt ist, haben sich 
über die Verbindung der Stammgenossen am 
Faro mit der alten neustrischen Heimath doch 
nur äußerst dürftige Angaben erhalten. Anderer- 
seits ist die Kritik heute eher geneigt englischen 
Institutionen ihr Normannenthum abzusprechen 
oder doch wesentlich zu beschränken, indem sie 
älteren, angelsächsischen, oder gemeinsamen, nor- 
dischen, Ursprung nachweist und insbesondere 
nur die Ausprägung scharfer Formen der Staats- 
kunst normannischer Herrscher und ihrer Be- 
amten zuerkennt. Die Mitwirkung der Normannen 
an dem Ausbau der englischen Verfassung wird 
dadurch sehr bestimmt abgegrenzt sowohl gegen 
die alle Grundelemente enthaltende angelsächsische 
Periode wie gegen die mit dem ersten Könige 



525 

aas dem Hause Anjou anhebende • zukuuftreiche 
Weiterbildung. 

Trotzdem verlohnt es sich wohl allen vor- 
handenen Spuren des Austausches zwischen den 
beiden Inselstaaten sorgfältig prüfend nachzu- 
gehn. Sie sind besonders zahlreich im 12. Jahr- 
hundert, bleiben aber an dynastischen, kirch- 
lichen und culturlichen Beziehungen bis gegen 
den Untergang der Hohenstaufen erkennbar. 
Man wird indeß für das 12. Jahrhundert schon 
zwei Epochen unterscheiden dürfen: die bedeu- 
tende Regierung Bogers von Sicilien (1101 — 1154, 
König seit 1130), auf dessen Yer wandschaft Erz- 
bischof Wilhelm der heilige von York, ein NefiFe 
König Stephans, sich beruft, und die Zeit seiner 
Nachfolger, von denen Wilhelm II. eine Tochter 
fleinrichs II. von England heirathet. Der ersteren 
gehört an Nicolaus Breakspear, als Hadrian lY. 
der einzige Papst englischer Nation, durch eigenen 
Verkehr mit den italischen Zuständen^) eben so 
gut wie mit denen Scandinaviens vertraut, dessen 
geographische und ethnographische Kunde ihn 
befähigte den ersten Anstoß zur Bekehrung 
Finnlands von Schweden aus und zur Unterwer- 
fung Irlands durch englische Normannen zu 
geben. Femer Johannes von Salisbury, bekannt 
als Kirchenmann, Staatsmann und Philosoph, der 
in seinen Briefen und philosophischen Schriften 
nicht nur unschätzbare Nachrichten über seinen 
Freund und Landsmann, Papst Hadrian, bewahrt, 
sondern selber recht eigentlich als ein geistiger 
Zwischenträger zwischen Nord- und Südnor- 
mannen gelten kann^. Sodann Robert von 

1) Residiert von November 1165 bis Jali 1166 in 
Benevent, Jafifö R. P. R. 6900 ff. 

2) Darchreiste , wie er erzählt, zweimal ünteritalien, 
und war befreundet mit seinen Landsmännern Kanzler 



526 

Salisbury, der im Jahre 1147 dem EÖDige 
Roger als Kanzler^) und ThoBias Bmniis, 
der, wie wir gleich näher sehen werden, dem- 
selben Fürsten nachweislich längere Zeit in einem 
anderen wichtigen Staatsamte diente. In der 
zweiten Epoche scheint der weite Rnhm, welchen 
Thomas Becket als Anstifter der geistlichen Op- 
position gegen König Heinrich U. und durch 
seinen Märtyrertod in der abendländischen Kirche 
gewann, hauptsächlich dazu beigetragen zn haben, 
daß «ine Reihe englischer Geistlicher anf sici- 
lische Bischofsfltühle erhoben wurde. Riehard 
der Pilger (Palmer) erscheint als erwählter Bi- 
schof von Sjrakos und später als Ersbischof 
von Messina nnter den Gorrespondenten Becfcets^, 
Herbert von Middlesex war zwischen 1169 nnd 
1180 Erzbiscbof von Gonza^). Walter^ in sici- 

Robert und Papst Hadrian , bei dem er drei Monate in 
Benevent zubrachte, Policraticas VI, c. 24 (Qpera ed. 
GilesIV, p.59), vgl. Sohaarschmidt, Johannee Saresberien- 
Bis 8. 81. 

1) Willielmiis (arehiepisoopns Eboracenaia) . . . ad Ao- 
gemm regem Sioiliae, cognatum Boum, divertit et 
com Rodberto canoellario einsdem regia ori- 
undo de Anglia, soilioet in Salesberia, plnrimis 
dieboB oommoratuB est. Erat aatem Rodbertos polentis- 
simuB inter amicoe regis, pecnnioBUB -et donatoB honoribaB 
xnagniB. Job. Hagoetald. oontin. Hist. Simeon. DmiBbii. 
apud Twysden D^em Soriptores col. 276. Job. Saresb. 
Polioratious YII c. 19 (Opp. IV, p. 155) Robertos lam 
diotiregis canoellarius... eoqae mirabilior in partibos 
illis, quod inter Langobardos, quos paroiseiinoe, ne avaros 
dioam , esse oonstat . . . ÜEioiebat samptns immeDsos et 
geutis suae magnificentiam ezhibebat . • . erat enim An- 
glicus natione. 

2) S. Thom. Cant. Opp. ed. Giles TII, 128. 819. 82a 
Pirri in Graevii Thesaarus Antiq. Sicil. U, 298. 

8) Ughelli, Italia Sacra ed. 1659 VI coL 999, vcm Rad. 
de Dioeto Ymagines Hiatonarum ed. Stubbs 11, 87 Her- 
bertoa Anglioos natione, natos in Middelsczia etc. mit 



527 

lischen Nachrichten mit dem vermuthlich eng- 
lischen Beinamen OfiPamilio, der von 1169 bis 
1187 auf dem Erzstahl von Palermo saß, cele- 
brierte am 13. Februar 1177 eben dort die Ver- 
mählung der Johanna Plantagenet mit Wilhelm 
IL^). Ihm folgte im Erzbisthum sein Bruder 
Bartholomaeus, nachdem er von 1172 1187 Bi- 
schof von Girgenti gewesen^). Auch wird man 
den eingehenden Bericht nicht übersehen dürfen, 
den Johannes von Oxford, Bischof von Norwich, 
ein von Heinrich II. oft verwendeter Staatsmann, 
über seine im Jahre 1176 in Sachen jener kö- 
niglichen Hdrath in Begleitung von Richard von 
Gamville, Balduin Buelot und Paris, dem Erz- 
dechanten von Bochester, nach Palermo unter- 
nommene Reise abgestattet und dem ihm befreun- 
deten Geschichtschreiber Ralph de Diceto, De- 
cfaanten der Paulskirche in London, mitgetheilt 
hat'). Endlich ist der bekannte Briefsteller Peter 
von Blois zu erwähnen , der jüngere Zeitgenosse 
des Johannes von Salisbury, der, nachdem er 
am Hofe von Palermo beschäftigt gewesen, von 
König Heinrich H. in seine Nähe gezogen wurde, 
unter den genannten nun hat keiner ver- 

dem Bisohof Rnfias von Gosenza verwechselt, welcher 1184 
bei •inem Brdbeben za Grande gieng, üghelli IX, 261. 

1) Walteros eiasdem sedis arohiepiscopas oelehravit 
divina idus Febroarü, Rad. de Diceto Ymagines Historia- 
mm I, 418. 

2) Pirri bei Graevias II, 77. Die Gitate geeammelt 
von Stabbs, Chronica Ro^eri de Hoveden III p. XGII and 
Rad. de Diceto II p. XXXI. 

8) Ymagines ^toriaram I, 416.417, doch anch in 
den Gest. Henr. II des sog. Benedict 1, 1 17 (Hoveden II, 
96). Dazu die Urkunde Wilhelms II. vom Februar 1177, 
unter anderen auch von Erzbischof Walter von Palermo 
und Bischof Bartholomaeus von Girgenti bezeugt , Bene- 
dict I, 71 (Hoveden U, 97). 



52g 

iBssnngsgeschichtlich einen ähnlichen Namen hin- 
terlassen wie Thomas Brnnns, oder nenenglisch 
Thomas Brown, der zwar in keinem GeRchichts- 
werke der Zeit, in keinem der zahlreichen 
Briefe erwähnt wird, dagegen aber auf englischer 
und sicilischer Seite in Urkunden begegnet und ' 
in dem ältesten gleichzeitigen Werke zum eng- 
lischen Verwaltnngsrecht rühmlichst genannt 
wird. Diese merkwürdige Schrift ist der Dia^ 
logns de Scaccario, eine ausführliche Abhandlung 
über das Recht des Exchequer, der Schatz- 
kammer, der in ihrer ältesten Gestalt bis an die 
Tage Wilhelms des Eroberers hinaufreichenden, 
am frühsten aus der Curia regia abgesonderten 
obersten fiscalischen Behörde, durch welche ge- 
wissermaßen wie in der altpreufiischen Hof-, 
Kriegs- und Domänenkammer die sämmtlichen 
Aemter des Staatswesens zusammengefaßt waren. 
Der Dialogus hält sich an die vorhandene Ein- 
theiluQg in ein Scaccarium inferius und superius, 
jenes ein Amt zur Aus- und Einzahlung, dieses 
eine hohe collegialische Behörde, der eben so 
gut wie der Curia regis die oberste Gerichtsin- 
stanz zustand. 

Dies die Aemter im Einzelnen so wie das 
gesammte Geschäftsverfahren genau darstellende 
Werk wurde zuerst im Jahre 1711 von Madoz 
als Beilage zu seiner Geschichte und Alterthümer 
des Exchequer der Könige von England von der 
normannischen Eroberung bis zum Ende Eduards 
IL, einer wegen gediegener Forschung und guter 
Methode heute noch bewunderungswürdigen Ar- 
beit, herausgegeben^). Mit Recht ist der Dia- 
logus neuerdiogs von Stubbs in sein handliches 
Urkundenbuch zur englischen Verfassungsge- 

1) Madoz, the History and Antiquities of the Exche- 
quer 1711 fol. 1769 2 Vols 4«. 



529 

schichte ^) vollständig anfgeDommen worden. Als 
Qaelle ersten Ranges haben ihn die namhaftesten 
.Autorii^ten der Gegenwart, wie Stubbs selber 
in der Constitntional History of England so 
Gneist in dem Englischen Yerwaltungsrecht und 
Branner in der Entstehung der Schwurgerichte^ 
m Bathe gezogen und erläutert. Der Dialogus 
warde, wie aus ihm selber hervorgeht, im Jahre 
1178, spätestens bis zum April 1179 verfaßt 
von dem damaligen Thesaurarius Richard Fitz 
Nigel, der von 1189 — 1198 auch das Bisthum 
London bekleidete, üeber diesen in die Ge- 
schichte des Landes, der Institutionen, der Li- 
teratur eingreifenden Autor , den Sprossen einer 
fast bis in den Anfang des Jahrhunderts zurück- 
Buverfolgenden um die Staatsverwaltung der Zeit 
hoch verdienten Beamtenfamilie so wie über das 
Werk selber handelt eingehend die aus den 
Göttiuger Studien hervorgegangene treffliche 
Dissertation von Felix Liebermann, Einleitung 
•in den Dialogus de Scaccario, Göttingen 1875. 
Im 5. Paragraphen des ersten Buches sagt 
nun der Magister: »Auf der vierten Bank, dem 
Großjnsticiar gegenübersitzt oben an Magister 
Thomas, geheißen Brunns, mit dem dritten 
Rotulus, der nach einer neuen Verordnung un- 
seres Herrn des Königs hinzugefügt wurde, weil 
geschrieben steht: ein dreifacher Strick wird 
schwerer reißen.« und § 6 sagt der Magister: 
»Weiter zu Häupten der vierten Bank den Ju- 
sticiarien gegenüber sitzt Magister Thomas, ge- 
heißen Brunns. Der hat in der Schatzkammer 
kein geringes Ansehn. Seine Treue und Gewis- 
senhaftigkeit ist die große und mächtige Ur- 
sache, weshalb er von einem Fürsten von so 

1) Select Charten and other Dlustrations of English 
OonstitatioDal Hittory, Oxford 1870. 2 Ed. 1874. 



530 

anfierordentlicher Einsicht auserlesen wurde um 
gegen den alten Branch einen dritten Botnlas 
zu führen, in denselben die Gesetze des Reichs 
nud des Königs Geheimnisse (secreta regis) ein- 
zutragen und ihn in seiner Verwaltung mit sich 
zu nehmen wohin er will. Er hat auch seinen 
eigenen Schreiber (clericum) in der unteren 
Sehatzkammer, der neben dem Schreiber des 
Schatzmeisters sitzend die unbehinderte Befugnift 
hat zu yerzeichnen was vom Schatz eingenommen 
und ausgegeben wird.« Nun fragt der Disci- 
pulus: »Ist denn dem Fürsten seine Treue und 
Gewissenhaftigkeit der Art bekannt, daft zu dieser 
Arbeit kein anderer so würdig befunden wurde 
wie er ?« Worauf wieder der Magister : »Er war 
groß am Hofe des großen siculischen EönigSi 
vorsichtig in seinen Bathschlägen und im ge- 
heimen Vertrauen des Königs beinah der erste. 
Da kam aber ein anderer König, der von jenem 
Nichts wußte, der, schlechte Leute sur Seite 
habend, den Vater in dessen Leuten verfolgte. 
So wurde jener Mann genöthigt, als das Glück 
sich wandte , für sein Leben Sorge zu tragen, 
und, obgleich ihm mit den höchsten Ehren der 
Eintritt zu den meisten Reichen o£Pen stand, so 
zog er doch vor, wiederholt von Heinrich dem 
erlauchten Könige der Engländer eingeladen, 
dessen Ruhm nur geringer ist ajs die Wirklich- 
keit, in das Heimath land und zu seinem erbbe- 
rechtigten und besonderen Herrn zurückzukehr^ 
(ad natalesolumet successorium ac singularem 
dominum suum accedere). Von ihm aufgenommen, 
wie es beiden geziemte, ist er auch hier, wie er 
einst bei dem Sicilier Großem vorgestanden, mit 
den großen Geschäften der Schatzkammer betraut. 
So hat er gleich wie den Platz auch das ehren- 
volle Amt erhalten ; auch wird er mit den großen 



531 

Herren zu allen großen Geschäften der Schatz- 
kammer zugezogen.« 

Hierin steckt schon ein Stück Lebensge- 
Bchichte. Ein ans England, nicht aus der Nor- 
mandie gebürtiger Kleriker ist auf unbekannten, 
vermuthlieh nicht weniger schicksalsvollen Wegen 
wie sein Landsmann und Zeitgenosse Nicolaus 
Breakspear an die römische Curie, an den Hof 
des ersten Normannenkönigs von Sicilien ge- 
kommen und dort zu einem hohen Yertrauens- 
amt emporgestiegen. Derjenige König aber, der 
von Joseph Nichts wußte, ist Wilhelm der Böse, 
welcher 1154 auf Boger folgte in demselben 
Jahre, in welchem Heinrich II., der erste Plan- 
tageuet, den englischen Thron bestieg. Es scheint, 
daß Thomas gleich anderen Dienern des Yor- 
gangers ausgetrieben wurde und für sein Leben 
fliehen mußte. Erst seit dem Jahre 1159 taucht 
er in seiner englischen Heimath auf. Man er- 
fährt aber nicht, wohin er sich mittlerweile ge- 
wandt hatte; doch hat ihn Heinrich öfter ein- 
geladen (frequenter vocatus). Wahrscheinlich 
doch hat er alsbald die im Dialogus so ausführ- 
lich geschilderte hervorragende Stellung in der 
oberen Schatzkammer eingenommen, die er noch 
zwanzig Jahre später nach dem ürtheil des Bi- 
ehard Fitz Nigel mit so viel Buhm ausfüllt. 

In mehreren sorgfältig von Madox') gerade 
aus den Schatzkammer rollen, den ältesten des 
englischen Staatsarchivs, dem Jahr für Jahr ab- 
geschlossenen sogenannten Botulus Magnus Pipae, 
wird uns sein Dasein vor 1178 so wie späterhin 
seine Hinterlassenschaft noch unter Bichard Lö- 
wenherz bezeugt. Im 5. Jahre Heinrichs IL (19. 
December 1158 — 18. December 1159) werden 

1) Note KU p. 17 des Dialogas in der Ausgabe von 1711. 



532 

seinem Neffen Ralph bei der Schatzkammer 6 L 
20 d. ausbezahlt ^). Im 14. Jahre Heinrichs, also 
1168, bezieht er selber sein Qaartalgehalt im 
Betrage von 9 L. '). Im 15 Jahre erscheint er 
mit dem Titel elemosinarins regis, wie es noeh 
im 16. Jahrhundert Wolsey als der allmächtige 
Minister Heinrichs VIII. war, und worden ihm 
L. 7. 12. 1 angewiesen >). Im 22, d. L 1176 er- 
hält er als halbjährliche Bezahlung, man sieht 
nicht recht für welche Leistung, 76 s. 1 d. *), Da 
diese Buchungen sämmtlich durch den Sheriff 
von Hereford unter der Rubrik Herefordescira 
erfolgen, wird er dort an der Waliser Mark be- 
gütert, yermuthlich auch gebürtig gewesen sein. 
Eine nähere Bezeichnung des von ihm in der 
Schatzkammer bekleideten Amts begegnet dabei 
nicht Er heifit stets Magister Thomas Brunus, 
einmal normannisiert le Brun. 

Später wird sein Name wieder angetroffen 
in der großen Rolle des 1. Jahrs Richards L (3. 
September 1189 — 2. September 1190), die Ton 
der Record Commission herausgegeben wurde. 
Der Sheriff von Hereford legt vor der Schatz- 
kammer Rechnung ab über Verwaltung und Er^ 
träge von Land und mehreren Häusern des Tho- 
mas Brunns bei der Stadt Hereford. Der Sheriff 
von Hampshire thut dasselbe über Land, welches 
Thomas Brunns in der Stadt Winchester besessen ^). 

1) Et in liberatione oonstitata Radalfo nepoti Thomae 
Bruni VI L. XX d. 

2) In soltis per breve regia Magistro Thomae le Bnin 
IX L. de liberatione sua de qnarta parte anni. 

8) Et Magistro Thomae Bran elemoBinario regis VII L. 
12 8. Id. 

4) Et Magistro Thomae Bnmo 76 s. et ob. de dimidio 
anno. 

5) Magnus Rotalus Pipae 1 Rio. I, 1844 p. 142 de 
AKita terre Thomae Broni extra villam de Hereford ... in 



533 

Auch in der Bolle des 2. Jahrs Richards L, die 
Yollatändig durch Lichtdruck in den Facsimiles 
of National . Manuscripts Part I 1865 wiederge- 
geben worden ist, heißt es anf Blatt 13: vice* 
eomes debet sex solidos de terra, quae fuit Ma- 
gistri Brnni in civitate Wintoniense. Obwohl 
Thomas in diesen Documenten nicht jedesmal 
als Magister betitelt wird, so ist doch an der 
Identität des Maans so wenig zu zweifeln wie 
an der Thatsache, daß er im Jahre 1189 bereits 
todt war und in West- nnd Südengland ein nicht 
nibeträchtliches Eigen thum an liegender Habe 
hiiterlassen hatte, dessen Verwaltung und Con* 
trde dem königlichen Fiscus zustand. 

Da ist es nun von nicht geringem Interesse, 
da& derselbe Name mit genau denselben drei 
Bettandtheilen in Süditalien in lateinisch und 
griechisch abgefaßten in Köuig Rogers Namen 
auE^estellten Urkunden begegnet. Vor wenigen 
Jalren ist auch wieder hier in Göttingen ein 
jüngerer Gelehrter, der sich mit Forschungen in 
südtalienischer Geschichte befaßte , Herr Wil- 
heln Behring ausElbing, auf die hervorragende 
Be&utung aufmerksam geworden, die derselbe 
Main nach dem Wortlaut der Documente bei 
den. Könige von Sicilien gehabt haben muß. 
Die Herausgeber der Urkunden hatten keine 
Ahning, daß sie es mit einem Engländer zu 
thun hatten. Noch hatte bisher die neueste 
Gesdichtschreibung Süditaliens von ihm Notiz 
genonmen. Zunächst sind in der Vita Willelmi 
abbais auctore Joanne a Nusco c. 7 in den 
AA, 3S. 25. Juni ^) zwei Urkunden König Ro- 
gers für das Kloster S. Maria di Moutevergine 

emenetione domoram eiasdem Thomae p. 206 .... de terra 
qnae 3it Thomae Brani in civitate Wintoniense. 

l)Nene Ausgabe von 1867 Jonios Yol. YII p. 118. 



534 

erlMiltra, daturt Ptümno a KaL SepL (S&. A«- 
giwl) ind. 15. 1137, mi Fmkrmo 8 laL Dee. 
(24. Norembcr) ind. 13. 114», mmeaAdih fa 
mas» Magiitri Thomae eapellani ngia md 
wcrtiiYoIl wegen da* ZeillMatiamiig ao wie 
der auf die ehmUklie Kanilri dca Kongi Ina- 
weiaenden Aoiteiettiui^ Sodann Cand Bekring 
bei Cnaa, Diplomi greci et arabi di Sieilia I 
303 ein Ton König Boger in Pdermo erlaiMiief 
Diplom, dem der Heransgeber kein Datom hin- 
zoßgt. In demAnmige bei Pirri, Sieilia Säen 
I, 391 steht die irrige Jahnahl 1144, die wegei 
der Indiction and des Begiernngsjahrs in 1143 
Terhpflsert werden moA. In dem griechischea 
Texte hebt die Zengenliste an: tavta SM ndvn 

Itmv nal m&§ui6^ a^iumr toif dvB^fnmv ^fämv aal 
fuiaii^ Ot0ftd uki ßifovvav Mtd fWilUXiMv nvqoißV 

Diese von Casa Terzeiebnete Urkunde mr 
aber inzwischen auch dem Scharfblick des Ir. 
0. Hartwig, gegenwärtig Vorstand der üniv-r- 
sitats-Bibliothek zu Halle, nicht entgangen, d^ 
sen Forsch angen seit Jahren die sicilische C«- 
schichte betreffen. Er hatte bereits den Magi- 
ster Thomas in zwei Diplomen bemerkt, die im 
ersten Hefk der Docnmenti per serrire alla to- 
ria di Sieilia p. 12 begegnen. In dem erten 
fertigt Thomas die Urkunde im Namen des Ho- 
nigs aus, ist also der mit den Geschäften der 
Kanzlei vom Konige betraute Beamte. Das 
zweite, wieder irrig 1144 statt 1143 datiert, be- 
trifft in lateinischer, etwas abweichender .'as- 
sang dieselbe Angelegenheit wie die bei (osa 

Stabbe Ü p. XXXIL 



535 

abgedmckte griechische Urkunde mit derselben 
Zengenreihe: astantibns Bogerio dnce Apnliae 
dilecto filio nostro et Bogerio yenerabili electo 
Panormi, Simone comite nepote nostro et Ma- 
gistro Thoma nostro familiari et Gnlielmo 
de Perolio etc. Mitten unter den Großen des 
Beichs erscheint hier Thomas mit seinem schlich- 
ten Magistertitel als familiär is noster. 

Da hat nun Herr Doctor Hartwig, nachdem 
ich ihn auf den Dialogns und die Verfassungs- 
geschichte von Stabbs hingewiesen, ein ausführ- 
liches Schreiben über diese merkwürdigen insti- 
tutionellen Beziehungen der beiden Beiche an 
Amari , den berühmten Verfasser der Storia de' 
Muselmani in Sicilia , gerichtet, der dasselbe in 
den diesjährigen Abhandlungen der Beale Acca- 
demia dei Lincei, Sui divani deir azieuda Nor- 
manna in Palermo, abgedruckt und eingehend 
Ton seinem Standpunkt aus commentiert hat. 

Hartwig beleuchtet die großartig organisa- 
torische Thätigkeit Konig Bogers, der wie Hugo 
Falcandns, der Chronist des 12. Jahrhunderts, 
schreibt^): aliorum quoque regum ac gentium 
oonsnetudines diligentissime fecit inquiri, ut 
quod in eis pulcherrimum aut utile videbatur 
sibi transumeret. Quoscumque viros autconsilii 
ntiles aut hello claros compererat, cumulatis 
apud eos ad yirtutem benefieiis, inritabat, was 
▼ollständig auf den Engländer Thomas paßt. 
Hartwig hält sich dann vor Allem an die Aus- 
f&brungen Amaris selber über die besonders den 
fiitimidischen Ehalifen nachgebildete, auch unter 
christlichen Herrschern bestehende Amtseinrich- 
tung in Sicilien , die namentlich einer sehr ge- 
nauen Buchführung über die Finanzen gewidmet 

1) Cknmivuh Bibl bist. Bidiiae 1, 4\Q. 



536 



Er woAh Ceberanftimmmig swiBchen dem 
Diris i>ier der Dohana de secretis und 
de^ Sttccaihsiii. am to mehr mla bei beiden 
die n«a'täciieu mit nchterlichen Getcbäften yer- 
bdodefi «imiy and behandelt die Frage nach 
der Pnohtas. re:$pL der Nachahmang d» einen 
Lcätztsts doreh das andere. Was läge nnn in 
der Tcai näher, als in Magister Thomas denje- 
ciges. m soeben, der. naehdem er das treffliehe 
sariceniäehe ELeehnongswesen kennen gelernt, es 
auch nach England Terpflauit hatte. Sogar die 
Worte des Dialogns. daB er ron Heinrich IL 
contra actiqnam consoetodinem snr Festigung 
der Controle mit der Führnng eines dritten fio- 
tnlus beaoftragt worden sei. wflrden dafnr spre- 
chen. Vielleicht gar wäre anf diesem Wege, 
iüge ich hinzn, die orientalische Bezeichnung 
Siaccarinm. Echiquier, Excheqner Fon der schach- 
brettartigen Eliunchtucg des groften Zahltisches, 
uui den in Westminster die Bänke standen, am 
einraehsten zu erklären. A. van der Linde in 
dem gelehrten Werke: Geächichte nod Litteratur 
des Schachspiels 1874 II, 165 findet freilich die 
Ableitung Ton »der Vierung äußerst verdächtig« 
und läßt dem Namen Scaccariom altgermani- 
sches schach, Raubmord, wie es in ags. scäcan, 
concutere, scaher bei Otfried, hochdeutsch 
Schacher erscheint, zu Grunde liegen. Aber wie 
soll im 12. Jahrhundert in Neustrien und Bri- 
tannien eine rein deutsche Wurzel zu einer so 
entschieden romanischen Wortbildung , und gai* 
dem Fisens als Raubnest zu einem Spottnamen 
verholfen haben? Auch spricht der Dialogns 
I, 1 nicht nur von tabula quadrata, sondern 
auch von dem darüber gebreiteten pannns . . . 
yirgis distinctus. Da nun aber die Do- 

e secretis in Sicilien nicht bis hinter das 



537 

Jahr 1149 zurück zu verfolgen ist und anderer- 
Berts in England der Name Scaccarinm einzeln 
schon unter Heinrich L, des Eroberers Sohn, 
(1100 — 1135) vorkommt und das Rechnungswesen 
dieser Behörde bereits in dem Muster einer frü- 
heren groften Aufnahme, nämlich im Domesday 
Wilhelms I. ^ vorgezeichnet erscheint, kommt 
Hartwig zu dem Schluß, daß die Dohana de se- 
cretis jedenfalls von Eonig Roger errichtet 
wurde, woan der Engländer Thomas mit seiner 
KenntniB normannisch-englischer Einrichtungen 
betheiligt gewesen. 

Gegen diese ansprechende Hypothese erhebt 
mm Amari als Patriot und erster Kenner der 
saracenischen Epoche seiner Heimathinsel eine 
Reihe gewichtiger Einwendungen. Er möchte 
hyperkritisch selbst die Identität des Magister 
Thomas capellanus regis vom Jahre 1137 mit 
dem jMct&iQO &eofiä tov ßqovvov vom Jahre 1143 
und dem Beisitzer des Scaccarium zu Westmin- 
ster im Jahre 1179 bezweifeln und hält den un- 
ter König Roger vermuthlich noch jungen Fremd- 
ling für ganz ungeeignet um ein auswärtiges 
Vorbild zur Nachahmung in Sicilien zu empfeh- 
len. Dagegen geht er noch einmal in einer ge- 
lehrten , aus den arabischen Quellen schöpfen- 
den Abhandlung die Aemter und Behörden durch, 
die von den Sitzen der Khalifen in Persien und 
Egypten nach Sicilien übertragen allenfalls wie- 
der von dort aus auch den christlichen Occiden- 
talen zur Nachahmung hätten dienen können. 
Er beweist, daß die normannischen Eroberer 
durchaus die unter den Muhamedanern bewährte 
fiscalische Registratur beibehalten hätten und 
daß die Finanzämter während des 12. Jahrhun- 
derts insonderheit unverändert geblieben wären. 
Von einer ähnlichen Eintbeilung wie die durch 

43 



53S 

,'.f. T^jk.-^ra^ und in der späteren englischen 
^'^iwv^ '>f y.. ;;ri<"^ s wischen einem Scaccarinm su- 
-.t:-: ..> ;:;.i :v,::r.:;5v. Aut welche Hartwig schlieit, 
..;>Ä ci-r T.r. fv.ec: oollegialisch bmithenden 
/ :»:-f..ji.r5ur:r2:rT*r.v: wie die Curia scaccariii 
^\ ..-: ..: 5.\:j.':*czfr, ru dem die Dohana de se- 
,-•:.; > yo-^^str. w:.rie, will er anch nicht die ge- 
- . j:>c^ S-.v.r f::iTvkt haben. Er kann deshalb 
i:.:. ;..;: *:D:r. iir c^lecentlich von Stnbbs^) 
: ^-•."T:-:fT VfrT.::*r.uiic nicht zustimmen, 
..li V:.r..i> .-. f ^ ; .'.^scbe Schatskammer einge- 
-- . :j..v Vr i'.i-M überhaupt nicht an 
N . : :. . :\i ^.r -'.rr vvier der anderen Seite, 

• . ." - .; ji^^v .:.:.'. iie Structur der mit- 
.. i . ..*r: *..>: :.-r.. -_-?:* :d Sicilien zunächst 

A ::>;,'.: . ^^ :. ->-- *:7.i. Trotzdem will 

: .^i : . .'ii I -ni. :ii3ter einem so er^ 

: . ^.- . • : S::..: Roirer besonders 

N ■ . . : :..-;. f . .- Erc'And her refor- 

. : ? v< :.^. i^>::* 5ir:r c.ö^en, »ob- 

. • * ? r- ?ü^". ♦; T >r«f:>»r frbien.c Dies 

: "V. : . : - 7 . -t. > Vsä.h AViem, was, 

• ">-:-. ....::: 1:»:- Minister Thomas 



m - - « 



* *fc 



.:- \i:, -.5 T.:£-r ri:oi: nur zwi- 
>:••:. . ,-* ."vi II 7;!^ b^k-innt ge- 
<:•;. '^ : w^f.-fr .?rr:ir:5- coch To- 
. . ^ i ■ - ir / . _ ,• . I • ^''jjjifr - iii letzteres 

>. ..>.> :\_ : 5<.' -'"'zz ^ir i.vi i -nehmen, 
.o :- r:*i . >:i *:j;i:-';4: . bü'i riihdrm Ro- 
ai*:- ,'. : "\;. ji^i-.v- iiT'^TJTif. "r^Hf-vh* z::^!eieh 
V : :t : Xi.i.r* rjO.-*: t;- 5»il:5'r:irT jlc den 
V : H. r-T . :• .\" iir: j-i serr-fr V^rci-curcen 
- .' : j.:\ii:f ::V -iL-f rxrT i«v:"rzj::ii* Ver- 
: i.-:v.>5>:!;- 1.:^. ww i..^ ^^^f Vri^-i-f ^Ji dort 



l t^' 



Haccf? :r ^rr j ^ir^T. : l sTi. 



539 

bezeugt, als familiaris n oster verdankte. 
Seine Yerwendung spricht für die Weisheit und 
den erleuchteten Sinn Rogers, die, wie Amari 
selbst hervorhebt, kein anderer in so hohen 
Tönen gepriesen hat wie Edrisi in der Einlei- 
tung zu seinem berühmten geographischen Werke, 
der ohne alle Frage die größte Zierde des Hofs 
von Palermo war. Der Sturz des Magister Tho- 
mas geschah beim Thronwechsel des Jahrs 1154, 
nicht beim Begierungsantritt Wilhelms II. im 
Jahre 1166, weil sein Name schon in der Schatz- 
kammerrolle von 1159 erscheint. Seiner ver- 
dienstvollen Thätigkeit in Sicilien, derentwegen 
Heinrich IL nicht abließ, bis er ihn in seine 
Dienste gezogen, hat der Verfasser des Dialogns 
doch ein schönes Denkmal gesetzt, welches auf- 
recht bleibt, mögen die Aemter in Sicilien und 
in England, in denen er gedient, auch noch so 
wenig mit einander zu schaffen haben. 

In Bezug auf das englische Exchequer schließe 
ich mich dem ürtheil von Stubbs^) an, der es 
wie der Verfasser des Dialogus selber unentschie- 
den läßt, ob das Institut des Fiscus von Wilhelm 
dem Eroberet oder schon von den Angelsach- 
senkonigen errichtet worden. Nach seiner Mei- 
nung ist dasselbe in England und in der Nor- 
mandie neben einander gediehen , wobei denn 
vielfache Berührung unvermeidlich war. Dort 
erscheint der Name Scaccarium unstreitig zuerst 
unter Heinrich I., diesseits erst unter Heinrich 
n., wodurch freilich für oder gegen die Priorität 
Nichts entschieden wird. Eine Ueberführung 
aus der Normandie nach England ist früher 
weder durch Madox, noch neuerdings durch 
Gneist oder Brunner mit Sicherheit nachgewiesen 

1) CoDBtitational History of England I, 878. 438. 

43* 



540 

worden, so daft ancli Liebermanii, der wie jene 
beiden Gelehrten S. 110 mit Recht an der Dar- 
stellang des Dialogns den normanniachen Geist 
herrorbebt, diese Frage offen laftt DaA das 
altenglische Staatswesen schon Tor der Erobernng 
eine aosgebfldete fiacatiaehe Behörde beaiB, die 
wie so manches Andere Ton den Normannenko- 
nigen nicht nnterdrnckt, sondern nnr in featere 
Formen gegossen wnrde, daB ihnen fernerhin 
anch geborene Engländer so gut wie ihre Landa- 
lente nnd oft trener als diese dienten, daran ist 
anf Gmnd der Qaellen nicht zn zweifeln. Ich 
kann daher anch der Anffaasnng Freeman'a^), 
den wir gleich Stabbs zn den Correspondenten 
unserer Oesellschaft zn "zahlen die Ehre haben, 
keineswegs widersprechen, wenn er den alteng- 
lischen Ursprung der Schatzkammer, die Conti- 
nnität zwischen ags. hord, norm, fiscns, tiie- 
sanruä, scaecariam — letzteres ein Name, der 
Anfangs spielend gebraucht worden sei — mit 
ähnlich insularem Patriotismus wie Aman noch 
stärker betont als Stubbs. Nach Allem, was vor- 
liegt, war anch der einfache Kleriker Thomas 
mit dem seinem Aeußeren (Haar und Haut) ent- 
nommenen Beinamen^ ags. brun, foscus, sowenig 
wie Nicolaus, der auf dem Stiftslande von St. 
AI bans geborene spätere Papst Hadrian IV. nor- 
mannischer, sondern englischer Herkunft, aber 
eines der vielen Beispiele, wie rasch sich die 
beiden Nationalitäten bereits einander näherten 
um drinnen und draußen demjStaat mit schöpfe-' 
rischer Kraft zu dienen. 

1) History of the Norman Gonquest of England, V, 486« 



541 



üeber das ponderomotorische Elemen- 
targesetz der Elektrodynamik. 

Von 

K Blecke. 

Es liegt in der Natur der physikalischen 
Forschung, daß denjenigen Vorstellungen, welche 
wir mit ^den beobachteten Erscheinungen ver- 
knüpfen, eine absolute Wahrheit nie zugeschrie- 
ben werden kann. Wir werden dieselben so 
lange für wahr, d.h. für der Wirklichkeit ent- 
sprechend halten, als keine Thatsachen bekannt 
sind, welche mit denselben in Widerspruch sich 
befinden, wir werden unsere Vorstellungen än- 
dern oder durch neue Vorstellungen zu ersetzen 
suchen, sobald wir auf Thatsachen geführt wer- 
den, welche in den bisherigen Vorstellungskreis 
nicht eingeordnet werden können. In der Mög- 
lichkeit verschiedener Vorstellungskreise für ein 
und dasselbe Gebiet von Erscheinungen, welche 
eine charakteristische Eigenthümlicbkeit aller 
physikalischen Forschung bildet, liegt aber auch 
ein wesentliches Moment für ihre weitere Ent- 
wicklung ; denn wenn verschiedene Vorstellungen 
auf ein gewisses Gebiet von Erscheinungen gleich- 
mäßige Anwendung finden, so erwächst dadurch 
immer die Aufgabe, neue experimentelle Thatsa- 
chen zu entdecken, durch welche die Alternative 
zwischen den verschiedenen Vorstellungskreisen 
entschieden wird. Wenn nun auch für das Ge- 
biet der elektrischen Erscheinungen in neuerer 
Zeit mehrfach der Versuch gemacht worden ist, 
die bisherigen Grundlagen der Theorie durch 
andere zu ersetzen, so kann mit Bezug auf diese 
Versuche von vornherein bemerkt werden, daß 



542 

e» sich bei denselben nicht nm eine Aendernng 
jener Grundlagen handelt, welche durch neue 
experimentelle Thatsachen mit Nothwendigkeit 
gefordert würde, nnd daß ebensowenig unsere 
GruDdvorstellung von der Existenz imponderab- 
1er elektrischer Flüssigkeiten durch jene Unter- 
suchungen berührt wird. Dieselben beziehen 
sich vielmehr nur auf die Kräfte, welche ent- 
weder von den einzelnen Elementen eines galva- 
nischen Stroms auf andere ebensolche Elemente 
und auf bewegte Leiterelemente ausgeübt wer- 
den , d. h. auf die elektrodynamischen Elemen- 
targesetze, oder auf die elektrischen Grundkräfte, 
welche zwischen den einzelnen in Bewegung be- 
griffenen elektrischen Theilchen anzunehmen 
sind , damit sich aus ihrer Gesammtwirkung die 
Gesetze jener Elementarwirkungen ergeben. Die 
Entdeckung dieser elektrischen Grundkräfte bil- 
det nur auf dem Gebiete der elektrostatischen 
Erscheinungen eine Aufgabe , welche principiell 
denselben Grad von Einfachheit besitzt, wie die 
entsprechende Aufgabe der Bestimmung der 
zwischen den ponderablen Körpern stattfindenden 
Gravitationskräfte. Alle elektrodynamischen Wir- 
kungen sind Gesammtwirkungen der gleichzeitig 
bewegten positiven und negativen elektrischen 
Theilchen ; eine direkte Bestimmung der Grund- 
kräfte ist daher hier nicht möglich, vielmehr 
muß das Gesetz derselben errathen werden aus 
dem Gesetz der gesammten von allen in einem 
Leiterelement bewegten elektrischen Theilchen 
ausgehenden Wirkung, d. h. aus dem Elemen- 
targesetz. Die Aufgabe, die elektrischen Grund- 
kräfte zu bestimmen, wird "aber noch weiter 
erschwert dadurch, daß auch die von den ein- 
lelnen Elementen eines galvanischen Stroms 
ausgehenden Elementarwirkungen nicht unmit- 



543 

ielbar Gegenstand der Beobachtung sind, son- 
dern daß wir immer nur die Gesammtwirkungen 
beobachten, welche von geschlossenen Stromrin- 
geu auf andere eben solche Ringe oder auf be- 
wegliche Theile derselben ausgeübt werden. Es 
ist nun zuerst Ampere gelungen, für die ponde- 
romotorische Wechselwirkung galvanischer Ströme 
ein Elementargesetz zu entdecken, welches wir 
nach ihm als das Amperesche Gesetz bezeich- 
nen; er hat es aber versäumt für dieses Gesetz 
einen directen thatsächlichen Beweis durch ex- 
acte Messungen zu geben. Ein solcher Beweis 
wurde wenigstens für den Fall, daß die beiden 
auf einander wirkenden Stromelemente zweien 
geschlossenen Stromringen angehören, erst durch 
die elektrodynamischen Messuugen geliefert, 
welche Weber in der ersten Abhandlung über 
elektrodynamische Maaßbestimmungen mitgetheilt 
hat. Weber hat sich aber nicht mit dieser 
Bestätigung des Ampereschen Gesetzes durch 
genaue Messungen begnügt, sondern er hat von 
diesem Gesetze aus den Weg gebahnt zu der 
Erforschung der elektrischen Grundkräfte, und 
hat für die Wechselwirkung elektrischer Theil- 
chen das nach ihm genannte Grundgesetz ent- 
wickelt. Dieses Gesetz findet dann unmittelbar 
Anwendung auf die Bestimmung derjenigen 
Kräfte, welche hervortreten, wenn in einem Lei- 
terelement die Stärke der galvanischen Strömung 
irgend welchen Aenderungen unterworfen oder 
wenn dasselbe in irgend einer relativen Bewegung 
gegen ein anderes Leiterelement begriffen ist, 
d. h. es ergeben sich aus dem Weber^schen 
Grundgesetz Elementargesetze für die Erschei- 
nungen der Yoltainduction. Da nun die so 
ermittelten Inductionsgesetze mit den beobach- 
teten Erscheinungen in vollkommener üeberein. 



544 

BtimmuDff sich befinden, so nm£ELBt die auf dem 
Weber'schen Grundgesetze sich aufbauende Theo- 
rie in der That das ganze Gebiet der elektri- 
schen Erscheinungen. Diese von Weber begrün- 
dete Theorie wurde in neuerer Zeit angegrif- 
fen durch die Arbeiten von Hehnfaoltz und 
Glausius, und es wurde von beiden der Versuch 
gemacht, die ihrer Meinung nach fehlerhafte 
Theorie durch eine neue zu ersetzen. Helmholti 
hat im Wesentlichen zwei Einwände gegen das 
Weber^sche Gesetz erhoben, von welchen übri- 
gens der eine nicht so wohl dieses Gesetz, ab 
vielmehr gewisse accessorische Annahmen betrifft, 
die zum Zweck der Untersuchung der galvani- 
schen Strömung im Inneren der Condaktoren ge- 
macht worden sind. Der zweite Einwand be- 
steht darin, daß nach Helmholtz das Weber'sche 
Gesetz einen Widerspruch gegen dasPrincip der 
Erhaltung der Energie enthalten sollte. Das 
Gesetz, welches Helmholtz an Stelle des Weber - 
sehen vorgeschlagen hat, ergab sich dadurch, daft 
er einen gewissen formalen Zusammenhang, wel- 
chen F. Neumann zwischen der pond^romotorischen 
und elektromotorischen Wirkung geschlossener 
Ströme entdeckt hatte, auf die elementaren Wir- 
kungen der galvanischen Strömung übertrug; 
dieses Gesetz macht also nicht den Anspruch 
ein Grundgesetz der elektrischen Wirkungen 
zu sein, sondern es giebt zunächst nur einen 
einfachen mathematischen Ausdruck, aus wel- 
chem als aus einer gemeinsamen Quelle die 
verschiedenartigen elektrodynamischen Wirkun- 
gen nach bestimmten Regeln abgeleitet werden 
können. Die von Helmholtz gegen das Weber'sche 
Gesetz erhobenen Einwände sind durch die Ar- 
ten von We\>eT xmöi ^. "^«vwaaxsÄ widerlegt 
ien ; es kann «vödl i\ao \^^i^ "ö^sä x^in^ \sa. 



545 

die Frage handeln, ob die Gesetze von Helm-« 
holtz und Weber beide den gegenwärtig be- 
kannten experimentellen Thatsachen genügen, 
ob sie also diesen gegenüber als gleichberechtigt 
zu betrachten sind, oder ob wir gegenwärtig 
schon gewisse Erscheinungen nachweisen können, 
welche die Alternative zwischen den beiden Ge- 
setzen entscheiden. Der von Clausius erhobene 
Einwand gründet sich auf eine Folgerung aus 
dem Weber'schen Gesetze, auf welche ich be- 
reits einige Jahre früher aufmerksam gemacht 
hatte und welche darin besteht, daß eine um 
ihre Axe gedrehte und von einem galvanischen 
Strom durchflossene Spirale nach dem Weber'- 
schen Gesetze auf einen benachbarten Conduc- 
tor eine vertheilende Wirkung ausübt, ganz 
ebenso wie sie von einem elektrisch geladenen 
Conductor ausgehen würde. D?e Prüfung dieser 
Folgerung schien mir die Sache einer erst an- 
zustellenden experimentellen Untersuchung zusein, 
während Clausius aus dem Umstände, daß diese 
Wirkung bisher der Beobachtung sich entzogen 
hat, die Unzulässigkeit des Weber'schen Gesetzes 
folgern zu müssen glaubte. Clausius hat dann 
ein anderes Grundgesetz der elektrischen Wir- 
kung aufgestellt, nach welchem jene elektro- 
statische Wirkung nicht eintreten würde. 

Es möge mir nun gestattet sein, einen Ueber- 
blick über den Inhalt der Abhandlung, welche 
ich der E. G. vorzulegen die Ehre hatte und 
eine kurze Charakterisirung der Stellung, welche 
dieselbe den im Vorhergehenden erwähnten Ar- 
beiten gegenüber einnimmt, zu geben. Nach einer 
Vorbemerkung über diejenigen Anforderungen, 
welche sich aus dem Princip der Gleichheit von 
Action und Reaction für die elekttodp\sixQ\^Q>\Nfi:QL 
Wechselwirkungen ergeben y \\^i«t\» dkftx i:^^^^ 



itoschnm äer AUundlmig einen mnf moglicbst 
«tcnem. Gmndl&^iPD rafaeDden nnd zngleicli 
niii^iictMi einlBcheii Beweis des Ampereschen 
tT«iMtseb. iMsraellie «chüeit sich unmittelbar 
ai dn voL fi-efan über das Grondgeeetx der 
EH K ir n T' mm ik asfestellten Untenachangen 
«I xnnm ^r zu den ron Ste&n gemacbten 
^^^» «■ ■i m n a sar noch das Princip der Gleichheit 
Tri: .kcston and Beaction in leiner strengen 
.^ttrfnmc Anrarnict. Es ergiebt nck gleichzeitig, 
m^ am n>o Steian aafgestellte Geaeta jenem Prin- 
ju BK* Sit Bezog aaf translatoriache Yerschiebun- 
.fiHi üffLOgt, während das Gesetz Ton Clansios, 
««•Cd«» jils ein specieller Fall in dem Gesetz 
i«ift 5tenui enthalten ist, mit jenem Princip un- 
ar iileo Umständen in Widerspruch sich befin- 
^aK» Der dritte Abschnitt bespricht einen ähn- 
x(Mn von Carl Nenmann gegebenen Beweis 
iiM> ampereschen Gesetzes und zeigt daft derselbe 
•^•tt diner gewissen speciellen von Neumann ge- 
MAcdGea Annahme unabhängig ist. Während 
m beiden erwähnten Beweise des Ampereschen 
JM^fizes synthetischer Natur sind, d. h. von einer 
ittibe gegebener Bedingungen aus das Gesetz 
tetnisilig zu konstruiren suchen, enthält der 
vi^eude Abschnitt eine analytische Zerlegung 
i««^ Ampereschen Gesetzes in einzelne Kraft- 
4\/mponenten, welche im Wesentlichen identisch 
t4i mit der in den Abhandlungen d. E. G. d. 
^i\. vom Jahre 1875 von mir mitgetheilten Zer- 
legung. Will man nun auf Grund dieser Zerle- 
4^uug einen Beweis dafür gewinnen , daß das 
Vuip^resche Gesetz die in Wirklichkeit zwischen 
AWMi Stromelementen vorhandene ponderomotori- 
\tl darstellt, so wird einmal zu zeigen 
allen jenen Eraftcomponenten, in welche 
presche Eraffc sich auflösen läAt, meB- 



547 

bare elektrodynamische Wirkungen entsprechen, 
und zweitens, daß keine außerhalb des Ampere« 
sehen Gesetzes stehenden Wirkungen exsistiren 
d. h. es muß nachgewiesen werden, daß das Am- 

Serescbe Gesetz nicht allein der wirkliche, son- 
em auch der vollständige Ausdruck der elek- 
trodynamischen Kräfte ist. Es ergiebt sich, 
daß unter der Voraussetzung rein translatorischer 
Wirkungen zwischen zwei Stromelementen die 
Verbindung der Gesetze der Wechselwirkung 
geschlossener Ströme, mit den Erscheinungen 
-der elektrodynamischen Botationen einerseits 
oder mit den Erscheinungen, welche die elektri- 
sche Entladung in Geißlerschen Röhren unter mag- 
netischer Einwirkung darbietet, andererseits 
zum Beweise des Amp^rescben Gesetzes genügt. 
Die angeführte Zerlegung des Ampereschen Ge- 
setzes stellt eine eigenthümliche Beziehung zwi- 
schen demselben und dem Gesetze von Helmholtz 
her 9 eine Beziehung^ welche mir schon früher 
zum Bewußtsein gekommen war, zu deren wei- 
•terer Verfolgung ich aber erst durch ein genaue- 
res Studium der dritten Abhandlung von Helm- 
holtz veranlaßt wurde, in welcher dieselbe Bezie- 
hung nur von dem entgegengesetzten Standpunkte 
aus sich bereits entwickelt fand. Die Beziehung 
ist einfach die^ daß bei meiner Zerlegung des 
Ampereschen Gesetzes das Helmholtzsche sich 
als ein Theil des Ampereschen ergab , während 
Helmholtz umgekehrt gezeigt hatte, daß das Am- 
pöresche Gesetz einen Theil des seinigen bildet. 
Diese Bemerkung wird nun benützt um aus der 
im vierten Abschnitt gegebenen Theorie des Ampe- 
reschen Gesetzes eine entsprechende Theorie des 
Helmholtzschen Gesetzes abzuleiten, in welcher 
einige Punkte konsequenter und vollständiger 
durchgeführt zu sein scheinen, als in der von 



^~. - '« -rz «^-^-r Irr ]f^!f>riii:i:oh.f-n iiaere 
'"•.-.-- Lr -T i-is r-Ä-r ITi^^-ir»*. iai dieTon 
^ . ;- •:.- V" .-•--^ri:!^ itra Z'riJi-ioL:3scheQ Ge- 
. -.:* . ^s'.-.l";.- Lz-^-rizLcuifi n. ier Tzas keine 
'^ -■.-k"^— T j-vL'-^i .-iÄ-. *- i«äc:'^. Dunzen er- 
-V •- . -li-« li- :»rr^2T5 ^rwiiii'eiL Erschei- 
• :»■••. -r -rriTTTs*::--:! Z^riauunar zn. Geüle^ 
^ ■■. '. -."•:! — - -riT. r»-!«rf3e "»"oa Helmholtz 

*- ;>*;:.- 1. -ü*-- ir xi.rErr!iiin*xe ivischen 

^^ V - -r**:ir2i Tü flc zeg t?iiac!iiiideii wiii 

t» •■ . J't-jl^-'.lz ■■■iT^'»sft;:i.i6C?i:e 7f±»rCz ist ein 

.c- .ri--."-5e-z LI.-* -^^ - m'Uiinufloar nicht 

■«i^-irfi rv^tj TT si-rrifltuceiL '«irkenden 

\.-.:t T-j»ii:tt?-i i\K ^-iT-t. veiciie tog jenen 

v.r.^rtii iKi -'11**- >• itM»i£F-i TiäHviea Verechie- 

•aHi: irr it^'ii^r-i .*. i*'m**iiv i!4eiscbc wird- In 

.:r^;*rin Till«* '.»t^- U*: 1 ;.L UlLU LOft ^-iO^Fäche 

Tiusri— <^''-: 'rrv ^ -ei"L'A::ii*a V ioiiijAlTrirkung 
f.:i .'.'.^i'-t 1 iii :.ij-i.i:? K::iifU Uli: Nochwen- 
liiix/? ~ '. *'"^ . •^.:::i- 1 VI Uli iiiLii liusii dem W^ 
j>:rt«i. ".»*'■. .-^r*^'jj^. *■ 1 ? : ^-iniu r.v'*ier Suromele- 
2i-:> '.z.at. -r.: iii:t:-.t. I •!*«** ? iCtfatLil wird 
..n *•*?": ■..<"> : >. ".•*•: *.-. "ur v-jriLiiiii ia:^»*!«;tfllt and es 
Irr *". •■'..: :.ii :.t.*:*»T, ".e iit^ü^^Äi;! sc zi:t dem 
Xt v. '.• "u.«.:'.':. r •.".fTi'iLi. ■:. z.!!* uft i«Hi*i, nach 
v> .;.^.- ; i v.:£.::ijLiL Urififi im ii*ai Poten- 
•..i * i-.T:: *>!. ».:l: . >i i.i.:i :»*!n ^roerschen 

>;:'-,. ;;V:. Ar.; hL;Lx'.:'iz kzi ii-Ä-^s Resultat 
.^'.-.r-V: c:ii ä'..v, iÄjri.. i&i iij H-ilmholtzsche 
0>>^:*.z fi:! ::.:::•. .i. Wiitrspri:* blande mit 
'.-::. Vi'frotr.-vir.r::. hiiLZrrL rirlzirhr eine Folge 
'•^ letzterer: •«:. d^ä abrr ans ürserZcrückfüh- 
des Hn;lsiho!tzäo£ien Geä«Uc§ aof seine tiefer 
ide Qaelle eine ron den geir5hnlichen 



54d 

Vorschriften abweichende Behandlung desselben 
resnltire, bei deren Befolgung alle aus dem 
Helniholtzschen Gesetze gezogenen nicht zulässi- 
gen Folgerungen verschwinden. Der letzte Ab- 
schnitt der Abhandlung enthält einige Bemer- 
kungen über das Gesetz von Clausius. Dieses Ge- 
sets steht nicht in Widerspruch mit irgend wel- 
chen bekannten Thatsachen, aber in Widerspruch 
mit dem Princip der Gleichheit von Action und 
Beaction. Der schwerwiegende Einwand welcher 
sich hieraus gegen das Gesetz von Clausius er- 
geben würde, wird dadurch gehoben, daß dasselbe 
ein fragmentarischen Gesetz ist , da nach der 
Vorstellung von Clausius die Wechselwirkung 
zweier elektrischer Theilchen keine unmittelbare 
ist, sondern vermittelt durch ein unbekanntes 
den Zwischenraum zwischen denselben erfüllen- 
des Medium ; das Gesetz von Clausius bestimmt 
nur die auf die elektrischen Theilchen resulti- 
rende Wirkung und läßt die auf jenes vermit- 
telnde Medium wirkenden Kräfte ganz unbestimmt. 
Doch dürfte von unserem gegenwärtigen Stand- 
punkte aus die Wahl zwischen den Gesetzen 
von Weber und Clausius nicht zweifelhaft sein, 
da zwar beide mit den beobachteten Erschei- 
nungen in Uebereinstimmung sich befinden, 
aber das Gesetz von Weber diese Erscheinungen 
nur von bekannten Verhältnissen abhängig 
macht, während das Gesetz von Clausius eines 
vermittelnden Körpers bedarf, von dessen Exi- 
stenz und Eigenschaften wir nicht die mindeste 
Kenntniß besitzen. 

Die seit einer Reihe von Jahren über das 
Webersche Gesetz geführte Controverse hat das 
eigen thümliche Resultat gehabt, daß gerade da, 
wo die Gegner desselben eine schwache Stelle, 
einen Widerspruch mit den Principien der Me- 



550 

diaiiik n entdecken glaubten, ein unerwarteter 
Reichthnm nnd eine Tollkommene Harmonie mit 
jenen Principien durch die Abhandlungen yon 
Weber enthüllt wurde. In diesem Sinne dürf- 
ten auch die in der Torliegenden Abhandlong 
mitgetheilien Untemchungen einen Beitrag za 
unaeier Kenntnis des Webeiechen Gesetzes ent- 
haltsn. 



P^^^7 4ii5*-«I«ichung zwischen Theta- 

Functionen. 

Von 
A. Bnneper. 

'q isn ^fComptes Rendus^^ vom Jahre 1877 
, l;vÜV p. 731) hat Herr Hermite eine be- 
.^■LMMAwerthe Relation zwischen Theta-Funetio- 
:^^ üft^^theilt und dieselbe zur Integration 
.^Mi Lhuerentialgleichang verwandt. Die be- 
.,^aJS Relation läßt sich ohne ^oAe Rech- 
^ft^tut» Jacobi^s MultipHcatioüs-Tbeorem der 
ttiiiA-Functioüen ableiten, wie im Folgenden 
Lj^ajt werden soll. 

^le Argumente u)^ w^ eta seien durch fol- 
jl^ Gleichungen verbunden: 



u^ 



w, = 2 ' ""' ^ 2 ' 

I w—x+y—M ¥> — X — y-f-^ 

Im, = s 1 ^1 = o — • 



651 

2) 8 == nw,)f,{x,)f,{y,)f,{z,), 

WO /*, f^^ f^j und /*« beliebige Functionen ihrer 
Argumente sind. Mit Rücksicht auf die Glei- 
chungen (1) findet man leicht: 

Sdw'^ Sdx'^ Sdy'^ 8d0 ~ f(w^y 

Multiplicirt man mit 8^ so ist nach 2) 

dS d^ d^ dS ^ 
dw dx dy dtt 

Setzt man w = — (^ + y + ^)» dann aus 1) 
die Werthe von x* , y^ und e^ , so geht die 
Gleichung (3) in folgende über: 



^)BI+ 



^ dÄ dSl 

da? dy d^Jtt7 + «+y+« = 



Mit Hülfe dieser allgemeinen Gleichung läßt 
sich die von Hrn. Her mite gegebene Relation 
ohne Schwierigkeit ableiten. 

Man setze mit Jacobi: 

t^^(a;)s=: 5(— 1) g^ ^' e ' . 



fai des ^foaUkemkm Ssamen i«t » =s )/ri, 
«fa* «ominireDde EleoKat « nimmt alle ganz- 
xabKgen Wertbe voo — OC bis -f-OO an. 

Aot dem Fandtmental- Theorem Jacobi's, 
enthalten in der Gkicbnng: 

'.ahran *JMtt Awei weitere Gleichungen ab, indem 
:^«mM tHy Xy y^ z sämmtlich um — zunehmen, 



ii i^u a^ erhaltenen Gleichung boe man darauf 
% .uieai um n zanehmen. Die Summe der bei- 

i4tt bnuerkten Gleichnngen fahrt am dem fol- 

^;;iMiAU Biddttltate: 

\; 2&{w)d{x)^{y)&{s) = 

Man identificire jedes der rechts stehenden 
th'wUucte Ton vier Theta- Functionen mit dem 
lU i) aufgeteilten Ausdruck für £s wende dann 
j^* jWes dieser Producte die Gleichung 4) an. Da 

^ bleibt rechts nur das Prodnet ihrig, welches 

abhängt. Wendet man also die Glei- 

mI (& Gkiehmig &) an, so folgt, nach 



553 
6) -*'(a: + y+^)^a?)^)^(£r) 

*'i(0)*i(y+^)^i(^+^)*i(^+y), 

was die zu beweisende Relation ist. Statt von 
der Gleichung 5) auszugehn, kann man ähnli- 
che Gleichungen zu Grunde legen , bei welchen 
auf der linken Seite das Product von vier Func- 
tionon ^ durch die Producte von vier Func- 
tionen ^3, ^j oder i>i ersetzt ist. Die vier 
Terme auf der rechten Seite wechseln dabei be- 
kanntlich nur ihre Vorzeichen. Die Resultate, 
welche sich so ergeben, lassen sich auch aus 
der Gleichung 6) herleiten, wenn x, y, ^ sämmt- 

lich um eine der Quantitäten —, — ~, ^H ^ 

zunehmen. Auf der rechten Seite der Gleichung 
6) werden die Functionen i^^, abgesehn von 
einem Factor, reproducirt, während auf der lin- 
ken Seite der Reihe nach die Functionen ^j, ^^ ' 
und ^2 ^° Stelle der Function ^ treten. 

Eine andere Art vod Relationen ergiebt sich, 
wenn in der Gleichung 6) je zwei der Quanti- 

n ilogq n . i\oa,q 
täten a;, y und £r um -, — — , - -\ -^ zu- 

nehmen. 

Von diesen Relationen hat Hr. Hermite 
eine aufgestellt^ welche aus der Gleichung 6) für 

y = «+-2""'^ ^ — 2~ 

44 



554 

folgt. Man erhält in diesem Falle die nacliste- 
faende Gleichung: 

—^'(«+0+6) ^X) *i(o) &^(]b) 
+ *(a; + o + 6) *'(«) ;»i(a) »^(b) 

Weitere AufstellaDgen ähnlicher Gleichungen 
mit Hülfe der Gleichung 6) bieten keine Schwie- 
rigkeiten dar, so daß eine Ausfuhrung solcher 
Gleichungen hier unterbleiben kann. 

Nimmt man in der Gleichung 6) £? = 0, di- 
vidirt durch &(0)d(x)^(y)^x + y) setzt ^^'^(0) 
= ^(0) '^aCO) ^3(0), führt rechts die elliptischen 
Functionen ein, so erhält man die bekannte 
Gleichung Jacobi's 

'2KJc^ . 2Kx . 2Ky . 2K, . , 

— -smam smam sinam — (^ + y)» 

n n n n 

Aus dieser Gleichung leitet man leicht die 
folgende ab: 



dx ^(y) 

2Kk* . 2Kx . 2Ky . 2K, , , 

sin am sin am — - sin am — (x -j- y). 

f n n n 



555 

Bedeutet 6 eine beliebige Gonstante, setzt 
man 

*'t(y) 



und: 



^'iy) ^\iy) ^ _l]^ ^ 



cos am Jsim 



n 



Sin am 

n 

so folgt: 

2Ky ^ 2Ky 

,^^rCosam — -^am 

dt .2 Kl n n 



=-'^#[ 



dx n \ 2Ky 

sm am 



2Kx . 2Ky . 2^ 

+ Ä^ginam smam sinam — (ic + y) |. 

n u n ^ 



] 



Diese Gleichung führt für t auf folgende li- 
neare Differentialgleichung zweiter Ordnung: 

das« ~ 



sm^am 

ft 

44* 



5g6 

Die TOTsteliende Differentialgleidiiiiig,^ in vs- 
wesentlich anderer BezeichnoDg, lallt mit einer 
der Gleichungen zosammen, weldie Hr. Her- 
rn ite (1. c. p. 824) auf ganz 
Wege aufgestellt hat 



Die mittlere Tiefe der Oceane nnd dt8 
Massenverhältniß von Land und Meer. 

Von 

Dr. Otto KrümmeL 
(Vorgelegt von Wappäns.) 

Die Unzaverlässigkeit der yagen nnd sehr 
schwankenden Schätzungen, welche in den Lehr- 
büchern für die mittlere Tiefe der Oceane gegeben 
werden , bewog mich vor längerer Zeit , an der 
Hand des in den letzten Jahren so reichlich gefioft- 
nen Materials, eine möglichst sorgsame Berech- 
nung der mittleren Beckentiefe der Meeresraume 
vorzunehmen. Es lagen für den nordatlantischen 
Ocean eine große Zahl von Sondirnngen, kar- 
tographisch dargestellt von Hermann Berg- 
haus (in Stieler* s Handatlas) vor, für die 
Südsee gleichfalls eine hinreichende Zahl von 
Messungen, welche Petermann auf einer schö- 
nen Tiefenkarte niedergelegt hat, deren leere 
Räume sich in erwünschter Weise dnrch die Be- 
obachtungen an den Meerbeben wellen ergänzen 
lassen. Für den südatlantischen Ocean entwarf 
ich nach den Messungen zweier englischer Ex- 
peditionen (Hydra und Chal lenger) nnd der 
deutschen (S. M. S. Gazelle) selbst eine Tie- 
fenkarte; für den indischen Ocean, sowie für 
die ostasiatischen Bandmeere, den australasiati- 
schen Archipel^ das Mittelmeer nnd die Ostsee 



557 



deutschen Admiralitätskarten, welche sämmtlich 
ein reichhaltiges Material darboten. Für den 
größten Theil der Nordpolarränme ergaben die 
zahlreichen wichtigen Karten in Petermann* s 
„Mittheilnngen^' erwünschten Aafschluß. Gar 
kein Material , auch nicht einmal ein Anhalt für 
Schätzungen, lag vor aus dem antarktischen und 
einem Theile des nordischen Eismeers, zusam- 
men für etwa 475000 Quadratmeilen oder 7Vo 
der Gesammtmeeresfläche. Das Resultat meiner 
Berechnungen kann in Folge dessen nur eine 
Reihe von Näherungswerthen sein, und als et- 
was anderes beanspruchen die im Folgenden 
mitgetheilten Ziffern nicht betrachtet zu werden 

Dimensionen der Meeresräume. 

Mittlere Tiefe lAreal inQua- 
Faden I Eilom* dratmeilen 



1. Atlantiseber Ocean 

2. Indisoher Ooean . . 
8. Südsee 



4. Sfidliches Eismeer . 



5. Nördliches Eismeer 

6. Aostralasiatischer Arch. 

7. Amerikan. Mittelmeer 

8. Bomanisches Mittelmeer 

9. Baltisches Mittelmeer 

10. Bothes Mittelmeer . . 

11. Persisches Mittelmeer 

12. Die Nordsee .... 
18. Der Ganal etc. . . . 

14. 8t. Lorens-Golf . . . 

15. Ostchinesisches Meer . 

16. Japanisches Meer . . 

17. Ochotskisches Meer . 

18. Berings-Meer . . . 



2013 
1829 
2126 



1800? 



3.681 
3.344 
3.887 



3.3? 



845 

487 

1001 

729 

36 
243 

20 



Die 3 offenen Oceane (1—3) 



Die Mittelmeere (5-11) 



Die Bandmeere (12—18) . 



48 

47 

160 

66 

1200 

830 

550 



2026 



740 



1.545 
0.891 
1.832 
1.339 
0.067 
0.444 
0.037 



1 394 375 

1 340 295 

2 850 890 



375 000? 



0.089 
0.086 
0.290 
0.121 
2.200 
1515 
1.000 



246 600 

142 700 

82 710 

52 405 

7 545 

8 075 
4 300 



9 945 

3 700 

4 775 
22 310 
18 105 
26 130 
40 845 



3.705 



1.353 



5 585 560 



544 335 



ISnVeltmeer (1-18) r'l'lglT'VS:^'^'!» ^^^ 'V^^ 



886 1 0.706 l 



\fl% VA 



558 

Ks betrügt also die mittlere Tiefe der ge- 

'«::::r:teii Meeresräume ungefähr 1877 Fathoms 

:rr U:i2 Meter oder 0^4024 Geogr. Meilen. 

'?.r l}-:cails der Berechnung ^) und Näheres über 

11': u ier Tabelle angedeutete neue EÜntheilnng 

ior Meeresriume sollen andern Orts ausfiihrli^ 

wvr TiitUMtheiit werden. Eis sei hier nur be- 

:ri-\t , iuii ich die Gesammtmeeresfläche walir- 

, MriiiiiLti im i;twa 156000 Quadratmeilen, also 



:ii 



•0/. 



/.\x kleiu gefunden habe — eine Folge 
.-•r 'tiieu Methode der Arealberechnung, anf 
«ricIiH ich angewiesen war. In den nachfolgen- 

• li i>e rech nullten nehme ich eine größere Fläche, 

• iiiiich 07S<)000 Quadratmeilen dafür an, welche 
^.v.11 «Triebt, wenn man das Areal der fünf Con- 

iit'uie (2 454 000 nach H. Wagner), ver- 
ifuri um das der Polarländer (etwa 21000 Qua- 
.ictiiiieileii), von der Gesammtoberfläehe der Erde 
^ Jtil 000 Q. M.) abzieht. Wir bleiben also bei 
.r.-ui «4eKenwärti*v geltenden Fläche nverh alt niß 
..11 Land zu Wasser wie 1:2.75. 

''*jä Iie|jct nahe, die mittlere Erbebung der 
c>iiiiiider über dem Meeresniveau mit der mitt- 
■ivii riete der Oceane zu vergleichen. Es man- 
^r-it ai»er nofh an einem zufriedenstellenden 
Vnihe tiir die erstere. Die Berechnung H u m- 
>,. Iilt's (Kleinere Schriften S. 438) auf die wir 
.1,8» illein beziehen können, muß als gegenwär- 
.»; vöiliu veraltet betrachtet werden. Er hatte 
itiiilteu als Mittelhöhen für: 

Asion 350 Meter 

Südamerika Mb » 

Nortiümerika 228 » 

(Sanz Amerika .... 284 » 

Kuropa 205 > 

(ethodd bat Peschel in seinen Neuen Pr:>b- 
"9 der 2« Aufl.) angegeben. 



559 

Für Afrika und Australien hat er vermieden 
Mittelzahlen auszuwerthen ; doch glaubte er die 
für Europa, Asien und Amerika allein gefunde- 
nen ZifiPern benutzen zu dürfen, um darnach 
eine annähernde Mittelerhebung sämmtlicher Gon- 
tinente über den Meeresspiegel zu berechnen. 
Er fand sie zu 

Cj = 308 Meter. 

Seitdem haben sich wohl die Höhenmessun- 
gen in allen Ländern beträchtlich vermehrt, aber 
der Versuch Humbold t's hat bisher nur für 
Europa Nachahmung gefunden. Die Berechnun- 
gen von Gustav Leipoldt, mit musterhafter 
Sorgfalt und strenger Methode ausgeführt, er- 
gaben jedoch einen von dem H um bold tischen 
stark abweichenden Werth; Leipoldt fand 
nemlich die Mittelböhe Europas zu 296.84 oder 
rund 300 Meter. Humbold t's Ziffer ist also 
also um 0.44 zu klein. Setzen wir den Fall, 
Humboldt habe sioh auch bei den andern Con- 
tinenten um die gleiche Quote geirrt, so wür- 
den wir jiach Verbesserung dieses Fehlers er- 
halten: 

Europa 300 Meter 

Asien 500 > 

Amerika 880 > 

Geben wir nun Afrika dieselbe Hohe wie 
Asien , Australien aber eine Mittelhöhe von 250 
Meter, so würden wir als mittlere Erhebung 
aller Festländer über der Meeresoberfläche er- 
halten: 

c = 420 m = 0.0566 Meilen. 

Also darnach als Volum aller Festländer über 
dem Meeresniveau: 

G = 140 086 Cubikmeilen. 

Dagegen erhalten wir als Inhalt der Meeres- 



560 

raame, deren Fliehe za 6 786 000 Qnadratmei- 

len, and Tiefe m i = 0.4624 gesetzt, den Werth: 

= 3 138 000 Cabikmeilen. 

Während rieh also die Continental fläche 
Terhält znr Meeresfläche wie 1:2.75, yerhal- 
ten rieh die Yolamina beider wie 1 : 22,4. Man 
könnte also die Continente, sowrit sie über dem 
Meeresspiegel liegen, 22.4 mal in die Meeres- 
becken hineinschütten. 

Die Continente aber sind, nach Hnmboldfs 
Ansdmck, gewaltige Plateans, die yom Meeres- 
boden an&teigen. Die ans richtbaren Festlän- 
der rahen also anf mächtigen Sockeln, deren 
Höhe gleich ist der Mitteltiäe der Meere. Die 
Gresammterhebong dieser FeeUandmaariye oder 
Erdfesten beträgt also 

t + e = 0.519 Meilen = 8.852 Em. 

Das Volnm der Erdfesten also: 

F = 1 284 500 Cnbikmeilen. 

Es könnten also die Festlandmaariye (gerech- 
net vom Niveau des Meeresbodens an) in den 
Meeresbecken nur 2.443 mal untergebracht 
werden. 

Was wir bisher verglichen haben, waren nur 
die Ränme des Meeres und Festlandes; wollen 
wir aach die Massen beider yergleichen, so 
müssen wir die Yolnmina mit den entsprechen- 
den specifischen Gewichten multipliciren. 

Bei 0®C und einem Salzgehalte von 3.57o 
ist das specifische Gewicht des Meerwassers 
^ 1.02946, und es ändert sich nach der von 
J. Hann gegebenen Formel: 

5= 1.02946— 0.000 006 (6.7+ 0^+0.0077 (p— 3.5) 

bei s das specifische Gewicht, t die Tempe- 
nach der hunderttheiligen Skala und p 



xsrrk 



561 

den Salzgehalt in Procenten bedeutet. Wir neh- 
men für nnsre Rechnung den Salzgehalt der ge- 
sammten Meeresräume zn 3.5^0 an, da kein 
Gmnd vorliegt, von diesem Mittelwerthe abzu- 
weichen. Die mittlere Temperatur der Meeres- 
gewässer aber haben wir nach 10 Temperatnr- 
profilen, entworfen nach den Messungen der 
Challenger Expedition, zu 3.8^ 0« gefunden. 
Setzen wir diese Werthe in die obige Formel 
ein, so erhalten wir s = 1.02922. Daraus er- 
giebt sich als Masse der Meeresräume: 

Jf = 3 229 700 Cubikmeilen. 

Dem gegenüber finden wir als Masse der Erd- 
festen, deren specifisches Gewicht nach der all- 
gemeinen Annahme gleich 2.5 gesetzt, 

JM"^ = 3 211 310, also 
Mo — M^ = 18 390. 

Es zeigen sich also die Massen der Erdfesten 
(vom Meeresboden ab gerechnet) und des Meeres 
nahezu gleich; wir brauchen das specifische Ge- 
wicht des Festlandes nur von 2.5 auf 2.51432 
zu erhöhen, um das Gleichgewicht beider Mas- 
sen völlig herzustellen. 

Die Massen, die sich hier gegenübergestellt 
werden, sind so gewaltige, daß die Fehler in 
unseren Mittelwerthen am Gesammtresultat we- 
nig ändern. Setzen wir beispielsweise- als Mit- 
telhöhe der Festländer über dem Meeresspie- 
gel den älteren Humboldt'schen Werth ein, 
Ci = 0,0415 Meilen, so würden wir erhalten:] 



Gl 


SS 


1 027 300 Cubikmeilen 


Vi 


= 


1 247 120 


» 


■M«. 


= 


3 117 880 


» 


K 


:^ 


111 820 


» 



Wir mtigsen , nm Jlfo ^s M^ zn machen, das 



562 

specif. Gewicht des Festlands immer nnr auf 
2.5897 erhöhen — was innerhalb der bisheri- 
gen Schätzungen bleibt, welche von 2.5 bis 2.6 
schwanken. 

Nehmen wir ferner versuchsweise an, die von 
uns gefundene (wahrscheinlich nm 2% zn kleine) 
Meeresfläche (6 630 705 Q. Meilen) wäre die 
richtige, so würden wir darnach erhalten: 

Ol = 3 066 260 Cubikmeilen 
Mo, = 3 155 850 » 

Mo, — M^ = — 55 460 » 

Jfüi - M^^ = 37 970 

Um Mo, = M^ zu machen, müßte das specifi- 

sehe Gewicht des Festlands s= 2.4557« und um 
Mo, = M^ zu machen, = 2.5043 werden. 

Man sieht, wie wenig etwaige Fehler in den 
von uns zu Grunde gelegten Arealen oder Hö- 
henzi£Fem im Stande sind, das Gesammtresultat 
zu beeinflussen. Wir dürfen somit aassprechen, 
daß es mehr als wahrscheinlich ist, daß 
Gleichgewicht herrscht zwischen der 
irdischen Meeresdecke und den Erd- 
festen. Wir unterlassen mit Vorbedacht, über 
die Ursachen dieses Gleichgewichts Speculatio- 
nen anzustellen; wir wissen nicht, ob und 
warum esnothwendig so ist. Hier mag es 
gestattet sein, noch auf eine Schlußfolgerung 
geologischer Natur hinzuweisen. Es wird viel- 
fach angenommen, daß in zurückliegenden Welt- 
altern das Areal der Landflächen beträchthch 
kleiner gewesen sei als heute. Wenn nun das 
Gleichgewicht der Land- und Wassermassen sich 
nicht nur als ein momentan und zufallig, son- 
dern noth wendig und dauernd herrschendes Ge- 
setz erweisen sollte, so müßte damals das spe- 
fische Gewicht der Festlandmassive ein ent- 



563 

sprechend höheres gewesen sein .als heute: eine 
Schlußfolgerung, welche wirklich in der That- 
sache Bestätigung finden würde, daß die älte- 
ren Gesteine auch immer die specifisch schwere- 
reu sind. 



Uiiyersität. 

Der ordentliche Professor der juristischen 
Facultät in Breslau Dr. L. von Bar ist vom 1. 
April nächsten Jahrs ab als ordentlicher Professor 
in die juristische Facultät dieser Universität 
versetzt. 

Als Privatdocent«n haben seit der letzten Be- 
richterstattung darüber sich habilitiert: 

in der juristischen Facultät 23. July 1876 Dr. 
Wilh. Sickel aus Roßleben für deutsche Rechts- 
geschichte und deutsches Privatrecht mit Aus- 
schluß des Handels- und Seerechts; Dr. Victor 
Ehrenberg 31. Jul. 1877 aus Wolfenbüttel 
für deutsches Privatrecht, deutsche Rechtsge- 
schichte und Handelsrecht; 23. Oct. 1877 Dr. Aug. 
von Kries für Criminalrecht und Criminalprozeß. 

in der medicinischen Facultät; 11. Juli 1877 
Dr. Richard Deutschmann aus Liegnitz, Assi- 
stent an der Üniversitäts-Augenklinik, für Augen- 
heilkunde ; 27. Oct. 1877 Dr. B. R i e d e 1 aus Laage 
in Mecklenburg, Assistent an der hiesigen chirur- 
gischen Klinik, für Chirurgie und 22. Decbr. 
1878 Dr. Kurd Bürkner aus Dresden für Ohren- 
heilkunde. 

in der philosophischen Facultät: Dr. Fritz 
Bechtel, aus Durlach für vergleichende Sprach- 
wissenschaft. 



564 

Seit unserem letzten Berichte über die üni- 
yersität bat dieselbe die Jubiläen dreier Profes- 
soren gefeiert: am 30. Jnli das Doctoijnbilanm 
des Professors B o b tz, am 1. October das Dienst- 
nnd Lehrerjabilänm des Prof. nnd Medicinalratbs 
Wiggers und am 24. October das Doctoijnbi- 
Vknm des Professors Benfey« 

Se. Majestät der Kaiser nnd König gembeten 
huldreichst den Jubilaren den Kronenorden 3. 
Classe zu rerleihen, welcher ihnen von dem Herrn 
Curator der Universität mit seinen persönlichen 
Glückwünschen übergeben wurde. Die üniyersitat 
und die philosophische Facultät beglückwünschten 
die Jubilare in üblicher Weise durch Deputationen. 

Außerdem empfingen die Jubilare noch son- 
stige vielfache Beweise herzlicher Theilnahme 
und Ehrenbezeugungen. 

Herr Prof. B oh tz ward insbesondere erfreut 
durch ein herzlichstes Glückwunschschreiben 
eines seiner ältesten Freunde und Fachgenossen, 
des Professors der Philosophie Rosenkranz in 
Königsberg. 

Herr Medicinal-Rath Wiggers empfing von 
Sr. Durchlaucht dem Fürsten von Schaumburg- 
Lippe den Lippschen Hausorden 2. Classe nnd 
von den Schaumburg-Lippe*schen Regierungs- 
räthen ein aufterordentlich herzlich und wohl- 
wollend abgefaßtes Glückwunschschreiben mit 
besonderer Anerkennung der auch nach Aufhe- 
bung der von dem Jubilar langjährig im Königreich 
Hannover ausgeführten General -Inspection der 
Apotheken für das Fürstenthum beibehaltenen In- 
spection der Apotheken. Die hiesige medicinische 
Facultät verlieh dem Jubilar die medicinische 
Doctorwürde honoris causa. — Eine eben so 
^*ch wie sinnreich al^&ßte und prachtvoll 
«ttete Glückwunschadresse mit eigenbän- 



&65 

diger Unterschrift von 329 Apotheken-Besitzern 
und sonstigen früheren Schülern, sprach dem 
Jabilar au& Neue die Liebe und Dankbarkeit 
auSf welche ihm auch schon nach Aufhebung der 
General-Inspection der Apotheken in der Provinz 
Hannover von sämmtlichen Apotheken-Besitzern 
derselben durch Stiftung einer Wiggers-Stiftung 
zu Stipenden für hier studierende Pharmaceuten 
bezeugt worden waren. Ein dem Jubilar zuge- 
dachter Fackelzug ward der Ferien wegen bis zu 
Anfang des nächsten Semest-ers aufgeschoben. 

Herr Prof. Benfey wurde außer durch die 
Üniversitäts-Deputation auch durch eine Depu- 
tation der Königlichen Gesellschaft der Wissen- 
schaften beglückwünscht, bestehend aus dem be- 
ständigen Secretär, dem Herrn Geheimen Ober- 
Medicinal-Rath Wo hier, dem zeitigen Director, 
Herrn Geheimen Hofrath Weber und dem Herrn 
Professor Wüsten feld, der zugleich als Depu- 
tierter der deutschen Morgenländischen Gesell- 
schaft ein Diplom übergab, durch welches der 
Jubilar zum Ehrenmitgliede dieser Gesellschaft 
ernannt ward. — Eine Deputation früherer Schü- 
ler, bestehend aus den Herren Dr. Georg Bühler, 
Educational Inspector der Präsidentschaft Bom- 
bay in Ostindien, Dr. Adalb. Bezzenberger 
und Dr. Bechtel, überreichte eine zu Ehren 
des Jubilars veröffentlichte und demselben ge- 
widmete Festschrift, enthaltend Abhandlungen 
von Leo Meyer, Staatsrath und Professor zu 
Dorpat, Theodor Nöldeke, Professor in Straß- 
burg, Georg Bühl er, August Fick, Professor 
hieselbsty Joseph Buden z, Professor und Aka- 
demiker in Budapest, Dr. Jacob Wackernagel, 
Docent in Basel, Dr. Ad. Bezzenberger, Do- 
cent hieselbst und Dr. Theodor Zachariae in 
London. — Herr Director Schöning beglück- 



566 

wünM htr den Jubilar im Namen des gedämmten 
Lt'hrktiriHüv dec: hiesigen Grmnaaiams in wel- 
dit*n. dtir Jubilar seine Schnlbildang empfanß[en 
haTit Vor 6vT IVpniation der philosophischen 
i«.ul:ii: iiiH>!Tt>irhttai Herr Hofrath Berthean 
;u£RMrl 111 Namen der philosophischen Facnltät 
^i tt-.ii>T*.i*f!rc «ne höchst ehren voUe Votivtafel 
..;, :r Jrrtirfts.^r S 1 e r n eine gleiche im Namen 
.*f ":*:..j:*!»:^:»hsschfr Facnltät zu Kiel. — Außer 
.'•r*^: >-'iaei ir^anilativ^nstafeln waren ähnliche 
^... Tfc' !tt- ar oiT. Juhilar gesandt von den phi- 
•»^ ■^=^>.': Fa.r.'T»rei: zu Halle, Straßburg, 
^u- *i:*L u:u WLi'.-hs'i: — Ebenso hatten die Aka- 
-iii-i .w v\ r^^ie-iTsichaften zu Berlin und Mun- 
:w. ,-.t-i:.ü:\'ir*ivrroiben eingesandt. — Eine 
"v.! •*■* w.M/i»r ».»n: Professor Augelo de Gu- 
. - : ; ^ jfE .^i'.bilar zu Ehren seines Ju- 
*.,....::i> ^t » '.."ivti >T. nämlich Gli scritti del 
.,,:-^ V*^»-.- .V i Toniba u. s< w. diente zum 
'...._"? .^■' V :4:i:eder des Internationalen 
- . ■:. ^-r : - ,".:*; 'rs«"? Welcher im September 
-. - -r'-vi:-. :: c'It gewesen und w^ar ihm 
J >r.::':vbiT eingehändigt. Am 24. 
.^ - :^. ." v.vh der ihm vom Professor 
% .';• .j .v.T'Sfni Tage gewidmete 15. 
^. , .:■ .^.'T-.' Si::viitn ein. — Die Studen- 
;.-v w ■ --st :>: >:'w:es ihre Theilnahme durch 
>..:■..: /A,i^lr'.;g und einen Commers 
».; . •-:•• x- :.v. >o wie den Herrn Medici- 
_ .^^ ' ' - - ^ ■ ** -- '-^ ^^' Fackelzug gleichfalls 



X..X-. :.v* i"^^ glücklichen Ereignisseist 

^v:i *^^*^ ^-^^ **^- Todesfälle zu berichten, 

' V-u^'^r^'^^ i^i diesem Jahre noch 

^ Atu 1-4- August starb der Unter- 

j^ fi^ Dr. Stromeyer, Privatdo- 



^ 



567 

Cent in der medicinischen Facultät nnd am 25« 
November der außerordentliche Professor in der- 
selben Facultät Dr. Eraemer. 

Eduard Christian Friedrich Stromeyer, 
Sohn des i. J. 1835 verstorbenen Professors der 
Chemie, Friedrich Stromeyer war geboren zu 
Göttingen am 18. Octb. 1807, besuchte die Schule 
daselbst und in Holzminden und studierte in 
Göttingen Medicin und Naturwissenschaften seit 
Michaelis 1826, nachdem ihm schon i. J. 1822 
bei der Feier des Doctorjubiläums seines Groß- 
vaters, des Hofraths Dr. med. Johann Frie- 
drich Stromeyer von dem damaligen Prorector, 
Professor Bergmann die Matrikel eines Zög- 
lings der Georgia-Augusta ertheilt worden. Am 
26. Nov. 1831 erhielt er hier die medicinische 
Doctorwürde, und trat hier, nachdem er auf 
einer wissenschaftlichen Reise noch Würzburg, 
Berlin, Prag, Wien und Paris besucht hatte, 
nach abgelegtem Staatsexamen im Jahre 1835 
als praktischer Arzt und Ostern 1836 als Privat- 
docent in der medicinischen Facultät auf. Ostern 
1838 wurde er Accessist bei der Bibliothek, wo- 
rauf er seine medicinische Praxis aufgab und 
fortan seine Hauptthätigkeit der Bibliothek ge- 
widmet hat, an welcher er 1844 zum Secretär 
und 1872 zum Unter-Bibliothekar ernannt wurde, 
nachdem ihm schon i. J. 1866 als Zeichen be- 
sonderer Anerkennung seiner Amtsführung das 
Prädicat »Königlicher Rath« ertheilt worden. 

Der Verstorbene war auf der Bibliothek über 
dreißig Jahre lang mit der Ausgabe der hier 
nnd nach auswärts verliehenen Bibliotheks-Bücher 
betraut und hat dies immer umfangreicher ge- 
wordene Geschäft bis kurze Zeit vor seinem 
Tode stets mit so ausgezeichneter Pünktlichkeit 
und Liebenswürdigkeit besorgt, daß ihm auch 



568 

moAerhalb der Universität in weiten Kreisen ein 
cbnkbares Andenken bewahrt werden wird. 

Johann Christian Aibert Eraemer ist m 
65ttingen 31. Marm 1816 geboren , erhielt da- 
selbst seine wissenschaftliche Vorbildung nnd 
studierte hier Medicin. Im Jahre 1842 erwarb 
tf <hi«r die medicinische Doctorwürde, besuchte 
danach lu seiner ferneren Ausbildung mit dem 

f* trt ^eich&lls yerstorbenen Professor Dr. Max 
angenbeck noch die Pariser. Hospitäler, ha- 
bilitierte sich darauf lu Ostern 1843 hier als 
PriTmtdooent in der medidnischen Facultät und 
trat als Assistent des unter der Direction des 
iTMsiorbeBen Hofiraths Conradi stehenden aksr 
ilMMHebea Ho^itals ein, in welcher Stellung er 
bb OHiHni 1845 blieb. Zu Ostern 1847 wurde 
aattrowJentüchen Professor der Medicin 



der Königl. Gesellschaft der Wis- 
senschaften eingegangene Druckschriften 

(Fortsetraiig.) 

Sef. ord. de la oamera de BensdoreB. No.1— IL 1875. FoL 

Ses. de la oomisaion oonservadonu 1876. FoL 

Ed. S^ve, le Chili tel qaUl est T. L Yalpar. 1876. 

Quinto oenso jeneral de la pobladon de Chile. 1875. 
Ebd. Fol. 

Atti della R. Aooademia dd Lincei. YoL IL Fase. 6. 
1878. 

Revista Easkara. Anno I. No. 4. Pamplona. 1878. 

AüDaleB mSt^oroL de TObs. R. de Brozelles. 1 — 2. Bm« 
xelleB. 1878. 4. 

List of Banriving memben of the Amer. phil. Soc. at Phi- 
ladelphia. 

ProoeedingB of the Amer. phiL Society. YoL XYll. 
No. 100. 

F. Klein« die Gleichungen siebenten Grades. Mönchen. 
1878. 



569 

Proeeedingrg of the Davenport Aoademy. Vol. 11. P. 1. 
Mittheilangen d. Antiquar. GeBellsoh. in Zürioh. H. XLII. 

1878. 4. 
Prooeedings of the Lond. mathem. Society. No. 126— 127. 

JuU 1878. 

Leopoldina. H. XIV. No. 11-12. 

Revista Easkara. Ann. I. No. 6. 

Onoranze ad AUessandro Volta Pavia. 1878. 

Jahresbericht d. physik. Vereins zu Frankfurt a. M. 1876—77. 

Monatsbericht d. Berliner Akad. der Wiss. Mai 1878. 

Bulletin de l'Acad. Imp. des Sciences de St. Petersbourg. 

T. XXV. No. 1. 
A. Dillmann, die Handschriften- Venseichnisse der k. Bi- 
bliothek zu Berlin. Dritter Band. VerzeichniB der 

Abessinischen Handschr. 1878. 4. 
Nature 454 - 456. 

Bulletin de la Soc. de Mathematique. T. VI; No. 4. 
American Journal of Mathematics pure and applied. Vol. I • 

No. 1. 2. Baltimore. 1878. 4. 
Abhandl. der mathem. physik. Classe der E. bayer. Aka- 
demie der Wiss. Bd. XIII. I 4. 
— der historischen Classe. Bd. XIV. I. 4. 
Sitzungsberichte der philos. philolog. bist. CL 1878. H. 2. 
Almanach für das J. 1878. 

A. Spengel, über die lateinische Komödie. Festrede. 1878. 
J. V. Lamont, Meteorol. u. magnet. Beobachtungen der 

Sternwarte bei München. Jahrgang 1877. 
Transactions of the Zoological Society of London. Vol. X. 

P. 6. 1878. 
Prooeedings of the Zoological Society for 1878. Part. 1. 
Bulletin de PAcad. B. des Sciences de Belgiqne. T. 45. 

No. 5—6. 
Monthly Notioes of the R. Astronomioal Society. Vol. X. 

I. n. VI. XXXII - XXXV. Idem Vol XXXVIU. No.8. 
Zeitschrift der deutsch, morgenland. Gesellschaft. Bd. 82. 

H. 2. 
Verhandl. des naturhist. medicin. Vereins zu Heidelberg. 

Bd. II. H. 2. 1878. 
Rivista Europea. Vol. VIII. Fase. 2. 
Prooeedings of the London Mathem. Society. No. 128. 139. 
Transactions of the Connecticnt Academy of Arts and 

Sciences. Vol. III. P. 2. 
Jahresbericht VI des Westföliechen Provincial-Vereins für 

Wiss. o. Eonst. 1877. 

45 



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L liCS. H. HL IV). 

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rM\w=iKfltf .&::^«BfaBr 3k X ISTm. 4. 



4U< 



7B. 4. 




«1 



ToLX. 



571 

Gatftlogfaes des manasorits Syriaqnes et Sab^ens (Man- 
daites) de la biblioth^qae nationale. 1874. 4. 

Catalogaes des mannscritjs Häbreox et Samaritains de la 
biblioth. nat. 1866. 4. 

Gatalogrues des manoscr. Äthiopiens de la bibl. nat. 

1877. 4. 

Annales de l'Observatoire R. de Broxelles. Fol. 3. 1878. 4. 
2* Yerwaltongsberioht der akad. Lesehalle in Gzemowitz. 

1878. 
Balletin de la Sooi6te math^matiqae de Franoe. T« VI. 

No. 5. 
Monatsbericht der Berliner Akad. d. Wiss. Jnni — Au- 

gfost. 1878. 
M6moires de la section de mededne de l'Acad. des 

Sciences et Lettres de Montpellier. T. Y. 1 Fase. 

1872-76. 4. 
Memorie della Accademia delle scienze delP Istitnto di 

Bologna. Serie m. Tomo VIII. T. IX. Fase. 1. 3. 

Ebd. 1877-78. 4. 
Rendiconto delle sessioni dell' Aoc. di Bol. Anno 

1877—78. 
19. Bericht der Philomathie in Neisse. 1874—1877. 
Balletin de l'Acad. R. des scienoes de Belgique. T. 46. 

No. 7-8. 
B. Wolf, Astronomische Mittheilungen. XLVII. 
Proceedings of the American pharmaceutical Association. 

1862-56. 1857—60. — 1862—64. Philadelphia. 
Minutes of the Convention of Pharmaceutists and Drugsrists. 
Proceedings of the Amer. philosoph. Society. Vol. XYII. 

No. 100. 
List of surviving Members of the Soc. 
Balletin of the Essex Institute. Yol. 9. Salem. 1877. 
J. O. Pangborn, the new Rocky Mountain Tourist. 

Chicago. 1878. 
Blustrations of cretaceous and tertiary Plauts of the we- 

Stern Territories of the Unit. States. Washington. 

1878. 4. 

F. W. Hayden, Report of the Unit. States geological 

Survey of the Territories. YoL XI. Washington. 

1877. 4. 
Map of the sources of Snake River. 
Map of the lower Geyser basin on the upper Madison 

River. 
Map of the upper Geyser basin on tbe upper Madison 

River. 



572 

O.e. Witt 8t ein, tlie orgfanio oonsütiientB *ol plsnliilli 

EnlATged with nomeroas additioiis by F. t. MfllkB. 

Melboanie. 1878. 
W. Holti, Theorie, Anlage a. PrOfaiig der Blitiabldte. 

Greifswald. 1878. 
Jahrbach über die Fortsohritte der Bfathematik. Bd. 8. 

H. 2-8. 
Bolletin of the Amerioan Geographioal Sooie^. 1878L 

No. 2. 
Arohivea Nterlandüsee. T. Xm. JAn, l-*8. 
Nataarkondig T^dsohrift vor Nederlandsoh ladia. Beel 

86—87. 
AnnaleB del Inttitato y Obsenratorio de Marina dm 8ia 

Fernando. Pablicados per Don C. PQJazon. Seookml 

ObeervationaB meteorologicaa. Anno 1876 o. 1876. 

San Fernando. 1877. Folio. 
AnnaleB de la Soo* d'Agrioalture eto* de Lyon. 4 itee 

Serie. T. IX. 1876. 
Annales de la Soo. Linntenne de Lyon. An. 1878» 

T. XXIIL 
Tijdschrifb voor Indische Taal-, Land- en Yolkenkimde. 

Deel XXI?. Afl. 6. 
Notalen van de algem. en Bestnom-Vergaderingen van 

hei Bataviaasoh Genootschap van Künsten en Weten- 

schsppen. D. XV. 2-4. 1877. 
Jahresbericht des histor. Vereins von ünterfranken flr 

1877. 
L. Fries, die Geschichte des Bauernkriegs in Ostf ranken« 

Lief. 2. 
Mittheilongen des histor. Vereins für Steiermark. XXVI. 

Heft. Graz. 1878. 
Beitrage aar Kunde Steiermark. Gesohichtsquellen. 16. 

Jahr. Ebd. 1878. 
Sitznngsb. der philos. philolog. u. histor. Glasse der Akad. 

d. y^iss. in Manchen. 1878. 4. 
Historia e Memorias da Academia R. das Sciecias de 

Lisboa. Ciasse de soienoias moraies, politicas e belle- 

lettras. T. IV. P. 4. 
Ribeiro, Historia dos Estabelecimentos 8oientificofletc.de 

Portugal. Ebd. T. V. VII. 
Journal de sciencias mathemaücas , physicas e naturales. 

T. V. 
J. J. Ferro ira Lapa chimica agrioola. Lisboa. 1876. 
Sess6o publica da Academia R. das sciencias de Lisboa. 

1878. 



573 

Bessfto 1877. 

Joanial de soieno. mathem. eta No. XXI. XXII. Lisboa. 
P. F. Da Costa Alvarengfa, Lecons cliniqae« aar les 

maladies da ooear. Traduit da Portugals par F. B e r- 

therand. Lissabon. 1878. 
J. W. L. Qlaisher, on faotor tables. Cambridge. 1878. 
Mitth. der Antiquar. Qesellsoh. in Zürich. 1876. 4. 
L. Delisle, notice sur an manoscrit merovingeen de la 

biblioth^ae d'Epinal. Paris. 1878. 4. 
'*'} Wladislaw Wislocki, Katalog d. Handschriften d. 

Jagiellon. Universitätsbibliothek. Lief. 2. 3. Erakaa. 

1878. 
Denkschriften der Akademie der Wiss. in Erakaa. Phi- 

lol. o. histor. philos. Cl. Bd. 8. Ebd. 1876. 
Jahrbaoh der Verwaltung d. Akademie der Wiss. zu Era- 
kaa. Jahr. 1877. Ebd. 1878. 
Abhandlungen a. Berichte aus den Sitzung, d. Akad. d. 

Wiss. Histor.-philos. Abth. Bd. 8. Ebd. 1878. 
Pablioation de la Commission Archeologiqne de l'Acad. 

des Sciences. Livr. 1. Ebd. 1877. 
Abbandlangen der Commission z. Erforschung d. Ge- 

■obiohte der Ennst in Polen. Liefr. 2. Ebd. 1878. 
Sunmlang v. Nachrichten d. anthropol. Commission d. 

Akademie d. Wiss. Bd. 2. Ebd. 1878. 
8<niptore8 rernm Polonicamm. T. 4. Ebd. 1878. 
Xonnmenta med! aevi historica resgestas. Poloniae il- 

lottrantia. T. 4. Ebd. 1878. 
Ohr. Lfttken, til Kundskab om to arktiska slaegter af 

DybhaTS-Tadsefiske : Himantolophus og Ceratias. Ejö- 

benhETii. 1678. 4. 
Ameriean Joamal of Mathematios. Vol. L No. 8. Bal- 
timore. 1878. 4. 
88. Jahreabericht der naturf. Gesellsch. in Emden. 1877. 
ZeÜBohrift der deutsch, morgenl. Gesellsch. Bd. 82. H. 8. 

1678 
Veriiandl der natarf. Gesellsch. in Basel. Th.6. H. 4. 1878. 
Memorie del B Isütato Lombarde. Cl. di scienze math. 

enfttorali. Vol. XIV - V della Ser. m. Milano. 1878. 4. 
B. latitato Lombardo di Scienze e Lettere. Rendiconti. 

Ser. a. Vol. X. 1877. 
Mitth. der deutschen Gesell, für Natur- u. Völkerkunde 

OiUiifliil. 16 H. August 1876. Yokohama. Fol. 



*) Die Enkttuer Sohriften in polniiöher Sprache. 



574 

Yiertelljalirasohrift der Astron. Gesellsoh. Jahrg. 12. Ei1 

J. 18. H. 4. 

ProoeediDf(8 of the London Mathem. Society. No. 180—181.' 
List of pablioations of the Smithsonian Institation. Joly 1877, 
Bulletin de l'Acad. Imp. des Sciences de St. Petersboorii 

T. XXV. No. 2. 
Mdmoires de la Soc. des Antiqaaires de Picardie. T. IT. 

1878. 
Mem. de la Soo. des So. phys. et natorelles de Bordeaiii. 

T. IL 1878. 
H. Eisenaoh, Üebersioht der nm Gasse! beobaofaftetoi 

Pilze. 1878. 
Flora Batava. Aflev. 241-242. Leyden. 4. 
Bericht II. Lief. 2. der natorf. Qesellsoh. in Bamberg. 1877. 
Monthly notioes of the B. Astron. Soo. YoL XXVnL 

No. 9. 
Acta Sooietatis pro Fauna et Flora Fennica. YoL L Hd- 

singrfors. 1876-77. 
Notiser nr Sällskapets pro Fauna et Flora Fennioa f5^ 

handlingrar. Andra haftet 1862, tredje haftet 1867. 4. 
Notiser, Haftet 6-7, 9—14. 1861 — 1876. 
MeddelandenafSooietas pro Fauna etc. Haft. 1— >4. 1876 

-78. 
Sällskapets inrattningf och verksamhet Ifrän 1821 tili 1871. 
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